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und den Beilagen:Nach Feierabend".Fürs Laus" und ^Landwirtichaftliche Beilage-.

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DieOberhefsijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2- m frei ins Haus. Druck der Univ.-Vuchdruckerei I. A. Koch (^nh.: Dr. L. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Donnerstag, 1. März

Der AnzeigeNj>reis beträgt für die 7gespalten« Zeil« oder deren Raum 15 bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

48. Jahrg.

1913.

Blatt.

deutschen Allgemeinen Zeitung" ausgeführt worden." Die Zuverficht der Schwierigkeiten in Europa Herr zu werden, habe noch eine beson­dere Stärkung durch die von Europa dankbar begrüßte Vereinbarung erfahren, welche Oesterreich-Ungarn und Rußland soeben über die Reduk­tion ihrer militärischen Maßnahmen getroffen haben.

Der §tprenfriei).

Zn einem interessanten besonderen Artikel beschäftigt sich dieKöln. Ztg." ob offiziös wird nicht gesagt mit der Begründung der. Militärvorlage. Das Blatt meint, die orientalischen Ereignisse hatten Europa an den Rand des Krieges geführt und gezeigt, daß nur der Starke Geltung hat in der Welt. Die Folgerung daraus sind neue Milliardenausgaben für die militärische Rüstung, in Frankreich auger- dem die Rückkehr zur dreijährigen Dienstpflic' der Fahne. Bei uns soll die Milliarde einmaliger Ausgaben u.e lausenden sollen an 200 Millionen betragen durch eine einmalige Auflage auf das Ver­mögen gedeckt werden. Der Gedanke ist, so verblüffend er im ersten Augenblick wirkte und so wenig er in das Konzept der Finanztheme- tiker hineinpaßte, im Volke mit einer an Begeisterung grenzenden Be­reitwilligkeit ausgenommen worden. Diese allgemeine und opfermütige Anerkennung, daß auch der Besitz verpflichtet, kann mit vielen uner« freulichkeiten unseres öffentlichen Lebens versöhnen. Diese Opferwillig- keit führt das Blatt vor allem darauf zurück, daß das Volk in allen seinen Schichten heute erkannt habe, daß die Politik Frankreichs und Englands in den letzten Jahren gegen uns gerichtet war. Es werde daher der Regierung nicht schwer werden, die Notwendigkeit der neuen Vorlage zu begründen, wenn sie nur klar und deutlich und ohne Ver­schleierung auf die Seite hinweist, von der uns die Gefahr droht und out her sie alle Welt empfindet. auf Frankreich. Wir unterschätzen die Momente nicht, die aus der Neuordnung am Balkan erstehen, aber wenn man Opfer fordert, wie es jetzt geschieht, so müsien, meinen wir, Mann und Pferd genannt werden, muß der Finger deutlich dahin zeigen, von wo uns die nächste Gefahr droht, und das ist Frankreich.

Nie ist das Verhältnis zu Frankreich '0 schlecht gewesen, nie hat sich dort der Rachegedanke so unverhüllt gezeigt, und nie ist es so offenbar geworden, daß man in Frankreich die russische Bundeshilfe, die englische Freundschaft nur zu dem Zweck beansprucht, Elsaß-Lothringen zurück- zuerobern.Das ist offenkundig, daß selbst dieTimes", ein sicherlich nicht durch Liebe zu uns geblendeter Beurteiler es in diesen Tagen für nötig gehalten hat, diese den Frieden gefährdende französische Revanchelust vor aller Welt zu kennzeichnen. An welcher Ecke daher die Welt auch Feuer fangen mag; wir, das ist ganz sicher, werden mit den Franzosen die Klinge zu kreuzen haben." Das werde aber sofort geschehen, sobald die Franzosen glauben, mit Hilfe Rußlands und Eng­lands Sieger gegen uns bleiben zu können. Mit Recht habe Prof. Schiemann in derKreuzzig." schon darauf hingewiesen, daß die rusiisch- französische Allianz sich ausdrücklich gegen uns richtet. Und zwar so, "daß sie die Franzosen nach Berlin und zur Gewinnung der 1870 verlore­nen Gebiete führen soll, die Rusien über Berlin nach Wien, zurBe­freiung" der österreichischen Slawen.

Inzwischen geschieht alles, um das Volk auf den großen Moment vorzubereiten, um die Stimmung zu erzeugen, die es einer kleinen, aber kühnen und leidenschaftlichen Minderheit leicht macht, ein ganzes Volk samt allen Bedenklichkeiten mit fich fortzureißen. Und noch nie ist in Frankreich so ohne Scham und Rückficht gegen Deutschland gehetzt wor­den wie jetzt. Selbst ein Blatt wie der Temps, der uns Deutsche nie mit seiner Zuneigung belästigt hat, aber doch Wert darauf legte, sich den Ruf vornehmer journalistischer Reserve zu erhalten, hat die Maske fallen lasten und beschimpft Deutschland und die Deutschen um die Wette mit den Chauvins und Patrioten vom Schlage Seroulebes. So wird der Boden vorbereitet, um ihn für die dreijährige Dienstzeit bei der Waffe und die Ausdehnung der Dienstpflicht von 25 auf 28 Jahre auf­nahmefähig zu machen. Sind die neuen Vorlagen erst bewilligt, dann setzen in der France Militaire und anderwärts die schriftstellernden Generale ein, die Herren Bramarbas und Archipret, die dem Volke den blauen Dunst von der französischen Gloire vormachen, wie man es jetzt so herrlich weit gebracht habe, daß man den Waffengang mit den Prustiens wagen könne. Wenn man dann der Unterstützung der Freunde" nur halbwegs sicher ist und jene Gelegenheit loszuschlagen sich bietet, bann werden wir den Krieg mit Frankreich haben, wenn wir nicht den Eloirepredigern gründlich das Konzept verderben und unsere Rüstung so stark machen, daß sie keinen Glauben finden mit der Behaup­tung, das französische Heer sei dem deutschen überlegen. Das ist das ein­zige, was wir zur Erhaltung des Friedens tun können, denn hier liegt die Gefahr und auch Bismarck hat es ein um das andere Mal ausge­sprochen, daß die Franzosen Krieg anfangen werben, fobalb sie glauben, siegen zu können. Unb noch eins könnten und sollten wir tun, unb auch bas wäre gut bismarckisch. Wir sollten bie Gründe für unsere Heeresvermehrung nicht allzu weit herholen, sondern ,fie dort aufnehmen, w0 sie für jedermann sichtbar auf der Straße liegen: wir sollten deutlich nach Westen wei­fen; den Finger drauf, denn dort sitzt der Stören­fried in Frankreich."

Es ist natürlich, daß dieser Artikel großes Aufsehen erregen mußte, besonders in Frankreich, wo er die heftigsten Angriffe gegen die deutsche Preste und gegen Deutschland überhaupt hervorgerufen hat. Die Blät­ter bemühen sich, nachzuweisen, daß die Rüstungen Deutschlands in den letzten Jahren größere seien, als die der anderen Länder. So sagt der Matin" Deutschland sei dasjenige Land, das seit 30 Jahren seine Armee prozentual am meisten erhöht habe. Was die Erhöhung bet Friedens- Präsenz unb bet erforderlichen Ausgaben anlangt, so steht Frankreich erst an vierter Stelle. Ferner sei bet Unterschied in der Erhöhung der Truppen-Anzahl in Oesterreich-Ungarn und Italien gegenüber Frank­reich geringer als der Unterschied zwischen Frankreich und Deutschland. Schließlich weisen die französischen Militär-Ausgaben seit 1883 die geringste prozentuale Erhöhung auf gegenüber den Anwendungen der anderen Staaten Europas. Di«Autorite" sagt: Die öffentliche Mei- nung in Frankreich ist auf dem Siedepunkt angelangt und wenn ein ähn­licher Zwischenfall wie seinerzeit bei Agadir sich ereignete, so könnte bas Aenßerste postieren, wofür Frankreich die Konsequenzen nicht zu tragen hätte. Der französische Kriegsminister erklärte in der Kom­mission für bie Beratung des Gesetzes über die dreijährige Dienstzeit, baß Frankreich infolge der durch den Balkankrieg geschaffenen unsicheren Lage und infolge der durch die projektierte Erhöhung der Effektivstärke Deutschlands zu diesem Schritt gezwungen worden sei. Frankreich sei burchans friedlich gesinnt, könne aber nicht gegenüber anderen Staaten P>rückbleib«n. $

Veranlaßt durch den Alarm, den der Arttkel erregt hat, sieht sich die Rordd. Allg. Ztg." veranlaßt, diesen als nicht offiziös besonders zu be- jtzeichnen.Wie die amtlichen deutschen Stellen, welche diesem Attikel gänzlich fernstehen, die Situation beurteilen, ist wiederholt in betNord­

Das Blatt schreibt weiter:Wenn in den erwähnten Artikeln andererseits die geplante deutsche Heeresverstärkung mit einer angeb­lichen Verschlechterung der Beziehungen Deutschlands mit dem einem oder anderen Nachbar motiviert wird, die zu einem kriegerischen Äonflttt dränge, so sind derartige Ausführungen auf das Entschiedenste zurückzu­weisen. Daß die gesamten europäischen Machtverhältniste durch die Vor­gänge auf dem Balkan eine Verschiebung erlitten haben, von der mittel­bar auch Deutschland berührt wird, ist einem Jeden einleuchtende Tat­sache. Solange der ewige Weltfriede noch nicht garantiert ist, muß Deutschland damit rechnen, daß es in einem Kriege genötigt sein kann, seine weitgestreckten Grenzen nach mehreren Seiten zu vetteidigen, unb baß es dereinst um seine Existenz ringen wird. Für eine solche Eventuali­tät, bie Deutschland gegen seinen Willen aufgenötigt werben kann, soll bie neue Werbvorlage Vorkehrung treffen, indem sie in Ausführung bet allgemeinen Wehrpflicht bie militärtaugliche, aber bisher freigelastene junge Mannschaft zum Dienst mit der Waffe heranzieht. Kein Deutscher wird die Verantwortung auf sich nehmen wollen, daß in einem Kampfe, der uns aufgenötigt werden sollte, nicht alle Wehrfähigen als Soldaten zur Verteidigung von Haus und Herd bereitstehen. Diese Ueberzeugung, daß es unsere Pflicht ist, hierfür Vorsorge zu treffen, ist so sehr Gemein­gut des ganzen Volkes, daß sie durch die jede Grundlagen entbehrenden Kriegstreibereien nur entstellt werden kann.

Indem wir dies nachdrücklich betonen, müsten wir gleichzeittg gegen die maßlose Sprache Front machen, mit der in einigen französischen Zei­tungen unsere Heeresvorlqge als eine Herausforderung unb Drohung gegen Frankreich hinzustellen versucht wird. Unserer nationalen Würde entspricht es, solchen Hetzereien entgegen zu treten, aber kaltblütig und ohne Stimmungsausbrllche, die im Znlande und Auslande Mißverständ- niste Hervorrufen unb bie auf Bewahrung bes Friedens unter den Groß­mächten gerichtete Haltung unserer Politik verdunkeln."

Politische Umschau.

Die österreichisch-russtsch« Demobilisierung.

SB i en, 11. März. Zu dem Kommunique in betreff der Ent­lastung der Reservisten an der österreichisch-russischen Grenze schreibt basFremdenblatt" an leitender Stelle: Nicht nur in Oesterreich und Rußland, sondern auch im übrigen Europa wird man das Ergebnis des heutigen Tages als eine Erleichterung in der politischen Situation und als eine Bestärkung der Hoffnungen be­werten, von denen wir alle von Herzen wünschen, daß ste fich er- fiilten mögen. Man wird an diesem Tag vor allem das Bedürfnis haben, der beiden Souveräne zu gedenken, aus deren hochherziger Gesinnung die entlastenden militärischen Beifügungen hervorge­gangen sind. Der Gedankenaustausch zwischen den Monarchen, als besten Ergebnis die Entscheidung in betreff der Entlastung der Reservisten anzusehen ist, hat vor aller Welt den Fortbestand tra­ditioneller Beziehungen zwischen den beiden Dynastien bekräftigt und ein neues Zeugnis für das freundschaftliche Verhältnis ge­liefert, in welchem die Souveräne zu einander stehen und besten kostbares Unterpfand sie stets in der gleichen Fürsorge für den europäischen Frieden erblickt haben. Die Rückgängigmachung der Grenzrnaßnahmen hat aber selbstverständlich nicht nur dynastische, sondern auch politische Bedeutung. Wir erblicken sie darin, daß durch die in Rede stehenden Verfügungen zweifellos ein Zeichen des Vertrauens zu sinngefälligem Ausdruck gelangt, welches die beiden Mächte einander geben wollten und das Ergebnis erscheint hinsichtlich des weiteren Verlaufes der politischen Krise günstigere Erwartungen zu begründen. Der Rückschlag, den der Balkankrieg auf das Verhältnis zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland aus» geübt haben mag, ist nicht durch reale Gegensätze zu erklären. Es geht dies ganz deutlich aus den Prinzipien hervor, die für uns während dieses so schweren und unsere Interessen so nahe berüh­renden Kriegs maßgebend gewesen find unb die fich als ein direkter Ausfluß aus unserem Jahrzehnte alten Orientprogramm ergeben haben. Unsere geschichtliche Orientpolitik hat immer den wahren Vorteil der Monarchie in der Förderung der vollen Unabhängig­keit der Balkanstaaten erblickt und stets ein freundnachbarliches Verhältnis mit ihnen angestrebt. Diese Erkenntnis hat sich, wie in der Vergangenheit, so auch mit besonders deutlicher Ausprüfung während der Krise betätigt. Durch getreue und konsequente An­wendung ihres Programms in den letzten Monaten hat die Mon­archie in den geschichtlich entscheidenden Tatsachen Beweise für die Aufrichtigkeit ihrer Politik, die nicht auf Eroberungen ausgeht, geliefert. Die gleichzeitige Abrüstung an den Grenzen wird man als ein gutes Zeichen dafür nehmen dürfen, daß sich diese Politik nunmehr auch in Petersburg die ihr gebührende Anerkennung er­rungen und daß sich auch im russischen Volke eine Auffassung durch­gesetzt habe, die in dem Ergebnis des Balkankrieges erfreulicher Weifebte Möglichkeit erkennt, die einzigen Quellen des Zwistes zwischen Wien und Petersburg endgiltig zu verschütten. Roch ist die Krise, die uns seit Monaten in ihrem Banne hält, nicht gelöst, wir wollen aber hoffen, daß mit dem heutigen Tage ein Markstein auf dem Wege ihrer Entwirrung errichtet worden ist.

Englisch« Beruhigungsworte.

Nachdem bereits der Ministerpräsident Asquith im englischen llnterhause es als unwahr bezeichnet hatte, daß sich die englische Regierung verpflichtet habe, im Falle eines Kriegs auf dem Kon­tinent ein Truppenkontingent zu stellen, bringt nun auch die offiziöseWestminster Gazette" beruhigende Ausführungen. Sie schreibt:Einige deutsche Blätter sagen, daß die Schlüsiel der Situation in britischen Händen lägen. Das ist vielleicht ein zu großes Kompliment für uns, aber wir können nachdrücklich be­tonen, daß, ch>weit wir Einfluß besitzen, wir ihn rückhaltlos gebrau­chen werden, um der wahnsinnigen Idee eines Präventivkrieges

zu steuern. Wenn Frankreich wirklich eine europäische Verschwö- rung gegen Deutschland ausheckte, die unsere und Rußlands Zu­stimmung bedürfte, für einen Krieg, von dem General Bernhardt geträumt, so können wir die absolute Versicherung abgeben, daß wir keinerlei Anteil daran nehmen würden. Wir freuen uns, die Franzosen als unseren Freund betrachten zu können, aber wenn unsere Freunde eines solchen Wahnsinns fähig wären, wäre es unsere Freundespflicht, sie zurückzuhalten und nicht aufzuhetzen. Natürlich halten wir diese ganze Panik für grundlos. Aber die Verhältnifie in Europa find so, daß wir nichts tun dürfen, was falsche Besorgnisse oder falsche Erwartungen erwecken könnte, son­dern müsien unermüdlich und unentwegt für die Entspannung zwischen Triple-Entente und Dreibund wirken, die heute Europa am meisten Not tut und deren Durchführung die stärkste Sicherheit für den Frieden sein würde."

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Deutsches Reich.

Teltow-Beeskow. Der Kandidat der Konservativen, der Eisenbahnsekretär Haseloff, ist am Mittwoch mit 612 Stimmen ge­gen 455 Stimmen, die die Freisinnigen für ihren Kandidaten, den früheren Pfarrer Traub, aufbrachten, in der durch den Tod des bisherigen Abgeordneten Felisch notwendig gewordenen Ersatz­wahl gleich im ersten Wahlgange gewählt worden. Bei der letzten Landtagswahl im Zahre 1908 hatten die Konservativen im ersten Wahlgange 618, die Liberalen 482 und die Sozialdemokraten 402 Stimmen aufgebracht, und in der Stichwahl siegten die Konserva- tiven mit 612 Stimmen über die Liberalen, die 481 Stimmen er­zielten. Die Sozialdemokraten enthielten fich damals der Ab­stimmung, weil der Freisinn fich nicht dazu verstehen wollte, ihnen eines von den beiden Mandaten des Wahlkreises zu überlasten, und fie haben fich auch jetzt der Abstimmung enthalten, weil dir Freisinnigen die sozialdemokratischen Bedingungen für ein Zusam­mengehen bei den bevorstehenden allgemeinen Wahlen abgelehnt haben.Strafe muß sein", erklärte derVorwärts", und die so­zialdemokratische Parteileitung blieb tankst allen Bitten gegenüber. Die Konservattven haben ihre Etimmenzahl von 1908 gewahrt, der Freisinn aber hat 27 Stimmen eingebüßt. Für die Erklärung dieses Verlustes gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder find die dem Freifinn verlorenen Stimmen inzwischen zur Sozialdemo­kratie abmarschiett, oder die Nationalliberalen find durch die freisinnige Bettelei um die Gunst der Sozialdemokratie und die freisinnige Agitationsmethode so angewidett worden, daß sie am Mittwoch zum Teil wenigstens zu Hause blieben. Beide Er­klärungsweisen sind für den Freisinn gleich unangenehm. Der Ausgang der Wahl in Teltow-Beeskow-Storkow hat wieder ein­mal gezeigt, was der Freisinn ist ohne die Hilfe der Sozial­demokratie.

Ein Vorparlament? DieN. Gesellsch. Äon. schreibt: Außergewöhnliche Maßnahmen rechtfertigen außergewöhnlich« Mittel. So wird denn auch die Heeresvorlage mit allem Drum und Dran gewissermaßen einem Parlament, nämlich den Ver­tretern der bürgerlichen Parteien im Reichstage, unterbreitet werden. Dieser kleine Konvent von kaum einem halben Dutzend Parlamentariern wird streng vertraulich auch in den par­lamentarischen Osterferien über alle Phasen des ThemasHeeres­vorlage und Deckung" auf dem Laufenden erhalten werden. Nötigenfalls werden die Herren, die vom Vertrauen ihrer Fraktionsfreunde getragen dazu ausersehen sind, also auch in der Ferienzeit nach Berlin berufen werden. Nicht alle bürger­lichen Parteien find an diesen Konferenzen beteiligt. Die Polen, die in ihrer fanatischen Abneigung gegen die preußische Regierung zu keiner Verständigung bereit find, sind nicht geladen. Auch di« Elsäsier und die Welfen fehlen. Dafür ist die kleine, aber nicht be­deutungslose Reichspartei mit Recht vertreten. Selbstverständlich find die Sozialdemokraten nicht dabei. Ehe die Vorlagen amtlich an den Reichstag geten und in das Licht der Oeffentlichkeit treten, werden ste noch einmal diesemVorparlament" vorgelegt werden, damit Widerstände aus den bürgerlichen Kreisen nach Möglichkeit abgeschliffen werden. Man nimmt in parlamentarischen Kreisen an, daß die Gesetzentwürfe nicht schon im März, sondern erst An­fang April dem Reichstag zugehen werden."

Die untere Grenze für die Vermögensabgabe. Köln, 12. März. DerKöln. Zig." zufolge verlautet zuverlässig, daß als untere Grenze für die Vermögensabgabe 10 000 Ä vorgesehen sind.

Ein Protest Friedrich Naumanns. Friedrich Naumann ist aus dem Herausgeberkollegium derSüddeutschen Monatshefte­ausgetreten, weil ein Stuffa«, von Robert Pöhlmann, dem Mün­chener Ordinarius für alte Geschichte, unter dem TitelFreier Volksstaat und Kulturstaat" das demokratische Wahlrecht bekämpft hat. Naumann lehnt es ab, angesichts des Kampfes um die preu­ßische Wahlreform als Herausgeber diesen Artikel zu decken. Er bleibt jedoch Mitarbeiter.

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Ausland.

- Das Befinden des Papstes. Rom, 12. März.Corriere d'Jtalia" schreibt: Gestern abend und in der Nacht hatte der Papst eine leichte Erhöhung der Fiebertemperatur, die jedoch des mor­gens vollständig verschwand. Es handelt sich um eine ganz normale Erscheinung. Unzählige Depeschen mit guten Wünschen für den Papst laufen jeden Tag ein. Der Papst bewahrt seine heitere Stimmung und wird in wenigen Tagen völlig wiederhergestellt fein.

** Uebeefoa aus den italienischen Marineminister. Rom, 12. März. Der Marineminister wurde heute vormittag auf dem Wege zum Ministerium von dem inaktiven Kontreadmiral Eozo über­fallen, der ihm, ohne ein Wort zu sprechen, einen Faustschlag zu