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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".
Die „Oberhessijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich bunt* die Post bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2,— M frei ins Haus. — Druck der Univ.-Buchdruckeret I. A. Koch (Inh.: Dr. E. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Donnerstag, 10. April
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48. Jahrg.
1913.
Crites Blatt.
Rundbau.
Die Polen und die Heeresvorlage.
Die Polen haben am Dienstag durch den Abg. Seyda ihre ablehnende Stellungnahme zu der Heeresvorlage im Reichstage verkünden lassen. Eie begründeten diese Stellungnahme mit der Haltung des Reichskanzlers zur Polenfrage, speziell zu der Tnteingungsfrage. Als ob die Frage der Verteidigung des Reiches auch nur das geringste mit der Person des Reichskanzlers zu tun hätte! Schlimmer konnten sich die Polen nicht ins Anrecht setzen, als sie es mit dieser Begründung einer Verneinung der Forderungen getan haben, die zum Schutze des Vaterlandes unbedingt erfüllt werden müsien. Sie fordern damit direkt die Schlußfolgerung heraus, daß sie kein Interesse an der Sicherung des Reiches nehmen, weil sie dieses nicht als ihr Vaterland anerkennen. Freilich, wenn man die Auslassungen der polnischen Presie aus der letzten Zeit in Betracht zieht, so liegt dieser Schluß ziemlich nahe. Die Ausbrüche des Hasies gegen das Deutschtum in den polnischen Blättern kennen keine Grenze mehr. Wagte es doch erst kürzlich die „Gazeta Erudziaka", von einer „schändlichen Gewalttat" zu schreiben, die die preußische Regierung dadurch begangen hab«, daß sie „ihre Tatze" auf Zlotniki und Dobski gelegt habe. Der preußische Staat habe gezeigt, daß er „ein Staat der Gesetzwidrigkeiten und der Gewalttaten" sei, und die preußische Regierung habe sich „ein Denkmal der Schande" gesetzt. Und dann verfluchte das Blatt alle die, die an dem „geliebten Vaterlande" dadurch Verrat übten, daß sie freiwillig auch nur das kleinste Fleckchen „polnischen Bodens" an den „Feind" verkauften. Wer das tue, solle „verflucht sein von dem ganzen polnischen Volke: jeder solle ihn meiden wie die Seuche, wie verpestete Luft". Die „väterliche Erde" dürfe die sterblichen Ueberreste eines solchen Verbrechers und Verräters nicht in ihren Schoß aufnehmen und schon zu Lebzeiten müßte er „ein finkender Leichnam" in seiner eignen Gemeinschaft sein. Wo in einem solchen Tone über Preußen und Deutsch« land geflucht wird, kann allerdings ein Gefühl für die Verantwortlichkeit gegenüber dem Reiche nicht auskommen. Eine solche Gesinnung verträgt sich nicht mit Opfern für das deutsche Vaterland. Die Polen dürften sich •bet selbst sagen, daß ihnen die Ablehnung der für den Schutz und die Sicherung des Reiches gegenüber den drohenden Gefahren der Zukunft als notwendig erkannten Verstärkung unsrer Wehrkraft nicht vergesien werden wird. Verschärft wird der Eindruck, den diese Haltung der Polen Hervorrufen muß, noch durch die Sympathie, die der Abg. Seyda für das Slawentum und seinen angeblichen „B^-'ungskrieg" so geflisientlich zur Schau trug, eine Sympathie, die bt ' die von den Serben und Montenegrinern gegen die katholischen Albanesen verübten Greuel noch einen besonderen Anstrich erhielt. Die Polen waren übel beraten, als sie die Ablehnung der Heeresvorlage aussprachen und dieser Ablehnung eine Begründung gaben, wie sie der Tbg. Seyda vorgetragen hat.
Bedenkliche Strömungen im Freisinn.
Man schreibt uns:
Es ist notwendig, auf gewiße Vorgänge hinzuweisen, die sich innerhalb der Fortschrittlichen Volkspartei abspielen. Die freisinnige Presse scheint sich in einer Opposition gegen die neue Heeresvorlage zu gefallen, die nicht unwesentlich von der Haltung absttcht, die die freisinnige Partei in den letzten Jahren gegenüber den notwendigen Forderungen der Heeresverwaltung eingenommen hat. Aber auch sonst machen sich in der genannten Pattei Anzeichen dafür bemerkbar, die auf eine Schwenkung derselben nach links hindeuten. Wir haben schon auf das Zusammengehen fteifinniger Führer der Fortschrittlichen Volkspartei in Elsaß- Lothringen mit den dortigen Sozialdemokraten bei einer Protestversammlung gegen die Heeresvorlage in Mühlhausen hingewiesen, wobei auch die angeblich außer acht gelaßene Rücksichtnahme auf die Empfind- lichkeit Frankreichs ins Feld geführt und ganz im Sinne der Sozialdemokratie eine Ablehnung der Vorlage gefordert wurde. Jetzt hat auch die Fortschrittliche Volkspartei in Württemberg, die ehemalige demokratische Süddeutsche Volkspattei, in einer Versammlung in Stuttgart Stellung zur Heeresvorlage genommen. Der badische Landtagsabgeordnete Venedey hat dabei erklärt, viel wichtiger, als die Erhöhung der Friedenspräsenzstärke des Heeres erscheine ihm die Demokratisierung des letzteren, und auch die übrigen Redner haben sich ziemlich abfällig über die „Riesenforderungen" der Heeresverwaltung ausgesprochen. Man hat zwar schließlich die Verpflichtung anerkannt, alles Notwendige zum Schuhe des Vaterlandes zu bewilligen, aber der Geist, der die Ver-
62 (Nachdruck verboten.)
Gewagtes Spiel.
> Roman von T. Teutgen-Horst. T ■ J
t Fortsetzung.)
Roch wußte es außer ihm hier niemand, aber es würde nicht mehr allzulange Geheimnis Meilen; dafür sorgten schon die Zeitungen mit ihrer Sucht nach neuem Stofs.
Wie Feodora es wohl aufnehmen würde? Noch hatte sie zu seinem geheimen Aerger kein Wort darüber verloren. Ob sie überhaupt nicht an die Ausführung seines Planes glaubte?
Durch die geöffneten Fenster ertönte jetzt ihre glockenreine Stimme in den stillen Abend hinaus. Sie stand am Flügel, und Erwin begleitete sie, während Gräfin Friederike mit ihrer Handarbeit in der Sofaecke saß und ihnen zuhörte.
Der Schein der Kerzen fiel voll auf Feordora« zartes, von der Krankheit her noch immer blaßes Antlitz, auf die Fallen ihres weißen Gewandes.
Er wollte hineingehen, aber an der Tür kehrte er wieder um. Ihm fehlte die Kraft, die beiden jo dicht nebeneinander zu sehen. Sein Blut wallte und hämmerte in den Schläfen; sein Herz pochte zum Zerspringen.
Wie vertraut sie sich anblicktenl — Ein solches Freundschaftsverhältnis, wie er es hier unter seinen Augen sich entwickeln hatte sehen, mußte sich ja mit der Zeit in Liebe verwandeln.
Und wie, wenn Feorora ihn bereits liebte? War es edel und rittet» lich gehandelt von ihm, sich ihren Wünschen entgegenzustellen, anstatt si« schon jetzt fteizugcben und ihr Glück begründen zu helfen?
Er hatte für sich ja doch nichts zu hoffen, hatte sein Glück verscherzt, ihre Liebe mit Füßen getreten damals, wo es an der Zeit gewesen wäre, »m sie zu werben. Eine zu niedrige, unwürdige Rolle hatte er in ihrem Leben gespielt. Brutal und unmännlich war es von ihm gewesen, ein Wesen eie Feodora aus rein eigennützigen Gründen an sich zu seßeln, stch ihre Unerfahrenheil, ihre Unkenntnis de« Leben« zunutze zu machen.
sammlung beherrschte, war der Geist der Verneinung. Zu der gleichen Zeit, zu der man in Stuttgart in dieser Weise über die Heeresvorlage zu Gericht saß, hielt als Wortführer de« Freisinn» der Abg. Dr. Müller- Meiningen im Reichstage eine Rede, von der die sozialdemokratisch« Preße nicht mit Unrecht sagt«, sie hätte konsequenter Weise zu einer Ablehnung der Heeresvorlage führen müßen. Da» sind Zeichen für eine bedenkliche Strömung innerhalb der fteisinnigen Parier, und sie müßen zu einem Nachforschen nach den Gründen Anlaß geben, die für eine solch« Opposition maßgebend sein könnten. Notwendig fast muß man zu der Annahme gelangen, daß die Haltung der Freisinnigen in einen gewißen Zusammenhang zu bringen ist mit dem Bestreben, den Gegensatz zur Sozialdemokratie nicht zu scharf zu betonen, und zwar aus Gründen der Taktik, dir aus den bevorstehenden Landtagswahlen in Preußen herzuleiten sind. Noch immer scheinen die Hoffnungen de» Freisinns auf eine Wahlhilfe der Sozialdemokratie nicht aufgegeben zu fein, und da eine Verwirklichung dieser Hoffnungen bei einer schroffen Gegnerschaft zwischen Freisinn und Sozialdemokratie in der Frage der Heeresvorlage mit ihrer steuerlichen Rückwirkung auf die Einzelstaaten ausgeschloßen wäre, greift man zu einem neuen „Dämpfungsmanöver". Nur soll diesmal der — Patriotismus beim Freisinn „gedämpft" werden. Vorläufig können wir uns aber nicht denken, daß die fteisinnigen Wähler mit einem solchen Manöver einverstanden sind. Die fteisinnige Parteileitung spielt ein bedenkliches Spiel, wenn ste die Vaterlandsliebe ihrer Anhänger al» Kaufschilling für sozialdemokratische Wahlhilfe bettachtet.
Sprengversuche mit „flüssiger Lust" in Deutschland und Frankreichs (Eine Umwälzung in der Pulverftage.)
In Deutschland und in Frankreich werden fast glei^eitig Versuche mit der Verwendung von „ftüßiger Lust" zu Kriegszwecken gemacht, die geradezu eine Umwälzung auf dem Gebiete der Pulverftage ahnen laßen. Besonders für Franfteich, wo das berüchttgte L-Pulver noch in unangenehmster Erinnerung ist, dürste diese Angelegenheit von allergrößter Bedeutung werden. Während über die deutschen Versuche Still» schweigen zu beobachten ist, laßen sich über di« dahinzielenden Maßnahmen des französischen Kriegsministeriums einige genauere Einzelheiten mitteilen. Der französische Kttegsminister hatte sich an zwtt hervorragende Fachleute, die Ehemiker Elaude und D'Arsonvar, mtt der Anftage gerichtet, ob flüssige Lust — oder richtiger gesagt flüssiger Sauerstoff — sich al» Sprengmittel verwenden ließe. Daraufhin wurden in den Eipsbrüchen von Vaulirard die ersten Versuche mit einer Mischung aus Aluminiumpulver und flüssigem Sauerstoff gemacht, die die hervor- ragendste Sprengwirkung ausübte. Das neue Sprengmittel erhielt den Namen „Oxyliquit". Diese« Oxyliquit ist zum Teil schon bet der Arbeit des Simplon-Tunnels verwendet worden, allerdings noch in sehr unfertiger Form. Es laßen sich nun Sprengpatronen Herstellen, die einfach aus Holzkohle bestehen. Eie sind darum nicht nur ungewöhnlich billig, sondern haben noch den anderen großen Vorzug, daß ste auch völlig ungefährlich sind. Man kann einfach ganz harmlose Holzkohlenpatronen lagern laßen, während die für die Sprengwirkung notwendig« fluffige Luft oder der flüssige Sauerstoff erst dann maschinenmäßig her- gestellt wird, wenn die Patrone gebraucht wird. Explosionen, wie ste bisher auf den französtschen Kriegsschiffen erfolgten, sind dadurch voll- fommen ausgeschlossen. Die Patrone aus Holzkohle oder aus Aluminium wird gemischt mit flüssigem Sauerstoff, in einem geschlossenen Gefäß durch eine Sprengkapsel entzündet und erzeugt dadurch eine heftige Explosion. Mit einer einzigen Patrone wurden 20 000 Kilogramm Ee- steinsmaße gesprengt. Natürlich find die bisherigen Patronen zwar zur Sprengung, aber noch nicht zum Schießen geeignet. Es ist aber keine Frage, daß auch in kurzer Zeit Mittel und Wege gefunden werden, um diese Patronen zu Geschoßen verwenden zu können. Dann wird das Dynamit und Pulver vollkommen ausgeschaltet werden können. Es leuchtet ein, wie groß die ungeheure Kostenersparnis sein wird, wenn anstelle des teueren Dynamit» und Pulvers einfach Holzkohle und der sehr billige flüssige Sauerstoff zur Verwendung gelangen wird. Auch die Unabhängigkeit von der Industrie ftemder Länder sichert dieser Angelegenheit eine große Bedeutung, da die Rohstoffe für die Pulverfabrikation vielfach aus anderen Ländern bezogen werden müßen. Endlich fallen hier auch die gesundheitsschädtlichen Gase der Pulverarten weg.
Die Lage.
Wien, 9. April.' Die „Reichspost" erfahrt: In maßgebenden Kreisen wird die Lage seit gestern optimistischer beurteilt. Die Ausschiffung der serbischen Truppen in Saloniki er-
Wenn ihn jetzt ihre ganze Verachtung traf, so war das eine nur zu wohl verdiente, gerechte Strafe für ihn.
' „Ich wollt', meine Liebe ergöße sich All in ein einzig Wort.
Das gab* ich den lustigen Winden, Die trügen es lustig fort —" fang Feodora, und er stand draußen und lauscht« auf jeden Ton, jedes Wort ihrer süßen Stimme. Dann preßt« er die Hände an die Schläfen und stöhnte. Es war ihm, als hätte er eine tiefe Wunde empfangen, an der sein Herzblut dahinfließen mußte.
„Sie trügen zu dir, Geliebter,
Das lieberfüllte Wort;
Du hörst es zu jeder Stunde, Du hörst es an jedem Ort —" fang sie weiter, und als sie geendet hatte, lachten sie sich an und sprachen und blätterten in dem Notenheft nacheinem andern Liede.
An ihn, der hier draußen stand und sich in stiller Sehnsucht verzehrte, dachten sie nicht. Wie sollten sie auch?
Und immer mehr wurde es ihm zur Gewißheit, daß Feodora seinen Freund liebte. Der glückliche Erwin! Er hatte ja nichts Bestrickendes in feinem Aeußern — das stimmte, aber er hatte ein edles, goldtreues Herz und ein zartes Verständnis für alle ihre Wünsche. Sie mußte ihn lieben, oder würde es doch bald genug lernen.
Unb wieder entrang sich ein bange» Stöhnen seiner Brust. Es war ihm, als hätte das Leben plötzlich für ihn jeden Wert verloren; so öd«, kalt und inhaltsleer war e» ihm noch nie erschienen, selbst damals nicht, als ihm Martine untreu wurde.
Er lachte plötzlich bitter auf. Was für ein blinder Tor war er doch damals gewesen — damals —i
Mit schweren Schritten, welche die ganze, ihm sonst eigene Elastizität eingebüßt zu haben schienen, erstieg er di« Stufen der breiten Freitrepp« und trat in» Zimmer.
Feodora blätterte noch immer in den Notenhesten; ste suchte nach einem Lied«, da» ß« aus Gräfin Fttedettkens Bitte noch singen wollte.
folgte auf die Initiative der serbischen Regierung, welche auch weitere Rac^chübe von Truppen und Munition nach Skutari nicht mehr machen will. Zn der Antwort auf die Vorstellungen der Großmächte ersuchte Serbien auch um eine genaue Bekanntgabe der festgesetzten Grenzen Albaniens. Der Wunsch soll erfüllt werden. Man knüpft daran die Erwartung, daß Serbien dann auch die Konsequenzen ziehen und Albanien räumen wird. Es wird bestätigt, daß die montenegrinische Regierung die offene Ordre der Pforte an Eßad Pascha über den Abzug der Zivilbevölkerung von Skutari mtt d»- Hinweis auf militärische Gründe nicht durchliefe.
Wien, 9. April. Das „Fremdenblatt" folgert aus den Aeutzerungen der leitenden Staatsmänner, insbesondere aus den Reden Sasonows, di San Giuliano, Bethmann Hollwegs und Greys, daß die Hoffnung gerechtfertigt sei, daß sich das Ziel, das sich die Politik Europas gesetzt hat, mit der nötigen Geduld und Zähigkeit auch tatsächlich in Frieden erreichen laße. Das „Fremdenblatt" konstatiert befriedigt, dah Oesterreich-Ungarn sich mit seinem Standpunkte und der Entschlossenheit, die Vereitelung der einmal gefaßten europäischen Beschlüsse nicht zuzulaßen, in voller Uebereinstimmung mtt den Grohmächten befindet, woraus die Schlußfolgerung gezogen werden könne, dah dann trotz aller Hemmungen und Schwierigkeiten der auf die Erhaltung des Friedens gerichtete Wille Europas sich bis ans Ende stark genug erweisen werde, um alle illegitimen Widerstände und leichtfertigen Provokationen in die gebührenden Schranken zu bannen.
Paris, 9. April. Der „Excelstor" meldet aus Korfu, dah 17 griechische Transportschiffe, die am Sonntag von Korfu mit 15 000 serbischen Soldaten und Belagerungsgeschützen in Begleitung des Panzerschiffes „Pfara" und zweier Torpedobootszerstörer abgegangen waren, zurückgekehrt find, nachdem ste die Truppen und Kanonen in San Giovanni di Medua gelandet hatten.
Petersburg, 9. April. Ein kaiserlicher Armeebefehl, der heute veröffentlicht wird, bestätigt ein Verbot für Militärpersonen aller Rangklaßen an Kundgebungen aller Art einschließlich solcher, wie sie am 6. April stattfanden, sich zu beteiligen.
Deutsches '.HetcK
— Der Herzog von Cumberland beim Kaiser. Frankfurt a.
9. April. Herzog Ernst August zu Eumberland, Herzogin Kyra von Cumberland sowie Prinzessin Olga, Herzogin von Braunschweig- Lüneburg, trafen heute mittag 1 Uhr im Sonderzuge über Nürnberg aus Gmunden hier ein. Zum Empfang der fürstlichen Herrschaften hatten sich eingefunden Prinz Ernst August, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, und seine Verlobte Prinzessin Viktoria Luise von Preußen sowie Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen. Nach überaus herzlicher Begrüßung begaben sich die hohen Gäste, von einer großen Zuschauermenge lebhaft begrüßt, in mehreren Automobilen nach dem Frankfurter Hof, wo sie Wohnung nahmen. — In Homburger gut informierten Kreisen geht das Gerücht um, daß sich Prinzessin Olga von Cumberland, die Tochter des Herzogs von Cumberland, mit dem Prinzen Adalbert von Preußen gelegentlich des hiesigen Aufenthalts in dem nächsten Tagen verloben wird.
— Prinz Heinrich in England. London, 10. April. Prinz Heinrich von Preußen traf gestern abend auf dem Viktoria-Bahnhof hier ein und wurde vom Militär- und Marine-Attachee der deutschen Botschaft empfangen. Sein Besuch ist ein streng privater. Wie es heißt, wird der Prinz am Montag zurückreisen.
— Der Seniorenkonvent. Berlin, 9. April. Der Seniorenkonvent des Abgeordnetenhauses trat heute vor dem Beginn des Plenums zu einer Beratung der Geschäftslage zusammen. Es wird in Aussicht genommen, über die Sitzungen so zu disponieren, daß bis zum 30. April alles mit Ausnahme der Steuergesetze erledigt werden kann, nötigenfalls unter Zuhilfenahme von Abend- sitzungen, doch wird vorbehalten, für den Fall, daß vom Herren-
Als sie ihren Mann sah, erschrak sie über sein blasses, leidendes Aussehen.
„Du hast gesungen?" fragte er. nur um etwas zu sagen. „Du darfst dich aber nicht zu sehr anstrengen — nur ein — höchstens zwei Lieder hat der Doktor dir gestattet", fuhr er fort, die Hand nach dem Notenheft ausstreckend.
„Ach, das ist nur übertriebene Aengstlichkeit von Dr. Werner! Ich fühl« mich wirklich wieder vollständig gesund. Aber du siehst nicht gut aus. Findest du das nicht, Mama? Ich glaube, du überarbeitest dich. Was hattest du denn jetzt, wo alle Welt Feierabend hat, noch Wichtiges draußen zu tun?“
Gräfin Friederike stimmte ihr bei und überhab ihn so der Antwort.
„Es ist wahr, Kürt — du solltest dich mehr schonen. Du arbeitest ja viel ongefttengtei als ein Tagelöhner."
„Ich habe auch alle Ursache dazu", sagte er, in einem Sessel neben seiner Mutter Platz nehmend. „In vier Wochen mutz ich fort — hier lies selber, wenn es dich interessiert."
„Kurt —!“
Ein dreifacher Ruf schallte durch das Zimmer; dann folgte Totenstille. Feodora war oufgefprungen und starrte auf das mit einem großen Amtsfirgel versehene Schreiben in Gräfin Friederikens Hand, aber sie sagte kein Wort, auch nicht, als die beiden andern ihren Mann mit einer wahren Flut von Fragen bestürmten.
Eie war verstummt, und doch entging ihr kein Wort der interessanten Unterhaltung, die sich bald darauf an die ersten stürmischen Fragen schloß
Di« Zett verging ihnen wie im Fluge.
„Schon 11 Uhr?" rief Gräfin Friederike verwundert, als Erwin aufstand, um sich zu empfehlen. „Feenkind —", wandte sie sich dann an Feodora, den Schmeichelnamen gebrauchend, den Siegfried für diese erfunden hatte, „du mutzt zu Bett! Was wird Doktor Werner sagen, wenn er hott, daß du dir den Tag so eigenmächtig verlängerst?"
Kurt gab Erwin das Geleit, und die beiden Frauen blieben allein lvortjezung folgt.)