mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
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Di« ^Obrrhessisch« Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertelsährlich bur* die Post bezogen 2.25 föhne Bestellge^' bei unseren Zeitungsstellei. 2,— M frei ins Haus. — Druck der V Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. E. Hitzerothl. Mark, - Televhon 55.
Marburg
Sonnabend, 19 April
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespalten« Zeil« oder deren Raum 15 4. bet amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4. für Reklamen die Zeile 60 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Rr. 6015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
48. Jahrg.
1913.
Erstes Blatt.
Zur Zivilverjorgung der L'fiziere.
Man schreibt uns:
Angesichts der wachsenden Schwierigkeiten, welche die Zivilversor- gung der verabschiedeten Offiziere bietet, haben i Kriegsministerium schon seit längerer Zeit eingehende Erwägungen i. über stattgefunden, wie diesem Uebelstande nach Möglichkeit abzuhelsen ist. Die eigenartigen Berhältnisie des Heeres bringen es mit sich, daß ein mehr oder weniger starkes Ausscheiden von nicht mehr voll felddienstfähigen aber an und für sich noch arbeitstüchtigen Männern -aus der Armee nicht zu vermeiden ist, und es stellt ein wichtiges nationales Interesse dar. die Kräfte dieser noch arbeitsfähigen und arbeitsfreudigen Offiziere nicht nur nicht brach liegen zu lasten, sondern ibnen in größerem Matze, wie bisher, die Wege zu einer neuen Tätigkeit zu ebnen. Der Staat braucht die Arbeit köntgstreuer Männer, gleichviel wo es sei, und dadurch, datz er ihnen Arbeit gibt, bewahrt er sie einerseits vor Rot, da die niedrigen Pen- stonsbeträge der unteren Dienstgrade nicht zum Leben ausreichen, anderseits aber auch vor Mißmut und Berdrostenheit. Die Armee hat aber ein lebhaftes Interest« daran, datz die verabschiedeten Offiziere nicht in Verdrossenheit dahinleben: denn sie ist im Mobilmachungsfalle auf die Bereitwilligkeit vieler verabschiedeter Offiziere zu ihrer Wiederverwendung in geeigneten Stellungen angewiesen. Die Frage einer angemeste- nen Offizierzivilversorgung ist also von ernster nationaler Bedeutung und eine Lebensfrage der Armee.
Das einzige Hilfsmittel, das bisher den verabschiedeten Offizieren bei der Wahl eines neuen Berufs, die gerade bei ihnen rocht schwierig ist, zur Verfügung stand, waren die vom Kriegsministerium berausge- gebenen „Nachrichten betreffend Anstellung von Derabfifvefr-'^n Offizieren usw." (dieselben sind vor kurzem im Neudruck unter dem Titel „Anstellungsnachrichten für Offiziere" erschienens. welche fi* naturgemäß auf eine Aufzählung der den mit Aussicht auf Anstellung im Zivildienst verabschiedeten Offizieren offen stehenden Laufbahnen beschränken mutzten. Eine nähere Auskunft darüber, wie zurzeit in den einzelnen Laufbahnen die Aussichten auf baldige Anstellung wären, erhielt der Ratsuchende nur. wenn er sich an di« anstellenden Behörden selbst wandte.
Diesen Weitläufigkeiten und Schwierigkeiten soll eine Einrichtung abhelfen, welche am 1. April d. Is. versuchsweise ins Leben treten wird. Im Kriegsministerium wird, wie wir schon kurz berichteten, zu dem genannten Termin eine Auskunstsstelle geschaffen, die den mit Aussicht aus Anstellung im Zivildienst verabschiedeten Offizieren beim Suchen einer Zivilstellung mit Rat und Tat zur Seite stehen soll. Die Auskunftsstelle wird bemüht sein, sich über die Anstellungsaussichten und Beförderungsmöglichkeiten in den einzelnen Laufbahnen des Reichsund Staatsdienstes dauernd unterrichtet zu halten. Sie wird Fühlung mit den Kreisen des Handels und der Industrie suchen und halten, um geeigneten Persönlichkeiten auch auf diesem, den Offizieren bisher noch wenig erschlostenem Gebiet, Anstellungsmöglichkeiten zu eröffnen. Die Tätigkeit der Auskunststelle ist zunächst lediglich als eine beratende gedacht: eine Vermittlung von Stellen findet nicht statt, auch kann eine Gewähr weder für die Geeignetheit bet Bewerber noch bet Stellen übernommen werden. — Um dieser Aufgabe, von welcher zu erhoffen ist, datz sie für die Offizierzivilversorgung segensreich werden wird, in vollem Umfange gerecht werden zu können, mutz die Auskunftsstelle «ine Zentrale für Angebot und Nachfrage werden. Es kann Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden im Hinblick auf die außerordentliche Wichtigkeit und große nationale Bedeutung der Angelegenheit nicht warm genug ans Herz gelegt werden, die Auskunstsstelle dadurch zu unterstützen, daß sie diese über freie oder frei werdende Stellen innerhalb ihres Verwaltungsgebietes auf dem Laufenden halten. Dasselbe gilt für di« Kreise des Handels und der Indullrie, in denen es manche Stellen gibt, die mehr Vertrauen und Organisationstalent als kaufmännisches Wißen erfordern, und bei deren Besetzung ein Offizier auch ohne besondere Vorkenntnisse gut berücksichtigt werden könnte. Es ist zu hoffen, daß, wenn die Auskunftsstelle erst einmal dauernde Fühlung mit den Behörden und den Kreisen des Handels und der Industrie gewonnen hat, auch dies« anfangen werden, bei ihr Nachfrage zu halten, und ein alter Wunsch bann der Erfüllung nahe ist: Die Herausgabe einer Vakanzenliste für Offizier«.
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Der Zwischenfall von Nancy.
Staatsrat Ogier, der die Unters', chung in der Nancyer Affäre geleitet hat, ist nach Paris wieder zurückgekehrt. Offiziös wird aus Paris gemeldet, datz sein Bericht eine Darstellung des Tatbestandes und eine Erklärung über die Veranlassung und den Zu- smnmenhang der einzelnen Vorfälle, sowie Schlutzfolgerungen Wer die zu ergreifenden Maßregeln enthalte. Dieser Bericht wird der deutschen Botschaft entsprechend dem von ihr gestellten Er- ,suchen um Aufklärung übermittelt werden. Gleichzeitig wird die Botschaft von den französischerseits getroffenen Maßnahmen verständigt werden. Zu weiteren Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen wird der Vorfall in keiner Weise Veranlassung geben. Die amtliche französische Untersuchung soll u. a. folgende Punkte ergeben haben: Nicht ein einziger französischer Offizier sei In irgend einer Weise an dem Auftritt als Zeuge oder als handelnde Person beteiligt gewesen und kein Deutscher sei gezwungen worden, vor einem französischen Militär niederzuknien. Wenn französische Unteroffiziere im Augenblick des Vorfalls den Bahnhof betreten haben mögen, so sei jedenfalls feftgestellt, daß sie an dem Vorfall in keiner Weise beteiligt war.en — Nach Blättermeldungen aus Nancy soll durch die Untersuchung festgestellt wor- den sein, daß an dem Auftritt auf dem Bahnhof k ine Studenten beteiligt gewesen sind. Unter den Leuten, die die Deutschen beschimpften und bedrohten, sollen sich zumeist Apachen befunden haben, was damit zu erklären sei, daß das Bahnhofsrestaurant von Nancy das einzige fast die ganze Nacht geöffnete Lokal der Stadt fei. Die städtische Polizei habe bei den Ruhestörungen auf dem Bahnhof nicht einschreiten können, da sie zwar den Ordnungsdienst vor dem Bahnhof besorge, aber das Bahnhofsgebäude selbst dicht betreten dürfe.
Anläßlich des bisher bekannt gewordenen Ergebnisies der Untersuchung schreibt der „Figaro": „Man hat den Eindruck, datz nur die Vorgänge auf dem Bahnhof eine Bedeutung haben können, die Streitigkeiten im Kasino und in der Bierhalle verdienen keine weitere Beachtung. Wenn aber festgestellt ist. daß die fremden Reisenden, in deren Begleitung sich Damen befanden, verfolgt, im Wartesaal, auf dem Bahnsteig und im Wagenabteil eine Zeit- lang beschimpft und behelligt werden konnten, ohne datz weder Kolizeibeamte noch Schutzleute eingriffen, um diesem Skandal ein Ende zu machen, dann brauckt man nicht weiter zu suchen, denn ein solches Benehmen wäre unverzeihlich und die würde
die Pflicht haben, einzuareifen. Es handelt sich ur guten Ruf der französischen Gastlichkeit und Höflichkeit. schuldtragenden Beamten muffen bestraft und die Urheber der Ruhestörungen, falls sie ausfindig gemacht werden können, dem Gesetz entsprechend verfolgt werden. Damit wäre dann der Zwischenfall abgeschloffen." Der „Figaro" schließt seine Ausführungen mit einer Polemik gegen die „alldeutschen" Blätter, denen er maßlose Uehertreibung vorwirft. Er vergißt dabei jedoch, datz bte aesamte deutsche Presse, mit Ausschluß vielleicht der sozialdemokratischen, die Vorgänge in Nancy aufs schärfste verurteilt. Wenn er von .alldeutschen" schlechtweg redet, so ist der Zweck nur zu durchsichtig. Er sucht dadurch den Zeitungen Beweggründe unterzuschieben, die sie nie und nimmer gehabt haben.
Zur Vaae.
Wien. 18. April. Die „Politische Korrespondenz" meldet aus Belgrad: Man hat hier Anhaltspunkte dafür gewonnen, datz sich in der Haltung Montenegros zu der Skutarifrage ein den Wünschen Europas entsprechender Umschwung zu vollziehen beginnt. Die Erwartung sei begründet, daß in Cetinje zwischen der Einsicht, daß weitere Verlache, den Willen der Mächte hinsichtlich Skutaris umzustoßen, aussichtslos seien, und dem Entschluffe, auf Skutari zu verzichten, ^tttr eine kurze Zeitspanne liegen werde. Das montenegrinWe-Volk empfinde den Verzicht zweifellos als eine herbe Enttäuschung, jedoch werde der König Mittel und Wege finden, um die Gemüter zu beruhigen, sodaß keine nachteiligen Rückwirkungen auf die innere Lage Montenegros eintreten würden.
Konstantinopel, 18. April. Offiziell wird mitgeteilt, daß infolge eines mündlichen Abkommens die Einstellung der Feindseligkeiten zwischen der türkischen und der bulgarischen Armee unter folgenden Bedingungen beschloßen worden ist: 1. Bei Tscha- taldscha und bei Bulair werden die Feindseligkeiten am 23. April eingestellt: 2. Wenn die Friedensverhandlungen in diesem Zeitraum nicht zum Ziele führen, so kann die Frist durch Vereinbarung verlängert werden; 3. Von beiden Parteien wird eine Kommission bestimmt, die die neutrale Zone zwischen den beiden Heeren festsetzen wird: 4. Im Falle der Wiederaufnahme der Feindseligkeiten muffen beide Parteien dies 49 Stunden vorher mitteilen, die Stunden rechnen von 8 Uhr abends des Tages der Mitteilung an; 5. Während der Dauer der Einstellung der Feindseligkeiten wird sich die ottomanische Flotte der Verproviantierung des bulgarischen Heeres zwischen dem Golf von Soros und der Küste des Schwarzen Meeres nicht widersetzen.
Wien, 18. April. Die „Reue Freie Preffe" meldet aus Antivari: Gestern ist das englische Schlachtschiff „King Edward VII.", das sich vor Antivari befand, mit unbekannter Richtung abgefahren. Die anderen Schiffe liegen unverändert vor A'J -'ati.
aris, 18. April. Aus besonderer Quelle wird aus Estinje gemeldet, der König bereite eine Proklamation an sein Volk vor, in der er auseinandersetzen wird, daß er infolge des Abzuges der Serben gezwungen fei, die Belagerung Skutaris aufzugeben.
Politische Umschau.
Die Sitzung des Direktoriums des Hansa-Bundes über die Deckungsund Wehrvorlagen.
Unter Vorsitz des Mitgliedes der ersten Badischen Kammer, dem Präsidenten des Hansa-Bundes, Herrn Kommerzienrat Engelhard- Mannheim, fand eine Sitzung des Präsidiums und Direktoriums des Hansa-Bundes statt, welche sich mit den neuen Wehr- und Deckungsvorlagen beschäftigte. Die Versammlung war aus allen Teilen des Reiches zahlreich besucht. Rach eingehenden Verhandlungen wurde einmütig folgende Kundgebung des Direttoriurns des Hansa-Bundes beschloßen: Das Direktorium des Hansa-Bundes sieht feine Aufgabe darin, über di« neuen Wehr- und Deckungsvorlagen ausschließlich vom Standpunkt der Intereßen von Zndusttie, Handel und Gewerbe zu beraten. Von diesem Standpunkt aus erklärt das Direktorium des Hansa-Bundes, daß di« im Hansa-Vund vereinigten Erwerbsstände die Wehrvorlagen, die Prüfung ihrer Notwendigkeit der Höh« nach vorausgesetzt, grundsätzlich akzeptte- ren und bereit find, für die Bewilligung der nach dieser Prüfung sich als notwendig ergebenden Mittel einzutreten. Dabei stellt das Direktorium des Hansa-Bundes fest, daß der deutsche Gewerbestand, der in erster Linie Träger dieser Lasten sein wird mit aller Entschiedenheit gleichzeitig di« Erfüllung der dringendsten berechtigten Forderungen von Handel, Gewerbe und Jndusttte, wie insbesondere die tatsächliche Durchführung des Grundsatzes der Gleichberechtigung aller Erwerbsstände in der Verwaltung, der Diplomatie, der Regierung und Leitung des Staates, der Einführung des biretten und geheimen Wahlrechts in allen deutschen Bundesstaaten, vor allem im Interesse des gewerblichen Mittelstandes in Stadt und Land, des gesetzlichen Rechts der gewerblichen Stände auf angemessene Vertretung in den ersten Kammern aller Bundesstaaten sowie der Uebertragung der Veranlagung der Einkommensteuern an von der Verwaltung unabhängige Behörden fordert. Dem zur Aufbringung bet einmaligen Kosten bet Wehtvotlagen außerordentlichen Wehrbei- trag ist zuzustimmen, obwohl dieser gewiffetmaßen «ine Ktiegsmaßtegel
im Frieden darstellt und dem Grundsatz einet ordentlichen Finanzentwicklung nicht entspricht. Man müße aber verlangen, baß eine nach gerechten und einheitlichen Grundsätzen burchzufiihrende Vermögensveranlagung im Reiche gewährleistet wird. Die Heranziehung der Aktien» Gesellschaften und Kommandit-Eesellschaften auf Aktien zu dem einmaligen Wehrbeittag ist eine erneute, durch nichts zu rechtfertigende Sonderbelastung dieser Gesellschaften, gegen bte bet Hansa-Bunb habet energisch Einspruch erhebt. Für bie Veranlagung von Industrie, Handel und Gewerbe ist zu fordern, daß die nach den Grundsätzen eines ordentlichen Kaufmanns vorzunehmende Bilanzierung, wie st« den Bestimmungen des Handelsgesetzbuches entspricht, auch der Ermittlung de« Vermögens bei dem einmaligen Wehrbetttag zugrunde gelegt wird. Andererseits fordert bet Hansa-Bunb. baß bet schwer ringende Mittelstand durch Heraufsetzung der zu niedrig bemeßenen steuerfreien Vermögensgrenze unter Zugrundelegung einer Minimalgrenze des Einkommens entlastet werde. Der dadurch entstehende Ausfall des Ertrags würde durch die gerechtferttgte Heranziehung des Vermögens der sogenannten „Toten Hand" ausgeglichen werden. Ferner ist der Hanla- Bund damit einverstanden, daß bie Grenze bes steuerfreien Einkommens heruntergefetzt werbe, ba bei der von bet Regierung vorgeschlagenen Grenze von 50 000 <4 Einkommen diese als eine angesichts des Appells an bte allgemeine Opferwilligkeit zu roettgebenbe Ausnahmestellung hoher und leistungsfähiger Einkommen angesehen werden mutz. Um bi« deutsche Volkswirtschaft durch die Herausnahme einer Abgabe von einet Milliarde bes Vermögens nicht zu schädigen, schlägt der Hansa-Bunb vor, diese Abgabe in mindestens drei Terminen vorzunehmen. und weiterhin die Summe von einer Milliarde Mark als Martmalgrenze bes einmaligen Webrbeittages anxufeben, fo baß ein auf Grund der ersten Veranlagung sich etwa ergebender Mehrertrag bei den nächsten Terminzahlungen in Abzug zu bringen wäre. Was bie Voricbläae zur Deckung bet bauernden Mehrkosten betrifft, fo erklärt bas Direktorium des Hansa« Bundes, daß die vorgeschlagene Erhöhung der Mattikularbetträge eine Verschärfung der Abhängigkeit bes Reichs von den Bundesstaaten bedeutet Eine solche widerlvrecbe dem Reichsgebanken. Unannehmbar ist her Vorschlag, baß die burch diese Umlage sich ergebenden 80 Millionen Mark seitens der Bundesstaaten im Wege der allgemeinen Besteuerung von Einkommen. Ertrag oder Vermögen ober durch Besteuerung bet Erbschaften aufgebracht werden sollen, wobei, unter „allgemeiner Vermögenssteuer" Steuern von Grund- und Eebäudevermögen. Steuern von Gewerbe, sowie vom Kapitalsvermäaen aleichoestellt werden sollen, sofern sie in Verbindung miteinander erhoben werden. Unannehmbar ist auch die evtl, den Einzefftaaten auferlegte Verrnögenszuwachsfteuer, weil sie keine allgemeine und keine gerechte Besitcftener darstellt. vielmehr eine direkte Bestrafung bes Svar- und Erwerbssinns. Das Direktorium des Hansa-Bundes verlangt eine direkte Reicksbesitzsteuer und zwar in erster Linie eine Reickserbanfallsteuet. Der Hansa-Bunb hält eine weitere Aufrechterhaltung des Zuschlages zur Grundwechfelabgah« fi-i unmöglich, bedauert ebenso die geplante Aufrechterhaltung des Zuschlages zur Zuckersteuer im Interesse bes Konsums unb ber beteiligten Inbusttien. Die vorgeschlagene Besteuerung ber Gesellickaftsverttäge und der Versickerungen gebe weit über das für den Gewerbestand erträgliche Maß hinaus und ist deshalb in der vorliegenden Form abzu- lehnen. Die in der Befreiung für Hagel- und Viehversickerungen zum Ausdruck kommende weitgehende Rückr-ckst auf die Landwirtschaft sollt« auch auf die Bedürfniße des Mittelstandes ausgedehnt werden. Den Vorschlägen über bas Erbrecht bes Reichs stimmt das Direktorium des Hansa-Bundes trotz mancher bestehender Bedenken im Interesse ber für bas Reich notroenbigen Mittelhesckaffungen zu. Die Erhöhung bei Krlegsschatzes um 240 Millionen Mark ist zu billigen und zu begrüßen
Ausland.
** Ein Revolverattentat in der rumänischen Kammer. Bukarest, 18. April. Bei Eröffnung ber heutigen Kammersttzung feuerte ein Individuum von der Galerie einen Revolverschuß und rief dabei aus: „Die macedonische Stimme muß gehört roetben!* Es war ungefähr 2’/2 Ubr. Take Ionescu staub gerade auf. um auf eine Anfrage zu antworten, als von der Galerie der Schuß fiel. Ein in der Loge allein sitzender junger Mann hatte auf die Ministerbank gefeuert. Riesige Erregung bemächtigte sich des Hauses. Als sich die Unruhe etwas gelegt hatte, ergriff Minister Ionescu das Wort und sagte: „Dieser nur infolge seiner Seltenheit intereffante Zwischenfall soll, wenn er auch die Ruhe des Hauses für einige Minuten gestört hat, die Arbeiten der Kammer nicht stören!" Die Kammer brachte dem Minister langanbaltende Ovationen dar.
“ Dezentralifati onsbestrebungen in der Türkei. Konstantinopel, 18. April. Wie versichert wird, hat der Minifterrat Reformen für Syrien beschloßen, die auf eine Begünstigung der arabischen Sprache hinzielen. — Wie in anderen Gegenden, wird jetzt auch aus Bagdad eine Bewegung zugunsten der Dezentralisation gemeldet. — Das Blatt „Taswiriefkiar" erfahrt, gestern sei dem Eroßwesir eine Denkschrift unterbreitet worden, welche die Schaffung einer autonomen Provinz Kurdistan unter dem Namen „Oest- liche Wilajets" oder „Naher Osten" verlangt. Die Denkschrift fordert für die Provinz völlige Selbständigkeit; der Zentralregierung würde nur die Auswärtige Politik und der Oberbefehl über die Truppen im Kriegsfälle verbleiben, ferner die Bestätigung der von der Bevölkerung zu wählenden Chefs der Provinzialregierung, das Münzrecht, die Erhebung der Militärtaxen und Stempelgebühren.
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Marburg und Umgegend.
Nachdruck aller Drgtnalartttel ist gemäß y 18 bte Urheberrechts nut mit ber beutlichen Quellenangabe joberbefi '-ttg " geftittet 1
Marburg, 13. April.
* Der »Reichsanzeiger" bestätigt heute bie von uns vor längerer Zeit mitgeteilte Verleihung bes Offizierkreuzes bes Fürftlich- Waldeckschen Verbienftkreuzes 1. Klaffe an ben Archivbirektor a. D. Geh. Archivrat Dr. Könnecke hier.
* Die Militärpflichtigen, welche noch nicht im Besitz der Lofungsscheine sind, werden aufgefotbett, sich zu ihrer Empfangnahme in den nächsten Tagen von 8—1 unb 3—6 Uhr im Polizeibüro (Kilian, Zimmer Rr. 1) zu melden.