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I Reif« nach Wiesbaden »nd Frankfurt e, M. abgesagt habe, ist »«richtig.

Fahrradindustri« und Heeresverstitrkung. Berlin, 2. Mai. Infolge der Bildung von Radfahrkompagnien und der sonstigen Neuformationen ergibt stch ein starker Bedarf an Fahrrädern. Das Eefamterfordernis wird für das preußische Militärkontingent 848 150 M betragen, davon werden zunächst 442150 M. angefor­dert. Es ist die Reubeschaffung von 1865 Fahrrädern vorgesehen. Hiervon entfällt der Hauptteil mit 1624 Stück aus die Radfahrer­kompagnien, mit 90 Stück aus die 15 neuen Infanteriebataillone und mit 36 Stück auf die neuen Kavallerieregimenter, die übrige Zahl verteilt sich auf die anderen neuen Formationen.

Die Auflösung des Abgeordnetenhauses. Berttn, 2. Mai. DieRordd. Allg. Ztg." schreibt:In parlamentarischen Kreisen wird damit gerechnet, daß das Abgeordnetenhaus noch vor den am 16. Mai stattfindenden llrwahlen für die neue Legislaturperiode zur Auflösung-gelangen wird. Diese Auflösung würde ebenso wie es 1873, 1876, 1879 und zuletzt 1908 der Fall gewesen ist, lediglich eine formale Bedeutung haben und den Zweck verfolgen, dem neuzuwählenden Abgeordnetenhause den Zusammentritt schon vor dem 26. Juni, dem Tage, womit die Legislaturperiode des jetzigen Abgeordnetenhauses durch Zeitablauf beendet sein würde, zu ermöglichen. Ein politischer Zweck würde selbstverständlich mit einer solchen lediglich aus formalen Gründen erfolgenden Auf­lösung nicht verbunden sein.

Verhaftung wegen Landesverrats. Essen, 2. Mai. Wegen Landesverrat wurde auf Ersuchen der Essener Polizei ein Gastwirt in Aachen verhaftet, außerdem noch drei Personen, darunter ein Sprachlehrer. Die Untersuchung ergab großes Belastungsmaterial.

Uebungsmarsch und Hitze. Sttaßburg, 2. Mai. Um den übertriebenen Zeitungsberichten entgegenzutreten, ersucht das Generalkommando des 15. Armeekorps um Aufnahme folgenden, dienstlich festgestellten Tatsachenberichtes: Bei den am 29. April d. I. stattgehabten llebungen des Regiments Rr. 132 erkrankten 28 Mann an Marschohnmacht. Davon wurden 18 in das Lazarett ausgenommen, 10 Leichtkranke blieben in der Kaserne in Revierbehandlung. Bei zweien der Lazarettkranken lag der Verdacht auf Hitzschlag vor. Das Befinden sämtlicher Mann­schaften war schon am 30. April zufriedenstellend, und auch bei den beiden zuletzt erwähnten Leuten nicht mehr besorgniserregend. Auch heute befinden sich die Leute wlchl. Neue Zugänge sind nicht rwrgekommen. Die höchste Marschleistung hat 33 Kilometer, bei einzelnen Kompagnien nur 21 Kilometer betragen. Die Mann­schaften wurden mittags bei Lampertsheim während einer mehr­stündigen Rast aus Feldküchen gespeist. Die Ursache der Marsch­erkrankung liegt lediglich in der unvermittelt schnell einsetzenden großen Hitze, an die di« Mannschaften noch nicht gewöhnt waren.

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Koloniales.

Weitere Verwalt«ngsübernahme in Neu-Kamerun. Nach einer Meldung des Gouverneurs von Kamerun ist entsprechend dem Verner Abkommen am 1. April d. I. die Station Carnot am oberen Ssanga und das zugehörige Gebiet von den franzöfischen Behörden an die deutsche Verwaltung übergeben worden.

Die deutsch-englische Grenzreguliernng zwischen Kamerun und Nigeria ist nach einem Bericht des Leiters der deutschen Abteilung, Oberleutnant Detzner, am 12. April d. I. beendet worden. Die schwierige Vermarkung der etwa 1000 Kilometer langen Grenze hat ein halbes Jahr in Anspruch genommen.

Ausland.

Line Sisyphusarbeit. Paris, 2. Mai. Die parlamentarische Schiedsgerichtsgruppe nahm in einer von zahlreichen, namentlich der radikalen und sozialistischen Pattei angehSttgen Dcputietten und Sena­toren besuchten Versammlung einstimmig «inen Beschlutzantrag an, in welchem es heißt:Die Schiedsgerichtsgrupp« gibt sich, indem sie sich auf der Berner Konferenz vertreten läßt, keineswegs der Selbsttäuschung hin, zu glauben, daß diese Konferenz in zweckdienlicher Weis« di« Erörterung aller Fragen in Angriff nehmen könne, welche Frankreich und Deutsch­land kennen. Die Vertretung der Gruppe wird entschieden jede Gemein­schaft mit den verabscheuenswerten chauvinistischen Aufhetz­ungen ablehnen die auf beiden Seiten der Grenze den gesunden Sinn und die Vaterlandsliebe der Völker auf Irrwege zu bringen drohen. Sie wird versuchen, ob es nicht möglich ist, die Regierungen der militärischen Großmächte dazu zu bringen: Erstens zum mindesten den Versuch eines Stillstandes in d«m Anwachsen ihrer Marine» und Heeresausgaben zu unternehmen, zweitens die gegenseitige Verpflichtung «inzugehen Im Falle eines akuten Zwistes zu einer gütlichen oder juridischen Lösung zu gelangen. Schließlich fordett die Gruppe ihre Vertretung auf, zu prüfen, ob es nicht möglich wäre, daß von beiden Seiten ein Ausschuß eingesetzt wird, welcher die in Zukunft Frankreich und Deutschland berührenden Fragen zu studieren und gegebenfalls in dringender Weise sich zu ver­sammeln hätte, um den beiden Regierungen seinen Beistand im Sinne der Versöhnung anzubitten.

Die Kämpf« in Marokko. Paris, 2. Mai. Aus Rabat wird ge­meldet: Die Truppenabteilung des Obersten Henry schlug in der Rähe von Mettnez nach mehrfachen Scharmützeln aufständisch« Asru-Leut« in die Flucht. Franzöfischerseits wurden rin Unteroffizier und mehrere Senegalschützen verwundet. Wie aus Nechilla (Ostmarokko) gemeldet wird, lagett gegen 15 Kilometer von dem französischen Militärposten ent­fernt eine zahlreiche Harka von Anhängern El Hibas.

* Bttgarbeiterausstand. London, 2. Mai. Infolge der Deschästi- gung Nichtorganisierter find über 20000 Bergleute ln den Koh­lengruben von Süd-Wales in den Ausstand getreten. Im Distrikt Swansea wird jedoch in allen Kohlengruben mit Ausnahme von einer gearbeitet.

Morgans Reichtum. Rewyork, 1. Mai. Zur Versicherung der Kunstschätze des verstorbenen Pierpont Morgan sind Betträge in der Höh« von 23 Millionen Dollars abgeschlossen worden.

* Unerkeunung der Republik China. Washington 2. Mai. Der Ge- schäftsträger der Vereinigten Staaten in Peking Williams, brachte die ftrmelle Anerkennung der chinesischen Republik seitens dtt Vereinigten Staaten der chinesischen Regierung zur Kenntnis.

Marburg und Umgegend.

Rachdruck aller Orginalattikel ist gemäß q 18 des llrheberrecht, mir mit Der deutlichen Quellenangabe JSbetbefi Ztg? gestattet l

Marburg, 3. Mal.

* Universität. Gern berichten wir davon, daß gestern Herr Professor Elster ein« Kollegstunde dem Andenken des gefeierten Führers der germanistischen Wissenschaft. Erich Schmidt, widmete, dessen Todesnachricht durch das Land geht. Ganz unter dem Situ druck des schmerzlichen Verlustes, den die Literaturwissenschaft be­klage, stehend und sich selbst an dem Gegenstände sttner Darlegun­gen begeisternd, entwarf Prof. Elster ein lebendiges Bild Erich Schmidts als des Schöpfers mustergültiger Werke, als des akademi­schen Lehrers, dem zu Füßen zu fitzen jedem Schüler eine Gunst ge­wesen sein muffe, als des Organisators, der er gewesen in der Lei­tung des Eoethebundes und in dem Glanzjahr seines außerordent­lich reichen Lebens, als Jubelrettor der Berliner Universität. Der Nachruf gipfelte in der Zeichnung der Persönlichkeit Erich Schmidts, seines wissenschaftlichen Taktes, seiner Künstlerseele, seines Stile« (wobei die nicht eben würdigen Angriffe Eduard Engels gründlich abgewiesen wurden), seines unbedingt gewinnenden Wesens. Der Siel zu frühe Tod Erich Schmidts habe in die Reihen der Ger­

manisten eine Lücke gerissen, die sich auf lange Heft nicht völlig werde schließen können.

* Universität. Aus Halle wird gemeldet: Die hiefige Leopol- dinisch-Karolinischs Deutsche Akademie der Naturforscher verlieh dem o. Profeffor der Geographie Dr. Leonhard Schultze in Mar­burg die goldene Cortenius-Medaille.

Universität. Die endgültig-! Immatrikulation findet am Mitt­woch, den 7. Mai in der Aula der Universität statt und zwar um 11 Uhr für die Theologen, Juristen und Mediziner und «m 3 Uhr für die Philosophen.

Akademische Lesehalle. Am Donnerstag, den 8. Mai, von nach­mittags 4 bis 7 Uhr, findet nu llnioersitätssekretariat die Wahl tarier Vorstandsmitglieder aus der Studentenschaft statt. Näheres ist aus dem Anschlag am schwarzen Brett ersichtlich.

* Zur Landtags wähl. Der Kultusminister hat durch Erlaß vom 9. April d. Js. angeordnet, daß die Lehrer an dem noch in die Pfingft- ferien fallenden 16. Mai in ihrem Dienstorte anwesend sein muffen, um ihr Wahlrecht ausüben zu können. Der Tag ist fit viele Schulen nut der Wahl wegen zu den Pfingstfetten gerechnet worden, also nicht Feier­tag im eigenüichen Sinne des Wortes.

* Di« wen« Org«l in der lutherische« Kirche, deren Abnahme jetzt erfolgt ist, wird, wie wir gestern bereits ankündigten, bei dem morgigem Frühgottesdienste eingeweiht. Die alte Orgel, die aus dem Jahre 1727 stammte und die viele durch Reparaturen nicht mehr zu beseitigende Mängel zeigte, ist jetzt in würdiger Weise erseht. Die neue Orgel, die aus der Orgelbauanstalt der Firma Walcker & Eo. aus Ludwigsburg stammt, enthält, wie wir schon früher einmal mitteilten, 47 Register, die sich auf drei Manuale und ein Pedal verteilen, außerdem einen Roll- und Jalousie­schweller, ein automatisches Pianopedal, fünf feste und zwei freie Kombinationen. Die Pfeifen des dritten Manuals stehen in einem Schwellkasten. Der Windbedarf wird durch einen elektrisch betriebenen Walckerschen Luftschleudermotor beschafft. Für ein etwaiges Aussetzen ist jedoch eine Einrichtung für Handgebläse vor­gesehen.

* Zur Verschönerung des Etadtparks. Wie wir erfahren, stiftete Frau Geh, Rat Glaser in hochherziger Weise die seither in ihrem Park in Sisselberg befindlichen drei großen, sehr wertvollen Marmor-Statuen der Stadt Marburg. Es wird beabsichtigt, sie an verschiedenen Punkten unseres Stadtparks zur Aufstellung ge­langen zu taffen. Daß die Anlagen unseres Stadtparks, um deren Ausgestaltung man ja immer bemüht ist, durch diese Marmor­gruppen um eine neue Anziehungskraft bereichert werden, ist dankbar anzuerkennen. Pflicht des Publikums ist es, zum Schutze dieser Anlagen beizutragen.

Ei» «rank«»automobil, das allen Anforderungen in hygienischer und technischer Beziehung entspricht, ist für die hiesigen königl. Kliniken angeschafft worden. (Es enthält zwei Tragbahren, einen Sitz für den Begleiter, Waffetltttung, Sprachrohr zum Wagenführer, elekttisches Licht, Luftklappen und hat den weitete» Vorzug heilbar zu sein, und infolge Federung den Kranken vor Stößen zu bewahren. Der Wagen ist durch di« hiefige Bettretung (O. Nahler) der Firma Ben, geliefert worden.

Der Sattenbau-Berein unternahm gestern einen Ausflug nach der Gatten- und Obstbau-Lehranstatt Obetzwehren bei Eaffel. Unter Führung des in ganz Hessen bestens bekannten Garteninspektor Herrn Carl Huber wurden die Anlagen eingehend besichtigt. Es war außer­ordentlich intereffant die verschiedenen Versuchsfelder für Unterkul- tuten, für Düngungen, Sortenwahl, auch der Lehrmittel usw. beobachten zu können. Die bereitwillig« und anregenbe Führung durch Herrn Huber fand besonders große Anerkennung. Es sei ihm hierfür auch an dieser Steve gedankt.

* Neuansptägung von Fünfmarkstücke». Dem Bundesrat liegt eine Vorlage auf Ausprägung von Fünfmarkstücken int Wette von 20 Mil­lionen Mark vor. Seit dem Jahre 1909 find seit der Ausprägung der neuen Dreimarkstücke, mit der im Jahr« 1908 begonnen wurde, kein« FSnfmatkstück« mehr zur Ausprägung gelangt. Nunmehr hat fich aber bei der Reichsbank eine vermehrte Nachfrage nach Fünfinarkstücken her- ausgestellt, da dieses Geldstück btt Lohnzahlungen in steigendem Maß« Verwendung findet.

* Abschaffung der Fünfundpoanzigpfennigstücke. Endlich werden wir diese Rickelmünzen mit ihrer faden, flachen Prägung los. Im Pub­likum begegneten di« Fünfundzwanzigpfennigstücke, obwohl ein Bedürf­nis für Mettelmarkstücke bestand, von Anfang an großer Abneigung. Und wer, was ja gerade nicht häufig vottam, in den Besitz solcher Großnickel gelangte, beeilte sich, sie sobald als möglich weiterzugeben. Nun find die Tage der Fünfundzwanzigpfennigstücke im Verkehr ge­zählt. Don der Neichsregierung ist mit Rücksicht auf die Unbeliebtheit der Fünfundzwanzigpfennigstülte die Abschaffung dieser Münze 6t* schloffen worden.

* Fundgegenstände. Als gefunden wurden im Monat Avril bei der Polizei gemeldet: 3 Ringe, 1 Korallenhalskettchen, 1 Me­daillon mit silbernem Kettchen, 1 Klemmer, 1 Etui enth. Visiten­karten, 1 Zigarrenetui, 1 Buch, 1 Zirkel, 1 gestrickte Weste, 1 Kin­derjäckchen und 1 gold. Armband. Ferner in den Wagen der elek­trischen Sttaßenbahn: 4 Schirme, 1 Stock, 2 Paar Handschuhe und 1 kl. Schlüssel. Die rechtmäßigen Eigentümer wollen fich zwecks Geltendmachung ihrer Rechte innerhalb 6 Wochen im Kiliansge- baude, Zirnrher Rr. 9 (Polizrigsekretariatj melden, andernfalls anderweit über die Sachen verfügt werden wird.

Strafkammer. Ein junger Mann aus dem Kreife Biedenkopf, bet sich des Betrugs schuldig gemacht hatte, würde zu 1 Monat Ge­fängnis verurteilt.

«ertammlaeflen, Konzerte. Theater, vergnügungsnachrichten ns»

* Konzert im Bad Marbach. Morgen nachmittag findet im Kurhaus, bei günstigem Wetter im Garten, Konzert der Iägerkapelle statt.

eiUctg, 2. Mai. Am 3. Pfingsttag wird hier ein Missionsfest abge­halten.

Laasphe, 2. Mai. Wie alljährlich an diesem Tage wat unser Städt­chen heute auch das Ziel vieler auswärtiger SStreine, Gesellschaften usw. Auch diesmal fehlten die alten, treuen Himmelfahrtsgäste nämlich einige Marburger Studentenverbindungen, nicht.

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Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

Caffel, 2. Mai. Ein verheerendes Schadenfeuer zerstörte gestern varmittag gegen 8 Uhr in der Waggonfabrik von Wegmann u. Co. im Stadtteil Rothenditmold die umfangreich« Tischlerei, Sattlerei, Polsterei, Stellmacherei und die gesamte Polieranlage, die in einem großen Neu­bau untergebracht waren. Das Feuer ist vermutlich durch Selbstent­zündung entstanden. Der Schaden ist sehr bedeutend. Bei den Aufräu­mungsarbeiten wurden zwei Feuerwehrleute schwer verletzt.

Sermerode, 2. Mai. Das Töchterchen eines Landwirts in Abterode suchte mit anderen Kindern auf der Wies« di« gelbe Primel und saugte sie ans. Wahrscheinlich waren jedoch auch Giftplanzen darunter. Es stellten fich alsbald di« deutlichen Anzeichen einet gefährlichen Blutver­giftung rin, indem das Kind am ganzen Körper stark anschwoll. Ein Eschweget Arzt führt« durch Einimpfung von Gegengiften eine baldige Wendung zum Befferen herbei.

Wrikburg, 2. Mai. Zwei Gastwirten aus Haintchen find auf einer Spazierfabtt mit dem SBageit die Pferd« durchgegangen. Der Wagen wurde zertrümmert; einer der Insassen ist tot, der andere lebensgefähr­lich verletzt.

Ftautfart, 2. Mat. Für den Wettstrrit deutscher Männergesangver­eine, dem der Kaiser beiwohnen wird, find die folgenden Preisrichter er­nannt worden: Hoskapellmeister Dr. Beier-Cassel, Profeffor Buths- Düffeldorf, Profeffor Fleisch-Frankfurt Profeffor Förstler-Stuttgart, Bun- deschormeister Profeffor Hielscher-Brieg, Geheimrat Profeffor Kretzsch- mar-Berlin, Profeffor Eigfried Ochs-Berlin, Profeffor Sitt-Leipzig, Pro- feffor Taubett-Berlin und Generalmusikdirektor v. Schuch-Dresden, fer­ner als Mitglieder de rKommifsio» Graf Hülsen-Häseler als Vorsitzender, Ministerialdirektor Dr. Schmidt als stellvertretender Vorsitzender, G» heimtat Ma; Friedländer und Profeffor Hugo Rüsel-Betlin,

Darmstadt, 2. Mat. Heute nachmittag 5 Uhr sand fflri^t« am Mitte woch verunglückten Flieger Leutnant v. Mirbach und Leutnant v. ißrumt' in der Siadtkirche Militärgottesdienst statt an dem das gesamte DffU zierkorps und Abordnungen der einzelnen Truppen teilnahmen. So­dann erfolgte unter großem mUitärischen Geleit« die Ueberfilhrung tat Leichen nach dem Hauptbahnhof, von wo sie in di« Heimatsort« bet Verstorbenen, Stralsund bezw. Hannover, verbracht werden.

Unna, 2. Mat. In der vergangenen Woche ereignete stch der sehr seltene Fall, daß das hiesige Amtsgerichtsgefängnis während einer Reihe von Tagen keinen einzigen Znsaffen beherbergte. ,, ,

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Unweüer-Nachrichten.

Wie wir gestern schon kurz berichteten, tobte am Himmelfahrtstage im Gebiet bet Ederialsperre ein heftiges Unwetter. Von den Nachrichten die hierüber jetzt votliegen, dürften folgende interessieren:

Ein furchtbares Unwetter, ein schwerer Wolkenbruch mit zehn Mi­nuten andauerndem vernichtenden Hagelschlag hat fich am gestrigen Nach­mittag in den Stunden zwischen 4 bis 6 Uhr im oberen (Ebertale, insbe­sondere in dem Gebiet der Ederialsperre an der hessisch-waldeckischen Grenze im südlichen Teile des Fürstentums Waldeck und dem angrenzen­den Gebiete Kurheffens, im mittleren Schwalmtale, entladen. Es ist der Eisenbahndamm auf bet neuen Bahnstrecke zwischen den Stationen Berg­heim, Eifflitz und Anraff in Waldeck auf eine Ettecke von 50 Fuß und mehr gerutscht und weggeriffen, sodaß der Eisenbahnverkehr vollständig unterbrochen ist. Man hofft jedoch, den Eisenbahndamin im Laufe des Tages wieder Herstellen zu können. Am schlimmsten scheint überhaupt di« Gegend zwischen Bad Wildungen und Schloß Waldeck, welche bekanntlich sehr gebirgig und schluchtenreich ist, von dem Unwetter betroffen zu sein. Namentlich bei dem im niedrigen Gelände am Ausgange des großen Jinmengraben" gelegenen Dorfe Anraff kamen von den hoch gelegenen Bergen und Feldern die Waffermaffen in einer mehrere Fuß hohen Flut­welle plötzlich aus demImmengraben" herausgeschossen und richteten ein schlimmes Zerstörungswerk an. In Berndorf mußte mit größter Schnelligkeit das Vieh aus den Ställen gerettet werben. In Mühlhausen stand das Wohnhaus des Gastwirts Knielang infolge Blitzschlags in Flammen. Bei Warburg schlug der Blitz in eine Waldhütte, in tat mehrere Arbeiter Schutz suchten. Einer wat sofort tot, zwei ander« wur­den schwer verbrannt. In Iggenhausen (Lipp«) wurde der Gemeinde­vorsteher Häscher durch den Blitz getötet.

Aus dem Auslande liegen folgende Nachrichten vor: Petersburg, 2. Mai. Aus den Wolgastädten sind Nachrichten eingelaufen von großen Schäden, die ein Orkan mit darauf folgendem Schnee und Frost ange­richtet haben. In Samara, Saratow und Isimbirsk sind eine große An-- zahl von Kähnen gesunken, mehrere Barken wurden von den Ankern los- getiffen und mehrere Flöße gesprengt. In Isimbirsk zerschellte ein klei­ner Dampfer. Die Mannschaft ist gerettet worden, nur ein Mann wird vermißt. Zu Land« sind viele Dächer beschädigt und Dächer fortgeriffen worden. Paris, 1. Mai. Auf die Hitze der letzten Tage folgte gestern auf einen plötzlichen Wettersturz eine empfindliche Kälte, die in vielen Orten bis zum Gefrierpunkt ging. In Mittelfrankrrich in der Gegend von St. Etienne fiel reichlich Schnee.

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Vermischtes

Vögel als Brandstifter. Daß heute unser« fottgeschrittene Technik ost auch Ursache für die Entstehung von Bränden ist, ist «ine altbekannte Tatsache. Man findet hierbei jedoch immer verhältnismäßig leicht die Ursache des Brandes und kann Vorkehrungen treffen, um die bestehen­den Mängel abzustellen. Daß aber auch Tiere, insbesondere Vögel als Brandstifter in Frag« komm«n, ist eine gewiß ebenso selten« wie unbe­kannte Taffache. Ein derartiger Fall ist vor etwa zwei Jahren in Württemberg paffiett und dabei wurde der Betrieb einer Ueberland- zenttal« arg gestört. In einer Gemeinde, die Licht von dem Werk« be­zieht, zeigten sich plötzlich in den Häusern zahlreiche, starke Feueret- scheimingen in Verbindung mit einem beunruhigenden Geräusch. Es entstanden auch einige Brände, die zwar meist gelöscht werden konnten, in einem Falle jedoch zur völligen Einäscherung eines Gebäudes führten. Man ging der Ursache aus den Grund, es dauert« aber eine geraume Zeit, bis man die Lösung des Rätsels gefunden hatte. Man stellte nämlich zur allgemeinen Ueberraschung fest, daß ein Sperber auf eine Schar von Staren Jagd gemacht und diese am Ttansfotmatorenhaus Schutz gesucht hatten. Dabei hatten sie sich, um von dem Schlupfwinkel einen möglichst großen Nutzen zu ziehen, zwischen die eisernen Stützen bet Hochspannungsisolatoren und die zum Zwecke der Blitzsicherung an­gebrachten Droffelspulen gesetzt, wodurch Kurzschluß entstanden wat. Dieser wäre jedoch nicht gefährlich geworden, wenn nicht die zur Ab­leitung dienende Erdplatte durch Wafferrnangel im Erdreiche ihren Dienst versagt hätte. Dadurch war die Hochspannung gezwungen, einen anderen Weg zur Erreichung des Erundwaffers zu suchen und gelangt« so in die Häuser. Der wahre Zusammenhang wurde zuerst daran er­kannt, daß In der Umgebung des Transsotmatorenhauses zahlreich« verkohlte Leichen von Staren Herumlagen, unter ihnen freilich auch jener Sperber.

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Mitteilungen aus dem Leserkreise.

Unter dieser Rubrik veröffentlicht die Redaktion Stimmen aus ihrem Leserkreis. Für die hierin ausgesprochenen Ansichten und Tendenzen übernimmt die Redaktion (außer der prehgesetzlichen) (eint Ver ant» wortnng, btefe bleibt vielmehr dem Etnsendet überlasten.

Zu« Stichwahl!

Unter Hinweis auf unseren heutigen Wahlaufruf unterbreiten wir bet Oeffentlichtett folgende Ausführungen:

Di« zur Vorbereitung der Stadtverordnetenwahlen zusammeng«. kommcnen Vertretet tat einzelnen Vereine haben tatWähleroereini­gung tat dritten Klaffe" durch Uetarlaffung der beiden verfügbare» Mandate das denkbar größte Entgegeulonimen bewiesen; denn mehr als alles kann von der einen Seite nicht beansprucht, und weniger als nichts kann von der anderen Seite nicht zuriickdehalten werden. Die Einm» vereine haben bet Kandidatur des Herrn Erdenberger einhellig zugs" stimmt und, als riefet erklärte, daß er augenblicklich ein Mandat nicht - annehmen könne, sich mit tat Aufstellung der beiden Herren Thiele unb.; Ritter einverstanden erklärt, die derWählervereinigung tat 3. Klaffe"' angehören. Die Kandidatur dieser beiden Herren ist alsdann tat Oeffent- lichkett auch mit tarn nötigen Nachdruck empfohlen worden. Daß riefe Empfehlung nicht den gewünschten Erfolg gehabt hat, ist nicht di« Schuld des Wahlausschuffes. Die Aufstellung von Gegenkandidaten ist nicht nur ohne seine Mitwirkung, sondern gegen seinen Willen erfolgt. Diese Kandtaaturen find auch von keiner verantwortlichen Stelle unter­stützt worden. Daß die Vorschläge des Wahlausschusses nut Empfeh­lungen find und die Einzelwähler sich nicht ohne weiteres dirigieren taffen, hat ja die Wählervereinigung tat 3. Klaffe an ihrem eigenen Leibe erfahren, indem sie auch die Gegcnkandidaturen ihrer eigenen Mit­glieder nicht verhindern konnte und nur einen geringen Bruchteil ihrer Anhänger an die Wahlurne führte.

Die Ergänzungswahl brachte nun das überraschende Ergebnis zu Tage, daß neben tarn Herrn Ritter nicht tat von uns ausgestellte Herr Thiele, sondern tat von seinen Freunden doch sestgehalteue Herr Ertan- berger, also unser erster gemeinschaftlicher Kandidat, mit 2 anderen Herren in die Stichwahl kam und zwar mit einem sehr großen Vor­sprunge. Am vorigen Dienstag sollte nun unsere Stellungnahme zur Stichwahl festgelegt werden, und sämtliche in Betracht kommeuben Ver­einsvorstände waren mündlich eingeladen worden zu den Bethandlunge», deren Ergebnis eigentlich von vornherein feststand, ihr« Vertreter z» entsenden. Da übermittelten uns die hiesigen Zeitungen die über- rascheude Mitteilung, daß dieWählervereinigung" am Abend vorher, eine Resolution beschloffen habe, welch« tarn Wahlausschuß in aller Form ein Mißtrauensvotum ausspcichk. Mit dieser übereilten Kundgebung, die ev. nach unserer Beschlußfaffung am Platze gewesen wäre, wollen wir uns nicht weiter befassen. Wie unbegründet das uns bekundete Miß­trauen war, erhellt aus den gefaßten Beschlüssen. Wir erklärten uns nämlich, obgleich uns bas Vorgehen der Wählervereinigung tat 3. Klaff« befremdet hatte, doch für die beiden ihr angehörenden Herrn Ritter unbj (EtOcnbetgtt. Wir wollen also der ersten Abmachung unentwegt treu bleiben; denn ohne die Gewißheit, daß auf beiden Seiten Treue gehalte» wirb, können Verhandlungen übet wichtige Angelegenheiten zwischen Vereinen überhaupt nicht geführt werden. Zudem war Herr Ritter