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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn | und Feiertage. - Der Bezugspreis b-trägt oierteliabrlich duro die Post 2 25 M lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. -'Verlag von Dr. E. Hitzeroth. — Druck der Univ.- Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
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Montaq, 9 Juni
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48, Jahrg.
1913.
Der Becfinn der JMläumsiestlichketten.
Bei herrlichem Wetter fand gestern mittag um 12(4 Uhr in Gegenwart des Kaiserpaares die feierliche Einweihung des deutschen Stadions in der Erunewaldrennbahn statt. Das gigantische, 30 000 Zuschauer fassende Werk des Geheimen Baurats Otto March hob sich in leuchtendem Weih wirkungsvoll vom dunklen Grün des Erunewaldes ab. Ein halbes Hundert Masten mit den Bannern aller Kulturnationen und zahllose Wimpel säumten den Bau ein. Eine nach Zehntausenden zählende Menschenmenge füllte das riesige Amphitheater, um dem festlichen Schauspiel beizuwohnen, das sich in den feierlichen Einzug von 80 000 Turnern und deutschen Sportsleuten, die Huldigung vor dem Kaiser und daran anschließenden sportlichen Vorführungen gliederte. 10 000 Turnern folgte der Lawntennis Bund, vertreten durch 350 Mitglieder, der Schwimmverband (1000 Mitglieder), der Reichsverband für Schwerathletik (1000), der Radfahrerverband (2000). Daran schloßen sich an: 3250 Leichtathleten, 4000 Mitglieder des Fuhballbundes und 100 des Eislaufverbandes. Den Schluh machten etwa 1000 Vertreter des deutsclmkademischen Bundes für Leibesübungen, 25 Mitglieder des deutschen Skiverbandes und 9000 Jungmannschasten, darunter 500 Mädchen des Jung-Deutschland-Bundes. Inzwischen batten sich die Fahnengruppen und die Vertreter der einzelnen Vereine und Verbände auf dem grünen Rasen vor dem Kaiserpavillon versammelt. Um 12.20 Uhr traf das Kaiserpaar am Stadion ein, wo es am Eingang der Hofloge vom Vorstand empfangen wurde. Die Kaiserstandarte ging über dem Pavillon hoch und die Kapelle der Garde- Kürassiere setzte mit Fanfaren ein. In der Hosloge hatten sich u. a. eingefunden: Prinz Oskar, das Prinzenpaar Eitel Friedrich, die Prinzessin Friedrich Leopold und Söhne, das Prinzenpaar August Wilhelm. Der Kaiser in der Uniform der Zieten-Husaren und die Kaiserin traten an die Logenbrüstung. Unter den Klängen des Hohenfriedberger Marsches rückte die lange Linie der Repräsentanten und die Bannerträger gegen den Kaiserpavillon vor. Staatsminister v. Podbielski, in der roten Uniform der Zieten-Husaren, betrat die Redner-Tribüne. Mit weithin hallender Stimme hielt er, während in den Lüften ein Doppeldecker kreiste, eine kurze Ansprache.
Brausend klang das Hurra durch den riesigen Raum, huldigend senkten sich die Fahnen vor dem Schirmherr» des deutschen Sports, dann wurde die Nationalhymne gesungen, während der Kaiser salutierte. Unmittelbar daraus flogen 10 000 Brieftauben auf, die die Rede des Staatssekretärs in alle Gegenden des Reiches bringen sollen. Die Musik ging in den Torgauer Marsch über, die Fahnengruppen schloßen sich zu Kolonnen zu 20 Rotten zusammen, dann begann der festliche Vorbeimarsch der sportlichen Vereinigungen, der 45 Minuten dauerte, vor dem Kaiser. Es war ein überaus prächtiges Bild: der schimmernde Bau, der grüne Rasen, die bunten Farben, Fahnen und Kostüme, alles in Sonnenglanz getaucht. Den Schluß des Zuges bildeten die von Offizieren geführten 9000 Vertreter des Jung-Deutschland-Vundes. Gleich darauf begannen die sportlichen Vorführungen. Unter lebhaftem Händeklatschen der Menge rückten zwei zusammengestellte kriegsstarke Kompagnien in feldgrauer Uniform mit Mütze und Gewehr Lberm Rücken, im Laufschritt in die Arena und nahmen Hinder- niße der Eskaladiergerüste. Es schloßen sich Turnübungen (Keulenschwingen, Geräteturnen, Spiele) von 800 Frauen und Mädchen,- der Jugendlauf von 2100 jugendlichen Mitgliedern der Turn- und Sportvereine Berlins und Umgegend an, sowie das Vereinsmannschaftsrennen über 4000 Meter, veranstaltet vom Deutschen Rad- fahrerbund. Gleichzeitig führten im Jnnenraum des Stadions auf dem Fußballplatz 50 Vertreter des Reichsverbandes für Schwerathletik Ring-, Stich- und Eewichtsübungen vor. Den
. «. •, « Mittelpunkt der sportlichen Wettbewerb«
bildeten die darauffolgenden Vorführungen der deutschen Sportbehörde sür Atheliik und Stasfettenlaufen über 1000 Meter, wobei 10 Läufer je 100 Meter zurückzulegen hatten, sowie das Mannschaftslaufen über 1500 Meter. Mit den gleichzeitigen Vor-
(Rachdrnck verboten.)
Ich will.
Roman von H. Eourths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Renate blickte aus den angefangenen Bries. Dann streckte sie plötzlich die Hand aus, ergriff den Bries, knüllte ihn zusammen und warf ihn in den zierlichen Papierkorb.
„So, der ist besorgt und ausgehoben, Urselchen. Das fehlte mir. Ich brauche dich jetzt viel zu notwendig, um mir diese rabiaten Erafen- jünglinge vom Halse zu halten. Deine gräßliche Tante Eleonore wird wohl kaum vor Sehnsucht nach dir umkommen. Jedenfalls laße ich dich noch lange nicht fort. Mindestens noch sechs Wochen mußt du bleiben!"
Ursula sah freudig erschrocken aus.
„Ach, lieber Gott — liebste, beste Rena, so lange darf ich dir — euch allen — doch nicht lästig fallen."
„Du jemand lästig fallen? Du kleines, dummes, bescheldenes llrsel- chen. Nächstens bittest du noch um Entschuldigung, daß du überhaupt die Dreistigkeit beseßen hast, auf die Welt zu kommen. Fort mit der Schreibfeder. Setze dich zu mir, ich will dir eine Strafpredigt halten über deine übertriebene Bescheidenheit."
Sie setzten sich beide auf das Sofa. Ursula seufzte auf, sah aber glückselig in Renates Gesicht.
„Ach, du — du Gute, Liebe, Beste. Du bist zu lieb zu mir. Wenn en« anderen Menschen dich so kennen würden, wie ich, wie anders würben sis über dich urteilen."
„Närrchen, du überschätzest in deiner Bescheidenheit di« meisten Men- schen. Und mich zumeist. Ich bin wirklich nicht gut — — —w
„Doch, zu mir bist dn es immer." , . .. i 4
führungen der deutschen Schwimmer (Gruppen- und Kunstschwimmen) war auch der sportliche Teil des Festprogramms erledigt. Inzwischen hatte der Kaiser in seiner Loge die Abordnung des Internationalen Komitees für die Olympischen Spiele, Baron o. Coubertin, Prinz Otto v. Windischgrätz, empfangen und die Meldung einer Abordnung des 1. bayrischen Ulanenregiments entgegengenommen, die eine Erinnerungsgabe zum Jubiläum des Kaisers überreichte. Das Kaiserpaar verließ um 2(4 Uhr das Stadion. Es schloß sich ein Frühstück im Restaurant der Rennbahn an. Die Kaiserin begab sich sodann nach dem Neuen Palais, der Kaiser fuhr mit seiner Dampfjacht „Alexandria" nach Erünau.
Der gestrige Haupttag der
Koiser-Jubiläumsregatta
auf dem Langen See bei Erünau zeigte ein selten buntes und lustiges Bild. Das herrliche Sommerwetter hatte ungeheure Menschenmaßen hinausgelockt, die die Tribünen, die Ufer und Fahrzeuge aller Art dicht besetzt hielten. Gegen 4.40 Uhr traf die „Alexandria" mit dem Kaiser an Bord unter den begeisterten Kundgebungen der Menge am Start ein, worauf sofort der Kaiservierer begann. Es starteten fünf Boote. Siegreich blieb in überlegener Wüse der Mainzer Ruderverein. Im Rennen um den akademischen Vierer blieb der akademische Ruderverein Berlin siegreich. Der Kaiser reichte der Mannschaft den kaiserlichen Wanderpreis gleicki von Bord der Jacht aus ins Boot. Sodann überreichte der Vorsitzende des Deutschen Ruderverbandes Geh. Kommerzienrat Büxenstein dem Kaiser an Bord der „Alexandria" mit einer Ansprache, die in ein dreimaliges Hurra auf den Kaiser ausklang, in das das Publikum begeistert einstimmte, eine Jubiläumsadresse, die der Kaiser mit einigen Dankesworten entgegennahm. Während der Kaiser sodann die Sieger im Kaiservierer an Bord empfing und ihnen den silbernen Pokal Kaiser Friedrichs überreichte, begann gegen (4.(5 Uhr die
Huldigungsausfahrt der Boot«
zur Feier der 25jährigen Wiederkehr der Thronbesteigung. Vom Start her näherten sich durch die Regattastraße über 500 Boote in Reihen zu je sechs. Der Kaiser grüßte unaufhörlich. Die Auffahrt zerfiel in drei Gruppen; die erste verkeaxerte den Schülerrudersport, die zweite bildeten die akademischen Rudervereine, die dritte die Vereine des Deutschen Ruderverbandes. Die Borbeifahrt dauerte über % Stunden. Der Kaiser verließ Erünau um 6.20 Uhr und kehrte auf dem Wasserwege zum Schloß zurück, wobei ihm das Publikum andauernd lebhafte Kundgebungen bereitete.
* * ♦
Anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers veranstaltet die ostdeutsche Jugend einen Staffettenlauf zur Ueber- bringung einer Huldigungsadresse, woran sich Spiel-, Sport-, Turn- und andere Vereine beteiligten. Der Staffettenlauf begann am 5. Juni vormittags 8(4 Uhr an der russischen Grenze bei Ba- johren. Nach glücklicher Vollendung des Laufes traf der letzte Staffettenläufer Sonnabend abend 6% Uhr in der Kaserne des Telegraphen-Bataillons Nr. 2 im Treptower Park ein.
Tr Mfla’iftW'rWIdJe Zwill.
Velgrad, 7. Juni. Der „Politika" zufolge versuchten die bulgarischen Truppen die militärischen Stellungen bei Valandovo, westlich von Doiran zu besetzen. Seitens der serbischen Kommandanten wurde den bulgarischen Truppen eine Frist von 24 Stunden zur Rückkehr auf das Gebiet jenseits der Demarkationslinie gestellt.
Beiderseitige Ablehnung der Verantwortung.
Sofia. 7. Juni. Das offiziöse Blatt „Mir" schreibt: „Während die Serben sich weigern den Vertrag zu erfüllen und unbestrittene Gebiete zu räumen, beziehungsweise in der strittigen Zone ein Kondominium zu errichten, und während die Griechen die bulgarischen Gebiete östlich von Saloniki besetzen, haben die bulgarischen Truppen sich nach Vulair zurückgezogen, was Zusammenstöße zur Folge hatte. Die Bulgaren antworteten auf alle Herausforderungen nur mit Abwehrmaßregeln. zu denen sie von Seiten der Verbündeten gezwungen wurden. Wenn es nun trotzdem zu einem offenen Konflikt kommen sollte, lehnt Bulgarien jede Verantwortung ab."
„Das ist kein großes Kunststück, kleines, dummes Urselchen. Mit dir kann doch nur ein Unmensch böse sein."
Ursula seufzte.
„Wenn das Tante Eleonore gehört hätte."
„Ich hätte große Lust, ihr das schriftlich zu geben. — Sie muß sehr schlimm sein, daß sie so garstig zu dir ist."
Ursula schüttelte den Kopf.
„Du mußt nicht ungerecht sein, Rena. Sieh, ich bin Tante doch eine große Last. Sie ist selbst nicht reich und muß doch den größten Teil meines Unterhaltes bestreiten. Wenn ich nur selbst etwas verdienen könnte. Aber Tante weist diesen Gedanken mit Rücksicht auf meine sechzehn Ahnen wie ein Verbrechen zurück. Lieber legt sie sich Entbehrungen auf. Ich kann es ihr gar nicht Übelnehmen, wenn sie ost mit mir zankt und hadert. Hab doch auch meine Fehler und Schwächen."
„Dor allem den einer allzu großen Bescheidenheit."
Ursula lächelte resigniert."
„Du sprichst wie der Blinde von der Farbe, liebe Renate. Was weißt du vom Leben — du kennst es nur in Glanz und Fülle Sonst würdest du verstehen, daß ich mich vor Bescheidenheit am liebsten in ein Mauseloch verkriechen möchte. Sei stoh, daß du dich nicht hineindenken kannst. Du hast es gut — unsagbar gut."
Renate küßte sie herzlich.
„Das weiß ich wohl, Ursula. Aber nun werde nicht traurig. Etwas hast du doch vor mir voraus, etwas, das ich nie erlangen kann."
Ursula machte große Augen. Sie sah sehr erstaunt aus.
„Du — da bin ich wirklich neugierig. Was ist denn das —----?
Renate lachte.
Dan machte sie ein feierliches Gesicht und sagte mit tiefer Stimme: „Ihre sechzehn Ahnen, Reichsfreiin von Ranzow. Und einen tadellos feudalen Stammbaum."
Ursula seufzt« tief auf mit einem tragischen Augenaufschlag. §
Belgrad, 7. Juni. Die „Politika" veröffentlicht eine Unterredung des Kronprinzen Alexander mit einem Mitarbeiter des Blattes über den serbisch-bulgarischen Gegensatz. Der serbische Kronprinz verweist auf die im Vertrage nicht vorgesehene und über diesen weit hinausgehende Hilfe, die Serbien den Bulgaren während des Balkankrieges, insbesondere vor Adrianopel geleistet habe, und stellt fest, daß die serbischen Ansprüche auf Mazedonien sich auf ein Gebiet beziehen, das von den Türken seinerzeit nicht den Bulgaren, sondern den Serben entrißen wurde. Auch die geographische und ethnographische Eigenheit spreche ausschließlich zu Gunsten der serbischen Forderung. Serbien habe sein letztes Wort gesprochen. Was Bulgarien verlange, sei die unnatürliche Uebermacht auf dem Balkan und nicht das im Interesse der Erlangung des Friedens und der Ruhe erforderliche Gleichgewicht. Demnach falle die Verantwortung für alle neuen Komplikationen auf jenen, der weder gegenüber feinem aufrichtigsten Verbündeten noch gegenüber den internationalen Pflichten Rücksicht übe. Die friedliche Lösung des Konflikts würde darin bestehen, daß Bulgarien seine Ansprüche auf alle Gebiete aufgebe, deren Besitz Serbien als seine Lebensfrage betrachte. Welche Lösung immer eintreten werde, das eine sei gewiß, daß sie sofort erfolgen müße, denn jede Vertagung sei zwecklos, da es einen Mittelweg nicht gebe.
Di« bulgarische Miuisterkrise.
S o f i a , 8. Juni. Die Lösung der Ministerkrise wird binnen zwei bis drei Tagen erwartet. Die geplante Zusammenkunft der Ministerpräsidenten der vier Balkanstaaten erfolgt daher später. Das Entlassungsgesuch Eeschows ist angenommen und Danew mit der Neubildung des Ministeriums betraut worden, vielleicht unter Mitwirkung der Demokraten. Die Antwort auf die serbische Note ist fertiggestellt, sie wird aber dem serbischen Gesandten Spalaikowitsch erst nach dem Erscheinen des königlichen Erlasses über das neue Ministerium zugestellt werden. Sie verwirft die von Ser« bien verlangte Durchsicht des serbisch-bulgarischen Vertrages und besteht auf der Räumung der von den Serben besetzten, aber zu Bulgarien gehörigen Teile Mazedoniens.
Athen, 8. Juni. Die Abdankung Eeschows betrachtet man hier als geeignet, große Komplikationen herbeizuführen, da die Kriegspartei unter General Sawow eifrig am Werke ist. Der griechische Minister des Auswärtigen soll erklärt haben, daß die Anwesenheit Eeschows im Kabinett bisher die einzige Friedensgarantie gewesen ist.
Rumänien droht.
Wien, 7. Juni. Nach Meldungen aus Bukarest notifizerte die Re- gicrung den Großmächten die Annahme des Petersburger Protokoll« und druckte die Absicht aus, in einem neuen Balkankonflikt nicht un
tätig bleiben zu wollen.
Ergebnislose Friedensarbeit.
London, 8. Juni. Die Konferenz der Friedensdelegierten im St. Jamespalast dauerte lange Zeit und führte zu keinem Beschluß. Der König machte im Verlaufe einer Unterhaltung mit den Friedensdelegierten die Vertreter der Verbündeten darauf aufmerksam, wohl auf bi« Gefahren zu achten, die aus den Kämpfen zwischen ihnen entstehen tönn« teiL- Der König gab ihnen zu verstehen, daß ein neuer Krieg ein Ver
brechen gegen die Humanität wäre.
Ablösung englischer Marinetruppen in Skutari.
Malta, 7. Juni. Der Panzerkreuzer „Black-Prinee" ist heute nachmittag mit 350 Mann Infanterie, Train und Sanitätstruppen unter Oberstleutnant Philipps nach Skutari abgegangen, nach deren Ausschiffung er sofort zuriickkehrt. Die Truppensendung bezweckt, die gelandete Marineinfanterie abzulösen und wieder für die Schiffe verfügbar zu machen, damit diese mit voller Besatzung nach Malta zurückkehren können. Admiral Bumey bleibt zunächst in Skutari, ein Schiff bleibt stationär zu seiner Verfügung. Ueber die Besetzungsdauer ist noch kein Entschluß g?« faßt. Diese wird völlig von den Maßnahmen der Botschastervereinigung betreffend das Statut Albaniens abhängen.
Das „unbekannte Land" Albanien.
Wien, 7. Juni. Gegenüber dem von Frankreich vertretenen Standpunkte, da Albanien noch ein ganz unbekanntes Land sei, solle vorläufig nur ein Provisorium geschaffen werden, stellt die „Wiener Allgem. Zeitung" fest, Oesterreich-Ungarn und Italien könnten den Standpunkt nicht teilen, weil die baldigste Schaffung stabiler Zustände in Albanien, woran Oesterreich-Ungarn und Italien ganz besonders interessiert sind, im Jntereße Albaniens notwendig und weil die Schaffung eines bestimmten Statuts die Vorbedingung für die Einführung einer die Ordnung verbürgenden Verwaltung in Albanien sei. Die Behauptung, Albanien sei ein unbekanntes Land, könne unmöglich für Oesterreich-Ungarn und Italien gelten, wo die albanesischen Verhältniße bis in alle Einzelheiten bekannt seien. Alle diese Gründe seien für Oesterreich- Ungarn und Italien bestimmend, sich gegen das Provisorium ablehnend zu verhalten und ihr Augenmerk daraus zu richten, daß
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„Daß Gott erbarm — was hab' ich davon? Wenn ich wenigstens diese Ahnen verkaufen könnte."
Sie lachte auf bei dem Gedanken und fuhr fort: „So tausend Mark für das Stück — das wäre herrlich, dann wären sie doch zu etwas nütze. So hindern sie mich nur auf allen Wegen. Ich darf dieses nicht tun und muß jenes laßen, bloß, weil ich von sechzehn Freiherren abstamme, di« mir von ihrem Besitz nicht ein Quentchen übrig gelaßen haben. Es sind ein paar arge Raufbolde dazwischen gewesen. Nun ist kaum ein Häuschen Asche von ihnen übrig und der Name. Damit tyrannisieren si« ihre Nachkommenschaft."
Renate lachte herzlich auf.
„Kleinchen — wenn bas bein Bruder Rolf gehört hätte. Das verzieh er dir nie.“
„Ach — fein Stolz ist doch nur ein Schein. Er hält nut, auf seinen Stammbaum, weil er seineinziger Besitz ist und weil er hofft, daß ihm sein Name zu einer guten Partie verhilft. Dir kann ichs ja anvertrauem Weißt du — ich glaube, er gäbe die Ahnen auch um sechzehntausend Mark her, wenn es darauf ankäme."
„Meinst du?"
„Ganz sicher." „ „ • . .
„Nun, wir wollen wünschen, daß er unter Beihilfe ftmet Ahnen eines Tages eine reiche — und glückliche Heirat macht. Er ist za em sehr hübscher und liebenswürdiger Mensch."
„Ich glaubs nicht. Wir Ranzows haben eben kern Gluck.
Das ist Unsinn, Kleinchen. Als ob Glück und Unglück vor einem Namen Halt machten. Komm, jetzt suchen wir Tante Josephine in ihrem molligen Wohnzimmer auf. Sie wird inzwischen ihr Mittagsschläfchen beendet haben. Es sind neue Konfitüren angekommen. Da schnurre» wir uns einen Karton und dann gehen wir in den Park, um »nferai Raub zu verzehren."
Hi« zog Ursula mit sich fett, r- (Fortsetzung folgt.)