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1913.
Marvurg
Tonnerstag^ 22 Mai
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Erstes Blatt.
Wümcke zur ftecreareform.
Die Vormittagssitzung der Budgetkommission vom 21. d. M. füllte die Aussprache über die Bevorzugung des Adels und der Eliteformationen aus. Die Sozialdemokratie forderte die Beseitigung jeder Ausnahmebestimmung für die Garde und die sonstigen Eliteformationen. Die volksparteiliche Entschließung wollte jede Privilegierung einzelner bestimmter Truppcnkörper nach Garnisonort, Avancement usw. beseitigen. Zwei Anträge Basiermann hingegen richten an den Reichskanzler das Ersuchen, „der Entwicklung in der Armee entgegenzuwirkcn, die in wachsendem Mähe zu Regimentern mit ausschließlich oder überwiegend adligen Offizierkorps geführt hat"; sowie „dahin zu wirken, dah ein ständiger Austausch zwischen den Offizierkorps der Erenzregi meuter, sowie der unter ungünstigen Lebensbedingungen stehenden Garnisonen und den in großen Städten oder unter bevorzugten örtliche» Verhältnisien garnisonierenden Truppenteilen stattfindet".
Den sozialdemokratischen Antrag bezeichnete der« Kriegsminister als verfassungswidrig, da er in die Kommandogewalt des Kaisers eingreife. Die Sozialdeinokratie suchte das zu bestreiten, Herr v. Heeringen blieb aber auf seinem Stundpunkt und erklärte, daß die Annahme des sozialdemokratischen Antrags die Vorlage für die Regierung unannehmbar mache. Hiergegen wurde von der Volkspartei scharfer Widerspruch erhoben. Wenn, so führte ein Redner dieser Partei aus, das Gardeprinzip wichtiger fei als eine ganze Wehrvorlage, so beweise dies, welch völlig schiefe Vorstellungen herrschen, wie sie einst zu
Jena und Auerstedt
geführt haben. Der gegenwärtige Kriegsminister wolle überhaupt alles konservieren in der Armes. Eine solche Haltung miisie allmählich Konsliktsstoff ergeben, nicht bloß im Reichstag und im Volke, sondern auch in der Armee selbst. Die Offiziere des lSarde- korps besäßen doch keine „besondere Intelligenz": Es sei ja in den letzten Jahren bester geworden. Daß ein bürgerlicher Offizier Korpskommandeur werde, das sei jetzt möglich geworden; aber einen solchen Offizier in die Garde zu bringen, das sei nicht einmal dem Kaiser gelungen gegenüber dem Zusammenhalt des feudalen Klüngels. Es wäre eine Tat des Kriegsministers und des Reichskanzlers, wenn einmal mit dieser Klüngelwirtschaft aufgeräumt würde. Auf Anfrage eines weiteren Mitgliedes ver Volkspartei erwiderte der Kriegsminister, daß er mit seiner obigen Erklärung lediglich seine eigene Meinung ausgesprochen habe. Ein sozialdemokratischer Redner erklärte, seine Partei werde die Erklärung des Kriegsministers ausschlachten, und zwar in dem Sinne, daß der Minister die Aufrechterhaltung der Garde für wichtiger halte, als die Verstärkung des Heeres. Das Zentrum stimmte dem Kriegsminister darin bei, daß der sozialdemokratische Antrag- verfassungs widrig fei. Der Antrag sei auch ganz unklar. Den richtigen Weg gingen die Anträge Vasiermanu. Die Konservativen sprachen gegen alle Anträge. Von nationallibc- raler Seite wurden die wcitergchenden Anträge der Volkspartei und der Sozialdemokratie ebenfalls abgelehnt und die eigenen Anträge wiederholt begründet. Der Kriegsminister führte aus, rr stehe der nationallibcralen Entschließung, die der Entwicklung in der Armee, welche zu Regimentern mit ausschließlich oder überwiegend adligen Offizierkorps geführt habe, entgegenwirken wolle, durchaus sympathifchgegenüber. Der Antrag der Sozialdemokraten wolle das Gardekorps beseitigen. Damit fei ein scharfer Angriff gegen die Person des Kaisers verbunden, der auf das entschiedenste zurückgewiesen werden mllste. In der
Abstimmung
wurde der sozialdemokratische Antrag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, der Volkspartei und der Elsäsier abgelehnt, ebenso der volksparteiliche Antrag. Daraufhin wurden die Anträge Vasiermann mit allen Stimmen gegen die Konservativen angenommen. Dann beschäftigte man sich noch kurz mit der Frage der Ersetzung der Oekonomiehandwerker durch Ztvilhandwerkcr. Eine dahingehende Entschließung wurde jedoch abgelchnt.
In der Rachmittagssitzung wurden zahlreiche bei den Mikitär- debatten der früheren Jahre und auch bei der diesjährigen Etatsberatung in Kommission und Plenum zum Teil schon eingehend erörterte Reformwünsche mit den hierzu eingebrachten Anträgen und Entschließungen verhandelt. Zunächst beschäftigte man sich mit dem Burschenwesen, besten Abschaffung die Sozialdemokratie beantragte. Obgleich auch von anderer Seite zahlreiche Mißstände vorgebracht wurden, so hielt man auf bürgerlicher Seite eine Beseitigung der Burschen für unmöglich. Ein weiterer Zusatzantrag verlangt die
Abschaffung der Militärkapellen.
Kriegsminister v. Heeringen begründete die Notwendigkeit der Regierungsvorlage sowie die belebende und erhebende Wirkung der Militärkapellen bei großen Anstrengungen, besonders im Feldzuge. Der Antrag wird gegen die Sozialdemokraten abgelehnt. — Es folgt die Beratung der Urlaubserteilung. Hierzu beantragt das Zentrum folgende Entschließung: Den Reichskanzler zu ersuchen, die erforderlichen Anordnungen zu treffen, damit erstens die Soldaten mindestens durchschnittlich tährlich 4 Wochen Urlaub erhalten können, zweitens der Urlaub sür die Berittenen in erhöhtem Umfang« gewährt wird, drittens diese Urlaubrzeiten für die aus der Landwirtschaft stammenden Soldaten tunlichst in der Erntezeit erteilt werden. Der Zen- trumsantrag wurde nach kurzer Erörterung einstimmig enge»
n 0 mmen. — Ein weiterer Zcntrumsantrag, der die Beseitigung des strengen Arrestes als Disziplinarstrafe verlangt, wurde angenommen. Sodann wurde über den
Militarboqkott verhandelt. Hierzu lagen ein sozialdemokratischer Antrag, eine fortschrittliche und polnische Entschließung vor, wonach wegen der politischen Gesinnung des Lokalinhabers der Militärboykott nicht verhängt werden dürfe. Der Kriegsminister erklärte, die Bestimmungen betreffend das Lokalverbot feien im Interesie der Disziplin getroffen worden. Ein Gefebparaqraph hiergegen würde einen Eingriff in die Rechte des Kaisers bedeuten. Unter Ablehnung der beiden anderen Anträge wurde die fortschrittliche Entschließung angenommen, die den Reichskanzler ersucht, dafür zu sorgen, daß seitens der Militärverwaltung Soldaten der Besuch einer 'Räumlichkeit nicht verboten werden dürfe, weil der Inhaber eine bestimmte politische Ueberzeugung bat oder Angehörigen einer politischen Partei seine Räume zur Verfügung stelle, es sei denn in der Zeit, in der politische Versammlungen in dem Anwesen abgehalten werden. Rach kurzer Aussprache wurde hierauf folgender Zentrumsantrag angenommen: „D>e Mannschaften des Be- . urlaubtrnstcindes werden, soweit militärisckie und wirtschaftliche Gründe es gestatten, nur in den Wintermonaten zu Uebungen einberufen." Dann vertagte sich die Kommission auf Freitag vormittag.
Im Verlauf der Sitzung wurden, wie verlautet, erneute weitgehende Streichung anträge des Zentrums verteilt . Es sollen danach gestrichen werden: Reben fünf Inten- dantnrröten und zwei Intendanturastestoren in der Intendantur etwa 7500 M, d i. die Hälfte der Neuforderung, ferner die Hälfte der sechzehn Kriegsgerichtsräte und der geforderten Hilfspersonen, sodann 1008 Leutnants und Oberleutnants nebst allen Konsequenzen, weiter sämtliche angeforderte dreizehn Regimentskommandeure bei den Dezirkskommandos, sodann 1044 Unteroffiziere, auch hier mit allen Konsequenzen. Diese neuen Abstrichsanträge des Zentrums an der Wehrvorlaqe haben natürlich eine gewisse Erregung hervorgerufen, insbesondere der Antrag, statt 1538 Oberleutnants und Leutnants nur 530 und statt 8607 Unteroffizieren nur 7653 zu bewilligen. Es handelt sich jedoch, wie gemeldet, um Stellen, deren Besetzung vorläufig gar nicht in Betracht kommt. Die Militärverwaltung soll sich auch mit der Streichung einverstanden erklärt haben.
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W-itere Mnnbnebinmeii tu ^r(infrrirh
Den Meutereien in Toul, Belfort, Räuilly und Troyes sind solche im Saone- und Loiregebiet und selbst in Paris gefolgt. So wird aus Macon (Dcp. Saone et Loire) berichtet: Am 20. d. M. abends versammelten sich an hundert Soldaten auf dem Uebungs- platz und durchzogen sodann in geschlosienem Zug die Straßen der Stadt, indem sie riefen: „Nieder mit den drei Jahren!", die Internationale sangen und den Sozialismus hochleben ließen. Niemand behinderte dje Manifestanten; erst als der Zug sich auflöste, kam es zwischen Soldaten und Zivilisten, die gegen die Kundgebung Einspruch erhoben, zu Streitigkeiten. Ein Leutnant, der die Leute vorbeizieben sah, begnügte sich damit, den Namen eines Korporals festzustellen, der sich besonders lärmend benahm. In Paris versuchte auf dem Place de la Republique eine Gruppe Soldaten des 28. Infanterieregiments eine Kundgebung gegen die Zurückbehaltung der Iahresklasie von 1910 zu veranstalten, wurde jedoch von der Polizei zerstreut. Ferner fanden in Boulogne bei Paris arge antimilitaristische .Straßenkundgebungen statt. Zwei Autos, die rote Fahnen und große Anschlagzettel mit der Inschrift: „Nieder mit dem Gesetz über die drei Jahre!", „Nieder mit der Armee!" trugen fuhren durch die Straßen der Stadt. Der Polizeikommisiar ließ die Automobile durch Schutzleute mittels Räder verfolgen, und es gelang auch, eines der Automobile einzuholen und zwei Insasien festzunehmen. Einige Stunden später wurden in Boulogne etwa 40 Gestellungspflichtige, denen eine Trikolore vorangetragen wurde, von etwa 59 Antimilitaristen, die in dem Lokal eines Arbeiterkonsums versammelt gewesen waren, überfallen und mit Steinen beworfen. Schutzleute schritten ein, und es entstand ein heftiges Handgemenge, wobei ein Polizeikommisiar und vier Gestellungspflichtige nicht unerheblich verletzt wurden. Inzwischen war aus dem benachbarten St. Cloud eine Abteilung Kürassiere herdeigeeilt, bei deren Anblick die Antimilitaristen in das Konsumvereinslokal zurückflüchteten. Zwölf Antimilitaristen wurden verhaftet. Die Untersuchung ergab, daß auf Seiten der Antimilitaristen auch ein Artillerist in einer Arbeiterbluse an der Rauferei teilgenommen hatte. Auch in Chalons-sur-Marne versuchten Artilleristen Kundgebungen zu veranstalten. Zn Nancy konnten solche trotz aller von den Militärbehörden getroffenen Vorkehrungen nicht verhindert werden. Mehrere Artilleristen wurden insEefängnisab geführt und die Mannschaften der betreffenden Batterie mit Kasernenarrest bestraft. Nachts wurden in verschiedenen Kasernen kleine Anschlagzettel angeklebt welche gegen die Zurückbehaltung der Altersklasie Einspruch erheben und die Soldaten der Besatzung auffordern, sich am nächsten Sonntag auf dem Stanislausplatz an einer Kundgebung zu beteiligen.
Der „Temps" meldet, man habe in Toul den Entwurf eine» von einem Soldaten an Iaurds gerichteten Briefes gefunden, in welchem mitgeteilt wird, daß eine große Straßendemonstration während des Zapfenstreiches am Sonnabend vorbereitet gewesen, jedoch durch Spitzel verhindert worden sei. General Goetschy, der Kommandant de» 20. Armeekorps, erließ einen Tagesbefehl, der hsfagt, infolge der bedauerliche» Vorfälle in Toul fei zunächst vor
dem Abschluß der Untersuchung verfügt worden: 16 Militär» Personen werden dem Kriegsgericht überwiesen, 15 für bit Strafabteilungen vorgeschlagen, 40 mit Arrest zwischen 30 und 60 Tagen betraft und 13 wegen Schlaffheit in der Handhabung ihrer Befugnisie degradiert oder in einen niedrigeren Grad versetzt. Weiter werden von nun an Militärpersonen, die an den Kundgebungen teilnehmen, in die afrikanischen Bataillone geschickt. Ein Befehl des Kriegsministers untersagt bis zu dem Erlaß eines neuen Befehls allen Offizieren und Militärbeamten das Tragen von Zivilkleidung. Wahrscheinlich nicht unrecht behalten wird der Sozialist Hervä, der in einem „Vive l'Armäe betitelten Artikel schreibt: „Das Volk will weder den 28monatigen noch den 30» monatigen noch den 3jährigen Dienst. Toul, Belfort und RSuilly bilden die erste Warnung, warten wir mal den September ab, wo die Iahresklasie heimgeschickt werden soll. Wenn es dann nicht in allen Kasernen revoltiert und Tausende von Meutereien gibt, dann will ich dekoriert werden!"
fte Katie auf dem ^alkan
Allerhand Gerüchte durchschwirren die Welt. Bei Stutari sollen Kümpfe zwischen den abziehenden Montenegrikern und den um Stutari lagernden Albanern bevorstehen; kleinere Zusammenstöße werden bereit, gemeldet Oesterreich!sche Nachrichten besagen, Esiad Pascha sei in Tirana von Jungtürken ermordet worden aus Rache dafür, daß Esiad den vor ihm in Stutari befehligenden Hassan Riza Bey hat beseitigen lassen Ferner schließt man aus einer Unterredung, die der Eroßwenr Mahmud Scheslet Pascha mit dem früheren Sultan Abdul Hamid gehabt hat, daß ein Teil der Tschataldschaarmee für die Wiedereinsetzung Abdul Hamids zum Sultan eintritt und zu diesem Zwecke gegen Konstantinopel marschieren will Andererseits wird behauptet, daß die Unterredung nur eine finanzielle Frage betraf, indem sie sich um eine Reihe geheimer Depots drehte, die der entthronte Herrscher noch besitzen soll.
Der Abschluß des Friedens verzögert sich noch weiter derart, daß die Bulgaren drohen, einen solchen auf eigene Faust zu bewerkstelligen:
Sofia 20. Mai. Das Blatt „Mir" drückt sein Erstaunen darüber ans, daß den Delegierten der Verbündeten noch keine Instruktionen zu- gegangen sind und erklärt, selbstverständlich werde es vor Unterzeichnung der Friedenspräliminarien nicht möglich sein, irgend eine Arbeit in Angriff zu nehmen. Es bliebe nur übrig, das Ergebnis d>r heutigen Vot- schafterveieinigung abzuwarten. „Wenn sie uns", erk-'irt das Blatt, „nicht den Frieden bringt, so wird Bulgarien einen auf 1 jene Faust zustande zu bringen wißen."
London, 21. Mai. Das Reuterfche Büro erjährt: Die Delegierten der Balkanstaaten hielten heute vormittag eine Sitzung ab, um die Abänderungen der in der gestrigen Sitzung der Botschaftervereinigung skizzierten Friedenspräliminarien zu redigieren. Die Verbündeten wünschen neben anderen bereits erwähnten Punkten eine genauere Bestimmung der Funktionen der Pariser Finanzkommission.
Paris, 21. Mai. Von gut unterrichteter Seite wird gemeldet, daß der Zusammentritt der Internationalen Finanzkommission von neuem verschoben werden mußte und voraussichtlich erst Anfang Juni stattfinden wird.
Die serbischen Vorbehalte.
London, 20. Mai. Wie das Reuterfche Büro erfährt, beziehen sich die von Belgrad telegraphisch übermittelten Vorbehalte hauptsächlich auf die Garantien, welche Serbien dafür verlangt, daß der Beschluß der _ Botschaftervereinigung, Serbien solle einen Hafen am Adriatischen Meer und eine Eisenbahnlinie durch Albanien hindurch erhalten, welche diesen Hafen mit dem serbischen Eisenbahnnetz verbindet, einen wirksamen Charakter habe. Die serbische Regierung besteht nicht darauf, baß diese Dinge in dem Präliminarfrieden enthalten sein müßen, aber es wünscht, daß sie in dem endgültigen Vertrag behandelt und auch in das albanische Statut inbegriffen werden sollen.
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Petersburg, 20. Mai. Die russischen Konsuln in Armenien berichten über blutige Angriffe von Kurden auf Armenier, wobei 50 Armenier getötet wurden.
Politische Umschau
Der Einzug des englischen Königspaarrs.
Die Festlichkeiten anläßlich der Vermählung der Prinzessin Victoria Luise begannen gestern mit dem schon gemeldeten feierlichen Einzuge des Königs und der Königin von Eroßbritannien und Irland. König Georg in preußischer ffieneialsuniform mit dem Abzeichen eines Generalfell)- marschalls und dem Orangebande des Schwarzen Adlerordens und der Kaiser in der Uniform des königlich großbritannischen 1. Dragoner- Regiments mit dem Bande des Hosenbandordens nahmen im ersten Wagen Platz. Im zweiten Wagen saßen die Königin und die Ka.serin. Dann reihten sich in zahlreichen Hofequipagen die Fürstlichkeiten, die Hofstaaten, die Ehrendienste usw. an. An die Spitze des Zuges fetzt« sich eine Eskadron des 1. Earde-Dragoner-Regimentes Königin von Großbritannien und Irland, dem Wagen der Königin folgte eine Eskadron des Earde-Küraßier-Regiinents. Dann bewegte sich der glänzend« Zug durch die Sieges-Allee, die Charlottenburger Chaußee, durch da» Brandenburger Tor, auf der Mittelpromande „Unter den Linden" nach dem königlichen Schloße. Die Straße unter den Linden bot schon in den frühen Morgenstunden ein festliches Bild. Tausende und Abertausende hatten sich eingefunden und umsäumten in dichten Reihen die Einzugs- straße. An der Mittelpromenade hatten die Truppen in zwei Gliedern Aufstellung genommen. Die Umgebung des Schloßes zeigte bei dem herrlichen Frühlingswetter ein festliches Gepräge. Schon lange vor 10 Uhr hatten sich auf dem Bürgersteig gegenüber dem Schloße Hunderte von Personen, darunter auch 150 Stadtverordnete, eingefunden, um von dort aus dem Einzuge beizuwohnen. Jnzwifchen hatte auch m Lustgarten eine Batterie des 1. Earde-Feldartiüeiieregiments Aufstellung genommen, die beim Nahen der Fürstlichkeiten den Ehrensalut abfeuerte. Die Regimenter präsentierten, das Spiel wurde gerührt und ein drei- . maliges Hoch durchbrauste die f^ft. Der Kaiser und der König schritte» | im kleinen Schloßhof die Ehrenkompagnie des 3. Earderegiments zu Fuß ab und nahmen deren Vorbeimarsch entgegen. Hier fanden sich auch die Botschafter Fürst 0. Lichnowsky und Sir Edward Goschen ein. In de» Prunkräumen der ersten Schloßetage war sodann Empfang und großer Vortritt. Während des Einzuges führte das Zeppelinlustfchiff „Hansa" über bm Lustgarten mehrere Schleifenfahrten aus. Um 1 Uhr war