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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".

M 113

DieOberhejsijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn | und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich dutck die Post 2.25 Jt (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2 M frei ins Haus. Verlag von Dr. E. Hitzeroth. Druck der llnio.- Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. E. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Marburg

Sonnabend, 17 Mai

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gefpaltene Zeile oder deren Raum 15 4. bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

48. Jahrg.

1913.

Erstes Blatt.

Die Wahlmannerwablen zum ßinbtane.

Nach den bisherigen Ergebnissen der gestrigen Wahlmänner­wahlen ist auf keine allzu große Veränderung in der Zusammen­setzung des preußischen Abgeordnetenhauses zu rechnen. In 85 Wahlkreisen waren überhaupt keine Gegenkandidaten aufgestellt worden, so daß der Ausfall der Wahl von vornherein feststand. In diesen war naturgemäß die Beteiligung ähnlich schwach wie in Marburg. Als besonderes Kuriosum wird vermerkt, daß in Pots­dam hohe Staatsbeamte teilweise selbst als Wahlmänner wählten. Hessen-Nassau war bisher im Abgeordnetenhaus vertreten durch 10 Konservative, 1 Freikonseroativen, 8 Nationalliberale, 4 Zen- trumsanhänger, 2 Fortschrittler und 1 Parteilosen. Jetzt ist die Wahl gesichert von 7 Konservativen, 1 Freikonservativen, 8 Na/io- nalliberalen und 4 Zentrumsanhängern. Fünf Stichwahlen sind nötig, eine Wahl steht noch nicht fest. Im ein einen ist das Er­gebnis für die

Provinz Hesien-Naffau folgendes:

Regierungsbezirk Casiel.

Grafschaft Schaumburg (bisher K.). Generalmajor ». Ditfurth - Rinteln (K.) erhielt sämtliche Wahlmänner.

Hofgeismar-Wolfhagen. Wiederwahl v. Pap­penheim (K.) mit 153 Wahlmännern sicher, Hebel (Ntl.) er­hielt 47 Wahlmänner.

Cassel Stadt. Schroeder (Ntl.) wiedergewählt.

Cassel-Land, Witzenhausen. Stichwahl zwischen Lehrer Kimpel (Vp.) und Lehrer Heins (Deutschsoz.). Bisher v. Dtockhausen (K.).

Eschwege-Schmalkalden. Wiederwahl Wendt- landt (Ntl.) sicher.

Rotenburg-Hersfeld. Die Widerwahl des Landrats Tuerke (Hosp. d. Kons.) ist sicher. -...

Melsungen-Fritzlar. Wiederwahl Nöll (K.) ge­sichert, 104 Wahlmänner gegen Wollenhaupt (Ntl.) 83.

Homberg-Ziegenhain (bisher K.). Landrat von G e h.r e n (K.) erhielt alle Wahlmänner.

Kirchhain-Frankenberg. Die Wiederwahl des Freiherrn Schenck zu Schweinsberg ist sicher.

Marburg. Bredt (Frk.) mit 206 gegen Diehl (Soz.), der 4 Wahlmänner erhielt, wiedergewählt.

Hünfeld-Gersfeld. Amtsgerichtssehfetär Drinnen- b e r g (Z) wiedergewählt.

Fulda. Der als einziger Kandidat aufgestellte Amts­gerichtsrat Rhiel (Z.) erhielt 235 Wahlmänner.

Schlüchtern-Gelnhausen (bisher Meyenschein, K.). Stichwahl zwischen Hengsbacher (Frk.) und Geis (Z.)

Hanau. Es erhilten Wohlfahrt (Ntl.) 192, Lind (K.) 47, Dißmann (Soz.) 97 Wahlmänner. Wenige Orte stehen noch aus. Die Wahl Wohlfarths (Ntl.) ist gesichert.

Regierungsbezirk Wiesbaden.

Biedenkopf. Landrat v. Heimburg (K.) wieder­gewählt.

Dillkreis, Oberwesterwaldkreis (bisher Loh­mann (Ntl.). Wahl B ü ch t i n g (Ntl.) mit 185 gegen Hepp (Bp.) 17 und Weber (Christl.-Soz.), der 46 Wahlmänner erhielt, ge­sichert.

Westerburg, Unterwesterwaldkreis. Justizrat Dr. Dahlem (Z.) wiedergewählt.

Unterlahnkreis, Widerwahl Lieber (Ntl.) gesichert.

L Un 6 urg. Cahensly (Z.) wiedergewählt.

Ob>rlahnkreis, Usingen (bisher Beckmann, Kons.). Wahl Dr. Lohmann (Ntl.) mit 129 gegen Behrens (Christl.-S.) mit 84, Schüttler (Bp.) mit 14 und Wick (Soz.) gesichert.

St. Goarshausen, Rheingaukreis Meisenheim (bis­her v. Kloeden. b. k. F.). Bis jetzt bekannt: v. Berg (Frk.) 123, Grimm (Bündler) 30 und Geil (Z.) 61 Wahlmänner.

WiesbadenLand,Höchst. Wiederwahl Wolff (Ntl.) sicher.

Wiesbaden Stadt. Bartling (Ntl.) wiedergewählt mit 273 Wahlmännern, gegen Breidenstein (Vp.) mit 95 und Müller (Soz.) mit 36.

Obertaunuskreis (bisher v. Bülow, Ntl.). v. Bülow (Ntl.) erhielt 88, Schwarz (Z.), Eraef (Soz.) 34, Goll (Vp.) 20 Wahlmänner. Einige ländliche Bezirke stehen noch aus. Stich­wahl zwischen Nationalliberalen und Zentrum.

Frankfurts. M. Stadt (bisher Funck, Vp., Flesch, Vp.). Es erhielt: die Fortschr. Volkspartei 646 Wahlmänner, die Natio­nalliberale Partei 227 und die sozialdemokratische Partei 367 Wahlmänner. Es kommt zu Stichwahlen in 146 Urwahl­bezirken zwischen d^r Volkspartei und den Nationalliberalen, in 83 zwischen der Volkspartei und den Sozialdemokraten, in 51 zwischen den Nationalliberalen und den Sozialdemokraten.

Ueber die Wahlen in Marburg haben wir bereits durch Sonderausgaben gestern abend berichtet und kommen an anderer Stelle noch näher darauf zurück.

Dar Wahlergebnis im ganzen i'' : fst folgender:

Berlin, 17. Mai. Vis 5 Uhr morgens können in 250 Wahl­kreisen 354 Abgeordnete als gewählt gelten. Von diesen entfallen uf die Konservativen 123, Freikonservativen 42, Nationallibe­ralen 55, Fortschrittliche Volkspartei 25, Zentrum 96, Polen 4, Dänen 2, Cozialdemcckraten 7. An 34 notwendig werdenden Stich­

wahlen sind beteiligt: 15 Konservative, 8 Freikonservative, 17 Nationalliberale, 10 Fortschrittliche Volkskartei, 4 Zentrum, 1 Pole, 1 Bund der Landwirte, 1 Deutsch-Sozialer, 11 Sozialdemo­kraten. Gewinne und Verluste: Konservative 7 :10, Freikonser­vative 1 :5, Nationalliberale 8 :3, Fortschrittliche Volkspartei 4 : 5, Zentrum 2 : 4. Die Sozialdemokraten gewinnen 1, die Polen verlieren 1.

Bisher sind u. a. gewählt: Graf v. Kanitz, Kreth, v. Arnim, v. Oertzen, Bredt, v. Schuckmann, Hammer, Rewoldt, Freiherr von Camp, v. Heydebrand, Porsch, Graf Henckel v. Donnersmarck, Graf Praschma, Rahardt, Strombeck, Kloppenberg, Hahn, Dr. Rösicke, von dem Hagen, Herold, Schmedding, v. Savigny, Schröder-Cassel, Schifferer, Heimburg, Dahlem, Faßbender, Wallenborn, Freiherr v. Wolff-Metternich, Mugdan, Mommsen, Kopsch, Wiemer (dieser zweifach, in Berlin und in Nordhausen), Borchardt, Hoffmann, Hirsch, Ströbel, Liebknecht, Graf v. Schwerin-Löwitz, Brütt, Macco, Graf v. Pappenheim; v. Compe steht in Stichwahl mit dem Konservativen, Schwabach und Glatze! unterlagen den Kon­servativen, ,,

' Zur Lage.

Durazzo, 16. Mai. Die provisorischen Behör­den der neuen albanischen Regierung haben sich in Croia ver­sammelt, wo sie die Flagge hißten. Nach Durazzo haben sich aus Tirana eine Anzahl Kaufleute und reiche Privatleute geflüchtet, um sich der Leistung der von Esiad Pascha auferlegten bedeutenden Abgaben zu entziehen. Ein Transportdampfer wird baldigst er­wartet, auf dem die nicht mit ihren Waffen in Durazzo weilen­den türkischen Soldaten eingeschifft werden sollen.

Paris, 16. Mai. Aus Beirut wird gemeldet: Der franzö­sische KreuzerLatouche Treville" und der deutsche Kreuzer G ö b e n" sind hier eingetroffen.

Sie französische Kammer über die europäische Lage.

Paris, 16. Mai. In der Kammer begründete Euernier eingehend seine Interpellation über die Haltung Frank­reichs in der Balkankrise und bedauerte, daß Frankreich an jener Aktion teilgenommen habe, um von der Türkei die Abtre­tung Adrianopels und von Montenegro die Rückgabe von Skutari zu verlangen. Robert David trat hierauf in warmen Worten zu­gunsten der Ansprüche Griechenlands ein. Hierauf ergriff P i ch o n das Wort und gab eine ausführliche Darstellung der Balkankrise und betonte, daß die Tätigkeit Frankreichs von Anfang an darauf gerichtet war, unter den Mächten die Einigkeit aufrecht zu erhal­ten. Die Skutarifrage dürfe nicht so aufgefaßt werden, wie Euer­nier es getan. Es habe sich vor allem darum gehandelt, dem Bal­kankrieg rasch ein Ende zu machen. Durch den Fall Skutaris, wel­cher allerdings mehr durch eine diplomatische als durch eine mili­tärische Anstrengung erzielt worden sei (Lebhafter Beifall, Jauräs ruft: 8000Totein den Zeitungen) sei die Lage sehr verwickelt worden. Man mußte energisch und rasch handeln. Wir können uns nicht genug beglückwünschen zu der Londoner Botschafter- Reunion, deren Vorsitzender Grey alles getan hat, um den Frie­den zu erhalten. (Lebhafter Beifall.) Pichon erwähnte sodann die Petersburger Votschafterkonferenz, an welcher Delcasiä wesent­lich mitgewirkt habe, um eine Verständigung zwischen Bulgarien und Rumänien herbeizuführen. Die Krise, welche Europa be­droht habe, sei beendet. Die verdienstvolle Weisheit Oester- reich-llngarns, die friedliche Haltung Rußlands und die friedliche Gesinnung Europas haben zu diesem Ergebnis hervorragend bei­getragen. Frankreich hat darauf unaufhörlich feine Politik der Einigkeit, der Eintracht, des Fortschritts und des Friedens be­gründet. Das Ziel dieser Politik sei jüngst von Leon Bourgeois trefflich mit den Worten gekennzeichnet worden: Man müffe trach­ten, daß Eropa von einer Seele erfüllt sei, daß es eine mora­lische Person werde, das Recht verteidige und seine Pflicht erfülle. Diese Politik werde Frankreich fortsetzen und im Einklang mit seinen Freunden und Verbündeten seine Interessen wahren, eine Politik der Mäßigung und der Versöhnlichkeit befürworten, in dem es den begründeten Rechten der Balkanverbündeten Rech­nung trage und die wirtchaftliche Entwickelung der Türkei fördere. (Lebhafter Beifall.) Denis Cochin erklärte, Frankreich möge seine alten Rechte im Orient wahren und wies dabei auf die gegenwär­tigen Verhandlungen Englands mit der Türkei hin, die angeblich mit der Zustimmung Deutschlands geführt werden. Er sei dafür, daß Deutschland sein mit der. Bagdadbahn verbundenes Werk zu gutem Ende führe, aber Frankreich dürfe dabei nicht leer ausgehen. Man lege durch die militärischen Rüstungen dem Volke große Opfer auf und müsse ihm auch dafür etwas bieten. Im übrigen hege er die Ueberzeugung, daß der kriegerische Geist der europäischen Völker sich nicht in Europa selbst, sondern zur Ver­breitung der Zivilisation in Asien und Afrika betätigen werde. Der Minister des Aeußern Pichon erwiderte, die Kammer möge versichert sein, daß die Regierung die moralischen und wirtschaft­lichen Interessen nicht vergesse, weder in Syrien noch sonstwo in einem Teile der asiatischen Türkei. (Lebhafter Beifall.) Da­rauf wurde eine die Erklärung der Regierung billigende Ver­trauenstagesordnung einmütig durch Handaufheben an­genommen.

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Politische Umschau

Elsaß-Lothringisches.

Fast keine Woche vergeht, in der nicht neue Beweise dafür geliefert werden, daß das für eine Verfassung und für die Aufnahme als nahezu

selbständiges Glied in die Reihe der übrigen deutschen Bundesstaaten für reif erachtete Reichsland noch weit davon entfernt ist, die auf e» gesetzte Hoffnung zu erfüllen. Die Warner und Mahnet sind leider glänzend gerechtfertigt worden. Bekanntlich ist vom elsaß-lothringischen Landtag derAbscheu vor einem Kriege um Elsaß-Lothringen willen" sowie der feste Entschluß bekundet worden,mit einer autonomen Ver­fassung das lebendige Bindeglied der beiden großen Nationen zu wer­den". Die sozialistische Sonderversammlung während der Berner Kon­ferenz hat für dieseunschätzbare Hilfe" dann ihren Dank ausgesprochen. Andererseits waren auf französischer Seite Zweifel aufgetaucht, ob das nicht etwa als Anerkennung des in Elsaß-Lothringen bestehenden Zu­standes aufgefaßt werden könnte und ob die Elsässer nicht selbst sich dem französischen Revanchegedanken abgeneigt zeigten. Diese Befürchtungen beeilt sich der Elsässer Karl Stähling in einem Schreiben an dieDepeche de Toulouse" zu zerstreuen. Er stellt darin fest, daß Elsaß-Lothringen allerdings keinen Krieg um seinetwillen wünsche, daß es aber in dem Falle, wenn ein Krieg zwischen Deutschland und Frankreich aus anderen Gründen ausbreche, und das sei gerade wahrschein­lich glücklich wäre, zu dem siegreichen und seine alten Provinzen fordernden Frankreich zurückkehren würde. Trotz 40 Jahren rohen Zwanges seien die Söhne dem Mutterland treu geblieben: das be­wiesen die verschiedenen Kundgebungen zugunsten Frankreichs. Aus diesem offenen Bekenntnis geht hervor, daß das gleiche Ziel auf Umwegen zu erreichen versucht wird. Selbst von französischen Nationalisten ist zugegeben worden, daß der einzige, eine Kriegsgefahr in sich bergende Gegensatz zwischen Deutschland und Frankreich die so­genannte elsaß-lothringische Frage ist. Da aber die nicht nationalistische Mehrheit des französischen Volkes es ablehnt, wegen Elsaß-Lothringen die Eroßmachtstellung Frankreichs aufs Spiel zu setzen, wollen die fran­zösischen und reichsländischen Nationalisten die elsaß-lothringischeFrage" durch Ausnutzung anderer Verwickelungen in ihrem Sinne lösen. Die französischen Kreise, die eine Verständigung anstreben, mögen sich daher erst einmal an jene ihrer Landsleute und elsaß-lothringische Freunde wenden, die künstlich Feuer anzufachen suchen, um daran ihr Süppchen zu kochen.

Aus Straßburg kommt heute die Meldung, daß die elsaß-lothringische Regierung beim Bundesrat eine Ergänzung des Vereins­gesetzes vom 19. April 1908 und des Reichspreßgesetzes unter Hinzufügung einer Bestimmung über den Vertrieb ausländischer Druck­vorschriften für die Reichslande beantragt hat. Der Berichterstatter desMatin" will im einzelnen darüber erfahren haben, daß der Regie­rung die Vollmacht gegeben werde, durch einfachen Erlaß und ohne Be­rufung alle Vereine aufzulöfen, welche die Sicherheit oder den inneren Frieden des Landes gefährden, sowie alle Vereine, deren Tätigkeit nicht dem Wortlaut ihrer Satzungen entsprechen. Die Begründung dieses Gesetzantrages führte als Beispiel den Luftfahrerverein von Mülhausen, den Verein der ehemaligen Soldaten der Fremdenlegion, den Souvenir Alsacien-Lorrain an. Die zweite Vorlage bestimme, daß ebenfalls durch einfachen Erlaß der Verkauf von Druckschriften in französischer Sprache ganz oder teilweise untersagt werden könne. Die Begründung dieses Entwurfs ziehe u. a. den Nouvelliste d'AIsace-Lorraine Wetterles unö das in Straßburg erscheinende Journal d'AIsace-Lorraine heran. Die beiden Eesetzesanträge seien am 5. Mai von dem Kommissar Sieveking beim Bundesrat unterzeichnet worden und ihr Wortlaut sei in Straß­burg nach einer Unterhaltung aufgesetzt worden, die der Statthalter am 26. April d. Js. mit Kaiser Wilhelm hatte. Da die kurze oben angeführte authentische Mitteilung Näheres nicht angibt, muß man die Bestätigung der Angaben des Matin-Korrefpondenten abwarten. So viel aber kann jetzt schon gesagt werden, daß die Regierung in Straßburg durchaus recht daran tut, dem Treiben der eine Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich verhindernden nationalistischen Vereine und Blätter energisch ein Ende zu setzen. Für diese Kreise und die doktrinäre Demokratie mögen dasAusnahmegesetze" sein, für das übrige deutsche Volk sind es nurAbwehrmaßregeln.

Die Bagdadbahnfrage.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt:Die bereits vor zwei Jahren eingeleiteten Verhandlungen zwischen England und der Türkei über die Fragen bezüglich des Persischen Golf sind in den letzten Wochen ihrem Abschluß nahe gebracht worden. Die hierdurch berührten deutschen Interessen bestehen in der Hauptsache aus der deut­schen Beteiligung an der Bagdadbahn. Die deutsche Gruppe, welche im Bagdadbahnunternehmen die führende Stellung einnimmt, hatte sich im Prinzip damit einverstanden erklärt, daß die der Bagdadbahn­gesellschaft znstehenden konzessionsmäßigen Rechte, soweit sie sich auf das Gebiet südlich von Bagdad beziehen, ganz oder teilweise auf die neuzubildende türkische Gesellschaft mit internationaler Kapitalbeteili­gung übertragen werden sollten. Die Bedingungen für diese llebertra- gung und die Regelung aller Einzelheiten wurden ausdrücklich späteren Vereinbarungen zwischen der türkischen Regierung und der Bagdad- Eisenbahngesellschaft vorbehalten. Soweit die aus G'rnd dieser Er­klärung angebahnte Verständigung zwischen England und der Türkei die Interessen und Rechte der Bagdad-Eisenbahn berührt, kann er nur unter Zustimmung der Gesellschaft und angesichts der großen wirtschaft­lichen Bedeutung des Unternehmens nut unter Zustimmung der deut­schen Regierung perfekt werden. Der bisherige Gang der Verhandlungen berechtigt zu der Annahme, daß das Ergebnis auch von deutscher Seite als befriedigende Lösung ausgenommen werden kann. Immer­hin wird, ehe die deutschen Interessenten und die deutsche Regierung ihre Zustimmung geben können, ein weiterer Meinungsaustausch erforderlich [ein, durch den die deutschen Interessen in einwandfreier Weise gewahrt und für etwaige deutsche Zugeständnisse gleichwertige Leistungen sicher- gestellt werden." Diese halbamtliche Erklärung berührt einen der wichtigsten Punkte unserer Auslandspolitik. Wie bereits gemeldet, handelt es sich darum, daß England sowohl Kuweit, den natürlichen Endpunkt der Bagdadbahn, als englisches Besitztum, als auch das Recht erhalten soll, von Bassora als Endstück eine Bahn nach Koweit zu bauen. Nationale deutsche Blätter äußern sich entrüstet über diese Regelung der Bagdadbahnfrage, mit bet sie die Anwesenheit des englischen Lords Morley in Berlin in Zusammenhang bringen, unter Hinweis aus die i seinerzeit ebenfalls als privat bezeichnete Reise Lord Haldanes, me aber in Wirklichkeit einen Versuch darstellte, zu einer Annäherung Deutsch­lands und Englands zu gelangen. Man kann die Erregung und Be­fürchtung, wieder über den Löffel barbiert zu werden, verstehen, einmal im Hinblick au [die politischen Ereignisse der letzten Zeit, in der meistens unsere Interessen nicht die erforderliche energische Vertretung fanden, andererseits wegen des ungeheueren deutschen Kapitals, das in bet Bagbabbahn investiert ist. Es ist tat auf bie Bemühungen bes »et» stotbenen Marschall« ». Bieberstein inb auf die Erklärung Herrn wm