mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
681
Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
Wo 114 die Post 2.25 M lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 Jl frei ins Haus. — Verlag von Du T. Hitzeroth. — Druck der Univ^
1913.
Duchdruckeiei 3 « Koch lInh. Dr. C Sitzeroth«. Mailt 21. Tel. 55.
(Erstes Blatt
«i
Tie La^e auf dem Balkan.
lach oha
5.
Ä
9
Ö
in en 53
I-l. in« tat 11- «S
Marburg
Montan, 19 Mai
«•
58
I
, Zu der Meldung über die beabsichtigte Verschärfung der pretz- gesetziichen Bestimmungen und des Bereinsgesrtzcs für Ersatz-Lothringen verlautet aus zuverlässiger Lluelle, daß eine Vorlage beim Bundesrat vorliegt ungefähr in der Form, ° wie sie durch den „Matin" bekannt geworden ist. Es handelt sich um die Einführung des Prctzgesetzes als R e i ch s gesetz. Der einzige Unterschied gegenüber der Rechtslage im übrigen Reich soll künftig nur der sein, datz den Verwaltungsbehörden die Befugnis vorbehalten werden soll, wie bisher ausländische Druckschriften zu verbieten. Diese Möglichkeit soll ausgedehnt werden auf die im Reiche in nicht deutscher Sprache erscheinenden Druckschriften, die ja nach ihrer ganzen Tendenz keinen Anspruch aus eine andere Behandlung haben können als ausländische. Bezüglich des Vereinsrechtes dürfte die Mitteilung des „Matin" das Richtige treffen.
Keine Zweifel und Bedenken können in staatsrechtlicher Beziehung dabei bestehen. Das Vereins- und Versammlungswesen ist reichsgesetzlich geregelt; zu einer Abänderung bedarf es also der Zustimmung des Bundesrates und Reichstages. Das Reichspretzgesetz gilt in Elsatz-Lothringen nicht, und auch bei der — gänzlich verfrühten — Neuregelung der Verfassung wurde seine Ausdehnung aus das Neichsland von Kommission und Reichstagsplenum abgelehnt. Da man aber, besonders auf nationalliberaler Seite, inzwischen eingcsehen haben wird, wie verfehlt und unberechtigt das den Elatz-Lothringern entgegengebrachte Vertrauen war und die Verfassung in ihren Händen nur ein neues Mittel ist zu weiterer Annäherung an Frankreich und zu weiterer Entfremdung von Deutschland, so darf jetzt wohl auf eine größere Geneigtheit des Reichstags gerechnet werden, die von der Straß- burgtr Regierung im Bundesrat beantragten gesetzlichen Aen- deruirgen anzunehmen. Rein äußerlich betrachtet, i|t_ auch nicht einzusehen, aus welchem Grunde das im übrigen Deutschland geltende Pretzgesetz nicht auch einheitlich auf das ganze Reich ausgedehnt werden soll, dem Namen eines Reichsgesetzes ent-
I sprechend. Was die materielle Seite der Angelegenheit betrifft, । so wird kein die Verhältnisie näher kennender Mensch bestreiten I können, datz sich die in französischer Sprache im Reichslande er- I scheinenden Zeitungen in ihrer Richtung und ihren Bestrebungen I irgendwie von den französischen, wie z. B. dem „Matin" und I „Echo de Paris" unterscheiden. Wenn diese nun bisher mit Recht 1 durch eine Verfügung der Verwaltungsbehörden verboten werden I konnten, ist es nur logisch, ihnen SBetterUs „Rouvelliste" oder das Stratzburger „Journal d'Alsace-Lorraine" gleichzustellen und sie I gleichmäßig zu behandeln. Vertreten doch diese genau wie jene I eine rein national-französische Politik, und es ist
nur zu verwundern, datz es so langer Zeit bedurfte, ehe die Regierung diesen Pfahl im eigenen Fleisch zu entfernen sich entschloß. Zudem tun wir dann nur dasselbe, was in Frankreich schon längst eine Selbstverständlichkeit ist.' Freilich würde sich dort ein Einschreiten der Regie/ung gewiß erübrigen; denn die Zeitung — in französischer wie in nichtfranzöfischer Sprache —. die in nationalen Fragen eine Stellung einnehmen würde wie etwa die französisch-nationalistischen Blätter im Reichsland oder auch die sozialen und bürgerlichen demokratischen sonst in Deutschland, müßte mit großer Wahrscheinlichkeit sehr bald ihr Erscheinen einstellen wegen Mangel an Lesern und weil infolge eingeworfener Fensterscheiben alle Manuskripte vom Redaktionstisch wegflattern würden.
Das Reichsvereinsgesetz soll ferner, wie gemeldet, für Elsatz- Lothringen einen Zusatz erhalten, wonach Vereine,, die die,Sicher- heit und den Frieden des Landes gefährden oder deren Tätigkeit nicht dem Wortlaut ihrer Satzungen entspricht, durch die Behörden durch einfachen Erlaß und ohne Berufung aufgelöst werden können. Dadurch kann also all den Vereinen, die angeblich und ihrem Namen nach nur Gesang, Turnen, Kameradschaft und andere harmlose Dinge mehr pflegen, ihr Handwerk gelegt werden, denn die Pro- zesie gegen die „Lorraine Sportive" und die — übrigens noch nicht endgültig geschlosienen — Verhandlungen über die Auflösung des „Souvenir Francais" haben gezeigt, daß ihnen mit dem bestehenden Recht nicht beizukommen ist. Die notwendige Folgerung ist also die Schaffung von Bestimmungen, die wirklich Erfolg versprechen. Es ist zu hoffen, daß trotz des einsetzenden Geschreis über ..Ausnahmegesetze" und „Diktatur" die neuen Vorlagen bald und ohne Abschwächungen Gesetzeskraft erlangen. Ausnahmezustände erfordern eben Ausnahmemaßregeln. Das „Echo de Paris" meint feststellen zu können, datz die moralische Eroberung Elsaß-Loth, ringens durch das deutsche Volk mißglückt sei. Die Elsaß-Lothringer sind von dem Werte ihrer „Doppel-culture" so durch-
Der Straßburger Berichterstatter des „Matin" bezeichnet das Treiben der nationalistischen Vereine und Preßorgane als eine „Würdigung einer Kulturvergangenheit" und führt als Kron- zeugen für die Berechtigung dieses Wirkens — Kaiser Wilhelm II. an, der 1910 in Vic in Lothringen gesagt habe, ein Land, das seine Geschichte würdige, werde stets seinem Herzen nahestehen. Dem ist entgegenzuhalten, daß zwischen Würdigung der Geschichte und bewußtem Streben nach Beseitigung des bestehenden staatsrechtlichen Zustandes ein gewaltiger Unterschied ist. Im übrigen beginnt die Geschichte Elsatz-Lothringens nicht erst mit dem 17. Jahrhundert; dem Jahre 1870 entspricht 870. Wir haben das Land vor 42 Jahren nicht erobert, sondern zu rück erobert als altes deutsches Gebiet. Die viele Jahrhunderte alte deutsche Geschichte des Elsaß und Lohtringens muß in erster Linie gewürdigt werden. In diesem Sinne will das Kaijerwort verstanden
it
Le« 383
gewinnen 2. die Nationalliberalen verlieren 4 und gewinnen 8, die Volkspartei verliert 5 und gewinnt 4, das Zentrum verliert 4 und gewinnt 2, die Sozialdemokraten verlieren keinen und gewinnen einen, die Polen verlieren 2 Sitze. Von vier Wahlkreisen mit acht Sitzen stehen die Ergebnisie noch aus.
Wie mit einiger Bestimmtheit vorauszusehen wär, haben die Wahlen keine erhebliche Veränderung in der Zusammensetzung des preußischen Abgeordnetenhauses ergeben. Bisher besaßen die Konservativen und Freikonservativen zusammen 215 Mandate; es fehlten ihnen zur absoluten Mehrheit also nur 7 Sitze. Wenn auch einige wenige Wahlergebnisse noch unbekannt sind und eine Reihe von Stichwahlen stattzufinden haben, so kann doch schon
Die Aendmmg des reickslimdiMn Preß- urd Vercinsreckies.
Die als nahe bevorstehend bezeichnete Entlastung der österreichischen Reservisten außer denen der in Bosnien, der Herzegowina und in Dalmatien stehenden Korps ist nunmehr verfügt worden. Andererseits haben sich Oesterreich und Italien ent« schlossen, mit Rücksicht auf die noch immer ungewissen Pläne Essad Pascl-as trotz der erfolgten Aushebung der Blockade je ein Kriegsschiff in Durazzo zu belasten. In den Beziehungen zwischen Bulgarien und Serbien ist noch keine Klärung eingetreten.
Wien, 17. Mai. Die „Militärische Rundschau" ist zu folgender Mitteilung ermächtigt: An die Korpskommandos des 1. bis einschließlich des 14. Korps ergeht ein Erlaß, nach welchem alle Reservisten der Jahrgänge 1909 und 1908 zu entlasten find. Die Entlastung umsaßt etwa 35 000 Mann. Ferner wurde die teilweise Entlastung der Jahrgänge der Ersatzreserve von 1910 und 1911 in einer Gesamtzahl von etwa 15 000 Mann verfügt. Die Zahl der zu entlastenden Reservisten und Ersatzreservisten beträgt somit etwa 50000 Mann. In den Bereichen der Korps in Bosnien, der Herzegowina und Dalmatien finden vorläufig keine Entlassungen einberusener Mannschaften statt.
W i e n , 17. Mai. Die Abendblätter melden: In der letzten Zeit waren in Albanien allerhand Gerüchte über Essad Pascha verbreitet. Wenn dieser auch bis jetzt nicht irgendwie mit seinen Plänen hervorgetreten ist, ist doch soviel gewiß, daß sich Einslüste auf ihn geltend machen, die ihn zu einer Sonderaktion veranlassen möchten. Diese Tatsache hat Oesterreich-Ungarn und Italien bestimmt, trotz der Aushebung der Blockade für alle Fälle je ein Kriegsschiff nach Durazzo zu delegieren.
Bulgarien und Serbien.
Belgrad, 17. Mai. Zu den Besprechungen der serbisch-bulgarischen Beziehungen erklärt „Samouprava", daß Serbien nicht im entferntesten daran denk«. Bulgarien anzugreifen. N« schnve-
L o n d o n . 17. Mai. Dem Reuterschen-Biiro zufolge find die griechischen und serbischen Delegierten hinsichtlich der Unterzeich- nunq der Friedenspräliminarien noch ohne Instruktion.
K o n st a n t i n o p el. 17. Mai Türkische Blätter be^ichnen die Meldung der Times" über Verbandlunaen zum Ankauf zweier brasilianischer Dreadnoughts seitens der Pforte als unrichtig. — Der Parteikongretz des jungtürkischen Komitees wird im Laufe der nächsten Woche in Konstantinopel abgehalten werden, um Haupt, sächlich die Umwandlung des Komitees in eine moderne po- litische Partei . insbesondere nach, englischem Muster durchzuführen. Der Kongreß soll für ein ausgedehntes Flöt- tengrogramm eintreten und die schnelle Durchführung der Reformen in Anatolien betreiben.
Reklamen die Zeile 60 4. $ei Wiederholungen entsprechender Rabatt Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
Das Wahlergebnis.
Es find bis jetzt 4 3 5 Ergebnisse aus 272 Wahlkreisen ferfannt und 388 Kandidaten als gewählt zu betrachten. 41 Stichwahlen haben stattzufinden. Bisher sind als gewählt zu betrachten: 139 Konservative, 48 Freikonservative, 57 Nationalliberale. 25 Volksparteiler, 100 Zentrum, 10 Polen, 2 Dänen, 7 Sozialdmokraten. An den 41 Stichwahlen sind beteiligt: 17 Konservative. 13 Freikonservative, 22 Nationalliberale, 12 Volksparteiler, 4 Zentrum, 1 Pole, 1 Bund der Landwirte, 1 Deutsch-Sozialer, 11 Sozialdemokraten. Die Konservativen verlieren 10 und gewinnen 7, die Freikonservativen verlieren 5 und
benden Fragen sollten im Wege eines freundschaftlichen Gedankenaustausches zwischen der serbischen und bulgarischen Regierung geregelt werden. Serbien habe in territorialer Hinsicht von Bul- garten nichts zu fordern und werde alles tun, um Konflikten mit den Verbündeten vorzubeugen. Die serbische Regierung werde Im Rahmen der legitimen serbischen Jnteresten alles daran setzen, datz das Bündnis zwischen Serbien und Bulgarien erhalten bleibe. — Blättern zufolge werden im Laufe der nächsten Woche die Reservisten des dritten Aufgebotes entlasten werden.
Belgrad, 17. Mai. Die Nachricht des Moskauer Blattes „Rußkoje Slowo", daß Serbien in die Abtretung Monastirs an Bulgarien eingewilligt habe, rief in Belgrad lebhafte Erregung hervor. Einzelne serbische Blätter verlangen von der Regierung Aufklärung, ob die Nachricht richtig ist.
S o f i a , 18. Mai. Die „Agence Bulgare" dementiert in formeller Weise die tendenziösen Meldungen, datz die bulgarische Re- gierung mit der serbischen Über eine Abänderung der Klauseln des Bündnisvertrages verhandele und bereit wäre, Serbien alle Gebiete der strittigen Zone zu überlasten.
Ein neuer Kandidat für den albanischen Thron.
Wien, 18. Mai. Ein neuer Kandidat für den albanischen Thron ist aufgetaucht: Prinz Wilbelm Friedrich zu Wied, der im Alter von 38 Jahren steht. Der Prinz ist preußischer Hauptmann im Großen Eeneralstab. Die Kandidatur soll bei der jüngsten Anwesenheit des Staatssekretärs v. Jagow in W'-n besprochen worden sein und allgemeine Sympathie gefunden haben.
)en It.
8. »d. m.
150
Deutsches Reich.
— Die Hochzeit der Prinzesfin Viktoria Margarethe von Preu. tzen. Potsdam, 17. Mai. Die Vermählung der Prsnzessrn Viktoria Margarethe von Preußen mit dem Prinzen Heinrich XXXILU von Reuß j. L. ist heute mittag im Neuen Pallris vollzogen mb«. Die königliche Prinzessinnenkrone war durch Beamte des Ja» fchatzes herbeigebracht und von einem Offizier und zwei Mann des Wmentsber Gardes du Corps bis au da. TMeukwflabinett --
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „
Politische Umschau
Gegen die dreijährige Dienstzeit in Frankreich.
Aus Toul wird gemeldet: Am 17. ö. Mts abends versammelten sich in der Rue de la Republigue an 200 bis 300 Soldaten, um eine Kundgebung gegen die von der Regierung beschlossene Zurückbehaltung der Altersklaste von 1910 zu veranstalten. Der Platzkommandant ließ sofort Alarm blasen und die meisten Soldaten kehrten freiwillig in die Kaserne zurück. Die übrigen taten dies, wenn auch murrend, auf Zureden eines Offiziers. Die Militärbehörde ordnete eine Untersuchung des Vorfalls an, um die Anstifter der Straßenkundgebung zu ermitteln. Das Kriegsministerium erklärt zwar, es habe nch durchaus nicht um einen Akt der Meuteret gehandelt. Der Plahkomman- dant habe verhindern wollen, daß die Soldaten sich an einer von mehreren politischen Vereinigungen veranstalteten Protestkundgebung beteiligen. und durch das Alarmsignal die Mannschaften gezwungen, in die Kaserne zurückzukehren. Jedenfalls grenzt aber das Verhalten bet zum 146. und 153. Infanterieregiment gehörenden Soldaten sehr nahe an Meuterei. Mehrere sangen die Internationale; eine Anzahl wurde nach dem Gefängnis gebracht. ' Wenn selbst die militärische Disziplin in Frankreich nicht stark genug ist, um die Angehörigen der Armee von Kundgebungen gegen die dreijährige Dienstzeit zurückzuhalten, so ist bas ein schlagender Beweis für die Größe des Widerstandes, dem die Regierungsvorlage begegnet. Das geht auch weiter aus einer Rede hervor, die der frühere Ministerpräsident Caillaur auf dem Festmahl der tadikal-fozialistischen Partei in Paris gehalten hat, wo et n. a. folgen- des ausführte: „Ich bin der Ansicht, daß die internationale Lage neue Pflichten schafft, die wir erfüllen müßen, indem wir unser Augenmerl daraus richten, die früher eingerichtete militärische Verfasiung, die aus der Organisation eines Nationalheeres und nicht Berufsheeres beruht, zu ergänzen. Daraus, daß eine andere Nation, deren wachsende Bevölkerung der unfrigen schon bedeutend überlegen ist, die Neigung hat, auf das Berufsheer hinzusteuern, folgt nicht, daß wir sie nachahmen müssen, indem wir uns auf Nachahmungen versteifen. Maßregeln müßen getroffen werden zur genauen Ausführung des Gesetzes von 1905, durch das die Reserven verbeßert und eingeübt, die militärische Vorbereitung organisiert, die Befestigungen im Osten vergrößert und ausgedehnt, die strategischen Linien vermehrt, die Bestände verjüngt und durchgebildet werden, und die Besoldung der Offiziere aufgebeßert wird. Es ist bedauerlich. baß man keine von diesen Reformen vorgeschlagen und sich auf ein Projekt beschrankt hat, durch das der aktive Dienst zu einer Last wird, welche der Nation ein ergänzendes Dienstjahr aufbürdet und ihr eine Vergrößerung der Steuern und eine Verringerung der Produktion bringen würde. Wir können das Regierungsprojekt nicht an neunten.“ Ferner: Der Präsident bet Sorbonne Cheron hielt auf einem vom Verbände der republikanischen Jugend veranstalteten Feste eine Rede, in bet er ber französischen Jugend, die bereit sei, neuen Opfern für bas Vaterland zuzustimmen, wegen ihrer patriotischen Ee. fühle Lob zollte. Während ber Rebe tiefen einige in bet Verkammlung verteilte Personen: Es lebe bie Republik! Nieder mit der Reaktwnl Nieder mit der dreijährigen Dienstzeit!
an.
icht
Die „Obethessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn | und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich burr*
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7ge|paltene Zeile ober .ß beten Raum 15 4. bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4. für 4Ö.
festgestellt werden, daß die beiden rechtsstehenden Parteien auch weiterhin ausschlaggebend sein werden, obwohl sie aller Voraussicht nach einige Sitze verlieren. In den sechziger Jahren hat dieses „elendeste aller Wahlsysteme" ja eine erhebliche oppositionelle Mehrheit gezeitigt, so daß Bismarck glaubte, diesem Wahlrecht in Preußen das jetzt bestehende Reichstagswahlrecht zum Ausgleich entgegensetzen zu müßen. Das Wahlrecht allein verhilft also nicht zu Mehrheiten. Wenn die jetzigen Wahlen im ganzen und großen in der Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses keine große Verschiebung ergeben haben, so beweist das eben, datz das preußische Volk mit der Tätigkeit der bisherigen Mehrheitparteien zusrieden war und seine Jutereßen durch sie zenügcnd gewahrt sieht. Die großen politischen Fragen sind ja zudem längst in die Reichspolitik übergegangen und scheiden darum in ihrer Schärfe aus der Landespolitik aus. Dieser Punkt ist auch für den ruhigen Verlauf der Wahlen außerordentlich be- vu|, vtm ............ .....
llchtlich. Niemand mit offenem Blick wird ja auch leugnen |b daß ein solcher Eroberungsplan vorläufig aussichtslos können, daß die Verhandlungen des Abgeordnetenhauses sich durch, M unfem Regierung ist es ja eben, daß sie
ihre Ruhe und Sachlichkeit vorteilhaft von denen des Retchstags »- • P <? ’.. . Aussichtslosigkeit hat.
unterscheiden. Und dieser Ruhe und Sachlichkeit entsprach auch । Ie,n Ginfet,en tur öie,e "usfteyrsiongretr yar........
durchaus die Art und Weise der Durchführung der Wahlen. Von einem Wahl kampf, wie wir ihn bei den Reichstagswahlen keider gewöhnt sind, war hier nichts zu spüren. Das ist keine „politische Stagnation", wie das „Berliner Tageblatt" urteilt, sondern nur ein zu begrüßendes Zeichen dafür, daß das preußische Volk von einer Verhetzung und Aufwühlung der Leidenschaften nichts wißen will und sich keinen Vorteil von einem Durä-einander und Gegeneinander verspricht, wie es bei den Reichstagswahlen üblich ist. An dieser richtigen Erkenntnis wird auch der Plan des „Vorwärts" zerschellen, durch einen Appell an die Maßen den Kampf um das allgemeine gleiche Wahlrecht erst richtig anzufachen.
In der rechtsstehenden Preße wird allgemein die VergeblickMt des Ansturms der Linken mit Genugtuung festgestellt.