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und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „LandwirtschaWche Beilage".
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Marburg
Dienstag, 8. April
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48. Jahrg.
1913.
tsrttes Blatt.
Ter Reichskanzler znr Heeresvorlaqe.
Sollte uns heute ein Krieg aufgenötigt werden, so können und werden wir ihn schlagen im sicheren Vertrauen auf die Tüchtigkeit und Tapferkeit unseres Heeres. Aber für die Zukunft gilt es, Möglichkeiten vorzubauen, denen wir nach unserer jetzigen Heeres- verfassung nicht gewachsen erscheinen. Das ist der Erundzug der Rede, mit der am Montag der Reichskanzler die erste Lesung der großen Heeresvorlage und der zu dieser gehörenden Steuervorlagen im Reichstage eingeleitet hat. Es waren keine rhetorischen Floskeln, keine schönrednerischen Phrasen, die der Reichskanzler vorbrachte, sondern nüchterne Tatsachen und Feststellungen, die aber gerade durch ihre Nüchternheit ein außerordentliches Gewicht erhielten. Zu wiederholten Malen betonte der Kanzler, kein Mensch wisse, ob und wann uns ein Krieg beschieden sein werde, aber das eine sei sicher, daß kein europäischer Krieg entbrennen werde, in den nicht auch wir verwickelt sein würden, und weites daß wir dann um unsere Existenz zu kämpfen haben würden. Wir rüsten nicht, um Krieg zu beginnen, sondern um den Frieden zu sichern, und, wenn trotzdem der Krieg kommt, Sieger zu bleiben.
Um diese Grundgedanken der Rede des Reichskanzlers rankten sich die weiteren Ausführungen über die Stellung Deutschlands zu seinen Nachbarstaaten und zu England. Mit bemerkenswerter Freundlichkeit beurteilte Herr v. Bethmann Hollweg das gegenwärtige Verhältnis zwischen Deutschland und England. Er zollte nicht nur den Bemühungen Sir Edward Greys um die Lösung des Balkanproblems lebhafte Anerkennung, sondern fand auch freundliche Worte für die Ausführungen des englischen Marinelords Churchill, besten Auslassungen über ein Feierjahr in den Flottenrüstungen Englands und Deutschlands er als ein Symptom dafür bezeichnete, daß die Zeit der Hetze zwischen den beiden Nationen vorüber sei und die Zeit des gegenseitigen Vertrauens herauszuziehen beginne. Aber auch zwischen Deutschland und Rußland erblickt der Kanzler keine direkten Interessengegensätze, und mit Nachdruck betonte er die Friedensliebe des Zaren und seiner ge- genwärtigen Regierung. Der dunkle Punkt am östlichen Himmel aber ist das Anwachsen der panslavistischen Strömungen in Rutz- land, über die schon Bismarck geklagt hat und die jetzt durch die Siege der Valkanstaaten eine wesentliche Verstärkung erfahren haben. Mit voller Offenheit erklärte der Kanzler, daß er die Valkanstaaten bei einem Zusammenstoß zwischen dem Slaventum und dem Germanentum als Gegner des letzteren zählt. Neben dem Panslavismus ist der französische Chauvinismus eine Gefahr für den Frieden Deutschlands, und noch mehr als dieser Chauvinismus die Illusion der Franzosen, uns allein oder mit ihren Verbündeten überlegen zu sein. Die Worte der Anerkennung, die der Reichskanzler dabei dem französischen Heere und dem französischen Patriotismus spendete, waren ebensoviel« Mahnungen, uns vor Frankreich zu sichern. Eingekeilt zwischen der slawischen Welt und den Franzosen beruht Deutschlands Stärke lediglich auf seinem Heere und den Bündnissen, die es mit Oesterreich-Ungarn und Italien geschloßen hat. Der Dreibund steht so fest zusammen, wie nie, erklärt der Kanzler, aber ihm gegenüber steht der Zweibund und die Triple-Entente. Das verpflichtet Deutschland zur Anspannung seiner letzten Kräfte, denn wenn die ehernen Würfel unseres Schicksals geworfen werden, dann wird nur das Volk Sieger bleiben, das mit seiner ganzen Macht dem Feinde die Spitze bietet.
Auch unsre Beziehungen zu Frankreich sind nach Darlegung des Kanzlers gut, aber auch dieser Beziehung will der Kanzler nur die Friedensliebe der gegenwärtigen französischen Regierung gelten lasten. Noch ist das Balkanproblem nicht gelöst, und wie es nach den Ausführungen des Kanzlers Tatsache ist, daß es in der letzten kritischen Zeit mehr als einmal des ganzen Verantwortlichkeitsgefühls der Großmächte bedurft hat, um einen gewaltsamen Ausbruch der Gegensätze zu verhüten, so lauern auch bei der weiteren Entwicklung noch manche Gefahren, zumal es der Kanzler als selbstverständlich bezeichnete, daß wir unfern Verbündeten die Treue auch über diplomatische Vermittlungsaktionen hinaus gewähren. Die Sicherheit der Zukunft Deutschlands erfordert gebieterisch die Verstärkung unfdrer Wehrkraft. Das ist der Schluß, der sich aus den Ausführungen des Kanzlers ergibt und der auch auf die Volksvertretung ersichtlich einen tiefen Eindruck machte.
Sitzungsbericht vom 7. April.
Haus und Tribünen sind stark besetzt. Rach Eröffnung t--- '*'■ -
durch den Präsidenten Dr. Kämpf ergreift Reichskanzler v. >- Hollweg das Wort zu der auf der Tagesordnung stehenden ersten Lesung der Vorlage zur Ergänzung des Gesetzes über die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres im Verein mit dem Ergänzungsetat für 1913 und führte u. a. aus: „Die Ihnen zur Annahme unterbreitete Wehrvorlage fordert die Verstärkung unserer Wehrmacht, welche nach dem einmütigen Urteil unserer militärischen Autoritäten notwendig ist, um die Zukunft Deutschland zu sichern. Wir nutzen gegenwärtig die Wehrkraft unserer Bevölkerung nicht voll aus. Rund 280 000 Rekruten stellen wir jährlich ein, aber die militärtaugliche junge Mannschaft Deutschlands ist so stark, daß wir jährlich einige 60 000 Mann mehr einstellen könnten. Trotz der Verstärkungen, dir wir periodisch und noch vor einem Jahre vorge- nommrn haben, hat die Entwicklung unseres Heeres mit dem Wachstum der Bevölkerung nicht gleichen Schritt gehalten. Die Frage ist die: Können wir uns weiterhin den Luxus gestatten, auf zehntaniende von r.:-gebildeten Soldaten zu verzichten, die wir haben könnten, die wir c';r seist nicht einstellen? Niemand weih, ob und wann uns ein Krieg k.-schieden sein wird, aber soweit menschliche Voraussicht reicht, wird *■ n europäischer Krieg entbrennen, in den nicht auch wir verwickelt sein t-'btn. Dann werden wir um untere Existenz zu kämpfen haben. Wer
will die Verantwortung dafür tragen, dah wir bei einem Ringen aus Leben und Tod nicht so stark sind, wie wir stark sein könnten? (Sehr richtig!) Ich will nicht sagen, dah in irgend einem Augenblick der Krieg unmittelbar vor d«r Tür gestanden hat, aber es hat wiederholt de» ganzen Verantwortungsgefühls der zunächst interesiierten Kabinette bedurft, den bestehenden Meinungsverschiedenheiten und Jnteresiengegen- sätzen, diejenige Schärfe zu nehmen, welche zu einem gewaltsamen Ausbruch hätten führen können. Es handelt sich jetzt darum, den Entschlieh- ungen der Mächte unter allen Umständen Geltung zu verschaffen. Wir sind entschlosien, auf das energischste hierbei mitzuwirken. (Beifall.) Meine Herren, die Behutsamkeit und Vorsicht, mit der die Londoner Ver- Handlungen geführt wurden und die Haltung, welche die Großmächte gegenüber den Kriegführenden einnehmen, zeigen doch sehr eindringlich, wie nahe und empfindlich die Vorgänge auf dem Balkan das Verhältnis unter den Erohmächten nicht nur berühren, sondern auch verhängnisvoll stören können. Für die Zukunft ist entscheidend, dah an die Stelle der europäischen Türkei mit ihrem pasiiv gewordenen staatlichen Leben Staaten getreten sind, welche eine ganz außergewöhnliche Lebenskraft dokumentieren. Wir alle haben ein dringendes Interesse daran, dah sich diese Kraft in der Friedensarbeit ebenso bewährt, wie sie es im Krieg getan hat, und dah die Balkanländer einer Epoche neuen Aufblühen» entgegengehen in engem wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenhang mit ihren Nachbarn und der Gesamtheit der europäischen Staaten, dann werden auch sie ein Faktor des Fortschritts und des europäischen Friedens {ein. Trotzdem bleibt eins unzweifelhaft. Sollte es einmal zu einer europäischen Konflagration kommen, die Slawen und die Germanen einandergegenüberstellt, so bedeutet cs für die Germanen einen Nachteil, dah die Stellen im System der Gegengewichte, welche bisher von der europäischen Türkei eingenommmen wurde, jetzt zum Teil von südslawischen Staaten besetzt sind. Mit der Regierung Ruhlands, unseres grohen slawischen Nachbarreiches, stehen wir in freundschaftlichen Beziehungen. (Bravo!) Direkte Jnteresiengegensätze zwischen uns und Ruhland be- stehen nicht. Deutschland und Ruhland können an ihrer wirtschaftlichen und kulturellen Erstarkung arbeiten, ohne sich gegenseitig ins Gehege zu kommen. Die Rasiengegensätze allein werden zu keinem Kriege zwischen uns und Rußland führen. (Zustimmung.) Wir jedenfalls werden ihn nicht entfachen, und die gegenwärtigen russischen Machthaber werden es auch nicht tun. Das glaube ich nicht! Aber, meine Herren, den russischen Staatsmännern ist so gut wie uns bekannt, dah die panslawistischen Strömungen, die schon Bismarck beunruhigt haben, durch die Siege der Balkanslawen mächtig gefördert worden sind. Die bulgarischen Siege werden von dielen Kreisen zum. Teil als, Siege. des slawischen Gedankens im Gegensatz zu dem germanischen Gedanken gefeiert. Ich brauche nicht, meine Herren, auf die erregten Auseinandersetzungen hinzuweisen, die zwischen einem Teil der russischen und der österreichisch- ungarischen'Preße stattgefunden haben; sie sind allen bekannt. In diesen leidenschaftlichen publizistischen Fehden klingt die Erinnerung an alle Unstimmigkeiten wider, die seit Jahren das Balkanproblem zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland entstehen ließ. Wir sind bemüht, drese Spannung zu mildern, soweit es möglich ist: aber den Kopf in den Sand steeckn dürfen wir trotzdem nicht; denn daß wir unsere Bundestreue auch über die diplomatische Vermittlung hinaus gewähren, ist felbstverständ- lich. (Beifall.) Durch die neue und akute Belebung der Rasiengegen- sätze erhält aber bie Verschiebung der militärisch-politischen Situation, die durch den Balkankrieg entstanden ist, erhöhte Bedeutung. Wir sind gezwungen, sie in Rechnung zu stellen, wenn wir an die Zukunft denken. Unsere Beziehungen zur französischen Regierung find gut. Bismarck hat in seiner großen Rede vom 11. Januar 1887 diese Beziehungen geschildert, wie sie sich im Laufe der Geschichte entwickelt haben und wie sie sich durch den nationalen Charakter der Franzosen gestaltet haben. Er sagte da, mals, wenn die Franzosen solange Frieden halten wollen, bis wir sie angreifen, wenn wir dessen sicher wären, dann wäre der Friede für immer gesichert. Daran hat sich nichts geändert. Wir haben in diesem tOjiihri- gen Zeitraum, auch in kritischen Momenten der Welt und Frankreich so viel Beweise davon gegeben, daß wir auch mit unfern westlichen Nachbar schiedlich-friedlich leben wollen, dah dieser unser Wunsch durch Worte nicht bestärkt zu werden braucht. (Sehr richtig!) Bismarck besorgte da- mals einen Angriff Frankreichs, wenn eine kriegerisch gesonnene oder durch innere Schwierigkeiten zu auswärtigen Aktionen gedrängte Regierung ans Ruder käme und wenn'Frankreich irgendeinen Grund habe zu glauben, dah es uns überlegen fei, fei es wegen der eigenen militärischen Stärke, fei es auf Grund bestehender Bündnisse. No nden Dimensionen eines Weltbrandes, von dem Elend und der Zerstörung, die er über die Völker bringen würde, macht sich kein Mensch eine Vorstellung. Alle bisherigen Kriege werden wahrscheinlich ein Kinderspiel dagegen fein. (Sehr richtg! links.) Kein verantwortungsvoller Staatsmann wird gesonnen sein, leichtfertig die Lunte an das Pulver zu legen; die Neigung dazu hat abgenommen, zugenommen aber hat die Macht der öffentlichen Meinung und innerhalb bei öffentlichen Meinung der Druck derjenigen, die sich am lautesten gebärden. Das pflegen, je demokratischer die Einrichtungen find, in leidenschaftlich erregten Zeiten nicht Majoritäten, sondern Minoritäten zu fein! (Sehr richtig! rechts.) Für weite Kreisen der Franzosen, nicht nur für die Chauvinisten, nein auch für die Ruhigem und Ueberlegten, ist eingetreten, was Bismarck befürchtete: Man glaubt, uns, wenn nicht überlegen, fo doch zum mindesten gewachsen zu sein, im Vertrauen auf die Güte der eigenen Armee, im Vertrauen auf das Bündnis mit Ruhland, vielleicht auch in der Hoffnung auf England. Das ist bie gefährliche Kehrseite bes Wiedererstarkens bei französischen Rational- cmpfinbens. Die chauvinistischen Elemente zeigen uns bie gegen Deutschland gerichtete Spitze zu häufig mit einer gewissen Ostentation; bie französische Armee ist gut, nach militärischem Urteil sehr gut. Aber jenseit ber Vogesen ist eine chauvinistische Literatur entstanden, die, wenn sie mit berechtigtem Stolz von dieser Armee spricht, es tut, um im Vergleich mit der deutschen Armee unsere Unterlegenheit in einem zukünftigen Kriegedarzulegen. Man pocht auf bie Ueberlegenheit bet französischen Artillerie, auf den Vorsprung ber französischen Fliegerkunst und auf die bessere Ausbildung bei französischen Feldsoldaten, und man sieht dabei schon im voraus die Massen russischer Infanterie und Kavallerie unser Land überschwemmen. Dem lebhaften französischen Geiste erscheinen bie Niederlagen bet Türkei bei Kirk Kiliffeh und Lüleh Burgas als Niederlagen der Deutschen, als Steg der französischen Instrukteure gegenüber Deutschland. Der Anschluh der Balkanftaaten und der Anschluh Elsah- Lothringens wird im voraus angenommen. In bet Illusion hat Frankreich schon den Krieg gewonnen. Als Bismarck 1887 das Septennat forderte, hatte er die Möglichkeit der Gefahr eines zukünftigen Krieges für Deutschland im wesentlichen nach den Beziehungen Deutschlands zu andern Mächten abgeschätzt. Der Dreibund bestand, aber kein Zweibund und keine Triplentente. Wir, meine Herten, können französische und pan- flawistische Aspirationen, wir können be« Einfluß der Balkanvorqänge
auf die europäische Lage, wir können die militärische Stärke unserer Nachbarn nicht isoliert betrachten. Die Gruppierung ver Mächte bestimmt die Situation, und bann, mein* Herren, wir find fett jener Zeit mit b«m Weltgetriebe verkettet worden. Die Friedensgarantien, die in unsrem engen Bündnis mit Oesterreich-Ungarn und Italien liegen, schätze ich hoch ein. lleberzeugt vom großen Wert des Dreibundes für die in ihm ort» einigten Völker, haben wir ihn erneut, und er steht so fest zusammen mte je. (Lebhafter Beifall.) Er dient nicht nur den verbündeten Völkern, sondern er dient der Welt. Diese Probe hat er doch wirklich abgelegt (Sehr richtig!) Trotzdem bleibt Deutschland auch mit dem Dreibund und gerade als die gegen Osten und Westen vorgeschobene Macht be» Dreibundes wie kein andere» Land eingekeilt zwischen der slawischen Welt und den Franzosen. Der Kriegsminister wird Ihnen in der Kommission detaillierte Angaben übet die militärische Stärke unserer Nachbarn machen, nicht als ob unsere Vorlage irgendwie der Gedanke des Wettrüsten» ober ber „Rage be nombre“ . . (Lachen bei den Sozialbemokraten) — Ihre Heiterkeit beweist nut, dah ich recht habe. Der russische Zar wird immer seht viel mehr Soldaten aufstellen können, al» wir es je vermögen. Wir setzen für jeden Krieg, in den wir verwickelt werden können, unser Vertrauen auf den Mut und den Geist unserer Nation, wie er sich in unfern Heere verkörpert. (Beifall.) Aber wir werden Ihnen doch mfi Zahlen belegen muffen, daß unsere Nachbarn ganz außerordentlich groß« militärische Anstrengungen gemacht haben und machen. In Rußland vollzieht sich eine staunenswerte ökonomische Entwicklung dieses mit unerschöpflichen Naturschätzen ausgestatteten Riesenreiches, und Hand in Hand damit geht eine Reorganisation ber Armee, wie sie Rußland wob! noch nicht gekannt hat, nach ber Güte bes Bewaffungsmateriols, noch ber Organisation, nach bet Schnelligkeit bes Uebergangs vom Ftiebens- zustand in den Kriegszustand. Frankreich hat uns in ber Shismituing seiner Wehrfähigkeit längst überholt. Es stellt fett langem den letzten Mann ein. Jetzt will es. um sich militärisch stark zu machen, auf die dtpt- jährige Dienzeit zurückgreifen. In dieser außergewöhnlichen Anstrengung, die Frankreich machen will. liegt so wenig eine Herausforderung, wie unsere Vorlage eine Provokation Frankreichs ober irgend jemandes in bet Welt bedeutet. Es hieße das Schicksal herausfordetn, wollten mit sagen: Wenn ein Krieg kommt, sind mit stark genug. Wit müßten zwar seht viel stärket sein als wir sind, aber das kostet zuviel Geld; wir werden es auch f o machen. Solche Stimmungen sind immer noch ber Anfang
*bes Unheils gewesen. (Seht richtig!), so 1870 in Frankreich und schließlich auch jetzt in der Türkei. Die Chancen eines Zukunftsktieges, in dem Millionenheere mit den modernsten Waffen ausgerüstet gegencinor.bei- geführt werden, stnd jetzt noch schwerer zu überseben als früher. Aber eins wird Wahrheit: Sieget wird immer nur das Volk bleiben, das sich in den Stand gefetzt hat, mit dem letzten Mann bann einzutreten. wenn bie ehernen Würfel unseres Schicksals geworfen werden, das mit bet am« zen Macht seines Volkstums bem Feinbe bie Spitze bietet. lSehr richtig!) Wit machen Ihnen bie Vorlage nicht, weil wir Krieg, sondern weil wir Frieden haben und weil, wenn Krieg kommt, wir Sieget bleiben wollen. (Beifall.) Die große Mehrheit des Volkes erkennt di eBedeutung der Vorlage an. (Sehr richtig! Lachen bei den Sozialdemokraten.) sie will, daß die Vorlage Gesetz wird. Wir werden, auch wenn sie Gesetz geworden fein wird, fo wenig ein Störenfried in bet Welt sein, wie wir es bisher waren. Den negativen Beweis dafür bietet die jahrhundertalte Geschichte des alten Reiches und den posttiven Beweis die Zeit seit 1870. (Beifall.) Von der englischen Ministerbank ist in bet letzten Zeit wiederholt betont worden, daß bei voller und unverändertel Aufrechterhaltung der bestehenden Mächtegruppierung Fäden der Freundschaft von der Macht der einen Gruppe zu der andern Gruppe hinüberlaufen können. Ich stimme dem zu, möchte dieses Wort sogar dabin erweitern, daß solche Fäden der Freundschaft gesponnen werden muffen. Wir werden bas um so leichter tun können, je sicherer und ruhiger wir in bie Zukunft sehen können; denn politische Freundschaften, m. H.! — roh wollen nicht sentimental sein — sind politische Geschäfte. (Bewegung.) Wie im wirtschaftlichen, so laffen sich auch im politischen Leben Geschürte am leichtesten und zuverlässigsten unter starken Partnern abschließen. Der Schwache kommt immer unter die Räder. (Sehr richtig!, Ich habe schon betont, daß wir gute Beziehungen zu rsranzösischen und rusöfchen Regie- tung pflegen, wie ich glaube, nicht ohne Erfolg; dasselbe gilt von Enz- land. Von unserer gemeinsamen Tätigkeit bei den Londonern Botschaf- terbesprechungen habe ich schon gesprochen. Nun bat Churchill in der großen Rede, die et neulich gehalten hat, das Verhältnis der englischen Flotte zur deutschen Flotte beleuchtet und dabei einen Gedanken wiederholt, den er bereits im vorigen Jahre, und zwar auch im Parlament ausgesprochen hat, den Gedanken, daß zur Verminderung der Rüstungen bie Schiffswerften ber großen Nationen von Zeit zu Zeit einen Iahrfeiertag machen. Wir werben abwarten können, ob die englische Regierung mit konkreten Vorschlägen an uns herantreten will. Aber die Tatsache, daß dieser Gedanke ausgesprochen worden ist, und bie Form, in bie bet Erste Lorb ber englischen Admiralität sie gekleidet hat, bedeutet schon einen großen Fortschritt.
Meine Herten! Sie alle kennen die Worte, mit denen Mr. Asquith und Sir Edward Grey sich über die gegenwärtigen englisch- deutschen Beziehungen ausgesprochen haben. Die Feststellung, daß dies« Beziehungen zuzett gute sind, kann auch ich nur bestätigen mb freudig begrüßen» Wir allein sind nicht Herr darüber, ob sich unsere Zukunft ftiedlich oder bedrohlich gestaltet, aber wir find Herr darüber, ob rit einer ungewissen Zukunft mit gutem Gewissen entgegensehen können ober nicht. Darüber erwartet die Nation jetzt Ihre Entschließung. Helsen Sie, daß bie allgemeine Wehrpflicht, ber Deutschland seine Wiedergeburt verdankt, uns unverkümmert erhalten bleibt. Ein Volk, das nicht mehr opferwillig genug ist ober nicht mehr reich genug zu sein glaubt, um sein« Rüstung instand zu halten, zeigt nut, daß es seine Rolle ausgespielt hat (Beifall.) Meine Herren, ich bitte Sie, über alle Schwierigkeiten hinrmg sich von bem einen Gedanken leiten zu lassen: Wenn uns jemand Hau» und Hof bedroht, dann stehen wir bereit bis auf den letzten Mann. (Lebhafter Beifall, Zischen b. d. Soz., wiederholte Veifallslundgebungco fettens ber überwiegenden Mehrheit des Hauses.)
Nach der Rede des Reichskanzlers ergriff Kriegsminister v. Heeringen das Wort, und führte u. a. aus: Unter den heutigen Verhältnissen ift das Friedenspräsenzgesetz von 1912 nicht mehr ausreichend. Deutschland bedarf erneut einer erheblichen Verstärkung seiner Wehrmacht, um den Frieden zu stchein ober im Falle eines Krieges genügend gerüstet zu fein. Notwendig ist namentlich eine Verstärkung der Verkehrstruppen, des Eisenbahn-, Telegraphen- und Luftfahrwesens. Die vorgelegten Gesetz- entwürfe wollen in einer ernsten Zeit den planmäßigen soliden Ausbau des Heeres nach allen Richtungen.
36g. Haase-Königsberg (Soz.) wendet sich gegen die Begründung bet Vorlage, bie nichts al» allgemeine Redewendungen enthält. Die groß« Mehrheit «ufere» Volke» lehnt e» «h, sich »egen östetieickücker Macht-