mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „LandwirischaWiche Beilage".
Ito 101 bi. Post bezogen 2.25 M lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen *'=* 1U 2,— M frei ins Haus. — Druck der Univ.-Buchdruckerel I. A. Koch
1913
(Inh.: Dr. E. Hitzeroth). Markt 21. — Telephon 55.
Erstes Blatt
Marburg
Freüag, 2. Mat
trage«. Die kürfttge serbisch-bulgarische Grenze ist auf der Kart« verzeichnet, die dem Vertrage beiliegt. Bulgarien erkennt in dem Vertrage an, daß nördlich und nordwestlich vom Schargebiete bas serbische Element so vorherrscht, daß alle bulgarischen Ansprüche dadurch ausgeschlossen werden. Serbien erkennt an, daß nicht nur die südlich und südöstlich von der strittigen Zone gelegenen Gebiete, sondern auch diese Zone selbst von einer im wesentlichen bul» garischen Bevölkerung bewohnt wird. Wenn die bulgarische Re, gierung dem Verlangen Serbiens, diese Zone neutral zu lassen, zugestimmt hat, so tat sie dies nur, um die serbische Regierung gegen die Chauvinisten in Serbien zu decken.
Wien, 1. Mai. Die „Neue Freie Presse" erhält von besonderer Seite aus Sofia folgende Mitteilung: Bulgarien steht auf dem Standpunkt, daß seine Jntereßen von der Skutarifrage nicht im mindesten berührt werden. Es denkt nicht daran, sich in den Streit Montenegros mit Oesterreich-Ungarn einzumengen. Serbien scheint seine Haltung von Ruhland abhängig zu machen. Aber auch, falls Serbien aktiv in einen Kampf Montenegros gegen Oesterreich etngreift, würde für Bulgarien keine Verpflichtung bestehen, Truppen gegen Oesterreich zu entsenden.
Wien, 1. Mai. Die „Politische Korr." meldet aus Sofia: Kürzlich verlautete, dah die russische Regierung bezüglich der Aufteilung der besetzten türkischen Gebiete zwischen Bulgarien tr y Serbien den Standpunkt geltend machen wolle, dah Serbien verpflichtet sei, alle Gebiete Bulgarien abzutreten, welch« Bulgarien durch den bulgarisch-serbischen Vertrag zugewiesen wurden, während die anderen strittigen Gebiete Serbien erhalten solle. Nunmehr liegt au« Petersburg eine Nachricht vor, wonach die russische Regierung sie nicht einmal vollständig Serbien zuwxisen wolle. Monastir, Perlepe und Köprülü mühten von den serbischen Truppen geräumt werden. Auf bulgarischer Seite bestehe der Wunsch, in dem strittigen Gebiet bis zum endgültigen Schiedsspruch Ruhlands ein mtlitäisches Londominium einzurichten, um Bedrückungen der bulgarischen Bevölkerung durch Serbien, über welche jetzt vielfach begründete Klagen geführt werden, zu verhindern.
Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
Die Stellung de« Balkanbundes.
Sofia, 80. April. Wie „Mir" erfährt, bildet das Natt»- nalitätenprinzip die Grundlage des serbisch-bulgarischen Ver-
London, 80. April. In Üer heutigen Sitzung des Oberhauses stellte Lamington zwei Anfragen an die Regierung: Erstens, ob die Regierung willens fei, für eine international« Kommission zum Schutze der Mohammedaner, welche in die von den Verbündeten jetzt besetzten Gebiete zurückkehren oder ihre Grundstücke zurückerhalten möchten, und für ähnliche Zwecke einzutreten; zweitens, welche Schritte die Regierung in Verbindung mit den übrigen Mächten zu tun gedenke, um die zukünftige AutonomteAlbanienszufichern. Lordprösident Viscount Morley lehnte es ab, irgend eine der beiden Fragen zu beantworten und erklärte, es feien jetzt andere Ziele vorhanden, denen die Machte ihre Aufmerksamkeit zuwenden mühten.
A t h e n, 30. April. DerdeutscheEesandte überreicht« dem König heute sein Beglaubigungsschreiben.
Die „Obrrhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch
Politische llmschcm.
Der Fall Anto» von Werner.
In der Dienstagssitzung des preußischen Herrenhauses hat der Kul- tusminister v. Trott zu Solz die vielbesprochene Angelegenheit der Kol- lekttvausstellung der Werke Anton v. Werners klargestellt. Die auffallende Behauptung Exz. v. Werners das auswärtige Amt habe ans politischen Gründen, — um das franzöfische Nationalgefühl zu schonen — einige seiner Werke aus den Eqklen über 1870/71 zurückgewiesen hat naturgemäß in der gesamten nationalen Presse einen Sturm von Entrüstung über die anscheinend so schwächliche Rücksichtnahme hervorgerufen. Der Kultusminister hat festgestellt, daß politische Rücksichtnahme in keiner Weise stattgefunden hätte. Da die Ausstellung in Berlin und nicht in Paris hätte stattfinden sollen, habe dazu ja auch kein Grund vorgelegen. Trotz seiner unzweideuttgen Erklärung von amtlicher Seite bleibt der Künstler jedoch nach wie vor bei seiner Behauptung, dah, wie er in einer neuen Unterredung einem Mitarbeiter des „Lokalanz." er« Hätte, politische Gründe an der Situation Schuld ttagen. Es stehe schwarz auf weih in seinem Notizbuch, dah ein Herr aus dem Kultus- ministettum bei ihm war mit der Eröffnung, die Zurückweisung der Bilder sei erfolgt, weil das Auswärtige Amt Bedenken gehabt habe. Es steht also wieder Behauptung gegen Behauptung, und bes iP
Anarchie in Albanien.
Rom» 30. April. „Eiornale d'Italia" meldet aus Brindisi: Niazi Bey und sein Adjutant schifften sich gestern in Valona nach Brindisi ein, als sie auf der Landungsbrücke von einigen Reoolver- fchüsfen getötet wurden. Es scheint, dah die Mörder Issa Bol- jetinaz und mehrere Begleiter waren, die sich nach der Tat ruhig entfernten. — Zn Vallona herrscht völlige Anarchie. Die Bevölkerung ckebt in der größten Furcht, da sie Represialien von Dschawid Pascha, der ein Freund Riazi Deys war, befürchtet. Dscha- wid Pascha steht mit 25 000 Mann türkischer Truppen in der Gegend von Sdieri (?), und die Annahme erscheint als wahrscheinlich, daß Valona von Dschawid Pascha angegriffen wird. Der italienische Konsul hat die Regierung ersucht, schleunigst Kriegsschiffe zum Schutze der italienischen Interessen zu entsenden.
Eroh-Serbien?
Paris, 80. April. Das „Journal" will erfahren haben, daß Serbien und Montenegro ihre Verteidigung vorbereiten, die beiden vereinigten Mächte würden zwar ihre besondere Organisation und ihre Dynastie bewahren, jedoch eine gemeinschaftliche Militär-, Finanz- und diplomattf'» Leitung erhalten. Es würde nur einen Kriegsminister, einen F-nanzminister und einen Minister des Aeußern geben. Die Errichtung eines Erotz- serbischen Reiches mit einem Zugang zur Adria würde auf die Südslaven Oesterreichs eine außerordentliche Anziehungskraft ausüben.
England sich an einer Expedition allein gegen Skutatt beteiligen wird, stehtnoch dahin. Wie man den König der schwarzen Berge bisher kennen gelernt hat, wird er nur der Gewalt weichen, und man dürfte demnach mit einem Kriege gegen Montenegro und das ihm verbündete Serbien in den nächsten Tagen rechnen. Das Ge- fahrvolle der Lage besteht aber nun darin, daß Montenegro und Serbien auf den großen russischen Bruder hoffen, dessen Politik in dem ganzen Balkanstreite ja durchaus nicht gradlinig genannt werden kann. Auch bei dem Essadhandel scheint es seine Hand im Spiele gehabt zu haben. Zwar läßt sich die „Franks. Ztg." au» Petersburg melden, daß die dortigen Diplomatenkreise mit einer freundschaftlichen Vereinbarung zwischen Oesterreich und Rußland für die nächsten Tage rechnen. Das Bekanntwerden der Einzelheiten von der Uebergabe Skutaris verschärfte, wie zuverlässig mitgeteilt wird, auch an entscheidender Stelle die gegen Montenegro herrschende Verstimmung, sodaß der Einfluß der Panslawisten augenblicklich gelähmt ist. Da» Publikum nehme die Nachrichten teilnahmslos auf.
Man mag im Interesse des Friedens von Europa annehmen, daß die Stimmung richtig beurteilt ist. Im einzelnen liegen folgende Meldungen vor:
W i e n, 30. April. Die „Neue Freie Preße" schreibt: Ueber den Verlauf der nächsten Tage verlautet: Die Aktton Oesterreich- Ungarns wird mit größter Raschheit durchgeführt werden. Morgen oder übermorgen erwartet man die Bekanntgabe des Entschlußes der italienischen Regierung. Sodann wird Oesterreich-Ungarn allein oder gemeinsam mit Italien an den König Nikita eine befristete Aufforderung zur Räumung Skutaris richten. Sollte der Forderung nicht entsprochen werden, so wird der österreichischungarische Gesandte in Eetinje abberufen und die militärischen Operationen werden unverzüglich beginnen.
Frankfurt a. M., 30. April. Der Wiener Korrespondent der „Frankfurter Zeitung" meldet von 9.50 Uhr vormittags: Wie ich aus diplomatischen Kreisen erfahre, schließt sich Italien den militärischen Zwangsmaßregeln gegen Montenegro an. Heute werden die österreichisch-ungarischen Botschafter in den europäischen Hauptstädten die Note übergeben, in welcher Oesterreich-Ungarn Mitteilung von der selbständigen Ergreifung militättscher Zwangsmaßregeln gegen Montenegro macht.
Rom, 30. April. Die „Tribuna" veröffentlicht einen Artikel, in dem sie die Schwierigkeit der Lage betont, deren Gefahren infolge des Handstreichs Esiad Paschas sich vermehrt hatten und in dem der Wunsch ausgesprochen wird, daß die morgige Vereinigung der Botschafter endlich ein Uebereinkommen erzielen werde, das eine gemeinsame Aktton Europas gestatte. Die „Tribuna" verhehlt sich die Schwierigkeit nicht, die daher komme, daß die von einigen Mächten der Tripleentente bekundeten Absichten geeignet sind, nicht die Gefahr eines Zwistes, aber ^Langsamkeiten, Unschlüssigkeiten und Verzögerungen befürchten zu lassen, die während der ganzen Krisis der schwache Puntt im europäischen Konzert gewesen seien und in diesem Augenblick schlechthin verhängnisvoll werden könnten. Italien werde niemals zugeben können, daß die Lage auf der gegenüberliegenden Küste des Adriatischen Meeres ohne seine Teilnahme entschieden werde. Die Wahl der Mittel und der Form komme ausschließlich der Regierung zu, welche die ganze Verantwortung trage. Nach den letzten Ereignissen um Sku- tari und in Albanien, die einen byzantinischen Charatter tragen, ist der Weg für uns leichter. Wenn sittliche und Gefühlsgründe gegen eine Zwangaktion Italiens gegen Montenegro sprachen, die nicht der Teil einer europäischen Eesamtaktton war, so gibt es keinerlei Einwand gegen unsere Teilnahme an einem Vorgehen, das darauf abzielt, die Herstellung der Ordnung und die Ausführung der Entscheidungen Europas in Albanien zu sichern. Nehmen wir für den Fall, daß das europäische Konzert versagt, Anteil an diesem Werke, so werden wir die internationale Würde wahren und zugleich unsere Interessen durch das einzige Mittel schützen, das auf internationalem Gebiete wirksam ist.
Essad Pascha.
Konstantinopel, 30. April. Der Eroßwefir hat von Eßad Pascha ein Telegramm erhalten, das besagt, er sei in Asessio von Offizieren der serbischen Truppen empfangen worden, die ihm militärische Ehren erwiesen. Er ließ seine Attillerte südlich von Alessio in Erwartung von Schiffen, die sie nach Durazzo befördern werden, zurück. Er ziehe sich mit seinem Gefolge in die Gegend des Flußes Matt zurück. Außer Instruktionen verlangte Eßad Pascha Geld und Lebensmittel. Sofort nach dem Erhalt des Telegramms sandte die Pforte an Eßad Pascha eine Depesche, in der er auf- gefordett wird, die eingeborenen Soldaten zu entlaßen und di« übrigen Truppen nach Beirut abziehen zu laßen. Wenn infolge der Blockade der Transport nicht möglich wäre, sollte er die Truppen nach Valona dirigieren, wo sie sich mit dem Rest der unter Dschawid Pascha stehenden Westarmee vereinigen würden. Die türkische Regierung werde nach Valona Geld und Lebensmittel zur Verpflegung der türkischen Truppen senden.
Athen, 30. April. Die halbamtliche „Hestia" schreibt zum Staatsstreich Eßad Paschas in Albanien, daß die Vermutung einer Verständigung zwischen Eßad und dem König von Montenegro nicht unwahrscheinlich sei. Wenn e» Eßad gelinge, sich als Fürst Albaniens durchzusetzen, und wenn aus den Ereignissen sich ein Zusammengehen Albaniens und Montenegros ergebe, so würde man sich einer sehr ernsten europäischen, nicht nur balkanischen Verwicklung gegenübersehen, welche die bisherige Lösung der albanischen und aller damit zusammenhängenden Fragen über den Haufen werfen und, die Träume beider Adriamächte zunichte machen würde.
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Zur Lage.
r Die Lage hat sich geklärt. Oesterreich und Italien sind bereit tzum Einmarsch in Montenegro, um den Beschlüßen der Eroß- tnächte den nötigen Nachdruck zu verleihen, falls Nikita noch immer •Mf befristete und unbefristete Noten nicht reagieren sollte. Ob
Die WedrvorllM in der Budaetkommiision.
Der zweite Tag in den Beratungen der Budgetkommisfion über die Wehrvorlage hat gezeigt, daß die Aussichten für die unverkürzte Annahme der Regierungsvorlage gering sind. Während die Erhöhung der Mannschaftsbestände (für die Infanterie 252 Ba- taillone zu je 721 Mann und 246 Bataillone zu je 641 Mann, für die Kavallerie 516 Eskadrons mit 744 Mann und 726 Dienst- pferden, für die Feldartillerie 255 Batterien zu je 143 Mann und 100 Dienstpferden, 345 Batterien zu je 124 Mann und 75 Dienstpferden, 33 reitende Batterien zu je 137 Mann und 144 Dienst- pferden, sowie die angeforderten Verstärkungen für die Fußartillerie, die Pioniere, die Verkehrstruppen und den Train) und die 18 neuen Infanteriebataillone noch am Montag abend von allen bürgerlichen Parteien mit Ausnahme eines elsässischen Zentrumsabgeordneten und eines Polen bewilligt worden waren, wurden am Dienstag drei der sechs neugeforderten Kavallerieregimenter gestrichen. Für die Regierungsvorlage traten nur Konservattve und Nationalliberale ein, während die Fortschrittliche Volkspartei einen Antrag auf Bewilligung von nur drei Regimentern stellte. Angesichts der offenbar vorhandenen Mehrheit für den fortfchritt- lichen Antrag suchte ein nationalliberaler Antrag auf Bewilligung von vier Regimentern zu vermitteln. Bei der Abstimmung wurde die Regierungsforderung mit 16 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Die ablehnende Mehrheit bestand aus Sozialdemohraten, Volk». Partei, dem Elsäßer, dem Polen und der Hälfte des Zentrums. Abgelehnt wurde ebenfalls der nationalliberale Antrag auf Bewilligung von vier Regimentern, und zwar mit 15 gegen 13 Stirn» men (diesmal stimmte der Abg. Erzberger mit der Minderheit). Angenommen wurde dann, wiederum mit 16 gegen 12 Stimmen, der volksparteilige Antrag auf Bewilligung von drei Regimentern. Mit diesem Ergebnis ging die Kommission in die Pfingstferien. Die nächste Sitzung findet am 20. Mai statt.
(Sitzung vom 30. April.)
Die Beratung begann heute sofort mit der Forderung der 84 neuen Eskadrone. Ein nationalliberales Mitglied trat für die Bewilligung ein. Es scheinen doch in der Tat für die Kavallerie-Divisionen nicht genügend Formationen vorhanden zu sein. Im Reichstag und im Volk sei allerdings keine besondere Neigung zur Vermehrung der Kavallerie vorhanden, vielleicht weil gerade bei der Kavallerie viele feudale Regi- mentet vorhanden seien. Das würde aber gerade für die neugeschasfenen Regimenter nicht zutreffen, schon weil die Standorte sich kaum für die Entwicklung feudalen Wesens eignen würden. Ein volkspatteiliches t. Mitglied erklärte sich als noch nicht vollständig von der Notwendigkeit überzeugt. Man sollte die „privilegierten" Kavallrtteregimenier an die Grenze schieben. Ihm seien Mitteilungen von Sachverständigen zuge- gangen, wonach auch in militärischen Kreisen die Kavallerievermehrung nicht für nötig gehalten werde, da ihre Aufgaben vielfach auf Rad- fahrcrkompagnien, Luftschiffe und Flieger übergegangen seien. Weit wichtiger als die Vermehrung der Kavallerie erscheine ihm die Frage der Bewaffnung und der Uniformierung. Die geforderte Zahl von 6 Regimentern sei auch teilbar durch 2 oder 3; vielleicht genüge ein Teil der Forderung. Die definitive Stellung seiner Partei hänge von weiteren Mitteilungen ab. Ein Sozialdemokrat bestritt die Notwendigkeit weiterer Kavallerie vollständig. Ein Zentrumsmitglied erinnerte daran, dah im siebziger Kriege die Kavallerie nie eine entscheidende Rolle gespielt habe. Seither habe sich die Lage kaum zugunsten der Kavallerie gändert. Wenn an der Ostgrenze nicht genügend Kavallerie stehe, soll« man durch entsprechende Dislokation Abhilfe schaffen. Der Kriegsminister trat diesen Einwendungen entgegen. Ein Ersatz der Kavallerie durch Luftschiff und Flieger sei nicht möglich, denn die Kavallerie müße auch fechten, müße den Feind aufhalten. Durch Dislokation laße sich der Mangel an der Grenze nicht beseittgen. Es sei doch notwendig, in ... den größeren Truppenteilen die verschiedenen Waffen möglichst wie im - S» Ernstfälle zu mischen. Nur das gäbe die ttchtige Friedensausbildung. ?V 5)ie Aufgaben der Kavallerie seien nicht verschwunden, sie seien nur schwerer durchführbar geworden. Dafür brauchen wir festgegliedette Formationen. Man habe heute im Verhältnis erheblich weniger Kavallerie als 1870. Ein konservativer Redner unterstützte die Forderungen der Heeresverwaltung. Ein Mitglied der Volkspattei begründete einen Antrag, statt sechs neuer Regimenter deren drei zu bewilligen, davon zwei im Osten, eins im Westen. Ein Zentrumsmitglied hielt den Nachweis der zwingenden Notwendigkeit für die Begründung der sechs Regimenter für nicht gegeben. Der Kriegsminister erklärte demgegenüber, es sei die einheitliche Auffaßung sämtlicher verantwortlichen Stellen, daß diese Vermehrung notwendig sei, und bat dringend, die militärischen Rücksichten zu beachten, die in den Berichten der Erenzkommandeure zum Ausdruck kämen. Ein nattonalliberales Mitglied äußerte sich dahin, daß doch die Verlegung von Kavalletteregimentern aus dem Innern an die Grenze ernstlich geprüft werden müße. Es sei doch auch ein großer Votteil, wenn diese Regimenter tm Falle der Mobilmachung schon an der Grenze sich befänden. Erwägenswert wäre das besonders für einen Teil der Gardekavallerie. Der Kriegsminister hielt das nicht für möglich, da man dadurch den Armeeaufmarfch sehr erschweren würde und begründete dies durch vertrauliche Ausführungen. Ein nattonalliberales Mitglied hielt die Notwendigkeit des verstärkten Grenzschutzes für erwiesen. Das Auseinanderreiben der Korpsverbände sei immerhin bedenklich. Nun ließen sich vier Regimenter logisch begründen für die, die nicht alle sechs Regimenter bewilligen wollen. Sei der Garde könnten zwei Regimenter herausgezogen werden, und mit vier neubewilligten hätte man bann die sechs Regimenter. Nach wiederholter warmer Verteidigung der Kavallerieforderungen der Regierung durch den Kriegs- Minister kam es zur Abstimmung mit dem bereits oben mitgeteilten Ergebnis.
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