Die „Oberhesfijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn
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Mo Uq die Post 2.25 M (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 Jt * B" frei ins Haus. — Verlag von Dr. C. Hitzeroth. — Druck der Univ.-
1913.
Buchdruckerei Z. A. Koch (Znh. Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.
Erstes Blatt
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Marburg
Mittwoch, 21 Mai
Wien, 20. Mai. Die „Politische Korrespondenz" meldet aus Sofia: Der Unmut der amtlichen Kreise über die Verschleppung des Präliminarfriedens hat einen sehr hoben Grad erreicht. Man erwartet, daß die Londoner Botsckiaftervereinignng dringende Schritte unternehmen wird, um die Unterzeichnung des Präliminarfriedens ber- beizuführen. Falls die Haltung der Verbündeten eine weitere Verzögerung verursachen sollte, lehnt jedoch die bulgariskbe Regierung jede Verantwortung für Verwickelungen, die stch ergeben könnten, ab.
London, 20. Mai. Die Botschafter ünd beute nachmittag im Auswärtigen Amt zu einer Sitzung zusammengetreten.
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ständigen albanischen Staatswesens die Sanktionierung der andere« Signatarmächte des Berliner Verttages zu erwirken. Trotz der Auf. forderung an Montnenegro, die Belagerung Skutaris aufzuheben, setzte die Regierung in Cetinje den aussichtslosen Kamps fort und begab sich dadurch in einen Widerspruch mit dem Willen Europas. In der Absicht. Montnenegro zum Einlenken zu bewegen, wandten die Mächte Zwangsmaßregeln an, die anfangs die Form einer bloßen Flottendemonstration urtb nachmals jene einer friedlichen Blockade annahmen: da aber diese Mittel nicht zureichend erschienen, sah sich Oesterreich- Ungarn veranlaßt, in London die Erklärung abzugeben, daß es sich vorbehalten müsie, gegebenenfalls die entsprechenden Maßnahmen selbständig zu ergreifen. Die Monarchie befand sich hierbei in Uebereinstimmung mit Italien hinsichtlich der zwischen den beiden Mächten vereinbarten Konstituierung eines autonomen Albaniens. Getragen von dem patriotischen Gefühl der weitesten Kreise der Bevölkerung und die opferfreudige Bereitschaft der trefflichen Armee, konnte Oesterreich-Ungarn gegenüber den Schwierigkeiten der internationalen Lage feinem Willen Geltung verschaffen, sodaß Montenegro schließlich in richtiger Erkenntnis seiner eigenen Interesien sich dazu verstand, den Beschlüssen Europa» nachzukommen unb^Skutari den Mächten zu übergeben. Derzeit ist Aussicht vorhanden, daß der Friede zwischen den Balkanstaaten und der Türkei in nicht allzulanger Zeit geschlossen wird. Es wird Ausgabe des Auswärtigen Amts fein, rechtzeitig an die Regelung der zahlreichen die Balkanstaaten interessierenden Angelegenheiten zu schreiten, unter denen jene wirtschaftlicher Natur den breitesten Raum einnehmen. (Zwischenrufe.) Oesterreich-Ungarn darf wohl erwarten, daß seine durchaus freund- liche Haltung, die es den Balkanvölkern gegenüber an dem Wendepunkte der Geschichte an den Tag legte, demselben Verständnis begegnet und entsprechende Würdigung findet.
Derzeit ist die Situation des Balkans nach mancher Richtung noch ungeklärt. Das Auswärtige Amt wird es sich angelegen sein lasten, auf eine tunlichst rasche Klärung der Verhältniste im nahen Orient hinzu« wirken. Dann wird auch der Moment gekommen sein, bis wir nun die notwendig gewesenen
Berstärkungen an der Südostgrenz« rückgängig machen
können. (Zwischenrufe). Die Einschränkung der militärischen Verstärkungen an unserer Südostgrenze kann nur nach Maßgabe der fortschreitenden Klärung der Verhältniste am Balkan Platzgreifen. Die Einrichtung einer turnusweisen Beurlaubung W auch an der Südost- grenze angeordnet worden. (Zzoisckenruse). Die Bereitstellung erhöhter militärischer Machtmittel ist durch allerhöchsten Oberbefehl augeordnet worden. Sie erscheint in Umfang und Dauer durch die Gestaltung der außenpolitischen Lage bedingt. Es hieße den Enderfolg der eindrucksvollen Stellungnahme der Monarchie im internationalen Konzert der Mächte beeinträchtigen, und damit viele, für eine wirksame Friedenspolitik gebrachte Opfer in ihrem Zwecke gefährden, wollte man dielen ersten und obersten Gesichtspunkt hierbei außer Betracht lasten. Es wäre nicht unbegreiflich, wenn die Entwicklung der äußeren Politik, wie ich sie früher kennzeichnete, nicht auf allen Seiten des Hauses ein gleichmäßiges Gefühl der Zustimmung auslöste, ja dies wäre geradezu natürlich in einem Staatswesen, wie dem unsrigen. bei einer so komplizierten politischen und nationalen Struktur und bei den zahlreichen Beziehungen einzelner Teile der Bevölkerung zu den geistigen Mittelpunkten auswärtiger Kulturen. Derartige Beziehungen können auch innerhalb des Rahmens voller patriotischer Loavlität. namentlich in bewegten Epochen gewiste Differenzierungen in der Beurteilung einzelner Fragen Hervorrufen. Ich glaube aber, daß das Haus aus meinen Darlegungen Eines entnehmen kann, was auf allen Seiten mit der gleichen Befriedigung verzeichnet werden muß: die würdige und erfolgreiche Geltendmachung der Interesten der Monarchie und ihrer Bestrebungen auf Wahrung eines ehrenvollen Friedens. Macken sie sich durch Vorsorge für die Fortführung des Staat--banshaltes die Bahn frei für eins zielbewußtes parlamentarisches Schaffen. In diesem Sinne bitte ich um Bewilligung des Budgetprovisoriums." (Beifall und Händeklatschen,)
Koloniales
Bon unseren kolonialen Eisenbahnen. Die Hauptbahn von Togo, die von Lome bish« nur bis Agbonu geht, hat ihre Endstation Atak- pame soeben erreicht. Der Durchbau bis Atakpame wird seine günstige Wirkung aus den Handel bald zeigen, da er die Betriebsunkosten der Togosirmen wesentlich verringert. — In der Nähe der Station Muhesa, 40 Kilometer von der deutsch-ostafrikanischen Hafenstadt Tanga entfernt, erfolgte ein Eisenbahndammbruch in einem Umfange, daß mindestens 3 Wochen erforderlich sein dürsten, um die Bahn wieder bettiebsfähig zu machen. Das ist um so bedauerlicher, da die gewaltige Zunahme der Pflanzungserzeugniste gerade an die Nordbahn in Ostafrika die höchsten Anforderungen stellt.
Ausland-
** Die Meutereien der französischen Soldaten. Paris, 20. Mai. Der Kriegsminister entsandte den General Pau, Mitglied des Obersten Kriegsrates, nach Toul und Belfort, um die Untersuchung über die gemeldeten Vorfälle persönlich zu leiten. Aus Belfort wird berichtet, daß die Demonstrationen zumeist von aus Paris stammenden Soldaten angesangen wurden, welche der bekannten antimilitaristischen Vereinigung „Le Sous du Soldat" angehören. — Aus Toul wird gemeldet: Als die Garnison gestern von dem Marsch zurückkehrte, den sie infolge der Demonstrationen zum Kriegerdenkmal von Fontenoy unternommen hatte, wurde sie mit H o ch r u f e n a u f d i e A r me e begrüßt. Als jedoch dar 153. Znfanterie-Regiment einrückte, das an den Demonstrationen in hervorragender Weise beteiligt gewesen war, pfiff »nd
Die Vermehrung der technischen Truppen
Die Budgetkommision des Reichstages setzte, wie schon kurz " gemeldet, gestern nach der Pause die Beratung der Wehrvorlage fort und bewilligte ohne Aussprache nach der Regierungsvorlage die Vermehrung cher Zahl der Bataillone der Fußartillerie um 7 auf 55, der Pioniere um 11 auf 44, der Verkehrstruppen um 13 auf 31 Bataillone. Bei der Vermehrung der Bataillone der Verkehrstruppen sind u. a. vorgesehen die Umwandlung eines selbständigen Eisenbahnbataillons in ein Regiment, zwei neue Telegraphenbataillone und die Umwandlung der Fliegertruppe in vier Fliegerbätaillone, ferner zwei neue Luftschifferbataillone und eine Lehrabteilung bei der Funkerschule. Luftschiffhäfen meist mit je zwei Luftschiffen sind sowohl an der Ost- wie an der Westgrenze für den Erkundungsdienst vorgesehen, u. a. in Metz, Köln, Düsieldorf, Wilhelmshaven, Posen, Liegnitz, Königsberg, Schneidcmühl und außerdem mit Rücksicht auf die Küste im Norden in Hannover. Oberstleutnant Oschmann gab Auskunft über die Unterschiede zwischen den Zeppelin- und den Schütte- Lanz-Schiffen, die in der Form, Festigkeit und Größe des Auftriebs beständen. Die Prallschiffe seien noch nicht vollständig aufgegeben. Oberstleutnant Oschmann machte weiter Angaben übet das französische Luftschif fwesen und die Zahl, Größe und Qualität der Luftschiffe. Kriegsminister v. Heeringen erläuterte die Bedeutung des Lustschisfwesens für die Aufklärung. Bei günstigen Witterungsverhältnissen seien ganz überraschend große Vorteile in der Aufklärung zu verzeichnen, wie sie die Kavallerie nicht leisten könne. Diese Vorteile nicht wahrzunehmen, müsse ausgeschlossen sein, da die Entwicklung im Auslande uns sonst sehr bald überflügeln würde. Gewiß muffe man mit der Betriebsunsicherheit und mit den Verlusten rechnen: aber Luftschiffe, die Nachrichten von ausschlaggebender Bedeutung für die Führung brächten, hätten ihren Zweck erfüllt. — Bei der
_ Forderung für den Train
(26 statt wie bisher 25 Bataillone und 20 neue Kompagnien) regte ein nationalliberaler Redner an, diese Waffe unter die Verkehrstruppen aufzunehmen u«d erbat Auskunft, ob die vorgesehenen Formationen nach den im Balkankrieg gemachten Erfahrungen genügen. Generalleutnant Wandel erörterte die Gründe, die der Angliederung des Trains an die Verkehrstruppen entgegenständen, in erster Linie Gründe der Ausbildung, dann solche, die auf dem Derwendungsgebiet im Kriege liegen. Eine Bezugnahme auf den Balkankrieg fei nicht ganz zutreffend, da bei den Türken an Train garnichts vorhanden war und die Straßen sehr schlecht gewesen seien. Ein freisinniger Redner wies auf die von den weitesten Volkskreisen anerkannte W i ch t i g k e i t der dem Train gestellten Aufgabe hin: deshalb würden seine Freunde die Mehrsorderung annehmen. Er halte eine Reform des Intendanturwesens für geboten. Generalleutnant Staabs erwiderte, dem Anwachsen der Heere werde auch auf dem Gebiet der Verpflegung Rechnung getragen. Die letzten Kriegsersahrungen würden dabei verwertet. Ein nationalliberaler Redner fragte, ob der Train im Manöver wirklich „kriegsklar" gemacht werde. Der Kriegsminister erwiderte, die Ausstellung voller Trainformationen im rückwärtigen Gebiet laffe sich im Manöver nicht darstellen, weil die Ausbildung der übrigen Truppen darunter leiden würde. Ein sozialdemokratischer Redner erklärte, die seit 1870 eingetretenen Reformen seien nur geringfügiger Art. Wenigstens hätten die Vorbereitungen bei den Aufftänden in den Kolonien diesen Schluß nahegelegt. Der Kriegsminister führte aus, er glaube, daß die Bedeutung des Trains allgemein in der Armee anerkannt werde. Von den Vorschlägen zu einer Aenderung der Bezeichnung des Trains bitte er Abstand zu nehmen, da sie durch das Reichsmilitärgesetz festgelegt sei. Bei einer Reform des Intendanturwesens müsse eine grundsätzliche Aenderung sehr sorgsam überlegt werden. Bei den Unternehmungen in den Kolonien habe weniger eine Schuld des Jntendanturwesens vorgelegen, vielmehr habe U n - erfahrenheit mit den dortigen Transportverhältniffen geherrscht. Ein nationolliberaler Redner beantragte darauf in Verbindung mit dem Abg. Erzberger eine Entschließung, die den Reichskanzler ersucht, Maßnahmen zu treffen, um den Train zu heben, eventuell auch unter Aenderung des Namens, und seine Leistungen sicher zu stellen. Nach kurzen weiteren Ausführungen wurde die geforderte Vermehrung des Trains bewilligt.
In ihrer Nachmittagssitzung nahm die Kommission zunächst die Entschließung der Nationalliberalen und des Zentrums beti. Maßnahmen zur Hebung des Trains und Sicherstellung seiner Leistungsfähigkeit für den Mobilmachungsfall an. Zur Geschäftsordnung einigte stch die Kommission alsdann dahin, der Reihe nach die Fragen der Dienstzeit, die Einjährig-Freiwilligen-Frage und die Bnrschenfrage, die Frage der Militärkapellen sowie der Oeko- nomiehandwerker und Arbeiter zu beraten. Zur Frage der
Dienstzeit
betonte ein sozialdemokratischer Abgeordneter, in Frankreich erstrebe man die dreijährige Dienstzeit nur, weil man darin ein Mittel erblicke, sich der deutschen Kriegsstärke zu nähern. Er befürwortete einen Antrag, nach dem während der Dauer der Dienstpflicht im stehenden Heere sämtliche Mannschaften ein Jahr zum ununterbrochenen Dienst bei der Fahne verpflichtet sind. Ein freisinniger Redner begründete dann eine Entschließung bett. Ab- kützung bet Dienstzeit dutch spätete Einstellung odet ftühere Entlastung und Hebung bet Wehrfähigkeit bet Jugenb butch beffete körperliche Ausbilbung und in Verbindung damit die weitere Ent-
Der österreichische Mini Präsident über die Balkankiile.
Wien, 20. Mai. Die Regierung hat im Abgeordnetenbause das Budgetprovisorium vom 1. Juli bis 31. Dezember eingebracht. Das Abgeordnetenhaus beschloß, sofort in die erste Lesung einzutreten. Ministerpräsident" Graf Stürgkh ergriff zur Begründung der Vorlage das Wort und hielt eine dreiviertelstündige Rede, in der er zunächst über Fragen der inneren Politik sprach und hierfür die auswärtigen Ereig- niste der letzten Monate erörterte. Der Ministerpräsident führte habet aus: ,Ich trage dem Augenblick Rechnung, wo wir unter dem unmittelbaren" Eindruck großer weltgeschichtlicher Ereignisse stehen, (Hört! Hört) indem ich an meine Ausführungen über die innere Politik eine knappe Erörterung der auswärtigen Lage anschließe. Die von der Monarchie in der Balkankrise eingenommene Haltung war durch die Richtlinien gegeben, welche sich unsere auswärtige Politik seit langem durch Aufstellung des Prinzips vorgezeichnet hatte, der selbständigen Entwicklung der Balkanvölker tunlichste Förderung angedeihen zu lasten. Es erscheint nur als folgerichtige Anwendung obiger Prinzipien, wenn der programmatische Satz
„Der Balkan den Balkanoölkern"
allen Völkern des Balkans, affo auch dem albanischen Elemente, zu Nutze kommen sollte. In diesem Sinne steckte sich Oesterreich-Ungarn die Schaffung eines selbständigen Albaniens zum Ziele, besten Konstituierung übrigens bereits durch frühere diplomatische Arbeit, namentlich in einer Vereinbarung mit dem alliierten Italien, vorausgesehen worden ist. Solange die Entscheidung aus dem Schlachtfelde noch nicht gefallen war, erhob die Monarchie, von dem Gedanken geleitet, die militärischen Operationen nicht zu behindern, keinen Einspruch dagegen, daß albanisches Territorium von den Truppen Serbiens, Montenegros und Griechenlands besetzt wurde. Unterdesten hatte das auswättige Amt Sorge dafür getragen, für da» von ans verkündete Prinzip der Schaffung eine» feld-
schließung, zunächst versuchsweise bei je einem Infanterieregiment I und bei je einer Kompagnie jedes Jägerbataillons Rekruten zweimal im Jahre, im Herbst und Frühjahr, einzustellen und die Mannschaften schon nach 18rnonatiger Dienstzeit zu beurlauben. Kriegsminister v. Heeringen erwiderte, die Ausbilbung sei zu */» nur auf Heranbilbung von tüchtigen Charakteren unb auf bas Gefecht zugeschnitten. Das geringe Maß zur Exerzierausbilbung sei unentbehrlich unb werbe in jeher tüchtigen Armee hochgehalten wie in bei Schweiz, Japan unb Amerika. Auch in Frankreich sei einer gewißen Nachlässigkeit in bet Straffheit energisch entgegengetreten unb bie Disziplin als erste Anforberung hingestellt worben. Die zweijährige Dienstzeit sei nur mit bet größten Aufopferung des Ausbildungspersonals durchzuführen. Jetzt noch weiter herunterzugehen, fei nicht zu verantworten, ganz abgesehen davon, daß der Zeitpunkt angesichts der Rückkehr zur dreijährigen Dienstzeit in Frankreich der denkbar ungeeignetste fei. Der Jugendbewegung werde lebhafte Förderung zuteil, aber bie Ergebnisse bieser Bewegung könnten keinesfalls eine Herabsetzung her Dienstzeit rechtfertigen. Die Einjährigen seien Leute von besonderer Vorbildung, die von besonders tüchtigen Lehrern ausgebildet feien. Daraus eine Folgerung für allgemeine Einführung der einjährigen Dienstzeit ziehen zu wollen, sek in feinet Weise berechtigt. In der Abstimmung wurde die sozialdemokratische Entschließung betreffs allgemeiner Einführung her einjährigen Dienstzeit, ebenso die fortschritliche Entschließung betreffs Erleichterung und versuchsweise Abkürzung der Dienstzeit auf 18 Monate -und jährlich zweimalige Rekruteneinstellung abgelehnt. Angenommen wurde die fortschrittliche Entschließung betr. Hebung her Wehrfähigkeit der Jugend durch bessere körperliche Ausbildung und Unterstützung aller Verbände in dem Bestreben durch systematische körperliche Hebung die schulentlassene Jugend für den Heeresdienst vorzubereiten. Ein Zentrumsredner begründete darauf eine Entschließung, der Reichstag wolle beschließen, den Reichskanzler zu ersuchen, die erforderlichen Maßnahmen zu einer Reform des Einj ähr i g-Fr ei willigen-Dienstes im Sinne einer Erweiterung,der ZulsÜMtz.einzuleiten. General-
-feiMant Wmrdek^rklSrfe, etsiMrigen
Freitvilligendienst fei in her letzten Zeit mehrfach rrwstttzrt worben, z. B. auf Grund des sog. KunstparaMapheu. Der Zentrumsantrag wurde angenommen.
Die Erörterung wandte sich dann der
Frage der Uniformierung
zu. Hierzu lag ein sozialdemokratischer Antrag vor: „Für jede Waffengattung ist ausschließlich eine einheitliche Felduniform zu- sässig", ferner eine fortschrittliche Entschließung: „Durch Einführung einer kriegsmäßigen, einfachen und einheitlichen Uniform für Krieg und Frieden die zugefagte Sparsamkeit herbeizuführenE Nach Begründung der Anträge führte der Kriegsminister die Gründe für die Abzeichen der verschiedenen Truppengattungen an. Gerade aus Ersparnisgründen müste man bei der Einführung der feldgrauen Uniform vorsichtig sein. Darauf wurde der sozialdemokratische Antrag abgelehnt, die fortschrittliche Entschließung angenommen. Es folgte die Beratung der Anträge, die stch mit der bevorzugten Stellung des Garbe-Korps
beschäftigen. Ein sozialdemokratischer Antrag verlangt Aufhebung der besonderen Vorschriften für das Gardekorps und die sonstigen Eliteformationen. Eine fortschrittliche Entschließung wendet stch gegen Privilegierung bestimter Ttuppenkörper nach Garnisons- orten, Avancements usw. Eine nationalliberale Entschließung verlangt, der Entwicklung in der Armee entgegenzuwirken, die zu Regimentern mit ausschließlich ober iiberwiegenb abeiigen Offizier korps geführt hat. Der Kriegsminister erklärte, bet Antrag her Sozialdemokraten widerspreche dem § 63 des Reichsmilitär- -■gefgjjes und machte dann Angaben über den Bestand des Eatbe- kotps. Hierauf vertagte bie Kommission bie Sßeiterberotung auf heute vormittag.
Der Anzeigenprei» beträgt für bie 7ge|paltene Zeile oder Q cy_hr_ beten Raum 15 L. bet amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für 48.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwittfchastliche Beilage"
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