mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".
Jti 92
Die „Oberhesfische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn* und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierrelsährlich durib die Post bezogen 2.25 M lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungssteiler, 2— m frei ins Haus. — Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Televban 55.
Marburg
Montaq, 21 April
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48. Jahrg.
1913.
Erstes Blatt.
Liebknecht der „(frnitntller“.
Das festeste Bollwerk gegen die sozialdemokratischen Ideen ist noch immer das deutsche Heer gewesen. Man wird es also verstehen, wenn die Genossen sich gerade dieses Heer ausersehen, um dagegen ihren Hauptsturm zu richten. Wenn ein Volk nun gar die Kraft und das sittliche Bewußtsein hat, sein Heer aus die höchst mögliche Stufe der Vollkommenheit zu bringen, das Wort von der allgemeinen Wehrpflicht zur Wahrheit zu machen, und wenn diese Gedanken wie bei uns zur Zeit vom ganzen Volke getragen werden, dann ist es für die Eenoffen höchste Zeit, alle Minen springen zu lasten. Dann hilft es nicht mehr, die allzu menschlichen Fälle von Soldatenmitzhandlungen. Uebergriffen dieses oder jenes Offiziers, gegen die die Behörde auch ohne dies und mit Recht scharf einschreitet, als Fehler des Systems rein agitatorisch zu verwenden; dann muh noch Schärferes heran, um dem deutschen Volke eben diese Heeresvermehrung als sachlich nicht begründet hinzustellen und andererseits das liebe deutsche Vaterland beim Ausland zu denunzieren. Das hat nun der Vertreter des Berliner Wedding, der Abgeordnete Liebknecht, fertig gebracht mit seinen Enthüllungen. Nachdem er am Freitag im preußischen Abgeordnetenhaus mit einer Rede, die, wie der Abgeordnete v. Kardorff sehr richtig sagte, einen Tiefstand nationalen Empfindens erreichte, der nicht mehr Überboten werden könnte, und es dabei mit maßlosen Angriffen erzwungen hatte, daß man ihm das Wort entzog, ging er in den Reichstag und enthüllte. Er, der berühmte Liebknecht, rettet die öffentliche Moral. Beamte der Kruppschen Werke sollen durch Schmiergelder Kenntnis von geheimen Schriftstücken erlangt haben, in denen sich Angaben über Konstruktion und Preise der konkurrierenden Werke finden. Ein unlauteres Eeschäftsmanöver, das, wie ein fortschrittlicher Abgeordneter richtig sagte, in das Kapitel vom unlauteren Wettbewerb gehört und zeigt, daß das üble Schmiergelder-llnwesen leider noch immer besteht. Der Kriegsminister hat. als er von der Sache hörte, sofort scharf zugegriffen, auch Herr Liebknecht muß das zugestehen; die Angelegenheit wird ihre Sühne finden, wie das gegenüber solchen allzu menschlichen Verfehlungen bei unseren deutschen Gerichten gar nicht anders erwartet weiden kann. Auch darüber wird die Untersuchung Licht verbreiten, inwieweit die Firma Krupp selbst an den Vorkommnisten beteiligt ist. Der Minister hat besonders betont, daß es sich um Preisgabe militärischer Geheimniste in keiner Weise dabei gehandelt hat. Herr Liebknecht hat noch weiter enthüllt, die deutschen Waffen- und Munitionsfabriken hätten mit dem Pariser „Figaro" ein übles Preßmanöver in Szene gesetzt, um die Geheimniste der Konkurrenz herauszuholen, überhaupt hat er die geschäftlichen Gepflogenheiten der Rüstungsfirmen einer Kritik unterzogen und der Kriegsminister hatte nicht Unrecht, als er die Konsequenz der Liebknechtschen Ausführungen dahin zog, daß nach ihm auch der Balkankrieg vom „Rüstungskapital" inszeniert sei. Natürlich durfte der Hinweis auf die Prozentpatrioten und die „bestochene" nationale Preste nicht fehlen. Als er gerade gegen die „Post" und die „Rhein.-West- fälische Zeitung" loszieht, passiert dem Volkstribun das Mißgeschick, daß er den Reichstag mit „Parteigenosten" anredet und fo feinen Ausführungen den echt charakteristischen Stempel auf- drückt.
Die Enthüllungen sind natürlich nicht einfach beiseite zu schieben, aus den Ausführungen der anderen Parteiredkler ging t» hervor: wenn etwas geschehen ist, da« das Licht zu scheuen hat, so wird — und davon ist Im Grunde jeder überzeugt — harte Sühne eintreten, zunächst aber muß dar einmal feststehen. Von einem Panama kann nur reden, wer überhaupt nicht weiß, was der Panamaskandal gewesen ist oder wer wie Herr Liebknecht seine besonderen Ziele verfolgt. Die fadenscheinige Toga sittlicher Entrüstung fiel denn auch sehr bald von seinen Schultern, als die IBeitietei der bürgerlichen Parteien ihm klipp und klar auf den
61 (Rachdruck verboten.)
Gewagtes Spiel.
p Roman von E. Teutgen-Horst.
(Fortsetzung.)
„Weitz die Erästn denn, in welchen Beziehungen zu ihrem Man« £tt früher standest?"
Martine zuckte die Achseln.
„Ich kann es mit nicht recht denken, aber immerhin ist es möglich. Bitte Künstlerin steht viel zu sehr in der Öffentlichkeit, als datz ihr Privatleben der Welt verborgen bleiben könnte. Und Hochmut allein war es neulich wohl nicht, was sie veranlatzte, unfern Besuch nicht an- tzunehmen."
Frau Hanna sttmmte ihr eifrig bei.
„Ich denke auch, datz sie davon wißen mutz, nur so allein erklärt sich die Abweisung, die sie uns zuteil werden ließ. Vielleicht hat ihr Mann ihr über deine Briefe Andeutungen gemacht — wer kann es wißen."
„Ach nein — das glaube ich nicht! Eie soll nur selten und meistens nur ganz kurze Briefe von ihm bekommen haben; ich weiß es aus ganz ptverläßiger Quelle. Er liebt sie nicht — er haßt sie. Zum Abschied hat er es ihr ins Gesicht geschrieen. Glaube mir, Tante Hanna — es wird doch noch alle» gut zwischen ihm und mir! Jauchzen und laut auf- jubeln könnte ich bei dem bloßen Gedanke«. Ach, wenn er doch nur erst wieder glücklich hier wäre!"
„Ist es denn schon bestimmt, daß er zurückkommt?"
„Das nicht, aber lange bleibt er sicher nicht mehr; der Krieg ist ja aus; die Unterhandlungen der Mächte können jeden Tag zum Abschlutz gelangen. Doch laß uns umkehren! Der Postbote mutz gleich kommen, »nd du weißt, mit welcher Ungeduld ich ihm jeden Tag entgegensehe." Um dieselbe Zeit spähte auch Feodora nach dem Boten aus, der die Postsachen zu bringe« pflegte, ßie saß im Arbeitszimmer ihres Maa-
Kopf zusagten, was er mit seinen Enthüllungen und Verallgemeinerungen an sich vielleicht beklagenswerter Ereigniste bezwecken will. Es wird ihm aber nicht gelingen, unsere gesamte geschäftsbürgerliche Geschäftsmoral als unsittlich und korrumpiert hinzustellen und mit der Notwendigkeit unserer Rüstungen haben die „Enthüllungen", von denen sich ja bald zeigen wird, was wirklich daran ist, schon einmal gar nichts zu tun.
Die Firma Krupp und die Militärverwaltung.
B e r l i n, 18. April. Das Wölfische Büro verbreitet folgende Meldung aus Esten: Bon unterrichteter Seite erhalten wir folgende Mitteilung: Der Abgeordnete Liebknecht gab heute im Plenum des Reichstags eine Darstellung über Vorkommniste bei der Berliner Vertretung der Firma Krupp, die geeignet ist, in der Oeffentlichkeit falsche Eindrücke hervorzurufen. Richtig ist. daß die Firma Krupp in Berlin eine Vertretung unterhält, wie sie zur Vermittlung des Geschäftsverkehrs der Behörden usw. mit auswärtigen Firmen unerläßlich und allgemein üblich ist, und u. a. auch die Aufgabe zu haben pflegt, schnelle Nachrichten über geschäftlich interessierende Dinge z. B. über die Konkurrenz und dergl zu sammeln. Ein der Berliner Vertretung der Firma unterstellter Bureaubeamter, früherer Militär, soll nun verschiedenen Subalternbeamten der Militärbehörden, zum Teil ftühern Kollegen, von denen er Nachrichten erhalten hatte, kleine Geschenke gemacht haben, was durch eine an den sozialdemokratischen Abgeordneten Liebknecht gerichtete Anzeige zur Kenntnis der Behörden kam. Bon diesen wurden sofort polizeiliche, gerichtliche und disziplinarische Untersuchungen eingeteitet, durch die auch die Werksleitung Kenntnis von dem Vorgefallenen erhielt. Ste stellte, da sie solche Verfehlungen, wo sie irgend vorkommen, selbstverständlich mißbilligt, sofort olle Unterlagen bereitwillig zur Verfügung, die zur Aufklärung des Tatbestandes dienen konnten. Ein Landesverratsverbrechen oder Verrat militärischer Geheimniste kommt, wie schon der Kriegsminister im Reichstage erklärt hat, an keiner der beteiligten Stellen in Betracht.
Zu der heute im Reichstag berübtten Untersuchung gegen Angestellte der Firma Krupp erfahren wir an zuständiger Stelle folgendes: Auf Grund einer im November vom Abg. Liebknecht dem Kttegsminister erstatteten Anzeige, ist von diesem sofott eine Untersuchung gegen alle verdächtigen Personen eingeleitet worden, die zu Durchsuchungen hier und in Esten und auch zu mehreren Verhaftungen führte. Zur Zeit schwebt die gerichtliche Voruntersuchung gegen die beteiligten Militär, und Zivilpersonen bei den für sie zuständigen Gerichten. Nähere Mitteilungen über den Stand der Untersuchung, in der sich übrigens kein Anhalt dafür ergeben hat. daß durch das Verhalten der Beschuldigten die Sicherheit des Deutschen Reiches gefährdet worden sei, können im Jntereße der Untersuchung noch nicht gemacht werden.
Racheakt eines entlaßenen Beamten.
Essen (Ruhr), 19. April. Von einer maßgebenden Persönlichkeit der Firma Krupp erfährt die „Rheinisch-Westfälische Zeitung", daß die heftigen Angriffe des Abgeordneten Liebknecht zweifellos auf den Racheakt eines wegen einer betrügerischen Handlung entlaßenen Beamten zu- rückzuführen sind, der ein vielleicht vorliegendes Vergehen eines Unterbeamten der Berliner Vertretung der Firma Krupp in maßlos übertreibender Weise denunzierte und gleichzeitg den Versuch machte, die Firma selbst hereinzuziehen und blotzzustellen. Davon, daß der betreffende Berliner Unterbeamte große Mittel zur Verfügung hatte — wie Liebknecht ausführte —. kann keine Rede sein. Er hatte lediglich ein Gehalt, das dem der Angestellten seiner Kloße entsprach. Außerdem verfügte er über keinerlei Mittel von der Firma Krupp. Er hatte keine Tantiemen, und seine Einnahmen hingen in keiner Weise von dem Ergebnis einer besonderen Tätigkeit ab. Daran, datz diese Tättgkeit auf Bestechung oder auch nur auf ein unerlaubtes Nachrichtensammeln gerichtet sein sollte — wie Liebknecht behauptete —. ist kein wahre» Wort. Die Untersuchung wird ja ergeben, was an der ganzen Sache al» Kern bleibt. Gewitz wird der kreißende Berg wieder einmal nichts oder eine kleine Maus gebären. Es ist aber bedauerlich, daß vom Abgeordneten Liebknecht der Name eines Estener Beamten der Firma Krupp — des Herrn von Dewitz — mit der Sache in einen Zusammenhang gebracht wurde, der den Eindruck erweckte, als ob er mitschuldig sei. Die Firma ist tn der Sage, für die absolute Ehrenhaftigkeit dieses langjährigen erprobten Beamten einzustehen.
Rur Laqe.
Konstantinopel, 20. April. In amtlichen Kreisen der Pforte wird erklärt, die einzige Schwierigkeit für den Abschluß des Friedens komme von der Seite Montenegros. Man hoffe jedoch, datz die Frie-
nes, von dem sie die Einfahrt und die lange, breite Allee, welche zum Schloße führte, übersehen konnte.
Jeden Tag satz sie hier und mattete in fieberhafter Unruhe mtt klopfendem Hetzen, aber ach — fast immer vergebens! Höchst selten nut kam ein Lebenszeichen von ihm, und die Zeitungsberichte, die hin und wieder seinen Namen brachten, waten so kurz, so nichtssagend für die verzehrende Angst, die sich ihrer seit der letzten Nachricht von ihm be- mächttgt hatte.
Auch heute war ihr Warten und Hoffen vergebens, die Posttasche barg keinen Brief von ihm, und vergebens auch suchte sie in den Zeitungen seinen Namen.
Ermattet, wie nach einer anstrengden Arbeit, stützte sie den Kopf in die Hand und schloß die Augen.
Ueber ein und ein halbes Jahr waren verfloßen, seitdem ihr Mann Reinstein verlaßen hatte, und die Zeit war nicht spurlos an ihr vorübergegangen. Sie schien noch gewachsen und ernster, frauenhafter geworden zu sein, aber da» bfcinträdrtigte ihre Schönheit keineswegs, erhöhte hn Gegenteil nur den eigentümlichen Chatm, der von ihr ausging.
Still und regungslos, ein Bild ergebungsvoller Demut saß sie da. Dann plötzlich, wie aus tiefem Traum erwachend, sprang sie auf, öffnete ein Fach des Schreibtisches und entnahm ihm einige zusammengefaltete, eng geschriebene Blätter.
E» war ein Brief an Erwin von Voß von einem der früheren Re- Regimentskametaden, der sich gleich Kurt de« Thinakämpfern ange- schloßen hatte.
Sie konnte feinen Inhalt fast auswendig, so unzählige Male schon hatte sie ihn gelesen und doch mußte sie wieder und wieder lesen, was darin geschrieben stand. E» waren vier ganz eng und undeutlich bekritzelte Dogen. Die beiden ersten legte sie zur Seite, aber auf den beiden andern hastete ihr brennender Blick. Jede» Wort, was daraus stand, «Kit ihr ins Herz geschrieben, und doch suchte und forschte sie ängjd-
benspräliminarien in der Mitte der nächsten Woche, wahrscheinlich i« London, unterzeichnet werden.
Sofia, 19. April. Es verlautet, daß nunmehr auch die Antwort Montenegros eingetroffen ist. Sie enthält die bedingungslose Zustimmung zu den Vorschlägen der Großmächte. Es bleibt also noch eine Vereinbarung über einige tertliche Aenderungen unter den Verbündeten dntchzuführen, namentlich betreffend der Grenzen Albaniens, die ägäischen Inseln und die Kriegsentschädigung, worauf die Antwortnote den Großmächten fofort überreicht werden soll, was vielleicht noch heute, spätestens aber morgen erfolgen wird.
Berlin. 20 April Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt in ihrer Wochenrundschau: Die Friedensaussichten haben sich im Laufe der Woche weiter befestigt. Die Balkanverbündeten haben sich über die Antwort an die Mächte verständigt; man erwartet, daß sie binnen kurzem die Friedensvermittlung annehmen werden Var Ttoa» toldscha herrscht seit dem 14 Avril auf Grund einer mündlichen Vereinbarung der Armeekommandanten Waffenruhe. Tatsächlich ist auch vor Skutari ohne eine derartige Vereinbarung ein Stillstand in den Kämpfen eingetreten Daß die Serben hier endgültig von der Beteiliaung an der Belagerung zurückgetreten sind, kann als ein weiteres Zeichen für die Entwicklung zum Frieden betrachtet werden. Die Verhandlungen der Botschafter in Petersburg über den bulgarisch-rumänischen Ausgleich stehen vor dem Abschluß. Das Ergebnis dürste für beide Teile annehmbar fein.
Sofia, 19. April, Die Vertreter der Machte teilten gestern dem Ministerium des Aeußern die von der Botschafterreunion in London fest- gesettte nördliche und nordöstliche Grenze Albaniens mit. Die Grenze nimmt ihren Ausgang von der Mündung des Bojanaflußes in das Adriatische Meer und folgt dem Talweg dieses Flußes bis an das an feinem rechten Ufer gelegene Dorf Eoritza; von hier erreicht sie den Givfel des den Bojanafluß von dem Skutarisee trennenden Gebirges. Der Tarabasch bleibt bei Albanien. Nächst dem bei Albanien verbleibenden Dorfe Zogay traversiert die Grenze den See bis zur Bucht von Licheney Hotis und folgt bet Grenze zwischen dem Stamme der Gruda und Hott, die zu Montenegro kommen, einerseits, und zwischen dem Stamme der Kastratt und bet Element! andererseits, sodaß diese beiden Stämme zu Albanien gehören. Die Grenze folgt sodann der gegenwärtigen Grenze zwischen dem montenegrinischen Stamme Knbachi und dem Stamme bet Kiementi bis zum Territorium von Gusinie und Plava zusammen. Indem sie der Hauvtgebirgskette und bet Wasserscheide zwischen dem Lim und dem Dtim folgt, fallen die genannten beiden Städte mit den De- penbenctn an.Montenegro Die Grenze verläßt hierauf diele Gebirgskette. um den Kamm der Hügel im Süden von Djakowa. welche Stadt außerhalb Albaniens gefallen wird, zu geronnen, geht auf biefem Kamm bis zu dem Weißen Drin, folgt dem Laufe dieses Flulles bis westlich Ptiztend und bann der Grenzlinie zwischen dem Distrikt Prizrend und dem Distrikt von Ljuma. sodaß dieser letztere bei Albanien bleibt Von hier folgt sie dem Kamme des Berges Karab. wobei der Distrikt von Unter-Dibra bei Albanien und der Distrikt Reka außerbafb Albaniens bleibt, verläßt diesen Kamm ein wenig nördlich der außerhalb Albaniens bliebenden Stadt Dfbra, erreicht den Schwarzen Drin und läuft diesen entlang bis zu dem Torfe Lukowa, van wo sie der das Becken des Drin von dem des Skumbi trennenden Hauptgebirgskette folgt, Sttuga außerhalb Albaniens läßt und in bet Umgebung des Dorfes Lin das Ufer des Ochriedafees erreicht.
Wien, 19. April. Nach einer Mitteilung von unterrichteter Stelle werden seit dem 17. April die Forts von Skutari durch die Montenegriner wieder eifrig beschoßen. Die Ausdehnung des Bombardements auf die Stadt soll bevotsteben.
Potd Said, 20. April. Ein griechisches Geschwader, bas biet elngetroffen ist. bat, wie es heißt, die Aufgabe, die Transporte der Verbündeten von Dutazzo nach Eviru» und nach Salonik gegen etwaige Angriffe bet „Hamidie" zu schützen.
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Politische Umschau.
Die braunschweigische Thronfolge.
Berlin, 19. April. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Im Hinblick auf die bevorstehende Vermählung der Prinzessin Viktoria Luise mit dem Prinzen Ernst August bildet die Frage der braunschweigischen Thronfolge neuerdings vielfach den Gegenstand publizistischer Erörterungen. Die Familienverbindung zwischen dem hohenzollernschen und dem welsischen Fürstenhause ist in weitesten Kreisen des Volkes als ein friedlicher Ausgleich der bishetiaen Gegensätze freudig begrüßt worden. Wie diese Familienverbindung auf der verbürgten Gewähr vollster Aussöhnung beruht, so fich. als könnte noch irgend ein Wort, ein zwischen den Zeilen verborgenes Etwas ihr entgangen fein.
„Natürlich", so hieß es in dem Bries, „kenne ich deinen Jugendfreund, den Grafen Reinstein; ein lieber, prächtiger Mensch ist er, immer hilfsbereit, selbst mit Aufopferung seines Lebens. Er gehört zu den be- lrebtesten Offizieren des ganzen Regiments und hat sich durch seine Unerschrockenheit und besonders durch seine waghalsigen Patrouillentttt» bereits einen rühmlichen Namen gemacht.
Wie viele solcher Ritte et jetzt hinter sich hat, weiß ich nicht, aber et war immer unter denjenigen Offizieren, die sich meldeten, wenn es sich um einen Etkundigungsausttag handelte. Nie wurde bet Dienst ihm zu schwer. Tagelang, kaum mit der allernotwendigsten Kost versehen, umkreiste er den Feind. Ruhe und Rast entbehrend und beständig in Lebensgefahr schwebend, hatte er doch nur immer unverrückt das eine Ziel im Auge, das uns allen gesteckt ist: die hohe Aufgabe, dem Kaller und dem Vaterlande in treuer Hingabe und Pflichterfüllung zu dienen.
E» waren oft geradezu glänzende Leistungen, die er als Pattouillen- führer vollbracht hat. Erschöpfend, abgemagett, mit zerfetztet Umform auf todmüdem Pferde — so sah ich ihn oft ins Lager zurückkehren. Die Motte der Anerkennung, die ihm von Vorgesetzten und Kameraden zu- teil würden, wären ihm die beste Entschädigung für alle Strapazen unb Hetzen ihn alle» Unangnehme schnell wieder vergeßen, meinte er neuttch, als man ihn nach einem solchen Ritt verwundet und im alletklaglrchste« Zustande ins Lazarett brachte.
Seitdem liegt er krank, und die Aerzte zweifeln an seinem Aufkommen.
Der Stmiffchutz, de« et empfangen hatte, wat an und für sich sehr gefährlich, ab« bet starke Blutverlust, bas lange Liegen auf dem durch- weichten Lehmboden, haben feinen Zustand doch recht bedenklich gemacht, pnv eft, typhöse» Fieber hat bi« Gefahr «och vergrößert."
_ (.Fortsetzung folgt!