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Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder .q deren Raum 18 4. bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4. für 40.
1915.
«-rttes Blatt
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Marburg
Freitag, 7. März
hatten, wird nicht allzu groß gewesen sein. Es gab keine Zagd nach Billetten wie bei den Carusovorstellungen, es war aber eine Jagd verzweifelter Billetthäudler nach Premierenbesuchern. Die Ausstattung war von künstlerischer Schönheit und vollendetem Geschmack, und bei der Aufführung selbst wirkten die besten und ersten Kräfte von Oper und Schauspiel mit. Frau Haigrecn-Waag sang die Ariadne mit wunderbarer Kraft und hinreißender Schönheit und über di- unendlich schwierigen Koloraturen der Zerbinettapartie kam Hermine Bosetti mit unübertrefflicher Leichtigkeit und Anmut hinweg, wie auch das Orchester aus st cbsunddreitzig solistifch wirkenden Musikern bestehend, seiner Aufgabe voll gerecht wurde. Lebhafter Beifall rief am Schlüsse Komponist und Darsteller oft vor den Vorhang und bewies, daß das Berliner Publikum dieser Straußpremierc mit ihrer neu ersonnenen Synthese zwischen Schauspiel, Oper und Ballett volles Verständnis entgegenhrachte. — Weniger erfreulich war der Einsturz des sog. Fortuny-Himmels im Charlottenburger Opernhause, einer Vorrichtung zur Darstellung des Himmelsgewölbes auf der Bühne. Rur dem Umstande, daß sich zur Zeit des Unfalls niemand auf der Bühne befand, ist es zu danken, daß ein großes Unglück vermieden wurde, wie es sonst unzweifelhaft durch den Absturz der 20 000 kg schweren Himmelskuppel geschehen wäre.
Roch haben die Veruntreuungen Brünings, der kürzlich von Canada nach dem Moabiter Untersuchungsgefängnis überfuhrt worden ist, ihre gerichtliche Sühne nicht gefunden, da kommt schon wieder die Kunde von einer neuen „großzügigen" Unterschlagung. Dieses mal ist es kein einfacher Kassenbote, sondern zur Abwechselung ein veritabler „Generaldirektor". Herr Lindner, Direktor der Land- und Jndustriebank ist nach Unterschlagung des hübschen Sümmchens von etwa 300 000 M flüchtig geworden. Er scheint sich aber in Amerika in Sicherheit gebracht zu haben, so daß es zweifelhaft ist, ob wir in absehbarer Zeit einen neuen Sensationsprozeh haben werden. Um einen solchen ist Berlin auch durch ven Tod des Raubmörders TrenNer gebracht, dessen scheußliches Verbrechen noch in aller Erinnerung ist. Der Prozeß gegen Trenkler mußte seinerzeit wegen seines Krankheitszustandes abgebrochen werden. Schon damals ließ Trenklers Gesundheitszustand ein« Wiederaufnahme des Prozess« al» ausgeschlossen erschein«!, nun bleibt durch seine« Tod der
Reklamen die Zeile 60 4. Bet Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
mtt oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen: „Rach Feierabend" ^urs Lau« und Landwirtschaftliche Beilage".
die Festigung größerer Güter wird Anfang April ISIS noch ein reichliches Drittel vorhanden sein.
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Ausland.
♦* Das Jubiläum des Hauses Romano«. Petersburg, 6. Mär». Heute früh 8 Uhr kündigten 21 Kanonenschüsse von den Wälle» der Peterpaulsfestung den Beginn der Nonianowfeier an. Di» Residenz ist seit dem frühen Morgen in hellen Sonnenschein g«. taucht. Auf den Straßen, die in schönstem Festschmucke prangen, herrscht eine außerordentliche Bewegung. Truppen ziehen mit klingendem Spiele auf, von dem Wnterpalais drängt eine viel» tausendköpfige Volksmenge, um die Abfahrt der kaiserlichen Fa- milie nach der Kasanschen Kathedrale zu erwarten; der ganz« Weg vom Winterpalais bis zur Kathedrale ist von Tausenden von Menschen besetzt. Gegen 11 Uhr begann die Auffahrt der Würdenträger und des diplomatischen Korps, der Reichsräte, der Dumaabgeordneten, der Deputationen der Stände und der Abordnungen Fnnlands bei der Kirche. Die Ehrenwache vor der Kirche stellten Palastgrenadiere. Als der Kaiserzug sich vom Wintervalais aus in Bewegung setzte, wurde er von der harrenden Volksmenge mit Jubelrufen empfangen. Dem Zuge voran ritt die kaiserlich« Convoi-Wache. Der Jubel der Bevölkerung verstummte e-n. als die kaiserliche Familie vor der Kirche die Magen verließ, Festgeläute von allen Kirchen ertönte und der Metropolit mit dem Kreuz und Weihwasier die Majestäten begrüßte. In der Vorhalle der Kasanschen Kathedrale ging der Patriarch von Antiochia und die gesamte Geistlichkeit den Majestäten entgegen, an die der Patriarch eine Ansprache richtete. Als der Kaiser, die Kaiserin, en Alexandra und Maria Feodorowna sowie der Thronfolger Alex-.i, desien Aussehen vortrefflich ist, ihre Plätze eingenommen hatte,, begann der Gottesdienst. Die feierliche Mesie las Mfgr. Wlad > mir, Exmetropolitan von Petersburg. Nachdem hierauf das Er bet für die Majestäten und die kaiserliche Familie vom Archi diakonus gesprochen worden war, wurde eine Artilleriesalve ab gegeben und die Glocken begannen zu läuten. Kurz nach 1 Uh, kehrte die kaiserli ch Familie in das Winterpalais unter be- geisterten Ovationen des Volkes zurück, desien Hurrarufe mit den Klängen der Nationalhymne vermischt, die Luft erfüllten. Die ganze Stadt trägt Festgepräge. Trotz des außerordentlichen Der- kehrs namentlich in den Hauptstraßen herrscht überall die vollste Ordnung.
** Beschädigtes Kriegsschiff. Paris, 6. Marz. Wie aus Toulon gemeldet wird, stieß das Panzerschiff „Justice“ bei der I Ausfahrt aus der Reede auf Wracktrümmer der vor ly2 Jahren verunglückten „Liberty" und beschädigte hierdurch eine seiner Schrauben. Die „Justice" wird zur Ausbesierung ins Arsenal gebracht werden.
** Französische Luftkreuzer. Paris, 6. März. Die von dem Kriegsministerium bestellten acht großen Luftkreuzer von 20 000 Kubikmeter sollen im November oder Dezember dieses Jahres fertig gestellt werden. Die französische Militärverwaltung wird demnach Ende dieses Jahres über acht große Luftkreuzer, fünf kleine Luftkreuzer und acht Aufklärungsluftschiffe verfügen.
I ** Die dreijährige Dienstzeit in Frankreich. Paris, 6. März. Der Heeresausschuß der Kammer wird bereits heute Abend mit
I der Prüfung der Gesetzesvorlage über die dreijährige Militärdienstzeit beginnen. Er hofft, in etwa acht Tagen der Kammer den
I Bericht vorlegen zu können. Der Ausschuß wird im Einvernehmen I mit der Regierung verlangen, daß der Gesetzentwurf noch vor den I Osterferien erledigt wird. — Bei der Ankündigung der Heeresvor- I läge kam es im Parlament zu heftigen Lärmszenen seitens der Sozialisten. Die Gemäßigten und Konservativen schienen von der
I Kundgebung ganz verblüfft und rafften sich erst naf’, einigen I Augenblicken zu Protestrufen auf. Sie riefen den Sozialisten^zu: I dreifache Raubmord, den er auf seinem Eewisien hat, wenigstens aus I Mit Oberbürgermeister Schustehrus, der im Alter von 57 Jahren ge- I starben ist, ist eine der markantesten Persönlichkeiten bet ®ro6=®eiltnei I Kommunalverwaltungen dahingegangen. Dreizehn Jahre batet an I der Spitze von Charlottenburg gestanden, desien Einwohnerzahl sich I während dieser Zei fast verdoppelt und zu einem bet modernsten und I bestverwalteten Gemeinwesen entwickelt hat. Was Charlottcnburg heute I ist, hat es zu einem guten Teil bet Tatkraft seines verstorbenen Ober- I bürgermeistets zu danken. Zu den Werken, die er besonders förderte, I gehörte der Bau der Döberitzer Heerstraße und der Ausbau der Vis- marckstraße. Und auf seine Initiative ist es auch zurückzuführen, wenn I Charlottenbutg mit Neueinrichtungen an der Spitze der Groß-Berliner Gemeinden marschierte. Von der Beliebtheit und Verehrung, deren sich I der Verstorbene in allen Kreisen der Bürgerschaft erfreute, legte auch I die Trauerfeier, die ihm die Stadt Charlottenburg bereitete, beredtes Zeugnis ab. Am Rathaus wehten die Flaggen mit dem Charlotten- bürget Wappen auf Halbmast und ganz Charlottenbutg schien auf den I Beinen um seinem toten Oberbürgermeister das Geleite zu geben auf I seiner letzten Fahrt nach seiner ostpreußischen Heimat.
I Während sich die Reichsverwaltung den Kopf zerbricht, um neue I Steuerquellen zur Deckung der Heeresvorlage ausfindig zu machen, stnv die Spandauer Stadtväter auf einen genialen Gedanken verfallen int leeres Stadtsäckel zu füllen. An die 120 Millionen blankes ®olbjbw»« I ihnen im Juliusturm liegt, können sie zwar nicht.heran, n _
I kauf an den Zweckverband ist auch noch nicht perfekt u h
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£SÄ” IftÄ 1 »tf-n» w »«"<?• I Steuer bezahlen. Armer Finanzmtnister, armer Reichsschatzfekretar, wie müßt tot euch von dem «einen Spandauer Finanzgeme in den Schatten stellen lasienl Glückliche« Spandau, das - reichen
I fegen hat, daß «in« Kinderwagen.steuer da, Gleichgewicht im Stadthaus I halt herstelltl
Berliner Brief.
Die vergangene Woche brachte den Kehraus der Berliner Ballsaison. „Gesindeball", „Ball der Wiener Wäschetmädel" und bet „Ball bet Karikaturisten" im Zirkus Schumann, der die ganze Arena auf den Kopf stellte und in eine Stätte toller Ausgelassenheit verwandelte, wo alles was der Witz des Zeichner« ober Malers Stift ober mit Pinsel unb Palette in Farben ausdrückt, vermenschlicht war, bildeten den Schluß des Berliner Nach-Karneoals. Und endlich hatte der Admiralspalast das tanzlustige Berlin zum „Tanzkrieg Berlin-Paris" geladen. Wahrend hüben und drüben Regierungen und Volksvertretungen sich mit gewaltigen neuen Rüstungen beschäftigen unb wir uns anschicken, bie Erinnerung an die glorreiche Zeit vor hundert Jahren festlich zu begehen, stritten hier auf dem spiegelglatten Parkett des Palastes an der Friedrichstraße schlanke Tänzer mit geschmeidigen Glieder, die Blute der Tänzer aus Galliens und Germaniens Hauptstadt um die Siegespalme des Tanzes. Kriegsberichterstatter wurden hier zu Preisrichtern Über Kämpfe hervorragender Tänzer, über Preise, die verteidigt und belagert wurden und gespannt lauschten Tausende von Menschen dem Spruch des Richterkollegiums, wem die Eiegespalme gebührte, den leichtfüßigen Franzosen ober bet Elite bet beutschen Tanzkünsiler: Von den Amateuren hatte ein deutscher Herr den Sieg davon getragen, während bte Gewinner der professionellen Tänze aus Paris stammten. Ein unentschiedenes, stiedliches Ringen! Die französische — die deutsche Hymne — und dann umarmten sich die Völker und schwebten von neuem durch den Saal bis zum frühen Morgen, unb fast mochte man meinen, bie Tanzsaison nehme erst ihren Anfang unb sei nicht schon zu ®nbe. . . .
Ein musikalisches Ereignis ersten Ranges war die Berliner Erstaufführung der Strauß-Hoffmannsthalschen „Ariadne auf Naxos' im Königlichen Schauspielhause. Das Haus war bis auf den letzten Platz gefüllt, obwohl nicht ausverkauft, aber di« Zahl bet Besucher, die für ihr« 50 unb 40 Marktplätze wirklich fünfzig unb vierzig Mark gezahl
Zum Untergang d-s Torpedoboots „S. 178".
Aus den bisherigen Ermittelungen über den Unfall, der den Untergang des Torpedobootes „S. 178“ herbeiführte, hat sich Nachstehendes feststellen lasien: Die 11. Halbflottille gehört zu der sogenannten Reserveflottille der Torpedodivision der Marinestatton der Nordsee. Die Besatzungen dieser elf Boote bestehen aus Mannschaften im dritten Dienstjahr. Die Boote und Besatzungen taten im ersten Jahre als Schul-Flottille, im zweiten als Manöver- Flottille ununterbrochen Dienst und stellten somit den höchsten Ausbildungsgrad ihrer Waffe dar. Da zu Beginn des dritten Dienstiahres die Ausbildung der Torpedobootsbesatzungen als abgeschlossen gelten darf, werden diese mit Ausnahme eines kleinen Stammes, der zu Konservierungsarbeiten an Bord bleibt, von den Booten heruntergenommen und im Jnlanddienst bezw. für die weiteren Aufgaben der Torpedodivision verwandt. Die Boote der Reserveflotte bleiben jedoch jederzeit fahrbereit und werden im LÄufe des dritten Jahres periodisch, aber überraschend zu verschre- 1/enen Zeiten mobilmachungsmäßig bemannt, um sofort zu einer festgesetzten Hebung in See zu gehen. Eine derartige Aktivierung der Boote der 11. Halbflottille hat am 3. d. Mts. stattgefunden und diese befand sich mit anderen Torpedobootsverbänden in der Nordsee, um dort an größeren Hebungen mit dem Ersten Linienschiffsgeschwader und den Aufklärungsschmen der Hochseeflotte teilzunehmen. Am Abend des 4. .d Mts. waren bei stürmischem Wetter die Nachtangriffe und sonstigen Exerzitien nördlich von Helgoland gegen elf Uhr beendet. Nach dem Signal des Leiters: „llebung beendet" hatten sämtliche Schiffe und Boote die Lichter gefetzt und fuhren in Marschformation, bezw. als Einzelschiffe, nach dem Ankerplatz bei Helgoland, östlich der Düne. Die 11. Hnlb- slottille stand vorn, die Boote liefen, da ein sehr schweres Wetter aufgekommen war, wegen des hohen Seeganges nur halbe Fahrt und mußten, weil die'schneller fahrenden Kreuzer noch vor dem Ankerplatz von rückwärts aufkamen, der Vorschrift entsprechend, nach Osten ausweichen, um den großen Schiffen zu dem Anker- manöver Raum zu geben. Die geschlosiene Formation der Torpedoboote hatte infolge des schweren Wetters sich nicht ganz aufrecht erhalten lasien. „S. 178“ befand sich zu dieser Zeit mit seinem Rottenführer ,.S. 177" einige hundert Meter von seiner Halbflottille entfernt. Als hierauf „S. 178", um auf seinen Ankerplatz zu gehen, am Bug der großen Kreuzers „York vorbeizufahren suchte, entstand infolge der durch den hohen Seegang verringerten Manöverierfähigkeit des Bootes Kollisionsgefahr. Die kritische Situation wurde auf dem „Yorck" sofort bemrkt. Das Schiff versuchte durch Drehen nach Steuerbord und Rückwärtsschlagen aller Maschinen einen Zusamenmstotz zu vermeiden. Es gelang jedoch nicht mehr. „S. 178" wurde dicht vor dem Hinteren Kommando- türm getroffen, legte sich stark auf die Seite und sank sehr schnell, da wahrscheinlich der Turbinenraum und der Kcsielraum aufge- «isien und vollgelausen waren. Sämtliche in der Nähe befindlichen Schiffe und das Torpedoboot „S. 177“ leisteten sofort tatkräftige Hilfe,' die jedoch wegen des dunkeln unsichtbaren Sturmwetters und wegen des hohen Seeganges nur geringen Erfolg hatte. 15 Personen konnten gerettet werden. Zwei Seeoffiziere und 68 Mann fanden den Seemannstot in Erfüllung ihres Dienstes. In dem derzeitigen Kommandanten des Bootes, Oberleutnant zur See Pies verliert die Torpedowaffe einen besonders tüchtigen und befähigten Offizier, der bereits im vergangenen Ueb- ungsjahr das Boot selbständig gefahren und auch in schwierigen Lagen die Anerkennung seiner Vorgesetzten geerntet hat. Ein ab- gelchlosienes Urteil über das beklagenswerte Vorkommnis läßt sich jetzt nicht geben, das wird erst die kriegsgerichtliche Untersuchung in"voller Klarheit bringen. Aus dem Verlauf der ganzen Ange-
Die „Oberhesstsch« Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme: bet Sonn»
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legenheit geht jedoch bereits jetzt hervor, daß es sich um einen fee« männischen Unglücksfall, eine Kollision zweier Schiffe, handelt, mit dem in der Seefahrt immer wird gerechnet werden muffen, I menschliche Schwäche, auch der Tüchtigsten, Unzulänglichkeit auch . bet besten Maschinen im Kampfe mit den Naturgewalten. Auf zwei besondere Punkte, welche die Größe des Unglücks mitomc- schuldet haben, muß hingewiesen werden. Zunächst: das stürmische Wetter. Der hohe Seegang beeinträchtigt naturgemäß sehr stark die Manövrierfähigkeit der Torpedoboote, die dem Ruder nicht mehr mit der gewohnten Präzision gehorchen und auch durch eine schwere See um ein Beträchtliches aus dem Kurse herausgeworfen werden können. Ferner: der Zeitpunkt der Kollision: An Bord I der Torpedoboote besteht die Vorschrift, daß bei Nachtangriffen I sämtliche dienstfreien Leute ihre Schlafstelle verlasien, sobald der Feind entdeckt und der Angriff angesetzt wird, um bei eintretender Kollision nicht im Innern des Schiffes in hilflosem Zustand von dem Unglück überrascht zu werden. Diese unerläßliche Maßnahme bedeutet für die Besatzungen der Torpedoboote eine außerordentliche Anstrengung, und es ist selbstverständlich, daß der Kommandant die Besatzung nach Beendigung der Hebungen sofort in ihre Hängematten schickt und nur die geringe Anzahl Mannschaften der Wache auf Deck behält zur Ausführung des Ankermanövers. Daher ist mit Sicherheit anzunehmen, daß bei dem außerordentlich schnellen Untergang des „S. 178" der größte Teil der Besatzung sich unter Ted befand und schlafend von dem Unheil überrascht wurde, so daß nur wenige gerettet werden konnten.
Wilhelmshaven, 6. März. Die geretteten Mann- schäften des Torpedobootes „S. 178“ sind heute wieder in ihren Truppenteil, in die 5. Kompagnie der 2. Torpedobootsdiviston, einge»eiht worden. Die Geretteten bekunden, daß nur das stürmische Weiter daran schuld war, daß nur so wenige gerettet werden konnten. Die Besatzung hatte bis auf wenige Leute das verunglückte Boot bereits verlasien und die Leute trieben schwimmend auf dem Meer umher oder waren in den Rettungsbooten Sie wurden aber von der furchtbaren See weggerisien und fanden so den Tod.
Berlin, 8. März. Von den bei dem Untergang des Torpedobootes ,.S' 178" Verunglückten siiid beheimatet: In Pfung-, stadt der Machinistenmaat Seibel, in Friedberg (Hessen) der Oberanwärter Habauf, in Oberlahnstein der Oberheizer Geil tn Frankfurt a. M. der Obermatrose Bauersfeld, desien Vater Ober- postassistent ist.
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D-Mches Reich-
— Zn« Polenpolitik. Berlin, 4. März. Die Abendblätter melden: Der Gesetzentwurf zur Stärkung des Deutschtums in den Provinzen Weltpreußen und Posen ist dem Abgeordnetenhause zugegangen. Derselbe bestimmt, daß bas Ansiedlungsgesetz in folgender Weife abgeandert werden soll: 1. im § 1. Der der Staatsregierung zur Verfügung gestellte Fonds wird um 175 Millionen Mark erhöht, von denen 100 Millionen Mark zur Festigung bäuerlicher Güter durch die Umwandlung in An- siedlungsrentengüter und zur Förderung der Seßhaftmachung von Arbeitern auf dem Lande zu verwenden sind. 2. Der im § 7a der Staatsregierung zur Verfügung gestellte Fonds wird um 30 Millionen erhöht. Feiner soll der im Artikel 2 des 8 1 des Gesetzes betreffend die Maßnahmen zur Stärkung des Deutschtums in den Provinzen Westpreußen und Posen vom 1. Juni 1002 der Staatsregierung zur Verfügung gestellte Fonds um 25 Millionen erhöht werden. Aus der Begründung sei entnommen: Durch die Ansiedlungsgesetze wurden der Staatsregierung insgesamt 725 Millionen zur Verfügung gestellt, und zwar für die Hauptaufgabe: Bau-rnvermehrung 475 Millionen, für Domänen- und Forstankäufe 125, für die Festigung des bäuerlichen Besitzes und zur Forderung von Arbeitersiedlungen 75 und für die Festigung größerer Güter 50 Millionen. Die für den Erwerb und die Besiedlung von Grundstücken bereitgestellten Geldmittel werden am 19. März erschöpft sein, die Geldmittel für die bäuerliche Besitzbefestigungen und die für die Domänen und Forstankäufe sind ausgegeben. Äon den Geldmitteln für