Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend".Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

M 95

DieOberhessffche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich butd. die Post bezogen 2.25 <M lohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 m frei ins Haus. Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Tnh.: Dr. C. Hitzeroths, Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Donnerstag, 24 April

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespalten« Zeile oder deren Raum 15 4. bei amtlichen und auswärtigen An,eigen 20 4. für Reklamen die Zeile 60 4 Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt Zeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamt«« Frankfurt a. M.

48. Jahrg.

1913.

^rttes Blatt.

Bestellungen

für die Monate Mai und Juni

Huf dieOberhessische Zeitung" nebst ihren Betl-^e« werden von unserer Expedition lMarkt 21), unseren sämtlichen Ausgabestellen sowie von allen Postanstalten und Landbriestrager« entgegengenommen. _____

Tie Aiiostilluna der BiUer to v. W weis.

In manchen Kreisen der Regierung scheint das Gefühl für nationales Bewußtsein schwächer zu sein als das Gefühl dafür, daß man irgendwie bei einem anderen Volke anstoßen könnte. Das bestätigt ein Zwischenfall, der an sich harmlos ist, doch mit Recht großen Staub aufwirbelte. Wir haben bereits gestern eine Er­klärung derRordd. Allg. Ztg." in Sachen der Ausstellung Anton v. Werners veröfsentlicht. Herr v. Werner ergreift jetzt selbst das Wort zu folgender Ausführung:

Wozu der Lärm? Die gestrige Mitteilung der Norddeutschen be­stätigt, daß vom Auswärtigen Amt meine BilderDie Kapitulations­verhandlungen" undKriegsgefangen" beanstandet worden sind, nach meinem Tagebuche vom 10. Januar dieses Jahres auch das andere Dio­ramaBismarcks Zusammentreffen mit Napoleon". Ob bezüglich dieses letzteren ein Irrtum vorliegt, weih ich nicht. Jedenfalls notiere ich in meinem Tagebuche nur Tatsachen und keine Unwahrheiten. Da ich aber inzwischen der Bedeutung der obengenannten Bilder und der bildlichen Darstellung vonMoltke in Paris", dieKaiserproklamation von Der- sailles" und des Siegesdenkmalfrieses sowie von anderen in der Liste vom 15. Dezember 1912 aufgeführten Bildern von mir durchaus keinen Unterschied von politischen Gesichtspunkten aus zu finden vermochte, so zog ich meinen Vorschlag, in dem Schreiben an die Ausstellungskommis­sion vom 20. Dezember 1912 mit der Motivierung zurück, dah ich eine Kollektivausstellung ohne die vom Auswärfigen Amt beanstandeten Bil­der für unmöglich halte. Aus künstlerischen Gründen natürlich, weil die drei Sedanbilder ein künstlerisches Ganze bilden und weil ich dem völlig -armlosen BildeKriegsgefangene" besonderen Wert beilege. Warum das ist meine Sache. Dah man auf die kleinen Eigentümlichkeiten unseres westlichen Nachbarn und des Auslandes Überhaupt an maß­gebender Stelle selbst auf künstlerischem Gebiete gebührend Rücksicht nimmt, war mir bekannt seit Fürst Bismarck 1877 die Ausstellung meines Siegesdenkmalbildes auf der Weltausstellung in Philadelphia unter­sagte. Fürst Bismarck wußte bei ähnlichen Veranlasiungen den Weg zu mir zu finden, und ein Blatt Papier von der Wilhelmstraße nach der Potsdamer Straße würde auch seinen Weg gefunden haben und der Lärm wäre vermieden worden. Erst heute erfahre ich aus der Mittei­lung derNorddeutschen", daß von den 24 Bildern meiner Liste 22 aus­gewählt worden seien. Von wem? Ganz genau ist die Mitteilung auch nicht, denn meine Liste führte wohl 23 Nummern, aber unter den 23 Nummern einige Zyklen von sechs bis sieben Bildern auf. Selbstver­ständlich bin ich seit jener Zeit der von keiner Seite widersprochenen Meinung gewesen, daß gewiße Bilder von mirbedenklich" undstaats­gefährlich" sind.

Wer das harmlose BildKriegsgefangen" kennt, wird über diese Beurteilung erstaunt sein. Der deutsche Landwehrmann, der das Kind der Französin hält, die ihren abziehenden, kriegsgefan­genen Gemahl noch einmal umarmt, ist doch eher ein Bild fried­lichen Humors. Wegen des anderen BildesDie Kapitulation von Sedan" hat Bismarck damals Einspruch erhoben, weil es kurz nach dem Kriege und die Ausstellung zudem im Auslande war. Die Tatsache der Kapitulation von Sedan können die Herren doch nicht wegschaffen!! Uns kann es doch ganz gleichgiltig sein, was die paar Franzosen, die vielleicht hierher kommen, sich dabei den­ken. Wir machen im Jubiläumsjahr eine deutsche Ausstellung Diesenationale Geschlechtslosigkeit" wäre in der Tat aufs höchste zu bedauern. Diese ewigen Rücksichten auf die Empfindungen anderer machen uns geradezu lächerlich. Im deutschen Volke aber werden sie nicht verstanden und schwachen das Vertrauen auf die nationale Seite der Politik einer Regierung.

Zu der Angelegenheit Exzellenz v. Werners erklärt man nun lm Auswärtigen Amte in Berlin mit Nachdruck, daß die aus­wärtige Politik und ihre Leitung mit der Angelegenheit der Jubiläumsausstellung Exz. v. Werners nicht das geringste zu tun habe. Wie schon aus der Feststellung derNordd. Allg. Ztg." her­vorgehe, habe es sich lediglich um eine Auswahl aus den Bildern von Werners gehandelt, und es seien eine ganze Reihe von Bil­dern gewählt worden, die die Eigenart v. Werners als Historien­maler des deutsch-französischen Krieges zum. Ausdruck gebracht hätten. Die auswärtige Politik sei dabei gar nicht in Frage ge­kommen. Leider habe Exzellenz v. Werner dann die Sonderaus­stellung selber vereitelt, indem er die zur Auswahl gestellten Bilder zurückzog.

Der Fall Skutaris.

Di« Folgen.

Nachdem alle Welt auf das Ende des Balkankrieges wartete, ist nun zuguterletzt doch noch Skutari durch die Montenegriner und Serben er­obert worden trotz des Einspruchs der Blockademächte. Der Einzug der Montenegriner in Skutari wird allerdings kaum zu irgendwelchen Komplikationen führen. Im Gegenteil: in Montenegro dürste man nach diesem Ehrenerfolge um so eher bereit sein, sich den Maßnahmen der Großmächte zu fügen. Diese haben bekanntlich ihren Standpunkt dahin präzisiert, daß Skutari bei der endgültigen Festsetzung über di« Zugehörigkeit der eroberten Gebiete zu Albanien zu schlagen sei. Die Möglichkeit, daß Skutari vor dem Friedensschlutz von Montenegro er­obert werden würde, ist dabei niemals au« dem Auge verloren worden. Der Fall von Skutari wird demnach an der Auffaffung der Mächte nichts Mbem, Darüber, wie der Standpunkt der Großmächte bei einem

etwaigen Widerstand Montenegros zur Geltung zu bringen wäre, läßt sich allerdings heute noch nicht sagen. DerTemps" schreibt über die jetzt geschaffene Situation: Es handelt sich jetzt darum, von Montenegro den Verzicht von Skutari zu verlangen, aber es liegt auf der Hand, daß die Montenegriner noch energischer als bisher Wert darauf legen. Sku. tari zu behalten. Niemand weiß, wie diesen Schwierigkeiten aus de« Wege gegangen werden soll. Oesterreich wird erklären, daß man es zum besten gehalten habe und seine Diplomaten, welche die Mächte so geschickt am Gängelbande geführt haben, werden den Zwischenfall benutzen und zweifellos verlangen, daß Skutari den Montenegrinern wieder wegge- nommen werde. Wird man gemeinsam vorgehen? Es heißt, daß Graf Berchtold es vorziehe, Oesterreich-llngarn ein Mandat erteilen zu laßen. Es ist überflüssig, die Gefahr eines solchen Mandats besonders hervorzu­heben. Die beste Lösung wäre dies, wenn Rußland territoriale Zuge- ständniße für Montenegro verlangte, welch« dem König Nikita gestatte­ten auf Skutari zu verzichten. Aber für den Erfolg eines solchen Aus- gleich» wäre es nötig, rasch zu handeln. Auch dasJournal des Debats" erklärt: Nur die gemeinsame und gemeinsam vereinbarte Intervention aller vermittelnden Mächte könnte ein vereinzelte» Einschreiten verein- dein, deßen Folgen unabsehbar wären.

Die Einnahme.

Cetlnje, 23. April. (Aus amtlicher montenegrinischer Quelle.) Eßad Pascha unterzeichnete das Protokoll betreffend die Uebergabe Sku. taris. Die Garnison hat die Stadt mit den Waffen verlaßen. Die tür- kischen Truppen verließen zuerst die Stellungen, welche von den Monte­negrinern nicht besetzt worden waren. Um 11 Uhr nachts flatterten die montenegrinischen Fahnen auf dem Tarabosch und über der Zitadelle wurden die montenegrinischen Fahnen gehißt. Hierauf besetzten die montenegrinischen Truppen die Stadt. Auf der ganzen Front verkün­deten Salven aus den montenegrinischen Geschützen die Besetzung der Stadt. In Cetinje wurde die Nachricht von dem Falle Skutaris um 2 Uhr nachts durch ein an den König gerichtetes Telegramm des Erbprin- zen bekannt. Kanonenschüße und Elockengeläute verkündeten der Bevöl­kerung der Hauptstadt das Ereignis. Alle Bewohner verließen ihre Wohnungen und zogen vor den Palast, wo sie dem König, der königlichen Familie und der Armee stürmische Ovationen bereiteten. König Niko­laus hielt vom Balkon aus eine Ansprache an die Menge. In Cetinje herrscht eine unbeschreibliche Begeisterung. Die Vertreter der verbün­deten Balkanstaaten erschienen im Palast und beglückwünschten den Kö­nig, der sie umarmte.

Aus der Belagerung der hartnäckig verteidigten Festung dürfte noch folgende» interessieren: Die Belagerung von Skutari begann am 11. Ok­tober 1912, an welchem Tage der montenegriv'scke Kriegsminister Mar- tinovitch die Festung zu belagern begann. Während die türkische Be­satzung auf 15 000 Mann geschätzt wird, dürften die Belagerungstruppen 40 000 Mann betragen. Nachdem alle Angriffe der vereinigten Monte­negriner und Serben abgeschlagen, gelang es den Belagerern in den ersten Tagen dieses Monats, durch einen nächtlichen Sturmangriff meh­rere Forts zu erobern. Aber der Erfolg wurde sehr teuer erkauft. Man schickte 200 Freiwillige mit Handbomben bis an die Drahtverhaue der türkischen Posiitionen, wo die Montenegriner die Türken mit den Bom­ben bewarfen. Der Erfolg war, daß vielfach Freund und Feind von den explodierenden Bomben getötet wurden, während hinterher mit einem großartigen Plan montenegrinische Streiter dir Befestigungen erstürm­ten. Nun muß ein letzter gewaltiger 36 Stunden währender Kampf die türkische Besatzung derart mürbe gemacht haben, daß die Festung doch noch gefallen ist. Unser Bild zeigt den montenegrinischen Kriegsminister Martinovitch, der den letzten Sturmangriff auf die Festung leitete, wo­bei er von dem serbischen General Bojovitch (Medaillonbild) mit serbi­schen Trupepn unterstützt wurde.

Prag, 23. April. DieBohemia" meldet: Die allslawischen Fah­nen an den Häusern Prags, welche anläßlich der Einnahme Skutaris durch die Montenegriner ausgehängt waren, wurden auf Anweisung der Polizei entfernt. Ebenso wurden zahlreiche Sympathietelegramme an die montenegrinische Regierung von der Postverwaltung angehalten.

----*----

Politische Umschau.

»Rordd. Allg. Ztg." nndPoft".

Die Nancyer Zwischenfälle haben die deutsche Geduld auf eine harte Probe gestellt und man könnte sich gar nicht wundern, daß auch dabei manche» Wort äbet die Franzosen fällt, da» derinternationalen Höf­

lichkeit" nicht entspricht. Wie es in den Wald schallt, so schallt <* eben wieder heraus und im Grunde hat e» das Benehmen der Franzose» le Luneville und Nancy ja auch gar nickt anders verdient. DiePost" Mt

durch ihre energische scharfe Haltung in nationalen Fragen bekannt tt, hat denn auch, freilich tn zum Teil nicht sehr gewählten Ausdrücke» ihrem Unmut über die Haltung des ftanzösischen Volkes Luft gemocht, und schon beeilt sich dieNordd. Allg. Ztg." derPost" folgende» In» Stammbuch zu schreiben:Derartige Machwerke verstoßen gegen den rechten Patriotismus und wahre deutsche Gesittung. Sie liefern de« Auslande, zu Unrecht verallgemeinert, einen Vorwand, eigene chauvini­stische Treibereien mit den deutschen Maßlosigkeiten gleicher Art zu ent­schuldigen. Im Jntereß« des Ansehens und der Würde des deutschen Namens, den sie kompromittieren, muß eine derartige Sprache als eine« hochstehenden Volkes unwürdig energisch zurückgewiesen werden." Mag der eine oder der ander« Ausdruck betPost" deplaziert gewesen sein. Darüber wird sich doch alles wundern, daß das deutsch- halbamtlich« Organ in einem derartigen Ton gegen ein deutsches Blatt in dieser Sache Front macht, und nicht ohne Berechtigung schreibt dieTäglich« Rundschau":Schade und jammerschade genug, daß dieser Regierung s, gar niemals die Galle überläuft. Gegen die ganze französische deutsch­feindliche Beschimpfungsliteratur, gegen die Deutschenhetze in Büchern und Theatern, tm Kientopp und Tingeltangel hat dieNorddeutsche" noch kein galliges Wort gesagt. Gegen die unflätigen Sckweinereien, die im Pariser Straßenverkauf zur Verhöhnung des Deutschen Kaiser« ausgebrülli werden, man schämt sich, sie näher zu bezeichnen, da­gegen hat unsere Regierung noch nicht den Bakel geschwungen. Und nun dieser hitzige Eifer nach der anderen Seite zur Freude und Ermun­terung aller jener Blätter, welche die Wehrvorlage aus das giftigste be­kämpfen. Beschämung über Beschämung. Die rechtsstehendeDeutsch« Zeitung" ruft dazu aus:Da haben wir die deutsche Jämmerlichkeit auf einem Höhepunkte," und tut die Frage:Darf stck ein großes Volk von solchen Männern regieren laßen?" Das stnd scharfe, bittere Worte; sie mögen zu scharf sein. Aber einzig und allein Schuld der Regierung ist es, daß eine solche Svrache von solcher Seite aus einem Gefühl der Verzweiflung heraus geführt wird. Deutschlands Staat und Volk soll­ten von oben her wirklich anders angesehen werden als eine A-B-C- Schule." Nur dasBerliner Tageblatt",Morgenpost" usw. sind mit derNordd. Allg Ztg." einverstanden.

Nachträgliche« zur Luneviller Angelegenheit.

Köln, 23. April. DieKöln. Ztg." läßt sich aus Berlin melden: In der Preße ist bei der Besprechung der Luneviller Angelegenheit mehr­fach von einem Dank der deutschen Regierung an die französische wegen derguten Behandlung" der deutschen Luftschiffer gesprochen worden. Das ist eine irrtümliche Auffassung, und es erscheint am Platze, sie richtigzustellen, «he sie sich allgemein festietzt. Der Dank der deutschen Regierung hat üch auf die schnelle Freigabe des Luftschiffes bezogen, und insoweit war er berechtigt. In diesem Punkt hat die französtlche Regierung ein Entgegenkommen bewiesen, das Dank verdient, indem sie auf eine längere Zurückhaltung des Luftschiffes verzichtet bat, zu bet ne theoretisch berechtigt gewesen wäre. Der Dank der beutscken Regierung bezog sich also auf bieses tatsächliche Entgegenkommen, nickt aber etwa auf bas Verhalten bei Lokalbehörden und bet Bevölkerung. Hebet diesen Punkt stnd Beschwerden erhoben worden, die noch nicht erledigt find. Was übrigens den mehrfach geltend gemachten Standpunkt an« belangt, daß das Betreten des Sckiffes eine Verletzung des deutschen Bodens darstell«, so scheint dieser Standpunkt nicht haltbar. Das Luft­schiff war keinKriegsschiff", sondern kann, wenn man einmal den Ver- gleich mit den Marineverhältnissen durchführen will, was bei der noch so wenig geklärten Rechtslage schwierig ist, höchstens als Handelsschiff" angesehen werden.

Französisch« Preßstimmen j» dem Borfall von Arracourt.

Paris, 23. April. Die Morgenblatter erörtern die Landung der deutschen Militärflieger bei Arracourt zumeist in ziemlich ruhigem Ton, nur einige nationalistisch« Zeitungen führen eine scharfe Sprache. Der .Wgaro" schreibt: Die französische Regierung bat stck gehütet, aus dieser Panne« eine» deutschen Flugzeuges ein Erenzzwischenfall zu machen. Pannes eines deutschen Flugzeuges einen Erenzzwischenfall zu machen, zu dieser raschen und maßvollen Lösung, welche von der Höflichkeit und guten Laune dieser beiden angeborenen Eigenschaften des französischen Volkes eingegeben war, nur beglückwünschen. Auch die öffentliche Mei­nung Deutschlands wird sich diesem Erkenntnis nicht verschließen können und feststellen müßen, wieweit die Franzosen ihre Liebenswürdigkeit treiben. Aber jedenfalls wird man deutscherseits gut tun. die Vorsicht zu verdoppeln. Die beiden letzten Irrtümer stnd gut verlaufen, aber es könnte nicht immer so sein und es würde ein Wahnsinn sein, sich Zwischen­fällen auszusetzen. Die ftanzösischen Militärflieger befolgen genau den Befehl, sich in hinreichend großer (Entfernung von der Grenze zu halten. Hofentlich werden die Deutschen diese Vorsicht und Zurückhaltung etwa» mehr nachahmen. Der radikaleEvenement" schreibt: Wenn die Deut­schen wirklich bestrebt sind, gute Beziehungen zu uns zu unterhalten, bann müssen sie sich zuerst darüber klar werden, welche Hnzukömmlich- keiten es zur Folge haben kann, wenn preußische Offiziere unter solchen Umftänbcn der lothringischen Bevölkerung, deren patriotische Nerven von Natur aus hoch gespannt find, einen Besuch abftatten. Die bonapartistisck-nati ovaleAutorite" schreibt: Vor einigen Wochen wurde ein französischer Flieger, der in Elsaß landen mußte, festgenommen, durchsucht und eingesperrt und sein Flugzeug zerlegt. Wir gehen nicht auf die gleiche Weise vor und haben beimZeppelin" wie hier auch dies­mal eine Mäßigung und Höflichkeit gezeigt, die man uns zweifellos schlecht lohnen dürfte. Das nationalistisch«Echo de Paris" schreibt: Man sagt, daß die Zwischenfälle, die sich seit einigen Wochen häufen, feine geflissentliche Herausforderung an die Adresse Frankreichs sind und wir glauben es gern. Aber sie bilden jedenfalls Symptome und wenn sie auch keine Entrüstung hervorzurufen brauchen, so erheischen sie doch Sicherheitsvorkebrungen. Die Warnungen, die uns bei Luneville und bei Arracourt vom Himmel fielen, müßen uns daran erinnern, daß di« Deutschen keine Verwegenheit für zu gefährlich halten und daß den Fran­zosen keine Krastanstrengung zu hart erscheinen darf.

Ladin «u.

Die alte sozialdemoftatischeBehauptung" Cadinen sei dem Kaiser geschentt worden, wobei es einmal heißt,für einen Herrenhanssih oder auch es sei dabei den armen Verwandten des Landrats a. D. Btrkner das ihnen rechtmäßig zustehende Erbteil entgangen, hat kürzlich di« Nordd. Allg. Ztg." sehr treffend und völlig genügend als haltlosen Klatsch bezeichnet. Es ist allgemein bekannt, daß der Kaiser das Gut richtig und noch nicht einmal billig gekauft hat. Neulich hat sich nun auch die Berliner Stadtverwaltung mit dem Ladiner Kauf beschäftigen