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M 88

1913.

«rrttks Blatt

57

Marburg

Mittwoch, 16 April

Zu dem Zwischenfalle selbst liegen noch folgende Meldungen vor:

Paris, 15. April. Eine Note derAgence Havas" besagt: Der Sekretär der deutschen Botschaft Graf v. Wedel erschien heute vormittag im Quai Dorsay, um im Namen des deutschen Botschaf­ters zu fragen, ob die französische Negierung keine genauen Aus­künfte über den Zwischenfall von Nancy besäße. Der Kabinetts­chef erwiderte, daß dem deutschen Botschafter Freiherrn v. Schön bestimmte Nachrichten gegeben würden, sobald das Ministerium des Innern detaillierten Bericht erhalten habe, dessen llebersen- dung von Nancy angekündigt sei. Nach dem ersten Bericht, den der Oberkommissar von Nancy an das Ministerium des Innern

um die Untersuchung über die Vorfälle in Nancy, namentlich über das Verhalten der Privatbeteiligten und der Behörde mit allem Nachdruck und in unbefangenem Geiste durchzuführen. Weitere Maßregeln hängen vom Gange und dem Ergebnis der Unter« fuchung ab.

DasJournal des D<-bats" erklärt: Nicht bloß in Frankreich gibt es Hetzblätter und Hetzereien. Wenn gewisse französische Blätter sich bisweilen zu Ausschreitungen hinreißen lassen, so hat doch keines derselben eine so systematische Verbreitung von Un« Wahrheiten und Herausforderungen veranstaltet. Es genügt, eine Zeitlang im Auslande inmitten deutscher Kolonien zu leben' um sich von dem furchtbaren Fortschritt der alldeutschen Ideen ju überzeugen. Es fehlt nicht an Deutschen, die sich in Frankreich wie zu Hause benehmen und sich manchmal Unziemlichkeiten zuschulden kommen lassen, und es nicht verwunderlich, wenn sie die Wirkung ihrer Unvorsichtigkeit zu spüren bekommen. So verhält es sich wahrscheinlich bei dem Zwischenfall in Nancy. Die alldeutschen Blätter dürften aus diesem Anlaß für den bei ihnen durch die unfreiwillige Zeppelinlandung verursachten Aerger nicht Revanche suchen.

Paris, 15. April. Die nationalistischeLiberty schreibt: Kaum, daß Deutschland seiner vermehrten Wehrkraft sicher ist, brennt es schon daraus, sich ihrer zu bedienen, um uns zu behelligen und zu demütigen. Morgen wird Deutschland noch stärker, noch stolzer und noch ungeduldiger werden. Welchen Beleidigungen würden wir uns aussetzen, wenn wir unsere Militärkraft nicht bis auf die Höhe bringen, welche Achtung gebietet und den Frieden sichert! Deshalb müssen wir unverzüglich die dreijährige Dienst« zeit wieder einführen.

ihm nicht im geringsten schwer. Aber wer ibn genauer kannte, der merkte doch bald, daß seine Heiterkeit nur forciert war, daß unter der zur Schau getragenen Lustigkeit bitterer Ernst verborgen lag.

Kurze Zeit vorbei, ehe man zu Tisch geben sollte, wurde dem Grafen gemeldet, die Gutsleute, geführt von den Beamten, hätten üch vor dem Portal des Schlosses versammelt, um ihrem Herrn eine glückliche Reise zu wünschen.

In ihrem Sonntagsstaat standen fie mit ernsten Gesichtern erwar­tungsvoll da. Man sah es einem irden unter ihnen an, es wurde ihnen schwer, ihren Herrn scheiden zu sehen.

Gefolgt von seinen Gästen, trat Eraf Kurt auf die Terrasse, in keiner freundlichen und leutseligen Art die versammelte Menge begrüßend. Da ergriff einer der ältesten und geachtesten Arbeiter, einige Schritte vortretend, das Wort.

Es war derselbe, der auch auf den Erntefesten und bei andern Ge­legenheiten zu sprechen pflegte und so als Redner eine gewisse Routine erlangt hatte. In einfachen, aber treuherzig klingenden Worten ver­suchte er es, den Gefühlen Ausdruck zu geben, von denen in diesem Augenblicke alle mehr oder minder beseelt wurden.

Es täte ihnen sehr leid, sagte er unter anderem, ihren Herrn so weit fort in Feindesland und Kriegsgefahren ziehen zu lassen: sie würden ihn alle schmerzlich vermissen, aber fie dürften und wollten darüber nicht kla­gen, da es sein, ihres gnädigen Herrn Grafen, Wunsch und Wille sei. Doch ihre Segenswünsche sollten ihn begleiten, bis er Gott möge es geben! gesund und wohlerhalten in die Heimat und zu ihnen zurück­kehre.

Mit geneigtem Haupte hatte Eraf Kutt die tteuherzigen Worte des Redners angehört. Als dieser geendet hatte, richtete er sich auf und ließ seine Blicke einen Augenblick bewegt Über die Menge gleiten. In seiner ganzen imposanten, vornehmen Größe stand er vor ihnen. Dann sprach er mit lauter, deutlicher Stimme:Ich danke Euch, meine wackeren Leute, danke Euch von ganzem Herzen für Eure Liebe und Treue, die Euch hterhergefühtt hat. Sie tut mir sehr wohl und läßt mich ruhiger scheiden: weiß ich doch, daß ich mich auf Euch verlassen kann, daß Ihr. auch wenn ich fern im Feindeslandwetle. treu zu mir und meinem Haufe jtefctn werdet." (Fortsetzung folgt! I

Und gleich darauf kam er, aber er war nicht allein: Erwin von Voß ging neben ihm. So gern sie den Freund auch als Gast stets bei fich sah, heute wäre es ihr lieber gewesen, er wäre fortgeblieben.

Nur noch wenige Tage, dann mußte Kurt abreisen, und fie sehnte fich, diese letzten Tage und Stunden mit ihm allein zu verleben. Eie hatte ja noch so viel mit ihm zubesprechen, zu fragen. Die Anwesenheit eines dritten, selbst wenn es der beste Freund wäre, störte fie nur.

Aber was hatten die beiden, warum blickten fie so ernst und waren so schweigsam?

Wie geht es dem armen Jungen?" fragte sie ihren Mann, während fie hineingingen.

Da sah er sie mit seinen schönen, blauen Augen so ttaurig an, daß es ihr durch und durch ging. Dann sagte er leise:Er ist tot ein Ge­hirnschlag machte seinem Leben ein Ende."

Sie hatte es geahnt. Gleich, als fie ihn sah, wußte sie, er kam von einem Totenbett, und doch überwältigte fie die Nachricht.

Kurt o mein Gott! wie schrecklich!" rief sie, und tränen traten in ihre Augen.Die arme Mutter!"

Er sah fie an und nickte.

Glücklicher Junge!" flüstette er dann.

Feodora hatte an seinem Lager gesessen, ihm die kühlenden Tücher auf das wunde Haupt gelegt und ihm die belebenden Tropfen eingeflößt, und nun meinte sie um ihn.

Ach, wenn es ihm bestimmt war, dott in der weiten Ferne die Augen zum letzten Schlummer zu schließen, er würde es nicht so gut haben, und ihm würde sie keine Träne nachweinen.

XXII.

Der letzte Abend vor der Abreise des Grafen war da.

Einige befteundete Herren aus der Nachbarschaft, darunter der Justizrat und Erwin, hatten sich eingefunden, um dem aus ihrer Mitte Scheidenden noch einen letzten Gruß mit auf die Reise zu geben.

In anregender Unterhaltung, die zwischen Ernst und Scherz schwankte, saßen fie im Herrenzimmer, und der Fröhlichste von allen war der Graf felber.

Seine Stimmung war so ausgelassen, von so sprudelndem Uebermut, daß man mit Recht glauben konnte, der Abschied von der Heimat fiele 1

Roman von T. Teutgen-Horst.

(ÄortfeBung >

Es war ihr, als wäre ihr erst jetzt für ihren Mann und fein Tun, für feine ganze Persönlichkeit das rechte Verständnis aufgegangen. Welche Schaffensfreudigkeit, welche Arbeitslust ihn beseelte! Von früh bis spät war er tätig, fast jede Minute wurde ausgenützt, und doch kargte et nicht geizig mit der Zeit, wenn jemand seiner bedurfte, wenn er helfen konnte. . Er leitete und dirigierte alles: alle wichtigen Schreibereien und Korre­spondenzen gingen durch seine Hände. Alle Tagessragen auf politischem und wissenschaftlichem Gebiet hatten Interesse für ihn; kein Gebiet des Wissens war ihm fremd: über alles und jedes hatte er ein scharfsinniges und treffendes Urteil. Wirklich sie bewunderte ihn!

Und wieder sah sie ihn vor fich, wie er sich so liebreich des armen Jungen angenommen hatte. Auch um sie soll er gesorgt und gebangt hoben, hatten die Großmutter und Gräfin Friederike ihr wiederholt er­zählt. Sie war auchsolch junges, blühendes Leben", wenn sie selber fich auch schon alt sehr alt vorkam. Ob er es wohl nur deshalb ge­tan hat? Aber ganz gleich,aus welchem Grunde er es tat, er hatte doch tim sie gebangt. Weshalb mußte sie denn so kleinlich bei allem nach dem Grunde forschen? Das war undankbar. Und daß fie sich seitdem schon oft den Tod gewünscht hatte, war schlecht und kündbatt. eines Gortes« kindes unwürdig.

Das Sterben war etwas so furchtbar Trauriges. Das hatte sie lrst heute wieder erfahren. Und wie, wenn Gott sie jetzt abrufen wollte würde sie dann wirklich gern gehen?

Nein, ach nein fie hatte das Leben ja so lieb so unaussprechlich lieb! Noch nie hatte sie das so empfunden wie heute. Und mit immer Kroßerer Sehnsucht wartet fie, daß ihr Mann kommen sollte. Wie lange t blieb!

Willst du dich nicht endlich zu mir ins Zimmer setzen?" rief Gräfin Friederike ihr zu.Es wird schon so kalt."

®&er ihr war die ftische Abendlust gerade recht. Sie kühlte ihre Sitzen Wangen und ihre vom angestrengten Schaue« müde« Augen,

Politische Umschau.

Der Kriegsminifter über die Duellfrag«.

Aus der jetzt im Druck vorliegenden Erklärung des Kriegs- Ministers zur Duellfrage ist folgendes zu bemerken: In den wegen Duellvergebens erfolgten 53 Verurteilungen der letzten Iabre handelte es fich in Ick Fällen um unerlaubten Verkehr mit Fronen, in 32 um tätliche, in 7 Fällen um wörtliche, meist sehr schwere Be­leidigungen, darunter nur einmal zwischen zwei Offizieren. Der Zweikampf aus nichtigen Ursachen, er ist also so gut wie verickwnn- den. Unter diesen 53 Verurteilungen bandelte es sich in 36 Fällen um Beleidigungen zwischen Offizieren und Personen, die den Ehrengerichten nicht unterstehen. In 17 Fällen war eine Zivil­person die fordernde. Die Mebrzabl der Ehrenhändel in denen es zum Duell kamt, spielt sich zwischen Offizieren und Zivilperso­nen ab. Die Geldstrafe vermögen wir nicht alle als ausreichende Sühne anzusehen. Eine wirkliche Genugtuung kann nur der mili­tärische Ehrenrat mit einem ehrengerichtlichen Verfahren oder das militärische Ehrengericht erzwingen, dessen Spruch in schweren Fällen den Schuldigen als Nichtebrenmann stempelt, wodurch fich dann auch die Frage der Duelle erledigt. Es wird keinem Offizier verdacht, wenn er ein Duell mit einem Ehrlosen ablehnt. Di' Auffassung, daß der Beleidiger grundsätzlich schärfer bestraft werden müsse, als der Gegner, wird von der Armee durchaus geteilt und findet ihren Ausdruck auch in der Verordnung über die Ehrenge­richte durch die Worte, daß ein Offizier, der die Ehre eines Ka­meraden in frevelhafter Weife verletzt, im Heere nicht geduldet wird. Diese allerhöchste Willensmeinung wird in der Praxis streng durchgefübrt. Erfolgt eine Beleidigung nur aus unehren­haften Beweggründen, so wird fein Ehrengericht einen Offizier wegen Unterlassung des Duells des Mangels ehrenhafter Gefin- nunq gelben. Der Kaiser, der bei keiner Gelegenheit über seinen ernsten Willen, daß die Zweikämpfe immer mehr verschwinden sollen, einen Zweifel gelassen hat. besprach diese Angelegenheit bei

3'er Zwischenfall von Wäret)

erregt weiter die Oeffentlichkeit hüben und drüben. Es besteht kein Zweifel, daß die Regierungen dafür sorgen werden, daß der Zwi­schenfall richtig seine endliche Erledigung finden wird. Das ist an dem ganzen Vorfall aber gar nicht das Wichtigste. Als der Reichskanzler kürzlich von der chauvinistischen Stimmung in Frank­reich sprach, die jeden Tag gefährlich werden könnte, da suchten unsere Demokraten diese Beobachtung des Kanzlers als falsch hin- zuslellen, ja Blätter vom Schlage desVerl. Tageblattes" griffen bcn Grafen Kanitz heftig an, als er davon sprach, daß in den fran­zösischen Massen eine Revanchestimmung herrsche. Nun aus allen Berichten geht doch hervor, daß die paar Deutschen in Nancy nur deshalb beschimpft wurden, weil man fie für deutsche Offiziere hielt. In Deutschland und leider nur in Deutschland ist es aber nötig, vielen Leuten derartige Tatsachen immer wieder vor Augen zu führen, Politikern, denen der Sinn für auswärtige Ge­fahren fast verloren gegangen ist, weil sie obwohl sonst so fried­lich! das ganze Interesse des Publikums für ihre innere deutsche Hetze beanspruchen. Eine republikanische Regierung, wie die fran­zösische ist machtlos gegen Schreier wie in Nancy. Man wird von ihr auch nicht zu viel verlangen können. Das ist aber gerade die Gefahr. Wir haben in den letzten Jahren viele Hetzreden fran­zösischer Generäle und manches anderen dort drüben erlebt. Aber dieL. N. N." haben recht:So schamlos wie in den Zwischen­fällen von Luneville und Nancy ist jedoch der Deutschenhaß bisher noch nicht zutage getreten, auch nicht die grenzenlose Feigheit, in Horden über wehrlose Ausländer herzufallen. Haß, Brutalität und Feigheit haben sich dem Vorgang von Nancy innig gesellt.... Dann aber ist es auch notwendig, daß wir ganz kühl die Folgerung ziehen, daß wir Deutschen vorläufig den gastlichen Boden Frank­reichs meiden und weiter die wirtschaftlichen Beziehungen und den Verkehr mit Frankreich solange abbrechen, bis sich die Radaulust jenseits unserer westlichen Grenze beruhigt hat. Die Folgen eines solchen Verhaltens haben die Franzosen, nicht wir, zu tragen."

Politisch aber hat uns der Fall wieder einmal gelehrt, die Augen offen zu halten und wir sind überzeugt, daß alle diese Dinge nur dazu beitragen, das Gefühl in uns zu stärken, daß wir uns von Westen her Überraschungen gefallen lassen müssen, gegen die eine starke Waffenmacht das einzige Vorbeugungsmittel ist. Die französische Presse, die von vornherein die ganze Angelegen­heit als harmlose Streiterei hinzustellen beliebte, tut nun sehr entrüstet über die Kommentare, die die Vorgänge in der deutschen Presse gefunden haben. Es war nicht anders zu erwarten: es liegt System in der Art, wie sie estut. Die ganze Angelegenheit ist übrigens neuerdings im Reichstage zur Sprache gekommen, wo Staatssekretär v. Jagow eine Erklärung abgegeben hat, für die wir auf unseren Reichstagbericht verweisen.

VieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durck. Vie Post bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2, JL frei ins Hacks. Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch lInh.: Dr. G. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

(Nachdruck verboten.)

Gewagtes Spiel.

m:t dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" und ..LandwirtschaWiche Beilage".

gesandt hat, soll sich der Zwischenfall, der zu einigen Bemerkungen tn der Presse Veranlassung gab, wie folgt zugetragen haben: Drei Deutsche wohnten von zwei Damen begleitet, am Sonntag abend um 10i/£ Uhr einer Vorstellung im Casino bei. Einige Stuben® t e n machten ihnen gegenüber ein paar anzügliche Bemerkungen, und Pfiffe ertönten von der Galerie. Der Zwischenfall blieb vom Publikum unbemerkt. Die Fremden verließen das Casino, und kurz vor 11 Uhr begaben sie sich in die Lothringer Bierhalle, wohin fünf bis sechs Studenten, die ihnen folgten, ebenfalls gingen. Hier tarn es zu dem gleichen Zwischenfall wie im Casino. Der Wirt bat bie Stubenten, sich ruhig zu verhalten, was sie auch unverzüglich ohne Eegenrebe taten. Als die Fremden jedoch bas Lokal ver-

füllten ihnen bie Stubenten wieber mit einer Schar von fünfzig Neugierigen bis zum Bahnhof unb machten von neuem Mtze mit ihnen. Das war gegen 1 Uhr 30 Minuten. Ein Dutzenb Manifestanten ging auf ben Bahnsteig mit unb setzte bort bie Kunbgebungen bis zum Abgang bes Metzer Zuges fort. Die brei Deutschen sinb keine Offiziere. Die vom Oberkommissar einge­leitete Untersuchung wirb fortgesetzt, aber man kann schon jetzt sagen, baß ber Zwischenfall übermii ßig aufgebauscht worben ist. Es scheint sich um bas Vorgehen von etwas angehei­terten jungen Leuten zu hanbeln, bie sich bet Geschmacklosigkeit ihres Benehmens nicht bewußt waren.

Paris, 15. April. Die chauvinistische Mittags-Zeitung Paris Mibi" veröffentlicht über ben Zwischenfall folgenben Be­richt: Im Kasino spielte man ein Stück, betitelt:Fritz bet Ulan. Währenb einer Szene, wo ein beutscher Spion auftrat, würben mehrere Pfiffe laut unb man beschulbigte bie beiben Deut­schen unb bie brei Damen, bie fich in ihrer Begleitung befanben, Huß sie gepfiffen hätten, boch würbe bie Vorstellung nicht weiter gestört unb bie Sache schien, erlebigt. Nach Schluß ber Vorstellung folgten Stubenten ben beiben Deutschen unb ihren Damen bis zur Lothringer Bierhalle. Der Wirt, in besten Saal bie beiben Deutschen insultiert würben, erzählte einem Berichterstatter bes­seren Blattes: Ich weiß nicht, ob bie beiden Gäste Franzosen oder Deutsche waren, ich weiß nur, daß sie sich vollständig korrekt benommen haben. Sie waren keineswegs betrunken unb meine Ueberraschung war groß, als ich in ben Saal zwei Studenten ein­dringen sah, welche die beiden Deutschen beschimpften. Ich ver­anlaßte die Studenten, bas Lokal zu verlosten. Die Stubenten blieben vor ber Bierhalle stehen, hielten Ansprachen an bie Vor- übergehenben unb riefen auf diese Weise eine Ansammlung her­vor. Um 1 Uhr schloß ich die Bierhalle, und was weiter geschah, weiß ich nicht. Der Stationsvorstand von Nancy erzählt: Zwei Herren und brei Damen fanden sich im Wartesaal 2. Klasse ein. Ich hörte auf ber Straße einige Rufe:Schmeißt sie hinaus, bie gemeinen Preußen!" Ich ersuchte bie jungen Leute, keinen Lärm vor bem Bahnhofe zu machen. Als ber Zug ankam, brongen fie auf ben Bahnsteig unb fuhren fort, bie Deutschen zu beschimpfen, bie mir sehr friebfertig zu sein schienen. Ich habe von einer Prü­gelei nichts gesehen, zum minbesten nicht auf bem Bahnhöfe. Der Polizeikommistar erklärte bemfelben Berichterstatter: Man hat bas Vorkommnis übertrieben unb selbst entstellt. Zunächst waren bie beiben Deutschen nur einfache Zivilisten. Die Kunb- gebung hat in Nancy kein großes Aussehen erregt, fie beschränkte fich auf einige Vergeltungsmaßregeln, welche bie Stubenten gegen­über Zuschauern ausübten, bie mit Rücksicht auf ihre Eigenschaft als Auslänber nicht ben entsprechenden Taft gezeigt haben. In der Tat haben sich die Deutschen erlaubt, unangemessene Bemer­kungen über bie französische Armee zu machen. Auf bem Bahnhof entstaub eine Prügelei, ich weiß aber nicht, wer ben Anfang ge­macht hat. Es hanbelt fich nur um einen ganz gewöhnlichen lokalen Vorfall, welchen man nicht übertreiben sollte.

Paris, 15. April. Sicherem Vernehmen nach hat bie fran­zösische Regierung unverzüglich besonbere Maßnahmen getroffen,

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