mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".
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Erstes Blatt
Am Vorabend der Hochzeit im Kaiserhause
Anträge der Sozialdemokraten eine ganz erhebliche Einschränkung und Verminderung bedeute. Er vertritt de» weiteren die Geeignetheit der Militäranwärter, die sich in vielen Gemeinden und großen Städten in jeder Beziehung voll bewährt haben. Die Zentrumsentschliehung wurde gegen die Sozialdemokraten unb die Elsässer angenommen. — Der Rest der Vorlage wurde genehmigt. Von dem Ergänzungsrtat
Marburg
Sonnabend, 24 Mai
1913.
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Die „Oberhessischr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteliäbrlich bürd'
fei der Wunsch der Herrscher erkennbar, durch ihr persönliches Bei. spiel das gegenseitige Vertrauen der Nationen zu fördern. Von diesem Standpunkte aus sei der Besuch des Kaisers in Beilin für die Festigkeit des Frieden» überhaupt und der freundschaftlichen Beziehungen im besonderen zu betrachten.
Gestern vormittag besichtigten die Kaiserin, das Königspaar von England, das Herzogspaar und die Prinzessin Olga von Cumberland, die Kronprinzessin und dje andern Fürstlichkeiten die in den braunschweigischen Kammern ausgestellten Hochzeits- g e s ch e n k e. Es sind über 100 Gegenstände. Als erstes ist ein Teppich Berlins aufgebaut, daneben ein Schrank des preußischen Städtetages, es folgen die Gaben von Städten, Ritterschaften, Ständen, Landtagen, Hochschulen, Schulen, den fremden Fürstlichkeiten, deutschen Fürsten, den freien Städten, Regimentern, Vereinen, den deutschen Kolonien im Auslande und einzelnen Personen. Um 11 Uhr empfing das Brautpaar in Gegenwart der Kaiserin in der braunschweigischen Eallerie eine Anzahl Abordnungen. Die Führer hielten jedesmal eine kurze Ansprache; viele überreichten herrliche Blumensträuße. Die Kaiserin und das Brautpaar dankten huldvoll.
Das Brautkleid, der Brautschleier und die Courschleppe der Prinzessin Viktoria Luise sowie die Hochzeitsgeschenke werden auf allerhöchsten Befehl um Sonntag den 25. Mai von 11 y2 bis 4 Uhr und am Montag den 26. Mai von 10 bis 4 Uhr im Königlichen Kunstgewerbe-Museum ausgestellt. Für die Besichtigung wird für wohltätige Zwecke ein Eintrittsgeld von 50 Pfg. erhoben werden. Der Schulunterricht in Groß-Berlin und Potsdam fällt heute auf Anordnung des Kaisers aus.
Besuche, Empfänge und Ausfahrten.
Kaiser Wilhelm und Kaiser Nikolaus mit Gefolge und Ehrendienst unternahmen vormittags in Automobilen eine Fahrt nach dem Schloß in Charlottenburg, weiter über den Kaiser Wilhelm- turm nach der Kolonie Grünewald. Mittags um 12y2 Uhr frühstückten die Monarchen bei dem Osfizierkorps des Alexander-Regiments. Auf der Fahrt nach dem Grünewald besuchten die beiden Kaiser das Mausoleum in Charlottenburg, wo Kaiser Nikolaus am Sarkophage Kaiser Wilehlms I. Blumen niederlegte. — Das englische Königspaar frühstückte in der englischen Botschaft. An dem Frühstück nahmen u. <t. der Reichskanzler, Staatssekretär von Iagow, insgesamt 52 Personen teil. In einer Ansprache an die Abordnung der Berliner britischen Kolonie, die eine Begrüßungs- adresie überreichte, sagte König Georg u. a.: „Die Königin und ich sind besonders erfreut, daß wir Gäste des Herrschers dieses großen und uns befreundeten Volkes sind, um die Verbindung zweier junger Menschen zu feiern, die, wie wir innig erflehen, reichen Segen erfahren mögen. Ich bemerke mit Interesse, daß in so vielen verschiedenen Berufen meine Untertanen anzutreffen sind, die die Gastfreundschaft und die Annehmlichkeiten Berlins genießen. Durch die Förderung und Auftecht- erhaltung der freundlichen Beziehungen und des guten Einvernehmens zwischen Ihnen und der Bevölkerung dieses von Ihnen erwählten Heimat helfen Sie den Weltfrieden sichern, dessen Erhaltu ng mein innig st er Wunsch ist, wie er auch das Hauvtbestreben und das Hauptziel im Leben meines teueren Vaters war." — Nachmittags besuchte das englische Königspaar das Kronprinzenpaar. — Der Zar empfing zum Tee das Prinzenpaar Heinrich mit seinen Söhnen, ferner das Erbprinzenpaar von Sachsen-Meiningen, das Prinzenpaar Friedrich Karl von Hesien mit seinen Söhnen und das Großherzogspaar von Hesien. Später besuchte der Zar die cumberländischen Herrschaften. Der Reichskanzlei wurde vormittags vom Kaiser von Rußland in Audienz empfangen, die % Stunden dauerte. Zum Andenken verehrte der Kaiser dem Reichskanzler einen silbernen, mit Edelsteinen besetzten Schrein. Der König r - England hat dem Reichskanzler das Großkreuz des Viktoriaordens verliehen.
Halbamtliche Preßstimmen.
V e r l i n , 23. Mai. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: „Umgeben von einem großen Kreis erlauchter Gäste schließen morgen die Prinzessin Viktoria Luise und Prinz Ernst August ihren Lebensbund. An der Freude der hohen Eltern und des jungen Paares nimmt das deutsche Volk teil. Auch wir bringen innige Segenswünsche für die Verbindung dar, welch« auf Herzensneigung ausgebaut ist und durch die zugleich alte Gegensätze ausgeglichen werden. Möge das gütige Geschick, welches 6is- her die einzige Kaisertochter im Elternhause leitete, auch über ihrer Zukunft an der Seite ihres Gemahls malten und beiden ein ungetrübtes menschliches Glück bcschieden sein."
Petersburg, 23. Mai. Die offiziöse „Rossija" schreibt' Obgleich der Anlaß zu der Begegnung der drei Monarchen in Berlin ein Familienereignis ist, so könne man nicht umhin, darin einen beredten Beweis für den Wunsch der Monarchen zu sehen, die Festigkeit der sie zum Wohle der Völker verbindenden Freundschaft zu bestätigen. Der Besuch des Kaisers in Deutschland erscheine als ein neuer Beitrag zur Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen, die im Laufe der Jahrhunderte durch die aufrichtige Freundschaft ausgezeichnet war. Die Nachbarschaft beider Reiche, die wirtschaftlichen Znteresien und viele gemeinsam durchlebte historische Momente und endlich verwandtschaftliche Bande hätten die Beziehungen zwischen Deutschland un5 Rußland schon längst die Stabilität gegeben, die eine so große Rolle bei der Erhaltung des politischen Gleichgewichts in Europa spiele. Dank der traditionellen Freundschaft erleichterten sie Rußland und Deutschland, obgleich verschiedenen Gruppen der Großmächte angehörend, nicht wenig die Entscheidung der Fragen der Internationalen Politik, in welchen die Znteresien des Dreibundes mit denen der Tripleente kollidierten. Im letzten Jahrzehnt seien die Begegnungen der Monarchen häufiger geworden. Darin
Bayrisch« Glückwünsche.
München, 23. Mat. Prinzregent und Prinzesfin Ludwig richteten anläßlich der Hochzeit im Kaiserhause herzliche Glück- wunschtelegramme an den Kaiser, die Kaiserin, das Brautpaar und den Herzog und die Herzogin von Cumberland.
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Die silbern« Hochzeit des Prinzenpaares Heinrich.
Berlin, 23. Mai. Schon heute haben zahlreich« hervorragende Persönlichkeiten, Klubs und Vereinigungen dem Prinzen Heinrich und seiner Gemahlin zur Feier der silbernen Hochzeit ihre Glückwünsche dargebracht, u. a. auch der Reichskanzler. Die Vereine ehemaliger 35er der Provinz Brandenburg hatten eine Abordnung gesandt, die vom Prinzen Heinrich liebenswürdig empfangen wurde. Nach der Ansprache des Vorsitzenden und nach der Ueberreichung einer künstlerisch ausgeführten Adresie richtete Prinz Heinrich eine Ansprache an die Anwesenden. Er dankte ihnen für ihr freundliches Gedenken und für die treue Anhänglichkeit an ihren ehemaligen Chef und fuhr dann fort: „Sie, meine Herren, sind dazu berufen, die Elemente,diesichvonuns losgelöst haben, wieder heranzuziehen. Die gegenwärtige Lage ist ernst, aber wir Deutschen haben keinen Anlaß, sie irgendwie zu fürchten. Halten Sie in Treue zu dem Hause Hohenzollern und dienen Sie ihm, wie auch ich ihm diene."
ie MilMreformen in der Budgetkommiiston.
In bet Sitzung vom 23. b. M. wurden zahlreiche Entschlüsie und Anträge, die aus Ersparnisie und Reformen auf den verschiedensten Gebieten .abzielen, angenommen. Zunächst eine Entschließung der Volkspartei, idie eine baldiqe-Gesetzesnovelle über die Unterstützung von Familien in ven Dienst eingetretener Mannschaften im Falle der Mobilmachung verlangt. Die Volkspartei erinnert angesichts der erneuten Vermehrung f der Wehrlast an bk Zusagen über die Ersparnisie auf anderen militärischen Gebieten. Ihre Entschließung betr. die Ersetzung von aktiven Offt- zieren für alle Stellen, für welche die Felddiensttauglichkeit nicht mehr die unbedingte Voraussetzung ist, durch inaktive Offiziere wurde gegen die Konservativen angenommen, ebenso die Entschließung betr. eine R e - form des Pensionierungssystems in dem Sinne, daß Offiziere, die für ihre Stellen noch vollkommen geeignet sind, nicht nur deshalb pensioniert werden, weil ihr Nachmann sie übersprungen hat. Annahme fand weiter eine Entschließung des Zentrums, die die Erwartung ausspricht, daß angesichts der hohen Lasten dieses Gesetzes die Heeresverwaltung mit allen Kräften bestrebt ist, größte Sparsamkeit walten zu lasten und alle Maßnahmen zu treffen, um unter möglichster Einschränkung des Parademäßigen und des Luxus mir die Kriegstüchtigkeit des Heeres zu erhalten unb zu förbern.
Eine längere Entschließung veranlaßten weitere Anträge bet Volkspartei, die eine erfolgreiche Bekämpfung der Soldat« nm iß- Handlungen, insbesondere auch durch die Reform des militärischen Beschwerderechts sowie eine Revision des ehrengerichtlichen Verfahrens gegen Offiziere bezwecken. Der Kriegsminister lehnte eine Aenderung in den Grundlagen des ehrengerichtlichen Verfahrens ab. Im einzelnen könnten wohl zweckmäßige Aenderungen vorgenommen werden. In der Abstimmung wurde der Teil der volksparteilichen Entschließung, der die Soldatenmitzhandlungen betrifft, einstimmig angenommen, der Abschnitt vom militärischen Beschwerderecht gegen die Konservativen, ebenso die Forderung der Revision des ehrengerichtlichen Verfahrens. — Ein weiterer volksparteilicher Antrag ging auf Revision der Militär st raf- gerichtsordnung. Zum Militärstrafgesetze beantragten die Sozialdemokraten eine moderne Reform des Militärstrafgefetzes und namentlich Herabsetzung des Strafmaßes, insbesondere Einführung von Strafmilderungsgründen. Nachdem der sozialdemokratische Antrag dahin geändert war, daß der Reichskanzler ersucht werden soll, baldtunlichst ^inen Gesetzentwurf vorzulegen, wird auch dieser Antrag gegen die Stimmen der Konservativen angenommen. Nach der Pause nahm die Vud- getkommission zunächst eine Zentrumsentschließung an, daß nur Volltaugliche eingestellt werden, eine fortschrittliche Entschließung, betreffend rücksichtsvolle Befteiung vom aktiven Heeresdienst infolge bürgerlicher Verhältniste (einziger Ernährer hilfsbedürftiger Familien usw.), eine nationalliberale Entschließung, betreffend Hebung und Anfiechterhal- tung der Schießfertigkeit, insbesondere bei den Reservisten und Land- wehrmännern, eine Zentrums- und nationalliberale Entschließung betr. Sicherstellung der Leistungsfähigkeit der freiwilligen Krankenpflege für den Fall der Mobilmachung. Die Militärverwaltung hatte sich zu diesen Entschließungen zustimmend geäußert. Es folgt die Beratung von Zentrumsentschließungen, betr. Vergebung aller Arbeiten und Leistungen an das ortsansässige Gewerbe und Erteilung des Zuschlags an nur solche Arbeitgeber die das Koalitionsrecht der Arbeiter unangetastet lasten. Eine weitere Zentrumsentschließung spricht die Erwartung aus, daß die Beschaffung des Kriegsmaterials durch di« reichseigenen technischen Institute erfolgt. Die Entschließung wurde angenommen. Artikel 2, der die Aenderungen in dem Besoldungsgesetz von 1909 betrifft, wurde nach kurzen Darlegungen des Berichterstatters angenommen, ebenso Artikel 3, der in der Hauptsache die Erhöhung bet lausenden Ziviloer- sorgungsentschädigung von 12 auf 20 M, und die Erhöhung der einmaligen Geldbewilligung von 1500 auf 3000 Ji gegen den Verzicht auf den Schein und die Zivilversorgungsentschädigung enthält. — Eine eingehende Aussprache rief folgende Zentrumsentschließung hervor: Es ist dafür Sorge zu tragen, daß die Gemeinden die bestehenden Vorschriften
über Anstellung von Militäranwärtern
nicht umgehen." Ein sozialdemokratischer Redner meinte, in mancher Beziehung erwiesen sich die Militärtanwärter als minderwertig. Die Militäranwärter kehrten in den besten Jahren in das Zivilleben zurück und bedürften nicht des besonderen Schutzes ober besonderer Hilfe. Oberst von Düring führte aus, daß der Unteroffizier mit der Aussicht einträte, daß ihm nach 12 Jahren die Anstellungsmöglichkeit gesichert sei. Es liege im Intereste der Heeresverwaltung und der Unteroffiziere, daß keine Aenderung einträte. Der Kriegsminister verteidigte nochmals warm die P«rsorgung»gelegenh«tt der Unteroffiziere, bet gegenüber bi«
würbe Kapitel 14 Kriegsministerium, Besoldungen, Kapitel 16 Militärintendantur unter Streichung von 5 Intendanturräten und 2 Intendan- turastestoren gemäß einem Zentrumsantrag, Kapitel 17 Militärseelsorge, Kapitel 18 Militär-Justizverwaltung unter Streichung von je 3 Kriegsgerichtsraten unb Militärgertchtsschreibetn, sowie 6 Militärgerichtsschrei- betgehilfen nach einem Zentrumsantrag angenommen. Weiterberatung heute.
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Die Meutereien in Frankreich.
Paris, 23. Mai. Nach den Berichten rnebrerer Blätter arteten die im 122. Infanterieregiment vorgekommenen militärischen Kundgebungen in eine sehr ernste Meuterei aus. Ein Major fahle einen Hornisten, der das Signal zur Demonstration gegeben hatte, und warf ihn nieder. Ein Soldat stürzt« sich auf den Offizier, worauf dieser das Gewehr eines Wachtposten ergriff und den Angreifer mit einem Kolbenschlag zu Boden streckte. Acht Unteroffiziere eilten mit aufgepslanztem Bajonett herbei und drängten die Meuterer zurück Es entspann sich ein Handgemenge, das etwa % Stunden dauerte. Die Meuterer hatten sich des Schlüstels des Pulvermagazins bemächtigt, doch gelang es, ihnen diesen zu entreihen. Die Haupträdelsführer, 27 an der Zahl, wurden festgenommen. Der Oberst hielt eine Ansprache an das Regiment, in der er sagte, er müst« seine Entrüstung und seine Betrübnis über das Vorkommnis ausdrücken. Die Soldaten dürften sich nicht in einem Augenblick, wo das Ausland alle erforderlichen Opfer bewillige, gegen die Gesetz« ihres Landes auflehnen.
Paris, 23. Mai. Der „Temps" bringt Einzelheiten über die Soldatenkundgebungen von Rodez, welche zeigen, daß der Vorfall in der Tat sehr ernster Natur war. Die meuternden Soldaten waren auf ein verabredetes Hornsignal mit ihren Gewehren und Bajonetten in den Kasernenhof geeilt. Major Angelby fahte dar Gewehr eines Wachtpostens und hielt die erste Gruppe der meu» ternden Soldaten, welche die Kasernentore hinausdrängen wollte, mit vorgehaltenem Bajonett auf und rief: „Der erste, der noch einen Schritt vorwärts macht, ist eine Leiche." Nun hielten auch die Unteroffiziere die anderen Erupepn zurück. Die Untersuchung soll ergeben haben, daß die Meuterer nach einem verabredeten Plan vorgehen wollten. Sie beabsichtigten zunächst, ein in einer anderen Kaserne liegendes Bataillon zum Anschluß an die Revolte zu veranlasten und dann nach Albi zu ziehen und dort mit dem 5. Infanterieregiment eine Straßenkundgebung gegen die dreijährige Dienstzeit zu veranstalten. Sie sollen sogar die Absicht gehabt haben, die Tore der Munitions - und Lebensmittel-Magazine zu sprengen. Die Soldaten der Regimentskapelle hatten beschlossen, an der Revolte teilzunehmen. — Aus Nancy wird gemeldet, daß heute eine Anzahl Soldaten des 5. Husarenregiments unter der Bewachung von Unteroffizieren nach Marseille transportiert wurden, um in die afrikanischen Strafkompagnien verschickt zu werden. In den Tornistern dieser Soldaten waren verschiedene antimilitaristische Schriftstücke, namentlich antimilitaristische Lieder gefunden worden.
Paris, 23. Mai. In Orleans veranstalteten Soldaten des 32. Artillerieregiments im Speisesaal ihrer Kaserne eine Kundgebung gegen die dreijährige Dienstzeit. — Der „Matin" veröffentlicht einen im Dezember vorigen Jahres von dem früheren Sicherheitsdirektor und gegenwärtigen Polizeipräfekten Hennion erstatteten Bericht, wonach zunächst der katholifche Klerus den Gedanken gehabt habe, seine Beziehungen zu den unter die Fahnen gerufenen jungen Leuten aufrechtzuerhalten, und zu diesem Zweck seien katholische Zirkel errichtet und für diese Soldaten eine Art Unterftiitzungskasse gegründet worden, die man „Le Sou du Soldat" genannt habe. Der allgemeine Arbeitsverband habe dies« Idee vor 13 Jahren aufgegriffen und in antimilitaristischem Sinne ausgebeutet. Eine Gewerkschaft sei sogar so weit gegangen, daß sie auf dem Kongreß des Arbeitsverbandes in Lyon im Jahre 1901 die Errichtung einer eigenen Kasse für Militärfl ä ch t 1 i n g e beantragt habe.
P a r i s, 23. Mai. Aus Toul wird weiter berichtet, daß die aus Paris entsandten Geheimpolizisten in der Wohnung mehrerer Mitglieder des allgemeinen Arbeitsverbandes Durchsuchungen vorgenommen, aber nichts Verdächtiges gefunden hätten. Die Sicherheitsbehörde hält gleichwohl an ihrer Ueberzeugung fest, daß die militärischen Kundgebungen auf einen von der Pariser Ee- werkschaftsgruppe ausgegangenen Befehl zurückzuführen seien.
„Bürgerkrieg und Kaiserreich."
Paris, 23. Mai. In der Deputiertenkammer erklärte der Sozialist Vaillant: Die Einbringung des Gesetzes Über die drei- jährige Dienstzeit sei der B e g t n n e i n e s B Ü r g e r k r i e g e s. (Lebhafter Widerspruch auf zahlreichen Bänken.) Das Land werde die Wiederherstellung des Kaiserreichs zu verhin- dern wisten. (Heftiger Widerspruch links und im Zentrum.) Der Minister des Innern Klotz antwortete, indem er daran erinnerte, daß die Berichte der Präfekten Kundgebungen gegen die drei- jährige Dienstzeit angezeigt hätten, welche Eegenkundgebungen im Gefolge hätten. Ein ministerielles Rundschreiben habe diese alle untersagt. (Beifall im Zentrum und links.) Als die äußerste Linke für den Patriotismus der Manifestanten gegen die drei- jährige Dienstzeit sprach, erklärte der Präsident Deschanel, der Minister habe nicht sagen wollen, daß die Gegner der dreijährige« Dienstzeit nicht patriotisch wären. Alle Sozialisten riefen mit geballten Fäuste»: „Auch die Manifestanten gegen die drei Jahre,