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mit Dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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und den Beilagen: «Nach Feierabend

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*'=1 v 2, J*. frei ins Haus. Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch

1913

(Inh.: Dr. E. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Die Ktuttat vou Saloniki.

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wäre die Tatsache gewesen, daß seit einigen Tagen, seitdem betaitel geworden war, daß der König regelmäßig auf seine« Spazie» gangen den Weißen Turm als Ziel wählte, nicht nur harmlos Neugierige, sondern auch manche wenig Vertraue« einflößende Gestalten auf diesem Wege zu sehen waren. Auch erinnert fty Oberst Franguli den Aleko Schirms bei früheren mit dem König unternommenen Promenaden gesehen zu haben.

Athen, 19. März. Der Kronprinz verläßt den Epirus se» bald als möglich. Die Königin reist um Mitternacht an Bord eines russischen Kriegsschiffes nach Saloniki.

Belgrad, 19. März. Die Nachricht von der Ermordung des Königs von Griechenland hat hier allgemeine Bestürzung her­vorgerufen. Ueberall zeigt sich die innigste Teilnahme. Die Prin­zessin Helene, welche die Nachricht unmittelbar vor ihrer Abreis» nach Wien erhielt, kehrte um Mitternacht nach Saloniki zurück.

Die Trauer über die meuchlerische Tat ist allgemein. Bon allen Seiten und aus allen Ländern gehen der griechischen Regie­rung und der königlichen Familie Beileidskundgebungen zu. Auch der Präsident der bulgarischen Sobranje Dr. Danew hat dem Prä, stdenten der griechischen Kammer telegraphisch das lebhafte Bei­leid und die tiefe Teilnahme der Vertreter der bulgarischen Natioe ausgesprochen. An dem Trauergottesdienst nahmen der König, die Minister, das diplomatische Korps, Dr. Danew, die gewesene« Minister, Offiziere und die Honorationen teil.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt zu dem Attentat: Die Kund« von der Ermordung des Königs der Hellenen wirkt erschütternd. Dem Heimgegangenen Monarchen war die Ausübung seines Amte» lange Jahre hindurch eine entsagungsreiche Aufgabe, bis ihm nach fast vollendeter fünfzigjähriger Regierung kriegerisch« und poli- tische Lorbern beschieden wurden. Die Freude, sein Lebenswerk durch die Erfüllung großer Hoffnungen gekrönt zu sehen, erfuhr « als eine Genugtuung für manches Verkennen seiner Bestrebung«« noch bevor ein grausames Geschick ihn auf der Höhe seines Erfolge» dem Lande und der Familie entreißen sollte. Wir teilen di« Trauer des griechischen Volkes, desien Herzen sich besonders unter den erhebenden Eindrücken der letzten Monate in Liebe und Treue dem jäh dahingeschiedenen Herrscher zuwandten. Die Hellene« werden nicht vergesien, daß mit der Regierung des Königs Georg» ihre nationale Wiedergeburt verbunden bleibt, die Europa be­wundert. Sie werden sich patriotischen Sinnes um den König scharen, der in schwerer aber großer Zeit da» Erbe feines Vater» übernommen hat.

Karlsruhe, 19. März. Wegen Ablebens des König» Georg I. der Hellenen legte der großherzogliche Hof Trauer auf 21 Tage bis zum 8. April einschließlich an.

Wir bringen oben die Bilder des ermordeten Königs und des Heuen Königspaares.

Im übrigen liegen über die Bluttat noch folgende Meldungen vor:

Berlin, 19. März. DerBerliner Lokalanzeiger" meldet in einer Extraausgabe zum Tode des Königs von Griechenland: Auf Befragen, warum er das Verbrechen begangen habe, antwor-

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leichtgläubig sein, auch die schönsten Worte und die treuherzigsten Mienen sollten sie nicht betören. O, sie war klug geworden!

Als hätte er ihr die gleichgültigsten Dinge gesagt, so blickte sie in» Meer hinunter, auf ein Segelboot, das eben vorüberfuhr.

Von meiner Reue, meinen Selbstvorwürfen aber wirst du dir schwerlich einen Begriff machen können", fuhr er, das Schweigen brechend, fort.Und ebenso tief wie meine Reue ist meine Dankbarkeit gegen dich. Erst jetzt, in diesen Tagen, habe ich es voll ermesien gelernt, was ich dir verdanke."

Abermals hielt er inne, um gleich darauf in auflodernder Leiden­schaft hervorzustoßen:Jetzt segne ich den Entschluß, zu dem mich damals nur die bitterste Ueberwindung getrieben hat, jetzt Er sah sie an, bittend, flehend, aber sie wandte ihm ihr Antlitz nicht zu.

Feodora willst du mir nicht glauben? Ich bin ein Feind jeder materiellen Auffasiung der Ehe, und nur der heiße Wunsch, mir um jeden Preis mein Erbe zu erhalten, trieb mich dazu, eine Geldheirat zu schlie­ßen, zu der ich mich sonst nie und nimmer verstanden haben würde. Ich

Feodoras bitteres Auflachen unterbrach ihn.

Warum sollte ich dir das nicht glauben?" erwiderte sie und warf mit einer stolzen Bewegung den Kopf in den Nacken.Ich bin um vieles klüger geworden in diesen Tagen. Oder denkst du, ich wäre zu schwer­fällig, um nicht begreifen zu können, daß der hochgeborene Graf, der Sprosse eines uralten Geschlechts, sich nicht Hals über Kopf mit einem ihm fast ganz unbekannten, beliebigen jungen Mädchen verlobt haben würde, wenn ihn nicht ganz besondere Gründe dazu getrieben hätten?"

Feodora!" rief et entsetzt. Er fühlte, daß sie ihn mißverstanden haben mußte,' er wollte fragen, erklären, aber mit kaltem Lächeln schnitt sie ihm das Wort ab.

Wozu noch einmal auf dies für uns beide höchst rmerguickliche Thema zurückkommen? Ich denke, wir habe« es bereits zur Genüge er­örtert. Du brauchtest mein Geld, nm deine Schulden zu bezahlen, ich deinen Rainen, um meinen Ehrgeiz, meine Eitelkeit zu befriedigen. Ein jAxr von uns verfolgt« bei dieser Verbindung seine eigenen Interesse«,

tete der Mörder: Wir haben Tribunale und ich werde, wenn ich abgeurteilt werde, lagen, warum ich ihn getötet habe. Wan bringe mich zur Polizei, damit die Volksmenge mich nicht mißhandelt, dort werde ich sprechen. Seit seinem Einzuge in Saloniki pflegte der König jeden Nachmittag einen Spaziergang zu machen. Die Umgebung des Königs drang häufig darauf, daß sich der König nicht ohne Leibgarde öffentlich zeige. Aber vergebens. Bor eini­gen Tagen ist der Befehl gegeben worden, daß vier Gendarmen den König auf feinen Spaziergängen folgen sollten. Dies war ihm so lästig, daß man die Zahl der Gendarmen auf zwei beschränkte, die nur in großer Entfernung folgen durften. Die letzten Worte de» Königs waren: Morgen werde ich den DreadnoughtSoeben be­suchen. Das deutsche Kriegsschiff wird den König der Griechen hier in Saloniki ehren. Das erfüllt mich mit Freude und Zufrie­denheit. ,

Athen, 19. März. Die Augenzeugen des Attentats geben folgende Einzelheiten: Der Mörder hielt sich an der Ecke der Dreieinigkeits und Feldstraße bei dem Polizeikommissariat verbor­gen. Der König kehrte von einem Spaziergange zurück und ging auf den Palast zu. Als er die Straße überschritt, schoß der Atten­täter auf zwei Schritt Entfernung aus einem Revolver. Bei dem ersten Schuß wollte der Flügeladjutant Oberst Franguli den Re­volver ziehen, sofort schoß der Mörder auf ihn, aber die Waffe ver­sagte. Die beiden kretischen Gendarmen, die dem Könige folgten, stürzten sich auf den Mörder, der keinen Widerstand leistete. Sol­daten tarnen den Gendarmen zu Hilfe. Als der Mörder festgenom­men war, wandte sich der Adjutant nach dem Könige um, den er unverletzt glaubte, aber der König war halb bewußtlos zu Boden gefallen und mußte in einen Krämerladen gebracht werden, et konnte kein Wort mehr sprechen. Soldaten trugen ihn ins Ho­spital. Bei dem Mörder wurden Revolverpatronen gefunden: er soll einige Jahre im Auslande gelebt haben, und nach der Be­setzung von Saloniki durch die Griechen dorthin gekommen sein. Einer weiteren Meldung zufolge nennt sich der Mörder Schinas. Er ist 40 Jahre alt und weigert sich den Grund zu der Tat anzu­geben. Er antwortete, als ein Offizier ihn fragte, ob er kein Mit­leid mit seinem Lande hätte, daß er Sozialist sei. Sein Benehmen ist ganz gefühllos. Der König, der ins Herz getroffen wurde, starb bei der Ankunft im Hospital.

Jnteresiant ist, was der Adjutant des Königs berichtet. Er sagte aus, er habe kurz vor der Tat den König gefragt, ob sie da» Marschtempo nicht beschleunigen wollten. Der Grund zu der Frage

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(Nachdruck verboten.) *

Gewagtes Spiel.

Roman von E. Teutgen-Horst.

(Fortsetzung.)

Marburg und Umgegend.

Nachdruck aller Orgtnalartikel ist gemäß tz 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe ^Oberhess Ztg " gestattet.)

Marburg, 20. März.

* Militär-Urlauber aller Waffengattungen, die ihren Oster­urlaub in der Heimat verbringen wollen, bemerkt man jetzt in den Straßen unserer Stadt. Auch vom hiesigen Jägerbataillon ist ein großer Teil der Mannschaft in Urlaub gefahren.

* Gefahren der Straße. Gestern nachmittag stürzte plötzlich eine an der Ecke Wehrshäuser Landstraße-Sandweg stehende große Pappel um, zertrümmerte die Telegraphendrähte und legte sich quer über die Straße, die kurz zuvor mehrere Kinder passiert hatten. In unmittelbarer Umgebung der Stadt stehen noch mehr solcher morscher Pappeln, die zu jeder Zeit Umstürzen können.

* Bo« bet Eisenbahn. Der preußische Eisenbahnminister hat in ausführlicher Weise zu einer an ihn ergangenen Anregung, nach dem Vorbilde ausländischer Eisenbahnen, Schlafwagen dritter Klasse einzuführen, und zu anderen Verkehrswünschen Stellung

und jeder hat seinen Zweck erreicht. Was bedarf es also noch weiterer Auseinandersetzungen? Wir müssen die Folgen unserer Handlungsweise zu tragen wissen. So sagtest du ja wohl?"

Ja, es waren seine eigenen Worte, die sie ihm in kühler lleberlegen- heit anführie. Errötend biß er sich auf die Lippen.

Verzeih ich vergaß, daß ich bei dir ja unmöglich auf Verständni» für meine Seelenstimmungen rechnen darf. Ich will mich in Zukunft besser hüten und dich nicht wieder mit dergleichen Ergüssen langweiln."

Seine Stimme klang ruhig. Der fteudige Glanz in seinen Auge« war erloschen. Mit verschräntten Armen lehnte er an der Barriere und starrte auf das Meer hinaus. Er sah nicht, daß Erblassen und liebliche» Erröten in jähem Wechsel über Feodoras Antlitz jagten. Wie eine Läh­mung war es über fein Herz gekommen, das noch vor wenigen Auge» blicken in heißer, ungestümer Liebessehnsucht geklopft hatte.

XIV.

Geheimnisvoll, umrahmt von hohen, schattigen Waldbäumen, di« ihre Zweige oft weit über den glänzenden Wasserspiegel erstrecken, grüßt der sagenumwobene Herthasee die Besucher Rügens.

Je nach der Jahres- und Tageszeit zeigt fein Spiegel ein andere» Bild, immer aber, ganz gleich, ab man ihn in der leuchtend grünen Be­laubung des Frühlings oder in der matten, goldig gefärbten des Herbste» erblickt, ob er in der Dämmerung, im hellen Sonnenschein, im verklaren­den Licht des Mondes, beim bewölkten Himmel, beim Tosen des Ge­wittersturmes vor uns liegt, immer hat et etwas Ernstes, Dunkle», Feierliches an sich.

Das schienen auch die beiden Damen zu empfinde«, die aus dem Fahrwege, der am See vorüberführt, langsam dahingingen. Sie hat«« sich von der kleinen, aus mehreren Herren und Damen l«stehende« w sellschast, die plaudernd und scherzend am llfer zurückgeblieben war, ab« gezweigt und steuerten der nicht wett vom See entfernt auf einem frei«« Platz stehenden Herthabuche zu.

6 (Fortsetzung folgt.)

Marburg

Donnerstag, 20. März

Unb da brachtest du deinen Lieblingswunsch, um dich zu strafen, ge­waltsam zum Schweigen?"

Richt gewaltsam er schwieg von selber: das Helmatsgefühl war doch mächtiger. Als ich Reinstein fremden Händen übergeben und auf alles verzichten sollte, was mir lieb und teuer war, da erst fühlte ich, daß ich mit jeder Fiber festgewurzelt war an der heimatlichen Scholle und daß ein vollständiges Losreißen von dieser einem langsamen Hin­stechen gleichkommen müßte. Aber der Himmel hat es gnädiger mit mir gemacht, als ich es verdiente", schloß er mtt einem leidenschaftlichen Blick t« ihr liebliches Gesicht.

Feodoras Augen glänzten verräterisch ftucht, und ein tiefes Erbar­men mit ihm regte sich bei feinen schonungslosen Selbstanklagen in ihrem Herzen.Aber nein" flüsterte eine innere Stimme ihr plötzlich zu, »«m alles in der Welt, nur kein Mitleid haben mit dem leichtsinnigen Verschwender, dem herzlosen Egoisten, der dich belogen und um dein »ebensglück betrogen hat!"

Gehörte btt Hoffnung auf den Besitz der schönen Martine Longa *uch zu dem, was ihm lieb und teuer war, was er, du^ch die Verhältnisse l^toungen, hatte aufgeben müssen? Wie sagte doch jene Frau mit dem böslichen Organ?Im Besitz des Vermögens, das der Fürst Mxrline ^"hrscheinlich bald hinterlassen wird, kann sie dann noch immer ihrem ^tzen folgen und den Grafen Reinstein mit ihrer Hand beglücken." O, der dies« bodenlos niedrige Gesinnung! Wo blieb da die Ehrfurcht vor "Er Heiligkeit der Ehe? Nichts als Berechnung und Eigennutz hatte dE^begettteben. Und mit einem solchen Menschen konnte sie Mitleid

Wie kam er dazu, sie als Rettungsanker zu betrachten unb

Hände nach ihr unb ihrem Vermögen auszustrecken? Und warum Fffte er ihr dir» alles? Komödie, nichts als eine erbärmliche, abscheu- "Fe Homöbiel Aber nicht zum »peilen Male wollte sie so grenzenlos

Der erste Gedanke, der wohl Jede« bei bet Meldung von bet Ermordung des Königs von Griechenland durchzuckte, war zweifel­slos der, daß hier ein politischer Mord vorliegen müsse, und zwar ein Mord, der in Verbindung mit den gegenwärtigen Wirren auf dem Balkan zu bringen fei. Dafür sprach nicht nur der Umstand, daß der Ort der Tat Saloniki war, sondern es ließen sich für diese Annahme auch Gründe geltend machen, die sich aus dem gespannten Verhältnis zwischen den Bulgaren und den Griechen ergaben. Es bleibt abzuwarten, was wahres an den verschiedenen Meldungen Ift. Daß die Angelegenheit noch einer näheren Aufklärung bedarf, Ist sicher, denn auch die Annahme der Geistesgestörtheit bei dem Attentäter schließt keineswegs aus, daß derselbe nur das Werk­zeug von Hintermännern gewesen ist, bei denen politische Be- weggründe für die Anstiftung des Verbrechens maßgebend waren. Auch wenn es richttg ist, daß der Mörder griechischer Nationalität Ist, ist noch durchaus nicht sicher, daß bei feiner Tat nicht die natio­nalen Gegensätze eingewirkt haben. So lange das nicht absolut «inwandfrei widerlegt ist, bleibt die Vermutung berechtigt, daß ®ir in der Bluttat von Saloniki den Ausfluß eines scharfen Ge­gensatzes zwischen zweien der Balkanvölker vor uns haben, die sich augenblicklich zwar zur Verfolgung eines gemeinsamen politi­schen Zieles zusammengetan, im übrigen aber schon durch zahl­reiche Metzeleien im Laufe des letzten Jahrhunderts bewiesen haben, daß sie von einem unversöhnlichen Hasse gegeneinander beseelt sind. Man wird von Glück sagen können, wenn sich die an das in Saloniki begangene Verbrechen geknüpften Vermutungen als grundlos erweisen, denn andernfalls würde dieses Verbrechen nicht nur ein grelles Licht auf die gegenwärtigen Verhältnisse auf der Balkanhalbinsel werfen, sondern auch die Hoffnung als ver­fehlt erscheinen lassen, daß nach Beendigung des jetzigen Krieges und nach glücklicher Schlichtung aller aus bet Eifersucht der Balkanstaaten untereinander drohenden Zerwürfnisse in dem ost­europäischen Wetterwinkel endlich dauernder Friede einziehen werde.