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1913
GrNes Blatt.
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Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Franksurt a. M.
38.Hauptversammlung des Deutschen Handelstaaes.
S. & H. Berlin, so. Februar.
Zn der heutigen zwc--ii und letzten Sitzung des Deutschen Handels^ tages stand an erster Stelle das Thema „Arbeitszeit der Arbeiterinnen". Es wurde hierzu eine Erklärung des Ausschusses angenommen, die verschiedene Erleichterungen in der Beschäftigung von Arbeiterinnen für di« Arbeitgeber vorsteht. Es folgte ein Referat des Geh. Kommerzienrats Neven Du Mont (Köln) über die Vertretung von Zndustrie und Handel in den Ersten Kammern. Hierzu wurde folgende Erklärung angenom: men: „Angestchts der durchaus ungenügenden Vertretung von Zndustri« und Handel in den Ersten Kammern der meisten deutschen Bundesstaate« spricht sich der Deutsche Handelstag dahin aus, daß den genannten Berufs- zweigen eine solche Vertretung in einem ihrer Bedeutung entsprechenden Matze gewährt und den Handelskammern das Wahlrecht dafür verliehen werde." — Der Handelstag ging nunmehr zur Beratung des von dem Ausschuß vorgelegten Antrages betreffend den Schutz der Arbeitswilligen über, der erst am 24. Januar vom Ausschutz beschlosien worden ist und folgenden Wortlaut hat: „Der Deutsche Handelstag hat auf Grund de, von ihm bei seinen Mitgliedern veranstalteten Umfrage die lleberzeu- gung gewonnen, datz, um den Uedelständen bei Streiks im wesentliche« zu begegnen und die Arbeitswilligen nicht ferner dem Terrorismus bei Streikenden in bisheriger Weise auszusetzen, ein ausgiebigerer uni schnellerer Schutz der Arbeitswilligen auf gesetzlichem Wege zu schaffe« sei." Der Referent Geh. Kommerzienrat Deutzen (Krefeld) berichtete über die Arbeiten des Ausschusses in dieser Frage. Auf eine Anfrage haben 44 Handelskammern, die Mehrzahl, erklärt, daß die vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen einen ausreichenden Schutz der Arbeitswilligen nicht gewährleisten. Der Staat hat die Pflicht, die Freiheit des Einzelnen zu schützen. — Kommerzienrat Weber (Gera) empfiehlt noch einen Zusatzantrag, wonach das Streikpostenstehen verboten werden soll. Die Abstimmung des Reichstages kann für uns nicht matzgebend sein, denn dort werden allerlei Rücksichten genommen auf den Wahlkreis, die politische Situation usw. Rach meiner Ansicht ist es Pflicht des Handelstages, der Regierung zu zeigen, daß die Abstimmung des Reichstages ein falsches Bild gibt von der Stimmung, die hinsichtlich des Schutzes der Arbeitswilligen in den Kreisen von Zndustrie und Handel herrscht. Der Staatssekretär Delbrück weitz, ttotz seiner Ausführungen im Reichstage zur Frage der Streikposten ganz genau, datz die Ausschreitungen bei Streiks, der Terrorismus, dem die Arbeitswilligen ausgesetzt sind, einer Abhilfe bedarf. Wir fordern absolut kein Ausnahmegesetz, denn ein Gesetz gegen das Streikpostenstehen richtet sich nur gegen jene, die das Gesetz übertreten. Ob ein solches Gesetz noch nach 5 bis 6 Zähren möglich sein wird, möchte ich bezweifeln. — Kommerzienrat Vogel (Chemnitz) betonte, datz Zusammenschluß die beste Waffe gegen die organisierte Arbeiterschaft sei. Durch das Zusammengehen der Arbeitgeber im Textilgewerbe fei es erreicht worden, datz die meisten Streiks in den letzten Zähren in diesem Gewerbe vermieden bezw. zugunsten per Arbeitgeber entschieden wurden. Kommerzienrat Neven Du Mont (Köln) betonte, datz es den Behörden, namentlich den oberen Polizeiorganen oft an der nötigen Energie fehle, um die bestehenden Gesetze in Anwendung zu bringen. Das habe sich besonders bei dem letzten Streik im Ruhrkohlenrevier gezeigt. Bei dem letzten Streik der Christlichen Gewerkschaften sei es etwas bester geworden, aber befriedigend auch noch nicht. — Nachdem Kommerzienrat Weber seinen Zusatzantrag zurückgezogen hatte, wurde die Erklärung des Ausschusies mit großer Mehrheit angenommen. — Die Versammlung nahm noch einen Bericht des Generalsekretär Dr. Soetbeer über den Internationalen Handelskammerkongretz Boston im Zahre 1912 entgegen, worauf der stellvertretende Vorsitze. Robinow (Hamburg) die Tagung mit Dankesworten an die Teilnehi, . schloß.
D-ichchss Neich°
— Gegenseitiger Besuch zwischen dem Berliner und dem Gmnndener Hof. Berlin, 20. Febr. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Die Kaiserin wird mit der Prinzessin Viktoria Luise demnächst zu einem Besuche bei dem Herzog und der Herzogin von Cumberland in Gmunden eintreffen. Der Herzog und die Herzogin von Cumberland werden im Laufe des Monats März dem Kaiserpaare einen Besuch in Potsdam abstatten.
— Aus dem Bundesrat. Berlin, 20. Febr. In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde der Entwurf der Bekanntmachung betreffend die Ausführung des 8 8 des Verstcherungsgesetzes für Angestellte dem zuständigen Ausschutz überwiesen, dem Entwurf der Bestimmungen, betreffend die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter auf Steinkohlenbergwerken in Preußen, Bayern, Sachsen, Elsciß- Lothringen, sowie dem Entwurf der Bestimmung über die Einrichtung und Betrieb von Anlagen zur Herstellung von Bleifarben und anderen Bleiprodukten wurde zugestimmt.
— Denkmaleinweihung. Berlin, 20. Febr. Das für den als erstes Opfer der Freiheitskriege gefallenen Freiherrn von Blomberg errichtete Denkmal vor der Vartholomäuskirche am Königstor ist heute mittag feierlich enthüllt worden. An der Feier nahm der Fürst zu Lippe als Landesherr Blombergs teil. Die städtischen Behörden und die Garnison waren durch Deputationen vertreten.
— Beanstandete Wahl. Berlin, 20. Febr. Die Wahlprüfungskommission des Reichstages beanstandete in ihrer heutigen Sitzung die Wahl des Abgeordneten Vietmeyer (Wirtsch. Vereinigung) Wahlkreis Waldeck-Pyrmont, und beschloß Beweiserhebung.
— Die Rordd. Allg. Ztg. zum Jubiläum der Romanows. Berlin, 20. Febr. Die „Rordd. Allg. Ztg." schreibt: Am 21. Februar begeht das russische Herrscherhaus die 300. Wiederkehr des Tages, an dem Michael Romanow auf den Moskauer Zarenthron erhoben wurde. Der Uebergang der Herrschergewalt in Rußland auf das Haus Romanow bezeichnet den Beginn der großen Entwickelung des Zareirreiches. Mit dem Anfang der dauernden Teilnahme Rußlands an den Geschicken der europäischen Völkerfamilie knüpfen sich auch die ersten politischen Beziehungen zwischen Preußen und der östlichen Nachbarmacht. Von einer kurzen Unterbrechung im 16. Jahrhundert abgesehen, bewahrten diese Beziehungen seit 200 Jahren das Gepräge eines friedlichen und freundschaftlichen Verhältnisses und übertrugen sich nach Einigung der deutschen Nation unter Preußens Führung von Preußen auf Deutschland. Dieses traditionelle deutsch-russische Freundschaftsverhältnis wurde durch verwandtschaftliche Bande zwischen den Herrscherhäusern und durch die Pflege vertrauensvoller persönlicher Beziehungen der Monarchen zueinander fortgesetzt und gefestigt. Seine Bewahrung entspricht den großen dauernden Interessen der beiden Reiche, die aus der wechselseitig geübten guten Nachbarschaft Vorteil ziehen und durch keinen wesentlichen Gegensatz behindert sind, sich innerhalb ihrer Grenzen friedlich nebeneinander zu entwickeln. In der Zuversicht auf den Fortbestand der deutsch-russischen Freundschaft nehmen wir herzlichen Anteil an der Jubelfeier des Hauses Romanow mit dem Wunsche, daß Kaiser Nikolaus und seinen Nachfolgern es vergönnt sein möge, in glücklicher Regierung weiterhin für Rußlands Wohlfahrt und Größe zu wirken.
— Die Beleidigungklage des Unterstaatsfekretärs gegen den „Rouvelliste". Colmar, 19. Febr. Vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts kam heute als Offizialklage die Beleidigungsklage des Untcdstaatsfekretärs Mandel gegen das Wetterl^sche Blatt „Le Nouvelliste d'Alsace-Lorraine" zur Verhandlung. Nach zweieinhalbstündiger Verhandlung wurde der Angeklagte Schriftleiter Sibel vom „Nouvelliste" freigesprochen. Im Gegensatz zu der Anklag«, daß in d«n Ausführungen der „Nouvelliste" Unter
staatssekretär Mandel als Mitarbc: er der „Rheinisch-Westfälisch» Zeitung" gekennzeichnet sei, nahm das Gericht auf Grund der Beweisaufnahme an, daß sich der unter Anklage gestellte Aufsatz nicht auf den llnterstaatssekretär als Mitarbeiter der genannten Zeitung bezogen habe.
— Ein allgemeiner deutscher konservativer Parteitag wird, wie die „Kreuzztg." mitteilt, Donnerstag, den 13. März, im „Rheingold" zu Berlin nachmittags iy2 Uhr eröffnet werden. Auf der Tagesordnung stehen ein Vortrag des Reichstagsobaeordnete« Grafen Westarp über die Arbeit des Reichstags, Berichte aus den Landtagen der Einzelstaaten und eine Erklärung des Reichs- und Landtagsabgeordneten von Heydebrand über die allgemeine politische Lage. Dann folgt eine Aussprache.
- Der künftige Wohnsitz des Prinzenpaares Ernst August. Hebel den künftigen Wohnsitz des Prinzenpaares Ernst August von Braunschweig-Lüneburg hat Prinz Ernst August selbst soeben eine Mitteilung gemacht, aus der deutlich hervorgeht, datz Prinz Ernst August und Prinzessin Viktoria Luise nach ihrer Vermählung zunächst ihren Wohnsitz in Rathenow nehmen werden. Die Stadtverwaltung von Rathenow, der Earnisonsstadt des Regiments der Ziethen-Husaren, in das Prinz Ernst August eingestellt wurde, sandte dem Prinzen und der Prinzessin einen telegraphischen Glückwunsch. Daraus ging in der Stadt Rathenow da» folgende Danktelegramm ein: „Berlin (Schloß), 14. Februar. Wir danken herzlichst für die freundlichen Wünsche und den warmen Will- kommengrutz der Stadt Rathenow und freuen uns auf die Zeit, die wir in ihr verleben werden. Ernst August. Herzog zu Braunschweig und Lüneburg." Diese Mitteilung macht vorläufig alle anders lautende« Kombinationen hinfällig.
Die Laqe auf dem Balkan.
Konstantinopel, 20. Febr. Ein amtlicher Kriegsbericht besagt: Gestern nach Mitternacht wurde Adrianopel sehr schwach beschossen. Die Situation vor Tschataldscha und Gallipoli ist unverändert. — Aus Gallipoli und Bulair wird starker Schneefall gemeldet. Mehrere Personen sollen angeblich erfroren sein.
B e r l i n, 20. Febr. Die „Vossische Zeitung" erhielt aus Konstantinopel ein Telegramm, daß die Türken ihren Kriegsberichterstatter auf Gallipoli feftgenommen haben. Näheres ist noch unbekannt.
Sofia, 20. Febr. Am 17. Februar morgens überbrachte ein bulgarischer Parlamentär dem Festungskommandanten von Adrianopel die Zuschriften der bulgarischen sowie der fremden Regierungen bezüglich des Abzugs der auswärtigen Staatsangehörigen aus der Stadt. Bis zum 18. Februar abends war keine Antwort von türkischer Seite eingetroffen.
W i e n, 20. Febr. Einer Mitteilung zufolge, welche die „Politische Korrespondenz" von unterrichteter Seite aus Sofia erl)ält, hat der bulgarisch-rumänische Gegensatz nunmehr durch das vermittelnde Eingreifen der Mächte an Schärfe abgenommen. Man glaubt sogar, schon ankündigen zu können, daß die Besprechungen von dem Erfolge, zwischen dem beiderseitigen Standpunkt eine mittlere Linie zu finden, nicht mehr sehr entfernt seien. Es ist die Annahme gestattet, daß die bulgarische Regierung die Abtretung der Stadt Silistria, die sie bis zum Eingreifen der Mächte durchaus verweigert hat, nunmehr unter gewissen Voraussetzungen nicht mehr als ein unmögliches Zugeständnis betrachten werde.
Calcutta, 19. Febr. Die Gährung, die der Balkankrieg unter der mohamedanischen Bevölkerung verursacht hat, dauert unvermindert fort und die anglo-indische Presse weist auf die Leidenschaft der Reden hin, die hier gehalten werden und auf die Tendenz,, einen Boykott zu veranstalten. Ein gemäßigteres Bengalenblatt sagt, die Lage fange an ernster zu werden, da die Hindus extremster Richtung sich die Erregung der Mohamedaner zu Nutze machten und ermahnt die Regierung, die Versammlungen zu verbieten, tu denen der Krieg erörtert werde. Andernfalls, sagt das Blatt, »erde die Bewegung dieselbe Entwickelung wie die Beweg
ung der Hindus nehmen. Ein kürzlicher Versuch Aga Khans, die Stimmung zu beruhigen, hat nur zu einer Vermehrung der Volksversammlungen geführt, in denen der Aga Khan als ein schlechter Mohamedaner gebrandmarkt wurde.
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Politische Umschau.
Delcasse. Botschafter in Petersburg.
Da ber jetzige französische Botschafter in Petersburg, Herr Louis, bereits feit längerer Zeit kränkelte, sodaß ihm die Wahrnehmung seiner Funktionen feit mehreren Monaten erschwert würbe, hat sich die französische Regierung entschlossen, ihn abzuberufen. Zu seinem Nachfolger würbe ber bisherige Marineminister Delcasse ernannt. Diese Ernennung, zu ber ber Zar seine volle Zustimmung bereits gegeben hat. soll nach einer Mitteilung des Ministers des Auswärtigen. Zounatt, ber Delcasse für ben Posten vorgeschlagen hat, in politischen wie in höfischen Kreisen Petersburgs ben besten Eindruck gemacht haben.
Auch in Frankreich wirb bie Berufung Delcasses zu der Petersburger Gesandtschaft sympathisch ausgenommen. Die „Liberte" schreibt über bie Ernennung Delcasses zum Botschafter in Petersburg: Diese Ernennung war bereits vor acht Tagen entschieden. Sie steht demgemäh in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit ber Haltung Frankreichs gegenüber ben militärischen Maßnahmen Deutscklanbs. Die Wahl Delcasses für ben Petersburger Posten war logischerweise burch bas innige französisch- russische Zusammenarbeiten in ber Orientfrage angezeigt. Die neue Stellung des ehemaligen Ministers des Aeutzern, welcher bie französisch- russische Allianz befestigte unb bie Entente Cordiale mit ins Leben gerufen hat, wird für die Begünstigung des französisch-russischen Bündnisses unb ber Triple-Entente, befonbers nützlich sein. Ueberbies erhält bie Entsenbung Delcasses nach Petersburg gerabe jetzt, wo Rußland mit wachsendem Eifer bie Reorganisierung ber Flotte unternimmt, mit Rücksicht auf seine Erfahrungen auf diesem Gebiet eine besonders erfreuliche Bedeutung. Auch von England wirb bie Ernennung Delcasses als eine ben gemeinsamen Interessen ber Triple-Entente sehr günstige Maßnahme angesehen.
Die Landwirtschaft in unseren Kolonien.
Kolonialabteilung der Deutschen Landwirtschaftsgesellfchaft.
S. & H. Berlin, 19. Februar.
Unter zahlreicher Beteiligung der Mitglieder unb in Anwesencheit des Gouverneurs Dr. Seitz (Sübwestasrika) sowie von Pros. Hinrichscn vom Königlichen Materialprüfungsamt tagte heute nachmittag tm Restaurant „Rheingold" bie Kolonialabteilung ber Deutschen Landwltt- schaftsgesellschaft. Der Vorsitzenbe Prof. Wohltmann (Halle a. 6.) begrüßte bie Anwesenden, worauf er nach Erledigung verschiedener internet Vereinsangelegenheiten bas Thema behandelte: „Wie hat ber Tropen» wirbt ben Boden für Anlage einer Pflanzung auszuwahlen?" Er hob hervor, daß e» nicht genüge, ben »oben nur oberflächlich zu untersuchen, daß vielmehr auch Unterfuchungen des Untergrundes unerläßlich seien.
Die Prügelstrafe in England.
Man schreibt uns:
Die Frage der Einführung der Prügelstrafe für eine gewisse Sorte von Verbrechern, namentlich für Kuppler unb Zuhälter unb bie Verübet sogenannter Rohheitsverbrechen, gilt in Deutschlanb immer noch für unbistutierbar. Und doch gibt es zahlreiche Leute, bie ber Anschauung hulbigen, es sei wirklich an der Zeit, ber zunehmenben Verrohung einen Damm entgegenzusetzen, unb bie auch bet Ansicht sind, daß die Prügelstrafe sehr wohl geeignet sei, einen solchen Damm zu bilden. Mit Rücksicht darauf ist bie jüngst auch im Deutschen Reichstage sesige- stellte Tatsache zweifellos von Interesse, baß Englanb, bas von unfern Radikalen überlieferungsgemäfj auch heute noch als Hort ber persönlichen Freiheit unb aller Menschenrechte angesehen wirb, seit Mitte Dezember vorigen Zahres ein Gesetz hat, bas für Zuhälter unb Kuppler bie Prügelstrafe als Verschärfung bet Gefängnisstrafe vorsieht, unb daß es die gegenwärtige liberale Regierung in England gewesen ist, bie biefes Gesetz zur Annahme gebracht hat. Seinen Ursprung hatte das Gesetz in einem Komitee, bas im Jahre 1907 gebildet wurde und bas^ sich jttm Zwecke gesetzt hatte, bie Frauen zu schützen unb bas Zuhälterwesen zu beschränken. Dieses Komitee arbeitete einen Gesetzentwurf aus, bet im Zahre 1909 nach Gutheißung burch ben Minister bes Innern im Unterhause eingebracht wurde. Der Minister bes Znnern Mc Kenna wat es auch, ber bie Bestimmung biefes Entwurfs, burch bie bem Gerichte bie Vollmacht gegeben werden sollte, gegen einen Mann, ber zum zweiten Male wegen Kuppelei bestraft war, bie Prügelstrafe zur Verschärfung ber Gefängnisstrafe zu verhängen, mit Entschiebenheit gegen ben Vorwurf oerteibigte, baß diese Form bet Bestrafung ben moberncn Prinzipien widerspreche und als demoralisierend und barbarisch bezeichnet werden müsse. Der Minister wies darauf hin, daß in ben Fällen, um bie es sich handle, jede Rücksichtnahme vom Uebel fei, da es sich um eine besonders verächtliche Klasse von Verbrechern handle. Et bezeichnete es auch als durchaus unrichtig, datz der größere Teil ber liberalen Partei Englands gegen bie Anwenbung bet Prügelstrafe fei, und er hatte bie Genugtuung, baß eine ganze Reihe von liberalen Rednern sich für diese Strafe erklärte, bie nach Angabe bes Ministers in England überhaupt Nicht abgeschafft ist, unb wenn auch nicht gerabe häufig, noch fortgesetzt angewandt wird. Bei ber ersten Abstimmung würbe die erwähnte Bestimmung bes Gesetzentwurfs mit ber großen Mehrheit von 297 gegen 44 Stimmen angenommen. Cs wurde bann aber auch der weitergehenbe Antrag, wonach bie Zuhälter unb Kupplet schon nach der ersten Verurteilung bet Prügelstrafe sollten unterworfen werden können, angenommen, wenn auch nur mit einer geringen Mehrheit. Im englischen Obethause wurde ber so gestaltete Gesetzentwurf mit einer großen Mehrheit genehmigt .nachdem ein Antrag, die Prügelstrafe nur im Wiederholungsfälle anzuwenden, mit 88 gegen 11 Stimmen abgelehnt wat. Nachdem am 12. Dezember bie etwas abgeänberte Bill vom Unterhause enbgültig angenommen war, erhielt sie schon am 13. Dezember die Königliche Unterschrift und trat damit in Kraft. Die schnelle Inkraftsetzung wurde damit begründet, daß es notwendig sei. den Kupplern und Zuhältern sofort zu Leibe zu gehen. Der Abg. Holtschke hatte nicht unrecht, wenn er bei bet Beratung bes Justizetats im Reichstage hervot- hob, daß dieses Gesetz im englischen Parlament unter einem liberalen Ministerium zustande gekommen sei, zu dessen Mitgliedern ein Führer der Arbeiterpartei gehöre. Nicht ohne Interesse ist cs, daß schon jetzt die Wirkung dieses Gesetzes in England in einer scharenweisen Auswanderung bet Zuhälter unb Kupplet nach bem Festlande hat festgestellt werden können. Es wird unb kann nicht ausbleiben, baß auch bei uns bie Frage ernstlicher erörtert wirb, wie wir uns gegen biesen Abschaum bet Menschheit oerteibigen können, unb ba bürste bas Vorgehen Englanbs denn boch für manchen eine Lehre enthalten.
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Marburg
Freitag, 21. Februar
Die „Oberhessifche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme bet Sonn- unb Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich burch Jto 44 bie Post bezogen 2.25 JH (ohne Bestellgelb), bei unseren Zeitungsstellen 8— ji frei ins Haus. — Druck ber Univ.-Buchdrucketei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. — Telephon 55.
mit oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und ben Beilagen: „Nach Feierabend". „Fürs Haus" und „Lanbwirtfchaftliche Beilage".
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gefpaltene Zeile ober .Q . beten Raum 15 . bei amtlichen unb auswärtigen Anzeigen 20 . für 48. ^flQrg/ Reklamen die Zeile 60 A. Bei Wieberholungen entsprechender Rabatt.