mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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und den Beilagen: „Nach Feierabend". „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
Die „Oberhessiiche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn | und Feiertage. — Der Bezugspreis b'rägt vierteiiäbrlich dur^ i die Post 2.25 M (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 M I frei ins Haus. — Verlag von Dr. E. Hitzeroih. — Druck der Univ.- I Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. C. Hitzeroih). Markt 21. Tel. 55. |
Marburg
Dienstag, 13 Mai
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48. Jahrg.
1913.
Erstes Blatt.
übens- und Versländiumasll'opinen.
Scharfsinnige Leute haben ein einfaches Mittel gesunden, um die in letzter Zeit sich häufenden Unstimmigkeiten zwischen Deutschland und Frankreich mit einem Schlage zu beseitigen, das heitzt, sie glauben es gefunden zu haben. Der französische Nobelpreisträger d'Estournelles de Constant hat eine parlamentarische „Verständigungskonferenz" in Bern inszeniert, an der 110 französische und 34 deutsche Abgeordnete teilgenommen haben. Van den 110 Franzosen sind 40 Geeinigte Sozialisten, 47 Sozialistisch-Radikale, 12 unabhängige Sozialisten, 8 Linksradikale, 3 Linksdemokraten. Außerdem nahmen 13 radikale Senatoren teil. Die Mehrzahl der Deutschen bestand aus Sozialdemokraten (23), der Rest setzte sich zusammen aus 7 Fortschrittlern, 1 Elsässer, 1 Dänen und — 2 Zentrumsmitgliedern, nämlich den Herren Dr. Pfe'ffer und Dr. Belzer. Die französische radikal-sozialistische Partei beschloß, sich in Vern offiziell nicht zu beteiligen. Außerdem kam man überein, die beiderseitigen Rüstungsvorlagen sowie die „elsaß-lothringische Frage" nicht zu erörtern.
Was den zweiten aus der Erörterung auszuscheidenden Punkt betrifft, so ist festzustellen, daß es für uns keine elsaß lothringische „Frage" mehr gibt, daß sie vielmehr durch den Frankfurter Frieden endgültig entschieden worden ist. Jedes Wort über eine Verständigung mit Frankreich bleibt solange leeres Geschwätz, als nicht von französischer Seite die seit nunmehr 42 Jahren bestehenden Verhältnisse hinsichtlich Elsaß-Lothringens unumwunden anerkannt worden sind.
Aus dem Verlauf der Versammlung ist zu berichten, daß schweizerische Nationalräte als Vertreter des Initiativkomitees sie eröffneten. Senator d'Estournelles de Constant sprach für die Franzosen. Die Rüstungen seien keine Versicherungsprämie für den Frieden mehr, sondern eine int -nie Gefahr geworden. Ihm und Bebel, der nach ihm sprach :n lebhafte Ovationen gebracht. Verschiedene Telegramme, auch eines von den National- liberalen des Reichstags, der englischen Arbeiterpartei u. a. wurden verlesen. Durch Zuruf wurde eine Entschließung angenommen, die sich gegen den Chauvinismus sowohl in Deutschland wie in Frankreich ausspricht. Weiter verpflichten sich die Mitglieder des Kongreßes gegenseitig, alle Mißverständnisse auszu- rotten und danken den elsaß-lothringischen Vertretern für die Erklärung ihrer Landsleute, die cs ermöglicht, in nächster Zeit eine Annäherung der beiden Länder herbeizuführen. Die Mitglieder des Kongreßes verpflichten sich ferner, bei ihren Regierungen alle Schritte zu unternehmen, um eine Einschränkung der Rüstungen herbeizuführen. Die Konferenz glaubt, daß eine französischdeutsche Annäherung eine Entente zwischen den beiden Ländergruppen Europas herbeizusühren imstande ist und damit der dauernde Fride gesichert wäre. Die Konferenz beschließt, daß sich das Büro als dauernde Kommission konstituiert, die sich von Zeit zu Zeit zu einem Kongreß einberuft. Wie es heitzt, herrschte zwischen den Deutschen und Franzosen grotze Herzlichkeit. Es bestanden innerhalb der französischen Abordnung starke Meinungsverschiedenheiten wegen einer Stelle der Resolution, die den elsässischen Landtag berührt. Die Sozialistisch-Radikalen verlangten Streichung, weil die Stelle mißverstanden werden könnte. Jaurös zerstreute jedoch die Bedenken, so daß der Resolutionsentwurf von der Abordnung angenommen wurde.
Die Konferenz hat ein dankbares Arbeitsfeld, wenn sie, wie der Abg. Hausmann die Einladung auffaßte, dazu dienen will, einer fortschreitenden Entfremdung Einhalt zu tun und den Kulturgeist der Friedlichkeit zu stärken. Wie viel Gutes sie dabei wirken kann, haben uns eben erst die Ereigniße in Luneville und Nancy gezeigt. Daß die Tätigkeit der Kommission bei uns in Deutschland dann freilich eine völlig überflüssige wäre, dürfte niemand bezweifeln. Ueber 40 lange Friedensjahre in kritischer Zeit haben das bewiesen, und außerdem liegt dem deutschen Nationalcharakter eine Aggressive völlig fern. Der Frieden ist ein hohes Gut, u mden es sich lohnt, einen Einsatz zu wagen. Daß er nicht das höchste ist, hat die Geschichte gezeigt. Und niemand bezweifelt z. SB., daß Schiller Recht hat, wenn er sagt: „Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr alles freudig setzt an ihre Ehre." Solange es aber verschiedene Nationen und Raßen gibt, werden Gegensätze immer vorhanden sein, und ein Ausgleich wird letzten Endes, wie das auch jüngst der Kronprinz in seinem vielbesprochenen Geleitwort ausgedrückt hat, nur durch eine Auseinandersetzung mit den Waffen ermöglicht werden. Daran ändern alle Verständigungskonferenzen, Friedenspläne und internationalen Vereinbarungen nichts, wie der Tripolis- und Balkankrieg zeigen. Auch die schöne Idee des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Nordamerika, zu einer Abmachung zu gelangen, nach der ein Krieg nicht eher erklärt werden darf, bis die Streitfrage von einem internationalen Schiedsgericht untersucht worden ist, wird keine neue Epoche ewigen Friedens beginnen laßen. Wilson und sein Staatssekretär Bryan sind so optimistisch zu hoffen, daß, wenn dieses Projekt von den Vereinigten Staaten und einigen anderen Naionen angenommen worden ist, es auch bei den übrigen Nationen unter einander durchgeführt werden wird, bis schließlich alle Nationen der Erde durch das Abkommen mit einander verknüpft sind. Nebensächliche Streitigkeiten mögen auf diese Weise ihre Erledigung finden, und das Haager Schiedsgericht ist dafür auch schon mehrfach in Anspruch genommen worden. Die Lebensintereßen eines großen Volkes berührende Differenzen werden sich jedoch schließlich immer zu Machtfragen auswachsen, und die Iverden nur mit Blut und Eisen entschieden, nicht mit wesenlosen Paragraphen des Völkerrechts.
I Zur Lage.
Die wichtigste der vorliegenden Meldungen ist ohne Zweifel die von der endgültigen Beilegung des rumänisch-bulgarischen Erenzstreitfalles. womit ein weiteres Moment der Entspannung zu verzeichnen ist. Andererseits haben sich neue Schwierigkeiten zwischen Bulgarien und Griechenland ergeben, die aber allem Anschein nach bald wieder beseitigt werden dürsten. Aus Albanien wird berichtet, daß sich an der in Aussicht genommenen Grenze bei Dschakowa Banden bilden, gegen die die Serben die beträchtliche Streitmacht von 70 000 Mann zusammenziehen. Essad Pascha riet der Regierung, nach Durazzo überzusiedeln. Die Negierung antwortete mit dem Rat an Eßad Pascha, bei der Bildung des albanischen Staats mitzuwirken und die türkischen, slawischen und serbischen Ratschläge nicht zu beachten. Die Rückbeförderung der Truppen Eßad Paschas und Dschavid Paschas wird in zwei bis drei Tagen beginnen. Die Verzögerung ist darauf zurückzuführen, daß die kriegführenden Staaten sich der Abfahrt der Truppen widersetzten, da sie fürchten, daß sie die Armee vor Tschataldscha verstärken könnten. Der als Anwärter für den albanischen Thron genannte Herzog von Urach yat den Wiener Blättern die Nachricht zugehen laßen, daß er n i ch t den Wunsch hege, den albanischen Thron zu besteigen. Dagegen ist der Prätendent Prinz Ehika in Valona angekommen. Im übrigen verzeichnen wir folgende Meldungen:
Sofia, 12. Mai. Die Antwortnote der Verbündeten ist heute vormittag überreicht worden. Darin werden für die Friedenskonferenz in London dieselben Friedensdeleaierten ernannt wie für die erste Friedenskonferenz. In Regierungskreisen wird erklärt, daß die bulgarische Regierung jede Aktion, die den Verzögerungen und Verschleppungen ein Ende setzen könne, günstig aufnebmen und ihren ganzen Einfluß aufbieten werde, tun jedem neuen Verschleppungsversuch vorzubeugen, da das Land entschieden den sofortigen Friedensschlnß wünsche.
Saloniki, 11. Mai. Vor einigen Tagen hatten die Bulgaren Prevista geräumt, das darauf von griechischen Truppen besetzt wurde. Als die Vulgaren wiederum zurückkehrten, kam es zwischen ihnen und den griechischen Soldaten zu Streitigkeiten, wobei es auf beiden Seiten Tote und Verwundete gab. Bon den Griechen sollen siebzig Mann getötet und fünfzig gefangen genommen worden sein.
Rom, 10. Mai. In Bari ist die Errichtung einer albanischen Universität geplant.
Skutari.
Äntivari, 10. Mai. Der Brand in Skutari dauerte bis gesten abend an. Fünf Bazarviertel wurden zerstört. Der Schaden wird auf 20 Millionen geschätzt. Unter den Geschädigten befinden sich österreichische und italienische Fabrikanten. Behufs Feststellung der Ursachen des Brandes ist eine strenge Untersuchung angeordnet worden. Etwa zwölf Personen, die verdächtig sind, den Brand gelegt zu haben, wurden verhaftet.
E e t i n j e, 10. Mai. Gemäß der von dem Vertreter Montenegros, Plamenatz, und den Admirälen des internationalen Geschwaders unterzeichneten Protokolle erfolgt die Räumung Skutaris am Mittwoch nachmittag um 2 Uhr.
Die Beilegung des bulgarisch-rumänischen Streitfalles.
Bukarest, 10. Mai. Gestern wurde das Petersburger Protokoll über den bulgarisch-rumänischen Streitfall durch die Vertreter der Großmächte in Petersburg unterzeichnet. Die Veröffentlichung des Protokolls erfolgt gleichzeitig mit der Unterzeichnung der Friedenspräliminarien.
Doch erfährt Reuters Bureau, daß es folgende Bestimmungen enthalte:
Die Stadt S i l i st r i a mit all ihren Befestigungen fällt an Rumänien, ebenso das angrenzende Gebiet in einem Umkreis von 3 Kilometern von den Außenforts. Die zukünftige Grenze Rumäniens in der Dobrud- scha wird an der Donau bei dem Orte Popina beginnen, der gleichfalls Rumänien einverleibt wird.
In Anbetracht deßen, daß die von der Natur gezogenen Grenzen die sichersten sind, wird die rumänisch-bulgarische Landesgrenze über die Höhen von Babuc, Aflatar und Vezbunar nach dem Orte Kohardja laufen.
Von diesem Orte geht die Grenze über die Berge Karaleß und Ear- galac nach Kap Schabla am Schwarzen Meer, das aber selbst in bulgarischem Besitz verbleiben wird.
Politische Umschau.
Eröffnung der Zubiliiums-Kunstansstellung.
Berlin, 10. Mai. Die diesjährige große Kunstausstellung im Landesausstellungspark wurde heute vormittag in Gegenwart des Kaisers und der Kaiserin als Iubiläumskunstausstellung eröffnet. Das Kaiserpaar wurde von dem Reichskanzler und dem Kultusminister emp- sangen. Letzterer hielt eine Rede in der er aussührte: „Wie überall in deutschen Landen man sich freudigen und dankbaren Herzens rüstet, das Regierungsjubiläum Euer Majestät festlich zu begehen, ist es der einmütige Wunsch der Berliner Künstlerschaft gewesen. Euerer Majestät sich in diesem Jahre huldigend zu nahen und ihrem tiefgefühlten Dank für alle ihr erwiefene Gnade und Förderung einen weithin sichtbaren Ausdruck) zu verleihen. Euere Majestät haben Allerhöchst selbst an der Gestaltung der Ausstellung tatkräftigen Anteil genommen, indem Sie geruhten, die Einfügung einer Sonderausstellung derjenigen Bauten und Anlagen anzuordnen, die im Saufe der verfloßenen 25 Jahre unter der besonderen Einwirkung Euerer Majestät geschaffen worden sind und dem Allerhöchsten Jntereße oft genug bis in die letzten Einzeheiten ihre Entstehung verdanken. Das Aufblühen unseres Vaterlandes, sein Wachsen auf allen Gebieten, die immer reichere Entwicklung seiner Kräfte wird im Rahmen dieser Kunstausstellung wohl an keiner Stelle so eindringlich dem Beschauer vor die Augen treten, als in dieser nach dem Befehle Euerer Majestät zusammengestellten Architekturschau. Als ein einziges großes Bild friedlicher Arbeit bedeutet sie vielleicht das schönste Denkmal der kostbaren 25 Friedensjahre, die Euerer Majestät Regierung dem Deutschen Reiche bescheert hat.
Wohl wißen wir unsere Zeit bei allem Großen, das sie hervorgebracht hat, von ethischen und sozialen Gegensätzen durchflutet, und die Zügellosigkeit, die falsche Genialität und das Hasten und Drängen nach Ruhm und Besitz, die uns anderswo entgegentreten, sind leider auch der Kunst nicht ferngeblieben. Demgegenüber muß die Sorge Aller, 1 denen die Pflege der Kunst obliegt und das Herz bewegt, darauf gerichtet sein, den gesunden Sinn der Künstlerschast zu fördern und den Nachwuchs vor Verwirrung zu schützen. Das Eoethewort, das pch der treff
liche Ludwig Richter zum Lebensspruch erwählt hatte, gilt noch heute: „Große Gedanken und ein reines Herz ist es, was wir von Gott erbitten sollten!" Möge es stets in der deutschen Kunst gelten damit sie allezeit bleibe ein Edelstein in der Krone Euerer Majestät!"
Hierauf dankte Proseßor Kallmorgen dem Kaiser namens der Berliner Künstlerschaft und der Ausstellungskommißion für sein Erscheinen und alle Förderung, die er mit warmem Herzen und offener Hand allezett für Kunst und Künstler bewiesen habe und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. — Der Kaiser erklärte dann die Ausstellung für eröffnet, machte mit der Kaiserin und den Prinzen einen Rundgang durch die Säle und begab sich fpäter nach dem Schloße in Berlin.
Absichtliche Irreführung?
Kriegsminister Etienne hielt vor 8000 Turnern in Vichy eine Rede, in der er sagte: „Frankreich fand dank der Republik wieder einen Platz in der Welt: um diesen Platz zu bewahren und seine Stellung zu befestigen, brauchen wir ein Heer, das imstande ist, in jedweden Wettstreit einzutreten. Deshalb verlangten wir kühn und entschloßen so bedeutende Opfer vom Volke, denn wir waten überzeugt, daß die Existenz Frankreichs mit diesem Opfer verknüpft ist. Wenn so deutliche Wahrheiten an den Tage treten, wie z. SB. daß das Heer unseres Nachbarlandes 500000 bis 850000 Mann mehr zählt als das unsere, so können wir bann, könnt Ihr dann untätig bleiben? Nein! Frankreich muß ein Heer haben, das nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ stark ist. Frankreich muß es verstehen, sich Achtung zu verschaffen und gegebenenfalls zu siegen. Ihr werdet die Sieger von morgen {ein, wenn Ihr wollt" Die Rede des Kriegsministers wurde begeistert aufgenommen. — Vor wenigen Tagen erst ist von militärischer und halb- amtlicher Seite die Erklärung Briands, das deutsche Heer sei 180 000 Mann stärker als das französische, dahin berichtigt worden, daß diese Zahl jetzt nur 50 000 beträgt, daß nach Durchführung der 3jährigen Dienstzeit aber unsere Armee um 10 000 Mann schwächer sein wird. Und nun spricht Herr Etienne von einer Ueberzahl von 500 000 bis 850 000 Mann! Der große Spielraum zwischen beiden Zahlen läßt schon auf das geringe militärische Verständnis des französischen Kriegsministers schließen; aber wenn auch an der Spitze der französischen Heeresverwaltung ein Zivilist steht, so sollten ihn doch seine Generäle in einer Weise unterrichten, die. solche lächerliche Uebertreibungen ausschließt. Oder sollte eine leicht verständliche Absicht ihre Ursache [ein?
heich.
— Militärisches Stiftungsfest. Potsdam, 12. Mai. Heute vormittag wurde das Stiftungsfest des Lehrinfanteriebataillons abgehalten. Der Kaiser brachte ein dreifaches Hurra auf die Armee aus, der kommandierende General Frhr. v. Plettenberg erwiderte mit einem Hurra auf den Kaiser. Die Kapellen der Potsdamer Earderegi meuter konzertierten während der Mahlzeit der Mannschaften. Um 1 Uhr war Frühstück beim Kaiserpaar im Marmorsaal.
— Heimkehr des Erotzherzogs von Baden. Mannheim, 12. Mai. Das Eroßherzogspaar traf mit Begleitung heute vormittag zur Teilnahme an dem 9. Badischen Sänger-Bundesfest hier ein. Bei dem Festkonzert brachten gegen 3000 Sänger Eesamtchöre zum Vortrag. Um 6 Uhr erfolgte die Rückfahrt der großherzoglichen Herrschaften mittels Autos nach Karlsruhe.
— Zu dem Anschlag auf den Eroßherzog von Baden. Karlsruhe, 10. Mai. Die amtliche „Karlsruher Zeitung" schreibt über den Mannheimer Zwischenfall u. a.: Nach den inzwischen angestellten Ermittlungen dürste als feststehend anzusehen sein, daß der Angriff nicht auf politische Motive zurückzuführen ist, sondern die Tat eines typischen Alkoholikers und degenerierten Menschen darstellt. So bedauerlich und verabscheuungswert die Tat an sich war, so erfreulich ist ihre eine gute Folgerscheinung: daß die tiefeingewurzelte Liebe des badischen Volkes bei diesem Anlaß spontan und herzerfrischend Ausdruck fand und daß die Bezeugungen der Anteilnahme an der Errettung des Landesherrn nicht nur aus bestimmten Kreisen oder Schichten der Bevölkerung kam, sondern aus der Gesamtheit des Volkes heraus, ohne Rücksicht auf fogiaü oder politische Stellung des einzelnen.
— Die Hochzeit Manuels. Sigmaringen, 10. Mai. Die Hochzeit des Exkönigs Manuel von Portugal, der zum Besuche seiner Braut der Prinzessin Auguste Viktoria von Hohenzollern auf Schloß Weinburg bei Reineck in der Schweiz weilt, findet voraussichtlich im September statt.
— Herr von Gerlach. Berlin, 10. Mai. Der Demokrat Herr v. Gerlach bewirbt sich neben dem früheren fortschrittlichen Abgeordneten Goldschmidt um bas Landtagsmandat im Wahlkreise Barnim.
— Neue Eroßblockverhandlungen in Baden. Karlsruhe, 10. Mai. Es bestätigt sich ,daß zwischen den beiden liberalen Parteien und der Sozialdemokratie neue Verhandlungen über ein Eroß- blockbündnis für die Landtagswahlen stattgefunden haben. Allerdings dürste es sich nut erst um einen Eroßblock für den zweiten Wahlgang handeln.
Ausland.
** Keine Teilnahme des österreichischen Thronfolgers an der Hochzeit in Berlin. Wien, 11. Mai. Das Fremdenblatt schreibt: In den Blättern finden sich Meldungen, denen zufolge Erzherzog Franz Ferdinand sich zur Teilnahme an den Hochzeitsfeierlichkeiten am Deutschen Kaiserhofe nach Berlin begeben wird. Wie wir erfahren, entsprechen diese Nachrichten nicht den Tatsachen. Der höfischen Gepflogenheit gemäß werden an diesem Familienfeste nur Verwandte des Brautpaare? teilnehmen.
** Zur Genesung des Papste». Rom, 12. Mai. Gestern abend fand in St. Peter ein feierliches Tedeum statt anläßlich der Genesung des Papstes, dem Tausende Gläubige, darunter viele Fremde, beiwohnten.
** Verkauf der belgischen Staatsbahnen. Brüßel, 10. Mai. Nach einer Aeußerurrg des Finanzministers erwägt die Regierung