1913
(Srktes Blatt
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O.
Marburg
Montag, 5 Mal
Kamps putsch« Essad Pascha und Dschawid Pascha.
Tetinje, 4. Mai. Nach au» Alessia eingetroffenen Nachrichten kam es gestern vor Durazzo zwischen den. Truppen Dschawid Paschas und Essad Paschas zu einem mehrere Stunden dauernden Kampfe Dschawid Pascha ist vollständig geschlagen, seine Truppen flüchteten nach verschiedenen Richtungen. Die Serben gaben Essad Pascha den Weg nach Durazzo frei. Eia Teil der Truppen Esiad Pascha» zog siegreich in die Stadt ein. Essad Pascha soll in Zenkralalbanien Herr der Lage sein.
Paris, 4. Mai. Der „Ternps" will wissen, daß die Vertreter der Tripel-Entente in der morgigen Votschafterkonferenz die Dreibundmächte aufmerksam machen werden, daß Oesterreich-Ungarn und Italien keinerlei Mandat betr. der Operationen in Albanien und der etwa gegen Esiad Pascha und Dschawid Pascha zu ergreifenden Maßnahmen erhalten haben. Da diese Punkte nicht einmal erörtert worden seien, so könne diesbezüglich von einem Einvernehmen Europas nicht die Rede sein.
Paris, 4. Mai. Das „Journal des Debats" führt aus: Der österreichisch-italienische Plan einer Besetzung Albaniens ist das Ergebnis jenes Zauderns, welches durch die klägliche Befehdung der Flottendemonstration in den montenegrinischen Eewäsiern. und ver Durchführung der einmütigen Entscheidung in der Skutarifrage verursacht wurde. Man müßte naiv sein, um zu glauben, daß Oesterreich die günstige Gelegenheit nicht ergreif«, um auf dem Balkan festen Fuß zu fasien, und datz Italien dieses Beispiel nicht befolgen werde. Dir anderen Großmächte werden bloß wegen Albanien keinen Krieg führen. Die Mächte der Triple Entente haben jedoch eine unverzügliche Pflicht zu erfüllen. Ju der morgigen Botschafterkonferenz müsien die Vertreter Frankreichs und Englands in der Loge sein, zu erklären, daß die Befehlshaber der beiden in den montenegrinischen Eewäsiern befindlichen französischen und englischen Schiffe ermächtigt sind, Truppen tn Antivari und Dulcigno zu landen und erforderlichenfalls nach Skutari zu senden. Der Augenblick ist gekommen, um der Durchführung eines internationalen Beschlusies zur Wahrung des Gleichgewichts auf dem Balkan und Europas einen internationalen Charakter zu geben, wenn König Nikolaus nicht vollständig den Blick für die Jnleresien der Montenegriner und Serben verloren hat, und die gemeinsame Intervention der Großmächte geradezu herbeiwünscht. Man muß das überall und besonders in Petersburg begreifen, datz kein Augenblick mehr zu verlieren ist.
R o m , 4. Mai. Gegenüber der Meldung des „Temps". daß Italien und Oesterreich-Ungarn über die Teilung Albaniens oder dessen Einteilung in Einflußzonen ein Abkommen geschlosien hätten, erklätt die „Agencia Stefani" wiederholt, daß diese Meldung vollständig unbe- gründet ist.
Belgrad, 4. Mai. Die serbischen Delegierten, der früher« Ministerpräsident Nowakowitsch und der Präsident der Skupschtina Nikolitsch begeben sich am Dienstag nach London. Sie werden den Bot, schaftern eine Denkschrift der serbischen Regierung über die proportionale Aufteilung der eroberten Gebiete unter den verbündeten Balkanstaaten überreichen.
Serajewo, 3. Mai. Durch die Ausnabmeverfügungen am 2. Mai, die durch kaiserlichen Erlaß vom 1. Mai genehmigt worden sind, werden einzelne Bestimmungen des Landesstatuts aufgehoben. Einschränkungen bezüglich des Paß- und Meldewesens und der Freizügigkeit eingeführt, die Zivilpersonen unter die Militärgerichtsbarkeit ge- stellt und Einschränkung und Ueberwachung des Telegraphen- und Telephonverkehrs angeordnet.
Belgrad, 3. Mat. An der Küste von Nordalbanien sind die serbischen Truppen bis auf dreihundert Mann, die noch in Son Giovanni di Medua stehen, zurückgezogen worden. Montenegrinische Truppen haben die Küstenplätze bis zum Drin besetzt. Fünftausend Mann stehen in Alesiio.
Konstantinopel, 3. Mai. Der Minister des Aeußern hat die ottomanische Antwortnote unterzeichnet, welck« besagt: Der Sultan habe von dem Inhalt der gemeinsamen Mitteilung Kenntnis genommen, welche die Botschafter von Oesterreich-Ungarn, Großbritannien. Frankreich. Rußland, Deutschland und Italien unterm 1. Mai Übergaben. In Erwiderung darauf habe der Minister des Aeußern die Ehre, mitzuteilen, daß die Regierung von der Mitteilung Kenntnis nimmt und das Ersuchen der Mächte, die Feindesseligkeiten einzustellen, annimmt. Nachdem die Regierung die Bevollmäcktigten bezeichnet hat, wählte sie ihrereseits London als Ott des Zusammentritts der Friedensunterhändler.
Politische Umschau.
Die dreijährge Dieustzeit in Frankreich.
Auf dem Festmahl der Stadtverwaltung in Caen hielt Ministerpräsident Barthou eine Rede, in der er die Notwendigkeit der Einigkeit der Republikaner betonte. Barthou verteidigte sich energisch gegen die Unterstellung, daß er zu politischen Zwecken das patriotische Erfühl oder die Schwierigkeiten der äußeren Lage hätte ausbeuten wollen. Die wohlverdienten Siege der Dalkanstaaten stellten neue Probleme auf und machten die Berechnungen der Diplomatie zunichte. Diese würde der Gegenstand billiger Ironie, aber die Dienste müßten hervorgehoben werden, die die Botschaftervereinigung in London dem europäischen Frieden geleistet hat. Ohne die Rechte Frankreichs zu verletzen, habe die französische Diplomatie ihre europäische Pflicht getan, an Anregungen oder Demonstrationen teilgenommen, die allein den Bruch vermeiden könnten, der Unsicherheit und Gefahren in sich trage. Sie werde auch dieser Haltung treu bleiben. Barthou betonte die Friedensliebe Frankreichs und fügte hinzu, Frankreich wolle den Frieden, aber einen Frieden, der seinem Stolz und seiner Würde entspreche, nicht einen Frieden, der aus der Furcht geboren wird. Um ihn zu sichern, sei es bereit, Opfer zu bringen, die die Verteidigung verlangte. Das Land habe bereits mit instinttivem Scharfblick erkannt, daß das Gesetz über die dreijährige Dienstzeit eine Notwendigkeit sei. Barthou führte weiter aus, daß man sich nur aus unabweisbaren Gründen entschlossen habe, dem Lande ein Opfer von solcher Bedeutung au^uerlegen, aus Gründen, die den dringendsten Ra« tionalinteressen entstammten und betört seien, daß man das Gesetz
Skutari und Albanien.
Wie wir bereits in der Stadtauflage vom Samstag berichten konnten, haben sowohl Oesterreich wie Italien die letzten Vorkehrungen getroffen, um größere Truppenmasien in Albanien zu landen, und zwar will Oesterreich 50—60 000 Mann, Italien 30 000 Mann bereitstellen. Die „Tribuna" erklärt, daß eine Zahresklasie unter dis Fahnen gerufen werden würde, damit das Land nicht allzu sehr von Truppen entblöst ist. In Libyen stehen bekanntlich gegen 100 000 Mann. Die Entscheidung, ob diese beiden Mächte allein die Unternehmung gegen Albanien ausführen werden, ob im Auftrage der übrigen beteiligten Staaten oder auf eigene Faust, wird in der Botschaftervereinigung in den nächsten Tagen endgültig fallen. Wie sich Rußland dazu stellen wird, erscheint noch immer fraglich, da es nicht sicher ist, ob die russische Regierung — unter Annahme ihres guten Willens — die nötige Stärke unS Energie besitzt, um den allslawischen Bestrebungen einen Damm entgegenzusetzen. Man muß hier ernstliche Zweifel hegen, die von neuem bestärkt werden durch folgende Vorfälle. Einmal haben Mitglieder der Rechten des Reichsrates der Regierung ein Tadelsvotum ausgesprochen wegen ihrer Valkanpolitik, die die Interessen der Slawen nicht genügend wahre. Außerdem wird wieder berichtet, daß große Mengen Geldanweisungen von russischer allslawischer Seite von Triest aus nach Montenegro geschickt worden sind, deren Höhe in die Millionen gehen soll, so daß Nikita, so sagt man wenigstens, seine gesamten Kriegskosten habe decken können. Ferner ist es in Kiew zu Kundgebungen gegen Oe st erreich und Deutschland gekommen. Das sind neue Anzeichen dafür, daß aus der bevorstehenden Aktion unter Umständen Verwicklungen entstehen, in die auch das Deutsche Reich unmittelbar hineingezogen werden kann. Bulgarien und Serbien wollen neutral bleiben. Was diese Versicherung jedoch auf sich hat, beweist die Tatsache, daß, obwohl Serbien auf die Aufforderung der Mächte hin seine Truppen von Skutari zurückzuziehen erklärte, serbische Soldaten einfach in montenegrinische Uniformen gesteckt wurden. An die Neutralität Bulgariens ist eher zu glauben, da seine Streitigkeiten mit Griechenland wegen Salonitt noch nicht beendet sind.
Wenn Oesterreich und Italien von einem Vorgehen gegen Skutari und Montenenegro — wahrscheinlich nur zunächst — absehen, so lasten sie sich ohne Zweifel von dem Gedanken leiten, daß vor allem den Wünschen der Mächte entsprechend in dem neu zu schassenden albanischen Staate Ruhe und Ordnung hergcstellt werden muß. Die provisorische Regierung unter Kemal Bey ist viel zu schwach, um sich Estad und Dschavid Pascha gegenüber behaupten oder sie gar entscheidend schlagen zu können. Aus den Vereinbarungen Estads mit Nikita und der Unterstützung durch die Serben erhellt, daß Albanien unter Estad kein neutraler Staat wäre, wie ihn Oesterreich und die anderen Mächte fordern, sondern daß auf diesem Umwege Serbien indirekt doch in ausgedehntem Maße Uferstaat am Adriatischen Meere würde. Das zu verhindern, ist für Oesterreich augenblicklich wichtiger als die ganze Skutarifrage, umso mehr als sich Nikita entschlosten hat, dem Vorschlag des Ministerrates entgegen, nachzugeben, wie uns soeben in folgendem Telegramm gemeldet wird:
C e t i n j e, 4. Mai. Der Ministerrat schlug der Krone vor, in der Skutarifrage nicht nachzugeben, selbst wenn es zum Kriege kommen sollte. Da die Krone ablehnte, gab das Kabinett seine Entlassung.
AlsEntschädigungfürSkutari hat der montenegrinische Bevollmächtigte Popowitsch dem britischen Auswärtigen Amte folgende Forderungen Montenegros unterbreitet: Eine Crenzberichtigung bei Podgoritza, den Besitz des ganzen Skutarisees und die volle Benutzung desFlussesBojanaalsAus- flußdesSees.
Als höchst erfreulich im Interests des Dreibundes ist das gemeinsame Handeln Oesterreichs und Italiens hervorzuheben, da Oesterreichs Befürchtungen wegen eines dauernden Festsetzens Italiens in Südalbanien völlig geschwunden sind. Wir verzeichnen folgende Meldungen:
Rom, 3. Mai. Die ..Tribuna" schreibt: „Es besteht nicht und kann auch nicht bestehen ein neues Uebereinkommen zwischen Italien und Oesterreich über die Teilung Albaniens in Einflußgebiete. Wer dieses Märchen verbreitet, vergißt, daß gerade Italien gegenüber Europa die Herstellung eines autonomen, absolut unabhängigen Albaniens vertreten hat. Die Feststellung von Einflußgebieten würde dem Grundsatz der Autonomie widersprechen und in diesem Augenblick ein Unrecht gegenüber Europa darstellcn, welches loyal mit den näher beteiligten Mächten zusammengearbeitet hat, um rin starkes und freies Albanien herzustellen und gegen jedes Gelüste zu schützen. Man muß die Skutarifrage und die allgemeine Frage der inneren Ordnung des neuen erst rm Keim- m-ryunoenen Staates unterscheiden. Die Skutarifrage tauchte aus, als Montenegro, um dem Witten der Mächte zuwider in die Ab- Srenzung Nardalbaniens einzugreifen, Skutari noch nach der Feststellung »ey Beschlusies der Mächte besetzte in der Einbildung, der vollendeten Erenzfestsetzung seinerseits eine vollendete Tatsache ent*' «egenstellen zu können. Wenn die Londoner Botschaftervereinigung kein ßemeinfames Zwangsmittel findet, um Montenegro zur Räumung von vkutari zu veranlasien so wird Oesterreich-Ungarn diese Ausgabe übernehmen, da es am nächsten beteiligt ist. Es ist noch nicht ganz klar, was die Haltung Esiad Paschas zu bedeuten hat. Die Pforte hat ihm befohlen, sich mit seinen Truppen nach bei Türkei einzuschiffen. Die »Tnbuna" fragt, ob Dschavid Pascha nur deshalb nach Valona gezogen stt, um in die Türkei zurückzukehren oder um sich, wie es den Anschein vit Esiad Pascha zu vereinigen. Eine innere Eegenbewegung er= weint a.s möglich, wenn die provisorische Regierung von Kemal Bey park genug ist, eine solche in Gang zu bringen. Daher leuchtet d i e »lotwenMgteit ein, die Ordnung In Albanien
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage-.
wiede rherzustellen. Es ist von den Mächten als selbständiger Staat geschaffen, und es wäre deshalb zu wünschen, daß alle Mächte gemeinsam mit ihren Truppen die Ordnung wiederherstellen, wie sie es in China und Kreta getan haben. Aber im Unterschied zu China und Kreta find hier zwei Mächte, nämlich Oesterreich-Ungarn und Italien, an dem albanischen Problem mehr beteiligt al» die übrigen. Es ist möglich, daß die Mächte die undankbare Misiion auf Oesterreich-Ungarn und Italien abzuwälzen wünschen. Oesterrech-llngarn hat fich bereit» dazu angeboten, zu handeln. Italien wird nicht Nein sagen können. In Voraussicht neuer oder ernster Ereignisse, welche ein« Intervention Italiens in Südalbanien verlangen könnten, hat der Kriegsminister verfügt, daß die zur Bildung eines Armeekorps erforder- lichen Tnippeneinheiten vervollständigt werden. Es dürfte eine Division genügen, aber es muß eine Reserve bereit sein, wenn die Expedition beschlosien weiden sollte, so müßte, um das Land nicht ganz zu entblößen — 100 000 Mann stehen in Libyen — eine Zahresklasie einberufen werden. Diese Klasie ist indesien bisher nicht einberufen worden, weil es wahrscheinlich ist, und zu hoffen steht, daß die innere Lage Albaniens sich nicht in einer Weise verschlimmert, die eine Intervention notwendig macht. Was die Flotte anbetrifft, die nur erforderlich ist, um die Operationen bei der Ausschiffung der Truppen zu unterstützen, so ist sie bereit. Es handelt sich, wiederholt die „Tribuna", um Vorsichtmaßnahmen, weil noch nicht alle Hoffnung verloren ist, daß die schwerwiegende albanische Frage aus der Londoner Konferenz und in Albanien selbst ihre friedliche Lösung findet.
Wien, 3. Mat. Wie btt „Reue Freie Presse" ans biplomatischen Kreisen erfährt, sind die Verhandlungen zwischen der österreichischen und der italienischen Regierung noch nicht abgeschlosien. Italien ist bestrebt, die bevorstehende Aktion nur aus albanischen Boden zu beschränken, um jede Komvlikation zu vermeiden. Militärische Kreise Wiens vertreten dagegen die Ansicht, daß es sowohl aus politischen wie militärischen Rücksichten unumgänglich notwendig ist, die Aktion gegen Skutari auch zugleich auf montenegrinischem Boden durchzu- führen. Man glaubt, die militärische Operation solle von beiden Mächten gleichzeitig ins Werk gesetzt werden und längstens Mitte nächster Woche beginnen. Vis dahin wird auch die Frage entschieden sein, ob dann die Schiffe der Demonstrattonsflotte von den Übrigen Mächten zurückgezogen werden oder nicht.
Rom, 3. Mai. Der „Agenzia Stefani" wird aus Wien gemeldet: Anläßlich der Meldung eines Pariser Blattes, daß Esiad Pascha bi« epirische Grenze, wie sie von Griechenland festgesetzt worden sei, anerkannt hätte, wird versichert, daß Oesterreick,- und Italien fich darüber verständigt haben, daß alle Handlungen Essad Paschas und seine Vereinbarungen mit den an Albanien angrenzenden Staaten als null und nichtig zu erklären seien.
Di« Ministerberatungen.
Wien, 2. Mai. Die „Neue Freie Presie" meldet zu der heutigen gemeinsamen Ministerberatung: Der Zweck der Beratung war, vorwiegend jene Maßnahmen der inneren Verwaltung zu erörtern, welche im Falle eines auswärttgen Konfliktes notwendig wären, sowie Maßnahmen finanzpolitischer Natur zu besprechen. Entscheidende Beschlüsie für die auswärtige Politik hatte der Ministerrat nicht zu treffen, weil es sich dabei um Kronrechte handelt welche ausschließlich dem Kaiser als dem obersten Kriegsherrn zustehen. Die Minister wurden über die Lage eingehend unterrichtet und aufgesordett, jene inneren Vorbereitungen zu treffen, welche im Ernstfälle notwendig sind. — Die „Neue Freie Presie" erfährt aus diplomatischen Kreisen, daß zwischen den Kabinetten von Wien und Rom gegenwärtig eifrigst über die Verhältnisie Albaniens verhandelt wird. Aus den hier eingetroffenen Nachrichten aus Albanien hat man den Eindruck, als ob dort vollständige Anarchie herrscht. In einzelnen Gegenden sollen bereits blutige Kämpfe zwischen den Angehörigen der verschiedenen Parteien stattgefunden haben. Dies befestigt daher Italien immer mehr in bet Ansicht, daß es di« Pflicht der beiden Großmächte wäre, im Lande Ordnung zu fchaffen. Die italienische Regierung will damit gleichzeitig den griechischen Aspirationen einen Riegel vorschieben. Falls es zu einer gemeinsamen Aktion Oesterreichs und Italien kommt, würde Oesterreich Medua und Durazzo, Italien Santi Quaranta und Valona besetzen.
W i e n, 3. Mai. Die „Reue Freie Presie" erfährt über den heutigen Ministerrat: Außerordentliche Maßnahmen, die mit bet auswärtigen Krise zusammenhängen, wurden im heutigen Ministerrat nicht getroffen, auch nicht die angekündigte Verhängung bes Ausnahmezustanbes über Dalmatien. Jeboch ist für Montag ober Dienstag ein neuerlicher Ministerrat in Aussicht genommen und wenn bis bahin ber Ernst- fa cingetreten sein sollte, so ist eine große Reihe einschneibenber Maßnahmen vorbereitet, bie sich auf bie Aufrechterhaltung ber Orbnung in den Grenzgebieten, bas Verkehr-, Transport- und Verpflegungswesen beziehen. Gleichzeittg würde die Schließung der Reichsratsfesiion erfolgen.
Die Haltung der Verbündeten.
Sofia, 3. Mai. Das Regierungsorgan „Mir" bezeichnet die in gewissen europäischen Blättern verbreiteten Gerüchte, nach welchen bie bulgarische Regierung bie Verpflichtung eingegangen fei Montenegro bei ber Durchführung feines Aktionsplanes in Albanien im Vereine mit diesem oder jenem albanischen Führer und in direktem Widerspruch mit dem unzweideutig kundgegebenen Eesamtwillen Europas zu unterstützen, als jeder Begründung entbehrend.
Wien, 3. Mai. Die „Südflavische Korrespondenz" erfährt aus Belgrad von ber Regierung nahestehender Seite, baß ber Ministerpräsident in einer Unterrebung mit biplomatischen Persönlichkeiten bie Skutarifrage unb biesbezüglich bie Stellungnahme Serbiens bahin gekennzeichnet habe, baß Serbien bei aller Sympathie für Montenegro einem bewaffneten Konflikt ausweichen wünsche unb eine Unterstützung Montenegros, welche über biplomatische Wege hinausgeht, nicht in Erwägung ziehen könne. — Die „Neue Freie Presie" berichtet aus Belgrad: Die Stimmung in Serbien ist erregt. Die Haltung Serbiens zu den kommenden Ereignisien hängt davon ab, ob Ministerpräsident Pafitfch stark genug ist, die nationalistischen Strömungen für eine aktive Unterstützung Montenegros einzu- bämmen. Bis heute zeigt bie serbische Regierung keine Neigung, sich in einen Krieg mit Oesterreich-Ungarn verwickeln zu taffen, schon mit Rücksicht barduf, baß das Verhältnis zu Bulgarien noch immer ungeklärt ist.
Sofia, 3. Mai. Wie in eingeweihten Kreisen verlautet, soll Rußland in Sofia und Belgrad mitgeteilt haben, daß es, nachdem Serbien und Bulgarien sich über die Teilung ber strittigen Gebiete nicht einigen konnten, die Schiedsrichterrolle Übernehmen wolle.
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