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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".
Die „Obrrhesfische Zeitung- erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durck> die Post bezogen 2.25 M lohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungssteller. 2,— M frei ins Haus. — Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzerothl, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Dienstag, 2‘ April
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48. Jahrg.
1913.
fiirttes Blatt.
Rundschau.
Kriegsminister und „Lokal-Anzeiger".
Wenn jetzt der „Verl. Lok.-Anz.", jenes Blatt, das früher einmal von den „Forderungen des Heeres" sprach und sich den Anschein gab, als diene es einer umfassenden Opposition im Heere gegen den Kriegsminister als Sprachrohr, heute noch behauptet, Herr v. Heeringen hätte besier getan, die amtliche Vertretung der neuen Wehrvorlage gegenüber der Volksvertretung einem Nachfolger zu Lberlasien, „desien Autorität durch keine Sünden der Vergangenheit geschmälert" sei, so ist das eine Verdrehung der Tatsachen. Nach dem Grunde dieser Rancüne braucht man nicht lange zu suchen, da ihn das genannte Blatt selbst durch eine Bemerkung verrät, die von Ausfällen des Kriegsministers auf „unbequeme Zeitungsartikel", welche d°n Stein erst ins Rollen gebracht hätten, spricht. Noch gehässi sind die Ausführungen über die Stellungnahme des Kriegsministers zu der Angelegenheit Krupp. Hier wird dem Kriegsminister vorgeworfen, er sei mit dem enragiertesten Feinde des preußischen Heeres, dem sozialdemokratischen Abgeordneten Liebknecht, einen „förmlichen Pakt" eingegangen, um ihn dazu zu bestimmen, ein Material gegen Krupp der Öffentlichkeit einstweilen vorzuenthalten. Die Verhandlungen im Reichstage haben deutlich genug ergeben, daß das Verhalten des Kriegsministers lediglich von dem Gedanken bestimmt wurde, die eingeleitete Untersuchung nicht durch vorzeitige Veröffentlichungen wirkungslos zu machen. Der ganze Artikel ist von einer großen Gehässigkeit erfüllt. Verstärkt muß der Widerwille dagegen durch die Erwägungen werden, daß das mehrgenannte Blatt sich mit dem Schein der Offiziosität umgibt und so den Eindruck erweckt, als gingen die Angriffe gegen den Kriegsminister von amtlichen Stellen aus. Einer vaterländischen Gesinnung entspringen derartige Treibereien gewiß nicht, denn jedermann muß sich sagen, daß ein Zurücktreten des Kriegsministers in dem gegenwärtigen Augenblicke in sachlicher wie in politischer Beziehung eine empfindliche Beeinträchtigung der Jnteresien des Reiches fein würde. — Herr v. Heeringen hat feine volle Schuldigkeit getan, als er alles forderte, was im Jnteresie des Landes und des Heeres nötig war.
Eine Rede des Ministerpräsidenten Barthou.
Bei dem jährlichen Wohltätigkeitsfest der Lehrcrvereinigung hielt Ministerpräsident Barthou eine Rede, in der er u. a. sagte: Diejenigen beurteilen Frankreich falsch und verkennen unser Land, die es hinstellen wollen als fähig, ich weiß nicht welches chauvinistischen Angriffes. Die öffentliche Meinung und die französische Presie sind unter entscheidenden und schwierigen Umständen eins darin gewesen, zu zeigen, in welchem Maße sie kaltes Blut und das Gefühl ihrer Würde zu wahren verstehen. Man muß es sehr laut sagen, daß wir, indem wir solches Beispiel geben, zu denen gehören, die von niemandem Lektion zu empfangen haben. (Beifall.) Allzu oft hat ein Chauvinismus, wie man ihn uns vorwirft, sich jenseits der Grenze gezeigt. Frankreich ist dem Frieden ergeben, aber es will nur einen Frieden unter Wahrung seiner Würde, seiner Jnteresien und seiner Rechte und nicht unter Aufgabe seiner Erinnerungen, seiner Vergangenheit und seiner zivilisatorischen Mission. Soeben habe ich mit tiefer Bewegung gesehen, wie seit Beginn dieser Veranstaltung die Turner sich vor unserer Fahne verneigten. (Beifall.) Es ist niemand hier, der sich nicht verneigt hätte, der sich nicht erhoben und die Trikolore begrüßt hätte, die von ruhmreichen Erinnerungen an die Vergangenheit und strahlenden Hoffnungen für die Zukunft umweht wird. (Langanhaltender Beifall.)
Wie man angesichts der letzten Vorkommnisie in Luneville und Rancy und angesichts der ganzen Geschichte der französischen Nation sich ein derartiges Urteil erlauben kann, bleibt einfach schleierhaft. Wir kommen noch ausführlicher darauf zurück. Man kann nur annehmen, daß der französischen Nation, die sich ja so gern an leeren Worten berauscht, schon der Sinn für die tatsächlichen Verhältnisie vollständig abhanden gekommen ist. Die französischen Behörden und das bessere Publikum scheinen übrigens durchaus nicht der Ansicht zu sein, daß in dem französischen Volke der Chauvinismus keine Rolle spielte. Wie aus Paris berichtet wird, sprechen mehrere Blätter den dringenden Wunsch aus, daß chauvinistische Theater- und sonstige Schauvorstellungen im Interesse der friedlichen Beziehungen der beiden Länder aufhören mögen.
Der Zwischenfall von Rancq.
Das Wolffsche Telegraphenbüro ergänzt jetzt seine erste Meldung des französischen Berichts folgendermaßen: Während ein (Beamtet des Bahnhofes die deutsche Gruppe von drei Herren und zwei Damen auf den Bahnsteig und zum Zuge gehen ließ, bemerkten die Manifestanten in einem Wartesaal 2. Klasse die zwei vorher angelangten Deutschen, offenbar die, welche im Kasino gewesen waren und von denen seitdem nicht mehr die Rede gewesen ist. Nachdem diese von einer Person aus der Menge als Deutsche gezeichnet waren, schrie man hinter ihnen her, und es kam zu einem Handgemenge, bei dem der Hut eines der Deutschen zur Hrde fiel. Als der diensthabende Unterchef des Bahnhofes den Kärm im Wartesaal 2. Klasse hörte, begab er sich sofort dorthin. Dr nahm die beiden Deutchen mit sich und führte sie zu ihrem Auge. Er ging sodann nach seinem Büro zurück, bemerkte aber in Dem Augenblick, als er es betreten wollte, daß die Manifestanten Dch nach dem dritten Bahnsteig wandten und wieder die Wagen
bestiegen. Er ging zurück, stieg sodann in den Wagen, in dem sich die Lärmenden befanden, brach sich durch dieselben Bahn und gelangte nach zwei oder drei Minuten in das mittlere Abteil, in dem sich die drei Herren und eine Dame befanden. Er bemerkt«, wie einer der Manifestanten den rechten Arm über einem Reisenden erhoben hatte, der mit dem Rücken nach der Lokomotive hin saß, ergriff ihn am Arm und ließ ihn und ebenso die anderen Manifestanten aus dem Wagen steigen. Sobald der Wagen geräumt war, wurden die Türen geschlossen. Die Polizeibeamten, die den Dienst auf dem Platze hatten, waren, als sie den Lärm auf dem Bahnhof gehört hatten, hineingegangen, ohne eine andauernde Tätigkeit auszuüben, um die Unordnung zu verhindern, deren Zeugen sie waren. Aus den verschiedenen Aussagen des Personals, das auf dem Bahnhöfe in der Nacht vom 13. auf den 14. April Dienst hatte, geht hervor, daß keiner der Beamten vom Dienst sah, daß die deutschen Reisenden geschlagen wurden. — Hier wird also offen gesagt, daß die französischen Polizeibeamten di« Deutschen einfach ihrem Schickal überließen, obwohl sie gesehen hatten, was vorging.
Ritr Laae.
Konstantinopel, 21 April. (Es verlautet, die Verhandlungen Djawid Beys mit zwei Pariser Finamgruppen wegen de» Abschlüsse» einer großen Anleihe nehmen einen günstigen Verlauf.
Konstantinopel. 21 April. Die Pforte bat die von Griechenland aufgestellten Bedingungen für die Rücksendung der Kriegsgefangenen angenommen. 5000 Kriegsgefangene werden in Merfina an Land gesetzt: Griechenland zieht seine Truppen von Cbios zurück.
Wien, 21. April. Die Beschießung von Skutari durch di« Montenegriner dauert, wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird. fort. Der Sturmangriff auf den Tarabosch wird vorbereitet. Die Zeitungsberichterstatter sind eingeloden worden, dem Angriff beizuwohnen
Wien. 21. Avril. Die „Reue Frei« Presse" meldet aus San Giovanni de Medua: Hier herrscht große Bewegung. Die serbischen Belage- rvngstruppen vor Skutari rücken staffelweise mit Gepäck und Artillerie hier und in Alessio ein und bereiten sich zur Einschiffung auf die griechische Transportflotte vor, welche sie Über Saloniki befördern wird.
Belgrad. 21. April. Eine gestrige Versammlung serbischer Kaufleute faßte nach kurzer Beratung einstimmig einen Beschluß, welcher den Wunsch noch beschleunigter Durchführung des Boykotts gegen öster- reichisch-ungarische Waren ausfpricht. Gegen den Vorwurf, der Undankbarkeit gegenüber ihren Geschäftsfreunden in Oesterreich-Ungarn, welchen die Wiener Presse den serbischen Kaufleuten macht«, wird auf das entschiedenste protestiert und di« lleberzeugung ausgesprochen, daß die serbischen Kaufleute ihren Verpflichtungen gegen alle Gläubiger korrekt nachkommen würden, in erster Linie gegen diejenigen in Oesterreich- Ungarn.
Wien, 21 April. Heute vormittag fand unter Teilnahme der beiden Ministerprästdenten eine Besprechung der gemeinsamen Minister über die laufenden Angelegenheiten statt. Im Anschluß daran verlautet nach einer Blättermeldung, daß die Reservisten an den südöstlichen Grenzen erst entlassen werden können, wenn die Serben Durazzo geräumt haben.
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Deutsches Reich.
— Som Kaiserpaar. Hombura v. d. H., 21. April. Der Kaiser hörte heute vormittag die Vorträge des Vertreters des Auswärtigen Amtes Gesandten von Treutier und des Chefs des Zivilkabinetts Wirk!. Geh. Rats v. Valentini. Um 12 Uhr begaben sich die Majestäten mit Automobil nach Darmstadt, um einer Einladung des Eroßherzogs und der Großherzogin von Hessen zur Frühstückstafel zu folgen. Um 1 Uhr trafen sie in Darmstadt ein. Da dort di« Ankunft des Kaiserpaares vormittags durch Extrablätter bekannt gegeben worden war, hatte in den Straßen bis zum Neuen Palais ein nach Tausenden zählendes Publikum Aufstellung genommen, welches das Kaiserpaar mit Tücherschwenken und Hochrufen begrüßte. Die Rückfahrt nach Homburg erfolgte nach der Frühstückstafel gegen 4 Uhr.
— Di« Reisedispofitionen des Kaisers. Der Kaiser trifft am 24. April, von Homburg kommend, in Metz ein. Am Nachmittag findet eine Besichtigung von Forts und abends ein Essen bei dem Präsidenten Frhrn. von Eimmingen statt. Am 25. April soll eine Hebung der Garnison Metz bei Eravelotte stattfinden, darauf ein Frühstück bei dem Königs-Jnfanterie-Regiment Sir. 145, nachmittags wiederum eine Besichtigung von Forts und dann Abendessen bei dem Gouverneur General der Infanterie v. Oven. Die Ankunft in Straßburg erfolgt am 26. April vormittags. Hier findet statt ein Vorbeimarsch der Garnison am Palais, ein Frühstück beim Statthalter und eine Autofahrt nach der Hohkönigs- bürg. Nachmittags reist der Kaiser von Schlettstadt nach Karlsruhe zum Besuch bei der Großherzogin Luise von Baden. Am 28. April nachmittags trifft der Kaiser in Cuxhaven ein und begibt sich an Bord des „Imperator". Vom 28. April bis zum 3. Mai erfolgt eine Fahrt auf dem „Imperator". Die Rückkehr des Schiffes nach Cuxhaven ist für den 3. Mai derart festgesetzt, daß der Kaiser noch am selben Abend abreisen kann. Am 4. Mai trifft der Kaiser vormittags in Wiesbaden ein. In der Zett vom 4. bis zum 8. Mai wohnt der Kaiser den Wiesbadener Festspielen und dem Sängerwettstreit in Frankfurt a. M. bei. Am 8. Mai abends reist der Kaiser von Wiesbaden ab, um am 9. Mai vormittags in Wildpark einzutreffen. Am selben Tage wohnt der Kaiser der Eröffnung der Großen Kunstausstellung in Berlin bei. — Di« Kaiserin reist am 23. oder 24. Mai von Homburg nach Wildpark ab.
— Der König von Griechenland bei der Hochzeit im Kaiser» hause. Athen, 21. April. Der König dürfte, wenn es die politisch« Lage zuläßt, sich zur Hochzeit der Prinzessin Viktoria Luise nach Berlin begeben.
— Eine Prüfungskommission. Berlin, 2L April. In der Budgetkommission des Reichstages hat das Zenttum eine Resolution eingebracht, den Reichskanzler zu ersuchen, zur Prüfung der gesamten Rüstungslieferungen für das Reichsheer und die Marin« eine Kommission zu berufen, zu der vom Reichstag zu wählende Mitglieder d« Reichstage« und Sechverstidüfige hinzuzuziehe« sind. Der Reichskanzler wird ersucht, den Bericht der Kommission
den gesetzgebenden Körperschaften mit Vorschlägen zur Beseitigung etwaiger Mißstände mitzuteilen. Eine Beratung der Kammissto, hat heute nicht stattgefunden.
— Aufgehobene Kommandanturen. Berlin, 2L April. Rach längerer Debatte nahm die Budgetkornmisston des Reichstags mit 10 gegen 10 Stimmen den Zentrumsantrag an, nach dem die Kommandanturen von Karlsruhe, Dresden, Darmstadt und Stuttgart als bis zum 30. September wegfallend bezeichnet werden.
— Die Einweihung des Völkerschlacht-Denkmal«. Leipzig, 21. April. An der Einweihung des Völkerschlacht-Denkmal« werden nach den bisher beim Deutschen Patriotenbund eingegangenen Zusagen im ganzen 20 Fürstlichkeiten teilnehmen, darunter 17 deutsche, und zwar: der deutsch« Kaiser, die Könige von Sachsen und Württemberg, Prinzregent Ludwig von Bayern, als Vertreter des Kaisers von Oesterreich Erzherzog Franz Ferdinand, als Vertreter des Zaren ein Mitglied der russischen Kaiserfamilie und als Vertreter des Königs von Schweden ein Prinz des königliche« Hauses. Von den deutschen Fürsten beteiligen sich ferner: Die Eroßherzöge von Baden von Sachsen-Weimar und von Hessen, die Eroßherzöge von Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz, weiter die Herzöge von Sachsen-Altenburg und Coburg-Gotha und Anhalt sowie der Regent von Braunschweig Herzog Johann Albrecht. endlich die Fürsten von Sckaumburg-Lippe und zur Livve, Fürst Heinrich XXVII. von Reuh als Vertreter beider Linien und der Fürst von Waldeck und Pyrmont. Auch die deutschen Handelsstädte werden vertreten sein und zwar Hamburg durch Bürgermeister Schröder und Lübeck durch Bürgermeister Dr. Eschenderg.
— Freiwillige Beiträge zur Wehrvorlage. Berlin, 19. April. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Freiwillige Beiträge zu den Kosten der Wehrvorlage gehen der Reichshauptkasse fortgesetzt in erheblichem Umfange zu. Es befinden sich darunter sowohl große Beiträge reicher Kaufleute und Eewerbetreibeder, als auch Spenden der ärmeren Bevölkerungsschichten. Mehrere Kriegerverein«, ein evangelischer Arbeiterverein und andere Vereinigungen sind mit kleineren und größeren Summen vertreten. Ein höherer Forstbeamter gab freiwillig ein Zehntel feines Vermögens. Die Deutschen in Antwerpen veranstalteten aus eigenem Antriebe eine Sammlung, die binnen weniger läge einen Ertrag von 150 000 -4t erbrachte. Der Reichskanzler sprach für alle Spenden bereits tm Reichstage öffentlich den Dank des Vaterlandes aus.
— Beschlagnahmter Fischdampfer. Cuxhaven, 21. April. Der holländische Fifchdampfer „den Baer Portugael" aus Pmuiden ist, unter Norderney fischend, von dem Torpedoboot „S 62" aufgebracht, beschlagnahmt und nach Cuxhaven gebracht worden.
— Streik. Beuthen, 21. April. Infolge der Streikbewegung tm oberschlesischen Bergrevicr fehlten bei der b-urigen Frühschicht etwa 25 000 Mann in den verschiedenen Gruben.
— Der Herzog von Cumberland kommt nach Berlin. Bisher schien es noch nicht festzustehen, ob der Herzog von Cumberland an der auf den 24. Mai festgesetzten Vermählung seines Sohnes mit der Prinzessin Viktoria Luis« von Preußen selbst teilnehmen würde, da der Herzog au» Rücksichten der Gesundheit großen Festlichkeiten aus dem Wege zu geben pflegt. Auf direkte Anfrage bei dem herzoglichen Kabinett in Gmunden ist nunmehr der „N. G. C." von dem Kabinettschef die telegraphisch« Antwort zugegangen: „Herzog. Herzogin. Prinzessin Olga werden an der Hochzeitfeier teilnehmen."
— Der Straßburger Warmdrahter geisteskrank. Der „T. R." wird aus Straßburg gemeldet: Am letzten Sonnabend hat Prof. Dr. Wollenberg, der Direttor der Psychiatrischen Klinik zu Straßburg, in der seiner, zett der ehemalige Unteroffizier Wolter, welcher durch das gefälscht« Kaisertelegramm die Alarmierung der Straßburger Garnison veranlaßt hatte, längere Zeit zur Beobachtung seines Geisteszustandes untergebracht worden war, ein Gutachten Über diesen abgegeben, wonach Wolter als gemeingefährlich geisteskrank bezeichnet wird. Auf Antrag des Be- zirkspräsidenten des llnterelfaß wird nunmehr Wolter lebenslänglich in der Irrenanstalt Stephansfeld, wo er sich fett längerer Zett befindet, interniert werden. Die kürzlich gemeldeten Gerüchte über einen Befreiungsversuch zugunsten Wolters find völlig aus der ßuft gegriffen.
— kSeneralftrrik-„BerrÜcktheif. Berlin, 19. April. Wie der „Schlesischen Zeitung" geschrieben wird, soll kürzlich in maßgebende« sozialdemokratischen Kreisen der Gedanke eines Generalstreikes zur Erzwingung des Reichstagswahlrecht» für Preußen erörtert worden sein; dabei soll der Abgeordnete Bebel kurzerhand gefragt haben, ob beim schon alle verrückt geworden seien.
— Ein« kur,« Anfrage. Berlin, 20. April. Dem Reichstage ist folgende „Kurze Anfrage" des fortschrittlichen Abg. Dr. Heckscher zu- gegangen: „Sind der Reichsregierung Nachrichten Über die Ermordung des deutschen Reichsangehörigen Hans Arp in Santa Cruz zugegangen? Und eventuell: Hat die Reichsregierung bereits Schritte unternommen, um di« Bestrafung der Schuldigen und eine entsprechende Sühne herbeizuführen?"
— Liebknecht al» Enthülle«. Der „Vorwärts" veröffentlicht ei. Schreiben, da» die Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken, Aktiengesellschaft in Berlin-Karlsruhe, an einen Herrn in Paris gerichtet haben. Dieser Brief lautet: „Wir drahteten Ihnen soeben: „Bitten unseren heurigen Brief in Paris abwarten". Grund dieser Depesche war. daß wir die Aufnahme eines Artikel» in einer der gelesensten französischen Zeitungen, möglichst im .Lfigaro", durchsetzen möchten, welcher folgend«, Inhalt haben soll: „Die ftanzöfische Heeresverwaltung hat sich entschlossen, die Reubewaffnung der Armee mit Maschinengewehren erheblich zu beschleunigen und die doppelte Anzahl, al» zuerst beabsichtigt, zu bestellen." Wir bitten Eie, alle» aufzubieten, um die Aufnahme eine» derartigen Artikel» zu erreichen. Hochachtungsvoll Deutschs Munition»- und Waffenfabrik." Liebknecht hat nun behauptet, bicfe äRetbnng sei im „Figaro" erschienen. Der Direktor dieses Blatte». Galmette, dementiert diese Behauptung und fordert Liebknecht auf, di« Numm« de» Figaro" zu nennen, in der ex eine derartige Veröffentlichung t* sunden habe.
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Ausland.
** Der Streik ie Belgien. Brüssel, 21. April. Aus La Louviere enM Eharleroi wird gemeldet, daß die Zahl der f