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mit dem Kreisblatt fiir die Kreise Marburg und Kirchham

und den Beilagen: «Nach Feierabend".Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

Wo 100 die Post bezogen 2.25 Jt (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2, M. frei ins Haus. Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch

1918

(3nf).: Dr. E. Sitzerath), Markt 21. Telepbon 55.

Erstes Blatt

Marburg

Mittwoch, 80 AM

Reklamen die Zeile M Bet Wiederholungen entsprechender Rabatt. Zeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamt«« Frankfurt a. M.

nach. Ein anderer sozialdemokratischer Redner betonte, dah eine ganze Reihe mit körperlichen Fehlern eingestellt worden seien, auch Leute mit geringen Verstümmelungen und nicht normaler Sehschärfe, in einem Falle sogar mit verminderter Erwerbsfähigkeit. Die grohe Truppen­zahl an der russischen Grenz« bedeute keine Kriegsdrohung und dies« Soldaten seien mit unseren nicht zu vergleichen. Deutschland sei ge­nügend gerüstet und die Heeresvorlage sei nicht genügend begründ-t wor­den. Er ersuch« deshalb um Ablehnung. Kriegsminister v. Heeringeu erwiderte, die Sozialdemokraten seien weder mit Gründen noch mit lan­gen Reden von Notwendigkeit der Wehrvorlag« zu überzeugen. Di« neuen Musterungsergebnisie seien einwandfrei. Ein Zentrumsredner wies an Hand vorliegender Kartenskizzen auf di« bemerkenswerte Tat­sache hin. daß seit Beginn der 80er Zahre die Zahl der Unbrauchbaren mit und ohne Versorgung fast stetig gestiegen sei. Die Zahl der Kran- (en sei zwar geringer geworden, die der Krankheitsbehandlungstage aber auffallend gestiegen. Redner beantragt, ersten» nur unbedingt Taug­liche einzustellen, zweitens keine Verringerung der Zahl der wegen bür­gerlicher Verhältnisi« freiwerdenden Rekruten eintreten zu lasten. Gene» raloberarzt Schnitzen erläuterte, daß von bestimmten Krankheitsgruppen sich besonders die Herz- und Ohrenleiden und die Geistesleiden vermehrt hätten. Aber die ärztliche Kunst sei auch fortgeschritten in der Erkennt­nis der Krankheiten. Eine Vermehrung der Behandlungstage sei durch die bessere Ausgestaltung der Lazarette mit Gärten und durch Aufent­halt in Genesungsheimen sowie durch Badekuren begründet. Rach wei­teren längeren Ausführungen zweier sozialdemokratischer Abgeordneter erfolgte die Abstimmung. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und des Elsässers wurde die Erhöhung der Etatsstärke bei der Infanterie angenommen, im ganzen 252 Bataillone zu je 721 Mann und 246 Ba­taillone zu je 641 Manns. Mit derselben Mehrheit wurde die Ka­vallerie-Vermehrung angenommen und zwar 516 Eskadronen mit 144 Mann und 126 Eskadronen mit 126 Dienstpferden. Der künftige Etat bei den fahrenden Baterien der Feldartillerie soll bei 255 Batterien j« 143 Mann und 100 Dienstpferde betragen, bei 845 Batterien je 124 Mann und 75 Dienstpferde, bei den 33 reitenden Batterien soll der Etat je 137 Mann und 144 Dienstpferde betragen statt bisher 108 Mann und 118 Pferde. Mit derselben Mehrheit wurde die angeforderte Vermeh­rung für die Futzartillerie, Pioniere, di« Verkehrstruppen und den Train bewilligt. Gegen 5 Uhr nachmittags beschloß die Kommission weiter zu tagen und bewilligte dann die beantragten 18 neuen Lehrinfanterie­bataillone. Nach Schluß der Abstimmung über die Erhöhung der Etats­stärke der einzelnen Waffengattungen kam es zu einer längeren Ge­schäftsordnungdebatte, nach deren Beendigung di« Kommission beschloß, die heutige Beratung bis 6 Uhr auszudehnen und morgen früh um 9 Uhr zu beginnen. Df« Beratung wandte sich dann dem Paragraphen 2 des Entwurfes zur Ergänzung des Gesetzes über die Friedenspräsenzstärke zu und die Kommission nahm noch kurzen Darlegungen des Referenten die dort beantragte Vermehrung der Zahl der Jnfanteriebataillone von 651 auf 669 an. Bei der Kavallerie, bei der statt 516 künftig 550 Eskadronen verlangt werden beanstandete der Referent die Forderung angesichts mannigfacher technischer Fortschritte. Fraglich sei es, ob nicht Maschinen­gewehrkompagnien gegen Kavallerie wirksamer operieren würden als Kavallerie. Der Kriegsminister begründete in streng vertraulichen län­geren Ausführungen eingehend die Mehrforderung. Die Abstimmung darüber wird morgen stattfinden. Nächste Sitzung Mittwoch vormittag 9 Uhr.

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich dur«t>

räumen will, dazu gezwungen werden müssen. Indessen ist nicht angenommen, daß dies Waffengewalt notig macht, doch würde jede militärische Aktion, die notwendig werden sollt«, von solcher Art sein müssen, daß ein Erfolg gesichert werde. Dies ist in Kürze der österreichisch-ungarische Standpunkt, wie er heute nachmittag dar« gelegt worden ist.

Bei dem gespannten persönlichen Verhältnis, das infolge der politischen Divergenzen zwischen dem österreichischen und dem russischen Botschafter herrschen soll, gewinnt es an Bedeutung, dah das Auswärtige Amt in London erklären läßt, dahselbst jetzt" noch kein Erund zu ernstlicher Besorgnis vorliege. Aus diesen beiden Wortenselbst jetzt" läßt sich eine höchst bedenkliche Stei­gerung der Möglichkeiten herauslesen. Um io mehr, als sich aus eine friedliche Beilegung der Skutarifrage jetzt kaum noch hoffen läßt, denn König Nikita hat bereits proklamiert, dah Skutari ewig montenegrinisch bleiben solle!

London, 29. April. Die heutigen Morgenblätter ver­öffentlichen alarmierende Gerüchte und Meldungen über den drohenden neuen Balkankrieg. So bringt dieDaily Mail" ein Telegramm aus Graz, das berichtet, dah Oesterreich-Ungarn den Vormarsch gegen Montenegro heute (?) beginnen werde. Aber die militärische Aktion der habsburgischen Monarchie werde sich nicht nur gegen Montenegro richten, sondern es werden gleichzeitig auch Truppen auf Transportschiffen nach den Häfen von Süd- albanien geschickt werden. In den österreichischen Alpen wurde eine Masse von Truppen zusammengezogen, vor allem Gebirgs­truppen. Aus Triest wird derDaily Mail" berichtet, dah Oesterreich-Ungarn 80 000 Mann an der montenegrinischen Grenze bereitstehen habe.

Paris, 29. April. DasJournal des Dubais" meldet: Die Botschafter der Dreibundmächte unternahmen gestern in Paris und bei den beiden anderen Regierungen der Tripel- Entente einen Schritt, indem sie mit Nachdruck auf den von Oesterreich-Ungarn betonten Willen hinwiesen, den Zwischenfall von Skutari, welcher für die Erohmächte beleidigend sei, möglichst rasch zu erledigen. Falls König Nikolaus der am Sonntag be­kannt gegebenen Aufforderung nicht Folge leisten sollte, mühte ihm ein regelrechtes Ultimatum übersandt werden, welches nur eine ganz kurze Frist stellen würde. Hierauf würde nichts andere« übrig bleiben, als zu Durchführungsmitteln zu greifen. Oester- reich-Ungarn würde, falls ihm die übrigen Mächte keinen Bei­stand leisten würden, diese bewaffnete Demonstration allein unter­nehmen. Die russischen Botschafter unternahmen überall eine Demarche, welche eine Antwort auf den Schritt ihrer österreichisch- ungarischen Kollegen bildet. Sie erklärten, dah Ruhland, nachdem es die in Cetinje überreichte Note mitunterschrieben hätte, noch wie vor den Montenegrinern Skutari verweigere, dah es aber der Ansicht sei, dah jede militärische Aktion verfrüht wäre und dah Ueberredung genügen würde, um König Nikolaus zum Nachgeben zu bestimmen. Wenn jedoch die Mächte glaubten, dah eine mili­tärische Aktion notwendig sei, würde sich Ruhland derselben in effektiver Weise nicht anschliehen können.

Wien, 29. April. DieNeue Wiener Abendztg." schreibt: Bekanntlich hielt sich Oesterreich-Ungarn freie Hand vor für den Fall, dah die Botschafter-Vereinigung nicht die Anträge Oester­reich-Ungarn« genehmigen sollte. Der Fall ist jetzt eingetreten, nachdem in der gestrigen Botschafter-Vereinigung in London eine Einigung nicht erfolgte. Diese Feststellung kennzeichnet die Situa­tion. Gegenwärtig findet ein reger Meinungsaustausch zwischen Wien und Rom statt.

Wien, 29. April. DieReichspost" schreibt: Die nächsten Tage werden eine entscheidende Wendung in der Skutarifrage bringen müssen. Mit groher Befriedigung wird in Wien darauf hingewiesen, dah das diplomatische Vorgehen Oesterreichs nament­lich durch den deutschen Bundesgenossen eine warme und energische Unterstützung erfährt, ein Beweis von Solidarität, welcher gewih in der ganzen Welt einen grohen Eindruck Hervorrufen wird.

S e m l i n , 28. April. Die Belgrader Blätter machten heute nachmittag in Extraausgaben aus Cetinje die Proklamation des Königs Nikolaus von Montenegro bekannt, dah Skutari zur Resi­denz des Königs erhoben und für alle Zeiten als von Montenegro für endgültig annektiert zu betrachten sei.

Zur Lage.

London, 29. April. Das Reutersche Büro erfährt: Die gestrige Konferenz der Botschafteroereinigung war die längste, welche bisher stattgefunden hat. Sie dauerte von 3(4 bis 6% Uhr. Der Sitzung, in der Str Grey den Vorsitz führte, waren Be­sprechungen des österreichisch-ungarischen und des russischen Bot­schafters mit Grey vorausgegangen. Es ist ein beruhigendes Mo­ment in der jetzigen Lage, dah für Donnerstag nachmittag eine weitere Konferenz angesetzt ist, dah, um einen Ausdruck von amt­licher Seite zu gebrauchen,selbst jetzt kein Grund zum Pessimis­mus vorhanden" ist. In Ermangelung einer bestimmten Infor­mation über die Entscheidungen der Konferenz, falls überhaupt Beschlüsse gefaht wurden, lassen die Andeutungen aus gut infor­mierten Kreisen und die Annahme berechtigt erscheinen, dah es, nachdem sich die Botschafter mit ihren Regierungen ins Ein­vernehmen gesetzt haben, bis zur nächsten Sitzung möglich werden könnte, Oesterreich-Ungarn die von ihm gewünschten Mitteilungen darüber zu machen, was die Mächte zunächst zu tun bereit sind. Man hat den Eindruck, daß der letzte Schritt Essad Paschas die Lage ernstlich verwickelt, aber doch gehen über die möglichen Folgen des Schrittes die Ansichten so sehr auseinander, dah es un-

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Tie Wehrvorlage in der Biivgetkommiffion.

Berlin, 29. April. In der heutigen fortgesetzten allgemeinen Aussprache in der Budgetkommission des Reichstages griff zunächst ein sozialdemokratischer Abgeordneter aus die auswärtige Politik zurück, besonders auf das deutsch-belgische Problem. In weiten Kreisen Bel­giens sehe man mit Sorge einem deutsch-französischen Kriege entgegen, weil man fürchtet, dpß Deutschland die belgische Neutralität nicht respek- tiert. Staatssekretär von Jagow erwiderte, die Neutralität Belgiens sei durch internationale Abmachungen festgelegt und Deutschland, sei entschlossen, an diesen Abmachungen festzuhalten. Ein anderer sozial­demokratischer Redner besprach das Verhalten Deutschlands zu den 23al» kanstaaten, zu Frankreich und England, und fragt ob es denn keine Mög­lichkeit der Annäherung an Frankreich gäbe, die das Volk hüben und drüben begrüßen würde. Staatssekretär von Jagow erklärte, er könne zu dem, was er schon früher gesagt, nichts neues hinzufügen. Der Vor­redner hätte auch keine neuen Momente angeführt, er könne nur wieder­holen, Deutschland wünsche den Frieden habe es durch seine 43jährige Friedensperiode bewiesen. Deutschland |ci auch stets bereit mit Frank­reich friedlich auszukommen. Auch Oesterreich habe gewiß bewiesen, daß es durchaus friedlich gesinnt ist. Ein sozialdemokratischer Adgeord- neter hielt auch die Wiederholung des Selbstverständlichen für wertvoll. Wenn von der Gegenseite Verleumdungen gegen Deutschland ausge­sprochen würden, so sei das in Belgien der Fall. Staatssekretär v. Jagow erwiderte, seinen klaren Worten über unser Verhältnis zu Belgien habe er nichts hinzuzufügen. Ein eventueller Konflikt Oesterreichs mit Montenegro gehe uns zunächst direkt nichts an und habe mit der Wehr­vorlage nichts zu tun. lieber Skutari habe er keine neuen Nachrichten. Auf weitere Ausführungen eines sozialdemokratischen Abgeordneten, erwiderte der Kriegsminister: Belgien spielt bei der Begründung der Wehrvorlage keine Rolle, vielmehr liegt die Begründung in den Ver­hältnissen im Osten. Die international gewährleistete Neutralität Bel­giens werde Deutschland nicht aus dem Auge verlieren. Ein Fott- schttttler war der Ansicht, Skutari habe große Bedeutung für Deutsch­land. Staatssekretär von Jagow betonte nochmals, seine Erklärungen betr. Belgiens seien deutlich genug. Ein nationalliberaler Abgeordneter wünschte Mitteilungen über Skutari bezw. die Beratungen der Londoner Botschafterkonferenz, worauf Staatssekretär v. Jagow erklärte, die Mit­teilung des Botschafters in London läge ihm noch nicht vor. Weiter besprach ein sozialdemokratischer Abgeordneter die ziffernmäßige Stärke der Armeen unserer Verbündeten und fragte an, ob auch Italien und Oesterreich ihre Heeresmachl verstärkten. Hieraus schlug der Vorsitzende vor, nunmehr in die materielle Beratung einzutreten und zwar zunächst die Etatserhöhungen, dann die Truppenformation, endlich das Gesetz selbst zu beraten. Die Kommandobehörden sollen bei dem Ergänzungs­etat besprochen werden. Beide Referenten beantragten Genehmigung der Etatserhöhungen. Kriegsminister v. Heeringen erklärte: Das Streben der Heeresverwaltung sei dahin gegangen, die Etatsstärken an unseren Grenzen möglichst den Kriegsstärken zu nähern, aber die Einschränkung sei durch die gesicherte Ausbildung gegeben. Das hierzu erforderliche Personal werde der Notwendigkeit entsprechend erhöht. Ein sozialdemo­kratischer Abgeordneter bestritt nochmals, daß die äußerste Wehrhaftig­keit Deutschlands auf dem eingeschlagenen Wege zu erreichen sei. Bei dem Mannschaftsbestand werde der Bestand der Marine nicht beachtet, und das würden bald 100 000 Mann sein. Man möge doch an di« wirtschaftlichen Gefahren denken, die aus dem Zuzug kulturell niedrig stehender Arbeitskräfte entstehen müßten. Wenn die von General­leutnant Wandel gestern genannten Zahlen stimmten, dann sei ja sogar ein Ueberschuß an Tauglichen vorhanden, und die volle Wehrkraft des Volkes würde demnach nicht ausgenutzt. Hierauf trat eine Frühstücks pause ein. Nach der Pause erläuterte zunächst Generalleutnant Wandel, daß bei der Aushebung ein gleichmäßiger Maßstab angelegt werde, und von einer Absicht, die ländliche Bevölkerung stärker heran­zuziehen, nicht die Rede fein könne. Di« Bestimmungen der Wehr­ordnung sprächen sich darüber ganz genau aus. Die Zahl der Landsturm- pflichtigen sei von Jahr zu Jahr beträchtlich gestiegen, während die Zahl der in Betracht kommenden Jahrgänge der Ersatzreserve durch Ge-

Der Anzetgenpret« beträgt für die 7gefpaltene Zeil« oder .Q (x, deren Rau« 15 4. bei amtliche» und auswärtigen Anzeigen 20 4, für.

setz sestgelegt und daher gleichmäßig fei. Nach dem Ergebnis der Musterung sei kein Zweifel, daß die Zahl der Tauglichen völlig aus- reiche. Ein fortschrittlicher Abgeordneter äußerte, bei Anlegung des­selben Maßstabes scheine es ihm kaum glaublich, daß die erforderliche Zahl von 63 000 Mann eingestellt werden könne. Aus ärztlichen Kreisen habe er gehört, daß auch Leute mit Herzfehlern eingestellt würden. Generalleutnant Wandel wies nach, daß aus der Zahl der Ausgehobe­nen allein kein Rückschluß auf die wirkliche Tauglichkeit zu machen sei. Die Schwankungen seien z. B. schon damit zu erklären, daß die jährlich sich meldende Zahl der Freiwilligen sehr verschieden sei. General» oberarzt Schnitzen erklärte aufgrund einer durchaus ernst zu nehmenden Statistik, daß eine beträchtliche Steigerung der Tauglichkeit zu be­merken sei. Von militär-wissenschaftlicher Seite könne dies nur be­stätigt werden. Die Steigerung der Herzkranken habe den wissenschaft­lichen Senat beschäftigt und über die Beurteilung solcher Fälle seien be­sondere Vorschriften erlassen worden. Es gebe sogar Beispiele, daß trotz zivilärztlichen Gesundheitsattestes die Einstellung nicht erfolgte. Ein sozialdemokratischer Redner führte aus, die letzte Militäyiovelle habe den vorhandenen Bestand an Tauglichen schon bedeutend gemindert. Nehm« man aus der Ersatzreserve die Leute für die Linientruppen, bann werde doch die Ersatzreserve weniger wertvoll. Es sei doch bedenklich anzu- uehrnen, daß mit der Bevölkerungszahl oder mit der Verminderung bet Sterblichkeit automatisch die Zahl der Tauglichen zunehme. General» Oberarzt Schnitzen äußerte seine feste Ueberzeugung, daß aufgrund de« sorgsamen militär-ärztlichen Materials kein Zweifel an der völlig aus­reichenden Zahl der Tauglichen bestehe. Generalleutnant Wandel wioer- «egte die Ausführungen des sozialdemokrattschen Abgeordneten und wie« Mi der Hand zahlenmäßiger Angaben die Richtigkeit der Steigerung

möglich ist, im allgemeinen zu sagen, wie er angesehen wird, lieber einen Punkt freilich herrsch^ völliges Einverständnis, daß nämlich der Schritt bas Ergebnis eines Uebereinkommens mit Montenegro war, ein Ausgang, der in diplomatischen Kreisen nicht allzu große Verwunderung erregte. In diesen Kreisen vermutete man von Anfang an, daß hinter dem Einzug der Montenegriner in Skutari weit mehr stecke, als bekannt gegeben war. In gut unterrichteten österreichischen Kreisen wird hier kein Hehl daraus gemacht, daß das Widerstreben der Botschafter, weiteren Schritten gegen Montenegro zuzustimmen, ein Gefühl der Gereiztheit verursachte. Vor der heutigen Sitzung der Botschafter wurde geäußert, Oester- reich-Ungarn würde heut« noch einmal fragen, welches die Ent­scheidung der Mächte sei. Wie erklärt wird, hält sich Oesterreich- Ungarn nicht an die Ansicht anderer Mächte, daß durch Hinans- zögern etwas zu gewinnen ist, es ist im Gegenteil der Meinung, daß der Aufschub irgendwelcher Schritte, für den sich Europa an­gesichts der Herausforderung Montenegros entschließt, die Lage nicht nur für Europa selbst, sondern auch für den König Nikolaus sich noch schwieriger gestaltet. Oesterreich-Ungarn kann daher der Hinauszögerung auf unbestimmte Zeit nicht zustimmen. Durch seine benachbart« Lage ist es unmittelbar interessiert und obwohl es angesichts seiner Beziehungen zu Montenegro nicht zu« äußersten zu gehen wünschst, ist es sich doch klar, daß etwas von be­stimmter Art geschehen muß. Mufache Flottendemonstration«« erwiesen sich al» nutzlos. Montenegro roi$>, fall» tt Skutari nicht

Deutsches Reich.

Der verschwundene Bürgermeister. Stettin, 29. April. Nach Auskunft des Magistrats von Usedom handelt es sich bei dem Schreiben des Matrosen Roth, welcher behauptet hatte, den Auf­enthalt des verschwundenen Bürgermeisters von Usedom zu ken­nen, wahrscheinlich um einen Erpressungsoersuch. Der Schreiber verlangte, bevor er eine Auskunft geben würde, eine Gratifikation. Zn dem angegebenen Hause in Hamburg, Lindenstr. 45, wohnt niemand namens Roth.

* Koloniales.

Simon Kopper-Leute auf deutsche« Gebiete. Kaum ist di« Nachricht vom Tode Simon Köppers in Deutschland bekannt ge­worden und schon zeigt sich, daß die Anhänger de« alten Wider­sachers gegen die deutsche Herrschaft in Deutsch-Südwestafrika nicht gewillt sind, nach seinem Tode in der wasserarmen Kalahari ein dürfttge« Dasein zu fristen. Da« Gouvernement von Deutsch- Südwestafrikr gibt folgendes bekannt:Bet der Grenzkontrolle stieß Oberleutnant v. Kirchheim der 7. Kompagnie am 7. März 6 Kilometer westlich Geinab auf eine bewaffnete Kopperwerst von 12 Köpfen mit 5 Männern. Die Werft floh. Ein Koppermann mit Gewehr 71 wurde gefangen. Ein« zur Werftkontroüe zurüt^

Patrouille stug später »och drei Eingeborene an*