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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

M 130

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljabrlich durb die Post 2.25 c« lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. Verlag von Dr. T. Hitzeroth. Druck der Univ.- Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Marburg

Freiteg, 6 Juni

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gcspaltene Zeile oder deren Raum 15 4, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

48. Jahrg«

1913.

Erstes Blatt.

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Nundjl'au.

Diebrutal« Tatsache".

DieNordd. Allg. Ztg." führt gegenüber den Beregnungen des Berichterstatters Leherisse in der Pariser Kammerverhandlung vom 2. Juni, wonach bei Kriegsausbruch zwischen dem Rhein und den Vogesen 200 000 Deutsche 100 000 Franzosen gegenüberständen, aus:Als französische Erenztruppen wären anzusehen das 6., 7. und 20. Armeekorps, die 2., 4. und 8. Kavalleriedivision, 9 Festungsinfanterieregimenter und Futzartillerie und Genietruppen der Erenzfestungen, die auf dem höheren Friedensetat 126 000 Man» zählten. Wenn Leherisse nur 100 000 berechne, so lasse er wahrscheinlich die Festungstruppen außer Betracht, was nur be­rechtigt sei, wenn er für einen überraschenden Angriff die sofort verfügbaren Truppen berechnen wollte; zur Abwehr sind Festungs­truppen ebenso geeignet wie Feldtruppen. Als deutsche Erenztruppen sind zu betrachten das 15., 16. und 21. Armee­korps, sowie die 29. Division vom 14. Korps, die in der Friedens­stärke einschließlich der ihnen angegliederten nicht preußischen Truppen etwa 90 000 Mann zählen. Von einer reichlichen Ver­doppelung durch die Heeresvorlage auf die von Leherisie berech­neten 200 000 Mann könne keine Rede sein. Rehme man also noch die 16. preußische Division und die von der 3. bayrischen Divi­sion nicht bereits mitberechneten Truppen hinzu, so erhielte man als deutsche Erenztruppen rund 110 000 Mann, die durch das neue Gesetz im Januar 1914 auf 121000, im Januar 1915 auf 132 000 vermehrt würden. Demnach sind unsere Erenztruppen erst im Januar 1914 so stark wie die französischen schon jetzt sind. Rach der Durchführung unserer Vorlage würden wir nur 6000 Mann stärker als die französischen sein. Wo bleibe da Leherisiesbru­tale Tatsache" unserer erdrückenden Ueber- l e g e n h e i t?? Hier zeige sich, daß die Verstärkung der franzö­sischen Rüstungen in keiner Weise durch die unsrigen herausgefor- dert wurden. Behielten die Franzosen, wie schon feststehe, den dritten Jahrgang bei den Fahnen, so hätten sie schätzungsweise künftig noch etwa 30 000 ausgebildete Leute mehr, also 156 000 Mann Erenztruppen, sie würden also im Januar 1915 immer noch 24000 Mann ft örter sein als die deutschen Erenztruppen. In der Zeit der Rekrutenausbildung wür­den sie noch günstiger stehen, weil sie inerhalb der Esfektivzahlen zwei kriegstüchtige Jahrgänge besäßen, Deutschland aber nur einen." Das wird alles nicht viel nützen. Man braucht in Frankreich das Gespenst der deutschen lleberlegenheit zur Propa­ganda für die dreijährige Dienstzeit.

Ein Pol« gegen den polnischen Radikalismus.

ImDziennik Posnanski" veröffentlicht der Abgeordnete Eraf Mielzynski eine energisch? Erklärung gegen den polnischen Radikalismus. Mit mehreren Gleichgesinnten sei er bestrebt ge­wesen, die polnische Reichstagsfraktion von ihrer radikaloppositio­nellen Haltung abzubringen. Dies fei ihm auch bei Zustandekom­men der Finanzreform für kurze Zeit gelungen. Dann aber habe der T e r ro r i s m n s der nalionaldemokratischen polnischen Presie gesiegt. Diese Presie beherrsche ie polnisck-e Fraktion und die ganze polnische Politik. Die polnische Rationaldcmokratie radikalisiere die Masien. Es würden Artikel geschrieben, aus denen ein Gegner tendenziös schließen könne, alle Polen seien Ctaatsseinde. Wohin solle das alles führen? Man wisie nicht, was für Versuchungen noch kommen könnten. Es schreckten ihn die logischen Konsequenzen der nationaldemokratischen Diktatur in Posen. Deswegen bekämpfe er diese Diktatur. Man dürfe wohl sachliche, aber keine prinzipielle Opposition treiben und müsie die Staatsnotwendigkei­tenanerkennen. Dann erst habe man Aussicht auf eine ob­jektive Behandlung deutscherseits. Solange diese Aussicht nicht die der Eesamtheit der preußischen Polen ist, wird ein für Deutsche und Polen gedeihliches Nebeneinanderleben nicht möglich sein, und ebensowenig wird in der Handhabung von Abwehrmaßregeln gegen die polnische Opposition eine Aenderung eintreten können. Graf Mielzynski setzt sich mit seiner Erklärung möglicherweise der Gefahr aus, als Verräter des Polentums gebrandmarkt zu werden. D«r österreichische Landesverteidiguugsminister über den Fall Redl.

Im österreichischen Abgeordnetenhause beantwortete gestern der Landesverteidigungsminister Freiherr v. Georgi die Inter­pellation betr. den Spionagefall Redl. Der Minister führte aus: ,Zch möchte am liebsten einen undurchdringlichen Schleier über die Angelegenheit breiten. Redl hat sich selbst gerichtet, doch der Tod ist keine Sühne für die Ungeheuerlichkeit seiner Schul d." Auf Grund der bisherigen Ergebnisse der militärge­richtlichen Untersuchung stellte der Minister ausführlich den Sach­verhalt dar, wobei er die Behauptung widerlegte, die Militärbe­hörden hätten die Absicht, die Angelegenheit zu vertuschen. Der Minister stellte weiter fest, daß Redl in der vorgefaßten Absicht, Selbstmord zu begehen, nach Wien gekommen sei. Er teilte seinem langjährigen Freunde, dem Eeneraladvokaten Pollak seine Absicht mit der Begründung mit, daß er sich gegen die Moral und die Standesehre vergangen habe. Die Militärkommission traf um 12.30 Uhr nachts im Absteigequartier Redls ein, wo Redl mit den Vorbereitungen zum Selbstmord beschäftigt war und die Schuld eingestand und zugab, daß er jedoch erst in jüngster Zeit, veran­laßt, durch eine unheilvolle Leidenschaft, Spionage getrieben habe. Nachdem ihn die Kommission verlasien hatte, verübte er Selbst­mord. Die Durchsuchung der Prager Wohnung lieferte den Be­weis, daß Redl mehrere sich auf die Mobilisierung beziehende In­struktionen allgemeinen Inhalts Agenten einer fremden Macht

verkauft hat. (Zwischenrufen:Staaten?") Die ersten Spuren von Redls Verbechen gehen bis März 1912 zurück. So schwer diese Tatsache auch wiegt, kann doch festgestellt werden, daß konkrete Kriegsvorbereitungen aus letzter Zeit nicht verraten werden konnten, weil sie Redl überhaupt nicht zugänglich waren. Der Minister wiederholte die Feststellung, daß Beweise vorliegen, daß Redls Landesverrat erst mit März 1912 begann. Bisher sind keine Mitschuldigen festgestellt worden; denn dem verhafteten Leutnant, der zu Redl in homosexuellen Beziehungen gestanden haben soll, konnte bisher keine Spionage nachgewiesen werden. Die Gerüchte, daß höhere Offiziere und eine Dame kompromittiert seien, sind falsch. Redls Verbindungen mit dem russischen Konsul in Prag ist durch nichts erwiesen; auch bestehe kein Zusammenhang mit ande­ren Spionagefällen in der letzten Zeit. Die Gerüchte, daß Redl EeheimnissederdeutschenArmeeverratenhabe, sind falsch, ebenso die in der Presie aufgetauchte Behauptung, daß Redl zu Verhandlungen mit dem preußischen Eeneralstabe entsendet worden sei. Die glorreiche Armee ist hart getroffen wor­den, aber die Schmach eines Einzelnen könne nicht der Allgemein­heit zur Last fallen. Der Minister erklärte, er sei überzeugt, daß die Armee wegen dieses einen Unglücksfalles das ihr so kostbare VeMsauem-Her - Bevölkerung und die Hochachtung der fremden Armeen nicht geschmälert werden könne, das erstere werde sie stets rechtfertigen-und zu verdienen trachten, das letztere, wenn es gelte, vom Gegner zu erzwingen wisien. Der Minister versicherte schließ­lich, daß die Militärverwaltung die aufgefundenen Spuren mit Zähigkeit verfolgen, und wo nur der geringste Verdacht rege wird, mit drakonischer Strenge eingreifen und jeden Schädling wie mit glühendem Eisen beseitigen werde. Wie die genauen Untersuchungen nach den Redlschen Büchern ergeben haben, erhielt der Spion für seine Tätigkeit von Rußland in den letzten sieben Jahren insgesamt etwa 508 000 Kronen.

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Die Stt^e nach der Staffelung.

N» Unterkvmmisfion der Budgetkommission ist auch gestern noch nicht viel weiter gekommen. Wie es heißt, hat sie den Gedan­ken zu. einer Einigung aus einen bestimmten Vorschlag aufgegeben und will die Entscheidung der Hauptkommission überlasten. Vor­schläge liegen fast von allen Parteien vor.

In der gestrigen Sitzung der Budgetkommission, der hun - d e r t st e n dieser Session, bildete die

Beitragspflicht der Aktiengesellschaften

noch lange den Gegenstand lebhafter Erörterungen. In der Ab­stimmung wurde die Regierungsvorlage mit den 14 Stim­men der Nationalliberalen, der Volkspartei und der Sozialdemo­kraten angenommen. Damit waren sämtliche Abänderungs­anträge erledigt. In der Nachmittagssitzung beschäftigte sich die Budgetkommission mit dem grundlegenden Paragraphen 1, d. h. über die

Staffelung der Beitragssätze.

und kam bezüglich der Heranziehung des Vermögens zu einem Er­gebnis. Der Berichterstatter Eraf Westarp berichtete zunächst über die Verhandlungen der Unterkommission. Bezüglich der unteren Grenze und der unteren Steuersätze beim Vermögen sei im wesent­lichen eine Uebereinstimmung erzielt worden. Der Schatzsekretär habe großen Wert darauf gelegt, daß nicht über 1,25 Proz. Steuer­satz hinausgegangen werde. Ueber die Heranziehung des Einkom­mens fei keine volle Uebereinstimmung erfolgt. Der Gedanke der Kapitalisierung des Einkommens mit einem Multiplikator (sechs, acht, zehn) sei nicht allgemein angenommen worden, ebenso nicht die untere Grenze des zu versteuernden Einkommens. Ein Natio­nalliberaler hob hervor, die Kapitalisierung des Einkommens sei nicht berechtigt, man möge nur an die zahlreichen gewerblichen Einkommen denken, die auf durchaus unsicherer Grundlage be­ruhen. Der nationalliberale Antrag ergebe 940 Millionen Mark, sowie weitere 40 Millionen aus den Aktiengesellschaften, so daß der Bedarf gedeckt sei. Die Sozialdemokratie beantragte bei den höhe­ren Vermögen bis zwei Prozent zu gehen. In der Abstimmung wurde der Antrag der Nationalliberalen abgelehnt, ebenso der An­trag der Sozialdemokraten. Ein Zusatzantrag der Fortschrittlichen Volkspartei, die Staffel bei Vermögen von 3 Millionen an um je ein Zehntel Prozent zu erhöhen und die Höchstgrenze, die ein kon­servativer Antrag für das Eesamtvermögen auf 1V4 Prozent fest- setzt, zu streichen, wurde mit groherMehrheit ange- n 0 m m e n. Beitrags frei sind also, sofern das Einkommen 5000 Mark übersteigt, Vermögen, die den Betrag von 30 000 Mark und sofern der Pflichtige ein Einkommen von weniger als 2000 Mark hat, den Betrag von 50 000 Mark nicht übersteigen. Die Frage der Heranziehung der Einkommen blieb noch unentschieden.

Deutsches Reich.

Di« Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm «nd König Viktor Emanuel. Berlin, 5. Juni. Halbamtlich wird gemeldet: Das ita­lienische Königspaar wird im Sommer den Besuch des schwedischen Königspaares in Stockholm erwidern. Auf der Hinreise nach Stock­holm wird die Begegnung mit dem Kaiser in Kiel Anfang Juli er­folgen.

Eine Elückwunschadresie des Reichsgerichts für den Kaiser. Leipzig, 5. Juni. Das Reichsgericht überreichte dem Kaiser anläß­lich seines Regierungsjubilöums eine Elückwunschadresie, die oon drei Leipziger Künstlerinnen angefertigt ist.

Die Thronfolge in Braunschweig. Braunschweig, 5. Juni. In der Thronfolgefrage des Herzogtums Braunschweig veröffent­lichen die amtlichenBraunschweigischen Anzeigen" eine Erklärung

der Landesregierung, die besagt, daß am 31. Mai eine Sitzung de« Ausschusies der Landesversammlung stattgefunden hat. In der Sitzung machte Staatsminister Hartwieg mit Zustimmung de« Reichskanzlers und der Mitglieder des Ausschusies vertraulich« ausführliche Mitteilungen über die Verhandlungen, die zwischen dem Reichskanzler und Staatsminister wegen der politischen Zu­kunft des Landes stattfanden. Alle Vorgänge von politischer Be­deutung für die Regelung der Thronfolge im Herzogtum erfolgten unter Mitwirkung der herzoglichen Landesregierung.

Vom Bundesrat. Berlin, 5. Juni. In der heutigen Sitz­ung des Bundesrates wurde die Vorlage betreffend Aenderung der Grundsätze für die Besetzung von Beamten st eilen mit Militäranwörtern und dem Entwurf von Bestimmungen über Strombeiräte den zuständigen Ausschüsien überwiesen. Dee Vorlage betreffend die Zuckersteuer wurde zugestimmt.

Onkel und Reffe. Berlin, 5. Juni. Als politisches Kuri­osum wird mitgeteilt, daß der bisherige Präsident des Abgeord­netenhauses Eraf von Schwerin-Löwitz ein Onkel des neugewähl­ten sozialdemokratischen Abgeordneten Haemisch ist.

Von der reichsländischen Regierung. Straßburg i. Els., 6. Juni. Die in der Presie auftauchenden Gerüchte über einen be­vorstehenden Rücktritt des Statthalters Grafen von Wedel sind, wie aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird, völlig unbegrün­det. Dagegen ist es vielleicht nicht ausgeschlosien, daß der Staats­sekretär Zorn von Bulach in absehbarer Zeit aus seinem Amte scheidet.

General und Presie. Straßburg i. (Elf., 5. Juni. Der kom­mandierende General des 15. Armeekorps, der von seiner erfolg­reichen Tätigkeit im südwestafrikanischen Aufstande her bekannte Generalleutnant v. D e i m l i n g hat mittags auf dem Brogliplatz den Vorbeimarsch einer von einer Hebung zurückkehrenden Abtei­lung Feldartillerie abgenommen, wodurch einige Straßenbahn­wagen mehrere Minuten aufgehalten wurden. An diesem unbe­deutenden Vorfall übt die freisinnigeStraßburger Neue Zeitung" eine äußerst scharfe Kritik und schreibt u. a.:Das ist eine durch militärische Ueberhebung verursachte Verkehrsstörung, wie sie sich das freiheitsliebende Bürgertum nicht gefallen lasien darf. Der General darf einen öffentlichen Verkehrsplatz nicht zum Paradefelde degradieren. Sonst werden die Straßbur­ger Bürger dem General den Stuhl vor die Tür setzen!" Das Blatt veröffentlichte weiterhin einen offenen Brief an den Polizeipräsi­denten, in dem es die Bestrafung des Schutzmanns verlangte, der gegen den kommandierenden General nicht wegen Verkehrsstörung eingeschritten sei. An anderer Stelle wurde dem kommandierenden General zugerufen:Runter von der Straße, Herr Deimling? So provoziert man!" Wie das Blatt mitteilt, hat Generalleutnant v. Deimling durch Korpsbefehl allen Militärper­sonen des 15. Armeekorps das Halten derStr. N. Z." verboten. Wenn auch das Aufheben um die kleine Verkehrsstörung völlig un­nötig war man wollte wohl nur an dem als Nationalisten­gegner bekannten Eeneral Vergeltung üben so muß doch das daraufhin erfolgte Verbot, die Zeitung zu halten, als wenig zweck­mäßig bezeichnet werden.

Verdient« Straf«. Straßburg, 5. Juni. Heute vormittag verhandelte die hiesige Strafkammer über die Offizialklage gegen den verantwortlichen Redakteur Lutz vomJournal d'Alface» Lorraine" wegen verleumderischer Beleidigung der in Elsaß-Loth» ringen eingewanderten deutschen Beamten. Der Strafantrag war vom Staatssekretär Freiherrn Zorn von Bulach gestellt worden, dem sich zwei altdeutsche höhere Beamte angeschlosien hatten. Der Angeklagte hatte in einem Artikel vom 23. Januar d. I. die deutschen Beamt en als Parasiten bezeichnet. Der Gerichtshof erkannte auf 1 Monat Eefängnisund Publikation des Urteils in deutscher und französischer Sprache in vier Zei­tungen. Die Platten sind zu vernichten. Das Gericht nahm als erwiesen an, daß es dem Angeklagten darum zu tun war, die alt­deutschen Beamten zu beleidigen. Der Staatsanwalt hatte 2 Monate Gefängnis beantragt.

Der Fall Held-Kerr. Berlin, 5. Juni. Das Schöffengericht Charlottenburg verurteilte nach vielstündiger Verhandlung den Schriftsteller Alfred Kerr wegen öffentlicher Beleidigung des na­tionalliberalen Reichstagsabgeordneten Held zu 150 M Geldstrafe und zur Tragung der Kosten. Dem Kläger wurde Publikations­befugnis zugefprochen. Kerr will Berufung etnlegen.

Ausland.

** Die ungarische Kabinettskrise. Wien, 5. Juni. Minister­präsident v. Lukacs hat dem Kaiser den Rücktritt des Kabinetts unterbreitet. Der Kaiser hat den Rücktritt angenommen und Lukacs mit der provisorischen Weiterführung der Geschäfte betraut. Der Kaiser wird demnächst den Präsidenten des ungarischen Ab­geordnetenhauses Grafen Tisza und den Präsidenten des Magnatenhauses Freiherrn v. Josika empfangen, um ihre Ansicht über die Lösung der Krise zu vernehmen.

** Unfall des früheren französische« Ministerpräsidenten. Paris, 4. Juni. Als der frühere Ministerpräsident Briand eine Automobilfahrt unternahm, wurde fein Wagen von einem Last­automobil angefahren und umgeworfen. Der Ministerpräsident erlitt einen Bruch des äußeren Randes des Schulterblattes.

England winkt ab. London, 5. Juni. Die halbamtliche Westminster Gazette" schreibt bezüglich der französischen Wehr­vorlage :Frankreich weiß, daß seine Nachbarn friedlich gesinnt. sind und daß es keine Ermutigung oder Beistand z » einer aggressiven Bewegung finden würde, wen» es wirklich von solchen Dingen träumte." ______>