mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
M 76
Die „Oberhessijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2,— m frei ins Haus. — Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch lJnh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Miitwot», 2. April
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48. JahB
1913.
Erstes Blatt.
Tie deupche uns bte franjöfifne Heeresvermehriinq.
Kaum war bei uns nach langen Mühen der Wille zum Durchbruch gekommen, uns endlich wieder darauf zu besinnen, was eigentlich die allgemeine Wehrpflicht bedeutet und was für eine Vergeudung von Kraft es ist, wenn wir jährlich mehr als ein halbes Hundertausend kräftiger Menschen ungenutzt ließen für die Wehrkraft des Vaterlandes, als Frankreich mit hoheitsooller Geste erklärte, das nachzumachen fei nicht bloß eine Notwendigkeit, sondern eine furchtbar einfache Geschichte. Aber es ist doch nicht so einfach, zu verfügen, daß in jedem Jahre so und soviele Tausend Mann mehr zu den Fahnen einberufen werden — wenn man sie nämlich nicht hat. Denn trotz aller schier krampfhaften Be« str-bungen will die Geburtenziffer im Lande Mariannens nicht höher werden. Daher kam man auf den höchst undemokratischen Gedanken, die Differenz durch die Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit auszugleichen. Beliebt macht man sich dadurch sicherlich nicht, und wenn man uns auch erzählt hat, daß die jungen Leute sich überall begeistert freiwillig gemeldet hätten, so wird der Eindruck doch schon bedeutend gemildert, weil es dafür — eine Prämie gegeben hat. Und wenn auch die „Grünen", denen vorläufig das bare Geld das Dasein für kurze Zeit verschönern hilft, jubeln und sich mit bunten Bändern behängen, der Jahrgang 1910, den man nach den letzten Beschlüßen des Kammerausschusses, der über die Herresverstärknng berät, vom Oktober ab gleich unter den Fahnen behalten rSill, wird sicher nicht mit freudigen Gefühlen die verlängerte Dienstzeit begrüßen, wenn es überhaupt so glatt bei der ganzen Geschichte abgeht, denn die Disziplin ist nicht die stärkste Seite der grande armee und die Auflehnungen gegen Vorgesetzte kommen schließlich nicht immer auf das Konto der Pariser Apachen. Auch sonst läßt noch manches Andere zu wünschen übrig. Kaum hatten der „Matin", natürlich an erster Stelle, und die anderen Chauvinistenblätter den braven Franzmännern das Gruseln von den finsteren Plänen des deutschen Nachbarn beigebracht, obgleich bei uns klipp und klar in der „Norddeutschen" davon gesprochen worden ist, daß wir in Rücksicht-auf den O st e n unsere Rüstungen ergänzen müßten, da erklärte man jenseits der Vogesen mit der gleichen Eleganz, die französischen Maßnahmen würden glatt erledigt und — vor Ostern noch könnte man sich freudig die Hände schütteln. Jetzt ist Ostern längst vorbei und noch debattiert man im Heeresausschuß über die bittere Pdle, die man schlucken muß, wenn man nicht einfach erklären soll: „Cousin, ich kann nicht mehr!" Und wenn Herr Briand über die Wahlreform gestürzt ist, so taucht jetzt schon die Möglichkeit auf, daß sein Nachfolger über die — Heeresreform stolpern könnte. Schon murrt man gegen seine Erklärung, daß er nichts zu überstürzen gedenke, weil die Gegner natürlich mit ihren Protesten energische Propaganda gegen die Regierung machen werden. Einstweilen ist also heftig Master in den Wein der Franzosen getan worden, wenn man sich auch „im Prinzip" einig ist. Ob das so bleibt, ist eine andere Frage. Gewiß hat man auch bei uns nicht zu allem glatt Hurra ge- . rufen, seit die Tatsache der Heeresverstärkung allem Volke mitgeteilt wurde. Die finanziellen Fragen machen nicht geringe Schwierigkeiten. Aber die Heeresvermehrung selbst wird, von allen Parteien — die Sozialdemokratie natürlich ausgenommen — durchweg gutgeheißen. Diesen Vorsprung sollten wir uns nicht nehmen lasten! Die Franzosen haben ttotz aller Großsprechereien höllische Angst, daß man ihre Achillesferse entblößt sieht. Da wird es von einer gewaltigen Wirkung sein, wenn bei uns in würdigem Schweigen das als notwendig Erkannte bewilligt wird. Das ist ebensoviel wert, wie ein gewonnener Krieg — und kostet !ehr viel weniger. Für Deutschland aber bedeutet es eine Stärkung eines Aktivposten-, wie wir sie gerade jetzt am lebhaftesten wünschen müssen.
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Die Laqe auf dem Balkan
Die Vermittlung der Mächte.
Konstantinopel, 31. März. Die Note der Mächte hat folgenden Wortlaut: Die unterzeichneten Botschafter haben die Ehre, der kaiserlich ottomanischen Regierung zur Kenntnis zu bringen, daß die Mächte, deren Vermittlung die Türkei angenommen £ hat, sich- geeinigt haben, den kriegführenden Staaten folgende ^Grundl^en für die Friedenspräliminarien vorzuschlagen: 1. Die Grenz? Itts ottomanischen Reiches in Europa wird einer geraden Linie folgen, die zwischen Enos und Midia gezogen wird: alle westlich dieser liegenden Gebiete werden von der Türkei an die Verbündeten abgetreten, mit Ausnahme vn Albanien, dessen Abgrenzung dem Verfassungssystem und der Bestimmung durch die Mächte vorbehalten bleibt. 2. Die Regelung der Frage der Inseln des Aegäischen Meeres wird der Entscheidung der Mächte überlassen. 3. Die Türkei spricht ihr vollständiges Desinteressement an Kreta aus. 4. Die Mächte können sich dem Verlangen einer Kriegs- »ntschädigung nicht geneigt zeigen, räumen aber den kriegführenden Starten das Recht ein, an den Beratungen der in Paris zusammentretenden internationalen Kommission tetlzunehmen, welche die gerechte Beteiligung der verbündeten Staaten an der ottomanischen Staatsschuld und den finanziellen Lasten der Gebiete zu regeln hätte, die ihnen zufallen. Mit der Annahme dieser Friedenspräliminargrundlagen werden die Feindseligkeiten ihr Ende zu finden haben. — Für heute abend ist ein Ministerrat auf der Pforte zusammenberufen, der über die Note und die Antwort der Pforte beraten soll.
Konstantinopel,l. April. Das „Wiener Corr.-Bureau" meldet: Die Antwortnote der Pforte wurde heute dem österreichischen Botschafter Pallavicini überreicht. Die Pforte nimmt die Vorschläge der Mächte an. Die Antwortnote der Pforte erfolgte heute vormittag 11 Uhr durch den Minister des «leußern Prinzen Halim Bey. Die Note wurde von der österreichisch-ungarischen Botschaft unverzüglich den anderen Botschaftern zur Kenntnis gebracht. Die Note, die gestern abend im Mi- Ktsterat beschlossen wurde, ist sehr kurz gefaßt.
London, 1. April. Wie das Reutersche Büro erfährt, be- l^ichnete Serbien es als unmöglich, der Forderung der Mächte nach «sondere« religiösen Garantien in den seitens Serbien von den
Türken zu übernehmenden Gebieten zu entsprechen. Serbien führt aus, daß seine Verfassung und besonderen Gesetze genügende Garantien für die religiöse Freiheit gewährten. Hinsichtlich der Katholiken werde die serbische Regierung mit dem Heiligen Stuhl ein Konkordat abschließen, sobald der Friede geschlossen sei.
London, 1. April. Offiziell haben weder Montenegro noch Serbien auf den kürzlich in Belgrad und Cetinje wegen Skutaris und Albaniens unternommenen Schritte geantwortet. Beide haben inoffiziell mitgeteilt, daß sie ihre Verbündeten zu Rate ziehen müßten. Gleichzeitig erfährt das Reut. Büro, daß Serbien seinen Einfluß bei Montenegro in dem Sinne benutzen will, es zu überreden, sich nicht den Sympathien der Mächte zu entfremden. — Serbien hat ferner zu verstehen gegeben, daß es zwar ängstlich besorgt um die Aufrechterhaltung der besten Beziehungen zu den Mächten sei, daß aber die Mächte doch darauf Rücksicht nehmen müßten, daß Serbien der Verbündete Montenegros sei und es bis zur Unterzeichnung des Friedens unterstützen müsse.
Das Vorgehen gegen Montenegro.
London, 1. April. Die „Times" betont, daß Europa seinen Willen gegenüber Montenegro, dessen Bevölkerung der einer kleineren Provinzstadt gleichkommt, durchsetzen müßte. Zwar würden vielleicht nicht alle Mächte an einer Flottendemonstration teilnehmen, aber diejenigen, die sie beabsichtigten, besäßen die volle und ausdrückliche Zustimmung der übrigen. Wenn Europa nicht den moralischen Mut hat, seinen wohl überlegten Willen aufzuzwingen, so wird es jedermann offenbar sein, daß es keinem Staate gegenüber dazu in der Lage wäre. Europa würde die kleinen Völker lehren, daß alle seine offizielle diplomatische Arbeit eine Farce sei, und daß seine Beschlüsse und seine Drohungen bedeutungslos wären. Montenegro stelle die Mächte auf die Probe, wie würden sie sie bestehen?
Wien, 1. April. Zur Teilnahme an der von den Mächten beschlossenen internationalen Flottendemonstration behufs Erzwingung der Respektierung der von den Mächten gefaßten Beschlüsse sind die erforderlichen Befehle bereits erteilt worden, damit die österreichisch-ungarische Kriegsmarine unverzüglich in die montenegrinischen Gewässer abgehen kann.
Malta, 1. Aprile Das Reutersche Büro meldet: Der britische Panzerkreuzer „Defence", der soeben hier eingetroffen ist, erhielt den Befehl, morgen mit dem Chef des Marinekriegsstabs, Kontreadmiral Troubridge, an Bord mit der Bestimmung nach Osten wieder in See zu gehen. Man glaubt, daß der Kreuzer zusammen mit den anderen bereits im Osten befindlichen Kriegsschiffen an der gegen Montenegro geplanten Flottendemonstration teilnimmt.
Paris, 1. April. Die Agence Havas besagt: Entgegen den im Ausland umlaufenden Gerüchten glauben wir zu wissen, daß es unzutreffend ist, daß sich Frankreich entschlossen habe, an der Flottendemonstration gegen Montenegro teilzunehmen.
B e r l i n, 1. April. DerkleineKreuzer „Breslau" hatBefehlerhalten.sichzurTeilnahmeanderin Aussicht genommenen Flottendemonstration an der montenegrinischen Küste in die Adria zu begeben.
Die Blockade von Antivari.
Ob das österreichische, aus drei Linienschiffen, zwei Kreuzern und mehreren Torpedobooten bestehende österreichische Geschwader, das am Montagmorgen seine Fahrt von Cattaro aus angetreten hat, schon die Blockade von Antivari ausübt, darüber liegen bestimmte Meldungen noch nicht vor. lleber die ganze Aktion läßt sich eine offiziöse Meldung der „Köln. Ztg." folgendermaßen aus: „Die Kundgebung wird sich vorläufig im Rahmen einer sogenannten friedlichen Blockade des montenegrinischen Hafens Antivari halten. Die Besorgnis, daß die Großmächte etwa genötigt sein würden, zu gewaltsamen Eingriffen zu schreiten, erscheint nicht gerechtfertigt, da eine Blockierung der montenegrinischen Küste, besonders wenn dazu noch die Sperrung der Landzugänge nach Montenegro tritt, ein empfindliches Mittel ist, die Montenegriner von dem Ernst des europäischen Widerstandes gegen ihre Absichten.in der Skutarifrage zu überzeugen. Aus Sofia und Konstantinopel liegen heute Meldungen vor, in denen übereinstimmend mit der Wahrscheinlichkeit eines baldigen Friedensschlusses gerechnet wird. Man glaubt auch hier, daß die Pforte die letzte Note der Mächte schnell beantworten werde, vielleicht schon im Laufe des heutigen Tages, und zwar sie grundsätzlich annehmen werde, vorbehaltlich der Verhandlungen über einzelne Punkte." — Eine Meldung der „Franks. Ztg." aus Cetinje meint dagegen, daß der König von Montenegro sich nicht viel aus dieser Demonstration machen werde. Sie lautet: Alle Anzeichen deuten daraufhin, daß König Nikolaus den Willen Europas nicht achten und die Eroberung Skutaris versuchen wird. Die Prinzen Mirko und Peter haben sich wieder zur Armee begeben. Den Aerzten ging die Weisung zu, sich auf größere Mengen Verwundeter vorzubereiten.
Fortdauer der Kämpfe vor Skutari.
W i e n, 1. April. Aus Cattaro wird gemeldet: Seit 48 Stunden dauern fast ununterbrochen die Kämpfe vor Skutari an. Der Geschützdonner ist weithin vernehmbar. Das Kampfterratn ist streng abgesperrt, und man ist auf Berichte aus zweiter Hand angewiesen. Selbst von den fremden Militärattaches ist nur der russische General Potapow zugelassen worden, der zu den Intimen des Königs Nikita zählt. Die montenegrinische Regierung hat den Vertretern der Großmächte erklärt, daß sie nicht in der Lage sei, den Militärattaches betreffs des Abzugs der Zivilbevölkerung Skutaris eine Unterredung mit dem Kommandanten Skutaris zu gestatten.
Politische Umschau.
Freiwillige Wehrbeiträge.
Vor einiger Zeit teilten die Berl. Pol. Nachrichten mit, daß zur Deckung der Kosten der neuen Heeresvorlage dem Reichsschatzamt freiwillige Beiträge zur Verfügung gestellt seien. Sie machten darauf aufmerksam, daß nach dem bisherigen Brauche derartige freiwillige Spenden vom Reichsschatzamt immer zurückgesandt seien, daß aber jetzt Anlaß vorhanden sei, darüber in Erwägung zu treten, ob nicht mit dem bisherigen Brauche gebrochen werden sollte. Dieser Brauch soll anscheinend vollzogen werden. In der der Begründung zu dem Gesetz über den Wehrsteuerbeitrag beigegebenen Ertragsberechnung wird erwähnt, daß für die Schätzung des Beitragsertrages auf 975 bis 1000 Millionen Mark nicht bloß die Abgaben vom Vermögen und vom Einkommen sowie die Wehrbeiträge der Aktiengesellschaften, sondern auch die freiwilligen Beiträge zugrunde gelegt seien. Danach hat es also den Anschein, als ob das Reichsschatzamt freiwillige Beiträge, die gut Deckung der Kosten der neuen Wehrvorlage eingeschickt werden, nicht zurück- zuzusenden, sondern für den genannten Zweck zur Verwendung gu bringen gewillt ist.
Deutsches Reich-
— Bom Kaiser. Homburg v. d. H., 1. April. Heute morgen machten die Majestäten einen Spazierritt. Zur FrLhstückstafel bei dem Kaiser und der Kaiserin ist geladen der Prinzgemahl Heinrich der Niederlande.
— Das Kommando des deutschen Kronprinzen als Kommandeur des 1. Leibhusaren-Regiments in Danzig, dessen Dauer anfangs auf zwei Jahre berechnet wird, wird, wie die „Tgl. Rdsch." meldet, verlängert werden. Zunächst dürfte es als bestimmt gelten, daß der Kronprinz im Herbst dieses Jahres die Führung des Regiments noch nicht abgeben wird. In Uebereinstimmung damit sind die gesamten Gebäude, die dem Kronprinzenpaare, dem Hofstaat und der Dienerschaft zur Unterkunft dienen, noch für ein weiteres Jahr gemietet worden. Es sind hierfür dienstliche und private Gebäude maßgebend gewesen. Der Kronprinz ist mehr und mehr mit seinem Regiment verwachsen. Auch mit den Kreisen der Danziger Bürgerschaft tritt das Kronprinzenpaar mehr denn je in Verkehr. So hat es sich für Donnerstag zu einem Festessen in dem alten historischen Artushof angesagt, in dem auch Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Friedrich als Kronprinz geweilt haben.
— Veränderung in der Marine. Berlin, 1. April. Admiral Pohl ist mit dem 1. April 1913 zum Ches des Admiralstabes der Marine ernannt worden. Admiral v. Heeringen, der Chef des Admiralstabes der Marine, wird am 1. April unter Enthebung von dieser Stellung zur allerhöchsten Verfügung gestellt.
— Die graue Felduniform für die Reserveoffiziere. Mit dem 1. April ist der Erlaß des preußischen Kriegsministeriums aus dem Jahre 1910, nach dem die Mannschaften der Infanterie, der Pionier-Bataillone und der Kavallerie bei Uebungen die feldgraue Uniform angulegen haben, in Kraft getreten. Damit ist der Besitz der feldgrauen Uniform auch für die Reserveoffiziere Vorschrift geworden. Die Reserveoffiziere haben sich hierin völlig nach den für die Mannschaften maßgeblichen Vorschriften zu richten, die auch für sämtliche aktiven Offiziere gelten. Die Offiziere, sowohl diejenigen der Front wie die des Beurlaubtenstandes, haben künftig bei allen Uebungen in der feldgrauen Uniform zu erscheinen. Damit fällt gleichzeitig die graue Litevka weg, an deren Stelle der neue Waffenrock tritt. Die frühere Uniform bleibt daneben vorläufig, genau wie für die Mannschaften, bestehen. Die Wahl des Anzugs ist aber bei den Nachgeordneten Offizieren nicht in das Belieben des Einzelnen gestellt, im beliebigen Anzuge können nur wie bisher die Kommandostellen mit den Adjutanten erscheinen. Wenn vorläufig noch die bisherige Uniform neben der feldgrauen beibehalten wird,, so geschieht dies aus Sparsamkeit, denn die vorhandenen Bestände müssen von den Truppen erst aufgetragen werden. Bis die Felduniform auch im Friedensdienst ausschließlich getragen wird, wi^> noch längere Zeit vergehen, denn die vorhandenen Bestände sind noch sehr groß. Die neu errichteten Truppenteile erhalten natürlich von vornherein die neue Uniform. Im Durchschnitt wird die alte Uniform für den Earnisondienst weiter angelegt werden. Für Offiziere wird für den kleinen Dienst, wie zum Eesellschasts- und Straßenanzug das schwarze Beinkleid und der Ueberrock beibehalten. Fraglos ist ja, daß die Felduniform gerade für den Offizier weniger kleidsam ist, dafür bringt sie einen anderen wesentlichen Vorteil mit, nämlich den, daß das Kleiderbudget des Offiziers sich erheblich verringern muß. Die bei der bisherigen Uniform oft notwendige (Erneuerung der Besätze usw. nach verregneten Uebungen fallen bei der grauen Felduniform vollständig fort.
— Das Kinderprivileg bei der Steuerveranlagung. Berlin, 1. April. Das Oberverwaltungsgericht hat neuerdings entschieden, daß bei Personen, deren Einkommen in der Gemeinde ihres Wohnsitzes nut teilweise steuerpflichtig ist, für die Zubilligung des Steuerprivilegs nur derjenige Teil der Familienangehörigen in Betracht kommt, der dem in der Wohngemeinde versteuerten Teile des Einkommens entspricht.
— Die Affäre S-Hst. Berlin, 1. April. Der Eutspächter Sohst in Rehberg trat von der Pachtung des gut Cadiner Besitzung des Kaisers gehörigen Gutes Rehberg zurück. Die Auflösung des Pachtverhältnisses erfolgte aufgrund einer unter Zuziehung der Land- wirtfchaftskammer für Westpreußen guftanbegetommenen, beide Parteien voll befriedigenden Vereinbarung. Eohst erhielt zugleich den Ktonenotden vierter Klasse.