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mit oem Kreisbiatt für die Kreise Marburg und Kirchham

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1913

Mttes Blatt.

Marburg

Sonnabend, 1. März

Marburg und Umgegend.

Nachdruck aller Digtnalaitttel ist gemäß tz 18 des Urheberrechte nur mtt der deutlichen Quellenangabe jubtrben -ita " aeftättet I

Marburg, 1. März.

Die Feier des 10. März. Das Staatsministerium hat be- schloffen, den 10. März als Feiertag für alle staatlichen Behörden zu behandeln. Ebenso hat der Zustizminister bestimmt, daß an diesem Gedenktage, abgesehen von dringlichen Ausnahmefällen, keine Termine abgehalten werden sollen. Auch in den Eefäng- niffen fanden auf den 10. März die für Kaisers Geburtstag gil- tigen Bestimmungen Anwendung. Jugendliche Gefangene sollen gegebenenfalls in angemeffener Weife auf die Bedeutung des Tages hingewiefe» werden.

* Marburger Konzertverein. Der Verein hat in einer gestrigen Vorstandsfitzung die Abhaltung einer Richard Wagner- Feier definitiv befchloffen und zwar wird jedenfalls das durch feine Konzerte unter Hausegger und Weingartner rühmlichst bekannte Blüthner-Orchefter aus Berlin dabei mitwirken. Erfreulicherweise kann das Konzert auch am 22. Mai, dem 100. Geburtstag Richard Wagners, stattfinden, der überall gefeiert wird. Es wäre wün­schenswert, wenn die Bestellungen auf Plätze sehr bald erfolgten. Die Preise find auf 3.00, 2.50 und 2.00 Jk. festgesetzt. Die Mit- glieder des Konzert-Vereins haben Anspruch auf ihre gewohnten Plätze: außerdem ermäßigt fich für Mitglieder der Preis für Sitz­plätze um 50 Pfg. Die Bestellungen seitens der Mitglieder müffen jedoch alsbald erfolgen. Das Programm wttb in Kürze bekannt gemacht.

* Stadttheater. Vorgestern kam das neue Schauspiel Theodor BirtsAus eiserner Zeit" auf unserer Bühne vor der Oeffentlich- keit zur Aufführung und stellte fich damit der Kritik, lieber den Inhalt des Stückes ist bereits eingehend von uns in dem Berichte über die große llniverfitätsfeier gehandelt. Da die Aufführung damals nicht öffentlich war, mußten wir uns auf eine Inhalts- angabe beschränken. Das Stück Birts gibt in reichen Bildern Szenen aus dem Jahre 1813 wieder. Sie sind gruppiert um die Person eines deutschen Adligen, der in weltbürgerlicher Stimmung ein großer Verehrer des Zertrümmerers der einzelnen Rationen, Napoleon, ist. Sein« Kinder und das Volk des Dorf« find von

» Ausland.

* * Die französischen Heeresforderungen. Paris, 28. Febr. Der Vorstand des Heeresausfchuffes der Kammer erklärt die von dem Echo de Paris" gebrachte Mitteilung, daß der Ausschuß einen Antrag auf ungeteilte zweijährige Dienstzeit mit Einberufung dreier Iahresklaffen prüfe, als durchaus unrichtig. Der Heeres- ausfchuß beschäftige sich gegenwärtig überhaupt mit keinem Re­krutierungsgesetz, weder mit der dreijährigen, noch mit der zwei­jährigen Dienstzeit, sondern warte den von der Regierung an- gekündigten Entwurf ab. ImEcho de Paris" schlägt ein General vor, daß das Gesetz über die dreijährige Dienstzeit, falls es vom Parlament angenommen werde, unverzüglich auch auf die gegen­wärtig unter den Fahnen stehenden Klaffen angewendet werde. Den Soldaten solle auf ihr Verlangen ein zwei- oder drei­monatiger Urlaub bewilligt werden.

Deutsches Reich.

Dee Pächter bee Kaisers, Sahst, wt Gericht. Herr Sahst, der durch die burschikosen Worte des Kaisers, bei denen zunächst niemand den Ein­druck hatte, daß ein rechtschaffener Mann schwer gekränkt würde, über­all bekannt geworden fft, hat jetzt in einem Gerichtsverfahren ein ob­siegendes Urteil gegen die Eutsoerwaltung Kabinen erlangt. Vor mehreren Jahren fand die Kaiserliche Gutsverwaltung, daß der Zustand der Gebäude auf Rehberg nicht mehr ordnungsmäßig sei und ließ von i einem Sachverständigen begutachten, daß zur ordnungsmäßigen Wieder- Erstellung der Baulichkeiten 21000 M. notwendig wären. Die Guts- verwaltung verlangte nunmehr von dem Pächter die Tragung dieser . Kosten, da er vertraglich zur Unterhaltung der Gebäude verpflichtet sei. 'Der Pächter behauptete jedoch, daß so umfangreiche Aenderungen nicht ! nötig wären, und verweigerte deren Ausführung. Die Kaiserliche Guts» ' Verwaltung strengte darauf gegen den Pächter einen Prozeß an, in welche» noch «tue» Obergutachten nur kleine Repa»tuten im Gesamt-

dem nationalen Feuer gepackt, und nun erleben wir den Z». . sammenbruch Napoleons bis zur Schlacht bei Leipzig mit ihren Folgen im kleinen Kreise. Mit dem französischen Staatsrat Bernard, der die Hand der Tochter des Freiherrn zu erringe» hofft, schließlich aber feige und niedrig flüchtet, verschwindet da, französische Wesen aus dem Hause des Freiherrn bis auf eine junge französische Waise, die die Hand des jungen Freiherrn ge- winnt, was als Symbol für das Fortwirken der Humanitäts­ideale im Hause des Freiherrn gelten will. Erst der Tod der Tochter Johanna, die als Opfer eines Scharmützelns bet dem Schlöffe des Freiherrn fällt, weckt in dem Freiherrn den deutschen Sinn. Die Vorzüge des Stückes bestehen in der farbenreichen Abwechslung der Bilder. Es eignet sich zu Festspielen, wo man eben an gewiffe Typen gewöhnt ist. Ob es aber nicht hier in vielen Dingen wieder, so besonders bei den philosophischen Aus- einandorsetznngen, zu kompliziert wirkt, ist eine Frage. L« Schauspiel läßt das Stück fast jede psychologische Begründung vermissen. Wenn z. B. Bernard sagt, daß er sich von Johanna in einem halben Jahr das Jawort holen will, so weih der Zu- ichauer ganz genau, daß dann die Schlacht bei Leipzig vorbei ist und Herr Bernard mit seinemKönig Lustik" verschwinden wird. Die Angst der Braut wider Willen kann deshalb nicht über­zeugend wirken. Unverständlich bleibt auch, warum das Helden- mädchen sterben muß, wenn es nicht die Analogie zur Jungfrau von Orleans dazu verurteilte, u. a. Aber vielleichtwill der Autor gar nicht, daß man diesen Maßstab an sein Stück anlegt, und es soll rein als vaterländisches Erinnerungsstück ohne weitere dichterische Absichten wirken. Dann hätte man freilich in manchen Partien eine klarere Sprache von größerer Innerlichkeit und geringerem Pathos erwarten können. Wie gesagt, man kann mit dem Stück nicht viel anfangen. Es erscheint uns als Halbheit so oder so. Wir haben denn auch nicht feststellen können, daß der Eindruck auf das Publikum besonders groß gewesen wäre. Der Beifall galt der vorzüglichen Darstellung, die unser Theater dem Werke des ein­heimischen Dichters zuteil werden ließ. Der Baron wurde von Herrn Kliewer, soweit das bei der Art der Rolle möglich war, charaktervoll skizziert. Am besten war wohl diedeutsche Jo- Hanna" des Frl. Dagny. Die Begeisterung der jungen Männer brachten die Herren Bruchwitz als Max und Jensen als Eberhard zum Ausdruck. Auch verdient die glatte Art, mit der Frl. Rappo sich ihrer Rolle als elegante Französin entledigte, Beifall. Beson­ders aber muß die Regie hervorgehoben werden. Sie leistete wirk- lich Hervorragendes und wußte stimmungsvolle Szenen und Bilder zu schaffen, um die Hauptstärke des Stückes angenehm zu unter­streichen.

* Ueberlandzentrale. Wie wir hören, findet am 11. Marz wegen der Versorgung unserer Gegend mit elektrischer Energie von der Edertalsperre aus hier eine Konferenz der Landräte der Kreise Marburg, Kirchhain und Ziegenhain mit der Weser- strom-Verwaltung aus Hannover statt.

Som Marktplatz. Die Firma A. Dresler ist gestern in ihr neues Haus am Markt, das an Stelle des Sprucks^en Hauses er- richtet ist, eingezogen. Ein zahlreiches Publikum hatte fich zu der Eröffnung der neuen Räumlichkeiten, die ganz in modernem Sinne gehalten find, eingefunden. Die Ausstattung der Räume ist, wie wir hören, ausschließlich Erzeugnis Marburger Gewerbfleißes.

Son der Wandererarbeitsstätte. Im Monat Februar suchten 357 Wanderer um Arbeit nach. Vermittelt wurden 2 Schweizer, 1 Fütterer, 1 Fahrbursche, 7 Knechte, 4 Hausburschen, 1 Klempner, 1 Schmied, 2 Schneider und 1 Reisender.

* Strafkammer. Ein älterer Mann aus der Hornberger Ge­gend stand unter der Beschuldigung des Konkursvergehens. Das Urteil lautete auf Freisprechung. Ein Händler aus einem Orte des Kreises Biedenkopf, der unter Benutzung eines falschen Na­mens Bestellungen gemacht haben sollte, mußte ebenfalls frei­gesprochen werden.

Bauernregeln vom März. So viel im März die Nebel steigen, so viel im Sommer sich Wetter zeigen. - Märzenferkel und M ätzen- fohlen alle Bauern haben wollen. Trockner März und feuchter Avril tut's dem Sandmann nach seinem Will. Was der März nicht will, das holt fich der April, was der April nicht mag, das steckt der Mar in den Sack. Ein schöner Josephitag (19.) das ganze Jahr gut werden mag. Der Sandmann wünscht sich den März möglichst regenfrei, denn: Aus Märzenregen folgt kern Semmeifegen. März trocken, April naß, Mai lustig, von beiden was, bringt Korn in Sack und Wein ins Fatz. Ein feuchter fauler März ist des Bauern Schmerz. Märzenfchnee tut der Saat und dem Weinstock weh. Ist's im März zu feucht, wtrd's Brot im Sommer leicht. Ist Kunigunde (3.) tränenschwer, dann bleibt gar oft die Scheune leer. Märzenstaub ist's Pfund 'nen Taler wert. Ist Marien (25.) schön und rein, wird das Jahr sehr fiuchtbar fein. Joseph klar, gibt ein gutes Honigjahr Auf Märzendonner folgt ein fruchtbar Jahr, viel Frost und Regen bringt Gefahr. Regen zu Anfang oder zu End, oder März sein Gift send't. Zu frühes Säen ist nicht gut. zu spätes Säen auch Übel tut Wie die 40 Ritter (9.) das Wetter gestalten, so wird esnoch 40 Tage anhalten. Märzgewitter zeigen an, daß große Winde zieh'n heran.

Beiitnemlungen. Konzerte. Theater, Bergnügungsnachrichten uh».

Husaren heraus. Das Husaren-Regiment Hessen-Homburg (2. Kur­hessisches Nr. 14) Cassel wird voraussichtlich am 3., 4. und 5. Juli d. Js. sein lOOjähriges Bestehen feiern. Es hat sich, wie bekannt ist, auch ch-r in Marburg eine Bereinigung ehern. 14et gebildet, welche 9^I'etn'<^a^r lich an der Feier teilnehmen werden. Am Sonntag, den 2. Marz, nach­mittags 4 Uhr findet eine weitere Zusammenkunft hier im Restaurant zur alten Post statt, wozu alle ehemaligen 14er, sowie die der Ber- eintgung noch nicht angehören, kameradschaftlich geladen werden.

Kkeiuseelhein., 28. Febr. Nachtwächter Keßler, der sein Amt 36 Jahre lange zu aller Zufriedenheit versah, hat dieses jetzt infolge Alters niedergelegt Die dem verstorbenen Herrn Ester gehörige Wirt- schäft hie, »tag tu das Eigentum des He« Karl Herzog über.

betrage von 739 ut notwendig waren. Darauf wurde die Klage in zwei Instanzen abgewiefen und dem Pächter ein Zehntel der, Kosten, dem Kaiser jedoch neun Zehntel auserlegt. Damit war der erste Prozeß be­endet. Ein zweiter Prozeß entwickelte sich bann aus e^'n Strmt uber die Erbauung des Wohnhauses für den Pächter. Der schlechte Zustand dieses Hauses stand außer allem Zweifel der Pachter hatte selbst ein derartiges $edangen an die Gutsverwaltung gerichtet und sollte ein Fünftel der Kosten beitragen. Der Pächter stellte sich aber auf den Standkunpt, baß er einen Neubau wohl verlangen könne, aber nicht zu bulben brauche. Er machte bie Erlaubnis zum Bau baoon abhängig, daß ihm bie Kaiserliche Gutsverwaltung seinen Pachtvertrag, bet noch bis zum Jahre 1918 läuft, verlängere. Da ihm bies verweigert wurde, erklärte er auch, den Neubau nicht dulden zu wollen. Er wurde bähet von der Gutsverwaltung zur Duldung des Neubaues verklagt. Bor dem Landgericht in Elbing hatte bei Kaiser Erfolg unb er erzielte dort eine Verurteilung bes Pächters zur Duldung bes Neubaues. Auf dessen Berufung hin, hob jedoch das Oberlandesgericht Marienwerder das Urteil auf und wies die Klage ab, indem es den Kaiser zur Tragung sämtlicher Kosten verurteilte. Die vom Kaiser eingelegte Revision war nicht von Erfolg begleitet; bas Reichsgericht bestätigte vielmehr bas Urteil bes Oberlanbesgerichts Marienwerder in vollem Umfange. Nunmehr erhielt der Pächter Sohst. unb zwar am Tage vor Weihnachten 1912 eine Künbigung auf Räumung bei Pacht zum 1. Juli 1913. Die Gutsverwaltung stützte sich in bet Kündigung auf eine Klausel in dem Vertrage, wonach eine Kündigung vor Ablauf bei Pacht zulässig sei, wenn ein Belitzwechsel auf Eadinen eintrete. Dieser Besitzwechsel war währenb bei Pacht tatsächlich eingetieten. Del Pächter stellte sich leboch auf ben Stanbpunkt, baß bei neue Besitzer, in diesem Falle bei Kaiser, den nächsten KLnbigungstermin unmittelbar nach bei Uebernahme hatte benutzen müssen, wenn er fich auf biefe Klausel hätte berufen wollen. Da bie Uebernahme durch ben Kaiser im Herbst 1898 erfolgt war, so hätte bie Künbigung nur zum 1. Juli 1899 erfolgen können. Hieraus entwickelte sich bet brüte Prozeß. Der Kaiser ließ ben Pächter auf Kündigung und Räumung zum 1. Juli 1913 verklagen. In dieser Sache stand heute vor dem Landgericht in Elbing ein Termin an, in welckiem der Kaiser durch seinen Generalbevollmächtigten für (Sabinen, ben Geh. Oberregierungsrat v. Etzborfi. ben früheren ßanbiat bes Kreises Elbing, jetzigen vortragenben Rat im Landwirtskbafsministerium zu Berlin und den beim Kammergericht in Berlin zugelassenen Rechtsanwalt Herrmann (Berlin) sowie den Rechtsanwalt Karlowitz (Elbing) vettreten war. Der Beklagte, Pächter Sohst, war durch die Rechtsanwälte Bandow und Justizrat Diegner. beide aus Elbing, vertreteji. streitiger, Verhandlung erkannte 'oas Landgericht auf Abweisung der Klage des Kaisers. Das lltteil wurde, wie stets in Zivilprozessen mündlich nicht begründet; die Begründung wird vielmehr den Parteien schriftlich zu- gefteöt

Rundschau.

Mittelftandssorgeu.

Alljährlich, wenn im preußischen Abgeordnetenhause bet ^anbels» unb ©emeibeetat zur Tagesordnung steht, werben auch bie Klagen.uub Wünsche bes Mittelstandes laut. Es gibt beien immer noch recht viele. Es ist nicht zu leugnen, baß im Laufe bet Zeit sich manches zum besten gemanbt hat dank bet unermüdlichen Tätigkeit bet getreuen Dor- kümpfer für unfern Mittelstanb, unter benen in erster Lime die Abge­ordneten Hammer, Karow und Walkewitz genannt weiden muss-n aber vieles ist noch zu tun übrig, um dem bedrängten Mittelstände Lust zu schaffen und auch ihm ben gebührenden Platz an der Sonne einzu­räumen Es ist erfreulich, feststellen zu können, daß die unausgesetzten Bemühungen, bie Lage bes Mittelstandes in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht zu heben, immer mehr Verständnis bei allen bürgerlichen Par- teu-n finden unb kräftig gefördert werden. Ihrer ganzen staatsfeind- Udjen Tendenz nach steht natürlich bie Soz.aldemokrat.e ber allen Ver­suchen, ben Mittelstanb zu fördern, nicht nur abseits !°udern sucht alle^ zu verhindern, was diesen eminent staatserhaltenden Mrttelstandsbe- strebungen förderlich sein könnte. Neben ben alten Klagen übet b.e Konkurrenz bei Eefängnisarbeit füi bie kleinen Gewerbetreibenden unb ben Wünschen nach Vetbesseiung des öffentlichen Subnnsswnswesens, wuibe nach besonbers auf bengeheimen Warenhandel bet Beamten namentlich bei Post- unb Eisenbahnbeamten" aufmerksam gemacht unb bie Bitte an bie Regierung gerichtet, gegen biefe unlautere Konkurrenz, im Interesse bei Kleinhändler, einzuschreiten. Gerade das Kleingewerbe leide am meisten unter den Steuererhöhungen, die die erhöhten Besol- dunaen für die Beamten nötig gemocht hätten, deshalb sollte es aber auch vor einer Konkurrenz in seinem Erwerbsleben von selten de^ Be­amten geschützt werden. Auch gegen den Hausierhandel wurde «rout gemacht, und um eine mildere Handhabung der Vackererverordnung gebeten, der tatsächlich schon Bäckermeister und Hausbesitzer wirtschaft, lich zum Opfer gefallen sind. Es wurde wiederholt betont baß bie Er­folge bet Fortbildungsschulen sich bereits bethlidj in der Praxis zeigen und darauf gedrungen, alles zu tun und schnell zu tun, um bas Fort­bildungsschulwesen immer weiter auszubauen. Das. wurde einen festen Grund für den Mittelstand schaffen, auf dem getrost weiter gebaut werden könnte. Die segensreicken Folgen für Staat unb Gesellschaft würben nicht ausbleiben, wenn auf allen Gebieten seines wirtschaftlichen Lebens, dem Mittelstände seitens der Regierung kräftige Förderung zu teil wer­den würde.

Made in Sermam," auch in Rußland.

lieber ben gewaltigen Einfluß, ben sich bie deutsche Industrie jetzt auch in Rußland gesichert hat, schreibt ein russisches Blatt folgendes: Wenn man eine Schraube, eine Hänge, eine Klammer, eine Hacke oder irgend ein Handwerksgerät braucht, so kann man ganz sicher fein daß man bei einem Kauf bie deutsche Industrie unterstützt. Alle Rahmen- und Bilderleisten, die wir in den verschiedenen Laden erblicken, sind deutschen oder österreichischen Ursprungs. Von all den Luxusgegen- ftänben in unseren Wohnungen garnicht zu reden. Alle einfachen Fever» Halter mit denen die A-V-E-Schiitzen Rußlands schreiben alle Pennale, Radiergummi unb Lineale, alle Bleistifte unb Griffel flammen aus Deutschland' auch die Schnur, mit der man dem Käufer bas Päckchen verschnürt ist brutschen Ursprungs. Betritt man russische Kunsthanb- hingen welche sonderbarerweise Italienern ober Deutschen gehören, so sieht man nicht ohne Bewunderung, baß alle Waren mit benen biefe Löben gefüllt sind, alle diese Stiche, Gravüren. Bilder, Ansichtspostkarten, Pinsel Rahmen, Papier, Mappen unb Albums nicht russischen Fabriken entstammen, sonbern hauptsächlich in Deutschlanb angefertigt worben find, brutschen Text aufweifen unb beutscher Auffassung entsprechen. Es kommt einem vor, als fei man in einen Laben Berlins ober Leipzigs getreten. Der russische Konsument umgibt sich gleich bem Bewohner eines Laubes ohne Kultur mit Fabrikaten einer fiemben Produktion, schmückt mit ihnen sein Heim unb entwickelt an ihnen seinen Geschmack. Rußlanb ist fo weit in bei Industrie zurück, baß es nicht einmal bie vielen verschobenen Bilber für Kinber, wie sie in Abzieh-, Reliefbildern, Bilderbogen usw. existieren, selbst anfertigen, obgleich sie in vielen Mil­lionen in Rußland abgesetzt werden. Au- den Abbildungen auf diesen Bildern spricht dem Russen eine fremde Welt entgegen. Wenn man bie Läden bei Schulartikel betritt, so finbet man dort eine Unmenge von Bogen, Albums und Kästchen, welche mit Bildern in deutschem Geschmack geschmückt find. Ein Fabrikat russischen Ursprungs findet man in diesen Läden nicht. Uebrigens sind in neuerer Zeit auch Bilderbogen zum Ausschneiden mit russischen Kosaken und Soldaten in Deutschland erschienen, die ein sehr schreckenerregendes Aeußere haben. Im Magazin für Unterhaltungsspiele und Lehrmittel find alle Spiele, Lehrmittel, Albums mit Bildern, Kinderbüchern usw. deutschen Ursprungs. Alle Schreibwarenmaterialien, alle Sachen, welche zur Schule gehören, sind in Deutschland angefertigt. In den übrigen Handelszweigen ist es nicht gerade besser bestellt. Was einen vielleicht am meisten wundern kann ist bie Tatsache, baß alle jene Weißholzfachen unb Sächelchen zum Ausbrennen. Bemalen ober für Kerbschnitzerei aus Deutschlanb stammen, wenngleich sie aus russischem Holze angefertigt finb. Darin hegt insofern nichts Eigentümliches, als sich in Leipzig unb München Spezialfabriken für diese Sachen befinden, bie dort in einer guten Qualität fanbei unb geschmackvoll hergestellt werden.

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