mit oem Kreisbtatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: ..Nach Feierabend". „Fürs Laus- und »Landwirtschaftliche Bella«".
M 40
Die „Oberhesfische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2,— M frei ins Laus. — Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Montag, 17. Februar
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48. Jahrg.
1913.
Erstes Blatt
der Kommandant des englischen Kriegsschiffes „Yarmouth" bevor er die Suda-Bay verließ mit einer Kompagnie Seesoldaten <m Land, lieh die Flaggen der Erchmächte und die tiirf;t*e ^"«g«
müssen die Tarife zuschneiden nicht für den Betriebsetat der Gegenwart, sondern für den der Zukunft.
Wie sie ihn liebte, wie ihr Herz ihm entgegenschlug? — O, warum _ warum nur mußte das Schicksal so grausam sein und sich trennend zwischen sie drängen? —
Er war wieder vor ihr niedergekniet und hatte in leidenschaftlicher Aufwallung die Arme um sie geschlungen. Langsam ließ sie die Hände sinken und sah mit schmerzlichem Blick in sein schöne, erregtes Antlitz. , ,
„Vergiß jene Stunde, Kurt!" bat sie leise und versuchte, sich aus seinen Armen zu befreien.
„Nie — nie, Martine!" murmelte er aufspringend. Dann preßte er sie an seine Brust und küßte ihren Mund und ihre Augen, und sie ließ es geschehen, ohne zu widerstreben. Sie fühlte, es war ein Abschied für ewig.
„Kurt — und doch müsien wir uns trennen, rauhe Notwendigkeit zwingt uns dazu!" flüsterte sie unter seinen Küsten. Aber er schien nicht |u hören was sie sagte; glückstrahlend sah er sie an.
„Ich kann dir das verlangte Versprechen nicht geben — kann nie die Deine werden!" rang es sich ihr wie in hartem Kampfe von den Lippen.
Da lösten sich unwillkürlich seine Arme von ihrer Gestalt, und ein« fahle Bläste überzog sein Gesicht. Einen Augenblick herrschte tiefes Schweigen. Dann war es ihm plötzlich klar, daß sie nicht scherzte.
„So liebst du mich nicht — hast nur mit mir gespielt, wie mit so •ieltn andern? — Hast du denn gar nicht daran gedacht, daß — o du!" stieß er leidenschaftlich hervor und preßte mit eisernem Griff ihr zartes Handgelenk.
„Ach, Kurt — ich habe an nichts gedacht, am allerwenigsten aber daran, daß du mir zumuten könntest, eine gesicherte, glänzende Zukunft »ufzugeben für «in unsichere», vielleicht sorgenvolles Leben an deiner
•t« Zittern schüttelte ihre Gestalt, während fie so sprach. Und doch.
Eine programmatische Erklärung des Staats' iekretärs Dl Soll.
Rach einem kolonialen Vortrag im Hotel Adlon in Berlin gab der Staatssekretär des Reichskolonialamts selbst über seine afrikanische Derkehrspolitik eine programmatische Erklärung ab, in der es u. a. heißt: Der Ueberblick zeigt, daß Afrika noch in den Anfängen des Verkehrswesens steckt, daß noch unendlich viel zu tun ist, denn Afrika hat mit seinen 30 Millionen Quadratkilometern 4500 Kilometer Schienen, während z. B. Deutschland mit einer halben Million Quadratkilometer über ein Schienennetz von 60 000 Kilometern verfügt, also 67 mal soviel als Afrika. Da ist noch viel zu tun übrig, das gilt für die anderen Nationen, das gilt auch für uns. Der Nordwesten sowohl wie der Sudosten Afrikas entbehren noch der Bahn. In Togo hat sie den Weg bis zur Nordgrenze noch nicht einmal zu einem Drittel zurückgelegt, in Kamerun ist so gut wie alles zu tun; selbst das schon reicher bedachte Südwestafrika wird nicht lange stillstehen dürfen. Die Kolonialverwaltung ist bereit und hält es für eine ihrer vornehmsten Aufgaben m eine Prüfung aller Projekte und Vorfchläge über die weitere Ausgestoll- tung des Bahnnetzes einzutreten, die ihr von Interessenten und Sachverständigen unterbreitet werden. Diese Prüfung hat aber nicht rn Berlin — wenigstens nicht in erster Linie — sondern in den Schutzgebieten selbst stattzusinden. Da die Gouverneure gegenwärtig mit dieser Prüfung beschäftigt sind, möchte ich mich enthalten, auf die verschiedenen Projekte im Einzelnen einzugehen. Die Versicherung kann ich aber und will ich gern abgeben, daß wir nicht die Absicht haben, uns mit dem bestehenden Vahnnetz zu begnügen, sondern nach Kräften weiter bauen werden. In Zukunft werden wir es leichter haben. ,m Bahnbau fortzuschreiten, denn eins ist sicher erreicht worden: Wir haben gelernt, wie wir in den Kolbnien Bahnen zu bauen haben. Mit Stolz habe ich auf meiner Fahrt auf der Ugandabahn den Wunsch des mich begleitenden englischen Ingenieurs registriert, daß er sich gern unsere Usambara- vnd Tangangika-Bahn ansehen möchte, um dabei zu lernen, wie man es machen muß. Unsere Technik ist den großen künftigen Aufgaben, auch den schwierigsten, gewachsen. Eine andere Frage ist dre, ob wir die bereits vorhandenen Vabnen richtig ausnüben. In dieser Beziehung habe -ich auf meiner letzten Reise den Eindruck gewonnen, daß die Klagen der Ansiedler nicht so ganz unberechtigt sind. Im Osten und Sud- westen ist man der Ansicht, daß unsere Kolonialbahnen zu sehr auf baldigen Barvcrdienst sehen. Gewiß, eine gute Rente ist etwas sehr schone? doch ist sie keineswegs ein Maßstab dafür, ob die Bahn ihren Zweck erfüllt. Dafür ist die Größe des Verkehrs maßgebend. Der Verkehr ist der zuverläsiigste Gradmesier für die Entwickelung des Wirtschaftslebens. Lebhafter Verkehr bedeutet blühende Wirtschaft und der Wirtschaft zu dienen, ist die Aufgabe der Bahn. Den Kolonialpolitikern ist es lieber, eine Bahn hat eine Million Tonnen Güterverkehr und wirft nur 1 Prozent Rente ab, als daß sie mit 100 000 Tonnen 4 Prozent Zinsen erzielt. Was an unmittelbarer Rente eingebüßt wird, wird reichlich gewonnen in der zunehmenden Entwickelung der gesamten Wirtschaft. Im Anfangsstadium ihrer Tätigkeit kann eine Bahn im allge meinen nur dann Hobe Renten bringen, wenn sie Hobe Frachtsätze berechnet. Hobe Frachtsätze aber sieben einer starken Verkehrsentwickelung im Wege. Geschichtlich erklären sich die hohen Frachtsätze unserer Kolonien daraus leicht und sie hatten auch ihre Berechtigung, denn die K-lonialverwaltung konnte noch vor wenigen Jahren nur dann auf die Genehmigung neuer Bahnbauten rechnen, wenn die alten den Nachweis einigermaßen befriedigender Einnahmen brachten. Diese Wirkung war für den Augenblick nur mit hohen Frachtsätzen zu erreichen, denn die natürliche Entwickelung des Verkehrs ist eine allmähliche und erfordert Zeit. Die fortschreitende kolonialpolitische Erkenntnis unserer Tage, braucht, glaube ich, solche Krücken nicht mehr. Sie weiß, daß man nicht an ein und demselben Tage säen und ernten kann. Gewiß, wenn die Bahnen in die Verkehrsreife kommen, sollen und müsien sie sich selbst ttagen, müsien sie Zinslast, Amortisation und Betrieb decken. Danach haben wir die Tarife zu stellen. Da wir nicht den ersten dünnen, sondern den späteren gesättigten Verkehr zum Maßstabe nehmen für die Wahl der Spurweite und der Schwere des Gleises und der Maschinen, so müsien wir es auch von vornherein mit den Tarifen halten. Wir
(Nachdruck verboten.)
Gewagtes Spiel.
Roman von E. Teutgen-Horst.
sFortsetzung t
Tie Vanc
Die Feindseligkeiten.
Konstantinopel, 16. Febr. Der gestrige amtliche Kriegsbericht besagt: In Adrianopel ist die Lage fortgesetzt ruhig. Vor Bulair hat sich nichts geändert. Bei Tschataldscha sind die Vorposten beschäftigt, die eroberten Stellungen zu befestigen. Ein weiterer amtlicher Bericht sagt: Die Vortruppen der Türken bei Tschataldscha haben die feindlichen Linien angegriffen. Die Bulgaren hatten die Höhen nordöstlich von Akalan stark mit Artillerie besetzt, um den Vormarsch der türkischen Truppen zu verhindern. Die am linken Flügel gegen Sürgünköj vorgehende türkische Kolonne hat dem Feind gestern früh auf Harabdschi und Tschiftil zu- rückgetrieben. Auf dem rechten Flügel hatten die türkischen Truppen das Dorf Ormanhi besetzt und befestigt. — Die Bulgaren scheinen sich auf der Linie Midia-Sinekli-Rodosto zurückgezogen zu haben. Me Dahn ist frei bis Kilometer 65, vier Kilometer vor Tschataldscha.
Sofia, 16. Febr. Die „Agence Vulgare" meldet: Der türkische Panzerkreuzer „Assar-i-Temwsik", unter desien Schutz der Versuch einer Landung türkischer Truppen bei Podima an der Küste des Schwarzen Meeres gemacht wurde, stieß vorgestern aus eine von den Bulgaren gelegte Mine, erlitt ernsthafte Havarien und scheiterte. Die Minenlegerabteilung und die Küstenbatterie zerstörten das Kriegsschiff vollständig und brachten es zum Sinken. Ein türkisches Transportschiff, das sich an der Landung bei Schar- koej beteiligt hatte, ist samt der Bemannung von der bulgarischen Artillerie, zwei Kilometer südlich dieser Ortschaft in Grund gebohrt worden.
Konstantinopel, 16. Febr. Das Presiebüro teilt mit: Am 14. Februar griffen die Montenegriner mit 16 000 Mann und zahlreichen Kanonen die türkische Stellung auf dem Tarebosch u«d bei Berlitz« an. Die Türken leisteten energischen Widerstand. Die Montenegriner mutzten sich unter Zurücklasiung von fe^s Kanonen und 3000 Verwundeten zurückziehen.
Schutzmaßregeln für di« Anslönder in Adrianopel.
Nach einem Berliner Telegramm der „Kölnischen Zeitung" scheint die bulgarische Regierung jetzt eher geneigt, auf den Wunsch der Mächte nach Schutzmaßregeln für die Ausländer in Adrianopel einzugehen. An die von mehreren Mächten im Interests der Sicherheit ihrer Staatsangehörigen gemachten Vorstellungen hat sich auch die deutsche Negierung beteiligt, obwohl von deutscher Seite aus Adrianopel besondere Gesuche Reichsangehöriger um Anweisung eines Zufluchtsortes oder Gewährung freien Abzuges nicht Vorlagen. Türkischerseits wurde die Bitte der Mächte günstig ausgenommen, bei Bulgarien stieß man zunächst auf Widerstand, es scheint aber, als ob die Frage in Sofia neuerdings näher geprüft worden sei. Außer einem Zufluchtsorte vor den bulgarischen Ge- schostsn komme vielleicht die Gewährung freien Abzuges in Frage.
Bezüglich des Schutzes der in Adrianopel eingeschlossenen Ausländer wird weiter aus Sofia gemeldet, daß man wahrscheinlich für die Ausländer, die mit einem von ihren Konsuln ausgestellten Zeugnis versehen sind, gestatten werde, Adrianopel zu verkästen und sich nach irgend einem beliebigen Ort zu begeben. Der Gedanke, die Ausländer in der neutralen Zone von Karagatsch unterzubringen, wurde fallen gelosten, da diese Zone in der Linie der serbischen Truppen liegt, deren Eeneralstabschef die Verantwortung für die Bewachung und Ernährung der Fremden nicht übernehmen wollte.
Die Hissung der griechischen Flagge auf Kanea.
A t h e n, 15. Febr. Wie aus Kanea gemeldet wird, begab sich
ttotzdem sie sah, daß ihre Worte gleich Keulenschlägen auf das Haupt des Geliebten fielen, atmete sie erleichtert auf, als fie gesagt hatte, was nach ihrer festen Ueberzeugung doch einmal gesagt werden mußte.
„Eine gesicherte glänzende Zukunft —? Soll das etwa heißen, daß du die Bewerbung des polnischen Fürsten, dieses eitlen, alten Gecken, anzunehmen gedenkst?" fragte er, während ihm eine heiße Blutwelle [ins Gesicht schoß, und ein leidenschaftlicher, zorniger Blick fie anblitzte.
Sie senkte statt jeder Antwort nur schuldbewußt den Kopf und bestätigte ihm damit, was er wisien wollte.
! Da breitete sich eine eisige Ruhe über sein Antlitz. Er trat einen Schritt zurück und sagte kalt, mit unsäglicher Bitterkeit: „Ach, nun verstehe ich schwerfälliger Narr endlich, was du mir mit so vieler Mühe klarzumachen versuchtest! Dann habe ich hier ja nichts mehr zu suchen. Leben Sie wohl, mein Fräulein, und vergessen Sie so schnell wie möglich den armen Toren, der in Ihnen mehr sehen wollte als eine herzlose
Er vollendete den Satz nicht, machte ihr eine förmliche Verbeugung und schritt stolz erhobenen Hauptes der Tür zu. Aber noch ehe er diese erreichte, war Marline neben ihm, faßte gebieterisch seine Hand und zwang ihn sttllzustehen.
„Kurt — so darfst, so sollst du nicht von mir scheiden! — Ich laste dich nicht; du mußt mich erst hören!"
Ihre Stimme hatte einen so flehenden Klang angenommen, daß er sich willenlos von ihr zurückziehen ließ. Gehorsam wie ein Kind folgte er ihr und nahm in dem Sesiel Platz, den fie ihm hinschob.
„So," sagte sie, „und nun bleibe noch ein Weilchen ruhig sitzen und unterbrich mich nicht. Ich hoffe, es wird noch einmal die Zeit kommen, wo du mir für diese Stunde, in der ich dein Werben zurückgewiesen habe. Dank wisten wirst."
Sie verstand nur zu gut den Sturm der Entrüstung, den ihre Abweisung in ihm erwecken mutzte. Aber ganz abgesehen vavon, daß ihr, der an Glanz und Luxus Gewöhnten, ein Leben unter Einschränkungen und Entbehrungen der Inbegriff aller Schrecken war, welcher Zukunft trieb sie ihn entgegen, wenn fie seinen Bitten nachgab, anstatt auf die Stimme der Vernunft zu hören? — Rein, hier hieß e» fest fein und jede webche, mitleidige Regung streng verbannen.
unter militärischen Ehrenbezeugungen einziehen und d?e Flagge« anch den betreffenden Konsulaten und die türkische ff*—■* nach dem deutschen Konsulat bringen. Unmittelbar *■■*—-* anstelle der türkischen Flagge die griechische aebißt. D-r ©""erak- gouverneur von Kreta und eine zahlreiche Menge begaben R* nach der Suda-Bay. Die Begeisterung der Kreter ist unbeschreiblich.
Die Geldnot der Pforte.
Konstantinopel,15. Febr. Es verlauft, die Regier'—-- habe neuerdings Verhandlungen mit hiesigen Banken wen-"' "’nes beträchtlichen Vorschusses angeknüpft. Man hofft, daß die Verhandlungen zum Ziele führen werden. Andererseits verlanget b'ß die Dette Publique geneigt sei, unter gewissen Bedingungen einen Vorschuß von 500 000 Pfd. zu gewähren.
Rumänien und Bulgarien.
Sofia, 16. Febr. Wie von zuständiger Seite verlautet, hat Dr. Danew dem rumänischen Delegierten Ehika den bulgarischen Gegenvorschlag überreicht, welcher zwar den 'v rbe»
rungen nicht vollständig entspricht, aber doch einigermaßen entgegenkommt und überdies den Wunsch enthält, die Verbandlungen zu beschleunigen, die somit fortgesetzt werden könnten. D>e Gegen« äußerung Rumäniens wird jetzt erwartet. Sollte dieser wider Erwarten Bulgariens ungünstig lauten, so gedenkt die bulgarische Regierung die Vermittlung aller Großmächte zur gütlichen Beilegung der Streitfrage anzuruien.
Oesterreich und Rußland.
W i e n , 15. Febr. In einem von tiefrm^rer Aeite 5*ren» den Artikel über die Handschreiben des Kaisers Fr"vz Josef und des Zaren sagt das „Reue Wiener Tagblatt" u. a.: T’e Kn-—"-- tion der Großmächte bei Schlichtung der Stre'tigkeften erscheint verbürgt, wenn die hohe Mission des Prinzen Hobenlobe Erfolg hatte. Diesbezüglich kann nur gesagt werden, daß m"" an maßgebenden Stellen zufrieden ist mit dem Verlauf der Mftston —d die Hoffnung stark betont wird, die eneraische Dokumentierung bef friedlichen Gesinnung werde weiterwirken.
Eine Lösung.
Paris, 15. Febr. Das „Echo de Paris" will wissen, HaM Pascha sei beauftragt, in London folgende Lösung v^rzulchlaaen? Die Pforte würde den Balkanverbündeten alles türkische Gebiet bis zur Linie Midia-Enos abtreten, Adrianopel würde jedoch eine unabhängige muselmanische Gemeinde bleiben. Dieser Vorschlag erscheint zwar nicht sehr praktisch, gleichwohl aber würden mehrere Großmächte eine solche Lösung einer Verlängerung der Feindseligkeiten vorziehen.
Die „Rordd. Allg. Ztg." zue Lage.
B e r l i n , 16. Febr. Die „Ro.dd. Allg. Ztg." schreibt in ihrer Wochenrundschau: Auf dem Kriegsschauplatz in Thrazien brachte die abgelaufene Woche keine Entscheidung. Auch aus den neuerlichen Mitteilungen türkischer Würtenträger war für die Mächte keine Handhabe zu entnehmen, die es ermöglichte, mit Aussicht auf Erfolg bei den kriegführenden Regierungen die Biederlegung bet Waffen zu befürworten. Die Mächte bleiben aber bereit, {eben geeigneten Anlaß zu vermittelnden Schritten zu ergreifen. Wik gedenken der Entsendung des Prinzen Hohenlohe nach Petersburg. Der geflissentlich verbreiteten Ansicht, daß diese Entsendung ihren Zweck verfehlt habe, können wir nicht zustimmen. Wir glauben vielmehr, daß die politische Fühlungnahme zwischen dem Kaiser Franz Josef und dem Zaren auf die Lösung der Einzelheiten bet Balkanfragen erleichternd nachwirken wird.
gemeißelt.
(Sortierung folgt.)
Sie hatte sich ihm g-'—üßer gesetzt und blickte gedankenvoll an ihm vorbei wie in weite Fernen. m
„Ich errate wohl," fuhr sie endlich fort, „welches Wort du vorhin unausgesprochen ließest. „Eine herzlose Kokette" wolltest du mich nennen. O, Kurt — glaube mir nur, auch mir wird es schwer, auf das Glück an deiner Seite zu ver fch'u,' Aber überlege es dir doch nur recht; es muß fein, unser beider Zutunft steht auf dem Spiele.
Sie hielt inne und blickte aus >;iu gesenktes Haupt, aber sie warte» Umsonst auf eine Entgegnung; seine Lippen blieben geschlossen. Was sollte er auch erwidern auf diese mit apodiktischer Gewißheit ausgesprochene Behauptung, aus der ih>n nut von neuem das Bekenntnis entgegenklang, daß sie ihn nicht lieble, wenigstens nicht so liebte, um sein Los mit ihm zu teilen?
Eine tiefe, minutenlange Stille trat ein die nur von dem leisen Ticken der kleinen Stutzuhr auf dem Kamin unterbrochen wurde.
„Wenn die Verhältnisse anders lägen. Kurt — wenn —"
„Ja wenn! — Sage es doch lieber frei h 'aus: wenn du der reiche Fürst Warschinsky wärest!" unterbrach er fie brüsk. Dann plötzlich schien ihn die Leidenschaft für das schöne 'lOeib noch einmal zu übermannen. Warum hielt sie ihn — warum bati: sie ihn nicht geben lassen?" fragte er sich. Und mit einem Blick der eine flehende Sitte sprach, faßte er nach ihrer Hand und drückte sie an sein Herz
„Es ist ja ganz undenkbar. Martine, daß du dich verkaufen, nur aus Eitelkeit ein Los wählen willst, in dem de i Herz nie unb nimmer Befriedigung finden wird. Ich kann — ich will es ni*1
Martine wollte die leidenschaftliche Bitte, die d'esen Worten versteckt lag und aus seinen Augen sprach, nicht verstehen. 6 <5
vollkommen ruhig, erhob sie sich, um bon ®rtrf oer efettnWn 'B ku£ tUna zu drehen, und in der strahlenden Helle, die sich aus den zierlich aeschliffenen ©lastutpen des Kronleuchters über ea? trauliche Gemach verbreitete, wandte sie ihm mit dem Ausdruck fester ^-E^ssenheft ihr schönes Antlitz zu. Es zeigte nidjt bie geringste Spur r " der in ihr wühtte; es war nur blaß, erschreckend blaß, wi« aus Stets