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mit dem Kreisblatt

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für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend".Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".

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Die ^berhessifch« Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn Tnb Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich bunt- die Post 2.25 M lohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 =* frei ins Haus. Verlag von Dr. T. Hitzeroth. Druck der Univ.- Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. T. Hitzeroth). Markt 21. Tel. 55.

Marburg

Freitag, 9 Mai

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespalten« Zeile oder deren Raum 15 4, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

48. Jahrg.

1913.

Erstes Blatt.

Tie staatliche Gestaltung 'Albaniens.

Die Mächte erblicken jetzt ihre Hauptaufgabe darin, Mittel und Wege zu finden, um den neuen Staat Albanien finanziell, wirtschaftlich und politisch zu organisieren und damit überhaupt lebensfähig zu machen. Man hält die kritischsten Fragen im übrigen glücklich für gelöst. Im englischen Unterhaus wurde sogar der bestimmten Hoffnung von der Regierung Ausdruck gegeben, daß in Zukunft der Balkan gerade die Ursache eines engeren Zu­sammenarbeitens der Mächte sein werde. Andererseits melden die Blätter neue ernste Zwistigkeiten zwischen Bulgarien und Serbien in der Grenzfestsetzungsfrage. Dem steht allerdings wieder die Nachricht gegenüber, daß diese beiden Staaten sich dem Schieds­spruchs des Zaren unterworfen haben und daß die allgemeine Ab­rüstung bevorstehe. Wie sich die Dinge in Wirklichkeit gestalten, wird ja die nächste Zukunft erweisen. Jeden^lls mutz die euro­päische Diplomatie nach wie vor mit besonderer Aufmerksamkeit die Vorgänge auf dem Balkan verfolgen, die immer ihren Einfluß auf das Verhältnis der Erotzmächte ausüben werden. Die Zeiten sind vorbei, zu denen es uns herzlich gleichgültig fein konnte, wenn weit hinten in der Türkei die Völker aufeinanderschlagen." Heute wirkt jedes politische Ereignis in noch so fernen und wenig kulti­vierten Gegenden auf die Konstellation der Mächte in einer Weise ein, die unsere gröhte Wachsamkeit erheischt. Es liegen folgende Meldungen vor:

L o n d o n, 8. Mai. Die Botschafter sind heute nachmittag im Auswärtigen Amt zusammengetreten. Sie erörterten die Zukunft Skutaris und die Frage der staatlichen Gestaltung Albaniens im allgemeinen.

London, 8. Mai. Der Unionist Aubray Herbert lenkte im Unterhaus die Aufmerksamkeit des Hauses auf die Lage auf dem Balkan und nahm besonders auf Albanien bezug. Er machte den Vorschlag, eine Gendarmerie unter ausländischen Offzieren bilden zu lassen, um Albanien gegen Einfälle von Banden aus den be­nachbarten Gebieten zu schützen. Albanien solle soweit als mög­lich wirtschaftliche Freiheit erhalten. Der Unionist Euimneh wandte ein, daß ein schwaches Albanien, welches infolge der Ar­mut und Unzufriedenheit und der Anarchie im Innern andauernd gewiße nahe interessierte Mächte zur Intervention ermuntern würde, ein Unglück sein werde. Der Unionist Anson schlug vor, daß Montenegro Skutari von Albanien kaufen solle. Parlamentsuntersekretär Acland, der anstelle Greys, der an der Botschaftervereinigung teilnimmt, sprach, kam auf die Aus­führungen Aubrays Herberts zurück, der das Wort von dem Gleich­gewicht auf dem Balkan gesprochen hatte, und sagte unter an­derem:Unter Gleichgewicht verstehen wir im allgemeinen die Balanzierung entgegengesetzter Kräfte. Ich vertraue darauf, datz die zukünftige Lage der Balkanstaaten mehr als das sein wird, nämlich ein Zusammenarbeiten, wenn nicht ein Bund befreun­deter Mächte, gegründet auf gegenseitiger Achtung und dem Wunsche zu leben und leben zu laßen. Europa kann sich dazu be­glückwünschen, datz die kritischsten Fragen, welche die tatsächliche Existenz Albaniens als eines unabhängigen Staates hätte be­drohen können, gelöst sind und daß jetzt die einzige Sorge diese ist, es Albanien zu ermöglichen, ebenso unabhängig zu leben wie die anderen Balkanstaaten, um sich in Zukunft einer gedeihlichen Ent­wicklung und zivilisatorischer Fortschritte erfreuen zu können. Die Fragen, welche den Mächten als die schwierigsten erscheinen, näm­lich die Erenzfragen, sind teils erledigt, teils auf dem Wege einer freundschaftlichen Verständigung. Die politischen und wirtschaft­lichen Fragen können mehr oder weniger in Ruhe mit dem Wunsche besprochen werden, Albanien zu wirklicher Unabhängigkeit und wirklichem Fortschritt zu verhelfen, ohne die Möglichkeit, datz diese Fragen von anderen durchkreuzt werden und worüber die Groß­mächte entgegengesetzte Ansichten haben könnten. Ein Redner hat angedeutet, datz Montenegro aus dem Kriege keinen Gewinn ziehen werde. Dem ist nicht so, Montenegro wird ebenso wie seine Verbündeten Gebiet gewinnen. Dieser Gewinn wird wahrschein­lich erheblich sein. Das Schicksal Skutaris gehört zu dem be­reits abgeschloßenen Uebereinkommen der Erotzmächte. Selbst diejenige Macht, welche das größte Interesse an der Unterstützung aller serbischen Rationalitäten hat, erklärte, daß Skutari eine ganz albanische Stadt sein müße. Wir fühlen eine große E r - leichterung, daß Skutari nicht länger eine Gefahr der Ver­uneinigung zwischen den europäischen Großmächten darstellt. Man kann die verantwortlichen montenegrinischen Stellen nicht we­niger im eigenen Jntereße als in dem Europas sehr beglück­wünschen, daß sie, wenn man das Bild gebrauchen darf, von dem Baume herunterkletterten, bevor er durch eine Explosion in die Luft gesprengt worden ist, welche ganz Europa in Brand hätte stecken und sehr unbequem für die Montenegriner selbst werden könnte."

Wien, 8. Mai. DieAlbanische Korrespondenz" meldet: Nach dem Abzug der Serben aus Alessio vertrieben die Miriditen «nd Malisioren die dort befindlichen Montenegriner und h i ß t e rx die albanische Flagge.

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Konstantinopel, 8. Mat. Hebet das Küstengebiet des Wilajots Smyrna ist der Belagerungszustand verhängt worden.

Konstantinopel, 8. Mai. Wie verlautet, werden die kriegführenden Staaten eine Woche nach Beginn der Friedens­verhandlungen mit der Abrüstung beginnen.

Politische Umschau,

Das Berhältnis zwischen Kaiser and Zar.

Von vorzüglich unterrichteter Seite schreibt man über den be­vorstehenden Besuch des Zaren in Deutschland: Zwar gilt der Besuch einem Familienereignis am deutschen Kaiserhofe, aber man kann sicher sein, daß, wenn das Verhältnis zwischen Kaiser und Zar ein noch so enges wäre, bei einer politischen Mißstimmung zwischen Deutschland und Rußland von einem solchen Besuch keine Rede sein könnte. Man braucht zum Beweise nur daran zu er­innern, daß König Eduard von England trotz seiner persönlichen outen Beziehungen zum Kaiser in den Jahren der Spannung mit diesem nicht zusammentraf. Natürlich wird der Berliner Besuch, wenn er auch nur ein verwandtschaftlicher ist, Gelegenheit geben, die politische Lage zu erörtern. Es mutz bemerkt werden, datz über die H e e r e s v e r st ä r k u n g an der deutschen Ostgrenze keinerlei Verstimmung beim Zaren herrscht. Der Zar weiß sehr wohl, daß Rutzland an der deutschen Grenze ungemein viel stärker gerüstet und datz es für Deutschland eine Notwendigkeit ist, dieses Miß- oerhältnis der Heereskräfte auszugleichen. Der russische Kriegs­minister hat dem Zaren unlängst aus Anlaß der neuen deutschen Heeresvorlage einen umfangreichen Bericht über das deutsch- russische Kräfteverhältnis an der Grenze erstattet, aus dem hervor- r-eht, datz man die Lage richtig beurteilt und die deutsche Verstär­kung an der Ostgrenze nicht als eine Bedrohung Rußlands auf- fatzt. In diesem Bericht wird von der maßgebenden russischen Seite darauf hingewiesen, daß den 156 russischen Jnfanterie- bataillonen nur 115 deutsche gegenüberstehen. Auch in allen an­deren Truppengattungen ist Deutschland an der Grenze erheblich weniger stark gerüstet wie Rutzland. Der Bericht erwähnt, daß in den Provinzen Posen, Preutzen und Schlesien große Landesstrecken ohne militärische Besetzung sind und daß auch an Festungen ein Mangel besteht. Nach dem Bericht des russischen Rriegsministers stehen an der Grenze 104 Eskadrons Kavallerie, zu denen noch 56 Kosakensotnien hinzukommen. Demgegenüber hat Deutschland nur 89 Schwadronen aufzuweisen. An Artillerie ist Deutschland verhältnismäßig gut gerüstet, da es 108 Batterien Feldartilleri« und 38 Batterien Futzartillerie hat, während Rußland nur 132 Batterien aufweisen kann. Der russische Kriegsminister erkennt auch an, daß Deutschland im Hinblick auf die politische Lage, durch die Rußland als Verbündeter an die Seite Frankreichs gestellt ist, Vorsichtsmaßregeln treffen mutz, gegen die man nichts einwenden könne. Aus diesem Bericht zeigt sich also, datz man in Rutzland die Situation mit kaltem Blute und vernünftig betrachtet, und als ein Zeichen dieser Anschauungsweise ist auch der arenbesuch am deutsche Kaiserhofe zu werten. Wie seinerzeit die Zusammenkunft zwischen Zar und Kaiser, die nach der Lösung der bosnischen Frage erfolgte, dazu diente, über die politische Lage die letzte Klarheit zu schaffen, so wird auch der gegenwärtig bevorstehende Besuch des Zaren in Berlin die etwa noch bestehenden kleinen Gegensätze aus­zugleichen geeignet sein.

Die Reise Königs Alfons «nd ihre Wirkung.

Wir hatten gestern im Anschluß an eine englische Preßstimme darauf hingewiesen, daß der Besuch des Königs von Spanien eine Annäherung an die Tripleentente (Dreiverband im Gegensatz zum Dreibund) zur Folge haben werde, obwohl es von spanischer Seite verneint worden ist. Man kennt ja derartige amtliche Ableug­nungen zur Genüge, die sich vielfach nur auf Aeußerlichkeiten und Nebenumstände beziehen, den Kern der Angelegenheit aber schließ­lich nicht berühren. Mit einiger Sicherheit ist anzunehmen, datz es sich mit diesem Falle ebenso verhalten wird. Jetzt meßen auch französische Blätter den zwischen König Alfons und dem mit dem Goldenen Vlies ausgezeichneten Präsidenten Poincarö gewechsel­ten Trinksprüchen eine tiefere Bedeutung bei. So schreibt die Petite Republique":Für die Aufrechterhaltung des europäischen Friedens wäre es nicht gleichgiltig, SpanienindieTriple- Entente eintreten zu sehen und für Frankreich wäre es nützlich, an seiner Südwestgrenze jede Sicherheit und Freiheit zu haben; das würde die Verteidigungskräfte Frankreichs beträchtlich vermehren. Eewih, es kann nicht sofort von einem französisch-spa­nischen Bündnis die Rede sein, aber die Trinksprüche des Präsi­denten Poincar6 und des Königs Alfons bilden die erfreuliche Ankündigung, datz sich ein Einvernehmen auf fester Grundlage vor­bereitet." Der Madrider Berichterstatter desMatin" meldet zu einer Mitteilung derCorrespondencia de Espava", wonach zwi­schen Spanien und Frankreich Verhandlungen über ein militä- r i sch es Einvernehmen schweben, daß in der Tat seit zwei Jahren derartige Vorbesprechungen geführt werden. In Madrid hofft man, daß Frankreich und Spanien zu einem ernsten Einver­nehmen gelangen und daß ihm der Abschluß eines Handels­vertrages vorausgehen werde." Die Richtigkeit der Mel­dung von spanisch-französischen Verhandlungen wird also auch aus spanischer Quelle bestätigt. Gestern begab sich der König von Spa­nien mit dem Präsidenten Poincar6 nach Fontainebleau, wo eine Kavallerieübung stattfand. Der Präsident schenkte dem König das Pferd, auf dem er geritten hatte.

Deutsches Reich-

Zum Kaiserjubiläum. Die Reichspostverwaltung hatte ur­sprünglich die Absicht, zum Regierungsjubiläum des Kaisers eine Reihe von Kaiser-Jubiläums-Marken herauszugeben. Dieser Plan wurde dann aber aus staatsrechtlichen Gründen aufgegeben. Um aber dem Publikum, vor allem den Markensammlern, die Gelegen­heit zu geben, sich Erinnerungszeichen postalischer Art an das Re­gierungsjubiläum des Kaisers zu verschaffen, sollen die Jubi­läumskarten und -briefumschläge, die in den Tagen der Feier von

der Industrie verbreitet werden, mit einem offiziellen einqeprag- ten Wertstempel versehen werden. Die deutschen Kriegervereine beabsichtigen, dem Kaiser zum 15. Juni einen besonderen Glück- wünsch zu übermitteln. Generaloberst und Eeneraladjutant von Lindequist wird im Namen des Kyffhäuserbundes der deutschen Landes-Kriegerverbände, des deutschen Kriegerbundes und des preußischen Landes-Kriegerverbandes dem Kaiser die Glück- und Segenswünsche des gesamten deutschen Kriegervereinswesens aus­sprechen.

Das Prinzenregentenpaar in der Pfalz. Edenkoben, 8. Mai. Heute früh fuhren der rinzregent und seine Gemahlin mit den Prinzessinnentöchtern und Gefolge in fünf Automobilen von Sßillq, Ludwigshöhe durch die festlich geschmückten Ortschaften nach Lan­dau. Um 12 Uhr trafen die Herrschaften wieder in Villa Lud, wigshöhe ein.

Tin glänzender Rekord. Berlin, 8. Mai. In einer Be­ziehung haben die Sozialdemokraten im preutzischen Landtage ganz außerordentlich hoheLeistungen" aufzuweisen: sie haben sich bis­her nicht weniger als 122 Ordnungsrufe zugezogen. Der Abgeordnete Liebknecht konnte allein über 41 Ordnungsrufe quit­tieren, während der Zehngebote-Hoffmann und der Abgeordnete Ströbel auf je 22 Ordnungsrufe kamen. Man beachte dabei, daß die Anzahl der Sozialdemokraten im Abgeordnetenhause ein hal­bes Dutzend war!

Das alte Lied. Französische Militärzeitungen melden, daß das Rekrutierungsbureau für die Fremdenlegion in Mäzi^res während des Monats April 26 Ausländer angeworben hat, unter denen sich eine Anzahl von Fahnenflüchtigen befand. Von diesen 26 Ausländern waren: 14Deutsche,5 Belgier, 4 Oesterreicher. 2 Schweizer und 1 Italiener. Also wieder ein Beleg dafür, daß der Nachwuchs der französischen Fremdenlegion überwiegend deut­sches Blut ist.

Erstmalige Wahlbeteiligung der Welfen. Göttingen, 8. Mai. Der deutsch-hannoversche Wahlverein der Wahlkreise ELt- tingen-Münden beschloß im Einvernehmen mit dem Landesdirek­torium der Partei in diesem Jahre zum ersten Male sich an der Landtagswahl offiziell zu beteiligen und den Parteimitgliedern zu empfehlen, für die Kandidaten der rechtsstehenden Parteien zu stimmen.

Eröffnung der Stuttgarter Kunstausstellung. Stuttgart, 8. Mai. Heute mittag 11 Uhr wurde in Anwesenheit des Königs die Große Kunstausstellung Stuttgart 1913 feierlich eröffnet.

Bom Ausstand in Oberschlesien. Beuthen, 8. Mai. Die im oberschlesischen Industriegebiet verbreitete Nachricht, der Minister für Handel und Gewerbe komme wegen der Anbahnung von Einigungsverhandlungen dieser Tage nach Oberschle­sien, ist, einer Skntlichen Mitteilung zufolge, unrichtig. Der Han­delsminister beabsichtigt nicht, in den Ausstand, der voraussichtlich in der allernächsten Zeit mit einer Niederlage der großpolnischen Partei endet, einzugreifen und dem Anträge des grotzpolnischen Abgeordneten Sosinski auf Vermittlung zwischen den Bergwerks­verwaltungen und den ausständigen Bergarbeitern, was bereits am 5. Mai abgelehnt wurde, zu entsprechen. Bei der gestrigen Frühschicht fehlten 38 797, bei der Abendschicht 14 456. Bei der heutigen Frühschicht waren 37 100 ausständig.

Die Frag« der Eeistlichengehälter. Straßburg i. E., 8. Mai. Im Mittelpunkt der heutigen Verhandlung der Zweiten Kam­mer stand die Aussprache über die Neuregelung der Eeistlichen­gehälter. Angenommen wurde ein Revisionsantrag der Budget- kommission der Zweiten Kammer. Dieser verlangt von der Re­gierung in der nächstjährigen Session die Vorlage eines Gesetzent­wurfes, nach welchem die Regelung der Gehälter erstens auf pari­tätischer Grundlage erfolgen soll; zweitens wird verlangt, daß bi« Einkünfte über säkularisierte katholische und nicht säkularisiert« protestantische Kirchengüter in Anrechnung gebracht werden. Den Konfessionen soll drittens das Recht zuerkannt werden, ihre Be­dürfnisse durch kirchliche Umlagen zu decken. Zwischen den Sozial­demokraten und dem Zentrum kam es mehrfach zu heftigen Aus­einandersetzungen wegen der Frage des Austritts aus der Kirche und der Erziehung der Jugend in den Volksschulen. Se­gen 7 Uhr vertagte sich das Haus bis zum 20. Mai.

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Ausland.

* * Milderungsversuche bei der dreijährigen Dienstzeit. Paris, 8. Mai. Die Heereskommißion der Kammer nahm zwei Artikel des Eegenentwurfes über die Urlaubserteilung an. Abgesehen von den Sonn- und den gesetzlichen Festtagen soll die Gesamtzahl der gleichzeitig beurlaubten Mannschaften in jedem Truppenteil« ein Zehntel der gesetzlichen Effektivstärke nicht überschreiten.

* * Mißglückte Kundgebungen. Paris, 8. Mai. Der von Anarchisten und Gewerkschaftlern gestern abend unternommene Versuch, vor der spanischen Botschaft eine Kundgebung gegen den Pariser Besuch des Königs Alfons zu veranstalten, ist infolge der polizeilichen Vorkehrungen vollständig gescheitert. Die Mani­festanten, etwa 200 an der Zahl, konnten nicht einmal vor das Botschaftergebäude gelangen. Es kam zu mehrfachen Zusammen­stößen zwischen den Ruhestörern und Schutzleuten, die eine An­zahl Verhaftungen vornahmen.

* * Internationale Erörterung von Kolonialfragen. London, 8. Mai. Das Internationale Kolonialinstitut beriet gestern über die Vollstreckbarkeit kolonialer Gerichtsurteile im Mutterland« und umgekehrt. In der Aussprache vertrat Geheimrat Köbner- Berlin das deutsche System der unbedingten gegenseitigen Voll­streckbarkeit der kolonialen und mutterländischen Richtersprüche. In demselben Sinne sprachen die Vertreter von Frankreich, Jta- I lien, Holland und Portugal. Lord Reay berichtete, daß in Eng-