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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
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Marburg
Mittwoch, 7. Mai
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48. Jahrg,
1913.
6-rkies Blatt.
Jnternaliomüe Besitzung Lkutaiis.
Ein neues Moment der Entspannung ist zu verzeichnen. Morgen soll Skutari von den Montenegrinern endgültig geräumt und »on einem Landungskorps der Blockadeflotte solange besetzt gehalten werden, bis die provisorische Regierung von Albanien in der Lage ist, die von den Mächten gewünschte Organisation durchzu- führen. Gleichzeitig verlautet, daß Oesterreich und Italien schon an eine Aufgabe der Expedition nach Albanien ernstlich denken. Wenn nun auch der Abzug serbischer Truppen aus Durazzo und die baldige Einschiffung der anatolischen Soldaten, die den Hauptteil der Streitkräfte Essad und Dschavid Paschas bilden, gemeldet xotrb, so erscheinen Zweifel an der Zweckmäßigkeit einer so optimistischen Auffassung der Lage durch die beiden nächstbeteiligten Mächte doch berechtigt zu sein. Es ist nicht ohne weiteres anzunehmen, daß die während des ganzen Balkankrieges an allen Ecken und Enden bemerkbaren gegen Oesterreich gerichteten Umtriebe Rußlands und auch Frankreichs plötzlich aufhören sollten. Die ganze Skutarifrage war für Rußland offenbar nur das Mittel zum Zweck, Oesterreich unauffällig entgegenarbeiten zu können. Da Essad Pascha in Albanien bleiben will, um seine Dienste der „Neuordnung des Vaterlandes" zu widmen, besteht nach wie vor die Möglichkeit, daß er, durch leicht erkennbare Fäden gelenkt, eine den Interessen Oesterreichs zuwiderlaufende Politik befolgt. Im übrigen braucht nicht betont zu werden, daß, wenn sich w i r k - l i ch eine Expedition nach Albanien erübrigen sollte, dies für Oesterreich und Deutschland nur zu begrüßen wäre. Es läge immer für Oesterreich eine gewisse Gefahr darin, mit Italien zu einer Besetzung Albaniens zu schreiten, da es von jeher sein Bestreben war, das Festsetzen einer zweiten Großmacht am Adriatischen Meere unbedingt zu verhindern. Und wenn Italien ein, mal in Südalbanien Truppen hat einmarschieren lassen, so liegt es nahe, daß es diese ebensowenig wieder zurückzieht, als etwa England seine Truppen aus Aegypten. Deutschland kann es nur recht sein, wenn ein durchaus im Bereich der Möglichkeit liegender Krieg vermieden wird, der seine Interessen gefährdet und in den es vielleicht selbst mit hineingezogen würde. Wir heben folgende Meldungen hervor:
Wien, 6. Mai. Der Korrespondent der „Neuen Freien Presse" in Cattaro erfährt, Skutari werde Donnerstag von den Montenegrinern geräumt werden. Der größte Teil der Truppen soll entlassen sein.
W i e n , 6. Mai. In der Verzichterklärung des Königs Nikolaus auf Skutari ist, wie von zuständiger Seite betont wird, von irgend welchen Bedingungen oder dem Vorbehalt des Beschlusses der Skuptschtina keine Rede. Daher ist es auch nicht zutreffend, wenn es heißt, daß die Mächte über den Zeitpunkt und Modalitäten der Uebergabe Skutaris in ihre Hände noch beraten werden. Vielmehr haben die Kommandanten der europäischen Geschwader der Blockadeflotte bereits Instruktionen, mit der montenegrinischen Regierung die Modalitäten ü6er*en Abzug der montenegrinischen Truppen aus Skutari und über die Besetzung Sku - , a r i s unverzüglich zu vereinbare« und alsbald mit Abteilungen von Marinesoldaten in die Stadt einzurücken. Inzwischen wird auch die Negierung in Cetinje durch die Vertreter der Großmächte von den an die Blockadeflotte ergangenen Weisungen in Kenntnis gesetzt werden. Sobald die Besetzung Skutaris durchgeführt ist, Pird die Blockade aufgehoben. Die internationale Besatzung Skutaris soll solange dortbleiben, bis die autonomen albanischen Behörden gemäß dem Programm der Mächte organisiert sind.
Die „korrekte" Haltung Esiads.
*■ .Wien, 6. Mai. Die „Südslawische Korresp." meldet: Der österreichisch-ungarische, der italienische und der französische Konsul hatten in Tirana Unterredungen mit Esiad Pascha, welche ergaben, daß Esiad weder ein Königtum unter türkischer Souveränität ausgerufen, noch die Abtretung albaniscljen Gebietes im Norden oder Süden zugesagt hat. Die Berichte des italienischen Konsuls lassen die Haltung Esiads als korrekt erscheinen. Esiad Pascha hat seine albanischen Mitkämpfer entlasien und wird seine regulären Truppen mit denen Dschawid Paschas vereinig«» und nach Anatolien zurllcksenden. Esiad Pascha dürfte wahrscheinlich in Albanien bleiben und seine Dienste der Neuordnung des Vaterlandes widmen.
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Köln, 5. Mai. Zn einem Berliner Telegramm der „Kölnischen Zeitung" zur Lösung der Skutarifrage heißt es. am Schluß: Das unselige, für das Ansehen der europäischen Diplomatie gewiß nicht förderliche Hin - und Herziehen wäre erspart geblieben, wenn die richtige Einsicht in der Notwendigkeit eines entschiedenen Vorgehens sich schon früher durchgerungen hätte. Die klare und kräftige Haltung wie sie Oesterreich-Ungarn und seine Vundesgenosien von Anfang an festhielten, Par das einzige Mittel, die Alontenegriner von ihrem Vorgehen, das »ine Verhöhnung Europas war, abzubringen. Volle Anerkennung ist auch der italienischen Politik zu zollen, die großzügig und Energisch war, wie es der erhöhten Bedeutung entspricht, die sich die Auswärtige Politik des verbündeten Landes unter der Führung einer tveitfchauenden Negierung heute errang.
W i e n, 6. Mai. Die Blätter nehmen den Entschluß König Nikitas, Skutari zu räumen, mit großer Freude auf und geben der Ansicht Ausdruck, daß mit diesem Ereignis die internationale Spannung in der Hauptsache behoben sei. — Die „Reichspost" schreibt: Eins zeigt sich jetzt: In dem Augenblick, als unsere auswärtige Politik aus ihrer Passivität heraustrat und den festen Willen bekundete, das Schwert auch in die Wagschale »er Entscheidung zu werfen, wandelte sich das ganze
Bild. Nicht eine Politik des Friedens um jeden Preis, sondern die eines energischen furchtlosen Wollens, das auch vor dem eußerten nicht zurückschreckt, errang den Sieg und bewahrte uns den Frieden.
W i e n, 6. Mai. Der „Albanischen Korresp." zufolge hat der letzte serbische Soldat Durazzo am 3. Mai verlassen. In Valona herrscht entgegen andern lhrüchten Ruhe.
London, 6. Mai. Das Reutersche Büro erfährt aus Port Said: Der griechische Torpedobootszerstörer „Doxa" brachte 15 Meilen von Haifa entfernt den englischen Kohlendampfer „South- field" auf und schleppte ihn nach Kreta. Der „Southfield" soll 5640 Tonnen Kohlen an Bord gehabt haben, die für die türkischen Staatsbahnen bestimmt waren.
Cetinje, 6. Mai. Das Amtsblatt veröffentlicht die Ernennung Miuskowitsch's zum Ministerpräsidenten.
Deutsches Aerch-
— Der Geburtstag des Kronprinzen. Potsdam, 6. Mai. Die Stadt übersandte dem Kronprinzen eine Eückwunsch-Adresie zu seinem Geburtstage. Um 8 Uhr ertönte der Prinzensalut von den Uferbatterien der Matrosenstation an der Havel. Im Neuen Garten wird heute der Grundstein zu einem neuen Landhause des Kronprinzenpaares am Jungfernsee gelegt.
— Eine Reise des Kronprinzen nach Deutsch-Ostasrika ist, wie verlautet, noch für dieses Jahr vorgesehen. Es wird befruchtend, auf das politische und wirtschaftliche Leben unserer größten Ko-' lonie einwirken, wenn ein Mitglied des Kaiserhauses durch einen persönlichen Besuch wieder sein Jnteresie an der Entwicklung der Schutzgebiete zeigt. Vor einigen Jahren weilte Prinz Adalbert einige Tage in Ostafriko zur Eröffnung der ersten größeren Teilstrecke der Nordbahn, die von der Hafenstadt Tanga durch die Usambaraberge nach Moschi am Fuße des Kilimandscharo führt. Hoffentlich ist der Besuch des Kronpxinzen von längerer Dauer, damit er einen größeren Teil des Landes, namentlich des Inneren, kennen lernt und so einen richtigen Eindruck von den Verhältnisien bekommt.
— Der Besuch des Prinzregentenpaares. Baden-Baden, ß._ Mai. Heute nachmittag traf der Eroßherzog mit dem Prinz- regcnten von Bayern im Automobil, die Großherzogin mit der Prinzessin Ludwig von Bayern in einem zweiten Automobil und das Gefolge zu einem Besuch Baden-Badens hier ein. Um 4.40 Uhr kehrten die Herrschaften mittels Sonderzuges nach Karlsruhe zur- rück. — Der Prinzregent von Bayern hat zahlreiche Ordens- auszeichnungen verliehen.
— Abgeordneter Lückhoff f. Berlin, 6. Mai. Gestern ist im Alter von 75 Jahren der freikonservative Landtagsabgeordnete Louis Lückhoff gestorben.
— Die mecklenburgische Verfassungsfrage. Schwerin, 6. Mai. Heute nachmittag fand im Schlosse die Eröffnung des außerordentlichen Landtages beider Mecklenburg statt, welcher zur Beschluß- fasiung über die neue Vorlage und zur Abänderung der mecklenburgischen Verfassung einberufen worden ist. Der Eroßherzog verlas die Thronrede. Darin verwies der Großherzog auf die neue Verfasiungsvorlage, wodurch seine landesherrlichen Rechte erheblich beschränkt werden und erklärte, er erwarte von der Ritterschaft und der Landschaft die gleiche En t s a g u n g. Sodann verlas der Erbgroßherzog von Mecklenburg-Strelitz die Thronrede, die sich in ähnlicher Weise aussprach. Es wurde eine Note beider Regierungen überreicht, in der diese sich bereit erklär- ten, über Einzelheiten der Verfasiungsvorlage in kommisiarisch- deputaiische Verhandlungen einzutreten. Die Beschlußfasiung, ob das Anerbieten anzunehmen sowie die Frage, ob überhaupt ein Komitee gewählt werden solle, wurde ausgesetzt.
— Der liberale Block in Baden. Karlsruhe, 5. Mai. Zwischen den Nationalliberalen und der Fortschrittlichen Volkspartei ist nunmehr für die badischen Landtagswahlen in allen Wahlkreisen, mit Ausnahme von Mannheim, ein Abkommen auf gegenseitige Unterstützung abgeschlosien worden.
— Zurückgenommene Anschuldigungen. Anläßlich des sogen. „Falles'Krupp" hatte der Abg. Liebknecht ein sieben Jahre altes Märchen von neuem aufgewärmt, wonach die deutschen Waffen- und Munitionsfabriken in den „Figaro" einen Aufsatz ein» gechsmuggelt hätten, der den Endzweck verfolgt haben sollte, deutsche Rüstungsverstärkungen zu rechtfertigen. Das „Berliner Tageblatt" hatte auch der genannten Firma den Vorwurf der Rüstungstreiberei gemacht. Auf Grund einer Richtigstellung mutz es jedoch nunmehr einen kläglichen Rückzug antreten, indem es schreibt: „Nach dem Beweismaterial, das uns zur Begründung zur Verfügung gestellt wurde, haben wir keinen Anlaß, an ihrer Richtigkeit zu zweifeln, und damit kann der Vorwuf, daß bieJD. W. u. M. ihre geschäftlichen Sonderinteresien in unzulässiger Weise auf Kosten der nationalen Jnteresien verfolgt hätten, nicht aufrechterhalten werden."
— Einigung der Bauarbeiter. Berlin, 6. Mai. Die im deutschen Vauarbeiterverband organisierten Maurer, Betonarbeiter und Hilfsarbeiter Groß-Berlins nahmen in drei stark besuchten Versammlungen den Einigungsvorschlag an, nachdem die Zimmerer bereits vorher zugestimmt haben.
— Ein Wahlkuriosum. Berlin, 5. Mai. Der Bund der Land» wirte hat im Einverständnis mit den Vorständen der konservativen Organisationen in Salzwedel und Gardelegen beschloßen, für die Reichstagsersatzwahl im 1. magdeburgischen Wahlkreise den früheren Vertreter v. Kröcher und den Gutsbesitzer Schulze-Ritze als Kandidaten aufzustellen. Es wird den Wählern freigestellt, welchem Kandidaten sie ihre Stimm« gebenwollen. — Wie hierzu aus konservativen Kreisen erklärt wird, dürfte die ungsvöhnlich anmutend« Aufstellung zweier Reichstagskandidaten auf äugen» •
blicklich vorliegende örtliche Notwendigkeiten zurüHnführen feie und daher keine endgü tige Lösung der Kandidaturfrage bedeuten.
Ausland.
* • Annahme der Küstenverteidigungsvorlage. Haag, 6. Mai. Di« Kammer nahm mit 54 gegen 35 Stimmen den Gesetzentwurf über bi« Küstenverteidigung einschließlich des Baues eines Forts in Vlisiingen an.
* * Errichtung einer Eeschiitzsabrik. Budapest, 6. Mai. Die Regierung brachte im Reichstage einen Gesetzentwurf ein, welcher den Vertrag des Finanzministers mit den Skodawerken Akt. Ges. in Pilsen und der Friedrich Krupp Akt Ges. in Esien wegen der Errichtung einer Geschützfabrik zur parlamentarischen Genehmigung unterbreitet. Der Finanzminister wurde ermächtigt nominal 7 Millionen Kronen Aktien zu übernehmen.
* • Studentenschaft und dreijährige Dienstzeit. Paris, 6. Mai. Auf einem Festmahl des Kongresses der französischen Studentenschaft hielt der Vizerektor der Universität Liard eine Rede, in der er u. a. über- die ^dreijährige Dienstzeit sagte: „Unsere Studenten werden ihre Pflicht mit freudigem Herzen erfüllen. Aber hatte die Regierung nicht di« Pflicht, der unter die Fahnen berufenen studierenden Jugend auch möglichst die Fortseüung der Studien zu erleichtern. Der Ministerprästdent und Unterrichtsminister Barthou erwiderte: Universitätsprofesioren, denen er das Recht der Kritik nickt absprechen wolle, hätten die von dem obersten Kriegsrat abgegebene Ansickt mit einiger Ungerechtigkeit beurteilt. Was würden Sie sagen, wenn die Beschlüsse des obersten Universität^rate« in solcker Weise vom obersten Kriegsrat beurteilt würden ' Frankreick sei ein demokratisckes Land, und die Burger wurden nicht begreifen, daß es bei der Blut st euer Ungleichheiten geben soll. Aber man könne immerhin gewisie Modalitäten einführen. Di« Studentenschaft möge in dieser Hinsickt von seinem Wohlwollen überzeugt fein.“
* * Spanien und Frankreich. Paris, 6. Mai lieber die Pariser Reise des Königs Alfons erklärte u. a. Graf Romanones einem Berichterstatter: Der König ist der Ansicht, deß sein Besuch die Krönung des zwischen Frank-e-ch und Spanien abgeichlosienen Marokkovertrags sowie ein Beweis für die freundschaftlichen Gefühle Spaniens für Frankreich . bilde Der PrcEdent der französischen Republik, Poincare' werde den Besuch des Kömgs spätestens im September d. Zs. erwidern. Von einer Reife des Königs nach Rom und Berlin sei 5tsl)er trffii die Rede getreten.
* ’ Eine unnötige Sorge. Glasgow, 6. Mai. Lord Roberts sagt« gestern bei einem Frühstück anläßlich seiner Ernennung zum Ehrendoktor: „Ick bin ein Freund des deutschen Kaisers. Zch kann aber meine Augen vor den Tatsachen nicht schließen, daß hohe Militärs und Prosesioren in Deutschland zu der Jugend sprechen, als ob ein Konflikt mit England unvermeidlich sei, und wenn man dieses sieht, so ist es unsere heiligste Pflicht, alles zu tun, um für alle Möglichkeiten geschützt zu sein." — An einen Angrif f denkt in Deutschland kein Mensch.
* * Nahes Ende des Streiks. London, 6. Mai Gestern kehrten 17 000 streikende Bergleute in Südwales wieder zur Arbeit zurück. Man glaubt, daß binnen wenigen Tagen alle Bergwerke wieder in Betrieb fein werden. Augenblicklich wird die Zahl der Streikenden auf 30 000 geschätzt.
* * Immer wieder die Sttntmrechtlerinnen. London, 6. Mai. Heut« vormittag sah ein Polizist, wie eine Frau eine mit einer brennenden Zündschnur versehene Blechschachtel, die die Aufschrift „Notes for Women" trug, vor einem Hoteleingang niederlegte. Die Frau wurde verhaftet.
* * Selbstgerichtet. Saloniki, 6. Mai. Der Mörder des Königs von Griechenland, Schinas, beging Selbstmord, indem er sich aus dem Fenster stürzte.
* * Die Fiinfmächteanleih«. Peking, 5. Mai. Im Repräsentanten- Haus fand heute nachmittag eine stürmische Sitzung statt. 374 Abgeordnete waren anwesend, und von diesen stimmten 222 gegen di« Fünfmächteanleihe.
Marburg und Umgegend.
Nachdruck aller Orgtnalarttket ist gemäß tz 18 des Urheberrecht» nur mtt der deutlichen Quellenangabe jDbetteii 4ta “ gestattet »
Marburg. 7. Mai.
* Universität. Die große Zahl der Studierenden machte es auch diesmal erforderlich, die endgültige Immatrikulation auf zweimal zu verteilen. So erhielten heute früh um 11 Uhr di« Theologen, Juristen und Mediziner ihre Matrikel, heute nachmittag kommen die Philosophen an die Reihe. Der derzeitig« Rektor der Universität, Profesior Dr. Tröltsch, begrüßte bei Beginn des feierlichen Aktes heute früh die neu zur Universität gekommenen Studenten, besonders aber diejenigen, die schon früher einmal hier gewesen. Er wies darauf hin, daß die Studenten neben ihren Rechten auch geschriebene und ungeschriebene Pflichten hätten. Die elfteren beständen in der Beachtung der Statuten der Universität. Was die ungeschriebenen Gesetze anbelange, so führte der Redner weiter aus, seien die alten Sonderrechte der Studenten längst dahin, der Student sei ein Staatsbürger wie jeder andere auch. Das wesentliche Recht der Studenten, das sie vor anderen hätten, bestände darin, daß sie nach freier Wahl studieren könnten. Der ganze Reichtum der Lehrmittel der Universität stände ihnen zur Verfügung. Seine Magnifizenz nahm auch Gelegenheit, den Begriff der akademischen Freiheit zu erörtern. Die Studenten möchten die akademische Freiheit vernünftig gebrauchen und sich als gebildete Menschen benehmen, würdig des Vertrauens, das die Universität in sie setze. Exzeße hätten mit akademischer Freiheit nichts gemein. Die Univerjttät sei eine Stätte geistiger Arbeit, die nicht etwa in ödem Auswendiglernen bestehe. Wirkliche geistige Arbeit sei schwer, sie richtig zu erkennen, berechtige dazu, sich zur großen Gilde der akademisch Gebildeten zu rechnen. Neben seinem Hauptfach müße jeder Studierende bestrebt sein, sich eine möglichst umjasiende Bildung anzueignen, denn di« Universitäten seien doch dazu da, dem Staat die zu seiner Entwicklung erforderlichen besten Kräfte zu liefern. Staat und Universität ständen miteinander in engem