HZ ]34 die Post 2.25 ,« lohne Bestellgelds, Lei unseren Zeitungsstellen 2 y frei ins Haus. — Verlag von Dr. C. Hitzeroth. — Druck der Univ.-
1913
Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
ta
lsrttes Blatt
Marburg
Mittwoch, 11 Juni
und 3, die bestimmen, welcher Bundesstaat gesetzlicher Erbe ist, bleiben unverändert. Jrn Absatz 4, wonach bei Meinungsverschiedenheiten darüber auf Anrufung eines der beteiligten Bundesstaates, oder, sofern der Reichsfiskus eines Schutzgebietes beteiligt ist, bei Anrufung des Reichskanzlers der Bundesrat entscheidet, wurde die Entscheidung auf Zentrumsantrag dem Reichsgericht übertragen. § 2, wonach das Nachlatzgericht das Erbrecht des Fiskus festzustellen hat, sowie § 3, wonach mit der Feststellung für den Fiskus die Rechtsfolge eintritt, die sich für einen anderen Erben an die Annahme der Erbschaft knüpfen, bleibt unverändert. Bei § 4, der Vorschriften für die Fälle enthält, in denen der Fiskus neben den Großeltern des Erblasiers gesetzlicher Erbe ist, wurde die Beratung abgebrochen. Die Eesamtabstimmung über § 1 des Entwurfes betr. das Erbrecht des Staates wurde vorläufig ausgesetzt. Nächste Sitzung Donnerstag vormittag.
terien zu verwirren. Das wäre ja eine Gelegenheit, ihn zu demütigen, wie sie sich immer gewünscht hatte. Aber jetzt lag es wie ein Bann auf ihrer Seele. Wie gelähmt fühlte sie sich unter seinem Blick. Sie wehrte sich und suchte diesen Bann mit Gewalt abzuschütteln. Spöttisch und hart lachte sie auf. Aber ihre Lippen zuckten. Wie im verhaltenen Weh pichten sie sich auseinander und der herbe Ausdruck vertiefte sich etwas.
Noch einmal lachte sie spöttisch auf.
„Die Mühe können Sie sich ersparen, Baron Letzingen. Sie ist umsonst," sagte sie höhnisch.
Er hatte sie unverwandt betrachtet. Nun trat er ganz dicht an das Pferd heran und lieh langsam seine schmale, rassige Hand über die Mähne gleiten. Dabei trat ein stählerner Glanz in seine Augen.
„Vielleicht doch nicht," erwiderte er langsam.
Etwas in diesen Worten jagte ihr stürmisch das Blut zum Herzen, aber sie warf stolz den Kopf zurück.
„Es gibt kein „vielleicht" in diesem Punkte," sagte sie schroff.
Er änderte seine Haltung nicht. Nur sein Blick saugte sich gleichsam fest an dem schönen eigenwilligen Frauenantlitz. Seine sonst so kalten Augen leuchteten auf und bekamen einen Ausdruck, daß Renate ein Schauer über den Kopf flog.
„Was ich will — setze ich durch," sagte er halblaut. Eine eiserne Energie lag in diesen halblauten Worten.
Sie erbebte leise. Ihr war zumute, als schwebe sie einen Moment haltlos in der Lust. Bleich wurde ihr Gesicht, und der Atem kam ihr schwer aus der Brust. Und doch durchzuckte sie zugleich ein Gefühl jäher heiher Wonne. Aber nur einen Moment — dann wehrte sie sich wild gegen diese Empfindung. Wie eine lähmende Angst kam es über sie und klar empfand sie nur eins: Dah er sie demütigen wollte mit seiner Ueberlegenheit. Der Wunsch, ihm das heimzuzahlen, brannte tn ihr. Sie zwang sich zu einem heiseren, spöttischen Lachen. .
Ei __ rote stolz das klingt. Rur schade, daß Ihre Worte einige
Zweifel in mit erwecken. Sie mögen ein sehr willensstarker Mann sein, Herr Baron — aber auch ich kann sehr kräftig „wollen", das glauben Sie mir." , v .
„Sie werden willenlos sein wie andere Frauen, wenn Sie lieben , sagte" er ruhig, als konstatiere er eine unumstöhliche Tatsache.
Sie funkelte ihn zornig an mit ihren grotzen, dunklen Augen.
(Fortsetzung folgt.)
wird die Behauptung aufgestellt, der Reichskanzler sei der geistige Urheber der in der letzten Zeit viel genannten Broschüre „Deutsche Weltpolitik und kein Krieg". Demgegenüber kann aus guter Quelle festgestellt werden, datz diese Behauptung genau so falsch ist wie die früher ausgesprochene Vermutung, dah das Auswärtige Amt damit zu tun habe. Amtliche Stellen stehen der Schrift vollkommen fei n." Man wird diese Feststellung allgemein begrüßen. Die „Alldeutschen Blätter" werden aber nicht umhin können, sich von neuem dazu zu äuhern und gegebenen-, falls ihren Gewährsmann zu nennen.
Das (Srbreft des Reiches.
Die Budgetkommission des Reichstages begann gestern die Beratung des Gesetzentwurfes über das Erbrecht des Staates. Als solcher Entwurf ist er bereits im Jahre 1906 dem Reichstage vorgelegt, damals aber in der Einzelkommission in zweiter Lesung abgelehnt worden. Berichterstatter ist der Abgeordnete Waldstein (Fortschr. Vp.). Nach dem Entwurf sollen nicht mehr beerben der Onkel oder die Tante, die Neffen oder die Nichten, wohl aber umgekehrt. Ebenso sollen sich nicht die Neffen oder Nichten untereinander beerben, an deren Stelle soll in Zukunft der Staat treten. Ebenso soll der Fiskus gesetzlicher Erbe sein, wenn zur Zeit des Erbfalls weder ein Verwandter noch ein Ehegatte des Erblassers vorhanden ist. Nachdem der Abg. Waldstein Bericht erstattet batte, begründete Neichsschatzsekretär Kühn die Vorlage, die in erster Linie finanziellen Erwägungen entsprungen, aber auch durck Bedürfnisse des Rechtsverkehrs geboten sei. Oft erbten Leute, die den Toten gar nickt kannten oder ibn kaum gekannt hatten. Deshalb dürfe es auch nicht wundernehmen, datz fast in allen andern Ländern Schranken für das Erbrecht der Verwandten gezogen feien. Ein Zentrumsredner glaubte, bei der ganzen Sache würde wenig herauskommen. Seine Freunde ständen wie früher so auch jetzt der Vorlage ablehnend gegenüber. Den Standpunkt der Vorlage mit der Begründung, datz unter den weiteren Verwandten der Familiensinn abgenommen habe, bezeichnete er als falsch, wobei er auf die vielen Stiftungen für Universitäten usw. zugunsten auch der ganz entfernten Verwandten hinwies. Reichsschatzsekretär Kühn widersprach dieser Kritik. Eigentümlich sei der Vorschlag des Zentrums, den Ertrag des Gesetzes, der doch nach Zentrumsansichten gleich Null sei, zu wohltätigen Zwecken zu verwenden. Dah der Familiensinn durch die Vorlage gestört werde, sei unzutreffend. Ein Erblasser könne ja ausdrücklich durch Testament seine Verwandten zu Erben einsetzen. Ein konservativer Redner führte aus, seine Freunde ständen auf demselben ablehnenden Standpunkt wie das Zentrum. Ein nationalliberaler Redner sprach sich dahin aus, man solle möglichst bald zur Abstimmung schreiten, um die Sachlage zu klären. Seine Partei sei bereit, in die Beratung einzutreten, weil die Notwendigkeit vorliege, Mittel für die großen Aufgaben zu finden. Staatssekretär Kühn hielt die grundsätzlichen Erörterungen als in der Sache nicht begründet. Aber die Regierung wolle ja gar nicht weiter gehen, wenn man diese Steuerquelle nicht wolle, dann möge man, bitte, eine andere bezeichnen. Zn der Abstimmung wurde unter Ablehnung zweier dazu vorliegender Anträge § 1 Absatz 1 nach der Vorlage angenommen, der bestimmt, datz, wenn Abkömmlinge von Großeltern des Erblasiers in der Seitenlinie oder Verwandte der vierten Erbrechtsordnung oder der ferneren Ordnungen zur gesetzlichen Erbfolge berufen find, oder wenn zur Zeit des Erbfalles weder ein Verwandter noch ein Ehegatte des Erblasiers vorhanden ist, der Fiskus erbberechtigt ist. Absatz 2
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertelfäbrlich dura
Vordem zweiten Balkankrieqe.
Die Zeichen eines Kriegsausbruchs mehren sich. Bulgarien soll durch ein kurzgestelltes Ultimatum gezwungen werden, endlich die serbische Note zu beantworten. Nur ein unvorhergesehenes Ereignis kann die Sache noch zum Guten wenden. Zeigt sich Bulgarien unnachgiebig, so ist der Krieg als unmittelbar bevorstehend zu betrachten. Serbien ist zu einigen Zugeständnisien, wie di« Abtretung von Egripalanka, Kratovo, Jstip und die Unterhaltung etlicher bulgarischer Schulen in den neuen Regierungsbezirken bereit. Bulgarien wird sich damit jedoch kaum zufrieden geben. Auf beiden Seiten arbeitet man fieberhaft an den Kriegsvorbereitungen. Die Erregung in Sofia ist ungeheuer. Es herrscht ein Treiben wie in den schlimmsten Tagen während des vergangenen Krieges. Der Kriegszustand ist verhängt worden. Bereits um 9 Uhr abends müsien alle Häuser gesperrt sein. Seit etwa sechs Tagen kommen durch Sofia fortwährend dichtbesetzte Militärzüge, die aus den Garnisonen im Innern zur Erenze-fahren. Von der Tschataldschalinie sind die meisten Truppen bis auf einen kleinen Bruchteil entfernt.
Abreise des serbischen Eesandten in Sofia.
Sofia, 10. Juni. Der Krieg scheint unabwendbar zu sein. Gestern abend ist der hiesige serbische Gesandte Spalaikowitsch mit seiner ganzen Familie nach Serbien abgereist. Hier herrscht über die Abreise des Eesandten große Unruhe.
. Die Lage in Belgrad.
Belgrad, 10. Zuni. Der Chef des Eeneralstabes ist mittels Sonderzuges hier gestern abend eingetroffen. Heute findet eine entscheidende Sitzung unter Vorsitz des Königs statt. Die Spitäler werden wieder in Kriegsbereitschaft gesetzt. Ueber die Audienz Pasitschs beim König erführt man, daß der König seinen Ministerpräsidenten bat, im Amte zu verbleiben, was dieser mit Rücksicht auf die Lage ablehnte. Als sein Nachfolger kommt jetzt der Leiter der Kriegspartei und Minister des Innern Putnic und der Vorsitzende der Fortschrittspartei, der Delegierte Nowakowitsch, in Betracht.
Kein Nachgeben.
P a r i s, 10. Juni. Der Korrespondent des „Malin" meldet aus Sofia: Dr. Danew habe ihm auf die Frage, ob er ein Mittel zur Erhaltung des Friedens sehe, folgendes geantwortet: „Wir können umkeinenPreisnach geben; unser Entschluß, auf der Durchführung der Klauseln des Bündnisvertrages zu bestehen, ist unerschütterlich. Wenn also die Erhaltung des Friedens von etwaigen Zugeständnisien unsererseits abhängen sollte, dann ist der Friede recht gefährdet." ___________________________
Kleinasien und R-ittelafrika.
Durch den sogenannten Delagoavertrag zwischen Deutschland und England ist von diesem dem Deutschen Reiche bekanntlich die Anwartschaft auf den südlichen Teil von Angola und auf Nordmozambique zugesprochen worden, falls es einmal zu der Liquidation des portugiesischen Kolonialbesitzes kommen sollte. Da es bei den schlechten Finanzverhältnisien Portugals nicht unmöglich ist, daß das Mutterland gegen eine entsprechende Eeldentschädigung seine ihm viel Geld kostenden und wenig nützenden Besitzungen in Afrika (die übrigen sind weniger von Bedeutung) über kurz oder lang einmal aufgibt, so würde sowohl Deutsch-Südwestafrika als auch Deutsch-Ostafrika einen erheblichen Zuwachs an Land und Leuten erfahren und bei der wiederholt von englischer Seite geäußerten Geneigtheit zu weiteren Zugeständnisien im mittleren Afrika die Aussicht bestehen, den deutschen Kolonialbesitz zu einem zusammenhängenden Gebiet zu erweitern. Nationale Kreise haben gleich nach der für uns wenig glücklichen Lösung der Marokkofrage die Forderung „Mitteläfrika deutsch!" zu der ihrigen gemacht und ihr eine große Anzahl Anhänger geworben. Auch an amtlicher Stelle hat man sich nicht ablehnend zu diesem Gedanken verhalten. Natürlich wollen die Verfechter und Anhänger dieses Zieles die deutsche weltpolitische Betätigung nicht auf Mittelafrika allein beschränken, sondern verlangen nach wie vor energische Wahrnehmung der deutschen Jnteresien überall, wo solche vorhanden find. Daß Deutschland in Kleinasien in hohem Maße interessiert ist, zeigt die Vagdadbahnfrage und die über sie schwebende Verhandlung. Einer vielleicht einmal eintretenden Auflösung der asiatischen Türkei kann Deutschland unmöglich untätig zusehen. Das verlangt aber die Schrift eines anonymen Verfasiers, die den Titel trägt „Deutsche Weltpolitik und kein Krieg" und die in der Presse eine eingehende Besprechung und nahezu allseitige Ablehnung gefunden hat. Sie empfiehlt den vollständigen wirtschaftlichen und politischen Rückzug Deutschlands aus der Türkei, weil sich eine Nation nicht zwei Unternehmungen von so umfassender Art widmen könne wie die Ausdehnung in Mittelafrika und die Aufrechterhaltung ihres Einflusses im nahen Orient. Wenn wir uns nicht baldigst aus Kleinasien zurückzögen, sieht der Verfasier einen Krieg mit Rußland und Frankreich nahe bevor. Ganz abgesehen davon, daß es noch eine sehr große Frage ist, ob Rußland nicht lieber die asiatische Türkei zum Teil Deutschland als seinem gefährlichen Gegner in Asien, England, überlasten würde, spricht die Logik gegen den Anonymus. Warum in aller Welt soll Deutschland sich in seiner weltpolitischen Betätigung auf ein einziges Gebiet beschränken, während England, Frankreich, Amerika ihre Jnteresten an vielen Punkten der Erde mit Erfolg wahrnehmen? Oder will er der deutschen Diplomatie ein solches Armutszeugnis ausstellen, daß sie nicht dasselbe zu leisten imstande wäre wie die der anderen Großmächte? Man hat als geistigen Urheber dieser politischen Studie das Auswärtige Amt bezeichnet. Dieses hat jedoch nachdrücklich erklärt, daß es damit nicht das geringste zu tun habe. Darauf haben die „Alldeutsck)en Blätter" mit großer Bestimmtheit behauptet, daß der Verfasser der anonym erschienenen Schrift niemand anderes sei als der Reichskanzler selber, der, wenn er auch nicht körperlich die Feder geführt, die Arbeit in einem solchen Maße geistig beeinflußt habe, daß er unbedingt als der eigentliche Autor anzusprechen sei. Mit erfreulicher Schnelligkeit wird das jetzt von halbamtlicher Stelle wie folgt abgeleugnet: „In den „Alldeutschen Blättern"
Reklamen die Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
Er lächelte wie im Zweifel. Ihr Wesen reizte ihn jetzt immer. Er hatte kein Wort vergesien von der damals erlauschten Unterhaltung. Und ein unbewußter Drang war in ihm, sie zu zwingen, sich zu zeigen, rote sie wirklich war.
„Jedenfalls ist doch wenigstens einer darunter besten Begleitung Ihnen immer angenehm sein dürste. Ich meine den der eines Tages mit der kleinen Hand beglückt wird die Wotans Zügel führt."
Sie fühlte, wie ihr unter seinem Blick das Blut in die Wangen steig, und lächelte verächtlich.
„Vielleicht irren Sie sich doch, Herr Baron. Ich habe nämlich die Absicht, ledig zu bleiben."
Er sah sie seltsam an und lächelte.
„Das glaube ich nicht."
Sie richtete sich jäh und stolz im Sattel empor.
„Sie dürfen es ruhig glauben. Ich haste und verabscheue sie alle, diese Männer." •
Und in ein verbissenes Weh ausbrechend, fuhr sie leidenschaftlich fort: „Was wollen sie denn alle von mir, diese Vasallen und Verehrer, wie Sie sie nennen? Mein Geld, wenn es hoch kommt, meine Schönheit. Was wissen sie sonst von mir? Nichts — denn ich habe noch keinem gezeigt, was ich bin."
Er hatte sich an einen Baumstamm gelehnt und sah forschend in ihr schönes, herbes Gesicht. Sein Blick brachte sie zur Besinnung. Sie schloß im jähen Schreck die Lippen und sah mit düsteren Augen in das dunkle Grün der Buchen. Letzingen wandte den Blick nicht von ihr. Etwas in ihrem Gesicht griff ihm ans Herz. Und plötzlich war es ihm, als hörte er sie sprechen: Wenn ich einen lieben könnte, der müßte wie von Stahl fein. Aufrecht und unbeugsam müßte er meinen Willen unterjochen.
Es kam ihm zum Bewußtsein, wie oft er feit jener Stunde, da er diese Worte von ihr hörte, daran hatte denken müsten. Und zugleich erwachte ein unklarer Wunsch in ihm, ein Verlangen, dies schöne, herbe Geschöpf zu Weichheit und Hingabe zu zwingen.
Langsam trat er näher, seine Augen groß und fest auf fie richtend. Und als ob der Blick Gewalt über sie hätte, so wandte sie ihm ihre Augen wieder zu.
„Aber mich haben Sie jetzt einen Blick in Ihr Wesen tun lasten, der mir viel verrät. Ich habe scharfe Augen. Und beinahe könnte mich das, was ich sah, reizen, mich Ihren Bewerbern anzuschließen."
Sie zuckte leise zusammen. Noch vor kurzem hätte fie bei seine« Morten triumphiert und »ersucht, ihn gleich den andern mit ihren Koket-
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Vellage".
Der Anzeigenpreis beträgt für die Tgefpaltene Zeile oder deren Raum 15 bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für 4Ö,
(Nachdruck verboten.) Ich will.
Roman von H. Courths-Mahler.
(Fortietzung.)
Renate hatte einen einsamen Morgenspazierritt unternommen.
Ganz allein durchstreifte fie den herrlichen Buchenwald, der zu Letzingen gehörte. Es war der schönste Wald int weiten Umkreis, und Renate machte ihn oft zum Ziele einsamer Streifereien.
Daß fie sich auf Letzinger Grund und Boden befand, kam ihr gar nicht zum Bewußtsein.
Langsam ließ sie Wotan auf dem weichen Waldboden dahinschrerten und saß, in träumerisches Sinnen verloren, im Sattel.
Plötzlich machte Wotan eine heftige Bewegung. Er war durch die Gestalt eines Mannes erschreckt worden, die eben von einem Seitenpfad auf den Hauptweg heraustrat.
Auch Renate fuhr aus ihren Träumereien auf und erblickte Baron Letzingen vor sich. Er war im Jagdanzug. Das Gewehr hing ihm über der Schulter. Höflich zog er den Hut.
„Ich bitte um Entschuldigung, gnädiges Fräulein. Mein Anblick hat Wotan erschreckt."
Sie neigte wortlos das Haupt und sah stolz und unnahbar aus. Es schien, als wollte fie stumm weiterreiten, aber augenscheinlich gegen Letzin^ns Wunsch. Jedensall suchte et die Unterhaltung fortzusetzen, an der sich Renate bisher nur durch ein Reigen des Hauptes beteiligt hatte. ,
„Es ist ein seltener Anblick, der sich mir so unvermutet bietet. Die junge Herrin der Waldburg ohne ihr Gefolge von treuen Vasallen", sagte er mit einem leisen Anflug von Ironie.
Wie er erwartet hatte, belebte sich Renates Gesicht. Ihre Lippen zuckten und die Augen flammten auf.
„So selten ist der Anblick keineswegs, Herr Baron. Ich pflege fast jeden Mrogen allein auszureiten."
Er verneigte sich artig.
„Jedenfalls wird er mir das erstemal zuteil. So oft ich Ihnen sonst begegnete, waren Sie von einer Schar van Verehrern umgeben.“
Sie zuckte die Achseln. Der herbe Zug. den er in letzter Zeit« so oft mit Interesse bei ihr beobachtet hatte, erschien um ihren Mund.
! ^jährlich nicht immer meinen Wünschen entsprechend", sagte fi« falt,
n
j