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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
1913
(Sriteei Blatt
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den Regierungen
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Paris, 22. April. Der Unterpräfekt von Luneville,
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Be- zur
scher Luftschiffe jenseits der Grenze bereits von der deutschen Regierung Mahregeln eingeleitet worden, um solche Vorkommnisse
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"bestätigt, die be- Landungen deut
künftig zu verhüten. Mit der französtschrn Regierung find sprechungen im Gange, die die Schaffung eines Abkommens Regelung der Luftschiffahrt bezwecken.
combe, wurde zum Präfekten des Departements der Basies- Pyr6n6es ernannt. Wie in einer offiziösen Rote erklärt wird,' wollte der Minister des Innern durch diese Beförderung dem Takt und der Kaltblütigkeit, welche Lacomb« anläßlich der Landung des „Zeppelin" bewiesen habe, Anerkennung zollen.
Schwierigkeiten anzuwenden find, die zwischen infolge der Luftschiffahrt entstehen könnten.
Dies wird auch von der „Rordd. Allg. Ztg. richtet, daß wegen der verschiedenen Fäll« von
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Reklamen die Zeile 60 4. Bet Wiederholungen entsprechender Rabatt Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
Ein öent|die§ Militär flnazeug in Frankreich gelandet
Roch sind die Erörterungen über die Zeppelinlandung bei Luneville nicht beendet, da kommt neuerdings die Meldung von einem Ueberfliegen der französischen Grenze durch deutsche Fliegeroffiziere. Wie aus Nancy gemeldet wird, ist gestern, Dienstag, morgen 7.45 Uhr ein mit zwei deutschen Offizieren besetzter Doppeldecker nördlich von Arraconrt gelandet. Der Führer des Flugzeuges, Hauptmann v. Dewall, der Leiter des Flugübungsplatzes Darmstadt, erklärte, er sei in Darmstadt zu einem Fluge nach Metz aufgestiegen und habe aus Mangel an Benzin landen müssen, wobei er geglaubt habe, über deutschem Gebiet sich zu befinden.
Die „Agence Havas" veröffentlicht zu dem Vorfall folgende Note vom 22. April: „Heute früh um ?y2 Uhr landete bei Arra- court, ungefähr 5 Kilometer von der Grenze entfernt, ein deutscher Doppeldecker, Flugzeugmodell Heller. Er hatte einen Motor von 70 Pserdekräften und war bemannt mit zwei Offizieren, von denen der eine die Uniform eines Fliegerhauptmanns, der andere die Uniform eines Jnfanterieleutnants trug. Das Flugzeug hat ungefähr 6 Kilometer französisches Gebiet überflogen. Die Offiziere erklärten, dah sie morgens um 5 Uhr von Darmstadt mit Bestimmung nach Metz abgefahren seien. Sie hätten in dem dichten Nebel in der Umgebung von Dicuze die Richtung verloren und erst bei der Landung nach Befragen der Bewohner erkannt, dah sie sich auf französischem Gebiet befanden. Der Unterpräfekt von Luneville prüfte die Angaben über die von dem Flugzeuge zurvck- gelegte Strecke und verhörte die beiden Offiziere. Drei Fliegeroffiziere aus Toul, Epinal und Verdun und ein Fliegerhauvtmann aus Nancy sind von den Militärbehörden an Ort und GTeöe geschickt worden. Die Zivil- und Militärbehörden erkennen übereinstimmend als Grund der Landung höhere Gewalt an." Es wurde daher den beiden Offizieren gestattet, Benzin aufzunehmen und über die Grenze zurückzufliegen. Um 5% Uhr erhielten sie die Erlaubnis zur Abreise. Um 6y2 Uhr stiegen sie mit ihrem Apparat zur Fahrt nach Metz auf. Hier trafen sie um 7 Uhr abends ein und sind bei der Station der Fliegerabteilung glatt gelandet. Sie berichteten, daß sie die Strecke von Darmstadt bis zur Landungsstelle — 270 Kilometer — in 2 Stunden 43 Min. zurückgelegt hatten. Ueber Saarbrücken hatten sie infolge Hüttenrauches und Nebels die Orientierung verloren. Als sie dann wieder Land bemerkten, erkannten sie, daß sie auf französischem Boden und etwa 2—3 Kilometer von der Grenze entfernt waren. Beamte und Militär waren bald zur Stelle und sperrten die Landungsstelle ab. Die Offiziere blieben auf dem Platze und telegraphierten bald nach Paris und Metz. Es wurde ihnen vom Unterpräfekten schon bald mitgeteilt, daß bis zu ihrer voraussichtlichen Freilasiung nicht lange Zeit verstreichen würde. Die Aufnahme der Offiziere bei den Behörden und der Bevölkerung war eine sehr liebenswürdige.
Diese an sich erfreuliche Tatsache kann aber die Bedenken gegen eine Häufung derartiger Zwischenfälle nicht beschwichtigen. Es muß unbedingt gefordert werden, daß die Führer von Militärballons und Flugzeugen so vorsichtig als möglich bei ihrem Fluge verfahren. Sobald sie an der Grenze manövrieren, müsien sie alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, die zu solch unfreiwilligem Ueberfliegen der Grenze führen können und von vornherein peinlichst vermeiden, sich diesen Möglichkeiten auszusetzen.
Wie übrigens die obengenannte Note der „Agnce Havas" weiter mitteilt, sind an den französischen Botschafter in Berlin Instruktionen gesandt worden, die ihn auffordern, die ganze Aufmerksamkeit der kaiserlichen Regierung auf die wiederholten Landungen von deutschen Ballons und Aviatikern in Frankreich nahe der Grenze hinzulenken und auf die ernsten Unzuträglichketten, die aus den bedauerlichen Zwischenfällen entstehen können. Herr Cambon ist beauftragt worden, die deutsche Reichskanzlei zu ersuchen, Maßregeln zu treffen, um Wiederholungen derartiger Ereignisse zu vermeiden. Uebrigens sind Besprechungen eingeleitet worden zwischen den beiden Regierungen, um so schnell wie möglich zu einem Ueberetn- kommen zu gelangen zur Festsetzung von Regeln, die bei den
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage'
machen. Es war hohe Zeit für die Derbünderen, Schritt« zur baldige» Beendigung des Krieges zu ergreifen, dessen Fortsetzung für niemand«» mehr Vorteil haben konnte. Sie haben jetzt durch einen regulären Vertrag ihre Rechtsansprüche auf ihre Eroberungen zu vervollständigen an» ihre Beziehungen untereinander zu regeln. Der Augenblick wird kommen. wo die Welt erfahren wird, ob die Balkanstaaten dl« Früchte ihrer außerordentlichen Siege in Mäßigung und gegenseitiger Zurückhaltung zu genießen wifien. Die Atmosphäre scheint uns schwer geladen zu sein, aber wir hoffen, daß kein verwüstender Sturm den Fortschritt der vo» der ottomanischen Herrschaft befreiten Gebiete in der Blüte vernichten wird. Unsere Hoffnung besteht lediglich aus der erprobten Weisheit der Staatsmänner, die die Verbündeten im Kriege geleitet haben. Männer» wie Eeschow. Pasttsch und Venizelos, können nicht leicht den europäische» Ruf, den sie gewonnen haben, opfern. Es ist bezeichnend, daß die Differenzen unter den Verbündeten noch nicht zu direkten Kontroversen zwischen den Regierungen geführt haben. Darin liegt wenigstens eine gewiße Hoffnung.
Konstantinopel, 22. April. Die Waffenruhe, welche laut de, mündlichen Verabredung morgen abläuft, soll für die Türkei, Bulgarien und Griechenland in einen zweimonatigen Waffen st illstantz umgewandelt worden sein.
Sofia, 22. April. Das bulgarische Regierungsorgan „Mir" hält den Krieg mit der Türkei für beendet und erklärt, man könne die Unterzeichnung der Friedenspräliminarien und die Demobilisierung der feind lichen Armeen als bevorstehend ansehen. Das Blatt ist fest überzeugt daß die Verbündeten ihre gegenseitigen Verpflichtungen getreu einhal, ten werden und daß auf dem Balkan dauernder Friede eintreten werde
Skutari gefallen.
W. Cetinje, 23. April. Rach amtlicher montenegrinisch« Quelle find die montenegrinische« Truppe« siegreich i« Skutari eingezogeu.
BeHImicien
für die Monate M a i und Juni
•uf die „Oberhessische Zeitung" nebst ihren Sc’-yn werden von unserer Expedition (Markt 21), unseren sämtlichen Ausgabestellen sowie von allen Postanstalten und Landbriesträgern entgegengenommen.
Zur Lage.
London, 22. April. Die „Times" schreibt: Die Atmosphäre des Balkans hängt den aufstrebenden Nationalitäten des Balkan noch an. Bis der Teppich endgültig verkauft ist, können sie sich nicht entschließen, die Hoffnung auf einen kleinen Profit aufzugeben. Immerhin sind sie jetzt auf dem Puntte angekommen, wo sie sehen, daß die Intervention der wohlwollenden Zuschauer, die bereit sind, als ehrliche Makler zu handeln, angenommen oder abgelehnt werden muß. Sie nehmen jetzt das Angebot der Vermittelung an ohne irgendwelche Bedingungen zu
Marvurq
Mittwoch, 23 April
Deutsches -reich.
— Bom Kaiser. Homburg v. d. H, 22. Avril. Der Kaiser hörte heute vormittag die Vorträge des Vertreters des Auswärtigen Amtes Gesandten v. Treutler und des Chefs des Militär« kabinetts Generaladjutanten General der Infanterie Freiherr« v. Lyncker.
— Abstriche. Berlin, 22. April. Die Budgetkommission bei Reichstages lehnte ist fortgesetzter Beratung des Heeresetats de« Ankauf des Grundstücks Vikioriastraße 34 als Dienstgebäude und Dienstwohngebäude für das Kriegsministerium (Militärkabinett) sowie des Grundstücks Wilhelmstraße 78 in Berlin mit allen gegen drei Stimmen der Konservativen ab.
— Die Prüfungskommission. Berlin. 22 April. Die Budgetkommission des Reichstags nahm gestern d,e eingebrachte Zentrumsresolution betr. die Berufung einer Kommission zur Prüfung der Rüstungslieferungen mit allen »egen, die Stimmen der Fortschrittlichen Volkspartei an. Ein non d-n Sozialdemokraten gestellter Ergänzungsantrag, der Kommission tna Recht der Vernehmung unter Zeugeneid zu übertragen, wurde gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt.
— Eine kleine Anfrage. Berlin, 22. April. Der Reichstagsabgeordnete Dr. Weill (Soz.) hat an den Reichskanzler folgende Anfrage gerichtet: Ist der Reichskanzler *n der Lage. Auskunft darüber zu geben, ob Verhandlungen zwischen den in Neukamerun berechtigten Konzessionsgesellschaften und den Verbündeten Regierungen Über die künftige Stellung der Gesellschaften geführt worden find und welches Ergebnis diese Verhandlungen hatten?
— Au» der elsaß-lothringischen Kammer. Sttaßburg, 22. April. In der heutigen Sitzung der Zweiten Kammer des Landtags interpellierten die Sozialdemokraten die Regierung über die Stellungnahme der elsaß-lothringischen Bundesratsvertreter bei der Abstimmung Über die Wehrvorlage. Staatssekretär Freiherr Zorn von Bulach verlas eine Mitteilung des kaiserlichen Statthalters, nach der die elsaß-lothringischen Vertreter im Bundesrat für die Vorlage gestimmt haben aus Gründen defensiver Natur und im Interests der Ehre des Reiches. Die Sozialdemokraten brachten darauf eine Resolution ein, in bet bie Haltung der Regierung nicht gebilligt wirb. Dieselbe würbe in namentlicher Abstimmung mit 37 gegen 12 Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen abgelehnt. Das Zentrum unb bie lothringische Gruppe stellten in einer Resolutton bas Bedauern fest, daß die Instruktionen der Bundesratsvertreter der Mehrheit des lothringischen Volkes nicht entsprächen. Diese Resolution wurde mit 47 gegen 5 Stimmen angenommen. Der Abg. Drumm sFortschr. Volkspartei) hatte wiederum einen Zusammenstoß mit dem Präsidenten Dr. Ricklin, weil er sich wieder des Mülhauser Dialettes bediente. Der Prä- stdent legte erneut seinen Standpunkt dar. der ihn zwinge, auf den Gebrauch der Schriftsprache im Parlament zu bestehen. Die Angelegenheit soll in der Eeschäftsordnungskommisfion geregelt werden. Der Präsident verwahrte sich gegen die Vorwürfe, die in einer bestimmten Presse gegen ihn erhoben worden waren, daß er aus politischen Gründen unb um bet Regierung einen Gefallen zu erweisen, zu biefer Maßregel gegriffen habe.
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Ausland.
** Der Frostschaden in Ungarn. Bubapest, 22. April. Ein amtlicher Bericht bes Ackerbauministers Über den Frostschaden de» Monats April meldet: Die Halmfrüchte haben fast keinenSchade« erlitten, dagegen wurden Obst, Weiden unb Wiesen um 20 bis 60 Prozent geschädigt. __„ ,
*» Professoren al» Gegner bet dreijährigen Dienstzeit. Pari», 22. April. Dem „Echo be Paris" zufolge hat bet Ministerpräsident unb Unterrtchtsminister Varthou eine Untersuchung betr. be» Verhaltens gewisiet Gymnasial- unb Universitätsprofesioren an» georbnet, bie gegen ben Gesetzentwurf über die breijährige Dienstzeit öffentlich und zum Teil sehr heftigen Einspruch erhoben hatten«
Tie „große und ritterliche Nation"
Der französische Ministerpräsident Barthou hat soeben auf einem Wohltätigkeitsfest der Pariser Lehrervereinigung eine Rede gehalten, in der sich die ganze Ahnungslosigkeit enthält, die von den Nancyer Vorgängen in den Herzen der französischen „Patrioten" zurückgeblieben ist. Wollen diese Herren nicht sehen, oder sind sie in ihrem blinjHH Chauvinismus unfähig, zu sehen? Es ist doch geradezu unerhört, angesichts der brutalen Affäre in Rancy einen Satz auszufprechen, wie den, daß „allzu oft ein Chauvinismus, Me man ihn uns zu Unrecht vorwirft, sich jenseits der Grenze gezeigt hat." Es ist außerdem im höchsten Maße taktlos, das zu behaupten, nachdem kurz vorher der deutsche Reichskanzler bei der Besprechung des Auswärtigen im Reichstage Frankreich mit Elacehandschuhen angefaßt hat.
Diese Nation hat ihr Urteil verloren, ist bar ihrer Würde geworden, und ihr Heldentum besteht darin, auf zwei wehrlose Deutsche mit Hunderten erhobenen Regenschirmen loszugehen. Herr Barthou bezog sich in seiner jüngsten Pariser Rede auf „die ruhmreichen Erinnerungen der Vergangenheit" Frankreichs. Wenn er dabei den Takt und das kulturelle Niveau seiner Nation mit einschließt, oder gar die Würde, die er so phrasenhaft hervorhebt, so möge er sein Gedächtnis stärken mit den ruhmreichen Erinnerungen an die Greuel des französischen Raubgesindels in den Jahren 1806—1813, die wir in unfern Tagen großer Erinnerungen den Franzosen noch nicht zum Vorwurf gemacht haben — aus wirklicher Würde, die wir gerade diesem Feinde gegenüber immer gewahrt haben. Er möge an den wahnwitzigen Chauvinismus denken, der Frankreich 1870 ins Unglück gestürzt hat. Er hat die boulangistischen Treibereien der 80er Jahre miterlebt, und wir wissen nicht, ob ihm die Schamröte ins Gesicht gestiegen ist, als im März 1888 beim Tode des alten Kaisers die französische Presie und die französische Kammer sich in den schamlosesten Verdächtigungen und Pamphleten gegen die ruhmreichste Persönlichkeit der neueren Geschichte und den ehrwürdigsten Greis erging. Damals beschämte der Maharadja von Lahore das hochgebildete und ritterliche Frankreich: er ließ sich bei der Nachricht vom Tode Kaiser Wilhelms Dom englischen Gouverneur ein Bild des edlen und großen Kaisers geben. So ehrfürchtig hatte der „Wilde" die geschichtliche Bedeutung des alten Kaisers begriffen. Aber das Register ist noch nicht erschöpft. Im Februar 1891 reiste die Kaiserin Friedrich zum Besuche der Königin Viktoria von England über Paris, um auf Wunsch ihres kaiserlichen Sohnes die französischen Künstler zur Beteiligung an der internationalen Kunstausstellung nach Paris einzuladen. Auf Umwegen, im Dunkel der Nacht, mutzte die Kaiserin Paris verlasien, um nicht unmittelbaren Belästigungen ausgesetzt zu sein. Wir vergeffen leicht: sonst könnte für jedes Jahr eine Liste der französischen Pöbelelen aufgelegt werden. Bei der Marokkoangelegenheit erneuerte sich das Schauspiel und jetzt hat es in Rancy weiterhin seine Entwicklung genommen. Und da hat der französische Ministerpräsident die Stirn, die Dinge auf den Kopf zu stellen. Dieses Volk, das feine Geschichte mehr hat, hat aufgehört geschichtlich zu denken.
Wir wollen ihm, was den Chauvinismus betrifft, der sich „jenseits der Grenze" gezeigt hat, also bei uns, etwas nachhelfen. Wir erkennen als den erhabensten und würdigsten Repräsentanten unseres Volkes und des Deutschen Reiches unfern Kaiser an, und wenn die Franzosen noch fähig sind, ritterliches Benehmen dem Gegner gegenüber zu lernen, so können sie sich den Kaiser zum Meister nehmen. Er hat ihnen in unverdientem Mas?« zu jeder Zeit und nach den eklatantesten Enttäusch- 'ungen sein vornehmes Denken, seinen Herzentakt und seine ritterliche Aufmerksamkeit erwiesen. Er hat nach den Kundgebungen gegen die Anwesenheit seiner Mutter in Paris beim Stapeilauf des Panzers „Weitzenburg" im Dezember 1891 Frankreich trotzdem den „ritterlichen Feind" genannt, er hat zwei Jahre später, beim Tode Mac Mahons ein herzliches Beileidstelegramm und einen Kranz „auf den Sarg des tapferen, edlen Feldmarschalls" nach Paris gesandt, hat am 24. Juni 1894 nach der Ermordung Carnots den Franzosen seine Bewegung über die „schreckliche Nachricht" ausgedrückt. Richt genug damit: der Kaiser wollte noch durch die Tat beweisen, wie groß seine Teilnahme im Augenblick für den furchtbaren Schlag, der Frankreich getroffen hatte, war. Er entließ die beiden französischen Marineoffiziere, die wegen Spionage auf der Festung Elatz saßen! Er tat dies, „um der französischen Nation in dem Augenblick, in dem sie im tiefsten Schmerz sich befinde, ein Zeichen seiner Sympathie zu geben". Im Januar 1895 beklagte der Kaiser im Telegramm den Tod Canroberts, im Mai 1897 teilte er seine Ergriffenheit über den Brand des Pariser Wohltätigkeitsbazars, bei dem die Herzogin von Alenqvn umtam, dem Präsidenten Faure mit, und als greifbares Zeichen feiner Teilnahme lieg er 10 000 JL überweisen, damit die Erträgnifie des zerstörten Bazars nicht leiden. Beim Tode des Präsidenten Faure neues Beileidstelegramm und 1902 beim Ausbruch des Mont Delee neben herzlichem Telegramm wiederum 10 000 M zur Linderung der Noti
Abhold jeder Formalität, bestimmt durch die echteste Wärm« innerer Teilnahme ergingen diese Liebenswürdigkeiten an Frankreich. Zahlreiche andere Aufmerksamkeiten wurden außerdem erwiesen. Nie hat der Kaiser die Würde Frankreichs auch nur mit einem Tonfall verletzt, Vie hat er uns dem „Chauvinismus" in die Arme getrieben. Einen Chauvinismus kennen wir überhaupt gar nicht. Wir hätten uns ja für Luneville und Nancy revanchieren können, als in diesen Tagen der Flieger Daucourt seinen Flug Paris—Berlin auf dem Iohannisthaler Flugplätze beendete. Wir dachten gar nicht daran. Publikum und Offiziere bewahrten eine würdige Haltung, und der Major Groß belächelte die etwaige Befürchtung des französischen Fliegers vor chauvinistischen Exzessen. Wir sind kühl bis ans Herz hinan, aber wir warnen I Der Dank Frankreichs für unsere Aufmerksamkeiten ist uns Hekuba; denn wir haben diesen Dank nicht nötig. Aber vor neuen Unverschämtheiten warnen wir. Der Krug geht |o lange zum Wasser, bis er bricht.
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