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’ „Die deutschen Bundesfürsten, an der Spitze Prtnzregent Ludwig 80it Bayern, haben sich nach Berlin begeben, um morgen dem Kaiser ihre Glück- und Segenswünsche zum Regierungsjubiläum darzubringen. Sie innige Gemeinschaft blutbeschworener Verträge, tn der die im Deutschen Reiche verbündeten Fürsten zusammeugeschlossen find, kommt in dieser Kundgebung macht- und bedeutungsvoll zum Aus­druck. Diese fürstlich« Kundgebung zeigt dem Auslande, wie festge­fügt und unverrückbar die Grundmauern sind, auf denen der Bau des Deutschen Reiches sich austürmt. Sie wendet sich aber auch an Deutschland, an da« deutsche Volk. Mit ihr legen die aus eigenem geheiligten Recht dazu Berufenen ein feierliches Zeugnis dafür ab, mit welcher Treue Kaiser Wilhelm II. die seinem kaiserlichen Amte durch die Verfassung des Reiches gezogenen Grenzen innegehalten hat, mit welcher Gewissenhaftigkeit er die durch dieselbe Verfassung gewährleiste­ten Rechte der Bundesstaaten geachtet und hochge­halten hat. Die Beglückwünschung Kaiser Wilhelms II. durch die deutschen Bundesfürsten gestaltet sich somit zu einer Feier der Treue und des Vertrauens, an der das gesamte deutsche Volk mit dem innigen Sank- und Segenswunsch« teilnimmt: Gott schütze! Gott segn«! Gott erhalte unseren Kaiser!"

Die „Bayerische Staatszeitung" veröffentlicht weiter einen Armeebefehl, in dem es am Schluß heißt: „Freudig setzt meine Armee in den edlen Wettstreit mit den übrigen deutschen Kon­tingenten jederzeit alle Kraft in ernster Arbeit und treuer Hin­gabe daran, um das Schwert lang scharf zu erhalten, das unser Vaterland zu schützen berufen ist. Möge es Seiner Majestät be- schieden sein, das nun anbrechende zweite Vierteljahrhundert sei­ner Regierung zum Besten Deutschlands in unverminderter Schaf­fenskraft zu vollenden. Das walte Gott!" — Leitstetten, den 15. Juni. Prinz Ludwig von Bayern, des Königreichs Bayern Verweser. Der Prinzregent ernannte den Prinzen Heinrich von Preußen zum Inhaber des 8. Feldartillerie-Regiments und stellte den Prinzen Eitel Friedrich a la suite des 4. Chevaulegers-Regi­ments „König". Das 8. Feldarttllerie-Regiment führt künfttg die Benennung „Prinz Heinrich von Preußen."

Kaiser und Verfassung.

Bei der Jubiläumsfeier der Universität Berlin teilte der Professor für preußische Verfaffungs- und Verwaltungswissenschaft Dr. Hintze in einer Festrede auf Grund einer schon vor Jahren er­teilten kaiserlichen Ermächtigung mit, daß der Kaiser ein polt* tisches Testament des Königs Friedrich Wil* Helm IV., das die Thronfolger in den stärksten und beweglichsten Wendungen aufforderte, die Verfassung noch vor der Beeioi- gung umzustoßen, bei seinem Regierungsanttitte hab« ver­nichten lassen. Das Testament war von Friedrich Wilhelm IV. mit der Verfügung hinterlassen, jedem Thronfolger unmittel­bar bei seinem Regierungsantritt zu übergeben. Kaiser Wil­helm II. aber erwog, daß die Möglichkeit nicht ausgeschlossen wäre, daß in Zukunft einmal ein junger unerfahrener Herrscher zur Re­gierung kommen könnte, auf den dieses Testament doch vielleicht einen verhängnisvollen Eindruck machen könne. Seitdem sei ihm gewesen, als ob er ein Pulverfaß im Hause hätte und es habe ihm keine Ruhe gelassen, als bis das Testament vernichtet war.

Feiern i« Reiche.

K i e l, 18. Juni. Das Regierungsjubliäum des Kaisers wird in Kiel ganz besonders festlich gefeiert. Alle Kriegs- und Handels­schiffe tragen Flaggenschmuck. Um 12 Uhr mittags feuerte die Kriegsflotte den Katjerfalut ab. In den Rachmittagsstunden bewegte sich ein malerischer Festzug, an dem über 12 000 Personen und über 100 Festwagen teilnahmen, durch die festlich geschmückten Hauptstraßen.

Weitere Feiern werden aus allen Teilen des Reiches gemeldet, die einen glänzenden Verlauf nahmen, begünstigt durch herrlicher Wetter.

Feiern iw Ausland«.

Neapel, 16. Juni. Anläßlich des Regierungsjubiläumr des Deutschen Kaisers veranstalteten die Besatzungen der Kreuzer „Goeben" und „Straßburg" eine Feier. Alle Zivil- und Militär­behörden, sowie die hervorragendsten Mitglieder der deutschen Kolonie begaben sich des morgens an Bord des „Goeben", um ihre Glückwünsche darzubringen. Mittags feuerten die deutschen und italienischen Schiffe einen Salut von 21 Schüssen. Abends findet an Bord der „Goeben" ein Festmahl statt, zu dem die italienischen Behörden und die deutsche Kolonie Einladungen erhalten haben.

B u d a p e st, 16. Juni. Im Abgeordnetenhause ergriff heute der Präsident Boethy zu Beginn der Sitzung das Wort zu folgen­der Ansprache: „Den heutigen Tag können wir nicht vorübergehen kaffen, ohne des 25jährigen Regierungsjubiläums zu gedenken, das >er Souverän der mit uns in so enger Freundschaft und in für . ns so wertvollem Bundesverhältniffe lebenden großen deutschen Nation, Kaiser und König Wilhelm II. begeht. (Lang anhalten­der Beifalk und Händeklatschen, Eljenrufe). Dieser Freudentag er­weckt auch in unseren Herzen die wärmsten und innigsten Gefühle für die Person des großen Herrschers. (Stürmischer Beifall und Eljenrufe). Dankbarste Anerkennung auch für den erhabenen Hüter des europäischen Friedens. (Begeisterte Eljenrufe). Ich beanttage, daß das Haus diese unsere Gefühle im Protokoll aus­drückt und beschließt, daß der Ministerpräsident dies dem jubi­lierenden Herrscher ausdrückt." (Stürmischer Beifall, Eljenrufe). Ministerpräsident Tisza führte aus: „Ich glaube, die Worte, mit denen der sehr geehrte Präsident des Jubiläums Kaiser Wil­helm II. gedacht hat, werden in den Herzen eines jeden Ungarn begeisterten Widerhall finden. Der an der Spitze der deutschen Station stehende Herrscher ist nicht nur ein erprobter Anhänger, sondern auch die stärkste Stütze des Bundesverhältniffes, das in der Ideenwelt der ungarischen Nation fest begründet ist. Indem ich auch meinerseits von ganzem Herzen mich dem Ausdruck der vom Präsidenten ausgesprochenen Gefühle anschließe, empfehle ich den Antrag des Präsidenten der Annahme. (Stürmischer Beifall, Händeklatschen, begeisterte Eljenrufe.) Der Antrag des Präsiden­ten wird angenommen.

Fesfiichkeiten und Empfänge fanden statt im Haag, wozu die Königin der Niederlande und der Prinzgemahl erschienen, ferner in Bern, Genua, Brüffel, London, Kopenhagen, Madrid, Sara­jewo, Belgrad, Cetinje, Newyork und Tokio.

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Bresl au, 16. Juni. Von der Technischen Hochschule Breslau ist der Kaiser zum Dr. Jng. ernannt worden. ...

Deutsches Reich.

— Diplomatischer vesuch beim Kanzler. Berlin, 16. Juni. Der Reichskanzler empfing gestern den Besuch des Statthalters Grafen v. Wedel, heute vormittag den Besuch des russischen Bot­schafters Sverbejew und später den des großbritannischen Bot­schafters Goschen.

— Festsitzung der Reichs- und freikonservativ«« Partei. Set* R«, 16. Juni. Die Mitglieder des Eesamtvorstandes der Reichs- »nd freikonservativen Pattei traten am Sonnabend im Abgeord­netenhause zu einer Sitzung zusammen, die gleichzeittg dem Kaiserjubiläum gewidmet war. Freiherr v. Gamp warf in seiner Lröffnungsred« einen Rückblick auf die Landtagswahlen und be- (rifett die neugewählten Parteimitglieder. Sodann gab Freiherr IL Zedlitz und Reukirch in einer mit stürmischem Beifall ausgenom­

menen Festrede einen feffelnden und erschöpfenden Ueberblick über die kulturelle Entwicklung in den Jahren 1888—1913, wonach Generalleutnant z. D. v. Liebert in gewohnt glänzender Weise über die Entwicklung von Heer, Flotte und Kolonien während der Regierungszeit des Kaisers sprach. In seinem Schlußwort ging Frhr. v. Gamp auf das Anwachsen der Sozialdemokratie ein und endete mit einem machtvoll aufgenommenen Hurra auf den Kaiser. Es schloß sich dann ein Festesten an.

Ausland.

•* vom Balkan. Belgrad, 16. Juni. Die serbische Regierung hat die offizielle Einladung der ruffischen Regierung zu einer möglichst baldigen Zusammenkunft der vier Ministerpräsidenten nach Petersburg dankbar angenommen. — Paschitsch hat den bereits eingereichten Rück­tritt de» Kabinetts zurückgezogen.

Die Feier des Regierungs-Jubiläums in Marburg und Umgegend.

Zu einet in jedet Hinsicht recht volkstümlichen Feier des Re- gigerungsjubiläums gestaltete sich gestern abend der große von der Stadt arrangierte

Bürgerkommers

in den Stadtsalen. Alle Bevölkerungskreise unserer Stadt waren vertteten und füllten alle Lokalitäten in einer Weise, daß wohl mancher der zu spät gekommen, wieder umkehren mußte. Vor dem Podium an einer langen durchgehenden Quertafel hatte das Prä­sidium, die Spitzen der verschiedenen Zivil- und Militärbehörden, der Universität usw. Platz genommen. Außer den Mitgliedern der verschiedenen Vereine war auch die Studentenschaft zahlreich ver­treten. Rach einem einleitenden Musikstück der gut besetzten Ka­pelle Pauli eröffnete Oberbürgermeister Troje, der das Präsidium übernommen, gegen %9 Uhr den Kommers mit einer Ansprache, in der er auf den Ernst des Jahres 1913 hinwies. Es brachte uns, wie er ausführte, die Erinnerung an die Erhebung Deutschlands vor 100 Jahren und gleichzeitig leuchtete auch am östlichen Himmel die Kriegsgefahr auf, die leicht zu uns übergreifen konnte. Die Unsicherheit der Verhältnisse habe eine Unstetigkeit der wirtschaft­lichen Lage mit sich gebracht. Trotzdem breche es sich beim deutschen Volke mit elementarer Gewalt durch, das Regierungsjubiläum des Kaisers zu feiern.

Anschließend an den gemeinschaftlichen Gesang der Lieder „Sind wir vereint zur guten Stunde" betrat dann ein stattlicher Chor das Podium. Es waren Mitglieder des Liedervereins, des Liederkranz und bet Eesangsabteilung des Turnvereins. Es ist ^ebenfalls für den Dirigenten angenehmer mit Sängern aufzutre­ten, die er einzeln schon jahrelang unter feinem Dirigentenstab hat, wie mit solchen, mit denen et erst einige Wochen vorher die zu singenden Chöre einüben muß. Aus diesem Grunde sah man wohl besonders dem Auftreten dieses aus mehr als 100 Sängern be­stehenden Chors mit Interesse entgegen. Kraftvoll und wirkungs­voll brachte der Chor unter der Leitung des Dirigenten des Ge­sangvereins Liederverein, Herrn Lehrer Engelhardt die Mahnung „Deutschlang sei wach" zu Gehör.

Nunmehr betrat der Redner des Abend«, Herr Proseffor Busch, da« Podium. In seiner

Festrede

bezeichnete er einleitend den heutigen Tag als einen Markstein in der Geschichte de« deutschen Volke«. Bei Beginn seiner Regierung sei der Kaiser offen und frei, seinem traditionellen hohenzollern'schen Familien­charakter entsprechend, vor das deutsche Volk hingetteten. Seit 2'/j Jahr-'^ ; Hunderten stehe bei den HohenzoRernde^ Staat vor °ll«M. H^ Hoben*. g inrtetn lebten mit unv Dura) Den Staat. Die echte Hohenzonetnarr stellte, wie der Redner weiter ausführte, Kaiser Wilhelm I. dar. Er war ts, der den monarchischen Gedanken hob und Preußen und Deutschland ' n zur Höhe zurück führte. Alle Vorgänger Kaiser Wilhelms II. seien Kämpfer und Erwerber gewesen. Er habe die schwere Aufgabe, das Erbe zu wahren, in jeder Weise erfüllt. Der Redner gab dann einen inter­essanten Rückblick auf die 25jährige Regierungszeit unseres Kaiser«. Er schilderte die völlige Verschiebung der politischen Verhältniste nach Bismarcks Tod, wie Kaiser Wilhelm vor völlig neuen Aufgaben stand und sie der modernen Zeit anpastend auch durchführte. Bismarck habe uns aus erstickender Enge den Weg zur Weltpolitik gezeigt und diesen Weg habe Kaiser Wilhelm weiter gewandelt. Kaiser Wilhelm I. habe da« Heer, Wilhelm II. die Flotte geschaffen und wir seien auch Dank der Erfüllung des Lebenswerkes des Grafen Zeppelin auf dem besten Wege, unsere Luftflotte am besten auszugestalten. Die Persönlichkeit des Kaisers bleibe als national eng mit dem monarchischen Gedanken verbunden. Wilhelm II. sei geachtet und das deutsche Reich auch. Sein Jubiläum sei auch zugleich dasjenige des 25jährigen Friedens in Europa. Die letzte Sicherung des Friedens sei die Erhaltung unserer Machtmittel und es sei zu hoffen, daß sich die Volksvertretung den Wünschen zur Erhaltung und Verstärkung der Macht nicht verschließe, das sei die beste Jubiläumsstistung. Der Redner schloß seine Ausfüh­rungen, di« wir hier nur in großen Umristen zeichen, mit einem be­geistert aufgenommenrn Hoch auf den Kaiser, worauf die National­hymne gesungen wurde.

Der Mitteilung des Oberbürgermeisters, ein Huldigungstele- gramm an den Kaiser zu senden, wurde allseitig zugestimmt.

Der weitere Teil des Kommerses nahm einen programm­mäßigen Verlauf. Eine aus Mitgliedern des A. T. V., des Turn­vereins, der Turngemeinde und des Männerturnvereins zusam- mengest'ellte Riege zeigte zunächst am Reck und später am Barren mustergiltige Leistungen. Mit Befriedigung wurden auch die bei­den Fechter des Turnvereins ausgenommen. Die Kaiser-Hymne seitens der vereinigten Chöre, die nun folgte, und die der Dirigent des Gesangvereins Liederkranz, Herr Lehrer Kraus dirigierte, ver­ursachte einen Beifallssturm, der jedoch die Sänger zu einer Wie­derholung nicht veranlaßte. Dann betrat nach gemeinschaftlichem Gesänge des Liedes „Der Gott, der Eisen wachsen ließ" die statt­liche Sängerschar des Gesangvereins Liedertafel das Podium. Mit gewohnter Präzision fang dieser eingeschulte Chor Andreas Hofer und Hohenzollern. Dirigent Rohde folgte dem einfetzenden Beifall und ließ bas letzte Lieb nochmals zum Vortrage bringen. Der Verein begeht ja in diesem Jahre sein 50jähriges Bestehen. Bei bem bamtt verbundenen Konzert kommen die beiden Chöre hoffent­lich mit aufs Programm. Die letzten Nummern des Programms bildeten wieder Votträge der vereinigten Chöre. Diesmal leitete der Dirigent der Turnergesangsabteilung Herr Lehrer Obermann die Gesänge. Die beiden herzigen Weisen „Wohin mit der Freud " und „Die Einkehr" gelangen glänzend. Auf allgemeines Verlangen wiederholten die Sänger „Die Einkehr".

Mitternacht war vorbei, der Oberbürgermeister übergab das Szepter seiner Würde als Kommersleiter, einen gewichtigen Ham­mer, Herrn Prof. Bredt und der feuchtfröhliche Teil W inoffi­ziellen Programms trat in feine Rechte. Durch bas erste Lied unter bem neuen Kommanbo wurde bestätigt, baß man „nicht mehr beim ersten Glas sitze" unb bann gabs auch noch einige hu­moristische Einlagen seitens einiger dazu gut veranlagter Mitglie­der des A.T.V. Kurhessen. Erst nach y2l Uhr leerte sich langsam der Saal.

Heber die verschiedenen Feiern in den Lehranstalten und Schulen find uns noch folgende Berichte zugesandt worden:

Gymnafium Philippinum. Im Königlichen Gymnasium Philippinum wurde da» Regierungsjubiläum de» Kaisers durch einen

Festakt in der Aula gefeiert. Rach gemeinschaftlichem Gesang, Mbet, Chorgesängen und Deklamationen hielt der Direktor Prof. Dr. Fuhr die Festrede, die mit einem Hoch auf den Kaiser schloß.

Süd sch ule. Schon um 7 Uhr morgens versammelten sich samt- liche Schüler vor dem Schulgebäude und zogen bann teils in die Aula, teils in die Schulklaffen zu erhebenden Feiern. In der Aula entrollte Herr Lehrer Theis vor den Schülern der 10 oberen und mittleren Klaffen in ansprechender, anschaulicher Weise ein treues Bild von dem Leben und Wirken des hohen Jubilars. Ent eingeübte Deklamationen der Schülerinnen und Schüler folgten der Rede, und 2 wirkungsvolle Vor-' träge des Schülerchors unter der Leitung des Herrn Lehrer Engelhardt rahmten sie ein. Zum Schluß gab der Rektor der Schule die Namen von 80 Kindern bekannt, die aufBefchluh des Lehrerkollegiums eine der von der Königlichen Regierung und der Stadt Marburg gestifteten Fest­schriften als bleibendes Andenken an die heutige Feier erhalten sollens Dann begaben sich sämtliche Schulen auf den Schulhof, wo zirka 100 Knaben unter dem Kommando des Herrn Turnlehrers Hanke eine Reihe wohlgelungener Freiübungen vorführte. Zahlreiche Freunde der Schule verfolgten das Schauturnen mit regem Jntereffe. Und nun setzte sich ein fast endloser Zug, der aus 850 festlich geschmückten Kindern und einet großen Anzahl von Erwachsenen bestand, in Bewegung, um durch Wei­denhausen nach dem ehemaligen Exerzierplatz auf dem Schröcker Gleichen zu marschieren, wo fröhliche Jugendspiele abgehalten wurden. Wenn auch die kurzen Beinchen der jüngsten Jahrgänge manchmal nicht recht mitkommen konnten, fröhliche Marschlieder spornten sie zu neuen An­strengungen an und halsen die Schwierigkeiten überwinden. Nachdem der Staub an der improvisierten Schenke des Herrn Schmidt aus Schröck fortgespült war, entwickelte sich auf der weiten ebenen Lichtung ein munteres, lebhaftes Treiben, das sich gewiß von einem Luftschiffe aus recht anziehend ausgenommen haben würde. Aber die liebe Sonne, di« das prächtigste Kaiserwetter beschert hatte, mahnte doch endlich zum Ab­brechen der Spiele, und die Jugend sammelte sich wieder zum Heim- marsch. Vor dem Schulgebäude wurden die Schüler nach einem begeister­ten Hoch au Kaiser und Sketch entlaßen. Der heutige Tag wird aber in goldigem Schimmer in ihrer Erinnerung fort leben.

Aus Anlaß des Regierungsjubiläums sind auch viele Ordens- auszeichnungen verliehen worden. Soweit unsere Provinz in Be­tracht kommt, erhielten:

Den Stern zum Kgl. Kronenorden 2. Klaffe: der Landeshauptmann von Heffen, Frhr. Riedesel zu Eisenbach-Caffel. Den Roten Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife: Oberbürgermeister Dr. Eebefchus-Hanau, Vorsitzender des Landesausfchuffes des Bezirksverbandes des Regie­rungsbezirks Caffel. Den Roten Adlerorden 4. Klaffe: Ober-Regierungs­rat v. Lentze-Eaffel, Regierungsrat von Holtzendorfi-Caffel, Regierungs­rat v. Efchwege-Caffel, Regierungsrat Frhr. v. Tettau-Cassel, Rentner, Gr». rtorluS- Marburg, ReNltM Aülbleiö-Fv^a,, Rentner Otto Ehren-' berg-Caffel, stellvertretender Vorsitzender des Vereins für Walder- holungsstätten, Rechnungsrat Telgmann-Caffel, Hauptkaffierer an der Regierungs-Hauptkaffe zu Caffel, Prof. Dr. Bon hoff-Marburg, ordentlicher Professor der Landesunioersität Marburg, Landgerichtsrat Klingenbiel -Marburg, Regierungrat Schütze beim Oberversiche­rungs-Amt Cassel. Den Adler der Ritter des Kgl. Hausordens von Hohenzollern: Direktor des Kgl. Friedrichs-Gymnasiums in Cassel Dr. Martin Valtzer. Den Kgl. Kronenorden 3. Klasse: Major a. D. v. Arnim-Cassel, Landesökonomierat Förster-Caffel, Geh. Regierungs­und Forstrat Graf von der Schulenburg-Cassel Gemeien Baurat Kießgen- Cassel, Geh. Regierungsrat Angern. Wie wir weiter erfahren, wurde nuferem Mitbürger, Herrn Fabrikan Konrad Schäfer, der Titel eines Kommerzienrats verliehen.

Marburg und Umgegend.

Nachdruck aller Orginalartikel ist gemäß tz 18 de« Urheberrecht, nur b« bet deutlichen Quellenangabe „Oberheff Ztg." gestattet.)

Marburg. 17. Juni.

* Juristisches. Oberlandesgerichtspräsident Greif aus Caffel pell« fich heute den hiesigen Eerichtbehorde» vor. i

Aus der Umgebung liegen uns folgende Meldungen vor:

△ Cappel, 16. Juni. Auch hier wurde das Kaiserjubiläum ge­feiert. Die Mitglieder des Turnvereins versammelten sich abends 9 Uhr bei der Turnhalle und im Lampionszug ging es durch die Dorsstraßen, voran die Knaben der obersten Schulklasse mit Trommeln und Pfeifen. Vor der Wohnung des Lehrers Kling machte der Zug Halt. Der Lehret hjett «ine Ansprache. Die Turner zogen hierauf in die Rau'sche Gast- wirtschaft, wo man noch einige fröhliche Stunden zubrachte.

Kaisers Würbe auch in unserer Nähe in schöner Weise gefeiert. Auf de» Schanzen,-zwischen Warzenbach und hier gelegen, hatten sich ca. 25» Schu- ftt unter Führung ihrer Lehrer aus Caldern Goßfelden, Göttingen, Kernbach, Michelbach, Sarnau und Sterzhausen, versammelt. Vom Sam­melpunkte am Zollhaus gings im geordneten Zuge mit ftatternben «zah- nen unter frohen Marfchweifen hinauf zu den Schanzen, wo sich altes lagerte. Dort gedachte man in paffender Weife den Ereignissen vor 25 'labten, um dann ausführlicher die Fortschritte nufere« Vaterlandes tn den 25 Regietungsjahren unseres Kaisers zu schildern und zu zeigen, welchen Anteil gerade Wilhelm H. an diesen Errungenschaften hat. Ein­gelegte Gedichte und gemeinschaftliche Eesänge boten Abwechselung. Di« nun folgenden turnerischen Uebungen der Knaben und Singspiel der Mädchen ließen die Stunden nur zu rasch entschwinden. Die noch woyl- erhaltenen Schanzen wurden besichtigt, der geschichtlichen Vergangenheit des Ortes eingehend Erwähnung getan, dem Lucknerbrunnen Besuche ab- gestattet, und nun gings zu den sagenumwobenen Wichtelhausern Da di« Wichtel vor den brennenden Sonnenstrahlen in die hefiten ^elfenkam- mern geflohen und eben im tiefsten Schlummer lagen, ihr glitzerndes Gold aber sicher verwahrt lag. für die Besucher im dunklen Schoge also nichts zu holen gab, kletterten sie aus die Zinnen der Felsen und schauten hinüber zu den Leise- undHaubergen, zum Fessel- und Rimberg und hinab ins Lahntal nach Elmshausen und Kernbach und von allen Lippen erschallts aus wahrem Herzen: In der Heimat ist es schon. Alle kehrten von der Veranstaltung voll befriedigt dem Elternhaufe zu. An von Heldenblute geweihter Stätte hatte man gestanden, em Stuck der schonen Heimat geschaut, einen Festtag des Kaisers gefeiert. Ja, ein Jubeltag war heute! .... , - ..

v Hatzbach, 15. Juni. Das Regierungsjubiläum unseres Kaisers wurde hier in schöner Weise gefeiert. In feiner Festpredigt gedachte Pfarrer Trüner aus Rauschenberg der Regierungszeit unseres Kaisers. Auch der Gesangverein wirkte bei dem Gottesdienst mit. Nachmittag« sand ein gemütliches Zusammensein statt.

Neustadt, 16. Juni. Zur dauernden Erinnerung an das L'jahr. Regierungsjubiläum des Kaisers wurde von dem Herrn Oberförster Erütter hier in dem Staatswalde, dort wo die Straße nach Riederttem die Essenbahn schneidet, ein Eichenhain geschaffen. 25 kräftige Eichm- stiimme sind in regelmäßigen Abständen in Form eines großen lateinischen W gepflanzt. Ein gewaltiger, ungefähr 8 Zentner schwerer Quarzrtblock, dessen Herbeischaffung von dem Mühlenbesitzer Theodor Eies erfolgte ,st vorgelagert und mit gärtnerischen Anlagen versehen. Die Kinder der evanoel. Schule veranstalteten heute einen Ausflug nach der Landsburg bei Ällendorf. Unter Führung ihrer Lehrer zogen Schuler und Schüle­rinnen mit wehenden Fahnen und fröhlichem Gesang zu dem Bahnhos und fuhren mit dem Zuge um 10 Uhr nach Zimrnersrode um von da aus die bohe Landsburg zu ersteigen. Von hier aus genießt man einen weiten Ausblick in das Hessenland im Umkreis von 15—20 Stunden.

0* Treysa, 16. Juni. Die Feier des 25jährigen Regierungsjubt- läums des Kaisers wurde in der hiesigen Stadt am Sonnabend morgen seitens der israelitischen Gemeinde durch einen FestgotteÄstest eingcleitet. Auch in der Stadtkirche fand gestern ein solcher statt, an welchem sich der Krieger- und Landwehrverein in corpore beteiligte. Heute veranstal­teten die hiesigen Schulen ihre Feiern: in der höheren Schule hrett Oder- lebtet Weidmann die Festrede. Die Volksschulen feierten nachmittag, unter Beteiligung der Bürgerschaft in den städtischen Anlagen. Gesang, Deklamationen, Festrede des Lehrers Henkel, theatralische Aufführungen, Reigen und Schlußansprache des Rektors Reinert bildeten das reichhal- tiae Programm. Abends versammelten sich sämtliche hiesigen Verein«, viele Bürger und Beamte im Easthause „Zur Burg" zu eine» Kommers«, bei dem Pfarrer Wagner die Festrede hielt.