mtt Dem KreisLLatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend". „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
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Die „Oberhessijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2,— M. frei ins Haus. — Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. E. Hitzcrothl. Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Diensiall. 11. Mörz
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48. Jahrg,
1913
Watt.
Die Hitnderijahrfeier.
Aus vielen Städten liegen heute Meldungen vor über würdige Feiern zur Erinnerung an die Stiftung des Eisernen Kreuzes vor 100 Jahren. Besonderes Interesse verdienen die Festlichkeiten in Berlin und Breslau. Zn der Reichshauptstadt waren die Denkmäler Friedrich Wilhelms III. und der Königin Luise, das Freiheitsdenkmal auf dem Kreuzberg, das Denkmal Kaiser Wilhelms I. und die Denkmäler der Generäle aus den Freiheitskriegen festlich geschmückt. Die ersteren drei Denkmäler waren mit Ehrendoppelposten der Pasewalker Kürassiere, des Leib-Regiments Nr. 8 und des 2. Garde-Regiments besetzt. Der Kaiser Netz an den Denkmälern Kränze niederlegen, begab sich vor 8 Uhr in das Mausoleum und besuchte dann das Luisen-Denkmal im Tiergarten. Die städtischen Behörden Berlins hielten einen feierlichen Kirchgang vom Rathaufe zur Nikolai-Kirche ab. In den Earnisons- ktrchen.fanden um 10 Uhr Gottesdienste für die Garnison statt. Um 11 Uhr begann der feierliche Gottesdienst im Dom. Nach Beendigung des Festgottesdienstes formierten sich die Truppen des Gardekorps zum Parademarsch. In der Begleitung des Kaisers befanden sich der Kronprinz in Husarenuniform und die Prinzen August Wilhelm und Oskar, letzterer in der Uniform der Pasewalker Kürassiere. Die Kaiserin, die Kronprinzessin, die Prinzessin August Wilhelm und die Prinzessin Viktoria Luise sahen der Parade von den Schloßfenstern zu. Der Vorbeimarsch dauerte zwei Stunden.
Berlin, 10. März. Se. Majestät der Kaiser und König haben heute bei der Gedenkfeier am Denkmal ^''‘iig Friedrich Wilhelms III. im Lustgarten folgenden Tagesbefehl begannt gegeben: An mein Heer! Zum hundertsten Male kehren die Tage wieder, da Preußen sich anschickte fremdes Zoch abzuschütteln. Sieben Jahre hatte das Volk unter der eisernen Faust des Eroberers geseufzt. Keine Erniedrigung, auch die tiefste nicht — die Heeresfolge für den Feind — war ihm erspart geblieben. Aber diese harte Strafe kür vorangegangene Zeiten des Stillstandes und damit des Niederganges hat läuternd gewirkt. In voller Schärfe war das Bewußtsein erwacht, daß ehrlos der Preuße nicht zu leben vermag. Nachdem die Schäden in der Organisation beseitigt waren, brannte das Heer darauf zu zeigen, daß sein innerer Wert nicht erstorben war, daß noch der alte Geist in ihm lebte, der 50 Jahre zuvor einer Welt in Waffen getrotzt hatte. Da brach durch Gottes Fügung der Tag der Vergeltung und Reinigung von erlittener Schmach an. Preußens Aar regte seine Schwingen und stieg zur Sonne empor. Nach langem Bangen schlug die Stunde, da mein Ahnherr in den herzbewegenden Worten des Aufrufes „An mein Volk" den Krieg verkündete und die Landwehr aufbot. Zm glühenden Zorn gegen den Bedrücker folgte das Volk dem Rufe seines Königs. Hochauf loderte die Flamme der Begeisterung, ein unversiegbarer Strom von Opferfreudigkeit durchflutete die Lande. Glücklich, wer König und Vaterland sein Gut darbringen konnte, glücklich, wer unter den Fahnen sich selbst ihnen weihen durfte. Die Erinnerung an solche Treue und Hingebung heute nach 100 Jahren — dem Geburtstage der unvergeßlichen Königin — wieder wachzurufen, empfinde ich als heilige Pflicht. Nicht siegen oder sterben, sondern siegen schlechtweg, ist die Losung in dem heiligen Kampfe. Gott hat seine Waffen gesegnet. Von Großgoerschen über Großbeeren, über die Katzbach, über Kulm, Dennewitz, Wartenburg, Moeckern und Leipzig hat es seine Fahnen an den Rhein getragen und hinein in die Hauptstadt des Bedrückers. Sein Weltreich war niedergerungen. Mit nie «löschender Bewunderung gedenke ich der Helden jener Tage. Ich ge- chenke Scharnhorsts, der in voller Friedensarbeit den Grundstein zur Erhebung Preußens, zur allgemeinen Wehrpflicht gelegt hat. der selbst aber, eines der edelsten Opfer der Befreiungskriege, die Früchte seiner Aussaat nicht reifen sehen sollte. Ich gedenke der Führer des Heeres auf seiner Siegesbahn, Blücher, Porch Bülow, Eneisenau und so vieler anderer, deren Namen in Flammenschrift auf den Tafeln der Geschichte leuchten. Ich gedenke der ungezählten Opfer, die mit den Jubelrufen auf den Lippen für ihren König, für Ruhm und Ehre Vaterlandes das treue Gelübde mit dem Tod besiegelt haben. Ihr Gedächtnis wird Nicht verlöschen, solange Preußen besteht. Der Geist der Kriege des Befreiungskampfes lebte fort in Euren Vätern, als sie unter meinem erhabenen Großvater den Siegespreis erstritten. der jenen versagt geblieben war, die Wiedergeburt von Kaiser und Reich. Uns aber, dem jetzt lebenden Geschlecht rufen die Heldentaten ruhmreicher Vorfahren die ernste Mahnung zu, das Dichterwort zu beherzigen und wahr zu machen: „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!" Dann werden auch wir mit freudigem zuversichtlichem Herzen in den Kampf gehen, falls es einmal gelten sollte, das mit so teurem Blute Errungene zu wahren, Deutschlands Ehre zu schirmen gegen den, der pc anzutasten wagt. Dazu muß aber jeder an seiner Stelle dafür sorgen, daß die Armee ihre Devise nicht nur äußerlich, sondern vor allem im Herzen trägt: Gottesfurcht, Königstreue, Vaterlandsliebe in der Vollkommenheit, wie sie in den großen Zeiten bewiesen worden sind, müssen das Heer unüberwindlich machen. Der Sieg aber kommt von Gott. Darum gelte für uns jetzt und immerdar der Wahrspruch der Helden der Befreiungskriege: Gott mit uns!
Die Feier in Breslau.
In Breslau ist die Hundertjahrfeier ebenfalls besonders würdig »erlaufen. Die ganze Stadt hatte reichen Flaggenschmuck angelegt. Seit dem frühen Morgen durchströmten große Menschenmengen die Straßen. Prinz Eitel Friedrich traf morgens in Berslau ein und fuhr gegen Uhr ins Schloß. Vor den Denkmälern Friedrich Wilhelms III. tmd Blüchers, die reich geschmückt waren, standen Doppelposten. Kurz »or 10 Uhr fuhr der Prinz, vom Publikum mit brausenden Hurrahs begrüßt, am Ring vor und legte am Denkmal Friedrich Wilhelms III. finen Kranz nieder, der folgende Inschrift trug: „Gottes und unser fester Wille werden unserer gerechten Sache den Sieg verleihen." — Von hier ^egab siich-d-u^Prinz nach dem Blücher-Denkmal, wo er einen Kranz mit folgender Inschrift ntebetiegte: „Nie wird Preußen untergehen, wenn Eure Söhne und Enkel Euch gleichen." Von hier fuhr Prinz Eitel Friedrich zum Gottesdienst in der Garnisonkirche. Um 12 Uhr wurde »w Parade der Garnison auf dem Palaisplatz veranstaltet. Prinz Eitel vriebtid) erschien zu Pferde. Er wurde auf dem kurzen Wege vom Schloß zum Palaisplatze von den begeisterten Ovationen vieler Tausender be- lrü-'t. Vor dem Königlichen Schlosse machte der Prinz halt u.ü, hielt c:ne Ansprache, worauf ein Hoch auf den Kaiser ausgeb-acht wurde, f .■ - la--1 *''c Musikkapellen mit der Nationalhymne einfielen und die auf ausgestellte Artillerie den Ehr-rftalut abfeuerte. Dann i-*- die Fronten ab, sprach einige ordensgeschmückte alte
CT. u-j berußte danach die Roheiten. folgte beim bet Vor
beimarsch der Garnison, dem sich der Vorbeimarsch der Kriegervereine an- schloß. Die enthüllten Fahnen waren mit frischen Lorbeerkränzen geschmückt. Mit jubelnden Zurufen begrüßt, kehrte der Prinz ins Schloß zurück.
Ein Erlaß des Kaisers.
Berlin, 10. März. Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht folgern bc.: Erlaß des Königs an das Staatsministerium: Der begeisterten Teilnahme der schlesischen Jugend an dem vor nunmehr 100 Jahren begonnenen Werke der Befreiung Preußens dankbar gedenkend, will ich gern genehmigen, daß die zu der ehemaligen Festung Silberberg gehörenden Werke des Forts Spitzberg sowie der großen und kleinen Strohhaube den Bestrebungen der auf nationaler Grundlage stehenden Zugendvereinen Schlesiens nutzbar gemacht werden. Auch will ich zu den Kosten der Herstellung dieser Werke für den genannten Zweck, insbesondere zur Einrichtung geeigneter Unterkunftsräume, aus meiner Schatulle ein Gnadengeschenk von 10 000 ,ll bewilligen. Mögen diese Beweise meines besonderen Wohlwollens der Jugend Schlesiens ein neuer Ansporn sein, ihre körperlichen und geistigen Kräfte für die hohen Aufgaben zu stählen, die ihr dereinst int staatlichen Leben gestellt fein werden. Möge die schlesische Jugend sich immerdar ihrer Väter würdig zeigen in Gottesfurcht, Kö- nigstreue und hiNgebender Vaterlandsliebe.
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Politische Umschau.
Eine Zusammenkunft bet deutschen Bundesfürsien.
Die „Bayrische Staatszeitung" beschäftigt sich an leitender Stelle mit dem Besuch des bayrischen Regentenpaares in Berlin, heften politische Bedeutung sie unter gleichzeitiger Ankündigung einer vaterländischen Gedächtnisfeier, die in Anwesenheit deq Kaisers und sämtlicher deutscher Bundesfürsten, in der Befreiungshalle in Kelheim im August stattfinden soll, mit folgenden Worten würdigt: „Bayern kann mit Befriedigung auf die Berliner Tage zurückblicken. Sie haben vor dem ganzen Reiche uie Herzlichkeit der Verhältnisse dargetan, das zwischen dem Träger der deutschen Kaisergewalt und dem Herrscher des zweitgrötzten Bundesstaates besteht. Sie haben im Angesicht der öffentlichen Meinung Deutschlands die Tatsache bekräftigt, daß die Beziehungen Bayerns zur Reichsleitung ausgezeichnet sind. Sie haben endlich in den weitesten Kreisen die Ueberzeugung gefestigt, daß Bayern mit Nachdruck die Reichsleitung in ihren pflichtgemäßen Bemühungen unterstützt, dem deutschen Reiche zu schaffen, was unsere internationalen Interessen und die Behauptung unserer Stellung gebieten. Wie unser Prinzregent in seiner Rede int kaiserlichen Schloß betont hat, ist das Jahr 1913 ein Jahr bedeutsamen vaterländischen Gedenkens. Nach seinem Willen soll dieses Jahrhundertgedächtnis auch in Bayern herzlich und würdig begangen werden. Prinzregent Ludwig hat daher während seiner Anwesenheit in Berlin den Kaiser eingeladen, an einer patriotischen Feier teilzunehmen, die auf Anordnung unseres Regenten am 25. August in der Vefreiungshalle zu Kelheim stattfinden soll. Sie soll im Geiste weiland König Ludwigs I. gehalten werden, dessen glühende Vaterlandsliebe sich in jener stolzen Halle ihr Denkmal gesetzt hat, im Geiste eines Herrschers, der wie nicht leicht ein Fürst und Mann seiner Zeit, für die Idee unserer nationalen Ehre, Einheit und Größe begeistert gewesen ist. Nachdem der Kaiser die Einladung mit Freuden angenommen hat, werden sämtliche deutsche Bundesfürsien sowie die Vertreter der freien Städte zur Teilnahme an diesem vaterländischen Feste eingeladen werden, das Zeugnis von der einigen Gemeinschaft ablegen soll, in der Bayerns Herrscherhaus und Volk sich mit dem deutschen Daterlande verbündet fühlen."
Eine Wiener Stimme zur gegenwärtige« Situation.
Wien, 10. März. Zur internationalen Situation schreibt das „Reue Wiener Tageblatt": In bezug auf die Abrüstungsfrage wird von informierter Seite bemerkt, daß die Reduktion der Truppenstärke an der österreichisch-russischen Grenze mit dem etwaigen Osterurlaub nichts zu tun hat. Die Reduktion wird erfolgen, sobald die Voraussetzungen dazu vorhanden sind, worüber die Verhandlungen noch geführt werden. Zn der albanesischen Abgrenzungsfrage konnte leider in mehreren Punkten eine Einigung noch nicht erzielt werden. Es wäre doch unrichtig, daraus" die Folgerung abzuleiten, daß eine Annäherung in dieser Frage bisher überhaupt nicht zu konstatieren sei. Die Nachrichten Dorf serbischen Truppensendungen nach Albanien werden dort von allen Seiten bestätigt und auch in Belgrader offiziellen Kreisen gar nicht in Abrede gestellt.
Die neue Militärvorlage.
Heber den Inhalt der neuen Militärvorlage teilt der „Berliner Lokalanzeiger" aufgrund besonderer Information mit:
Die gesamte Vermehrung wird 68 000 Köpfe jährlich betragen und innerhalb zweier Jahre 4000 Offiziere, 15 000 Unteroffiziere und 117 000 Mann. Aus diesen Mannschaften erhalten zunächst 18 Regimenter mit zwei Bataillonen ihr drittes Bataillon. Außerdem werden die Kompagnien durchweg verstärkt und diejenigen der Erenzkorps auf den höheren Etat gebracht. Sechs neue Kavallerie-Regimenter, in der Hauptsache für die Grenzkorps bestimmt, werden angefordert. Fast 30 000 Pferde werden für die Feldartillerie verlangt, sodaß künftig jede Batterie auch zu Friedensübungen schon mit sechs Geschützen und einigen Munitionswagen ausrücken kann. Da die neuen Rüstungen unter dem Gesichtswinkel eines starken Grenzschutzes im Osten vorgenommen werden, müssen unsere Festungsanlagen auch mit ausreichender schwerer Artillerie versehen werden. Die Bildung eines halben Dutzend neuer Fußartilleriebataillone, denen auch selbständige Maschinengewehrabteilungen zugeteilt werden sollen, ist vorgesehen. Die Zahl der Scheinwerferkompagnien, die die Vorlage bringt, wird ebenfalls erheblich sein. Auch die Lücken unseres Trains werden durch neue Formationen ausgefüllt. Die bestehenden fünf Telegraphenbataillone sollen fast verdoppelt und bas Pionierwesen um ein halbes Dutzend neuer Kompagnien vermehrt werben. Auch die militärischen llnterrichtsanstalten werden vermehrt. Um rechtzeitig die nötigen Offiziersstellen besetzen zu können, wird eine Beschleunigung tu bet Ausbildung bet Fähnriche und Kadetten eintrete«.
Eine Reihe höherer Ofstztersstellen für die Reserveformattonen werdet geforbert. Alles in allem, meint bet „Lok.-Anz.",-kann man annehme« baß bie Offiziere mit einem starken Avancementschub rechnen könne« benn, um nicht im Kriegsfälle bie Befehlsverhältnifte in der aktive! Truppe zu zerreißen, wirb eine Reihe hoher Offiziersstellen für bie Se serveformationen jetzt schon geforbert werden.
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Ausland.
** England und die deutsche« Rüstung««. London, 10. März. Die „Westminster Gazette" schreibt: Wir zweifeln nicht, daß Deutschland seine neuen militärischen Pläne ganz ehrlich mit der neuen Lage im Orient begründet. Deutschland hat zwei neu« Grenzen zu schützen. Die Gesamtstärke des Zweibundes hat i« dem letzten Jahre nicht ab-, sondern vielmehr beträchtlich zugenommen. Das Emporkommen des Balkanbundes ist in diese» Punkt zu seinen Gunsten. Daher ist der Gedanke, daß Frankreich und Rußland, am Ende ihrer Kräfte angelangt, gezwungen sei« würden, mit Deutschland eine Koalition gegen uns zu bilden, wenn wir ihnen nicht militärische Hilfe leisteten, ein Ausdruck grundloser Panik. Unsere Aufgabe ist, die Flotte stark zu erhalten. Wir verzichten darauf, etwas zu dem militärischen Wettbewerb beizutragen. Mit einer überlegenen Flotte werden wir stets als Freund gesucht, als Feind gefürchtet sein.
** Die englische Thronrede. London, 10. März. Das Parlament wurde heute mit einer Thronrede eröffnet, in welcher der König zunächst anläßlich des 50. Jahrestages der Vermählung seiner Eltern in seinem und der Königin-Witwe Alexandra Namen der Ration für die tief« Teilnahme dankt,, welche der Königin-Witwe so viele Jahre entgegengebracht worden ist, und welche ihr auch weiterhin als Stütze und Trost in ihrer Trauer erhalten bleiben möge. In der Thronrede heißt es dann: »Di« Beziehungen zu den fremden Mächten sind weiter freundschaftlich. Im vergangenen Dezember wurde zwischen den kriegführenden Staaten Südeuropas ein Waffenstillstand geschlossen. Sie wählten London als Ort der Friedensverhandlungen. Alle Mächt« wünschen ernstlich, daß eine Ausbreitung des Krieges verhindert und der Krieg sobald als möglich beendet wird. Meine Regierung blieb in enger Verbindung mit den anderen Mächten, und über alle Punkte, eine Verständigung zu schaffen, herrscht Einmütigkeit. In dieser Hinsicht ist in hohem Maße ein Erfolg erzielt worden, wenn auch über einige Punkte noch immer Besprechungen statt- sinden." Der König gedenkt dann des letztjährigen Besuches der kanadischen Minister, welcher einer Besprechung der gemeinsamen Interessen mit den britischen Ministern besonders der Verteidigung zur See galt. Der König drückt die Hoffnung aus, daß solcher Meinungsaustausch die Solidarität des Reiches fördere. Die Thronrede fährt dann fort: „Das Geschenk eines Schlachtschiffes seitens der malayischen Staaten, die Zustimmung der Regierung von Neu Seeland dazu, daß das von ihr beigesteuerte Schlachtschiff in der Nordsee bleibt, der beständige Fortschritt in der Schaffung einer australischen Flotte, die gegenwärtige Debatte des kanadischen Parlaments über die Verteidigung bezeugen, daß der Wunsch nach Aufrechterhaltung der Sicherheit im Reiche allgemein ist.
Marburg und Umgegend.
Nachdruck aller Drgtnalartttel ist gemäß tz 18 des Urheberrechts nut mtt her deutlichen Quellenangabe jDbetbefi Zig " gestattet I
Marburg, 11. März.
* Di« Hundertjahrfeier in Marburg. Die gestrige Parade auf dem Kämprasen bot ein glänzendes Schauspiel, zu dem, wie bereits gestern erwähnt, eine selten große Zuschauermenge erschienen war. Die Ansprache hielt der Kommandeur des Jägerbataillons Oberstleutnant v. Buttlar. Es folgte der Parademarsch des Bataillons. Dann formierte sich, voran die Fahnenkompagnie, der Kreiskriegerverband in Stärke von etwa 1200 Mann in Zugkolonne. An der Spitze marschierten strammen Schrittes etwa 100 Kriegsveteranen und dann s.lgten die übrigen. Den Schluß bildete die Jugendwehr, die ihre Sache auch hier recht gut machte. Vom Kämpfrasen aus zogen die Mitglieder des Kreiskriegerverbandes mit klingendem Spiele in die Stadtsäle, wo sich unter Leitung des Ehrenvorsitzenden der Kriegerkameradschaft, Herrn Robert Becker, ein flotter Kommers anschloß. Ein hiesiger Student trug einen Prolog vor, worauf Generalleutnant Exzellenz Beß in längerer Rede auf die Bedeutung des Tages hinwies. Es schloß sich die Weihe der Fahne des Kriegervereins Damm an. Die Feier nahm einen würdigen Verlauf. In den späten Nachmittagsstunden traf man überall Vorbereitungen zu der Feier, welche die Bürgerschaft veranstaltete. Um 7 Uhr bewegte sich vom Bahnhof aus ein Fackelzug der Freiwilligen Feuerwehr nach dem Marktplatze. Auch der Jugendwehr hatte man die Freude bereitet, sie im Zuge mitmarschieren zu lassen. Auf dem Marktplatz und den angrenzenden Straßen bis weit hinauf an die Schloßtteppe hatte sich eine nach Tausenden zählende Menschenmenge eingesunden. Das Rathaus und sämtliche anderen Gebäude am Markt — sie einzeln hier aufzuführen ist nicht angängig — waren prächtig illuminiert. Ein eigenartiges ®ub, das jedem Teilnehmer noch lange in Erinnerung bleiben durfte. Auf einem vor dem Rathause errichteten Podium hatten bie Vertreter der Behörden, die städtischen Körperschaften usw. Platz genommen Elockengeläute kündigte den Beginn der Feier an und dann sang bie Menge unter Musikbegleitung „Run danket All« Gott". Oberbürgermeister Troje, der nunmehr eine Ansprache hielt, wies auf die ernsten politischen Zeiten hin. Dann gedacht« er der Ereignisse vor 100 Jahren, wie das deutsche Volk sich nach dem Gottesgericht auf Rußlands Eisfeldern aufraffte, um das fremde Joch abzuschüttel». Er verband damit bie Mahnung