Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder .q (v <- deren Raum 15 bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 «S. für tO«
1913
Erstes Blatt
Marburg
Montag, 23. Juni
England und die vorlüfliifü-fcn Kolonien.
Es ist hinlänglich bekannt, daß Portugal in finanzieller Hinsicht fast vollkommen von England abhängig ist und daß bei der ständigen Geldknappheit und dem Drunter und Drüber im Mutterlande die portugiesischen Kolonien sehr vernachlässigt werden. Mit umso größerem Eifer stürzt sich das unternehmungslustige englische Kapital auf sie, und es ist schon so weit vorgedrungen, daß man ohne Uebertreibung sagen kann, Angola und Mozambique sind nur dem Namen nach portugiesisch, in Wirklichkeit aber englisch. Wie portugalfeindlich und englandfreundlich die Stimmung dort ist, geht deutlichst aus einer Eingabe hervor, die die völlig unter englischem Einfluß stehende Handelskammer des Haupthafens von Süd-Mozambique Lourenco Marques An- fang'dieses Jahres gemeinsam mit der Erundbesttzervereinigung und dem Verein der Ladenbesitzer und Handlungsangestellten an die Regierung in Lissabon gerichtet hat. Es heißt darin u. a.:
„Es ist vielleicht das l etz t e M a l, daß die Unterzeichneten sich an die Regierung wenden, da sie nachgerade der Dinge hier überdrüssig werden. Sie erinnern das Ministerium daran, daß nach der Revolution vom Oktober 1910 die Handelskammer dem Oberkommiffar der Kolonie eine Denkschrift überreicht hat, in welcher dis dringendsten Bedürfnisse der Kolonie aufgezählt
verhaftet. Prinz Sabah-Eddin richtete gestern an die Polizei ein Schreiben, in dem er mitteilt, daß er sich an einem sicheren Orte versteckt halte und ruhig den Gang der Untersuchung verfolge.
K o n st a n t i n o p e l, 22. Juni. Der Minister des Innern richtete an die Wilajets ein Schreiben, in dem er unter anderem mitteilt, daß das neue Kabinett die Durchführung der unter Mah« mud Schefket begonnenen Reformen fortsetzen werde.
Gärung in Mesopotamien.
K o n st a n t i n o p e l, 22. Juni. Rach an den Minister des Innern aus Basra gelangten offiziellen Telegrammen feuerten gestern vier Personen auf den Divisionskommandanten von Basra, Oberst Ferid, und den Gouverneur, den Kommandanten der Een« darmerie und andere Offiziere sowie auf Gendarmen Revolv,er- schüsie ab. Ferid wurde g e t ö t e t, der Gouverneur und ein Gendarm wurden verletzt.
Reklamen die Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
Noch einmal: Das Haliptmanmche „Fcstjpicl".
Heute soll in Berlin die Versammlung derer tagen, die sich mit der Wucht flammender Proteste gegen die „Bedroher der Freiheit und Wahrhaftigkeit der Kunst" mit einem Riesenwortschwall wenden werden, in dem alle Sachlichkeit vermutlich untergeht — vielleicht ganz im Sinne der Veranstalter. Sie haben es vorzüglich verstanden, die ganze Angelegenheit auf ein völlig . neues Geleise zu schieben, auf dem sie bester zu fahren gedenken. Um welche Frage handelt cs sich denn? Doch allein um diese: Entspricht das Breslauer Jahrhundertfestspiel den Anforderungen, die man in künstlerischer und nationaler Beziehung an ein solches stellen muß? Die Verteidiger Gerhart Hauptmanns, die im allgemeinen politisch sehr weit links stehen, lasten aber die Frage nach dem künstlerischen Werte des Festspiels ganz oder fast ganz in den Hintergrund treten und bezeichnen seine Tendenz als durchaus national, da es ja nach ihrer Meinung schon sehr viel bedeutet, wenn die Helden jener Zeit neben Napoleon beiläufig erwähnt werden. Und.die radikale Presse versucht sofort, aus einer Kunst- und Nationalfrage eine parteipolitische zu machen und daraus in ihrem Sinne, der sich mit antimonarchischen Bestrebungen sehr nahe berührt, Kapital zu schlagen. Es sind ganz und gar nicht „junkerliche Kreise", wie Hauptmann meint, die jetzt „in zornige Aufregung versetzt sind". Nicht nur alte Krieger und Offiziere haben das „Festspiel" als unwürdig befunden, sondern zahlreiche Vertreter des deutschen geistigen Lebens, ja Demokraten sind zu derselben Ansicht gekommen, dieselben, die oftmals als Eideshelfer herangczogen werden, um „junkerlich-klerikale Intrigen" als solche bloßzustellen. Einige Urteile von Männern, die alles andere als „blau-schwarz" sind, seien angeführt. So schreibt der Breslauer Universitätsvrofestor für Literatur Dr. Koch: „Und selbst, wenn der gegebene Stoff ihn nicht reizte, so durfte Hauptmann als deutscher Dichter doch Sprache und Vers nicht in dieser Weise mißhandeln. Solche Verse und Reime würde man in einem studentischen Vierulk nicht schön finden. In einem Festspiel für diese Gelegenheit angebracht, gibt es kein Wort der Sprache, das solche Verfahren genügend brandmarkte. Jeder Unparteiische und Urteilsfähige muß die E n t r ü st u n g über die der deutschen Dichtung angetane Schmach teilen." In einem Blatt, das stets für Hauptmanns Kunst eintrat, ist zu lesen: „Der Mann, dem seines Volkes Verzweiflungskampf um Ehre und Existenz nur Stoff gibt zu einem somißglücktenOpus, hätte am Weihe- und Gedenktag bester geschwiegen." In einem Blatte der äußersten Linken war zu lesen: „Wenn dieses Festspiel, was auch die Freunde zugeben müssen, eine Kälte ausstrahlt, die viel eisiger ist als die übliche kosmopolitische Temperatur, so ist der Schritt zum Mißverständnis nur sehr klein."
Um zu sehen, auf wie tiefer Stufe dichterisch das neueste Werk besten steht, der sich erst kürzlich zu seinem 50. Geburtstag als Deutschlands größter lebender Dichter feiern ließ, braucht man nicht weiter künstlerisch und literarisch besonders begabt oder gebildet zu sein. Herz, Verstand und Geschmack sagen das von selbst. Einige Proben aus dem „Puppenspiel": „Ohne Grundriß, ohne Statik bleibt das ganze Tatarataktik" — „Mitesser, unbarmherzige Körnerpicker, sozusagen Luftromantiker". — „Auch ich (sagt Napoleon) bin eine Art Körnerbeißer, nicht wie jene dort etwa nur Euanosch... er, allerdings dabei ein Praktiker und vor allen Dingen ein Taktiker". — „Er (Napoleon) gewann zum Beispiel die Lützener Schlacht, warf Rusten und Preußen, York, Scharnhorst und Blücher. Er schlug sie bei Bautzen noch fürchterlicher, er warf sie bei Dresden, bei La Rothit-re, aber bei Leipzig und Waterloo sank er" — „Eher wird ein Franzos' zum Herero, als ein deutscher Hammel zu einem Torero".
Das genügt, um zu zeigen, auf welcher künstlerischen Höhe das Festspiel der Deutschen zur Feier der 100. Wiederkehr des Bs- freiungejahres steht. Und Herr Hauptmann telegraphiert an die fortschrittliche Reichsiagsfraktion etwas von einer „ungewollten Mission, die das Fatum ihm zuteilt" und fühlt sich als Märtyrer.
K o n st a n t i n o p e l, 22. Juni. Die kriegsgerichtliche Ver- Handlung gegen die Mörder Mahmud Schefkets dauerte bis 1 Uhr früh, dann wurde das Urteil gefällt, das darauf dem Sultan zur Bestätigung unterbreitet wurde. Die Verurteilten werden morgen früh an verschiedenen Stellen der Stickt gehängt. Die 1 Mörder Nazmi, Hikmet und Abdurrahman sind noch immer nicht I
Weitere französische Festungswerke gegen Deutschland.
Zu dcn Mitteilungen der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" über das Stärkeverbältnis 'zwischen dem deutschen und französischen Heer an der Grenze wird von militärischer Seite geschrieben: Bei der Beurteilung des Stärkeverhältnistes kommen in erster Linie auch die Feftun- gen in Betracht. Frankreich ist jetzt wieder eifrig bemüht, den Festungswall gegen Deutschland immer mehr zu verstärken. Nachdem man vor kurzem begonnen hat, die Festungen im Osten des Landes zu verstärken, und neue Forts aufzurichten, find jetzt neue höchst eigenartige Maßnahmen im Gange, die sich anscheinend gegen Belgien richten in Wirk- lichkeit. aber nur als Berteidigungsmoßnahmen gegen Deutschland gedacht sind. Man wird sich noch der großen Beunruhigung erinnern, welche im Sommer des Jahres 1911 während der Zeit der Kongoverhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich ganz Belgien ergriffen hatte. Anscheinend völlig unbegründet hatte sich Belgiens eme Aufregung bemächtigt, die mit den Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich in gar keinem Zusammenhangs zu stehen schien. Aus den neuen Maßnahmen des französischen Kriegsministeriums kann man nun erkennen, daß die Unruhe in Belgien von der franzopschen Negierung ausging und von ihr geflisientlich genährt wurde. Frankreich befindet sich in dem Glauben, daß Deutschland im Falle eines Krieges nicht von der Ostgrenze Frankreichs, sondern über Belgien in das Land einrücken werde. Wenn Frankreich nun jetzt feine Befestigungen gegen das schwache Belgien verstärkt, dann wird man unschwer annehmen, können daß diese Maßnahmen nicht gegen Belgien, sondern einzig und allein 'gegen Deutschland gerichtet sind. Besonders auffällig sind dre Verstärkungen der Forts von Maubeuge und Douai, die völlig umgebaut und durch Zwischenforts verstärkt werden. Auch die Armierung der Befeftigungswerke nach vollkommen modernen Gesichtpunkten ist ttnt beschlossene Tatsache und wird in kurzer Zeit in Angriff genommen wer»
Politische Umschau. Offiziere und Mannschaften.
Die Sozialdemokratie macht immer wieder den Versuch, - st auch vorige Woche im Reichstag - Offiziere und Mamstchchlsn des deutsthen Heeres gegen einander auszuspielen. Sie behauptet, di« Behandlung der Soldaten durch ihre Vo-gesetzten sei eine solche, daß von einem gegenseitigen Vertrauensverhältnis keine Rede fein könne, und daß sich die Folgen in einem Kriege erschreckend zeigen wurden. Nun ist es selbstverständlich, daß in einem Heere von gegenwärtig nahezu <00 Oül) Mann im Frieden hier und da Mißstände und Uebergriffe vorkommen ebenso wie in jedem Zivilberufe. Mit menschlichen Schwachen und Fehlern muß überall gerechnet werden. Immer wird aber bei Mißhandlungen und unliebsamen Vorfällen energisch und scharf eingeschrtt ten, sodaß eine ganz erhebliche Besserung in dieser Hinsicht erzielt worden ist. Die Erfahrung hat gelehrt, daß die Stellung des deutschen Offizierkorps zu den Mannschaften durchaus richtig ist, und daß es ihnen überall, wo es galt, mit bestem Beispiel vorangegangen ist, so 1870/71 so in China, so in Afrika. Stets war der Prozentsatz der Offizier'sverluste größer als der der Mannschaften. Hunderte von Beweisen liegen vor, daß sich Offiziere für ihre Soldaten au geopfert haben ebenso wie umgekehrt. Man blättere nur in den Feldzugsbcrichten. Daß das aber nicht nur im Kriege, sondern auch im Frieden der Fall ist, zeigt folgender Tagesbefehl des Kommandeurs des bayerischen 9. Infanterie-Regiments in Würzburg: „Dem Regiment gebe ich mit Freude und Stolz bekannt, daß sich siebzehn Offiziere und Sanitatsoftizwre des Regiments sofort bereit erklärt haben, dem schwererkrankten Soldaten Frankfurter durch Transfusion, das heißt, durch Uebersuhrung von eigenem Blut an dcn Patienten hilfreich beizustehen, als dem Regiment die Notwendigkeit einer solchen Operation, um das Leben des Soldaten zu retten, bekannt wurde. Der Leut- nant Dittmar hat sich diesem ärztlichen Eingriff unterzogen. Es ist zu hoffen, daß durch feine Opferwilligkeit das Leben des Soldaten erhalten bleibt. Namens des Regiments, dem solche Bereitwilligkeit und solcher Opfermut zur hohen Ehre gereichen, spreche ich den Herren, die I sich bereit erklärt hatten und besonders Herrn Leutnant Dittmar auft richtigsten und herzlichsten Dank und vollste Anerkennung aus. Ich zweifle nicht, daß sich auch eine große Anzahl von Unteroffizieren und Mannschasten zu solcher edlen Tat bereit gefunden hätten. Das Regiment ist aber besonders stolz darauf, daß es einem Offizier vergönnt gewesen ist, einem Soldaten helfen zu können. In dieser ritterlichen Tat wollen alle Angehörigen des Regiments ersehen, daß die Ofsizrere wie im Kriege so auch im Frieden es als eine ihrer vornehmsten Aufgaben erkennen, allen Untergebenen ein leuchtendes Verspiel an Kameradschaft und Opfermut zu geben, und daß sie bereit sind, wenn es gut, hierzu auch Gesundheit und Leben zu opfern." — Bravo!
Ath e n, 22. Juni. Der König unterzeichnete heute ein Dekret, durch das Dragumis, der Eeneralgouverneur von Kreta, zum Generalgouverneur von Mazedonien ernannt wird. — Der König reist heute abend nach Saloniki ab.
Belgrad, 22. Juni. Der russische Gesandte v. Hartwig ermächtigte den Korrespondenten der „Petersburger Te^graphen- Agentur", die Gerüchte, wonach Hartwig der serbischensMgierung für den Verzicht auf adriatisches Küstengebiet Kompensationen in Mazedonien zugesichert hätte, kategorisch als falsch zu erklären. Die Gerüchte entbehrten jeglicher Begründung und seien eine bos- willige Erfindung.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Vellage".
wurden. Auch wurde für die Kolonie eine eigene Verfassung, eine Erweiterung der Befugnisse des Eeneralgouverneurs und der Distrikts-Gouverneure und ein weitgehendes Maß von Selbstverwaltung verlangt. Die Unterzeichneten weisen darauf hin, daß seit der Ueberreichung dieser Denkschrift an den Oberkommissar auch nicht das Geringste zur Besserung der Verhältnisse getan ist und erlauben sich dem Ministerium zu sagen, daß die Dinge s o nicht weiter gehen können. Die Unterzeichneten fordern daher das Ministerium dringend auf, der jetzigen Lage der Dinge ein Ende zu bereiten, da nicht vorauszusehen ist, was geschehen wird, wenn die Klagen wiederum ein taubes Ohr finden. In der Nachbarschaft von Lourenco Marques befindet sich chn großes Staatswesen, bestehend aus Staaten, die, noch vor kurzem im Kampf miteinander, heute gemeinsam arbeiten für ein gemeinsames Ziel. Angesichts der Arbeiten des Fortschrittes, die von der benachbarten Südafrikanischen Union geleistet werden, nach Grundsätzen, für die es im eigenen Lande an Verständnis fehlt, können die Unterzeichneten unmöglich voraussehen, wozu die unausbleibliche Unzufriedenheit sie noch zwingen wird. Lissabon ist gewarnt!"
Es ist sonst nicht üblich, daß Bürger eines Landes das Staatsministerium auffordern, etwas zu tun und bei Nichterfüllung ihrer Forderung so unzweideutig mit Hochverrat drohen. An'dieser Situation ist freilich die Regierung von Portugal sowohl wie das Volk selbst schuld, das eben als Mischraße unfähig ist, ein geordnetes Staatswesen zu bildest oder gar mit Erfolg Kolonialpolitik zu treiben. Daß sich England das zunutze macht, nimmt bei dem in nationaler, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht so überaus tüchtigen Volke nicht Wunder. Was der englische Diplomat, Beamte oder Soldat nicht tut, besorgt der eng- lichse Kaufmann. In den portugiesischen Kolonien hat er den Boden genügend vorbereitet. Es darf nicht überraschen, wenn England nun eines Tages für seinen Teil die Ansprüche aus dem deutsch-englischen Abkommen über die Liquidation des portugiesischen Kolonialbesitzes verwirklicht und Süd- und Mittelmozambique mit der Südafrikanischne Union verschmelzen wird. Hoffentlich bleibt das Deutsche Reich nicht zurück in der Geltendmachung seiner ihm zugestandenen Rechte.
I Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn I uns Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durö die Post 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 <M frei ins Haus. — Verlag von Dr. E. Hitzeroth. — Druck der Univ.- Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
Keine Demobilisierung auf dem Balkan.
Der serbische Gesandte in Sofia Spalaikowitsch hat die Ant- I wort der serbischen Negierung überreicht, in der die Vorschläge I Bulgariens betreffend die Demobilisierung a b g e l e h n t werden, obwohl die russische Negierung fortwährend einen Druck auf Ser- I bien ausübt, damit dieses den bulgarischen Forderungen nachgibt; I aber cs scheint sicher, daß sofort eine Militärrevolte ausbrechen würde, falls die serbische Negierung sich irgendwie zum Nachgeben bereit erklärt. General Putnik will nichts wißen von einem Aufgeben der serbischen Ansprüche und Kronprinz Alexander ist ein williges Werkzeug in seiner Hand. Demzufolge würde auch ein eventuelles Zurücktreten König Peters von der Regierung einen vollen Sieg der Kriegspartei bedeuten. Die Entscheidung über dcn vermutlichen Ausgang eines neuen Balkankrieges liegt bei Rumänien, das sich vorläufig noch freie Hand vorbehalten hat und sowohl von Bulgarien wie von Serbien eifrig umworben wird. Vermutlich wird es sich jedoch im letzten Augenblicke an Bulgarien anschließen.
Der Krieg unvermeidlich?
Sofia, 22. Juni. Das Blatt „Bulgaria" erklärt, die Ablehnung der bulgarischen Vorschläge betreffend die Demobilisierung schließe die Phase der diplomatischen Verhandlungen zwischen Bulgarien und Serbien ab. Es bleibe nun noch übrig, ein w i r k - sameres Mittel zur Regelung der Differenzen zu finden. Dieses Mittel werde Bulgarien zu finden wißen, denn es sei entschloßen, in der Verteidigung seines Rechtes bisansEndezu gehen' — Der serbische Gesandte Spalaikowitsch ist gestern abend nach Belgrad abgereist.
Belgrad, 22. Juni. Das „Preßbüro" meldet: Die Blattermeldungen, die bereits einen bestimmten Zeitpunkt der Abreise des Ministerpräsidenten Pasitsch nach Petersburg angeben, sowie die Politiker nennen, die Pasitsch angeblich begleiten werden, sind unrichtig. Darüber ist noch nichts entschieden worden.
Ein« serbische Eisenbahnbrücke in die Luft gesprengt.
Belgrad, 22. Juni. An der Grenze zwischen Serbien und j Bulgarien haben bulgarische Freischärler eine sehr wichtige serbische Eisenbabnbrücke in die Luft gesprengt. An der bulgarischen Grenze wurde eine serbische Wache in der Nähe von Doira aus dem Hinterhalte beschoßen.
Herabsetzung der Kriegsentschädigungsforderungen.
Paris, 21. Juni. Das „Echo de Paris" will wißen, daß die Balkanverbündcten ihre Kriegsentschädigungsforderungen bedeutend herabgesetzt haben. Bulgarien allein habe ursprünglich 1500 Millionen verlangt, dann habe es seine Forderung auf 800 Millionen herabgesetzt, während Griechenland und Serbien zwischen 6—700 Millionen verlangten. Gegenwärtig betrügen die von den Balkanverbündeten der internationalen Finanzkommission übermittelten „Eeldreklamationen" zusammen eine Milli-
i arde. „
Die Mörder Mahmud Schefket Paschas.