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Ter Wirrwarr auf bnn Balkan.
Von amtlicher griechischer Seite beeilt man sich, die gestern gemeldete Verständigung mit Italien und Eingehung eines Bündnisses mit Serbien als unrichtig zu bezeichnen, so daß die Unklarheit der Lage noch dieselbe geblieben, wenn nicht sogar größer geworden ist. Jedenfalls steht soviel fest, daß die merkwürdigen Ereignisse, die sich in den letzten Tagen zwischen Bulgaren und Serben abgespielt haben, keinen Zweifel mehr darüber lassen, daß der Kitt, mit dem man die Balkanvölker zum Zweck des Türkenkrieges zusammengeleimt hatte, nur ein recht notdürftiger Halt war, und daß der ganze Valkanbund in aller Kürze nur noch ein Ding von gestern sein wird. Es war von vornherein nicht nur wahrscheinlich, sondern geradezu sicher, daß die tiefen, Jahrhunderte langen Gegensätze zwischen den Staaten des Valkanbundes, die für eine im gemeinsamen Interesse liegende Aktion notdürftig überbrückt worden waren, sich eines Tages wieder zeigen würden. Es war wohl möglich, zur Erreichung eine gemeinsamen Zieles, kleinere Gegensätze zu vergeßen, jetzt, wo das Ziel erreicht ist, melden sich die Gegensätze noch in stärkerem Maße. Schon vor Monaten hat der bulgarische Zar deshalb auch gezeigt, daß ihm der Anschluß an Rumänien, das bekanntlich mit dem Valkanbunde nichts zu tun haben wollte, nicht unwillkommen sein würde, und man kann eine Etaatengruppierung auf dem Balkan erwarten, die gänzlich verschieden von dem im Krieg gegen die Türken bestehenden Bunde sein wird.
Wir verzeichnen folgende Meldungen:
Athen, 27. Mai. Die Agence d'Athenes erklärt die Meldung auswärtiger Blätter, daß Verhandlungen zwischen Griechenland und Italien zum Zweck einer Verständigung im Gange seien, für durchaus unzutreffend. Auch die Meldung über die Unterzeichnung eines vorläufigen DefenliSMndrnff«» zwischen Griechenland und Serbien auf zehn Jahre wird als unrichtig bezeichnet? Die-gesamte Athenische Preße verurteilt aufs strengste das Verhalten der Bulgaren in den letzten Tagen, n«m hofft jedoch, obwohl die Lage außerordentlich heikel ist, daß es zu keinem Konflikt kommt. Die Einberufung der Kammer wurde infolge der neugeschaffenen Lage der letzten Tage auf unbestimmte Zeit verschoben. — Ministerpräsident Venizelos reiste gestern Abend auf 3 Tage nach Salon«.ki ab.
Wien, 27. Mai. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses bestritt der deutsche Sozialdemokrat Leuthner die Notwendigkeit der Mobilisierung im Süden des Reichs und stellre die geringfügigen Erfolge gegenüber dem großen militärischen Aufgebot fest. Der Abgeordnete v. Pantz (Deutsch Ztr.) erwähnte die Festigung des Verhältnißes zu Italien und bezeichnet eine dementsprechende innere Politik und Dreibundpolitik sowie gute Beziehungen zu den Valkanstaaten. besonders zu Rumänien, als erwünscht. Die Deutschen müßten die Lösung des südslawischen Problems in die Hand nehmen, damit es nicht ohne sie und vielleicht gegen sie gelöst werde.
Der endgültige Entschluß der Mächte.
London, 27. Mai. Sir Edward Grey empfing heute vormittag nacheinander die Hauptfriedensdelegierten. Grey soll Dr. Danew erklärt haben, daß nach Ansicht der Großmächte keine Erörterung mehr stattfinden dürfe und daß der Friedensvertrag so wie er sei, sofort unterzeichnet werden müsse, ganz gleich ob alle Kriegführenden zur Unterzeichnung bereit seien oder nicht. Dr. Danew erklärte, er sei zur sofortigen Unterzeichnung bereit. Dem griechischen Delegierten Eennaduis machte der Staatssekretär die gleichlautende Mitteilung. Der Delegierte er-
j < (Nachdruck verboten.)
. Aus alter Zeit.
Hanseatische Erzählung von Therese Deecke.
(Fortsetzung.)
„Wenn nur die Jungfer Kathrin mich nicht so gesehen hat? Ich hätte ja keine gute Stunde mehr bei ihr! Nein, Herr Altermann; die Haube muß ich tragen. Ich bin ja nur eine arme Dienstmagd und darf mich nicht kleiden, wie ich möchte. Ihre Freundlichkeit lieh es mich eben nur vergessen, wer ich bin undwas sich für mich schickt. Ich mag auch keine Kirschen mehr! Bielen Dank für Ihre Muhe. Ich will nun rasch ins Haus gehen und mich wieder ordentlich machen. Kathrin wird sagen, ich sei ein unnützes Ding, wenn sie mich so zerzaust sieht!"
Damit lief sie eilig fort und war froh, dah sie die Alte noch in der Küche bei ihrem Gesangbuch antraf, wie sie sie vor einer Stunde verlaßen harte.
Die Szene int Garten aber, wo Altermann für Minna die schönsten Kirschen pflückte, hatte doch einen Beobachter gehabt. Herr Sanders war, wie oft in den letzten Wochen, auch an diesem Sonntagnachmittag in das Zimmer seines Neffen gegangen und sah dort am offenen Fenster, hinter dem Vorhang verborgen, in der Sonne. Grade unter diesem Fenster war der Kirschbaum und die Bank, und so hörte er jedes Wart, das die beiden jungen Leute miteinander sprachen. Geräuschlos und vorsichtig erhob er sich und spähte hinab und schaute just in Minnas rosiges, lachen- des Antlitz, das dem jungen Mann im Baum über ihr zugewendet war. Meder, wie im vorigen Jahr, übten die strahlenden Augen des Kindes dieselbe gewaltige Wirkung auf ihn aus! Das Bild des toten Lohnes feiner einzigen Schwester erstand vor ihm in schmerzender, -uälender Lebendigkeit und bedrückte zentnerschwer fein Herz. Das pinge Mädchen dort unter dem Kirschbaum sollte ja sein Kind sein! Die pugen glichen ihm freilich, ebenso das feine füge Gesicht und das melo» fische Lachen. Er wollte sich losreihen, um es nicht mehr zu sehen, aber Pie mit Gewalt bannte es ihn an die Stelle, und eine ihm selbst unbe- »reifliche Rührung erfaßte ihn, als das fröhliche Kind sich plötzlich auf Fine dienende Pflicht besann »nd in ihren strengen Bann entsagend zu- Mckkehrte.
Der Anzeigenpreis beträgt für die ^gespaltene Zeile oder deren Raum 15 4. bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4. für 1O.
1913.
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Erstes Blatt
Marburg
Mittwoch, 28 Mai
widerte dem Staatssekretär, er glaube weitere Instruktionen ab» warten zu müßen. Grey erklärte Nowakowitsch, daß die Dele- gierten, welche bereit seien, den Friedensvertrag zu unterzeichnen, keinen anderen Entschluß der Botschafter erwarten dürften. Nowakowitsch erwiderte, die Mitteilung Greys ändere die Lage vollständig. Er habe nicht alle Hoffnung verloren, eine Einigung zu erzielen, müße aber angesichts der neuen unerwarteten Haltung der Mächte den Beschluß seiner Negierung mitteilen und die Antwort abwarten.
Reklamen die Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. — Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt o. M.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
Politische Umschau
Das neue Spionagrgesetz
sieht, rote bereits gemeldet, sowohl eine Erweiterung des Begriffes „Militärische Geheimnisse" vor als auch eine angesichts der leider häufigen Fälle von Verrat dieser an Ausländer nur zu begrüßende Umwandlung der Gefängnisstrafe in Zuchthausstrafe, wenn besonders erschwerende Umstände in Betracht kommen. Aus der dem Gesetzentwurf beigegebenen Begründung ist hervorzuheben: „Das Gesetz gegen den Verrat militärischer Geheimnisse vom 3. Juli 1893 bedarf des Ausbaues. Bis zum Abschluß der schwebenden allgemeinen Revision kann hiermit nicht gewartet werden. Gerade die Erfahrungen der neueren Zeit haben es außer Zweifel gestellt, daß eine schärfere Bekämpfung des stetig anwachsenden, in den gefährlichsten Formen zutage tretenden Spionageunwesens ungesäumt in die Wege geleitet werden muß. Der Schutz, den das geltende Recht den militärischen Geheimnissen gewährt, erstreckt sich nicht auf den Verrat und Ausspähung von Dingen, die unter den Begriff „Gegenstände" nicht gebracht werden können. Dieser Zustand ist sehr bedenklich. Das Bekanntwerden militärischer Nachrichten gefährdet bie Neichssicherheit auf das schwerste. Dieser Zustand ist nicht länger aufrecht zu erhalten. — Für ein weiteres Ziel der Reform, die Bekämpfung des Spionageverbrechens schon in den ersten Anfängen zu ermöglichen, ist die Abhilfe möglich, dah, wie beim Hochverrat, alle Vorbereitungs- Handlungen bestraft werden. Das schlägt § 6 vor. § 7 bietet zugleich eine Handhabe, in den nicht seltenen Fällen mit Strafe vorzugehen, wo ein der Spionage Verdächtiger behauptet, daß er nur bezweckt habe, für Dienste, die er in Wahrheit nicht leisten wollte, im Voraus Geld zu erlangen. Eines verschärften Schutzes bedürfen die militärischen Maßnahmen auch gegen fahrlässige Preisgabe. Da es nicht gelungen ist, zu verhüten, daß Nachrichten über militärische Vorkehrungen, deren geheime Natur bei einiger Aufmerksamkeit niemanden entgehen konnte, vereinzelt in Blättern Aufnahme gefunden haben, so wird in § 9 vorgeschlagen, künftig den, der fahrlässig ein militärisches Geheimnis in die Oeffentlich- keit gelangen läßt, ohne Rücksicht darauf, unter Strafe zu stellen, ob er das Geheimnis auf amtlichem Weg erlangt hat oder nicht. Da fast jede Untersuchung wegen Verrats militärischer Geheimnisse durch vorzeitige Veröffentlichungen erschwert ober beeinträchtigt wirb, so macht bet Entwurf solche Veröffentlichungen bis zur Eröffnung bes Hauptverfahrens von einer Erlaubnis der zuständigen Behörde abhängig. In dem § 11 des Entwurfes ist die bisher im § 15 des Preßgesetzes enthaltene Vorschrift, die ihrem ganzen Inhalt nach in dem vorliegenden Entwurf ihre richtigere Stelle findet, mit einigen Aenderungen übernommen. Die Spionage wird zumeist aus Gewinnsucht begangen, auf der anderen Seite ist in neuerer Zeit die Neigung hervorgetreten, die Spionage als eine ArtSportzu treiben. Hier wird bie Aussicht auf eine empfindliche Eeldnebenstrafe abschreckend wirken können." — Es ist zu hoffen, daß dieser hochwichtige Gesetzentwurf vom Reichstag noch vor dem Eintritt in die Sommerferien verabschiedet und seine Erledigung nicht durch die üblichen end- und fruchtlosen Reden bis zum Herbst ober Winter verschoben wird.
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Eine arme Magd war sie! Freilich! Und hätte bie Tochter bes Hauses fein können! Sie würde seinem Geschlecht keine Unehre machen, und Fritz Altermann, der jetzt trübselig vor sich hinbrütend auf den Zweigen saß; hatte wahrlich nicht unrecht, wenn et das Lockenköpfchen „reizend" genannt hatte! Selbst ihm, dem alten, verbitterten, einsiedlerischen Mann, wollte es so scheinen.
Bis in die Nacht hinein verfolgte ihn dies Bild. Immer, wenn er die Augen schloß, sah er Minnas — oder war es Julius'? — freundliches Gesicht mit den glücklich schimmernden Augen vor sich und hörte das leise melodische Lachen, das auch der Knabe gehabt hatte, bis bes Oheims Strenge es zum Verstummen brachte.
Kein Schlaf wollte sich einstellen, keine Ruhe kam über ihn. Stunde um Stunde erklang vom Turm, und gewissenhaft fang jedesmal der Nachtwächter seinen Vers vor der Tür der Apotheke, zum Zeichen, daß er gut feines Amtes waltete. Schon drei Uhr!
Da hielt er es nicht mehr aus im Bett, machte mühsam mit Feuerstein und Zunder Licht, zog den mattierten Schlafrock und bie hohen Pelzstiefe! an und holte aus dem tiefsten Fach des alten Schreibsekretärs das vergilbte Briefblatt der Frau Schmidt hervor, das er vor sich selbst dort versteckt hatte.
Jetzt las er es in dieser ungewöhnlichen Stunde. Die horngesaßte Brille vor den Augen, das Licht dicht neben sich, so saß er in der beginnenden Dämmerung des Julimorgens und entzifferte mühsam die blaße Schrift der längst vermoderten Hand, die von den Tränen eines ebenfalls lange erloschenen Auges noch bleicher geworden war. Wie Schatten standen die beiden Liebenden neben ihm.
Fast fühlte er ihre Gegenwart und Schauer auf Schauer rann durch die Glieder des alten Mannes, der nach schlafloser Nacht das tiefe Leid eines Herzens vernahm, das ihm am nächsten angehörte hatte im Leben.
Der Brief war am 16. Oktober 1813 geschrieben und lautete:
Meine geliebte Marie!
Wir stehen am Vorabend einer Entscheidungsschlacht! Uns allen ist zumute, als wenn die Welt hinter uns versinkt. Aber in dieser Welt lebt für mich das Teuerste, was ein Mensch besitzen kann, das geliebte Weib meines Herzens, die Mutter meines Kindes! Vor Gott ist es so, daß es nicht auch vor de« Menschen so sein tarnt, bricht mir fast das Herz!
I Die „Oberhessijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn Iunb Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durck. die Post 2 25 .« lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei Ins Haus. - Verlag von Dr. C. Hitzeroth. - Druck der Univ.- Buchdruckerel I. A. Koch (Inh. Dr. E. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
Deutsches -reich.
— Abreise des englischen Königspaares. Berlin, 27. Mai. Nach der glänzend verlaufenen Parade in Potsdam, der eine Frühstückstafel folgte, begaben sich der Kaiser und der König von England im Automobil nach Berlin. Der König und die Königin von England nahmen nachmittags den Tee bei dem Kaiserpaar Im Schloß. Gegen 5(4 Uhr erfolgte die Abfahrt nach dem Lehrter Bahnhof. Der Kaiser und die Kaiserin geleiteten die hohen Gäste., Zum Abschied waren ferner anwesend die Kronprinzessin, Prinz Oskar, der englische Botschafter in Berlin Sir Edward Goschen sowie zahlreiche Damen unb Herren bet englischen Botschaft, der deutsche Botschafter in London Fürst Lichnowsky, Polizeipräsident v. Jagow u. a. erschienen. Der Abschied war äußerst herzlich Die Majestäten umarmten und küßten sich wiederholt. Die Abreise erfolgte um 5.35 Uhr nach Blissingen und London. Das Kaiserpaar begab sich von dem Bahnhof nach dem Neuen Palais. — Der Gegenbesuch des D rutschen Kaisers als Erwiderung, der Teilnahme des Königs von England bei den Feierlichkeiten am Berliner Hofe soll nach einer Meldung bes dem englischen Hofe nahestehenden „Daily Telegraph" im August dieses Jahres erfolgen. Bei dieser Gelegenheit soll in Spitbead eine Flottenparade stattfinden, an der ein deutsches Geschwader, das den Kaiser auf seiner Reise begleiten wird, teilnehmen dürfte.
— Prinz Ernst August. Berlin, 27. Mai Der Regierungsantritt des jungen Herzogs Ernst August wirb nach Blätter- metbungen bereits für ben 1. November mit Bestimmtheit erwartet. Die von bem Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg geführte Regentschaft soll am 31. Oktober ihr Enbe erreichen, und am Tage darauf soll der feierliche Einzug des Herzogspaares in bie Burg Dankwarberode in Braunschweig erfolgen. Der jetzige Regent, besten angeblich bevorstehende Berufung auf ben Statt» Halterposten in Straßburg von unterrichteter Seite in Abrede gestellt wird, plant nach dem Abschied von den Braunschweigern eine längere Auslandsreise und wird sich nach feiner Rückkehr wieder ganz seinen kolonialen Neigungen widmen.
— Die Budgetkommission. Berlin, 27 Mai. Die Budgetkom- mission des Reichstages erledigte tn ganz kurzer Sitzung zur Wehrvorlage bie vorliegenden Petitionen. Die nächste Sitzung findet am Mittwoch statt. — Die Tagesordnung bildet: die zweite Lesung der Wehrvorlage, bie erste Lesung bes Gesetzentwurfes betr. den Wehrbeitrag unb die übrigen Deckungsvorlagen. lieber bie Reihenfolge der Beratung der Tagesordnung beschließt bie Kommission erst morgen.
— Informationsreise Dr. Golfs. Berlin, 27. Mai. Der Staatssekretär bes Reichskolonialamts hat sich heute abend für einige Tage nach Posen und Westpreußen begeben, um sich über die Verhältnisse der kl einbäuerlichen Siedelungen und das Genossenschaftswesen näher zu unterrichten. Durch seine Informationsreise hofft der Staatssekretär Anhaltspunkte zur Beurteilung gewißer Fragen des Siedelungs- unb Genoßenschaftswesens für Deutsch-Sübwest-Afrika zugewinnen, die gerade jetzt durch die vom Reichstag genehmigte Gründung landwirtschaftlicher Kreditinstitute im Schutzgebiet in den Vordergrund des Interest es getreten sind. ,
— Einjahrig-Freiwillige der Fliegertruppe. Berlin. 27. Mai. Rach neuerer Bestimmung werden Flieget, die am 1. Oftobet 1912 unb 1. April 1913 bei einer anderen Waffe als der Luftschiffertruppe als Einjährig-Freiwillige eingetreten find, auf Wunick nach mindestens halbjähriger Dienstzeit zur Fliegertruppe versetzt. Ferner ist ungeordnet, baß die Mannschaften bes Beurlaubten- standes die im Besitze bes internationalen Führerzeugnisses find und dem Beurlaubtenstande der Fliegertruppe noch nicht angehören, in diesen nachträglich übetgesührt werden. In die (Beliebte, verzweifle nicht! Du hast es mir versprochen, als ick Dick in Todesqualen zum letzten Male in den Armen hielt, als rott gemeinsam beteten, um nicht die Beute der Verzweiflung zu werden. Du werfet, was mich unter die Fahnen trieb!
Verschont mich die Kugel, dann finde ich trotz meiner Jugend Amt und Brot für Dich und unser Kind. Vertraue mit mir auf Gottes Barmherzigkeit, da uns die Barmherzigkeit des Manne- tm Stich liefe, bet mir an Stelle von Vater und Mutter gesetzt war. Du glaubit mit daß ich gefleht, gerungen, mich gebemütigt habe, wie nur ein Mensch es tann. Du weißt, dafe ich vor keiner Buße zurückgeschreckt wäre. Das tsi nut in allem Leid ein kleiner Trost. O, Geliebte, zu jeder Stunde danke ich Dir Deine Hingabe, Deine Liebe, Du Einzige, bie dem Verlaßenen in Treue ergeben war! Wie sollte Dir nicht alle Zärtlichkeit meines ein« famen Herzens gehören, das von niemand auf der Welt geliebt wurde, als von Dir allein? Welch ein Tag war das für mich, als ich Dich zum ersten Mal sah! Welch eine Glückseligkeit durchströmte mich und weckte alle schlummernden Kräfte in mir, als ich erkannte, daß Du mir zugetan seist! Du Süße, Kindliche, Holde! Ein Himmel war das Stübchen für mich, in dem Du einsam und fleißig schafftest von früh bis spät. Wie schüchtern betrat ich es zuerst, wie harmlos plauderten und scherzten rott! Dann tarn der Frühling und bie Liebe und die kurzen Wonnestunden eines unsagbaren Glückes, bas wir nun mit tausend Schmerzen büßen. Ach Marie! Bis zu meinem letzten Atemzuge danke ich Dir »lies. Alles! Wie zerreißt es mein Herz, dafe ich Dich In Not und 2otge zu- rücklaßen mutzte, daß die Menschen Dich höhnen und »«ad)ten werbenI Aber Gott wird uns helfen unb gnädig über uns wachen. Haße unser Kind nicht, Marie! Ich komme bald, und dann darf ich Dich die Meine nennen. Alles Leid sollst Du vergeßen In memer Zreue unb üiebe Weine nicht mehr, (Beliebte! Dein herzbrechendes Schluchz klingt mit noch immer im Ohr; ich vernehme es im Lärm und tm Getümmel bes Heeres, Tag unb Nacht; es verlLtzt mich ntel Glaube nut mtt an Gottes Barmherzigkeit. Et wird mich vor bet Kugel bewahren unb |U Dir rurückführen, damit Ich meine Schuld einlöse.
Bis lum Tode getreu!
Del» Suites Wend-tf.
lSchUch folgt.) _