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MchW IMlig nitt oem KreisbLatl für die Kreise Marbmg und Kirchhain und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" und -Landwirtschaftliche Beilage-.

Jls. 60

| DieOberhejsifche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2, M frei ins Haus. Druck der Unio.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Mittwo», 12 März

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeil« oder deren Raum 15 bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 A für Reklamen di« Zeile 60 A- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Zeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Zahlungen unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

48.3-hrg,

1913.

Erstes Blatt.

Minister Asquith zur Lage.

Zm englischen llnterhause hielt Asquith eine Rede über die inter­nationale Lage. Er führte u. a. aus: Die Großmächte sahen sich bei dem Ausbruch des Krieges gezwungen, dazu Stellung zu nehmen. So weit der Krieg nicht den Status quo berührte, waren die Mächte nicht direkt daran interessiert. Die Beratungen der Botschafter in London unter Greys Vorsitz waren in der Hauptsache, wenn nicht ausschließlich, auf diese Erwägungen gerichtet. Ich freue mich, sagen zu können, daß als Resultat dieser Beratungen die allerdings noch nicht das Endstadium er­reicht haben, eine Verständigung über 2 der wichtigsten Punkte erzielt worden ist. Nämlich hinsichtlich des adriatischen Küstengebietes und des wirtschaftlichen Zugangs dazu durch die internationale Eisenbahn sür Serbien sowie hinsichtlich der Begrenzung des autonomen Albaniens unter europäischer Garantie. Die in den erledigten Punkten erzielte Verständigung ist von einer Verständigung über alle Punkte abhängig. Aber es bleiben nur wenige Punkte noch übrig. Ich komme nunmehr zu einer anderen Seite der Frage. Die türkische Regierung erklärte sich damit einverstanden, die Mediation der sechs Mächte anzunehmen. Wir erwarten jetzt die Antwort der verbündeten Mächte. Ich hege die zuver­sichtliche Hoffnung, daß die verbündeten Mächte bereit sein werden, zuzu­stimmen. Eine weitere Angelegenheit, die in einem verhältnismäßig späten Stadium der Verhandlungen in akuter Form in die Erscheinung getreten ist, betrifft die Lage und die Ansprüche Rumäniens und Bul­gariens. Ich freue mich, sagen zu können, daß beide Staaten im Be­griffe sind, sich über die Annahme der Mediation der Mächte zur Besei- trgung der zwischen ihnen schwebenden Streitpunkte schlüssig zu werden. Die Rolle der britischen Negierung in allen diesen Angelegenheiten von Anfang bis jetzt, zum Frieden und zu einer Verständigung beizutragen, wird auch ferner dieselbe bleiben. Die Gruppierung der Mächte ist un­verändert geblieben. Die Beziehungen zwischen den Mächtegruppen selbst ist zusehends herzlicher geworden. Die Mächte, deren Jnteresicn durch die Veränderungen im nahen Osten weniger unmittelbar berührt werden, haben ernst zusammengearbeitet, um einen Weg der Verständi­gung für alle zu finden. Das ist ein hervorstechender und ein sehr ange­nehmer Zug der jüngsten Geschichte der Politik gewesen. In dieser An­gelegenheit haben wir in dem einmütigen Wunsche mit Deutschland zu- sammengearbeitet. (Beifall.) Dieses Zusammenarbeiten hat nicht nur den Weg der Diplomaten angenehmer gestaltet, sondern es hat, das ist unsere feste Ueberzeugung, auch gegenseitiges Vertrauen hervorgerufen, das zwischen den beiden großen Mächtegruppen andauern wird. (Beifall.)

Rach der Rede des Premierministers ergriff Hugh Cecil das Wort und erklärte, es komme ihm so vor, als ob, wenn die umlaufenden Ge­rüchts wahr seien, die auswärtige Politik Englands wenn nicht aggressiv so doch abenteuerlich sei. Es sei ein allgemein geglaubtes Gerücht, daß England unter bestimmten Umständen unter einer Verpflichtung, wenn auch nicht vertraglicher Art, stehe, eine bedeutende bewaff­nete Macht zur Vornahme von Operationen nach Europa zu entsenden. Asquith unterbrach hier den Redner enb erklärt«:Zch möchte sogleich bemerken, daß dies nicht wahr ist." Diese wichtig« Erklärung sowie die Rede des englischen Premierministers werden in einer offiziösen Auslassung derKöln. Zig." äußerst günstig ausgenommen. Das genannte Blatt schreibt dazu:Wir unterschrei­ben vollkommen, was der Minister über die Entspannung zwischen den beiden europäischen Mächtegruppen bemerkt und stimmen damit über­ein, was er über das Zusammengehen Deutschlands und Englands in der Orientfrage sagt. Asquiths Aeußerungen lassen erkennen, daß man überall überzeugt ist, daß ein praktisches, deutsch-englisches Zusammen­gehen möglich ist, ohne die anderweiten Verpflichtungen der beiden Staaten gegenüber den anderen Großmächten zu beeinflussen. Mit großer Dankbarkeit nehmen wir die Feststellung Asquiths entgegen, daß Eng­land sich nicht verpflichtet habe, unter gewissen Umständen eine be­waffnete Macht nach dem Kontinent zu entsenden." Auch in der eng­lischen Presse läßt sich die beruhigende Wirkung der Asquith'schen Rede erkennen. So schreiben dieTimes" u. a.:Herr Asquith verlieh nur bett Empfindungen der Nation Ausdruck, wenn er von neuem die Be­ständigkeit der Haltung Englands gegenüber der Tripleentente betonte, aber er konnte nicht mit der Befriedigung auf die besseren Beziehungen zu den Mächtegruppen Hinweisen, welche ihre gemeinsame Tätigkeit in letzter Zeit herbeigeführt hat. Es war nie das Ziel der britischen Staatskunst, ein anderes Ergebnis zu fördern, und wir können daher mit besonderer Genugtuung eine Entwicklung betrachten, die ohne die Mächtegruppen selbst irgendwie zu beeinträchtigen, dazu geführt hat, Mtßver.tandnisse zwischen England und seinem stärksten Konkurrenten zu beseitigen." -Daily Chronicle" aber schreibt u. a.: .Unsere Be­ziehungen zu dem Zweibund sind nicht die eines Verbündeten, aber sie enthalten unzweifelhaft diplomatische Verpflichtungen, die uns unter gewissen Voraussetzungen in einen Krieg verwickeln könnten. Es ist richtig, daß weder wir noch unsere Freunde uns über die wahren Grenzen unserer militärischen Hilssquellen über das Maß dessen, was klug und ausführbar ist, in Anspruch nehmen. Im Zahle 1911 waren wir nicht sehr weit davon entfernt, uns zu binden hoffen wir, daß es nicht ewieder geschehen wird.

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Politische Umschau.

Sin Eisenbahnanleihegeseh.

Dem ALgeordnetenhause ist der Entwurf eines Eisenbahn- anleihegesetzes zugegangen. Darin sind vorgesehen zur Herstellung von Eisenbahnen und zwar zum Bau von Haupteisenbahnen, Rebeneisenbahnen und zur Beschaffung von Fahrzeugen infolge des Baues dieser Eisenbahnen 134 075 000 M, zur Herstellung von -weiten und weiteren Geleisen auf verschiedenen Strecken 109 979 000 cM., für Bauausführungen 100 966 000 JH, zur Be­schaffung von Fahrzeugen für bestehende Staatsbahnen 190 000 000 und zur weiteren Förderung des Baues von Kleinbahnen f 500 000 «M., insgesamt 542 520 009 X Zn der Budgetkommission fres Abgeordnetenhauses erklärte der Minister bezüglich der An- keihen auf eine Anfrage: Die Geldknappheit infolge der Hoch­konjunktur und der politischen Situation. verzögerte die Aus­bringung. Nachdem die Sachlage sich etwas geklärt habe, hätten me Anleihen ausgebracht werden müssen, weil erhebliche Bauten, He aus Anleihen zu bestreiten seien, Mittel erfordert hätten und

200 Millionen Mark Schatzanweisungen rückzahlbar seien. Selbst­verständlich Jeien auch ohne die Anleihen ausreichende Betriebs­mittel vorhanden, für die ein Fonds von 133 Millionen Mark da sei. Auf die aufgelegten 150 Millionen Konsols seien 225 Mil­lionen hauptsächlich für das Staatsschuldbuch gezeichnet, dagegen seien 400 Millionen Mark der aufgelegten Schatzanweisungen noch nicht ganz vollgezeichnet. Es sei also mehr Vorliebe für Konsojs als für die nach 4 Zähren mit gleicher Summe rückzahlbaren Schatzanweisungen vorhanden.

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Deutsches Reich.

Die Verstärkung unserer Luftflotte. Der Na. tat für die Luftflotte, der 20 Millionen fordert, soll, wie eine Berliner Korrespondenz hört, nicht einzelne Luftschiffe und Flugzeuge ver­langen, sondern es der Heeresverwaltung überlassen, die Mittel im Eesamtinteresse des Flugwesens zu verwenden. Eine Er­höhung des Personals der Luftfchfiferabteilungen ist nicht darin enthalten, sondern wird in der Militärvorlage gefordert. Es be­steht die Absicht, von den 20 Millionen 10 Lenkluftschiffe starren Systems zu bauen, sowie den Bau von Parsevalluftschiffen zu för­dern, weshalb jedoch andere Systeme, soweit sie sich für Heeres- zwecke eignen, nicht ausgeschlossen sein sollen. Auch der Bau von U-Schiffen ist nicht eingestellt worden. Man will die Erfahrungen mit dem im Umbau befindlichenM 4" abwarten. Bereits Mitte Zuni d. I. sollen fünf neue Luftschiffe der Luftflotte eingereiht werden, außer demZ 1 undZ 2 zwei neue Zeppelinluftschiffe, ein Schütte-Lanz, ein L-Schiff und ein neues Ll-Schiff. Ins­gesamt werden also Mitte des Jahres 11 vollwertige Luftschiffe zur Verfügung stehen. Der Nachtragsetat ermöglicht dann einen weiteren, schnelleren Ausbau.

Pfarrer Zatho f- Köln, 11. März. Heute abend kurz nach 7 Uhr verstarb im evangelischen Krankenhaus in Lindental Pfarrer Zatho an den Folgen der Blutvergiftung, die er sich zu­gezogen hatte.

Sozialdemokratie und Eid. Frankfurt a. M., 11. März. Der neue sozialdemokratische Stadtrat Benno Schmidt ist bereits in sein Amt eingeführt und vereidigt worden. Ueber die Eides­leistung schreibt die sozialdemokratischeFranks. Volksstimme": Auf vielen Gesichtern konnte man ein heimliches Lachen beob­achten, als unser braver Benno dem Oberbürgermeister die Worte nachsprach: Ich schwöre zu Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, daß ich Sr. Majestät dem König von Preußen, meinem aller- gnädigsten Herrn, treu und gehorsam sein werde usw." Diese sozialdemokratische Auffassung des Eides fei hiermit festgestellt.

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Ausland.

* * Das Befinden des Papstes. Rom, 11. März. DemCor- riere d'Ztalia" zufolge war das Befinden des Papstes nachts und morgens befriedigend, er sei fast völlig hergestellt. Die Aerzte hätten bei dem heutigen Morgenbesuche festgestellt, daß das Fieber verschwunden und der Katarrh und Husten erheblich abgenommen haben.

* * Unruhen. Paris, 11. März. Zn Aix-en-Provence veran­stalteten alle Arbeitergewerkschaften einen 24stündigen Gesamt­ausstand, um ihre Solidarität mit den feit zwei Monaten im Ausstand befindlichen Erdarbeitern und Maurern zu bekunden. Hierbei kam es zu großen Straßenkundgebungen und Ruhe­störungen. Die Streikenden zertrümmerten die Fenster des Polizeikommissariats mit Steinwürfen, sprengten mit einer Dynamitpatrone eine Bauhütte in die Lust und zertrümmerten in einer Vorstadt mittels Pulvers das Gleis der Trambahn Aix- Marseille.

* * Explosion an Bord. Cherbourg, 11. März. Auf dem UnterseebooteFoucault" ereignete sich die Explosion eines Mo­tors, nachdem zwei Stunden alles gut funktioniert hatte. Sieben Leute wurden verletzt, darunter zwei schwer. Das Unterseeboot kehrte nach Cherbourg zurück.

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Marburg und Umgegend.

Nachdruck aller Orglnalarttkel ist g«m8ß tz 18 des Urheberrechts nur mit der deullichen QuellenangabeLbeiö-N Zig. gebattet )

Marburg, 12. März.

* Eregoriustag. Ein Kinderfesttag ist der heutige Eregorius- tag, wenigstens in einzelnen Gegenden unseres deutschen Vater­landes, wie beispielsweise im Herzogtum Koburg. Und das ist ganz natürlich, denn Eregorius ist der Schutzpatron der Schulen, und der Tag wurde seit dem neunten Jahrhundert zur Erinnerung an Papst Gregor den Großen gefeiert, der die erste Singschule ge­gründet haben soll. Von dem mancherlei Aberglauben, den unsere Altvordern mit dem Eregorius in Verbindung brachten, sei nur folgendes erwähnt: Zn der Nacht zum Eregoriustag treiben die Hexen ihr Unwesen; deshalb legte rn Mistgabel und Besen in- manchen Gegenden abends kreuzweise vor die Stalltür. Gräbt man vor Sonnenaufgang eine Eisenkrautwurzel aus, so zeigt einem diese verborgene Schätze an. Auch soll man die Kühe mit dem Tau der Eregoriusnacht einreiben, sie liefern dann mehr Milch. Legt man sich zu Eregorius an einem Teich auf den Bauch und sieht einen Fisch springen, so hat man das ganze Zahr hindurch Glück.

* Berleihung. Dem am 1. Zanuar in den Ruhestand getre­tenen Hofmeister Adam Battenfeld bei der hiesigen Landesheil- Anstalt wurde das Kreuz des Allgem. Ehrenzeichens verliehen.

* Zum ILgerjubiläum. Am vergangenen Sonntag tagte, rote man uns mitteilt, im Saale des Turnergarten« eine Vertreter­

Versammlung der bereits bestehenden Vereinigung ehemaliger llter Jäger, an der ungefähr 150 ehemalige Angehörige des Ba­taillons teilnahmen und zu der die Vertreter zum Teil von weit her gekommen waren. Die bis jetzt von der hiesigen Verewigung getroffenen Vorbereitungen zur Jahrhundertfeier fanden dchr Bei­fall der Versammlung, ebenso schlossen sich die auswärtigen Der« treter dem Anträge Marburgs über die Verwendung der Ehren­gabe an. Der zur Erhebung kommende Festbeitrag wurde von verschiedenen auswärtigen Vertretern für hoch befunden, und es wurde bemerkt, daß bei den Jubiläumsfeiern anderer Truppen­teile die Stadtverwaltungen namhafte Beträge dem F.'stfond zur Verfügung stellten und hierdurch es auch den minder bemittelten Kameraden ermöglichten, eine solche Feier mitzumachen. An­gesichts der großen Einnahmen, die das Fest den hiesigen Gewerbe­treibenden sicher bringen würde, sprach man den Wunsch aus, daß auch die hiesige Stadtverwaltung dem Beispiel anderer Städte folgen möchte. Da nach Angabe des Bataillonskommandos bereits jetzt schon 2000 Teilnehmer angemeldet sind, darf man wohl an­nehmen, daß etwa 3000 alte Jäger im August in unseren Mauern sein werden. Die Unterbringung derselben wird mit nicht ge­ringen Schwierigkeiten verbunden sein, doch h.sst man, daß die Marburger Bürgerschaft ihre schon so oft bezeugte Gastfreundschaft auch hier wieder betätigen wird; sorgt sie hierdurch doch am besten dafür, den guten Ruf Marburgs in immer weitere Kr.ise dringen zu lassen.

* Die Magistratswahlen. In unserer gestrigen Notiz sind durch ein Versehen die Namen durcheinander geraten. Die ge­nannten fünf Herren sind als Magistratsmitglieder teils zur Wieder-, teils zur Neuwahl vorgeschlagen. Für die Ersatzwahlen sind, wie es in der Notiz weiter heißt, die Stadtverordneten Prof. Dr. Maurmann und Volland in Vorschlag gebracht.

* Kurhesfifcher Verein für Luftfahrt (Sektion Marburg). In der letzten Mitglieder-Versammlung des Kurhcsfischen Vereins für Luftfahrt im Physikalischen Institut berichtete, wie man uns mit- teilt, Herr Oberleutnant Ferno über den Verlauf der Ballonfahrt mit Automobilverfolgung, die im letzten Herbst in Gemeinschaft mit dem Marburger Automobilklub unter allgemeinem Beifall veranstaltet wurde. Im Anschluß an die der Vallonverfolgung zugrunde liegend gedachte Kriegslage entwickelte der Redner so­dann in wohldurchdachter, fesselnder Rede die Aufgaben und die Verwendungsmöglichkeit der verschiedenen Luftfahrzeuge im Kriegsfälle. Obgleich der Freiballon für manche Zwecke, was Nachrichtenübermittlung, Erkundung und Bewegungsfreiheit an- belangt, vom lenkbaren Luftschiff und besonk dem modernsten Luftfahrzeuge, den Flugzeugen, überflügelt ist, so bleibt doch, so führte der Redner zum Schlüsse aus, dem Freiballon ein weites Feld der Tätigkeit offen, aus dem ihn die Motorfahrzeuge nie­mals zu verdrängen vermögen. Nach dem mit großem Beifall auf­genommenen Vortrage erstattete Herr Dr. Küpper Fahrtberichte von zwei wissenschaftlichen Fahrten von Düsseldorf aus nach Duis­burg und Würzburg, sowie die letzte Fahrt des Ballon Marburg über das industriereiche Siegerland und das Gebiet der schwarzen Wupper nach Düsseldorf. Nach einer Zwischenlandung bei llerdin« gen stieg Herr Dr. Küpper zur Alleinfahrt wieder auf, die vom Verbände zur Erwerbung des Ballonführerzeugnisses vorgeschrie­ben ist. Die Alleinfahrt endete unweit Geldern mit sehr glatter Landung. Endlich erstattete Herr Dr. Stuchtey Bericht über die Feier der Taufe des zweiten Vereinsballons in Cassel mit an­schließender Ballonverfolgung vonCassel" undMarburg", di« zum Siege der beiden Ballone führte. Marburg war bei der Taus- feier durch den Vortragenden und durch Professor Dr. Nicharz ver­treten. Reicher Beifall belohnte die Redner für ihre interessanten, durch zahlreiche hübsche Lichtbilder unterstützten Vorttäge.

* Das Kammergericht über Wildversand. Das Kammergcricht hat vor kurzem eine für Jägerkreise bemerkenswerte Entscheidung gefällt. Es hat entschieden, daß Wildversand während der Schon­zeit nicht unter die Bestimmungen der preußischen Jagdordirung über den Versand von Wild fällt, wenn der Eigentümer sich das vor der Schonzeit geschossene Wild durch einen Beauftragten wäh­rend der Schonzeit nachsenden läßt. Die preußische Jagdordnung hat durch das Verbot des Wildversandes während der Schonzeit jede Art des Vertriebes von Wild, auch das Verschenken, verhin­dern wollen. Unter diese Bestimmung fällt natürlich nicht das Nachsenden von Wild an den Eigentümer durch seinen eigenen Wildmeister. Diese Tätigkeit kann in keiner Weise alsVertrieb" von Wild angesehen werden.

Eisenbahnanleihegefetz. Der im Preußischen Abgeordnetenhaus« eingebrachte Entwurf des Eisenbahnanleihegesetzes sieht im einzelnen vor: 6110 000 <M für den Bau einer Nebenbahn von Haiger nach (Stiftern» Hain, 3 650 000 «M. für eine Nebenbahn von Stockhausen im Kreise Wetz­lar nach Beilstein, 1705 000 Jt zur Herstellung eines dritten und vierten Gleises auf der Strecke Haiger-Dillenburg, 917 000 M. für die Herstellung einer Verbindungsbahn bei Hanau-Ost, 318 000 M. für desgleichen bei Gießen, 550 000 zur Deckung der Mehrkosten der bereits genehmigten Eisenbahn Oberschäls nach Wallau (Biedenkopf), 8 694 000 M desgleichen für die Eisenbahn von Kreuzthal (Weidenau) nach Dillenburg.

* Die Hilfsexpedition für Schröder-Sirantz. Aus Straßburg wird unter dem gestrigen Datum gemeldet: Soeben traf bei Geheimrat Professor Hergefell hier von der Deutschen Wissenschaftlichen Station an der Groß-Bai eine telegraphische Nachricht ein, daß die von dem Leiter der genannten Station Dr. Wegener (aus Marburg) ins Leben gerufene Hilfsexpedition für Schröder-Strantz noch nicht zurückgekehtt ist. Auf der Station befinde sich sonst alles wohl. Dr. Wegener hat bekanntlich eine Hilfsexpedition mit Hilfe der an der Kings-Bai befind­lichen Fachleute und der Arbeitsmannschast eines englischen Unter­nehmers ins Leben gerufen und ist am 25. Februar nach dem Westfjord der Wigte-Bai abgegangen, wo die Hütte, in der Dr. Rüdiger zurück- , gelassen wurde, sich befindet. »