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deren Raum 15 .Z, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 L, für 40, xiUlJiy*
Jto 142 die Post 2.25 M lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 J*. *'=* frei ins Haus. — Verlag von Dr. T. Hitzeroth. — Druck der Univ.-
1913.
Buchdruck«-! I. A. Ksch (2nh. Dr. C. öitzeroth». Markt 21. Tel. SS.
Erstes Blatt
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Marburg
Freitag, 20. Juni
sich hoffentlich in die unabänderlich bestehenden Verhältnisse ebenso loyal fügen, wie es das Herzogshaus von Cumberland getan hat. Da der Bundesrat seine Beschlüsse von 1885 und 1907 im Herbst aufheben wird, wird mit dem Einzug des jungen Herzogspaares in Braunschweig die Welfenfrage in einer allseitig zufriedenstellenden Weise gelöst, und weit über Braunschweigs Grenzen hinaus wird man dem jüngsten deutschen Bundesfürsten und seiner anmutigen Gemahlin eine recht lange und segensreiche Regierungszeit von Herzen wünschen.
H a n n o v e r, 19. Juni. Für den 29. Juni wird eine autzer- ordentliche Generalversammlung der Welfenpartei einberufen, um zu dem Schreiben des Prinzen Ernst August Stellung zu nehmen. Die „Deutsche Volkszeitung enthält sich jeden Kommentars zu dem Schreiben.
Tie Erklärung des Prinzen Ernst August.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: „Mit Zustimmung Seiner Königl. Hoheit des Herzogs von Cumberland und seines Herrn Sohnes geben wir die Erklärung bekannt, die Prinz Ernst August mit Genehmigung seines Herrn Vaters in einem Schreiben an den Reichskanzlervom 2 0. Aprild. I. abgegeben hat. Das Schreiben lautet:
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Mädel. Die würde bester zu deinem Bruder pasten als ich. Vermögend ist sie auch. Also wollen wir wünschen, daß er diesmal doch Glück hat, obwohl nach deinem Ausspruch die Ranzows keines haben sollen."
„Ach Gott — sie ist wirklich reizend. Und mir scheint, Rolf hat Chancen. Sie war sehr lieb und zutraulich zu ihm, und unser Gesprächsstoff dreht« sich immer um Rolf. Weißt du — man hat so seine Zeichen. Ich glaube fast bestimmt, sie liebt ihn."
„Dann wollen wir ihm beide den Daumen kneifen, damit Rolf bald glücklicher Bräutigam ist." — Ursula seufzte.
„Das wäre ein Segen, Renate. Ich bin ein wenig egoistisch dabei, das gestehe ich ein. Wenn Rolf eine gute Partie machte, könnte er vielleicht aus seine Zulage zu meinen Gunsten verzichten. Cr würde es sicher tun, wie ich ihn kenne. Dann wäre ich doch nicht mehr so schrecklich abhängig von Tante Eleonore und könnte auf das Almosen verzichten, das sie mir mit schwerem Herzen gibt. Vielleicht reicht mein bescheidenes Einkommen dazu, daß ich mir selbst ein kleines Heim schaffen könnte und nicht bis zum Ende meiner Tage bei Tante das Gnadenbrot esten müßte." .
„Aber Urselchen — du sprichst, als wolltest du dich schon in ein Alt- jung'fernheim einspinnen. Du bist noch so jung. Willst du denn nicht heiraten?"
Ursula lächelte resigniert.
„Am Wollen fehlts nicht, Renate. Ich glaube, ich heiratete einen Droschkenkutscher, wenn mich einer haben wollte."
Renate lachte herzlich aus und auch Ursula stimmte mit ein. Dann fuhr sie fort: „ . ,
„Beinahe ist es mir Ernst damit. Wirklich, ich stellte es mir Herr- lich vor, verheiratet zu sein. Ein eigenes Heim — ein Mensch, dem man etwas ist, dem man angehört — mit dem bescheidensten Los wäre ich zufrieden. Aber nun sieh mich nur an. Wo soll ich bei meinem verlockenden Aeußeren «inen Mann hernehmen? Stumpfnase, matten, farblosen Teint, einen entschieden zu großen Mund, und dazu eine unscheinbare Figur. Was soll man mit solchen Reizen beginnen? Meinst du, daß sich einer in mich verlieben könnte? Ja, wenn ich reich wäre — dann wohl. Aber glücklich könnte mich dann ein Mann auch nicht machen. Rein, nein — ich will schon sroh sein, wenn ich mir so ein kleines behagliches Altjungfernstübchen leisten kann, ein ganz bescheidenes Reich, das mir gehört, in dem ich nach meiner Faston selig werden > kann,- (Fortsetzung folgt.) (
Aufmarsch der MMeere.
Serbien hat insgesamt drei Armeen gegen Bulgarien aufgestellt. Die nördliche Armee liegt zwischen Donau, Nagotin, Pirrot und Risch und ist etwa 24 000 Mann stark. Sie besteht aus der ersten und zweiten Division des zweiten Aufgebots. Die Südarmee liegt zwischen Branjo und Kratows und ist 1^>. Divisionen stark und entstammt dem ersten Aufgebot. Die dritte Armee, die sogenannte Wardar-Armee, liegt zwischen Kumanowo, Veles und Uesküb. Sie bestht aus vier Divisionen des ersten und zweiten Aufgebots und besitzt 54 000 Gewehre. Außerdem ist ihr das Eros der Kavallerie zugeteilt sowie die schweren Geschützparks. Der Kronprinz Alexander ist zum nominellen Oberbefehlshaber dieser Armee äusersehen, während Prinz Georg die Südarmee leiten soll. Serbien hat außerdem gegenüber von Eergeli 15 000 Mann aufgestellt und kann gegebenenfalls mit sieben Korps • operieren. Eine weitere Division von 13 000 Mann steht bei Pristina, die jedoch durch Freischärler bedeutend verstärkt wird. Diese
„Eure Exzellenz beehre ich mich, davon in Kenntnis zu setzen, daß mein Herr Vater, Seine Königl. Hoheit der Herzog vom Cumberland, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, den Entschluß gefaßt hat, in der Voraussicht der Aufhebung der Beschlüste vom 2. Juli 1885 und 28. Februar 1907 seine Recht« auf die Regierung in dem Erotzherzogtum Braunschweig auf mich zu übertragen. Der Uebernahme der Regierung in Braunschweig durch ein Mitglied unseres Hauses standen bisher die vorbezeichneten Beschlüste des Bundesrats entgegen. Die bekannten, meine Person betreffenden jüngsten Ereigniste, in Sonderheit meine Verlobung mit Ihrer Königl. Hoheit der Prinzessin Viktoria Luise von Preußen haben die den Beschlüssen des Bundesrats zugrunde liegende Sach- und Rechtslage geändert. Mit Zustimmung meines Herrn Vaters habe ich meins Anstellung als Offizier im Königl. preußischen Heere nachgesucht und S. M. dem Kaiser und Könige TreueundEehorsam gelobt: Darin liegt das Versprechen, daß ich nichts tun und nichts unterstützen werde, was daraufgerichtetist,denderzeitigenVesitzstand Preußens zu verändern. Diese Sach- und Rechtslage wird in Verbindung mit dem Verzicht meines Herrn Paters auf den braunschweigischenThron nach meiner Ueberzeugung die Aufhebung der früheren Beschlüste des Bundesrats rechtfertigen. Ich darf mir vorbehalten, eine Verzichterklärung meines Herrn Vaters auf den braunschweigischen Thron zu überreichen."
Mit vollkommener Hochachtung, Euerer Exzellenz ergebener PrinzErnstAugust,
- Herzog zu Braunschweig und Lüneburg.
verskunst veröffentlicht, die teilweise derart sind, daß wir sie hier nicht wiedergeben möchten, aus Gründen des guten Geschmacks und des Anstands. Einer Selbstverhöhnung kommt es gleich, wenn z. B. Freiherr vom Stein zur Mutter Germania spricht: „Dann scheuchen die Ratten und die Mäuse, die Maulwürfe, Heuschrecken, Fliegen und Läuse und stärken die deutschen Herakles, Achilles, Odysseus." Wer das liest, greift sich unwillkürlich an den Kopf und schüttelt.
Wenn die Unterbrechung der weiteren Aufführungen wirklich, wie mehrfach verlautet, aus den Einspruch des Kronprinzen zurückzusühren ist. so hat er damit von neuem einen erfreulichen Beweis von seinem deutschnationalen Fühlen und Denken gegeben. Den Angriffen des „Berliner Tageblatts" und gleichgesinnter anderer Zeitungen ist nur zu entnehmen, daß der Kronprinz auf dem rechten Wege sich befindet. Es ist zutreffend, wenn die nationale Presie ihm dafür Dank weiß, daß endlich einmal in Deutschland einer aufsteht, der den Kampf mit den in der Demokratie übermächtig gewordenen Kräften nicht scheut.
Natürlich kann Gerhart Hauptmann zu der Angelegenheit nicht schweigen. Er hat erklärt, daß er wahrscheinlich in Berlin einen Vortrag halten und dadurch „das ganze Gewebe von Angriffen und Intrigen" bloßlegen werde. Da sich Reinhard entschlossen hat, das Festspiel in Berlin aufzuführen, wird nun der Wunsch der radikalen hauptstädtischen Presse erfüllt, das Berliner Premierenpublikum als Oberschiedsrichter anzurufen. Daß dieses zu einem für Hauptmann günstigen Urteil gelangen wird, steht jetzt schon fest. Ob das aber als maßgebend wird anerkannt werden können, ist mehr als zweifelhaft. Fest steht aber, daß das Jahrhundertfestspiel der Deutschen nicht vom Standpunkt eines verwaschenen Weltliteratentums zu beurteilen ist, sondern von dem eines reinen Patriotismus. Wir wollen ein Festspiel, das dem Geist von 1813 entspricht und gerecht wird, aber keine Verherrlichung besten, der unser Vaterland knechtete. Und wenn man die Namen derer liest, die Sturm laufen gegen die Verurteiler Hauptmanns, bann kann man das gerade als Rechtfertigung für den Einspruch der nationalgesinnten Kreise in Anspruch nehmen, dem gegenüber der „feierlich zu den Akten gegebene Protest" der freisinnigen Weltzeitungsschreiber geradezu lächerlich wirkt. Der ganze Skandal wäre aber unterblieben, wenn der Magistrat von Breslau und der Festspielausschuß schon bei Prüfung bes Hauptmann'schen Entwurfs so viel Einsicht und Verständnis besessen hätte, ihn von Anfang an als ungeeignet zurückzuweisen. Als Dichter eines nationalen Eedenkdramas ist auch Gerhart Hauptmann bei all seiner Bedeutung so ziemlich der ungeeignetste. Das Treiben der freisinnigen Preste beweist aufs neue bas Streben des verwaschenen Linksliberalismus, alles, das nur entfernt wie Patriotismus aussieht, zu verdächtigen. „Einflüsse" aller Art werden vorgetäuscht, höfische, junkerliche, klerikale. Die Beharrlichkeit, mit der dies getan wird, zeigt dem deutschen Volke, was diese Kreise beabsichtigen, nämlich ihm den Sinn und das Gefühl für Patriotismus zu nehmen. Das deutsche Volk ist aber gesund und klug genug, um diese Pläne zu durchschauen und ihre Ausführung zunichte zu machen.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Vellage".
Gmunden, den 20. April 1913.
Diese förmliche Erklärung des Prinzen Ernst August an den verantwortlichen Leiter der Reichspolitik kommt einem Verzicht des Welfenhauses auf alle Ansprüche auf Hannover gleich. Von dem alten Herzog von Cumberland konnte nicht verlangt werden^ diesen Verzicht wörtlich und persönlich auszusprechen. Die Zukunft des Welfengeschlechtes steht nur auf den beiden Augen des jungen Gemahls der Kaisertochter. Der aber hat dem Kaiser und König feierlich Treue und Gehorsam gelobt und selbst damit das Versprechen als abgegeben erachtet, „nichts zu tun unb zu u nie r- stützen, was darauf gerichtet ist, den derzeitigen Besitzstand Preußens zu verändern." Das will die Welfenpartei Ihren Bestrebungen ist jetzt endgültig und ohne einen Zweifel Zweck und Grund 'entzogen, ihrer Agitation in Hannover eine klare Absage erteilt Sie hat damit die Existenzberechtigung verloren und wird
Das Hcmptmalin'^e „Festspiel".
Es rauscht wieder einmal im radikalen Vlätterwalde. Der Magistrat von Breslau hat die weitere Aufführung des von Gerhart Hauptmann verfaßten Festspieles für die Breslauer Jahrhundertfeier emsteNen lasten Er hat damit einen Mißgriff gut gemacht, der sich zu einem Skandal zu gestalten drohte. Bekanntlich hatte der Breslauer Magistrat für die Eröffnung bet Jahrhundert-Ausstellung, mit der die Stadt Breslau die Erinnerung an die Zeit von 1813 feier rooüte bet bem Srama» liker Gerhart Hauptmann ein besonderes Festspiel bestellt, rn dem die vaterländische Bewegung jener Zeit dargestellt werden sollte, und Gerhart Hauptmann hatte dieses Festspiel in Form eines Puppentheaters geliefert, bei dem die von Schauspielern und Schauspielerinnen dargestellten Hauptpersonen aus den Freiheitskriegen als Puppen agierten. Ueber den künstlerischen bezw. literarischen Wert dieses Puppenspieles ist in der Presse hin und her gestritten worden, aber auch die eifrigsten Lobredner Hauptmanns konnten nicht umhin, seine Arbeit als in bet Form verfehlt hinzustellen unb ihrem Inhalte jebe patriotische Warme abzustreiten. Auf allen Seiten wurde zugegeben, daß ohne die meisterhafte Inszenierung durch Reinhard bas Stück zweifellos eine entschiedene Ablehnung erfahren haben würde. Die weiten Kreise jener aber, die von einem Festspiel zu der unser ganzes Volk bewegenden Jahrhundertfeier vaterländischen Geist und patriotischen Schwung erwarteten, empfanden je länger desto mehr die Hauptmannsche „Schöpfung" als eine Verhöhnung der großen Zeit von 1813 und ihrer großen Mannet wenigstens, soweit Deutschland dabei in Betracht kommt. Denn keinem anderen wird in dem Stück so viel Lob und Beachtung geschenkt, als — Napoleon I. Nicht mit Unrecht bezeichneten manche Kritiker das „Festspiel" als eine Dichtung zur Verherrlichung des Korsen, der unser Vaterland so lange geknechtet und mit Füßen getreten hat. Mehr und mehr wuchs bet Widerspruch gegen die Hauptmannsche Auffassung und Darstellung jener Zeit des Wiederetwachens und Wiedetetstatkens Preußens und Deutschlands, und dieser Widerspruch gestaltete sich schließlich zu einem energischen Protest Tausender deutscher Männer, von denen viele für Deutschlands Verteidigung im Felde gestanden haben. Diesem Ansturm ist der Breslauer Magistrat schließlich gewichen. Die freisinnige Presie aber tobt. Sie schwört auf Gerhart Hauptmann und macht seine Sache zu der eigenen. Die „Voss. Ztg" spricht von einem „mutlosen Beschluß" und die „Berl. Volksztg." von einem Siege bet „blau-schwarzen Hetzaktion". Ohne die „Blau-Schwarzen" ist der liberalen Presie ja überhaupt keine „Aktion" mehr denkbar. „Ueberpatnoten" und „Kap- läne" haben nach dem „Berliner Tageblatt" „aus nackten chauvinistischen Motiven" den Feldzug gegen Hauptmann und sein Werk inszeniert. Nicht um Chauvinismus, nicht um Ueberpatriotismus handelt es sich hier, sondern um das berechtigte Verlangen aller vaterländisch Gesinnten, daß nicht in einem „Festspiel" aus Anlaß der Jahrhundertfeier Hohn und Spott getrieben wird mit dem Geiste, der jene große Zeit durchwehte. Als Beweis für die mindestens eigenartige Form der Hauptmann'schen Kunst unb für ben Geist, von bem bet Dichtet getragen wat, werben in bet Presie mehrere Proben bei Hauptmann'schen Festspiel-
All ihre Worte prallten an ihm ab, als wenn er von Stahl wäre. Was bezweckte er mit feinem Benehmen ihr gegenüber? Doch nut, sie zu demütigen. Et wollte ihr wohl heimzahlen, daß sie zu ihm gesagt: Ich hasie dich. Das hatte dem stolzen, hochmütigen Junker wohl keiner ins Gesicht gesagt. Und das konnte er ihr nicht verzeihen. Deshalb suchte er sie zu kränken unb zu bemütigen. Nun — sie wollte ihm alles mit gleicher Münze heimzahlen, bas wat gewiß. Nichts sollte ihm geschenkt werben. Wie weit er bieses Spiel wohl treiben würbe? Darüber sann sie lange nach. Unb bann stahl sich roieber sein warmer, zärtlicher Blick in ihre Eebanken. Wie seltsam sein Gesicht veränbett wurde durch diesen Blick. Als sei aller Stolz, aller Hochmut ausgeloscht. — Nein — an diesen Blick wollte sie nicht mehr beiden. Wer weiß — vielleicht wollte er sie bamit nur verwirren, um leichteres Spiel zu haben. Oh — er sollte sich hüten — auch sie hatte solche Waffen — wenn sie die anwenden wollte —-, er wat auch nut ein Mann schwach, wie ein Rohr im Winde, wenn seine Leidenschaft geweckt wurde. Er sollte sich hüten, daß sie nicht ernst machte aus ihrem Spiel. Trachteten so viele nach ihrem Besitz — warum sollte Heinz Letzingen gerade unberührt bleiben von ihrer Schönheit. Wenn sie es darauf anfinge wenn sie mit ihm kokettierte wie mit den anderen? —
Sie vertiefte sich in diesen Gedanken, aber dann drückte sie plötzlich die Hände vor das Gesicht. Nein — ihm gegenüber würbe sie bas nicht können, etwas in seinen Augen würde ihr dann die Schamröte ins Gesicht treiben.
Am nächsten Morgen lieferte ihr Ursula einen getreulichen Festbericht. Sehr schön und glänzend war der Ball gewesen. Ursula hatte sich ausgezeichnet unterhalten. Doktor Bogenhart hatte sie zu Tische geführt und sie hatte sich ausgezeichnet amüsiert.
Alle Bekannten hatten ihr Bedauern über Renates Unfall ausgesprochen. Die Herren, denen sie Tänze zugesagt hatte, waren sehr betrübt gewesen. Die Gräfin Frankenstein hatte sich untröstlich gezeigt und war zeitig mit Dolf wieder nach Hause gefahren.
Letzingen- war überhaupt nicht erschienen.
Renate fühlte etwas wie Genugtuung bei dieser Nachricht.
Ursula berichtete dann launig, wie toll Rolf der kleinen Mazda Gottenau den Hof gemacht hatte.
Renate lachte. „
„Siebst du wohl, Urselchen — cr hat sich schnell über meinen Verlust getröstet. Uebrigens ist die kleine Gottenau ein reizendes, frische»
* Jä) will.
| Roman von H. Courths-Mohler.
!> (Fortsetzung.)
„Ich verspreche dir, in Zukunft mich nicht mehr hinreißen zu lassen, Papa. Du sollst dich nicht ängstigen," sagte sie liebevoll. Naturl^) konnte sie nun nicht daran denken, ben Ball zu besuchen. Der Verzicht fiel ihr gar nicht schwer. Aber als Ursula erklärte, daß sie auch zu Hause bleiben wollte, protestierte Renate energisch. ..Ich rede acht Tage kem Sterbenswort mit dir, wenn du den Ball nicht besuchst. Das sehlte noch, daß ich auch dir das Vergnügen störe."
Aber es erscheint mir herzlos, wenn ich dich allem lassen soll.
„Närrchen - ich besuchte eine Unmenge Balle ohne dich ohne mir nur im mindesten Vorwürfe deshalb zu machen. Set nicht töricht. Du fährst — und Tante Josephinc mir dir."
Jcho Fällt mir nicht im Traum ein. Nein, Renate, so vergnu- gungssüchiig bin ick wirklich nicht, obwohl ich gestehe, dag ich mich auf ben Ball gefreut habe"
$a<5 Weiß ich, und deshalb wirst bu mit Ursula zu bem Ball gehen. SBenn ^bt euch weigert, obn« mich zu gehen, stehe ich wahrhatig auf und humple neben Euch her. Was wollt Ihr denn zu Hause bei mir? --rch kann Euch gar nicht gebrauchen. Papa ist mir Cesellichaft genug. Unb Dr Boaenharl kann Euch begleiten, damit Ihr nicht ohne männlichen Schutz seid. Sei so gut unb telephoniere sofort Pape, daß et erst hierher kommt, um die beiden Fahnenflüchtigen ms «chlepptau zu "^"sre setzte ihren Willen durch. Tante Josephine und Ursula fuhren mit Dr. Bogenhart im Automobil nach L. zum Kastnoball. ,
Hochstetten blieb bei Renate, bis sie erklärte, müde zu sein.
Aber Renate schlief nicht, als sie bet Vater verlassen hatte. Mit offenen Augen starrte sie zur Zimmerdecke empor unb dachte an Heinz Letzingen. „„ , , „ , ,,
Weshalb ließ sie sich nui fein rücksichtsloses Wesen gefallen, weshalb wies sie ihn nicht' energisch in seine Schranken zurück? Kein anbetet hätte wagen hülfen, ihr so zu begegnen, wie er es tat. Unb noch nie hatte ein Mann ihr gegenüber eine solche Sprache geführt, tyur amen Scherz ging et zu weit — unb feine Reden für Ernst zu nehmen, sträubte sich ihr Empfinden. Sie wußte nicht mehr, wie fit sich zu ihm stellen sollte^