mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
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| Die „Oberhejsijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn' und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstelleu 2— M frei ins Haus. — Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. G. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Mittwoch, 9 April
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48. Jahrg.
1913.
Erstes Blatt.
Prcfjefttmmen zur gestriaen
Konzlerrede im Rei^staae
Der „Berliner Lokalanzeiger" schreibt: Das für uns Wichtigste scheint zu sein, was der Kanzler über Frankreich sagte, denn wenn es auch richtig ist, daß man ähnliche Gedanken schon öfter in letzter Zeit gelesen und gehört hat, von dem leitenden Staatsmann des deutschen Reiches hat man str zum ersten male gehört. So wenig wie der Inhalt war der Ton der Kanzlerrede dazu angetan, irgend Jemand zu reizen. Rach dem Kanzler nahm der preußische Kriegsminister von Heeringen das Wort. Er vermochte jedoch die Aufmerksamkeit des Hauses nur in geringem Grade zu fesseln. Einmal war er nur schwer zu verstehen und dann mußte er sich die wichtigsten Argumente für die Beratung in der Kommission aufsparen. Bon den Abgeordneten sprach zunächst der Sozialdemokrat Haase recht lange und recht unbedeutend. Kürzer faßten sich die Abg. Spahn, v. Liebert und Behrens. Es ist nichts von Hurrapatriotismus zu spüren, sondern ans wahrer Vaterlandsliebe bewilligten die bürger^cben Parteien, was sie aufgrund ernster Erwägungen für notwendig erachtet haben.
Das „Berliner Tageblatt" schreibt: Eine Diplomatie, die immer nur nach neuen Kanonen ruft, dankt ab. Herr v Bethmann Hollweg weist gern auf die Schädlichkeit der demokratischen Ideen hin. Mit der feudalen konservativen Ideenlosigkeit kommen wir auch nicht weit. Herr v. Bethmann Hollweg hat wie ein Mann gesprochen, der noch letzthin versichert: Glaubt mir, ich meine es gut! Nicht von Herausforderungen kann die Rede fein, aber eine Forderung zieht, und das hat Herr v. Bethmann Hollweg verschwiegen, immer noch andere Forderungen nach. Herr von Heeringens Erscheinen treibt die Hälfte der Abgeordneten aus dem Saal hinaus. Man hat wohl nichts anderes erwartet, als das, was der Minister gab, ein mattes, inhaltloses und tonloses Gemurmel. Aufzählung alles besten, was längst bis in das kleinste Dorf hinein gedrungen Ist. Richt minder ungenügend als die Begründung der Rüstungsvermehrung durch die Regierung waren die Reden der Partelvertreter, die gestern zu Worte kamen.
Die „Berliner Neuesten Nachrichten" schreiben: Die defensive Stimmung, wir wir aus zahlreichen Reden unserer verantwortlichen Staatsmänner seit langem gewöhnt sind, durchzieht auch wieder die Worte des Reichskanzlers. Alles in allem hat er mit der Ehrlichkeit, die ihn auszeichnet, unsere Weltlage gezeichnet, so wie sie sich aus den Tendenzen unserer altangestammten Änslandspolitik und den Erfordernisten des kritischen Augenblicks ergibt.
Die „Kreuzzeitung" schreibt: In den Kommistionsberatungen dürfte der zweite Umstand, den der Kanzler anfiihrte, daß nämlich unsere möglichen Gegner ganz enorme militärische Anstrengungen gemacht haben und noch machen, noch stärker zur Geltung kommen, weil diese Tatsachen dort im einzelnen belegt werden können und weil sie der großen Mehrheit doch noch nicht so zum Bewußtsein gekommen sind.
Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt: Wohl noch niemals hat der Reichskanzler so geschickt und so eindrucksvoll und so wirffam gesprochen wie gestern. Einer Politik, die diese Worte immer nach allen Richtungen und in allen Fällen in die Tat umsetzt, werben wir gern und jreubig folgen. Wenn auch gestern nicht alle Parteien zu Worte gekommen sind, so läßt sich schon jetzt sagen, daß die Heeresvorlage ohne wesentliche Aenderungen und Streichungen angenommen werden wird.
Die „Tägliche Rundschau" schreibt: Der Reichskanzler hat es verstanden, ohne die viel zu viel gebrauchte Friedensbeteuerung noch einmal hervorzuholen, vor Europa den historischen und fast auch mathematischen Beweis zu liefern, daß wir dem Frieden der Welt dienen, er hat aber auch gezeigt, daß der Friede nicht von uns allein abhängt, unv daß wir gesonnen sind, den uns aufgenötigten Krieg zu schlagen tm Vertrauen auf die Tüchtigkeit und Tapferkeit unseres Heeres.
Dir „Vostifche Zeitung" schreibt: Die Verweisungen auf den Panslawismus und den Ebauvinismus waren früher so gut möglich gewesen wie heute. Zu dem Erfreulichsten der Rede des Reichskanzlers gehört, daß, wie er meint, das Vertrauen zwischen Englang und Deutschland wieder keimt. Eine Stärkung seiner Wehrkraft wird Deutschland vornehmen. Zu ihrer Bewilligung wird der Reichstag bereit sein, obwohl der Reichskanzler sie gestern nur unzulänglich zu begründen vermochte. Die Rücksicht auf die Steuerzahler erheischt die Ablehnung alles Ueberflüffigen, die Rücksicht auf die Sicherheit des Vaterlandes die Ee- uehmigung alles Notwendigen.
51 (Nachdruck verboten.)
Gewagtes Spiel.
J Roman von E. Teutgen-Horst.
(Fortsetzung.)
XX.
Wenige Tage später kehrte Frau Marlitz mit dem Versprechen, recht »ft wiederzukommen, nach Steinfurt zurück. Sie wußte ja ihren Liebling gut aufgehoben und sehnte sich, dem Sohne, auf besten Stirn trübe Schatten lagen, die Häuslichkeit wieder angenehmer zu gestalten.
Feodora vermißte sie sehr, und doch war sie in einer Beziehung ganz froh: brauchte sie doch jetzt nicht mehr in beständiger Furcht zu leben, daß die Großmutter, die gewohnt war, in dem Herzen der Enkelin, wie in einem offenen Buch zu lesen, ihr Scheinleben und Scheinglück durchschauen und Fragen an sie richten würde, deren Beantwortung ihr geradezu enffetzlich war. Daß die Großmutter nichts von ihrem jammervollen Elend gemerkt haben sollte, war ihr fast rätselhaft, sie mit ihren klaren, forschenden Augen: aber noch räselhafter erschien es ihr. daß sie so vertraut und freundlich mit dem Grafen verkehrte. Früher mochte sie ihn gar nicht recht leiden, hatte ihn immer ziemlich kühl und fremd behandelt.
„Ich habe ihm Unrecht getan, Fee —" hatte sie ihr geantwortet, als sie einmal darüber ihre Verwunderung aussprach, „er ist wirklich ein Ster und frommer Mensch. Das freut mich von Herzen, und beruhigt
>e ich Deiner Zukunft entgegen.“
Feodora hatte, als sie diese überzeugungsfrohen Worte hörte, ein Mtteres Lächeln nicht unterdrücken können.
„Das ahnungslose Eroßmütterleinl" dachte sie. Wenn sie wüßte, *»ie es in der Seele ihres Lieblings aussah! Aber sie wußte es zum Glück »icht und sollte es auch nicht wisten.
Bald war Feodora soweit hergestellt, daß sie den Hauptmahlzeiten Deiwohnen und täglich in Gräfin Friederikens oder ihres Mannes Ee- »ellschast kleine Spaziergänge durch den Park und Fahrten durch Feld
Waltz nnternehmen konnte.
Die „Berliner Morgenpost" schreibt: Herr von Bethmann Hollweg enthielt sich der geschwollenen Zentenarphrasen, die in diesen Tagen im Schwange sind. So mag man der Kanzlerrede schon Lob nachsagen, auch vielleicht, da sie auf den Friedenston gestimmt war. Aber er will uns einreden, daß man sich gegen das Panslawistengeschrei und das Ehau- vinistengeschrei mit mehr al« 100 000 neuen Soldaten wappnen müsse.
Ausländische Stimmen.
Paris, 8. April. Die Rede des Reichskanzlers wird von der gesamten Presse lebhaft erörtert und von verschiedenen Blättern insbesondere als ein neuer Beweis für die Notwendigkeit der französischen Heeresverstärkung bezeichnet. Der „Figaro" schreibt: Die Wirklichkeit entspricht so wenig dem vom Reichskanzler etwas allzu schwarz in Schwarz gemalten Bild. Wie in Rußland, so hegt auch die öffentliche Meinung Frankreichs keineswegs die kriegerischen Ideen, die man ihm lediglich zwecks einer allgemeinen Beweisführung zuschreibt. In Frankreich gibt es jene chauvinistische Stimmung, jene absolute Sicherheit des Sieges nicht, wn der der Reichskanzler mit Unrecht sprach. Man darf aus dem Umstande, t'n einige Pariser Bühnen patriotische Stücke aufführen, nicht den Schluß ziehen, daß das gesamte französische Volk sich eifrig für di« Revanche vorbereitet. Das nationale Empfinden Frankreichs ist durch die Agadirkrise entfaltet worden, und für diese Krise ist Frankreich gewiß nicht verantwortlich. Die große Mehrheit der Franzosen wünscht mit aller Entschiedenheit den Frieden, aber einen würdigen, stolzen Frieden. Hat der Zeppelin-Zwischenfall nicht in glänzender Weise die Korrektheit und Höflichkeit der französischen Regierung und die vollständige Ruhe des französischen Bürgertums gezeigt? Deutschland will sich den lleberschuß seiner Bevölkerung zunutze machen. Das ist sein gutes Recht und niemand kann es deshalb tadeln. Aber es ist auch das Recht und die Pflicht seiner östlichen und westlichen Nachbarn, aus etnei so außerordentlichen Heeresvermehrung die Schlußfolgerung zu ziehen unv ihre eigenen Militärkräfte in demselben Maße zu erhöhen. — Die „Republique Francaise" schreibt: Die Sozialisten Frankreichs werden von der Rede entzückt sein. Der Reichskanzler har von ihnen einige ihrer Argumente entliehen, indem er dem Reichstag — wie er es nannte — die gefährliche Seite des Wiedererwachens des französischen Nationalgefühls zeigte. — Die „Lanterne" schreibt: Um ihre Wehrvorlage zu rechtfertigen, richten die Deutschen das Schreckgespenst eines kriegerischen und chauvinistischen Frankreich auf. Das ist bloße Einbildung, und wenn Deutschland den Beweis dafür haben will, braucht es bloß feine Wehrvorlage zurückzuziehen, und die französische Regierung wird auch ohne den Druck der öffentlichen Meinung die ihre zurückziehen. Aber der Reichstag wird alles bewilligen, was man von ihm verlangt, und deshalb muß Frankreich solche Kraftanstrengung mit einer gleichen beantworten. — Der „Temps" schreibt: Der Reichskanzler bat gestern eine Rede gehalten, die wir nicht genug loben können, denn sie enthält zahlreiche Lehren für Frankreich und Frankreich wird sich dieselben zunutze machen. Die Rede beleuchtet wunderbar, was wir bereits wußten, man wird jetzt bester begreifen, was Ministerpräsident Barthou zur Verteidigung der dreijährigen Dienstzeit gesagt hat. Der Reichstag hat gestern eine Rede gehört, welche zwei Fliegen mit einem Schlage trifft, denn sie wird die Annahme zweier Militärvorlagen herbeiführen — der deutschen und der französischen. — Das „Journal des D^bats" hebt die Worte ves Reichskanzlers v. Bethmann Hollweg über die Treue Deutschlands zu dem verbündeten Oesterreich und die durch die Orientkrise verursachte Kriegsgefahr hervor und weist auf die Ausführungen Greys über Skutari hin und schreibt: Wer wagt es angesichts dieser Erklärungen zu behaupten, daß die französische Regierung Unrecht gehabt hat, an der Flottendemonstration teilzunehmen. Nicht bloß die Regierungen, auch die Preste, welche auf die öffentliche Meinung einwirkt, hat eine Verantwortlichkeit. Wenn die französischen Blätter dem Vorwurf des Chauvinismus entgehen wollen, den man allzu oft gegen sie erhebt, so werden sie es sich
Unter den Verwandten des Hauses und guten Bekannten bet Nachbarschaft, bie sich mit großer Teilnahme nach bem Befinden bet jungen Gräfin erfunbigten, nahm Erwin von Voß bie erste Stelle ein.
Fast kein Tag verging, wo er nicht in Reinstein vorsprach, unb jetzt, ba es Feodora von Tag zu Tag bester ging, kam er meistens regelmäßig zur Teestunde und behnte, wenn es seine Zeit erlaubte unb Kurt ihn bazu aufforberte, seine Besuche oft ben ganzen Abend über aus.
Feodora sah ihn sehr gern und machte auch gar kein Hehl daraus: hatte et doch immer irgend eine kleine Aufmerksamkeit für sie. Bald waren es extra schöne Blumen oder Früchte aus bem Parkhofer ©arten, auf bie fein Onkel besonders stolz wat, bald irgend ein interessantes Buch, Karten für ihre Sammlungen ober neue Noten, unb wenn nicht das, so hatte er boch immer irgend etwas Amüsantes unb Interessantes zu erzählen. In seiner Gegenwart empfanb sie ben Zwang unb bie Verstellung weniger schwer, unb bie Zeit verging ihr in seiner Gesellschaft so schnell unb angenehm, baß sie seinem Kommen schon immer mit Ungebulb entgegensah und ganz traurig aussehen konnte, wenn et einmal fernblieb *
Doch je mehr und offenkundiger sie zu erkennen gab, wie gern sie Erwins Anwesenheit hatte, desto ernster unb schweigsamer würbe ihr Mann.
Er wollte bem Fteunbe keineswegs mißtrauen: et bildete sich im Gegenteil ein, sein Vertrauen zu ihm unb seine Rechtschaffenheit wäre nie größer gewesen als eben jetzt. Unb doch konnte er es nicht ändern, daß ein Gefühl des Neides in ihm aufstieg, wenn et bie beiden so harmlos heiter miteinander plaudern unb lachen hörte.
Es sah aus, als wären sie schon seit Jahren bie besten, vertrautesten Fteunbe unb et ein Fremder, bet nur oberflächlich mit ihnen bekannt war, ihre Interessen nicht verstaub unb teilte.
Ost, wenn er sie sah, wurde ihm das Zusammensein mit ihnen so unangenehm, daß et aufsptang und hinausging. Aber fern von ihnen, verschlimmerte sich sein Gemütszustand nur noch. Dann steigerte sich bas Unbehagen, das ihr harmlos heiteres Plaudern ihm verursachte, zur unerträglichen Eifersucht.
Er wußte ja, daß Erwin Feotbota liebte, sie viel eher geliebt hatte
reiflich überlegen muffen, bevor sie die Oeffentlichkeit gegen bte einzig vernünftige und gegenwärtig mögliche Politik aufreizen.
Rom, 8. April. „Popolo Romano" schreibt, die Rede be» Reichskanzlers, die an die hervorragendsten Reden Bismarcks und Bülows erinnere, könne nicht ein Gegenstand sofortiger Kritik sein, sie werde aber sicherlich mit der Rede Str Edward Greys im Unterhause einen heilsamen Einfluß auf die politischen Kreise Europas üben und zur schnellen Herbeiführung des Friedens auf dem Balkan beitragen. — „Vita" erklärt, die Rede atme einen friedlichen Geist. Keiner der Vorgänger des Kanzlers habe aufrichtiger die Absicht gezeigt, einen Konflikt mit Frankreich zu vermeiden. Das Blatt hebt weiter die Wichtigkeit bet vertrauensvollen Auslassungen England gegenüber hervor, da durch das Zusammengehen der Kabinette von Berlin und Loudon bisher Verwicklungen vermieden und die schwierigen Punkte der Balkankrisis gelöst wurden. Das Blatt schließt mit dem Ausdruck der Genugtuung über die Erklärungen des Reichskanzlers bezüglich der Verbündeten Deutschlands, aus denen hervorgehe, daß die völlige Intimität zwischen Italien und Deutschland wiederhergestellt sei.
D-utsckes Reich.
— Born Kaiser. Homburg v. d. H., Der Kaiser hörte heute vermittag den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts, General- Adjutanten Freiherrn v. Lyncker und arbeitete mit dem Vertreter des Auswärtigen Amtes Gesandten v. Treutlet.
— Der Besuch des Herzogspaares von Cumberland beim Kaiser. Gmunden, 8. April. Das Herzogspaar und die Prinzessin Olga von Cumberland mit Gefolge sind heute vormittag im Sonderzug über Nürnberg nach Frankfurt a. M. zum Besuche de» deutschen Kaiserpaares in Homburg v. d. H. abgereist.
Ausland.
** Born Papst. Rom, 8. April. Der „Offervatore Romano" meldet: Seit gestern abend ist der Papst unpäßlich infolge eines Jnfluenzarückfalles, der keinen Grund zur Besorgnis bietet, aber doch einige Tage absoluter Ruhe notwendig macht.
** Der Balkankrieg. Konstantinopel, 8. A;ril. (Amtlicher Kriegsbericht.) Vorgestern nach Mitternacht griff der Feind unsere Stellungen auf den Höhen westlich von Tschataldicha und Kastania an. Unsere Truppen erwiderten den Angriff und warfen die Bulgaren zurück. Im Laufe des gestrigen Tages entwickelte sich ein schwaches Jnfanteriegefecht zwischen feindlichen Truppen und türkischen Abteilungen, die gegen die Höhen nördlich von Kumburgas vor unserem linken Flügel vorrückten. Bei Bulair herrschte Ruhe. Gestern lief die „Med cgidijeh" mit einigen Torpedobooten aus den Dardanellen aus tnb nahm ben Kurs südlich von Tenedos: einige von dort kommende feindliche Torpedoboots flohen. — Wien, 8. April. Die „Südslawische Korr." meldet aus Sofia: Das Armeeoberkommando nimmt umfangreiche Truppenverschiebungen vor, welche namen lich rine starke militärische Sicherung einzelner Punkte bezwecken, die unter den Bundesgenossen noch strittig sind. Drei Divisionen werden in die okkupierten Gebiete gelegt.
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Marburg und Umgegend.
Nachdruck aller Orgtnalattikel ist gemäß § 18 des Urheberrecht» nut mtt bet deutlichen Quellenangabe „Öberbefi fttg " gestattet 1
Marburg, 9. April.
* Der Eewerbeverein hielt gestern abend im vorderen Bopp- schen Lokale eine gutbesuchte Generalversammlung ab. Nach Eröffnung durch den Vorsitzenden, Herrn Heuser, erstattete bet Kassierer, Herr Orthwein, bie Jahresrechnung, die für richtig befunden wurde. Der Haushaltsplan für 1913 wurde in Einnahme als er. Frei unb offen, wie es seine Art war, hatte der Freund es ihm gestanden. Unb hatte et selber ihm nicht die Erlaubnis gegeben, um Feodoras Siebe zu werben? Durfte et ihm einen Vorwurf machen, wenn et von bleiet Erlaubnis Gebrauch machte.
„Aber sie ist dein — et muß verzichten!" schrie bie Liebe unb Selbstsucht in seinem Hetzen. Doch meistens schämte er sich gleich barauf diese» Gedankens. Hatte Erwin sich nicht allzeit ihm gegenüber als ein treuer, opferwilliger Freund erwiesen? Warum mißtraute er ihm, anstatt ihm dankbar zu sein, daß er sich bemühte, Feodora aufzuheitern unb zu zerstreuen?
Et war ihm dankbar, gewiß — aber es mit ansehen zu müssen, wie sie in seiner Gegenwart förmlich auflebte — bas ging über seine Kräfte.
Auch heute, als sie beibe so fröhlich beisammen waren, hatte es ihn hinausgetrieben. Unb nun ftanb er hier brauhen im Park unb lauschte den Tönen, die Erwin ihr zu Gefallen in fast meisterhafter Vollendung dem Flügel entlockte.
In silbetglänzenbem Schein lag bas Mondlicht auf ben feuchtschim- mernben, weiten- Rasenflächen unb ben auserlesenen schönen, alten Bäumen. Das geheimnisvolle Rauschen in ben Zweigen, bie bunflen, großen Schatten, bie auf bie breiten Kieswege fielen, bie leuchtenden Streiflichter — alles erschien ihm neu, und mit entzückten Blicken schaute er um sich. „
So zauberhaft schön wie jetzt, wo frohe Arbeits- unb Schaffenslust ihn beseelte, wat ihm bie Heimat noch nie vorgekommen, unb legt, getabe jetzt sollte et sie verlassen!
Aber konnte er denn anders? Er wollte unb mußte diesem unerträglichen Zustand ein Ende machen. Unb selbst wenn er hier bleiben wollte, fo konnte er es nicht: ein Zurück gab es für ihn nicht mehr.
Heute wat bie Entscheidung gekommen. Er faßte unwillkürlich mit bet Hanb nach bet Brusttasche, in bet bas ihm zugegangene amtliche Schreiben steckte. Es hatte ihm bie Nachricht gebracht, daß man seinem Wunsche gern Gehör gegeben hätte, und daß et sich in spätestens 4 Woche» zur Abfahrt bereit halten sollte.
(Fortsetzung folgt.)