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und den Beilagen: .Nach Feierabend". ..Fürs Haus" und „LandwtrffchaftÜche Beklage".

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Die „Oberheffijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M. (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungssteklen 2,— M frei ins Haus. — Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroths, Markt 21. — Telephon 55.

Marburg

Mittwoch, 19. März

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespalten« Zeile oder deren Raum 15 J!, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4. für Reklamen die Zeile 60 H. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

48.Jahrg.

1918.

Mttes Blatt.

Er uw Dring König Georgs von Griechenland.

Saloniki. 19. März. (Reuter.) König Georg von Griechenland wurde gestern hier ermordet.

Die politisch hochgespannte Atmosphäre Salonikis, die durch die Erbitterung, mit der gerade um diese Stadt gerungen worden ist und durch die Reibungen zwischen den Siegern, die jeder für sich den Ruhm, die Stadt bezwungen zu haben, in Anspruch nahmen, hervorgerufen worden ist, hat eine verabscheuungswür­dige Tat gezeitigt, die einem Manne, der auf dem Zenithe seines Ruhmes stand, das Leben gekostet hat. Durch feigen Meuchelmord ist König Georg von Griechenland gestern in Saloniki gefallen. Er verließ am Nachmittag 5y2 Uhr das Parais seines Sohnes Nikolaus mit seinem Adjutanten, um seinen gewohnten Spazier­gang zu machen. Plötzlich trat ein Individuum an ihn heran und feuerte aus nächster Nähe einen Nevolverschuß auf ihn ab, der ihm.das Herz durchbohrte. Der König sank in die Arme seines Adjutanten, der ihn mit Hilfe herbeieilender Soldaten in einem Wagen nach dem Militärhospital brachte. Unterwegs jedoch hatte- König Georg bereits seinen Geist aufgegebcn. Auf die Kunde von dem Attentat eilten sofort die Offiziere aller Grade nach dem Hospital, wo unterdessen auch der Militärgouverneur Prinz Nikolaus, der einzige anwesende Vertreter der Kgl. Familie, ein« getroffen war. Dieser richtete an die Offiziere eine Ansprache, in der er der tiefen Trauer um den Tod des Königs Ausdruck gab und nach der er den Offizieren den Treueid auf den neuen König Konstantin abnahm. Der Justizminister als Vertreter der Regie­rung machte in einem Erlasse der Bevölkerung Salonikis davon Mitteilung.

Der Urheber des Attentats — nach einigen Meldungen sollen es zwei gewesen sein — ist angeblich ein Bulgare. Er konnte so­fort festgenommen werden und soll bei seiner Vernehmung aus­weichende Antworten gegeben und ein geistesverwirrtes Aussehen gehabt haben.

Die gesamte Preffe bespricht die abscheuliche Tat mit Ent­rüstung und knüpft daran eine Würdigung des so schnell aus dem Leben Geschiedenen. Die „Verl. Neuesten Nachrichten" schreiben: „König Georg war wenig das, was wir uns unter einem Herr­scher und König vorstellen, als ein besorgter, friedliebender Ver­walter." Die ,,Morgenpost" sagt: „Ein Herrscherleben, dem mehr die Bitternisse als die Freuden des hohen Berufes zugemessen waren, hat einen tragischen Abschluß gefunden." Die „Voss. Ztg." führt aus: „Während man in Athen stch allgemach anschickte, Feste vorzubereiten für sein bOjähriges Regiernngsjubiläum, streckte ihn in Saloniki die Hand eines Meuchelmörders auf die Bahre. Nach 19jähriger Herrschaft führte ihn der Fall Salonikis auf den Höhepunkt seines Lebens und die Stadt, die seine zweite Residenz hätte werden sollen, wurde sein Grab." Das „Berl. Tagebl." aber schreibt: „Dieser Königsmord ist nur ein Symptom und ein Er­gebnis der ungeheuren leidenschaftlichen Erregung, in welche die Balkanwelt durch den Krieg versetzt worden ist. König Georg war sparsam und häuslich und man fand, daß er geizig sei und seine kaufmännisch schwunglose Natur entsprach in keiner Weise der hellenischen Heroen-Phantasie. Auf den griechischen Thron steigt nunmehr der Sohn König Georgs, Konstantin, der Schwa­ger des deutschen Kaisers. Er war nach dem Kriege von 1897 so verhaßt und als Feigling verschrien und verspottet gewesen, daß er als Thronfolger unmöglich schien, und er ist heute nach der Einnahme von Saloniki und Janina so beliebt, daß man ihm bereits Statuen errichten will."

Georg L, König der Hellenen, wurde im Jahre 1845 als zweiter Sohn des Königs Christian IX. von Dänemark geboren und erhielt den Namen Wilhelm. Er widmete sich zunächst dem Eeedienst, bis er am 30. März 1863 von der griechischen National­versammlung einstimmig unter dem Namen Georg T. zum König gewählt wurde. Am 30. Oktober hielt er seinen feierlichen Ein­zug in Athen, wo er tags darauf vor der Nationalversammlung den Eid auf die Verfasiung leistete und die Negierung übernahm. Am 27. Oktober 1867 erfolgte seine Vermählung mit der russischen Großfürstin Olga, der Tochter des Großfürsten Konstantin Niko­lajewitsch, was wesentlich dazu diente, seinen Thron zu befestigen. Die nationalen Wünsche, die auf eine Vereinigung aller unter türkischer Herrschaft befindlichen griechischen Länder mit Griechen­land hinzielten, hatte er immer zu fördern gesucht. 1881 konnte rr so durch eine Konvention sein Land durch den größten Teil Thessaliens und einen Teil von Epirus vergrößert sehen. An der Kretafrage nahm er ebenfalls lebhaften Anteil. Der unglückliche Krieg 1897 mit den Türken rief eine Mißstimmung gegen ihn her­vor, die am 26. Februar 1898 zwei ehemalige Soldaten zu einem erfolglosen Attentat auf den König verführte und die bis in die neueste Zeit anhielt. Erst der siegreiche Verlauf des neuen Kriegs Gegen die Türkei, der mit der Einnahmen von Saloniki und Janina seinen Höhepunkt erreichte, vermochte den König und teine Dynastie wieder populär zu machen.

Der bisherige Kronprinz, Konstantin, der das Oberkommando Über die Armee führt, ist jetzt ebenfalls sehr beliebt. Er ist am 1- Juli 1868 geboren, vermählte sich 1889 mit der Prinzessin Sophie von Preußen, einer Schwester des deutschen Kaisers. Dieser Ehe find fünf Kinder entsprosien. Gelangt der Thron- telger Konstantin auf den Thron, so dürfte, wie die „D T." be­hauptet, falls keine unvorhergesehenen Momente hinzugekommen di« Autorität des Herrn Venisolos eine noch größere sein.

Politische Umschau.

Angeblich« Belästigung Deutscher an der franzöfischea Riviera.

Durch die Preffe gehen Notizen über angebliche Belästigungen, ja tätliche Beleidigungen Deutscher an der französischen Riviera. Die Nachrichten, die recht kraffe Vorkommniffe illustrieren, werden jetzt von der „Nord. Allg. Ztg." dementiert. Das genannte Blatt schreibt: Nach dem Erscheinen eines in mehrere deutsche Zeitungen übergegangenen Artikels über Mißhandlungen, die deutschen Reichsangehörigen an der Riviera widerfahren sein sollen, erkun­digte sich der kaiserliche Konsul in Nizza eingehend in den deutschen Kreisen der Riviera. Es sollte festgestellt werden, ob über die in dem Artikel enthaltenen Angaben etwas bekannt sei, namentlich, ob sich ermitteln laffe, daß Deutsche in Nizza oder an der Riviera schlecht oder überhaupt anders als Angehörige anderer Länder be­handelt worden seien. Das Ergebnis fiel verneinend aus. Nir­gends war etwas über derartige Vorfälle festzustellen und von keiner Seite war seit einer Reihe von Jahren über eine schlechte Behandlung oder gar über Tätlichkeiten geklagt worden.

Bebel gegen die Fremdenlegion.

Die Gesellschaft, die sich in Deutschland den Kampf gegen die Werbearbeit für die Fremdenlegion zur Aufgabe gemacht hat, hatte u. a. auch den sozialdemokratischen Führer Bebel eingeladen, einen Sitz im Vorstand anzunehmen. Bebel erwiderte auf diese Einladung mit folgendem Brief: „Ich weiß die Ehrung zu schätzen, die Sie mir mit Ihrer Bitte, mich am Präsidium der Gesellsckaft zum Kampf gegen die Fremdenlegion zu beteiligen, erweisen. Leider erlaubt mir mein Gesundheitszustand nicht, daß ich diese neue Belastung auf mich nehme. Ich muß daher die Ehre ablehnen, die Sie mir erweisen wollten, aber gestatten Sie mir, Ihnen zu sagen, daß die Sozialdemokratische Partei und die deutschen Ge­werkschaften sich dem Kampf gegen die Fremdenlegion, die wir als eine Schande und eines zivilisierten Staates als unwürdig an­sehen, durchaus anschließen. Ich bin gern bereit, an alle Organe der sozialdemokratischen und gew"-'^ östlichen Preffe ein Rund­schreiben zu richten, das von Million u von Arbeitern gelesen wer­den unb den Kampf bis zum äußersten gegen die Fremdenlegion predigen wird. Natürlich muß Ihre Gesellschaft alle Dokumente, die diesen Feldzug rechtfettigen, auch unfern Zeitungen über­mitteln."

Di« Erfahrungen mit einem Maschinengewehr ans dem „Zeppelin".

Die epochemachenden ersten Maschinengewehr-Manöver,, die vor einigen Tagen auf dem neuen Militärluftkreuzer „L. Z. 16“ gemacht roorbcn sind, sind für die Verwendung der „Zeppeline“ als Kriegswaffe von so großer Pedeutung, daß ein Eingehen auf die Erfahrungen mit den Maschineng^vehrübungen lohnend erscheint. Es handelt sich bei den Versuchen in erster Linie darum, welche Wirkung eine große Anzahl von Maschinengewehrschüffen auf die Sicherheit und Lenkbarkeit des Luft­schiffes haben würde. Hierbei hat sich gezeigt, daß die Aktionsfähigkeit eines Zeppelin-Luftschiffes durch das Abfeuern von Maschinengewehren in keiner Weise beeinträchtigt wird. Das Luftschiff kann ohne weiteres genau wie sonst manöverieren, sich ohne Hinderung seiner Steuer be­dienen, und die Erschütterungen des Luftschiffkörpers sind so geringfügig, daß sie garnicht in Frage kommen. Weiterhin war vor allem wichtig, ob es möglich ist. aus einem schnell fliegenden Luftschiff zu zielen und Ziele zu treffen. Auch hierbei waren die Ergebniffe so gute, daß über diese für die Bedeutung des Zeppelin-Luftschiffes als Kriegsmittel so wichtige Frage nicht das geringste Bedenken mehr bestehen kann. Diese E-solqe sind naturgemäß von weittragender Bedeutung. Bis vor kurzem noch sah man im Luftschiff lediglich ein Mittel zur Beobachtung und Auf­klärung Die dann vorgenommenen Wurfversuche mit Bomben zeigten, daß das Zeppelin-Luftschiff auch in hohem Maße geeignet ist, als An- qrifsswaffe zu wirken. Nur über die Frage, ob es einem Zeppelin-Luft- schiff möglich sein würde, sich im regelrechten Luftkampfe anderer Luft­fahrzeuge zu erwehren, war man noch im Unklaren. Darin liegt die Wichtigkeit der Ergebniffe mit dem neuen „L. Z. 16". Es besteht jetzt nicht der geringste Zweifel mehr daran, daß das Zeppelin-Luftschift dem Flugzeuge im Kampfe in der Luft unter allen Umständen überlegen ist. Es wurde festgestellt, daß die Luftschiffe des starren Systems mit genau derselben Geschwindigkeit in dir Höhe zu steigen vermögen, als die besten der heutigen kriegsbrauchbaren Flugzeuge. Es kann auch als ausge­schlossen gelten, daß die Flugzeuge jemals die Steiggeschwindigkeit der starren Luftschiffe erreichen werden. Das Luftschiff steigt, wenn nötig, senkrecht durch Balastabgabe. Das Flugzeug dagegen steigt nur im Fluge nach vorwärts oder in großen Kreisen, und je steiler es steigt, umso mehr verringert sich seine Geschwindigkeit. Die Ueberhöhung eines Lrisi- schisfes durch ein Flugzeug, die in der Tat im Ernstfälle schr gefährlich wäre, ist im Kampfe so gut wie unmöglich. Wenn auch die Flugzeuge größere Höhen erreichen können, als die Luftschiffe, so Lauert der Auf­stieg bis zur Höhengrenze der Luftschiffe so lange, daß es einem Luft­schiff, das mit voller Geschwindigkeit fliegt, immer gelingen wird, dem - Flugzeuge zu enttommen oder durch senttechten Aufstieg das Flugzeug seinerseits zu überhöhen und zu bekämpfen, zumal das Flugzeug, je steiler es ansteigt, umso mehr in der vollen Entwicklupg seiner Geschwin­digkeit behindert ist. Ein Luftschiff, deffen höchste Fluggeschwindigkeit so groß oder größer ist, als die hottzontale Geschwindigkeit ansteigender Flugzeuge, wird sich der Ueberhöhung immer entziehen können. Schon heute ist das Zeppelin-Luftschiff in der Praris nicht langsamer als die brauchbaren Kriegsflugzeuge. In sieben Fällen, in denen Flugzeuge versuchten, ein Zeppelin-Luftschiff einzuholen, gelang die Absicht in keinem. In sechs Fällen blieben die Flugzeuge immer weiter zurück, im siebenten hielt das Flugzeug mit dem Luftschiff gleiche Fahrt. Der Rekord im Aufstieg von Flugmaschinen beträgt etwa 150 Meter in der Minute. Kriegsmäßig belastete Maschinen werden kaum jemals viel mehr als hundett Meter in der Minute zu steigen vermögen, und dann nur unter starker Eeschwindigkeitsverminderung. Die Zeppelin-Luft­schiffe steigen, abgesehen vom senkrechten Anstteg durch Ballastabgabe, der noch viel schneller vor sich geht, allein durch Betätigung der Höhen­steuer in vier Minuten 800 Meter, und zwar viel steiler als die Flug- 1 zeuge. Ein mit Maschinengewehr ausgerüstetes Zeppelin-Luftschiff wird also nur nach den Seiten und nach unten, meist überhaupt nur nach unten, gegen Flugzeuge zu kämpfe« haben. Da, wie versuche mtt Flugzeugen ergeb«« hocken, di« Verwendung von Maschinengewehre« auf Flugze»gen

deren Aktionsfähigkeit statt beeinträchttgt, so ist das Luftschiff ei» wett überlegener Gegner. Und selbst, wenn ei» in großer Höhe au« Va Fern« herannahendes Flugzeug ein Zeppelin-Lustschiff Überhöhen sollt», wird das Maschinengewehr auf der oberen Plattform genügen, um de« Gegner mit Erfolg zu bekämpfen.

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Deutsches Reich.

— Bevorstehende Zusammenkunft des Deutschen Kaiser« mit dem Zaren und dem König von England. Kopenhagen, 18. März. Nach einer Meldung des Regierungsblattes werden der Zar, KS- nig Georg und der Deutsche Kaiser im kommenden Frühjahr oder Sommer auf dem Schlöffe Fredensborg eine Zusammenkunft haben. Zuerst soll Kaiser Nikolaus eintreffen, um dem dänischen Hofe einen Besuch zu machen, darauf der englische König, die bttbe im Schlöffe Fredensborg Wohnung nehmen werden und dott de» Besuch des Deutschen Kaisers empfangen sollen.

— Ein «euer „Souvenir". Straßburg, 18. März. Ei« Gruppe elsäsfischer Veteranen hat unter dem Namen Souvenir Straßbourgeois etnen Verein gegründet, von dem jedes Mitglied verpflichtet ist, am Leichenbegängnis eines ehemaligen französi­schen Veteranen teilzunehmen, während auf Vereinskosten tt« Kranz beschafft werden soll.

— Sozialdemokratie und Heeresvorlag«. In einer große» »Protestversammlung, die kürzlich in Paris gegen die deutschen und französischen Rüstungen veranstaltet wurde, sprach auch der deutsch« Sozialdemokrat Dr. Karl Liebknecht. Er erklärte, daß die Sozial­demokraten beider Länder den Kampf bis aufs Messer gegen di« neuen Heeresvorlagen führen würden. Die sozialdemokratisch« Partei im Reichstage werde die Militärvorlage mit allen pari», mentarischen Mitteln bekämpfen und nötigenfalls sogar zur Ob- struktton schreiten.

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Ausland. *

*♦ Demisfionierung des französischen Kabinett«. Paris, 18. März. Im Verlauf der Debatte über die Wahlreform im fran« Eschen Senat wurde ein Zusatzantrag Veytral, welcher von Briand im Namen der Regierung unter Stellung der Vertrauens­frage zurückgewiesen worden war. mit 161 gegen 128 Stimmen an­genommen. Das Ministerium wird noch heute Abend seine Demission geben.

Marburg und Umgegend.

Nachdruck aller Orgtnalarttkel ist gemäß tz k8 des Urheberrechte nur mtt Det deutlichen Quellenangabe Jubetbefi Ztg 0eftattet'

Marburg, 19. Marz.

* Born grünen Donnerstag. Mit dem Gründonnerstag sind heut, auch noch mancherlei andere abergläubische Sitten und Gebrauche v » bunden, welche vermuten lasten, daß dieser Tag schon IaiJ0 _ Donar, dem Schützen des Landbaues geweihter, besonders he liger Tag war, ehe er als christlicher Feiertag auftrat. Im Odenwald und> i« der Wetterau, auch in einem großen Teil Norddeutjchlands benutzt man ihn mit Vorliebe zum Säen, das gern unter dem Geläute der Elocke» geschieht. In Ostpreußen muß an diesem Tage dre älteste Jungfer des Bauerngutes rücklings vom Tisch springen, dann wird der Flachs recht lang. In Holstein schöpft man heilkräftiges Wasser aus Quellen mck Brunnen und am Rhein heißt es. wer am Gründonnerstag fastet, &«- fommt das ganze Jahre kein Zahnweh. In Westfalen braut man a« diesem Tage die Negenstärke, d. i. ein Gemisch von neun verschiedenen Frühlingskräutern. Dieser Trank soll das ganze Jahr httidurch ge^ und stark erhalten. Vielfach werden am Ernndonnerstag beso^er. Speisen gegeben; besonders ist es allgemein Üblich, etwas Grünes zu genießen, denn dann bleibt man nach dem Volksglauben gesund und ist das ganze Jahr vor Geldmangel geschützt. Am Gründonnerstage gelegte Eier gab man den Dienstleuten, damit sie bester heben und tragen konnten. Sie hießen Antlaßeier, weil man im Abendmahl Vergebung der Sünden hatte. Der Genuß solcher Eier sollte auch Bruch schützen. Ebenso sollte man alle in der Gemeinde vorhandenen Hexen erkennen wenn man sich mit einem solchen Ei in der Tasche auf einen^Kreuzg stellte oder wenn man in der Kirche bei Sonnenschein durch dasselb« hindurch sah. „ .

* Di« Osterferien. Ein „kritischer Tag er,ter Ordnung in des Wortes vollster Bedeutung ist für viele jugendliche Menschen­kinder der Tag, an dem es in die Osterferien geht. Entscheidet sich doch an diesem Tage gar oft die Frage, was nun werden soll und welchen Lebensweg der hoffnungsvolle Sprößling der Familie in Zukunft einschlagen soll. Wenn das Ziel erreicht ist und die Versetzung eintritt, gehts noch; aber oft kommt es auch anders. Doch nur nicht den Mut verlieren, was nicht ist, kann noch werden. Für diejenigen, welche die Schule verlaffen, um hinauszutretev auf den dornigen Weg des Lebens, sind diese Tage von besondere, Bedeutung. Wohlan, junge Schar, ein Ende nahm das leW« Spiel; es naht der Ernst des Lebens! Glück auf zu froher Wan­derschaft und gutem Gelingen!

* Brotabschlag. Der Brotpreis hat sich, wie die Bäckerinnung mitteilt, ermäßigt.

* Die Easmeffermiete ist gesetzlich. Durch einige Blätter ging in letzter Zeit eine Notiz, nach der die Erhebung, von Sasmesie^ miete auf Grund eines Beschlusses des Elmenhorster Amtier cht, ungesetzlich sei. Diese Mitteilung war dem „Berliner Tageblatt entnommen. Genauere Ermittelungen haben- nunmehergebe^ daß dieses Erkenntnis des Delmenhorster Amtsgerichts vom L Fe­bruar 1902 stammt, von irgend jemand jetzt ausgegraben und als neu herausgegeben worden ist, ferner aber auch, daß die An­gelegenheit noch in demselben Jahre vor dem Landgericht Olden- bürg ausgefochten und zugunsten der Gasanstalt entschieden ist, daß der Beklagte zur Zahlung der Gasmessermiete «nd der Prozch- kosten verurtettt wurde. ,,