mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
M 96
Die „Oberhessisch« Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich dutck Die Post bezogen 2.25 <M lohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2,— JH frei ins Haus. — Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroths. Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Freitaa, 25 April
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 bei amtlichen und auswärtigen An,eigen 20 4. für Reklamen die Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Rr. 6015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
48. Jahrg.
1913.
Man weist darauf hin, daß für einen solchen Besuch zwischen bew Hochzeitsfeierlichkeiten am Kaiserhofe und den Festlichkeiten au« Anlaß des Regierungsjubiläums des Kaisers die erforderliche Zeit gar nicht vorhanden fein würde. Die Korfureise der Kaiser, ist für dieses Jahr endgültig aufgegeben.
ssrttes Blatt.
Bestellungen
für die Monate Mai und Zuni auf die „vberhessische Zeitung" nebst ihren werden von unserer Expedition (Markt 21), unseren sämtlichen Ausgabestellen sowie von allen Postanstatten und Landbriesträgern entgegengenommen.
Die (frlfafeßothrtnaer und die Heeresvo^aie.
Die junge elsaß-lothringische Volksvertretung scheint es darauf anzulegen, stch selbst und das Land, dessen parlamentarische Repräsentation in ihre Hände gegeben ist, möglichst schnell und möglichst stark zu diskreditieren. Zu den Vorgängen, die in dieser Beziehung bereits vorliegen, hat sich ein neuer Akt gesellt, der die früheren Taten der elsatz- lothringischen Zweiten Kammer aus diesem Gebiete noch wett übertrifft. Im Anschlüße an eine sozialdemokratische Interpellation über die Jnstruierung der elsaß-lothringischen Bundesratsstimmen in Sachen der Heeresvorlage hat die Kammer mit einer überwiegenden Stimmenmehrheit eine Resolution angenommen, die sich direkt gegen die Heeresvorlage richtet. Diese Resolution besagt, daß die Kammer mit Bedauern davon Kenntnis nehme, daß die Abstimmung der Vundesrats- vertreter Elsaß Lothringens zugunsten der Heeresvorlage im Widerspruch zu der Ansicht der elsaß-lothringischen Bevölkerung stehe. Die Resolution gelangte mit 47 gegen 5 Stimmen zur Annahme, obwohl der Staatssekretär Zorn v. Bulach Namens des Statthalters die Erklärung abgegeben hatte, daß es stch bei der Heeresvorlage lediglich um Maßnahmen rein defensiver Natur handle, die dem Deutschen Reiche die Mittel bieten sollten, etwaige Angriffe abzuwehren, und obgleich der Statthalter in dieser Erklärung weiter ausführte, eine Regierung, die bei solcher Sachlage für die vom Reiche als notwendig erkannten Schutzmaßregeln nicht rückhaltlos und entschloßen eintrete, würde ihre heilige Pflicht gegen das Vaterland verletzen. Weder das elsaß-lothringische Zentrum noch die Mehrheit der elsaß-lothringischen Fortschrittler hat stch durch diese Erklärung davon abhalten lassen, gemeinsame Sache mit den Sozialdemokraten zu machen, um eine Kundgebung gegen die Heeresvorlage zustande zu bringen. Diese Stellungnahme der großen Mehrheit der elsaß-lothringischen Volksverttetung setzt der deutsch-feindlichen Haltung, in der stch die Kammer schon zu wiederholten Malen gefallen hat, die Krone auf. Es kann kein Zweifel daran best-cheu, Elsaß-Lothringen bei einem Zusammenstöße zwischen Deutschlriv.- und Frankreich in die schlimmste Gefahr geraten würde und bei vr»-- günstigen Wendung des Krieges unermeßlichen Schaden erleiden rn^ie. Im Lande ist man stch darüber auch durchaus klar. Wenn diese Einsicht trotzdem auf die Entschließungen der elsaß-lothringischen Volksvertretung nicht den geringsten Einfluß ausübt, so ist der Grund dafür lediglich in dem Bestreben zu suchen, alles zu vermeiden, was jenseits der Grenze irgendwie übel vermerkt werden könnte, und alles zu tun, was die Sympathie des Teiles der Bevölkerung, der noch immer nach dem Westen schielt, für Frankreich zum Ausdruck bringt. Wenn noch irgend ein Beweis dafür notwendig war, daß Elfaß-Lothringen das Maß von Selbständigkeit, das ihm jetzt zugestanden ist. nicht in Einklang zu bringen versteht mit dem Maß von Pflichten, die es damit gegen das Reich übernommen hat, so ist et durch das neueste Vorgehen der elsaß- lothringischen Volksvertretung geliefert. Eine derartige offene Ver- Nachlästigung der elementarsten Pflichten gegen das Reich, in einem Augenblick, wo es sich um die Sicherung der Zukunft des Vaterlandes handelt, ist geradezu unerhött, und diejenigen, die seinerzeit die Ansicht vertreten haben, daß Effaß-Lothringen noch lange nicht reif sei für eine Selbstverwaltung, haben eine Rechtfertigung erfahren, wie sie schneidender aber auch bedauerlicher nicht gedacht werden kann. Das Verhalten der elsaß-lothringischen Volksvertretung in Sachen der Heeresvorlage ist eine dringende Warnung an die Reichsregierung, auf der Hut zu sein und sich durch keine noch so gleißenden Worte über den wahren Stand der Dinge lauschen zu lassen.
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- ' Die Laae auf dem Balkan.
' Skutari montenegrinisch.
Wien, 24. April. Die „Südslavische Korrespondenz" meldet aus Tetinje: Der König, der von einer jubelnden Volksmenge vor dem Konak gefeiert wurde, sagte in einer Ansprache: Die großen Opfer, die das Land für Skutari gebracht hat, sind nicht umsonst gebracht worden. S k u - tari ist von heute ab montenegrinisch. Der endliche Besitz dieser Stadt werde dem Lande zu neuer Blüte verhelfen. — Den beglückwünschenden Gesandten der Balkanstaaten erklärte der König: Der Fall Skutari habe eine neue Situation geschaffen, mit der man überall werde rechnen müßen. Die Begeisterung des ganzen Landes über die Einnahme sei ebenso tiefgehend als die Erschütterung sein werde, wenn inan daran denken sollte, Skutari Montenegro wieder abzunehmen. Niemand könne heute in Montenegro wagen, diesen Gedanken auszusprechen. Weder die Regierung noch der König würden beim Volke Gehör finden, ivenn Europa noch immer daran denken sollte, Skutari, für das sich Monte negro fast verblutet habe, ihm neuerlich zu entteißen. Es werde Europa euch die Aufgabe haben, diese Operation selbst durchzuführen.
Oesterreich fordert schnelle« Eingreifen.
London, 24. April. Das Reutersche Büro erfährt: Die Zirkular- »ote Oesterreich-Ungarns an die Mächte besagt: Oesterreich-Ungarn kann ks nicht gestatten, daß die Lage, die durch den Einzug der Montenegriner in Skutari geschaffen ist, so bleibt, wie sie ist. DadasPrestigeder Mächte verletzt worden ist, so läd Oesterreich-Ungarn die Mächte rin, einen Entschluß zu faßen, über die Schritte, die zur Wiederher» ßellung des Prestiges unternommen werden sollen. Oester- «eich-Ungarn erklärt, falls die Mächte einen schnellen Entschluß nicht (aßen könnten, so würde es gezwungen fein, selbst Sicherheiten -afür zu schaffen, daß die Entscheidungen der Mächte respettiert ßvürden und daß Montenegro Skutari räume. — Gut unterrichtete öster- reichischische Kreise halten die Loge nicht für gefährlich. Man xrklärt, daß es sich nicht um eine rein österreichische Frage handele. Die Entscheidung, welche ganz Europa hinstchUich Skutaris getroffen hat, ßst Montenegro in aller Form mitgeteilt worden. Die Schiffe find ent
sandt worden, vermutlich doch um dieser Entscheidung der Mächte Achtung zu verschaffen. Man betont, daß die ernst erwogenen Beschlüße Europas nicht durch eine Aktion Montenegros obgeändett werden können, welcher diese Beschlüße direkt verletzt. Der österreichische Gesichtspunkt ist der. daß die erste Sorge Europas ist. die Räumung Skutari, unverzüglich durchzusetzen. Die Fragen betreffend der angebotenen Kam- pensationen für Montenegro können später besprochen werden.
SB i e n , 24. April. Sämtliche Blätter befaßen sich mit der durch die Besetzung Skutaris geschaffenen Lage und verlangen von der Regierung sofortige energische Maßnahmen gegen Montenegro, entweder mit oder ohne Europa. Das „Fremdenblatt" findet eine Erklärung dafür, daß Skutari in den Besitz Montengros übergehen konnte, darin, daß der europäischen Politik zwar nicht die Einheitlichkeit, wohl aber die nötige Energie bisher gefehlt hat, daß Europa nicht die für die Durchführung feiner einheitlich gefaßten Beschlüße notwendigen Mittel in Anwendung gebracht hat. Der Fall von Skutari bilde einen Affront des europäischen Konzerts ohne gleichen. Die Erregung, welche die öffentliche Meinung der Monarchie hierüber bekundet, ist gewiß nicht unbegründet. Unser Publikum empfindet die Niederlage, welche die europäische Politik jetzt erlitten hat, umso schmerzlicher, je größer und zahlreicher die Beweise von Langmut gewesen sind, welche die Monarchie in dieser Krise bereits geliefert hat. Die Mächte haben sich dadurch, daß sie sich damit einverstanden erklärten, den Widerstand Montenegros zu brechen, ober vor der Anwendung jener Mittel zurückschreckten, die hierfür erforderlich sind, in einen für unsere öffentliche Meinung unverständlichen Widerspruch begeben. Das „Fremdenblatt" gibt sich der bestimmten Erwartung hin. daß sich Europa nunmehr endlich enschließen werde, nach dem Versagen der bisherigen Maßnahmen auch schärfere Mittel anzuwenden, um für das verletzte Prestige Remedur zu schaffen und den Widerstand Montenegros zu brechen.
Englisch« und französisch« Stimme«.
London, 24. April. Die „Westminister Gazette" schreibt: Die Verbündeten nahmen grundsätzlich die Vermittelung der Mächte an. Die Vermittelung kann nur auf die Abgrenzung Albaniens, die Skutari ein- schließt, basiert werden. Wenn König Nikolaus auf Skutari bestehen sollt«, würde et nicht Ipek und Setbien nicht Djakowa bekommen. Oesterreich würde vielleicht den Sandschak Novibazat wieder besetzen. Die Mächte sind demnach nicht ohne Hilfsmittel. Menn sie zusammenhalten, erreichen sie das Ziel ohne große Schwierigkeit. Di« Lage duldet keinen weiteten Auffchub Natürlich wären wir der Anwendung von Gewalt gegen Montenegro äußerst abgeneigt, aber das Ansehen Europas steht auf dem Spiele Wenn König Nikolaus den Mächten erfolgreich Trotz bietet, müßten wir für diese Generation auf jede weitere Korperatton zur Eihaltung de« Friedens verzichten.
Paris, 25. April. Der montenegrinische Delegierte bei der Pariser Finanzkonferenz, Miuschkowitsch, erklätte einem Berichterstatter des „Matin": Man sagt, Oesterreich-Ungarn wolle uns Skutari wieder abnehmen. Wenn Europa dies zugibt, dann wird man über die Leichen unserer ganzen männlichen Bevölkerung hinweg schreiten müßen. Wir werden Skutari Oesterreich nicht geben. Bor einigen Tagen haben wir. bevor wir noch die letzten Opfer brachten, die Mächte ersucht, uns für die Aufhebung der Belagerung von Skutari eine Gebietsenschädigung zu gewähren. Es handelte sich nur um eine kleine Erenzberichtigung. Unser Ansuchen wurde von der Londoner Botschafter-Reunion brutal zurück- gewiefen. Wir werden Skutari Oesterreich nicht geben. Der König kann sich trotz besten Willens vor der Entscheidung der Mächte nicht beugen, das Heer und die gesamte montenegrinische Bevölkerung würden sich dem widersetzen. Man hat bei uns den Glauben erweckt, daß Skutari, falls wir es einnehmen, uns gehören würde. Wir haben die heldenhaftesten Anstrengungen unternommen und ungeheure Opfer gebracht und heute verlangt man von uns. daß wir die Stadt wieder hergeben. Das ist nicht möglich. — Der „Matin" fügt hinzu, daß seinen Nachrichten zufolge, die Triple Entente eine Truppenlandung der in den montenegrinischen Gewäßern befindlichen Kriegsschiffe verweigern würde. Die Klugheit dränge die sechs Großmächte, die vollendete Tatsache anzuerkennen und den Montenegrinern als Ersatz für Skutari eine Eebietsentschädigung zu bewilligen. Auch einige andere Blätter sprechen sich in diesem Sinne aus. — Iaurös schreibt in der „Humanste": Die elementarste Vorsicht macht es ganz Europa zur Pflicht, das bezüglich Albanien geschaffene Abkommen nicht zu zerreißen. Oesterreich-Ungarn würde die« auch Kraft des ihm gegebenen europäischen Versprechens niemals zugeben.
Serbien und Bulgarien.
Petersburg, 24. April. Ministerpräsident Eeschow hat der „Nowoje Wremja" aus Sofia telegraphiert, daß zwischen Serbien und Bulgarien nur Rußland Schiedsrichter sein könne. Bulgarien habe unbegrenztes Vertrauen auf die Gerechtigkeit und Unparteilichkeit Ruß. lands.
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Deutsches Reich.
— Som Kaiser. Metz, 24. April. Der Kaiser mit Gefolge ist im Sonderzug um 1.55 Uhr hier eingetroffen. Der Kaiser hatte auf der Fahrt hierher den Vortrag des Regierungsbaumeisters Krenker gehört über Ausgrabungen am Kaiserpalast in Trier. Beim Verlaßen des Bahnhofes sah der Kaiser das dort aufgestellte Metzer Pfadfinderkorps. Der Kaiser begab stch im Automobil zur Besichtigung von Forts. Die Stadt ist reich beflaggt. Das Publikum brachte dem Kaiser herzliche Kundgebungen dar. Dieser kehrte im Laufe des Nachmittags von der Besichtigung der Befestigungen zurück und nahm im Generalkommando Wohnung.
— Der Kaiser und die Probefahrt bee „Imperator". Köln, 24. April. Zu dem Versuch, die Absage des Kaisers an der Probefahrt des „Imperator" nicht teilzunehmen, mit der politischen Lage zu begründen, erfährt der Berliner Korrespondent der „Köln. Ztg.", daß die Absage ihren Grund lediglich in der notwendig gewordenen Verschiebung der Probefahrt um zwei Tage hat. Der Kaiser mutz programmähig am 3. Mai in Wiesbaden sein. Die zur Verfügung stehende Zeit reicht somit nicht zur Beteiligung an der Probefahrt in der vorherangesetzten Weise aus.
— Eine Kaiserreise nach Korfu? Eine von Pariser Blättern verbreitete Nachricht aus Athen, Kaiser Wilhelm beabsichtige, noch nach der Hochzeit seiner Tochter Korfu einen Besuch abzustatten, wird in unterrichteten Berliner Kreisen für unzutreffend erklärt.
— Som Eeniotenkomient b« Reichstags. Berlin, 24. April. Der Seniorenkonvent bes Reichstages trat heute nachmittag während der Plenarsitzung zu einer Besprechung zusammen. Man einigte sich dahin, der Reichstag soll am Freitag und Samstag den Etat in dritter Lesung erledigen und dann die Pfingstferien beginnen. Dagegen soll die Budgetkommission bis zum 30. April tagen und dann, wie bereits beschloßen worden war. bis zum 19. Mai in die Pfingstferien gehen. Am Freitig vormittag soll noch nicht in die sachliche Beratung der Wehrvorlage eingetreten, sondern die vertraulichen Besprechungen fortgeführt werden. Ob die Budgetkommisston schon am Samstag die sachliche Beratung der Wehrvorlage aufnehmen kann, hängt von dem Beginn bet Plenarsitzung ab.
— Vertraulich« Kommissionssttzung. Berlin, 24. April. Die Budgetkommission des Reichstags trat heut« vormittag zu einer Besprechung über die Behandlung der WehrvoZWen mit bett Vertretern der Regierung zusammen. Die Besprechung war durchaus vertraulich. Richtmitglieder waren zu der Besprechung nicht geladen. Zn der Verhandlung wurde auch die auswärtige Polittk in Besprechung gezogen. Znfolgedeßen erschien der Reichskanzler, wie er dies bereits vor einiger Zeit dem Vorsitzenden der Kommission in Aussicht gestellt hatte, persönlich in der Sitzung und beteiligte sich an der Diskussion.
— Reviston bet Geschäftsordnung. Berlin, 23. April. Zn bet heutigen Besprechung des Präsidenten des Abgeordnetenhaus« mit den Fraktionsvorsttzenden zur Frage einer eventuellen Revision der Geschäftsordnung wurde dahin eine llebereinstimmung erzielt, dah diejenigen von der Geschäftsordnung gemachten Vor- schlüge, wobei eine ausgedehnte Debatte und möglicherweise ein Widerspruch zu erwarten fei, nicht mehr verhandelt, fondern bi« Verhanblungen auf die voraussichtlich unstrittigen formalen Aen- berungen beschränkt werden sollen. Die Beratungen bes Land, tage« sollen bi« zum 30. April abgeschloßen werden.
— Der Kampf um bas Besoldungsgesetz. Straßburg, 24. Avril. In der Zweiten Kammer stand heute u. a. der Entwurf eines Besoldungsgesetzes zur Beratung. Hierbei befindet stch die Zweit« Kammer bekanntlich im Gegensatz zu der Regierung und zu den Beschlüßen der Ersten Kammer, speziell wegen der Gehälter der höheren und höchsten Beamten, an welchen die Zweite Kammer bedeutende Abstriche gemacht hat. Nach kurzer Debatte gab Staats- sekretär Freiherr Zorn von Bulach folgende Erklärung ab: „Di« Regierung bedauert, daß die Zweite Kammer stch nicht veranlaßt gefühlt hat, die Beschlüsse der Ersten Kammer, soweit sie die Re- gelung der Gehälter der höheren Beamten betreffen, einer näheren Prüfung zu unterziehen, da die vorgeschlagene Regelung für dft Regierung annehmbar erscheint. Die Regierung muß nach mit vor daran festhalten, daß auch die höheren Beamten entsprechende Berückfichtigung finden und daß eine Herabsetzung der Bezüge bei höchsten Beamten nicht in Betracht hommen kann." Demgegenüber verharrte bie Zweite Kammer auf ihrem bisherigen Stand- puntt unb votierte einstimmig für bie Besoldungsorbnung in bet bisher von ihr vertretenen Form.
— Reine Auskunftspflicht bet Privatbanken. Berlin, 24. April. Die „Rorbb. Allg. Ztg.« schreibt: Aus § 97 Absatz 3 des Entwurfs des Gesetzes über den einmaligen außerordentlichen Wehrbeitrag scheint die irrtümliche Schlußfolgerung gezogen zu werden, daß den privaten Bankunternehmungen eine Auskunfts» pflicht den Veranlagungsbehörden gegenüber auferlegt werden soll: „Dies ist keineswegs der Fall. Die erwähnte Vorschrift ist lediglich eine Ausnahme bei Vorschrift bes § 44 Absatz 1, wonach bie Reichs-, Staats- unb Gemeindebehörden verpflichtet sind, ben Veranlagungsbebörben auf Ersuchen Auskunft über bie Bet« mögensverhältniße des Beitragspflichtigen zu erteilen.
— Die Angelegenheit des „Z 4" unerledigt. Berlin, 24. April. Gegenüber einer Bemerkung des „Temps", daß die deutsche Preß« nicht berechtigt sei, den Zwischenfall des „Z 4“ von neuem zu erörtern, nachdem er durch eine doppelte Danksage der deutschen Regierung erledigt sei, erklärt der „Tag".: „Die Datkeskund- gebung der deutschen Regierung bezog stch lediglich auf die verhältnismäßig schnelle Freigabe des Zeppelinballons. Die Angelegenheit ist jedoch insofern noch nicht erledigt, als, wie wir hören, noch Beschwerden gegen das Auftreten der Behörden an Ort und Stelle in Luneville vorliegen." — Man kann wohl an» nehmen, daß die deutsche Regierung diese Beschwerden nachdrücklichst zur Geltung bringen wird.
— Seteranenffltforge. Berlin, 24. April. Die „Rordd. Allg. Ztg." schreibt: Der angekündigte Entwurf eines Gesetzes betreffend die Gewährung von Beihilfen an Kriegsteilnehmer ist vom Bundesrat angenommen worden. Die Vorlage steht eine allgemeine 25prozentige Erhöhung der Beihilfen auf einen Jahresbeitrag von 150 -4l vor. führt bie Gewährung eines Gnadenvierteljahrs für die Witwen der Beihilfenempfänger ein und mildert die Bedingungen für die Erlangung der Beihilfen insbesondere dadurch, daß die Gewährung bei vorliegender, nicht nur auf vorübergehender Ursache beruhenden Unterstützungsbedurfttg» feit von dem Nachweis der Erwerbsunfähigkeit unabhängig gemacht wird. Den hervorgetretenen Wünschen entsprechend fallen damit amtliche Feststellungen fort, die bei alten Kriegsteilnehmern nicht mehr am Platze sind: insbesondere erübrigt stch die ärztliche Untersuchung. Nach ausdrücklicher gesetzlicher Vorschrift soll ferner bei der Feststellung bet FürsorgewSrdigkeit das politisch« Verhalten bet Kriegsteilnehmer außer Betracht bleiben.