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Ter Hochzeitslaq am Kaijerhof.

Bei günstigem, warmem Wetter wurde Sonnabend nachmit­tag die Vermählung der Prinzessin Viktoria Luise mit dem Prin­zen Ernst August zu Braunschweig und Lüneburg im königlichen Schlosse mit einer Reihe von Feierlichkeiten vollzogen. Eine große Menschenmenge wohnte der Anfahrt der Mitglieder der könig­lichen Familie und höchsten Gäste, der Hofstaaten und Gefolge auf dem Lustgarten und Unter den Linden bei. Eine beschränkte An­zahl der Zugelassenen konnte in der Bildergalerie den Brautzug vorbeiziehen sehen oder von der Galerie der Schloßkapelle aus dem Trauungsakt teilnehmen. Die Leibkompagnie des 1. Earderegi- ments zu Fuß hatte Ausstellung im Schweizersaal genommen. Von einem Teil der Schloßgarde-Knmpagnie in historischer Tracht wurde auf der Wendeltreppe Spalier gebildet. Das Regiment der Gardes du Corps und die Leibgarde der Kaiserin halten Dop­pelposten in den Festräumen gestellt; andere Abteilungen der Haustruppen standen im Weihen Saal dem Thron gegenüber. Um 4 Uhr wurde die königliche Prinzesstnnenkrone durch Beamte des Hausschatzes herbeigebracht und von einem Offizier und zwei Mann des Regiments der Gardes du Corps bis an das Versamm­lungszimmer der allerhöchsten Herrschaften in das angrenzende Ge­mach geleitet. In diesem, dem chinesischen Kabinett, befestigte die Kaiserin auf dem Haupte ihrer Tochter die Krone. Inzwischen samelten sich in der Schlotzkapelle die geladenen Personen. Die Damen waren in Robe de cour erschienen, die Herren in Gala. In dem Kurfürstenzimmer fanden sich das hohe Brautpaar, das Kaiser­paar, der Herzog und die Herzogin von Cumberland, der Kron­prinz, die Prinzenbrüder der hohen Braut, der Erohherzog und die Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin, Prinz und Prin­zessin Max von Vaden, Prinzessin Olga Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg ein. Hier wurde

die standesamtliche Ehefchlietzung .

dttt'ch den Minister des königlichen Hauses Grafen zu Eulenburg vollzogen, worauf der Kaiser den Befehl zum Beginn der kirch­lich en 5 e i tt erteilte. Der Zug bewegte sich durch den Ritter- . saal, den Kapitelsaal, in dem die Schülerinnen der Luisenschule weiß gekleidet mit Kränzen im Haar Aufstellung genommen hat­ten, die Bildergalerie und den Weißen Saal nach der Kapelle. Die Ordnung war folgende: Hinter zwei Hoffurieren und dem Pagenkorps eröffneten 1. zwei adlige Herolde in Wappentracht, Preuhen und Brandenburg repräsentierend, den Zug. 2. der Oberstmarschall Fürst zu Fürstenberg mit dem großen Oberstmar- schallstab, 3. alle anwesenden königlichen Kammerjunker und Kam­merherren, paarweise, die jüngsten voran, 4. die Kavalliere, die der Braut zur Aufwartung beigegeben sind, nämlich der Kammer­herr der Kaiserin v. Winterfeld und Kammerherr Regierungsrat Graf zu Rantzau, 5. das hohe Brautpaar, die Prinzessin in den Spitzenschleier gehüllt, den die Krone und der Myrtenkranz schmück­ten, der Bräutigam in der Uniform der Rathenower Husaren mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens. Die Schleppe aus Silber- brockat trugen die Hofdamen Fräulein v. Saldern, Ehrendame Dräfin v. Basiewitz, Fräulein v. Oldenburg und Fräulein v. d. Marwitz; hinter dem Bräutigam der ihm zur Aufwartung beige- legebene Generalleutnant Freiherr von Richthofen, Kommandeur »er Eardekavalleriedivision, und Oberleutnant Freiherr v. Lichten­tern, 6. die Hofchargen in ihren glänzenden Uniformen paar­weise, dahinter der Kaiser in der Uniform des 1. Earderegi- ments zu Fuß mit der Herzogin von Cumberland; die General­adjutanten, Generale und Admirale a la suite, die Flügeladjutan- ien und der Geheime Kabinettsrat folgten. Darauf nahte die Kaiserin in einem lichtgrünen Gewand mit Spitzenüberwurf, geführt mh dem Herzog von Cumberland, der über seiner öster­reichischen Uniform das Band des Schwarzen Adlerordens trug. Der Kaiser von Rußland in der Uniform seines Husaren­regiments führte sodann die Königin von England, die ein gelb­seidenes Kleid und gleichfarbige Schleppe trug. Der K L n i g v o n England in der Uniform seines Kürassierregiments führte die Kronprinzessin, die in weiß gekleidet war mit einer cremefarbenen Schleppe. Vor dem Zaren und der Kronprinzessin gingen die bei­den ältesten Söhne des Kronprinzenpaares in weißen Matrosen- rnzügen. Der Kronprinz führte zur Rechten die Großherzogin Luise von Baden, zur Linken die Großherzogin von Vaden. Wei­ter folgten die übrigen Fürstlichkeiten, u. a. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen, das Silber-Brautpaar, von ihrem Hofstaat begleitet, Prinzessin Olga, Herzogin zu Braunschweig und Lüne- hurg führten rechts Prinz Eitel Friedrich, links Prinz Adalbert, Prinzessin Eitel Friedrich rechts Prinz August Wilhelm, links prinz.Oskar, Prinz Joachim führte die Prinzessin August Wilhelm jechts und die Prinzessin Friedrich Leopold links. Die Trompeter »er Gardes du Corps bliesen im Weißen Saale Fanfaren. Der Zug par durch die große Zahl der gekrönten Häupter in ihm, die mit »Her Würde, allem Prunk und Glanz umgeben waren, die Macht Dnd Herkommen verleihen, und mit dem glückstrahlenden nach »llen Seiten freudig grüßenden Brautpaar an seiner Spitze wohl Ht bedeutungs- und eindrucksvoll st e Akt in der tanzen langen Kett« der Feierlichkeiten, die diese nach so mancher Richtung einzigartigen Tage uns gebracht haben. Das Wetter batte sich aufgeklärt, heller Sonnenschein lachte zu den Kuppel- «nstern der Schloßkapelle herein und mischte sich mit dem Kerzen­licht der Kandelaber. Beim Eintritt des Zuges in die Schloß- japelle um 5 Uhr sang der Domchor zum Beginn der

Feier der^kirchlichen Handlung

Herr ich habe lieb die Stätte deines Hauses" von Nikolai. Der »niglich« Schloßpfarrer Oberhofprediger D. Dryander und die

nun

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

M 120

DieOberhessifche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durlt> die Post 2.25 <M (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. Verlag von Dr. C. Hitzeroth. Druck der Univ.- Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Marburg

Montag, 26. Mai

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gejpaltene Zeile oder deren Raum 15 4. bei amtlichen and overoT- tigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechende- Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

48. Jahrg

1913.

irrstes Blatt.

Hof- und Domgetstlichkeit empfingen das Brautpaar beim Ein­gang, geleiteten es zum Altar und stellten sich sodann bei diesem auf. Der Bräutigam trat zur Rechten der Braut, di« allerhöchsten und höchsten Herrschaften traten im Halbkreise um das hohe Braut­paar. Die Kapelle zeigte keinerlei besonderen Schmuck außer einer Gruppe blühender Pflanzen, besonders Flieder, am Altar, und einem Strauß rosafarbener Nelken auf diesem und einer Guirlande von Nelken und Myrten um den Altar. Die Gemeinde sang den ChoralLobe den Herren" begleitet von den Posaunen des Blä­serbundes. Die Tr a u r e d e hielt Oberhof- und Domprediger Dryander über den vom Brautpaar gewählten Text aus Römer 8, 28:Wir wißen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen." Er begann:Ein Maientag von Gottes Gnaden, ist Ihnen, hohes Brautpaar, angebrochen. An derselben Stelle, an der vor 32 Jahren Ihr hohes Elternpaar den Bund fürs Leben schloß und kurz zuvor ein goldenes Paar dankend Lobopfer brachte, geweiht zudem durch hochzeitlichen Segen dreier geschwisterlicher Paare, wollen auch Sie Treu zueinander bis in den Tod geloben. Wohin Sie blicken, umgeben Sie glückverheißende Zeichen. Sie haben der Eltern Segen; freudig vettraut das Kaiserpaar seine liebliche einzige Tochter, die solange der Sonnenschein des Königs­hauses war, dem neugewonnenen Sohne. Und nicht minder freu­dig öffnen sich der erlauchten fürstlichen Eltern Arme und Herzen der geliebten Braut des einzigen Sohnes, der des Hauses Sonnen­licht blieb; und indem sich über das Glück ihrer Kinder die hohen Eltern und in ihnen zwei uralte Fürstenhäuser, die ruhmreich in die deutsche Kaisergeschichte verflochten waren, ein­ander herzlich die Hand reichen, umtost sie der Jubel des ganzen Vaterlandes, das darin ein von Gottes Fügung geschenttes Unter­pfand für die Reiches Wohlfahrt und Eintracht sieht. Und wie beglückend verdoppelt sich die eigene Freude durch die Anteilnahme der hohen Gäste und Anverwandten des königlichen Hauses, an der Spitze die beiden mächtigen Herrscher befreun­deter Reiche! Führt den engeren Kreis der Verwandten doch das fürstliche Silberpaar, das heute auf 25 Jahre des Segens und der Gemeinschaft zurückfieht. Der gleiche Erfolg ist dem jungen Paare zu wünschen. In den lauten stürmischen Jubel des Volkes aber, der vom Meer bis zu den Alpen alle Gauen des Vaterlandes durO>ringt, mischen sich im Stillen aber die kraft­vollen Fürbitten tteuer Christen, Ihre Namen vor Gottes Thron tragend." Der Redner erinnerte daran, wie der Stammbaum des Brautpaares zusammenlaufe in einer edlen Frau, die Hannover einst eine Königin, Preußen eine im ttefsten Kreuz bewährte Für­stin gab.Kann irgend einer uns bezeugen, daß alles, auch das Schwerste zum Besten dient, so ist es die Königin Luise. Eine Schranke freilich hat das Wort, eine Bedingung: Denen die Gott lieben wird alles zum Heile. Dunkle Schatten bleiben nicht aus, sie werden nicht geringer, wenn die Aufgaben sich weiten und die Verantwortung des fürstlichen Regiments auf die Schul­tern gelegt wird. Aber offen bleibt über uns der Himmel, an dem glaubensstark unsere Hand anklopfen kann. Denen dient alles zum Heile!" Dann vollzog er die Trauung. Vernehmlich und laut klangen die beiden Ja durch die Halle. In dem Augenblick, in dem das hohe Brautpar die Ringe wechselte, wurde von der im Lustgarten aufgestellten Leibbatteri« des 1. Eardefeldartillerie- regiments dreimal 12 Kanonenschüße gelöst. Gebet, Vaterunser und Segen folgten. Dann sang der Domchor das Lieblingslied der Prinzessin-BrautDer Herr ist mein getreuer Hirt". Der Ge­sang der GemeindeSo nimm denn meine Hände" schloß die Feier. Dann begaben sich die Majestäten und die höchsten Herrschaften in gleich feierlichem Zuge nach dem Ausbau der Bildergalerie, um da­selbst den Neuvermählten die Glückwünsche abzustatten. Unterdessen nahmen die Hofstaaten im Weißen Saal die bei der

Gratulations- und D«fili«rcour

übliche Ausstellung ein. Der Farbenreichtum der Courroben und Uniformen, Brillanten und Ordenssterne entfalteten sich in dem strahlenden Lichte des Weißen Saales zu einer entzückenden Sym­phonie. In ununterbrochener Folge zogen die Gäste an dem Brautpaaar und dem Kaiser vorüber. Der Oberhofmarschall meldete dann die Zeremonientafel an, die um 7 Uhr begann. Wiederum ordnete sich der feierliche Zug der Fürstlichkeiten und durchschritt die Bildergalerie und die nächsten Prunkräume zum Rittersaal. Bei Tische saß das Neuvermählte Paar in der Mitte an der Außenseite der hufeisenförmigen Tafel. Der Kaiser emp­fing aus der Hand des Oberst-Truchseß Fürst v. Radolin die Suppe, der Oberst-Schenk Herzog von Trachenberg Fürst zu Hatzfeld reichte den Wein. Nach der Suppe brachte

der Kaiser folgenden Trinkspruch

aus:Meine liebe Tochter! Am heutigen Tage, an dem Du unser Haus verläßest, danke ich Dir von ganzem Herzen für die F r e u d e, die Du mir und Deiner Mutter immer bereitet hast, für die lange Zeit strahlenden Sonnenlichtes, das Du meinem Hause gewesen bist. Du hast Deine Hand und Dein Herz einem Manne aus einem edlen deutschen Fürstenhause, aus einem alten deutschen Geschlecht gereicht. So lange die deutsche Zunge erklingen wird, und so weit sie erklingen wird, wird sie erzählen von Welfen und Hohenzollern, die so markante Rollen in der geschichtlichen Ent­wicklung des deutschen Vaterlandes gespielt haben. Es ist Dir wie wenigen beschieden gewesen, der Neigung Deines Her­zens frei folgen zu können und den Mann zu er­halten,den Du erwählthattest.

Mein lieber Srchn! Ich vertraue Dir hiermit unser Kind an. Wir haben beide zu Dir das vollste Vertrauen, daß Du sie hegen und pflegen wirst, und daß dieser Sonnenschein nun in Dein Herz einziehen wird. Mögest Du nach den bewährten Vorbildern Dei­ner Ahnen Deinen Hausstand führen, in echter alter ein­facher de utscher Art, und auf Gott den Herrn bauen, und, wh er tu Eure« Wahlspruch heißt, aller aus seiner Hand emp­

fangen, das Gute und das Böse, bereit, Schweres zu tragen, und die schönen Tage des Glückes und der Freude dankbaren Herzen» anzunehmen. Vor allen Dingen aber, trotz Eurer Jugend, wird es wohl bald Euch beschieden sein, anderen zu dienen und für andere zu sorgen Möge diese Aufgabe, die schönste, Euer ganzes Leben erfüllen, und möge die Liebe zu anderen Menschen Eure Herzen erwärmen. Möget Ihr beide, und Du vor allem, meine liebe Tochter, ein treues Kind im neuen Hause sein. Ich bitte Euch beide (zu dem Herzog und der Herzogin von Cumberland) von ganzem Herzen unser Kind gnädigst in Euren Schutz nehmen zu wollen und b Eure Liebe einzuschlietzen. Alles übrige faße ich in den Wunsch zr sammen: Gott segne Euch auf Eurem Lebenspfad, den Ihr heut ge­meinsam antretet. Das Brautpaar Hurra, hurra, hurra?" Nach beendeter Tafel (im ganzen speisten gegen 1100 Gäste an den kaiserlichen Tafeln) fand im Weißen Saale

de« historifche Fackeltanz

statt. Zuerst traten Fürst zu Fürstenberg mit 12 Pagen, die Wachs­fackeln trugen, paarweise an, dann folgte das Brautpaar, das einen Rundgang machte. Die Prinzessin-Braut forderte den Kaiser, der Bräutigam die Kaiserin zum Tanze auf. Darauf er­folgte in derselben Weise der Rundgang des Hoyen Brautpaares mit den anwesenden Allerhöchsten und Höchsten Herrsckiasten. Nach dem Fackeltanz wurden die Neuvermählten von Pagen mit Fackeln in ihre Gemächer geleitet, wo die Abnahme der Prinzessinnen- Krone erfolgte. Die Oberhofmeisterin der Hohen Braut nahm darauf die Verteilung des Strumpfbandes vor, worauf der Kaiser den Hof entließ. Damit hatten die Hochzeitsfeierlichkeiten ibr Endeerreicht. Abends gegen 9y2 Uhr geleitete der Kaiier ir* offenen Automobil das neuvermählte Paar nach dem Stettiner Bahnhof. Eine ungeheure Menschenmenge jubelte dem Kaiser der Tochter und dem Schwiegersöhne zu. Die Abreise nach Schluß Hubertusstock erfolgte um 9.30 Uhr. Die Londoner Wochenschrift Truth" weiß zu berichten, König Georg und Königin Mary beab sichtigten, den Prinzen Ernst August von Braunschweig-Lüneburg und seine Gemahlin zu einem vierzehntägigen Besuch im November einzuladen.

Preßstinnnen.

Di«.Bayrische Staatszeitung" widmet der Ver­mählungsfeier in unfern Kaiserhaus« u. a. folgende Worte:Das deutsche Volk weiß, welch eine Last sich drängender Eeschehniße und Staatsgeschäfte auf dem Kaiser ruht, und wie wenig es ihm ge­gönnt ist, an sich und die Seinen zu denken. Für einen Mann, der, wie der Deutsche Kaiser, als Vorbild eines Familien­vaters gelten darf, liegt darin gewiß kein geringes Opfer. Mehr als einmal hat Kaiser Wilhelm Zeugnis von der hohen Auffassung abgelegt, die er von den ideellen Werten des Familienlebens hegt, und hat mit warmen Worten sich zu dem Glück bekannt, das ihm die edle Kaiserin und Gemahlin gegeben bar. Um so freudiger gestaltet sich seinem Vaterherzen der Tag, an dem er die einzige Tochter an der Hand eines ritterlichen Fürstenfohnes einer frohen Zukunft entgegenziehen sieht. Was diese Vermählungsfeier an geschichtlichen Erinnerungen wachrufen, was sie an Hoffnungen für die Zukunft erwecken, was sie an Glanz und Prunk um sich ver­sammeln mag, das alles schließt in seinem schimmernden Nahmen schlichtes menschliches Glück, schließt den Segen eines gottvertrauenden Vaters, einer treubesorgten Mutter, schließt die Wünsche liebender Geschwister ein. Dieses Bild inniger Familien- freude ist dem Fühlen und Denken des deutschen Volks besonders nahe, weckt in allen Herzen Zuneigung und Sympathie. Auch Bayern hat herzlichen Anteil an der Freude des Tages, an dem der letzte Sproß des erlauchten Hauses der Welfen die Tochter des Deutschen Kaisers zum Altäre führt. Fast fünf Jahre sind seit dem Tag verfloßen, an dem Prinz Ernst August in das Bayerische 1. Schwere Reiter-Regiment eingetreten ist, dessen Uniform er heute noch trägt. Liebenswürdiges Wesen, kameradschaftliche Ge­sinnung, echt reiterlicher Geist und ausgeprägte Pflichttreue haben dem Prinzen auch als Offizier das beste Andenken in der bayeri­schen Armee erworben. Die herzlichsten Wünsche aus Bayern ge­leiten daher den Lebensweg der hohen Neuvermählten."

DerR e i ch s b 0 t e":Weit über den Kreis einer Familien- und Volksfeier hinaus reicht die Bedeutung dieses Freudentages. Die uralten kernigen Geschlechter der Hohenzollern und Welfen schließen damit einen freudig zu begrüßenden Bund, der einen alten, damals geschichtlich unvermeidlich gewesenen Bruderzwist beseitigt. Heiß glühte der Zorn vor 47 Jahren in den treuen hannoverschen Herzen, als das angestammte Herrscherhaus flüchten mußte. Aber die geschichtliche Entwicklung des mächtig auf­strebenden Preußen-Deutschland hat gezeigt, daß dieses harte Muß unumgänglich notwendig war. Die Generation, welche da­mals am schwersten in ihren monarchischen Gefühlen verletzt war, ist heute ausgestorben, und die in anderen Anschauungen er­wachsene Jugend des hannoverschen Landes jubelt heute dem er­lauchten jungen Brautpaar, das nicht rücksichtsloser politischer Zwang, sondern innige Neigung zusammenführte, von ganzem Herzen zu."

DieV 0 s s i s ch e Z e i t u n g":Zwar nicht immer haben sich Erwartungen erfüllt, die aus fürstlichen Eheschließungen wie mit Naturnotwendigkeit zu erwachsen schienen, nicht einmal in Zeiten, wo des vierzehnten Ludwig GrundsatzDer Staat, das bin ich" mehr als heute Geltung hatte. Indessen bei dem heutigen Fest drängen sich die Lehren, die sich aus diesen Erfahrungen ergeben, um so weniger auf, als das Welfenhaus aus der Reihe der regie­renden Dynastien geschieden ist und seine jetzige Verbindung mit dem Hause Hohenzollern nicht die Verstärkung seiner Ansprüche bewirken, sondern nur die Anerkennung des gegenwärtigen Rechts­zustandes zur Folge oder zur Voraussetzung haben kann."

DieBraunschweigische Landerzeitnug":Jetzt