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1913
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(Nachdruck verboten.)
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Marburg
Donnerstag, 27. März
Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
Staatssekretär Guy über die Friedensaktion der (SV ofttnft rte.
London, 25. März. In der heutigen allgemeinen Budgetdebatte im Unterhaus gab Staatssekretär Grey eine bedeutsame Erklärung über die Dalkanlage ab, in der er folgendes ausführte:
„Die Balkanfrage zerfällt in zwei Hauptpunkte. Bei dem folgenschweren Ernst des Krieges war die dringendste Ausgabe der Großmächte, dafür zu sorgen, daß der Krieg örtlich begrenzt werde und sich nicht ausdehne oder irgendwelche Mächte in gegenseitige Mißhelligkeiten verwickele ' Friedensbruch führen könnten. Wer sich an die großen k*» -s..i|fe in den letzten Jahren erinnert, daß eine Katastrophe hereinbrechen könnte, wird jetzt anerkennen, daß es für die Diplomatie der Großmächte rühmlich ist, daß sie den Sturm bis zum gegenwärtigen Augenblick aus«- gehalten und, wie ich hoffe, einen Punkt erreicht hat, an dem jede Aussicht besteht, daß der Sturm bis zu Ende ausgehalten werden wird. (Beifall.) Die Großmächte haben eine Annahme zur Sprache gebracht — und das bedeutet einen großen Aktivposten für den Frieden —, daß nämlich einige von ihnen die Gelegenheit wahrnehmen wollten, um für sich auf dem Festlande oder auf den Inseln Gebietsteile zu erwerben. Der schwierige und gefahrvolle Punkt war da die Frage Albaniens und seiner Abgrenzung. Noch vor Weihnachten wurden einige Fortschritte gemacht. In erster Linie wurde zwischen den Mächten eine Einigung darüber erreicht, daß ein selbständiges Albanien geschaffen werden sollte. Es war wichtig, daß auf dieser Grundlage eine Einigung erzielt wurde. Ebenfalls noch vor Weihnachten kam zwischen den Mächten eine Einigung über die Frage der Adriatischen Küste zustande. Damit war ein anderer gefahrvoller Punkt beseitigt. Es blieb zu erörtern die Landgrenze Albaniens, eine Frage von großer Bedeutung, weil Albanien, wenn es zu klein ausfallen würde, keine selbständige Existenz haben könnte, andererseits aber, wenn es zu groß geraten würde, ungebührlich die berechtigten Aspirationen und Ansprüche Montenegros, Serbiens und Griechenlands beeinträchtigen würde. Während hinsichtlich der südlichen Grenze noch keine Uebereinstimmiing-erziM worden ist und obgleich Meinungsverschiedenheiten noch in einzelnen Punkten bestehen mögen, die schwierig beizulegen sein können, so glauben wir im Zusammenhang hiermit, daß, welche Meinungsverschiedenheiten auch immer auftauchen mögen, und welche Schwierigkeiten auch bei der Beilegung der strittigen Punkte hinsichtlich der südlichen und südöstlichen Grenze vorliegen mögen, mit diesem Teil der Grenzen keine Frage im Zusammenhang steht, die geeignet ist, eine derartige Differenz unter den Mächten zu verursachen, die zu einer Quelle von Gefahr und Besorgnis werden könnte. An der Nord- und Nordostgrenze liegt die Sache anders. Der Unterschied besteht darin,, daß, wenn diese nicht zweifelssrei festgelegt worden wäre, sich Fragen zwischen den Mächten hätten erheben können, welche nicht nur eine Besorgnis, sondern'eine Gefahr verursacht hätten. Diese Unterschiede wurden beseitigt, besonders hinsichtlich Skutaris im Norden und einiger anderer Städte im Norden und Nordosten. Punkt für Punkt kamen die Mächte tatsächlich über die Nord- und Nordostgrenze zu einer Verständigung. Es ist von wesentlicher Bedeutung, daß zum Schutze der mohammedanischen und katholischen Minoritäten in den an Serbien und Montenegro abzutretenden Gebietsteilen Bürgschaften geschaffen werden. Aber vor allem kommt es darauf an, daß die Mächte sich nicht länger über die Gebietsabgrenzung uneinig sind. Zu erwägen bleibt ferner die Frage der Staatsschuld, der kommerziellen Angelegenheiten und
Gewagtes Spiel.
Roman von C. Teutgen-Horst.
(ftort^fcung.)
„Feodora — liebes, süßes Weib!" flüsterte sein Mund dicht an ihrem Ohr, und ermutigt durch ihr Schweigen, legte er den Arm um ihre Schultern. Aber mit einer unwilligen Gebärde riß sie sich los. Die Schwäche schien von ihr gewichen; in ihrem Antlitz prägte sich die tiefste Entrüstung aus. Mit zornsunkelnden Augen, als hätte der heimtückische Bitz einer giftigen Natter sie verletzt, sah sie ihn an.
Ja wohl — sie war sein Weib, aber nicht durch ehrliches, offenes Werben, sondern durch Lug und Trug und feige Hinterlist hatte er sie dazu gemacht. Wie durfte er es nack ihrer Auseinandersetzung, nach dem Vertrage, den sie miteinander geschlosien hatten, überhaupt wagen, ihr von Liebe zu sprechen, ihr mit Liebkosungen zu nahen?
Gewiß — ihre unselige Schwäche trug die Schuld daran, daß er es gewagt hatte, aber konnte sie ahnen, daß er sein Wort so leicht brechen würde? Und alle Qualen, die sie durch ihn erduldet, die schmachvolle Demütigung, die er ihrem liebenden Herzen durch seine schonungslosen Enthüllungen zugefügt hatte, alles wurde wieder wach in ihr.
Graf Kurt war unwillkürlich einen Schritt zurückgewichen vor dem flammenden Blick ihrer Augen. Das heiße Glücksgefühl, das ihn noch kurz vorher durchflutet hatte, erstarrte von der Verachtung, die ihm daraus entgegenblitzte. Eine tiefe Vläsie überzog fein Gesicht.
Er hatte sich von der Gewalt seiner Gefühle fottreißen lasten — bos war unbesonnen, taktlos und unklug von ihm gewesen, und wenn er versuchte, sich zu rechtfertigen, wenn er ihr von seiner plötzlich erwachten Liebe spräche — sie würde, sie konnte ihm ja nicht glauben.
Wieder stand sie vor ihm, hoch aufgerichtet, in stolzer, Ehrfurcht ge- owtender Schönheit, und was sie von ihm dachte, das sagte ihm der verächtliche Zug um ihren 3JJunb nur zu deutlich.
. E.ine Sekunde lang sahen sie sich schweigend an, dann sagte Feodora wit einer Kälte in Blick und Ton, die das warmpulsierende Lebensbtut tnseinen Adern zu Eis erkalten ließ: „Weißt du, wie man einen Menschen, der sein feierlich gegebenes Wort, sein Ehrenwort, bricht, zu nen-
der Aegäischen Inseln. Nach Wochen der Arbeit und Besorgnis können die Mächte dankbar sein, daß die Fragen, so schwierig sie auch immer waren, keine Besorgnis in sich schließen. Serbien und Montenegro ist die Mitteilung gemacht worden, daß die Mächte eine Uebereinstimmung erzielt haben, die Feindseligkeiten in den Gebieten einzu st eilen, die in Zukunft zu Albanien gehören werden. Insbesondere hätten die Angriffe auf Skutari aufzuhören, weil das Fortdauern der Belagerung tatsächlich eine verbrecherische Torheit und ein unnützes Gemetzel bedeuten und Serbien und Montenegro die Sympathie Englands entfremden würde. Wenn die Entscheidung der Mächte nicht respektiert wird, so werden diejenigen, die sich ihr widersetzen sich nicht der Sonderaktion einer einzelnen Macht, sondern dem gemeinsamen Druck aller Mächte gegenübergestellt sehen. Nachdem.die Einigung erzielt worden ist, ist es die Aufgabe für die Mächte, eine gemeinsame diplomatische Aktion in Belgrad und Cetinje zu unternehmen und die Einstellung der Feindseligkeiten in den Albanien zugedachten Gebieten herbeizuführen. Ich habe die Zuversicht, daß dieser Schritt ohne Verzug unternommen wird, denn solange er noch nicht unternommen ist, besteht eine größere Gefahr von widrigen, verwirrenden und störenden Zwischenfällen als nachher. Soviel über den ersten Hauptpunkt.
Was nun den zweiten Hauptpunkt angeht, nämlich den Krieg zwischen dec Türkei und den Verbündeten, so haben die Mächte ihre Verniittlung angeboten und Bedingungen formuliert, die nach ihrer Ansicht eine billige Grundlage für den Frieden abgeben. Das Wichtigste ist die Grenzlinie, die sie der Türkei vorgeschlagen haben, und die von Enos nach Midia läuft. Diese Grenze wird, wie ich hoffe, angenommen werden, denn dann würde vermieden, daß sich Fragen über Konstantinopel, die Dardanellen und natürlich auch Kleinasien erheben. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, daß die Frage der Aegäischen Inseln der Entscheidung der Mächte überlasten werden soll. Für Kreta verzichtet die Türkei genta ßden Friedensbedingungen auf alle Jnteresten. Ich will noch betonen, daß die Mächte eine Grenzlinie
Die „Obcrhtsfijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2,— m frei ins Haus. — Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. E. Hitzerothl. Markt 21. — Telephon 55.
Gebiet westlich dieser Linie der Entscheidung der Verbündeten selber zu überlasten, mit Ausnahme von Albanien. Nimmt die Türkei diese Bedingungen an, dann werden die Verbündeten die _ Festlegung der Friedensbedingungen unter sich ohne Intervention der Mächte treffen können. Wenn diese Bedingungen nicht genommen werden, dann würde sicher bei der Festsetzung Friedensbedingungen eine oder mehrere Mächte nicht als interessierte Vermittler, sondern als interessierte Parteien Betracht kommen. Aus diesem Grunde betone ich, daß es Interesse der beiden kriegführenden Parteien liegt, daß die den Mächten als vernünftig bezeichneten Friedensbedingungen als Basis für den Friedensfchluß angenommen werden. Wenn der Friede gefchlosten ist, so hoffen wir, daß die Türkei in einer gesicherten Stellung sich befindet, die ihr gestattet, ihren Besitz in Kleinasien zu festigen, das Land zu entwickeln und gute Ordnung und eine gute Regierung zu schaffen. Wenn die Türkei aber irgendeinen Erfolg bei der Lösung dieser Aufgabe haben soll, so dürfen ihr in den Friedensbedingungen nicht finanzielle Lasten auserlegt werden. Ein Kampf der Türkei mit dem Bankrott liegt nicht im Intereste der Mächte, besonders der in Kleinasien interessierten Mächte. Was das Ergebnis des Krieges auch immer sei, die Türkei muß unter allen Umständen imstande fein, einen neuen Aufschwung zu nehmen, wenn der Krieg vorüber ist. Dasselbe möchte ich bezüglich der Balkanstaaten
„Ich habe es verdient", murmelte er. „Eine nur zu gerechte Strafe ist es, die mich trifft.“
„Zu deiner Ehre will ich annehmen", fuhr Feodora fort, „daß es nicht in deiner Absicht lag, mich beleidigen zu wollen, sondern, daß dein Gedächtnis dich im Stich gekästen hat. Ich bitte dich aber dringend, btr die Paragraphen unseres Vertrages etwas bester einzuprägen."
Und ohne ihn noch eines Blickes zu würdigen, ohne das dumpfe, bittende, zornbebende „Feodora!" zu beachten, das er ihr nachrief, ging sie weiter.
Sie wußte selbst nicht, woher sie den Mut genommen hatte, ihm das zu sagen, aber die Erbitterung ihrer Seele über das grausame Spiel, das er mit ihr und ihrer Liebe getrieben hatte, war zu groß. Nicht ein - Moment kam ihr der Gedanke, an die Echtheit feiner Gefühle zu glauben — ein Sinnenrausch war es, nichts weiter.
Der Graf folgte ihr in einer kaum zu beschreibenden Stimmung. Empfindungen, die im größten Widerspruch zueinander standen, tobten in ihm, aber der Acrger über seine eigene Schwäche, daß er sich von seiner Liebe hatte hinreißen lasten, Feodora in ihrem Stolz, ihren tiefbeleidigten Gefühlen abermals zu verletzen, überwog an Stärke doch alle andern.
Er nahm sich fest vor, von nun an mit der größten Strenge auf sich zu achten, um ihr nicht wieder Gelegenheit zugeben, ihm derartige Vorwürfe machen zu dürfen. Sie konnte ja nichts von der ihm selbst noch rätfrlhaften Wandlung seines Herzens ahnen; sein plötzliches, stürmisches Werben mußte sie erschrecken.
Schweigend fetzten sie ihren Weg fort. Feodora zitterte noch unter der soeben erlittenen seelischen Erregung, aber mit fast übermenschlicher Willenskraft beherrschte sie ihre Schwäche. Auch als das Gewitter mit voller Macht hereinbrach; als Blitz und Donner in schneller Aufeinanderfolge sie immer wieder aufs neue erbeben ließen, blieb sie standhaft.
Kein Blick ttaf den in düsteres Brüten versunkenen Mann an ihrer Seite, und die leise Stimme ihres Innern, die ihren Zorn besänftigen und sie ermahnen wollte, dem tief Gekränkten, Zerknirschten ein gutes Wort, einen freundlichen Blick zu schenken, die ihr Wunderdinge von der Macht und Allgewalt der Liebe zuflüstern wollte, wurde von ihrem Stolz zurückgewiesen und verhallte ungehört im Rollen des Donners und im Brausen der Meereswogen. .
Endlich — in demselben Augenblick, wo der Wind ihnen die ersten großen Regentropfen ins Gesicht trieb — tauchte die „Waldhalle" vor
Die Kerne auf dem Vulkan
Sofia, 26. März. Die „Agence Telegraphique" meldet: Die Bulgaren haben Adrianopel eingenommen. Schükri Pafcha hat sich um 2 Uhr nachmittags dem General Iwanoff ergeben.
Die tapfer verteidigte Festung Adrianopel ist nun doch den Bulgaren in die Hände gefallen. Sie vermochte sich nicht mehr ihren Blicken auf, und noch ehe der Himmel feine Schleusen vollständig geöffnet hatte, waren sie geborgen.
Aber es waren unerquickliche Stunden, die nun folgten. Eine tiefe, unüberbrückbare Kluft schien sich plötzlich zwischen ihnen aufgetan zu haben. Beide hatten ihr seelisches Gleichgewicht verloren und atmete, erleichtert auf, als sie Saßnitz und ihr Hotel erreicht hatten und endliq dem druckenden Zwange des Beisammenseins entrinnen konnten.
Als Feodora sich mit einem frostigen „Gute Nacht" zurückziehe« wollte, trat er ihr in den Weg und sagte mit einer Stimme, der man den tiefen Groll seines Herzens noch deutlich anmerkte: „Trotzdem ick mein heutiges Benehmen dir gegenüber selber unentschuldbar find«, möchte ich dich doch bitten, es mir nicht nachzutragen.. Denke, daß ein schöner Traum mich genarrt hat, und vergiß die törichte Anwandlung meines einfältigen Herzens. Vor einem Rückfall darfst du sicher sein."
Mit tiefer Verbeugung gab er ihr nach diesen Worten den Weg frei.
Einige Augenblicke zögerte Feodora und schwankte, was sie tun sollte. Dann aber folgte sie doch der leisen Mahnung ihres Herzens, reichte ihm die Hand und sagte mit einem Anflug zum Lächeln, während eine dunkle Röte in ihr Gesicht stieg: „Nun gut — ich will die Erinnerung an dein heutiges Benehmen aus meinem Gedächtnis verbannen, aber du darfft die Bedingungen unseres Vertrages nicht wieder vergeßen.“
„Nie wieder!“ wiederholte er feierlich und berührte mit flüchtige« Drucke ihre Hand.
„Törichte Anwandlung“ — so klang es an diesem Abend noch lange in Feodoras Ohren wieder. Ganz recht, das war die zutreffendste Bezeichnung für fein heutiges Verhalten gegen sie.
Und sie selber —? O, welch eine Närrin war sie doch, daß sie der leisen Stimme ihres Innern, die so flehentlrch für ihn bat, auch nur einen Augenblick hatte Gehör schenken können, dieser Stimme, die ihr immer wieder einreden wollte, daß daß
Ach, das Glück — das süße, heißersehnte — für sie war es ewig verloren' Es hatte sich ihr nur gezeigt in ferner ganzen lockenden, berauschenden Schönheit, damit sie ewig danach dursten sollte^
In den fünften Augen, auf den rosig angehauchten Wangen schim- merte es plötzlich feucht von Tränen. Mit einem tiefen Seufzer barg ft* das Gesicht in die Kissen und weinte, als ob ihr das Herz brechen sollt*.
(Fortsetzung folgt.)
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwittschastliche Beilage“.
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sagen. Wenn sie die Einigkeit und die Freundschaft untereinander aufrechterhalten und fich daran machen, das ihnen nach bem Kriege zufallende Gebiet zu organisieren und zu entwickeln, dann werden sie dazu die Unterstützung Europas brauchen und die finanzielle Unterstützung, die Europa zu gewähren vermag und die Europa ohne Zweifel ohne eine günstige Stimmung der Regierungen nicht gewähren würde."
Grey schloß mit einigen Sätzen, die nochmals den Inhalt der früheren Erklärung zufammenfasien. Darauf beglückwünschte Bonar Law Grey und die Botschafter der Mächte zu dem großen» Schritt auf dem Wege zum Frieden. Premierminister Asquith zollte dem bewundernswerten Geiste der Geduld, der Mäßigung und der Opferwilligkeit bei den näher interessierten Mächten An- erkennung, ohne den auch die geschickteste Diplomatie das Schiff, das in Wahrheit das Glück Europas trug, nicht durch alle Klippen hätte steuern können. Asquith schloß: Die Türken und die Verbündeten sollen einsehen, daß sie von einer Fortsetzung de» Kampfes absolut nichts zu gewinnen haben. Es liegt gleichmäßig im Jnteresie beider Parteien, daß die Verständigung rasch erreicht wird und daß die nutzlosen Opfer an Gut und Blut aufhören.
Di« Unterhausred« Ereys über den Balkan.
Die Londoner Presie beschäftigt sich mit den Reden Sir Edward Greys und des Premierministers. Die „Times" schreiben: Die Erklärungen Greys werden allgemeine Erleichterung und Befriedigung Hervorrufen, weil sie das Siegel amtlicher Bestätigung auf die optimistischen Berichte setzen, die das Publikum aus weniger zuverlässigen Quellen erhalten hat. Das Blatt betont, daß vor allem die Mäßigung und Geduld der zunächst beteiligten Mächte es der Diplomatie ermöglicht haben, durch die Krise hindurchzusteuern. Serbien und Montenegro müßten sofort bas Gebiet räumen, besten Besitz ihnen Europa nicht lasten werde. Vor allem müßte das unnütze Morden vor Skutari aufhören. Wenn di« Verbündeten die Vermittelung der Mächte annehmen, so könnten sie di« Landgebiete, die sie erobert haben, ohne Intervention von außen untereinander teilen. Wenn sie aber eine andere Grenzlinie verlangten und die Stellung der Türkei in Asien bedrohten, so würden eine oder mehrer« Mächte intervenieren. Die Türkei ihrerseits hätte von einem Aufschub gar nichts zu hoffen, und ein schleuniger Friedensschluß läge im Interest« aller. — Das „Daily Chronicle“ betont, daß jedermann Sir Edward U&w^beiftimuwn müßte, daß bi# Türkei stark genug bleiben müsse, um den ihr bleibenden Besitzstand regieren zu können. Man dürfe sie nicht durch Kriegsentschädigungen bankerott machen. Wenn sie Konstantinopel behielte, müßte sie im unbestrittenen Besitz der Ufer der Meerenge bleiben. Aber die Mächte sollten nicht nut dahin wirken, daß die Türkei stark bleibe, sondern auch in vernünftigen Grenzen ihren Ermahnung«« Gehör schenke.
Cine offiziöse deutsche Auslastung.
Zu den Erklärungen des englischen Premierministers Asquith schreibt die „Kölnische Zeitung": „Es geht mit großer Klarheit aus der Rede hervor, daß England die Gefahr einer Aufrollung der kleinasiatischen Frage zurzeit mit allen Mitteln zu verhindern besttebt ist, weil es einen allgemeinen Zusammenstoß befürchtet. Deshalb stellt es sich einet ©renjregulierung zwischen Bulgarien und bet Pforte entgegen unb verlangt bie Otbnung bet zukünftigen Zugehörigkeit bet Aegäischen Inseln burch bie Großmächte. Das Blatt begrüßt bie Aeußerung bes englischen Staatsmannes, welche wesentlich dazu beitrage, bie Hoffnung aus ein« balbige Beendigung bet orientalischen Wirren zu bestärken.“
1 r senkte ben Blick vor ihren durchdtingenben, klaren Augen. Ein «Uder, säst schmerzlicher Zua legte sich um seine, Mund.
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