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oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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und den Beilagen:Nach Feierabend-,Fürs Saus- and ^Landwirtschaftliche Beilaae-,

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DieOberhesfische Zeitung- erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen 2, M frei ins Haus. Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Donnerstag 13. Februar

Der Anzeigenpreis beträgt für di« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen die Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Rr. 5015 dr» Postscheckamtes Frankfurt a. M.

48. Jahrz«

1913.

Mftes Blatt.

Deutsches Gebet

(hundert Fahre nach 1813) von Karl Engelhard.

Nun auf, mein Volk, datz du aufs neu' erprobest

Den Denk- und Dankschwur auf dein schönstes Jahr, Da du aus deiner Asche dich erhobest

Wie in der Sage jener Flammenaar!

Latz durch den Sinn dir geh'n die heil'gen Tage, Stell' deiner Ahnen Tat dir recht nur vor

Und sei in tiefster Seele froh doch trage Zugleich ein Gebet zu Gott empor:

Der du nid .amut, noch Willkür leidest, Der du dich vordem unsrer Not genaht

Und uns noch immer auf den Auen weidest,

Die uns erblühten aus der Väter Saat;

Der du, um unser Land- und Eeistgefilde

Zu schützen, immer Retter hast gesandt)

Der du, auch wenn wir's nicht verdient, in Milde

Dein gnädig Angesicht uns zugewandt:

Erhalt' in uns der starken Heldenseelen

Durch Wort und Blut vererbte Lust und Kraft!

Ja, latz es auch an Prüfungen nicht fehlen. Wenn unser Herz in satter Ruh erschlafft?

Du hast uns ausgewählt und die Geschichte, Dein goldnes Ordensbuch, sie spricht davon)

Es künden's unsrer Meister Vorgesichte:

Wir find, Gestalter, dein besondrer Ton!

Den bilde, Herr, wie's deinem reinen Wollen

In höchster Schönheit immer vorgeschwebt, Datz aller Zeiten Völker Ehre zollen

Dem Werk, das ganz aurtetirem We^err fett!

Wie du es selbst dann immer wieder probest, So wird's besteh'n jehund und immerdar!" . . »

Nun auf, mein Volk, datz du aufs neu' gelobest

Den Denk- und Dankschwur auf dein schönstes Fahr!

*--

Zur Verlobung der P'inMn Viktoria Luise.

Wie verlautet, werden der Prinz Ernst August von Eumber- land und Prinzessin Viktoria Luise nach ihrer Vermählung nicht unmittelbar als Herzog und Herzogin in Braunschweig residieren, sondern noch längere Zeit am Perlin-Potsdamer Hofe verweilen. Damit wird die Ankündigung bestätigt, daß durch das Verlöbnis und die Heirat politische Veränderungen in der braunschweigischen Frage zunächst nicht eintreten, so sehr auch durch die überall freudig begrüßte neue Wendung einer späteren günstigen Lösung ohne Zweifel vorgearbeitet ist. Nach Ansicht maßgebender Persönlich­keiten der Provinz Hannover empfiehlt es sich dringend, wegen der Entwicklung der welfischen Frage vorläufig strengste Zurückhaltung zu beobachten. Uebrigens müße es der deutsch-hannoverschen Partei zunächst selbst überlasten bleiben, wie ste sich mit den neuen Ver­hältnissen abzufinden gedenkt. Freiherr v. Scheie von Schelenburg,

(Nachdruck verboten.)

Gewagtes Spiel.

...... Roman von E. Teutgen-Horst.

(Fortsetzung 1

Du darfst mir nicht böse sein, Onkel Marlitz ich weiß kaum, was Ich rede. Mein Kopf brennt ich bin unfähig, die auf mich einstürmen- den Gedanken zu ordnen."

Du hast ja noch Zeit überlege dir in aller Ruhe meinen Vor- schlag und dann teile mir deinen Entschluß mit," erwiderte der Justiz«! begütigend.

Aber ich kenne Feodora so gut wie gar nicht und ste mich ebenso­wenig. Bist du sicher, daß ihr Herz noch keine andere Wabl getroffen hat, oder schätzt du das Glück deines Pflegekindes so gering, daß du es mir zum Opfer bringen willst?"

Zum Opfer? Ein langer, fragender Blick des Justrzrat» traf ihn.

Mißverstehe mich nicht. Kurt. Wenn ich selber dein Augenmerk auf meine Richte lenkte, um dir das gewiß sehr unangenehme Suchen nach einer reichen Frau zu erleichtern, so geschah das nur in der Absicht, dir damit freizustellen, dich um Feodora zu bewerben. Es sei ferne von mir, Irgend welchen Zwang auf meine Nichte auszuüben, oder auch nur durch lleberredungskünste sie für die Verbindung mit dir günstig zu stimmen. Aber Feodoras Herz ist noch frei und unberührt, es wird dir zufliegen, wenn du nur willst."

Ein stolzer, last zärtlicher Blick streifte bei diesen Worten die schlanke kkestalt des blonden jungen Hünen.

Und wenn ich wenn ich deiner Nichte kein wärmeres Gefühl ent- bringen könnte?" fragte dieser zögernd.

Ein siegesgewißes Lächeln stahl sich über des Justizrats Antlitz. Lor seinen Augen stand das Bild seiner kleinen Fee in ihrer ganzen strahlenden Zugendschöne und liebreizenden Anmut.

Hat man nicht schon ost gehört und unzählige Male in Romanen »«lesen, daß die Liebe, die sich erst in der Ehe findet, die tkeueste, unwan- b-lbarste sein soll?"

Aber das wäre meiner Ansicht nach ein gewagtes Spiel, bei dem Dewißermaßen das ganze Lebensglück deines Pflegekindes zum Einsatz Gebracht würde."

Der Justizrat lachte.Und doch hätte ich Lust, selbst auf diese ffie» firhr hin das Sptel zu riskieren, mein lieber Kurt!" meinte er dann, und 1 Nut frohe Zuversicht strahlte am» seinen Auaen,

der Führer der Deutsch-Hannoverschen Partei, hat vom Herzog Ernst August von Cumberland auf sein Glückwunschtelegramm eine Depesche erhalten, die er im Auftrage des Herzogs durch Extrablatt derDeutschen Volkszeitung" zur allgemeinen Kennt­nis bringt. Sie lautet:Es beglückt mich, Ihnen und den treuen Hannoveranern, die eben so erhebend an unserem tiefen Schmerz teilgenommen haben, die freudige Botschaft machen können, datz Unser geliebter Sohn Ernst August sich mit der Prinzessin Viktoria Luise von Preußen verlobt hat. Wir flehen zu Gott, datz der Bund der deutschen FLrstenkinder, der aus eigenster Neigung ent­sprungen und mit dem Segen der Eltern geschloßen worden ist, ge­deihen möge zum Segen der Verlobten und Unserer beiden Häuser. Ernst August."

DieDeutsche Volkszeitung", das Organ der Welfischen Partei, bemerkt dazu, daß die Mitteilung von den Welfen mit herzinniger Freude ausgenommen worden sei, daß man es sich aber versagen müße, hochpolitische Schlüße aus dieser neuen Familienverbindung zu ziehen. Ob der neue Liebesbund früher oder später auch po­litische Konsequenzen nach sich ziehen werde, stehe in Gottes Hand, und die Bitte der Welfen zum Throne des Allmächtigen gehe dahin, daß damit wenigstens die Vorbedingung geschaffen sein möge, um den unseligen Zwist, der solange die Häuser der Welfen und Hohen- zollern entzweite, zum Heil des gesamten deutschen Fürsten- und Volkstums einer gedeihlichen und im Sinne des Rechts liegenden Lösung entgegen zu führen. Auf alle Fälle wiße man, daß die vorbildliche Treue und Eewißenhaftigkeit, die Prinz Ernst August besonders gegenüber den Traditionen seines Hauses bestätigt habe, auch in Zukunft für ihn Stern und Richtschnur sein würden.

An den Reichstag, das Abgeordnetenhaus und die anderen gesetzgebenden Körperschaften, die Glückwunschtelegramme gesandt hatten, sind ebenfalls herzliche Dankdepeschen vom Herzog von Cumberland und dem Brautpaare gelangt. Wie Übrigens ver­lautet, soll die Vermählung der Prinzessin Viktoria Luise mit dem Prinzen Ernst August von Cumberland auf den 22. Oktober fest­gesetzt fein. Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt jedoch noch nicht vor.

Ueber den Aufenthalt des Kaisers und des Brautpaares in Karlsruhe find noch folgende Meldungen nachzutragen:

Karlsruhe, 12. Febr. Laut Hofbericht erschienen zur heu­tigen Mittagstafel im Eroßherzoglichen Palais die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Luise und deren Verlobten, dem Prinzen Ernst August von Cumberland, außerdem die Großherzogin Luise und das Prinzenpaar Max von Baden. Mittags empfing die Kai­serin in Gegenwart der Prinzessin Viktoria Luise und deren Ver-. lobten eine Deputation des Stadtrates von Karlsruhe mit Ober­bürgermeister Siegrist an der Spitze, welcher einen prachtvollen Rosenkorb überreichte. Der Oberbürgermeister sprach die herz­lichsten Glückwünsche der Bevölkerung aus und gab seiner beson­deren Freude darüber Ausdruck, daß die Verlobung in Karlsruhe stattgefunden habe, als der Residenz des badischen Landes. Abends 7.20 Uhr reiste dann die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Luise und dem Prinzen Oskar von Preußen.von hier ab. Die Groß­herzogin Luise und bas Großherzogspaar gaben den hohen Gästen das Geleite zum Bahnhof. Gleichzeitig mit der Kaiserin reiste auch da» Prinzenpaar Max von Baden und Prinz Ernst August von Cumberland nach Berlin. Vor dem Bahnhofsgebäude hatte sich ein überaus zahlreiches Publikum angesammelt, das den Fürstlich­keiten lebhafte Ovationen darbrachte. Bei der Abfahrt des Zuges aus dem Bahnhof winkte die Prinzessin fortgesetzt Abschieds- grüße zu.

Graf Kurt schwieg und überlegte. Er hatte deutlich genug gezeigt, daß es ihm im tiefsten Innern widerstrebte, die Erhaltung seines Fa­miliengutes nur dem Gelde seiner Frau verdanken zu sollen, ja er hatte sogar offen und ehrlich eingestanden, daß er dieser Frau nicht ein­mal wärmer« Gefühle entqegenbringen könnte, und trotzdem wollte der Justizrat das Lebensglück seiner Nichte so leichtsinnig in die Wagschale werfen. War das wirklich allein bloße Teilnahme an seinem Geschick, oder verfolgte er noch eine andere Absicht? Mit einer entschloßenen Ge­bärde hob er den Kopf und begegnete festen Blickes den Augen des Justizrats.

Du weißt, ich bin trotz meines Leichtsinnes noch kein Spieler ge­wesen, habe die Passion für alles, wasSpiel" heißt, nie recht begreifen können, und doch dein Vorschlag fängt an, mich zu reizen."

Nun, Gott sei Dank! Schwer genug hat es wirklich gehalten, dich von der Vorteilhaftigkeit desselben zu überzeugen!" scherzte der Justizrat.

Eins nur, bitte, sage mir noch offen, Onkel Marlitz," fuhr Graf Kurt fort.

Unb das wäre? Sprich nur, mein lieber Kurt."

Ja, siehst du das, was du für mich, den leichtsinnigen Verschwen­der, der' nicht hart genug für sein selbstverschuldetes Unglück büßen könnte, tun willst, erscheint mir so ungeheuer groß, daß ich wohl wißen möchte, ob dich Teilnahme und Mitleid mit mir dazu treibt oder die Liebe zu deiner Nichte, der du gern"

Er hielt inne und wandte sich verlegen zur Seite.

Zu dem Titel und der Stellung einer Gräfin von Reinstein ver­helfen möchtest," vollendete der Justizrat trocken.Nicht war das wolltest du doch sagen? Kurt, habe ich das verdient?" fragte er dann mit schmerzlichem Vorwurf.Du zweifelst an meiner Uneigennützigkeit, und im Grunde genommen kann ich dir das nicht einmal verdenken. Der alte Freund deines Vaters ist dir in den letzten Jahren stemd geworden. Ich aber habe immer nur meines Erichs geliebten Sohn in dir gesehen, und keinem Menschen auf der Welt vertraute ich mein liebes Pflegekind mit freudigerem Herzen an, keinem gönnte ich ihren Reichtum liebet als dir."

Das klang wahr und uneigennützig, und die würdige Ruh«, mit der diese Worte gesprochen wurden, blieb nicht ohne Eindruck auf den Grafen.

Verzeih, lieber Onkel," murmelte er beschämt. Der Justizrat je­doch fuhr fort:Aber selbst, wenn bei meinem Vorschlag die Liebe zu «einet Nichte auch mitspräche, wenn diese Liebe mich trieb«, iht $*

Noch eine Verlobung.

Gmunden, 12. Febr. Entgegen einer in verschiedene* Blättern enthaltenen Meldung, daß die Aussöhnung zwischen Hohenzollern und dem Hause Cumberland keine vollkommene sei, da die Eltern des Bräutigams bei der Verlobung nicht anwesend gewesen seien, teilt der Wiener Korrespondent derL R. R." seinem Blatte aus authentischer Quelle mit, daß die Verlobung des Prinzen in vollster Uebereinstimmung mit dem Herzogpaar und nach spezieller Beratung im hiesigen Schloße geschah. Die Vorlo- bung der Prinzessin Olga mit dem Prinzen Adalbert wtrd ge­legentlich der Korfureise des Kaiserpaares im Penzingpalais in Wien erwartet.

Die bisherigen Heiraten zwischen Hohenzollern und Welsen.

Die Verlobung der Prinzeßin Viktoria Luise mit dem Prinzen Ernst August von Cumberland schließt nicht die erste derartige Verbin­dung zwischen den beiden Häusern der Hohenzollern und der Werfen. Schon oft im Verlaufe der Geschichte reichten Angehörig« der bvyex Häuser die Hand zum Ehebunde. Meist waren es aber braunschweigisch« Prinzeßinnen, die an den preußischen Hof tarnen. Schon die er le preußische Königin, Sophie Charlotte, die Gemahlin König Friedrich» war eine welfische Prinzessin. Sie war die Schwester de» späteren Königs Georg I. von England. Auch ihre Schwiegertochter, dft zwe i« preußische Königin, die Gemahlin Friedrich Wilhettch» l . Sophie Dot*- thea, kam vom welfischen Hofe an den preußischen. Sie war die Schwester des Königs Georg II. von England und wurde die M ».ter Friedrichs des Großen. Diese Fürstin nimmt unter den preuß'chen Königinnen eine besondere Stellung ein. Ihr« hohe philosophisch« Bildung, ihr ausgezeichneter Geist und ihre Stellung m der königliche Familie sind von den Geschichtsschreibern oft genug gerühmt worden. Wieder tarn eine welfische Prinzeßin an den preußischen Königshof, als Friedrich der Große im Jahre 1733 sich nach dem Willen seine» Vaters, aber gegen feine eigene Neigung, mit der Prinzeßin Elisabeth Christine, der Tochter des Herzogs Ferdinand Albrecht von Braun­schweig-Bevern, vermählte. Die Königin, die einsam vom Könige ge­trennt lebte, erwarb sich durch ihren edlen Cbarakter ihre Tugenden und ihren gebildeten Verstand allgemeine Achtung. Ihr Leben war ein« ununterbrochene Reihe von Wohltaten, sie verwendete die Hälfte ihrer Einnahmen zu Almosen und Pensionen für dürftige Familien. Sie teilte das Jntereße. das Friedrich der Große an den Wissenschaften nahm, in hohem Grade und war auch als Schriftstellerin tätig. Ml« ihre Schriften bekunden tiefes Gefühl und hellen Blick. Die Königin lebte im Sommer auf ihrem Schloße Schönhausen, im Winter im Schloße zu Berlin, hochgeachtet vom König, obwohl sie nie seine Liebe besaß. Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern war die Schwester eines der berühmtesten Welsen, des Herzogs Ferdinand von Braun­schweig, jenes ausgezeichneten Feldherrn des siebenjährigen Krieges, der länger als fünf Jahre mit einem kleinen Heere Niedersachsen, Heßen und Westfalen gegen das Reichsheer hielt. Endlich ist von braunschweigischen Prinzeßinnen. die durch Heirat den Aufenthalt am welfischen Hofe mit dem am preußischen Hofe vertauschten, Prinzessin Luise Amalie zu erwähnen, die Gemahlin des Prinzen August Wil­helm, des Bruders Friedrichs des Großen. Sie war die Mutter des Königs Friedrich Wilhelm II. und ist somit in direkter Linie die Vor- fahrin des jetzigen Kaisers. Von den Hohenzollerschen Prinzeßinnen, die Fürsten aus dem welfischen Hause ihre Hand reichten, gehört vor allem die Tochter des Kurfürsten Joachim L, die sich mit einem Herzog von Braunschweig vermählte. Auch sonst sind noch im Laufe der Zeit bis weit zurück in die Anfänge der Hohenzollern Verbindungen zwischen den'beiden Häusern festzustellen. Bon Verbindungen der letzten Zeit ist erwähnenswert, daß die i-tzige Großherzogin von Mecklenburg- Schwerin eine Schwester des Prinzen Ernst August von Cumberland, des Verlobten der Prinzeßin Viktoria Luise, ist, also direkt mit der deutschen Kronprinzesiin verschwägert ist. Man sieht aus dieser Zu­sammenstellung, daß die Bande des Bluts die Hohenzollern und Welfen verbinden, schon uralte und sehr enge sind. Umso mehr darf man über die Aussöhnung der beiden alten Geschlechter erfreut sein.

ihrem großen Vermögen auch die entsprechende gesellschaftliche Stellung zu schaffen könntest du mir das verargen?"

Nein, gewiß nicht!" entgegnete Graf Kurt, aber ein leiser Anklang von Spott mischte sich in seine Stimme. Das hatte er ja nur wißen wollen. So ganz selbstlos ist der Vorschlag des guten Justizrats also doch nicht, dachte er grollend. Dann stand er auf und verabschiedete sich.

Am Sonnabend sehen wir uns ja wieder, dann sprechen wir wohl noch einmal über diese Angelegenheit."

Ohne rechts und links zu blicken, durcheilte er bald darauf den lan­gen Korridor. Viel zu sehr mit sich und seinen Gedanken beschäftigt, überhörte er das leise Deffnen einer Tür und sah nicht, wie ein wunder­hübsches, von rosiger Glut überhauchtes, junges Mädchenangeficht ihm mit sehnsüchtig leuchtenden Augen verstohlen nachblickte.

Auch der Justizrat sah von seinem Fenster aus der aus dem Trottoir schnell dahinschreitenden, elastischen Gestalt mit sinnenden Blicken nach.

Meines Erichs Sohn und wie et seinem Vater ähnelt, im Aeußern wenigstens! Sein Sinn ist stolz und herrisch; er hat nichts von dem weichen, liebenswürdigen, vertrauenden Gemüt des Verstorbenen. Aber er hat Charakter und Willenskraft ich bin überzeugt, er würde nicht untergehen, selbst wenn er, wie er sich ausdrückte,bettelarm in di« weite Welt hinausziehen müßte." Vielleicht ist es unrecht von mir, daß ich ihn zu halten suche: vielleicht wäre es bester für ihn, wenn Reinstein verkauft würde und er im fremden Lande fein Heil suchte. Das Un­glück würde ihn stählen ich bin sicher, er würde zurückkehren als ei* ganzer Mann.

Aber das alte, schöne Besitztum, an dem mein Erich mit jeder Fiber seines Herzens hing, die Stätte, wo mein armes, totes Lieb einst eine so glückliche Kindheit verlebte ich soll sie in fremde Hände übergehe* sehen! Nein, lieber einen Schritt tun, zu dem ich mich sonst nie und nimmer verstanden haben würde. Mein kleines Mädchen hält viel von ihm ich weiß es längst, aber et? Sein Herz scheint also wirklich in den Fesseln der schönen Longa zu liegen. Eingewagtes Sptet nannte et es, ihm unter diesen Verhältnissen Feodora anzuvertrauen. Und ich fürchte, et hat recht. Aber ick kann nickt anders, eine inne« Macht treibt mich: ich muß und will «s wagen, dieses Spiel, «us »,ieb» zu den beiden Menschenkindern, die mir ans Hetz gewachsen sind, **»., im Vertrauen auf den Liebreiz meiner holden, kleinen Fee.

So dachte er, und Im Seifte sah er Feodora an Etas Kurts Ar», I I Welch ein schönes, stolzes Paar! Er lächelte still vor sich htn. Dan* I ;uhr et sich mit der Hand übet die Augen, über den schon fast ergrau«*, I Vollbart und trat vom Fenster zurück, (Fortsetzung folgt.)