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M 136 die Post 2 25 « foi^ne Bestellgelds bei unseren Zeitungsstellen 2 M *'=* MV hei ins Haus. Verlag von Dr. C. Hitzeroth. Druck der Umv.-

1913.

Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Marburg

Frctlag. 13. Juck

DieOberhejsijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vicrteljäbrlich durck-

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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhckn

und den Beilagen:Rach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

, MVes Blatt.

Rundjckau.

Erledigung der Reichserbrechtsoorlage in 1. Kommissionslesung.

Die Budgetkommission des Reichtages hat gestern die erste Lesung des Gesetzentwurfs über das Erbrecht des Reiches zuEnde geführt. Der grundlegende § 1 wurde mit den Stimmen der Nationalliberalen, Fortschrittler, Sozialdemokraten und eines Mitgliedes der Wirtschaft­lichen Vereinigung angenommen. Zum § 4, der vom Fiskus als Mit­erben und von der Wertschätzung bei Grundstücken handelt, lag ein An­trag der Volkspartei vor, der insbesondere für die Miterben des Fiskus das Vorkaufsrecht vorsieht und bei Grundstücken 80 Prozent des ge­meinen Wertes festsetzen will an Stelle der im Entwurf vorgesehenen 90 Prozent. Der Unterstaatssekretär wandte sich wieder gegen den An­trag des Zentrums, wonach, wenn neben Großeltern des Erblassers nach den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches noch Abkömmlinge von Großeltern in der Seitenlinie zur Erbschaft berufen sind, der Fiskus eis Erbe in Wegfall kommt. Dagegen hielt er den Antrag des Bericht­erstatters für annehmbar. Vom Zentrumsantrag verblieb bei der Ab­stimmung nur eine Stundung des Kaufpreises, im übrigen wurde die Regierungsvorlage mit den Abänderungen des fortschrittlichen Antrages angenommen. Es folgt die Beratung des § 6, der die wichtigen Bestim­mungen über den Nachlaß testierunfähiger Personen bezw. über die Fälle enthält, in denen ein Testament wegen eines Formfehlers nichtig ist. Ein Antrag der Fortschrittler bestimmt, daß das Erbrecht des Fiskus nicht eintritt, wenn der Erblasser vor Vollendung des 21. Lebensjahres verstorben oder vom IG. Lebensjahr an testierunfähig gewesen ist. Der Antrag wurde angenommen. Nach einigen unwesentlichen Aenderungen bei späteren Paragraphen und der Streichung der Bestimmung des Ent­wurfs, daß der Fiskus als gesetzlicher Erbe von der Entrichtung von Erb­schaftssteuer, Besitzveränderungsabgaben, Stempclabgaben und -Gebüh­ren befreit ist, war das Gesetz in erster Lesung erledigt. Heute findet die zweite Lesung statt.

Wir England das Verhältnis 16:10 weiterberichtigt".

Der Entschluß Englands, dieausgefallenen" kanadischen Dread­noughts selbst zu bauen, zeigte mit erfreulicher Deutlichkeit, wie auf­richtig die Verhältniszahl 16 :10 von England gemeint war. Es sei aber noch auf eine andere merkwürdige Erscheinung hingewiesen, die einerBerichtigung" des Flottenverhältnisses zwischen England und Deutschland dient. England baut nämlich für fremde Mächte Kriegs­schiffe nur unter der Bedingung, daß sie den Abmesiungen der englischen Kriegsschiffe gleich oder nahe kommen. Die Absicht, die die englische Admiralität bei diesem Verfahren leitet, ist durchsichtig genug. Die englische Marine kann auf diese Weise jederzeit für eine ausländische Macht gebaute Kriegsschiffe in eigenen Besitz übernehmen und so sehr bequem den wirklichen Umfang der englischen Rüstungen verdecken. Uebrigens gibt es aus den letzten Jahren schon Beispiele dafür, daß die englische Regierung, wenn sie es für nötig hält, die Theorie auch in die Praxis umsetzt. So übernahm sie im Jahre 1003 die für Chile gebau­ten LinienschiffeLibertad" undConstitution" selbst und reihte sie unter den NamenSwistsure" undTriumph" in die eigene Flotte ein. Viel Glück hat sie mit diesen beiden Schiffen allerdings nicht gehabt, und heute sind sie aus der aktiven Flotte bereits ausgeschieden, obwohl die Linienschiffe aus der gleichen Zeit noch in der aktiven Flotte ver­wendet werden. Neuerdings kann man wieder an einem deutlichen Beispiel die oben beschriebene englischeVorsichtsmaßregel" beobachten. England baut zur Zeit für die türkische Flotte zwei Schiffe, die in er­staunlicher Weise mit den Maßen derKing George V."-Klasie über­einstimmt. Daß bei solchen Maximen England immer bester fährt als wir. leuchtet doch wohl ohne weiteres ein, ebenso daß eine Flotten­verständigung für Deutschland, weil nachteilig, ohne allen Wert und darum abzulehnen ist.

Programmred« des Grafen Tisza.

Im ungarischen Abgeordnetenhause hielt Ministerpräsident Graf Tisza seine Programmrede, in der er zugleich das Arbeitsprogramm -^des Abgeordnetenhauses entwarf. Er erklärte sich als einen u^rschütter-

(Nachdruck verboten.)

Ich will.

r Roman von H. Courths-Mahler.

lFortsetzung.)

Was liegt daran laß ihn glauben, was er will. Sprechen wir »on etwas anderem. Willst du mir einen Gefallen tun?"

Jeden ohne Nusnrchme."

Dann fahre heute nachmittag mit Tante Josephine nach Franken­stein. Die Gräfin erwartet uns zum Tee. Aber ich mag nicht hinüber. Die Grafenjünglinge stehen sicher wieder irgendwo mit einem Antrag tm Hinterhalt. Ich kann noch so deutlich abwinken sie scheinen ab­solut begriffsstutzig zu sein. Deshalb will ich durch mein Fernbleiben beweisen, daß ich mich in Frankenstein durchaus nicht heimisch zu fühlen gedenke. Allein würde Tante Josephine nicht gern fahren cs wird schon schwierig sein, sie zu bewegen, mich daheim zu lasten. Es bleibt mir nur übrig, kolostalen Kopfschmerz vorzuschützen."

Es ist gut, Renate, ich fahre natürlich mit, wenn du es wünschest. Dolf und Jürgen werden sich also vergeblich die schönen Vergißmeinnicht- blauen Augen nach dir ausschauen. Die Gräfin wird nicht in sehr rosiger Laune sein, wenn die Hauptperson fehlt."

Ach sie macht mich wirklich nervös mit ihren Attacken auf meine Freiheit."

Es soll sehr schlecht stehen mit Frankenstein. Dr. Bogenhart sprach gestern mit mir darüber."

Das geht schon lange so. Papa tut, was er kann, um die Gräfin über Master zu halten."

Das sagte mir Dr. Bogenhart auch. Ach, Renate, den solltest du Aber deinen Vater sprechen hören das Herz lacht dir im Leibe." ' Renate nickte freundlich.

Bogenhart ist ein prächtiger Mensch, wir haben ihn alle sehr gern. Ln dem ist alles echt ein tüchtiger, ganzer Mann."

Ursulas Gesicht errötete wie in einer heimlichen, stillen Freude.

!Sßarum er wohl nicht verheiratet ist? Er ist doch Ende der Dreißig." [ »JL alaube. er bat eine barte, schwer« Jugend hinter sich. Papa

lichen Anhänger des Dualismus, der ohne Verletzung der staatlichen Unabhängigkeit Ungarns das harmonische Zusammenwirken aller Fak­toren der Monarchie ermögliche und die Eroßmachtstellung der Monar­chie sichere. Diese Eroßmachtstellung sei auch vom Standpunkte des Lebensinterestes der ungarischen Nation unerläßlich. Die jüngsten Um­wälzungen auf dem Balkan bildeten ein ernstes Memento, daß den staatsrechtlichen Kämpfen ein Ende gesetzt werde. Ueber das Verhältnis zu Oesterreich erklärte der Ministerpräsident, daß Ungarn nichts anderes wünsche, als eine ehrliche Anerkennung seiner Rechte auf der ganzen Linie, wofür es das Gleiche gegenüber Oesterreich verspreche. Bezüglich der Nationalitäten hoffe er, daß auch jener Teil der nichtungarischen Bevölkerung, der jetzt nationalistischen Tendenzen huldige, alles vermei­den werde, was mit der Einheit des ungarischen Staates in Widerspruch stehe. Andererseits werde die Regierung beflisten sein, die Wünsche, die Interesten und die Gefühlswelt der Nationalitäten zu achten. Be- treffend das Militärbudget erklärte der Ministerpräsident, daß das vor Jahren entworfene Programm für die Ausgestaltung der Armee jetzt nicht mehr unverändert aufrecht erhalten werden könne, seitdem sich an den Grenzen das Kräfteverhältnis so verändert habe. Seitdem sämt­liche Großmächte in so riesigem Maßstabe rüsteten, wie man es sich früher nicht habe träumen lasten, so müßte auch Ungarn bis zu jener Grenze gehen, die die finanzielle Leistungsfähigkeit vorschreibe, nachdem die finanzielle Bereitschaft ein integrierender Teil der militärischen Bereit­schaft sei. sLebh. Zustimmung. Der Ministerpräsident erörterte sodann dir inneren. Reformen und kündigte eine Reform der Verwaltung, eine Re-form des Streik rechts, eine Revisiion des Preßgesetzes und des bürgerlichen Gesetzbuches an. Der Ministerpräsident richtete schließlich den warmen Appell an das Haus, daß es die Regierung in dem Bestreben, positive Arbeit zu leisten, nach Kräften unterstütze. (Lebhafter Beifall.) Dir Oppositionellen waren der Sitzung fernge­blieben.

(frnttymima nuf d m Balkan.

Ein energischer Schritt Rußlands zur Erhaltung des Friedens ist erfolgt. In nicht mihzudeutender Weife hat der Zar Bul­garien und Serbien zu verstehen gegeben, daß er entweder bas Schiedsrichteramt übernehmen oder mit eiserner Hand denjenigen ergreifen werde, der die Kriegsfackel von neuem anzünde. Und die beiden feindlichen Brüder taten, was sie im Selbsterhaltungs­intereste tun mußten, sie fügten sich dem höheren Befehl:

Petersburg, 12. Juni. Der Kaiser hat an den König von Bul­garien und an den König von Serbien am 8. Juni aus Moskau folgendes Telegramm gerichtet:Die geplante Zusammenkunft der Ministerpräsidenten der vier verbündeten Staaten in Salo­niki, der sich sodann eine Zusammenkunft in Petersburg an­schließen könnte, hat mich mit der größten Freude erfüllt, da diese Absicht den Wunsch der Balkanstaaten anzuzeigen schien, sich zu verständigen und das Bündnis befestigen zu wollen, das bis jetzt so glänzende Erfolge gezeitigt hat. Mit peinlichem Emp­finden erfuhr ich, daß dieser Beschluß noch nicht zur Ausführung gelangt ist, daß die Valkanstaaten sich anscheinend auf einen Bruderkrieg vorbereiten, der geeignet ist, den Ruhm, den sie ge­meinsam erworben haben, zu trüben. In einem so ernsten Augen­blick wende ich mich direkt an Eure Majestät, wozu mich mein Recht und meine Pflicht in gleichem Maße nötigen, denn das bul­garische und das serbische Volk haben durch ihren Bündnisvertrag die Entscheidung jeder Meinungsverschiedenheit über die Aus­führung der Bestimmungen des Vertrages und der Verabredun­gen, die sich darauf beziehen, Rußland übertragen, und ich bitte deshalb Eure Majestät, den übernommenen Verpflichtungen treu zu bleiben und die Beilegung der gegenwärtigen Meinungs­verschiedenheiten zwischen Bulgarien und Serbien der Ent- scheidung Rußlands zu überlassen. Da ich das Amt des Schiedsrichters nicht als ein Vorrecht, sondern als meine ernste Pflicht betrachte, der ich mich nicht entziehen könnte, so glaube ich Eurer Majestät mitteilen zu müssen, daß ein Krieg zwischen den

erzählte mir, daß er seines unscheinbaren Aeußeren wegen zu Hause hin- ter einem schönen, glänzenden Bruder zurückstehen mußte. Dieser Bruder ist später in schlechte Gesellschaft geraten und hat sich erschossen. Seine Mutter soll an der Leiche ihres Lieblingssohnes ausgerufen haben: Warum hast du mir den genommen, Vater im Himmel, warum nicht den andern."

Ursula sah blaß mit großen Augen in Renates Gesicht:

Und das hat er gehört?"

Ja er hat es gehört."

Tränen verdunkelten Ursulas Blick.Der Aermste, wie bitter mutz ihm dabei zumute gewesen sein."

Jedenfalls ist er ein einsamer Mensch geblieben. Schade er könnte wohl eine Frau glücklich machen", jagte Renate, und plötzlich schien ihr ein Gedanke zu kommen, der sie überraschte. Sie sah forschend in Ursulas trauriges, geneigtes Gesicht. Diese beiden Menschen Bogenhart und Urusla wahrhaftig die hätten sich zusammensinden mästen. Beide waren tief angelegte, wertvolle Menschen, deren un­scheinbares Aeutzere große Schätze barg. Und sie waren einander sehr sympathisch, unterhielten sich gern und hatten viel gemeinsame Inter­essen. Daß ihr dieser Gedanke noch nie gekommen war! Was wäre es für ein großes Glück für die kleine Ursula, wenn ein Mann, wie Bogen- hart, ihr Schicksal in seine Hände nähme!

Sinnend blickten die beiden jungen Damen vor sich hin, ohne zu sprechen. Und als nach einer Weile Tante Josephine eintrat, schraken sie lächelnd empor.

Eleick darauf kam der Kommerzienrat nach Hause. Er begrüßte feine Damen, neckte sich ein wenig mit Renate und Ursula und ließ sich behaglich in einen Sessel nieder. Es waren ausnahmsweise keine Gäste zugegen da war er immer besonders gut aufgelegt. Vor Ursula hatte er alle Scheu abgelegt. Die gehörte ihm schon zur Familie.

Als Tante Josephine zu Tisch bat, führte er die beiden jungen Damen mit komischer Grandezza in den Speisesaal. Er konnte sehr lustig und vergnügt sein, wenn er wußte, datz kein kritische kritischen Augen sein Tun verfolgte^.-----

Am Nachmittag saß Renate allein draußen aus der Terrasse unter einem gestreiften Leinenzelt. Das Laub begann schon sich herbstlich |tt färben, aber di« Sonne brannte noch heiß hernieder. ___________ ______

Verbündeten mich nicht teilnvhrnslos lafftii könnte. Ich stelle ausdrücklich fest, datz der Staat, der diesen Krieg beginnen würde, dafür der slawischen Sache gegenüber xer- antwortlich wäre, und ich behalte mir jede Freiheit für die Haltung vor, die Rußland gegenüber dem Aus­gang eines so verbrecherischen Kampfes einnehmen wird."

London, 12. Juni. Wie das Reuter-Büro aus Petersburg meldet, werden sich Bulgarien und Serbien dem russischen Schieds­spruch unterwerfen.

London, 12. Juni. Zu dem Appell des Zaren an de» König von Bulgarien und den König von Serbien, in t#m dies« aufgefordert werden, ihren Verpflichtungen treu zu bleiben, er­fährt das Reuter-Büro, datz vor mehr als 3 Wochen Bulgarien amtlich dem Minister Ssasonow die dringende Notwendigkeit eines schleunigen Schiedsspruches seitens Rußlands dargelegt habe. Bulgarien habe dabei Rußland aufgefordert, sofort die von ihm in Artikel 2 und 4 des geheimen Zusatzvertrages zwischen Serbien und Bulgarien übernommene Aufgabe auszuführen. Obgleich di« Intervention des Zaren als ein Schritt begrüßt wird, der daraus abzielt, zur Erhaltung des Friedens beizutragen, wird v»n bul­garischer Seite erklärt, datz die von Bulgarien bereits getroffene» militärischen Matznahmen die beste Gewähr für den Richtuusbruck der Feindseligkeiten bieten.

Belgrad, 12. Juni. Die serbische Regierung hat an di« bulgarische eine Rote gerichtet, in der vorgeschlagen wird, um bi« Streitigkeiten um bie zukünftige Grenze unb bie strittigen Ee- biete zu milbern, bie gegenwärtigen Effektivbestänbe auf ein Viertel zu verringern. Die Demobilisierung bebrüte eine freunbliche unb friedliche Lösung der Streitfragen.

Zur Ermordung Mahmud Schesket Paschas

schreibt dieRordd. Allg. Ztg.":Selten gestaltete sich das Schick- sal eines hochbegabten Staatsmannes so tragisch wie der Abschluß der Laufbahn Mahmud Schefkets. Während der entscheidenden Wochen des für die Türkei verhängnisvollen Krieges zwangen ihn politische Hindernisse, dem Schauplatz fern zu bleiben, auf dem bei rechtzeitiger Verwendung seiner Fähigkeiten vielleicht gerade er den Geschicken seines Landes eine günstige Wendung hatte geben können. Dann fiel ihm die undankbare Arbeit der Beendi­gung des verlorenen Feldzuges zu. Als tapferer Soldat hätte er sich wohl am liebsten unter den Trümmern der Hauptstadt be- graben. Es war ein Werk der Selbstverleugnung, daß er die Ver- mittlung der Großmächte annahm, den Vorfrieden unterzeichnen ließ und im Erotzwesirate ausharrte, um das ottomanische Reich durch die schwerste Krisis hindurchzuführen zur Vorbereitung einer besseren Zukunft. Sein Charakter, seine Erfahrung und sein An­sehen bei den Mächten ließen ihn für die Lösung dieser Aufgabe besonders geeignet erscheinen. Zu dem jähen Verlust dieses tre.f- lichen Erotzwefirs drücken wir der Türkei unsere herzliche Teil- nähme aus und wünschen, datz es dem Nachfolger Mahmud Schef- kets vergönnt sein möge, die von ihm begonnene Erncuerungs- arbeit für die Türkei erfolgreich weiterzuführen."

Berichte von Augenzeugen.

Konstantinopel, 12. Juni. Ein Polizeiagent, der Augenzeuge des Anschlags war, erzählt:Ich bemerkte das Auto­mobil des Eroßwesirs in dem Augenblick, als es infolge des Ee- dränges sein Tempo verlangsamte. Im nächsten Augenblick hört« ich einen Revolverschuß und sah gleich darauf den Chauffeur und den Diener des Erotzwesirs von ihren Plätzen springen. Der Ad­jutant des Erotzwesirs lief zum Kriegsministerium, um Militär herbeizurufen. Gleich darauf stieg ein Individuum, von dem ich annehme, datz es den ersten Schutz abgegeben hatte, auf den Wagen­tritt und feuerte Schüsse in das Innere des Wagens ab. Fast

Renate trug ein duftiges, Helles Kostüm, das sich anmutig ihren schönen Formen anpaßte. Lässig hatte sie sich in einen bequemen Korb­sessel geschmiegt und hielt ein Buch in der Hand, ohne darin zu lesen. Neben ihr stand ein Tischchen, mit Büchern und Zeitschriften bedeckt. Ehe Ursula mit Tante Josephine nach Frankenstein gefahren war, hatte sie für Renate eine Unmenge Lektüre herbeigeholt, bannt dieser die Zeit

Renate"hatte^edoch keine Lust zum Lesen. Ihre Gedanken weilten wieder bei ihrer gestrigen Begegnung mit Letzingen.

Als ob diese Gedanken Gestalt angenommen hatten, sah sie plötzlich Letzingen zu Pferde ankommen. Sie hatte ein Gefühl, als müßte sie sich vor ihm verbergen. Unwillkürlich richtete sie sich empor, als wollte fi« davonlaufen. Aber da hatte er sie bereits entdeckt und grüßte herüber.

So blieb sie sitzen wie von einem lähmenden Bann befangen. Zu­gleich erwachte ein heimliches Erwarten in ihr, wie er sich nach der Szene von gestern zu ihr stellen würde. Nachdem ein Reitknecht sein Pferd in Empfang genommen hatte, tarn er mit ruhigen Schritten zu ihr herauf. Sie hatte Muße, seine schlanke, vornehme Erscheinung zu be­trachten.

Als sei nichts geschehen, begrüßte er sie in seiner alten, vornehm zu­rückhaltenden Art, gegen die sie sich innerlich wie immer, empörte.

Enäiges Fräulein, gestatten Sie, daß ich mich erkundige, wie Ihnen Ihr gestriger Morgenritt bekommen ist. Leider hatte ich heute früh nicht wieder das Glück, Ihnen zu begegnen", sagte er scheinbar in gleichmütiger Höflichkeit. ,, ,

Renate errötete sehr gegen ihren Willen und verschanzte sich hinter ihr altes, spöttisches Wesen.

Unb das war Ihnen ungeheuer schmerzlich, nicht wahr, Herl Baron?" i

Er lächelte ein wenig überlegen. !

Ich hab« den Schmer, mannhaft überwunden, gnädiges Fräulein Darf" ich Ihre Frau Tante begrüßen?"

Tante ist mit Fräulein von Ranzow nach Frankenstein gefahren^ um der Gräfin einen Besuch zu machen."

(Fortsetzung folgt.)