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mtt Dem KreisbLatl für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus- undLandwirtschaftliche Beilage-.

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DieOberhessijche Zeitung- erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M söhne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2, X frei ins Haus. Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch lInh.: Dr. E. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 53.

Marviirg

Mittwoch, 5 Februar

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespalten« Zeile oder deren Raum 15 4. bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

48. Jahrg.

1913.

Erttks Blatt.

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Ein« bulgarisch« Mutter bittet um Friede«.

Während der neuen bulgarischen Kriegsvorbereitunge« er» iielgnete sich auf einer bulgarischen Station eine eigenartige Szene, die wir im Bilde wiedergeben. Eine Frau drängte sich zu einer Gruppe Offizieren, in deren Mitte Zar Ferdinand stand, und rief: Latz es genug sein des blutigen Krieges, großer König! Ich habe .meinen Gatten und vier Söhne verloren und pflege nun die Ver» rvundeten. Aber ich flehe Dich an, latz es genug sein an den bis­herigen Opfern!" Der König hörte der Frau ernst zu und wandte Hch dann an seinen Adjutanten mtt den Worten:Notieren St» mir den Namen dieser Helden-Mutter."

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~~ Die Laae

Die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten.

W t e n, 4. Febr. DieNeue Freie^Presie" meldet aus Sofia: Gestern nachmittag um 3 Uhr begann der Ministerrat, der bis abends währte und eventuelle Zugeständnisse der Pforte abwar­tete. Um 7 Uhr erschien im Ministerrat der griechische Gesandte Panas, der lange mit Gechow konferierte. Dieser sowie der Kriegs­minister erhielten gegen Uhr vorn Hauptquartier die Meldung, datz die forcierte Beschießung der Adrianopeler Festung beschlossen and bei Kadimköj die gegenseitige Kanonade im Gange sei. Bon den Bulgaren wurde den Konsuln und der Bevölkerung Adria» rwpels Frist gegeben, die Stadt zu verlassen.

Konstantinopel, 4. Febr. Ein vom Ministerium des Inner« nusgegebenrs Kommunique bestätigt, datz die Bulgaren gestern um ?y2 Uhr abends auf der Ost- und Südseite der Festung von Mttianopel mtt Artillerie- und Infanteriefeuer das Bom­bardement auf die Stadt eröffnet haben. Die türkischen Truppen erwiderten das Feuer. In der Stadt herrscht Rübe. Die Feind­seligkeiten begannen auch auf der Halbinsel Gallipoli. Bulgarische Kavallerie griff die türkischen Borposten an. Es geht das Gerücht, datz am nachmittag di« Feindseligkeiten an der Tschataldschalini« begonnen haben.

Konstantinopel, 3. Febr. Die Militärbehörden betrei­ben eifrig die Vervollständigung von Pferden und Wagen für

Militärtransporte. In den Moscheen werden öffentliche Vor­träge und Predigten zugunsten des Krieges abgehalten. Der Erotzwefier hatte heute vormittag eine längere Unterredung mit dem französischen Botschafter.

Die Rede des Fürsten Lichnowsky.

London, 4. Febr. DerDaily Telegraph" betont die Be» deutung der neulichen Rede des Fürsten Lichnowsky. Die Herzlich­keit der Empfindungen gegenüber Großbritannien, sagt das Blatt, der der Botschafter Ausdruck gab, werden von uns herzlich er­widert. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Tatsache, datz nach der Ansicht des Botschafters die Beziehungen beider Lander nie befriedigender gewesen sind, als geegnwärtig. Tatsache ist. daß so­wohl England als Deutschland jüngst bedeutende Aufgaben zu er­füllen hatten, die durch die Aehnliibkeit des Zieles die beiden Re­gierungen enger znfammengebracht habe. Das Blatt fährt fort: Die Wilhelmsstratze hat sich in mannigfacher Hinsicht in enger Ver­bindung mit der Downingstreet befunden: es kann gar kein Zweifel sein, daß eine freundschaftliche Verständigung auf gemeinsamer' Basis von großem Vorteil nicht nur für die beiden Länder, sondern für ganz Europa sein würde.

Deutschland und die türkischen Niederlagen.

Paris, 3. Febr. Ein ungenannter türkischer Würdenkager ant­wortet imEcho de Paris" auf die Angriffe des ulkamontanen Grafen De Mun:Sie erblicken in den türkischen Niederlagen den Zusammen­bruch des deutschen Einllnsies. Abgesehen davon, daß es grausam ist, sich über das Unglück eines ehemaligen Freundes zu freuen, weil es dem mächtigen Gegner schaden könnte, bemerke ich, datz der deutsche Ein- flutz mit dem türkischen Zusammenbruch nichts zu tun hat, weil während- dessen der anglophilste türkische Staatsmann die Landesgeichicke leitet. Die Iungtürken unterstützten daher zuerst Kiamil. in der Hoffnung, da­durch dir Tripleentente günstig zu stimmen, fie hätten aber niemals ge­glaubt, datz Rvtzland ganz allein die europäische Politik letten würde. Wenn Sie glauben. Deutschland unterhatte die kiegerischen Neigungen der Türkei, um österreichische und rumänische Forderungen zu unterstützen, so wäre es Sache Frankreichs, das verbündete Rutzland zu bewegen. Bulgarien dieses neue Balkanpreutzen zu mäßigen, was die beste Kanzösische Revanche wäre." Auch Resckiid Pascha erklärte französischen Reportern in London, Europa werde seine fetzige Politik demnächst bittet bereuen. Offiziös werden fest! endlich TttttVellvstiveien Dlüsrchungs- ratschlage erteilt. Es wird dann festgestellt, datz Bulgarien auf keinen Fall Konstantinopel erhalten werde, wogegen selbst Rußland einschreiten werde.

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Petersburg, 4. Febr. Der Kaiser empfing beute nach­mittag den Ueberbringer des Handschreibens des K^'i"rs Franz Josef, den Oberstleutnant Prinzen zu Hohenlohe in Zarskojeselo.

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D-uttckes Reich.

Universität und Geheimabkommen. DieVost" meldet: In der gestrigen Versammlung des Profesiorsnkollegiums der Universität Straßburg wurde die Frage der katholischen Philo- sophieprofesiur eingebend erörtert. Den Anlaß dazu gab. daß der Rektor der Versammlung mitteilte, der Senat habe diese Frage beraten und eine Meinungsäußerung dabin formuliert, daß der Senat lebhaft bedaure, datz die elsaß-lothringische Regierung we­der ihm noch der philosophischen Fakultät eine Mitteilung von dem Geheimabkommen der Reichsregierung mit der päpstlichen Kurie gemacht habe. Erst dadurch sei die Fraae der Berufuna des Nach­folgers für Professor Baumker eine allgemeine Universitätsange- legenheit geworden. Der Senat grefie im Augenblick nicht ein, - weil die Berufung nach dem llniversidsstatnt ausdrücklich den einzelnen Fakultäten Vorbehalten sei. Er werde o^er, sobald Vor­

schläge der philosophischen Fakultät eingegangen seien, die Frag« vom Standpuntt der allgemeinen llniversitätsinteressen sorgfältig prüfen. In der Aussprache zollten sämtliche Redner dem Vorgeh« des Senats Beifall.

Aus dem Abgeordnetenhaus. Berlin, 4. Febr. Im Abg«, ordnetenhaus beantragten die Abgeordneten v. Wenden und Ge­nossen: Das Abgeordnetenhaus wolle die Regierung um Maßnah­men ersuchen, um die Kraft der Diakonissen vor Mißbrauch $u schützen. Dr. Kaufmann und Genossen brachten einen ähnlichen Antrag betreffend den Schutz der Trachten der katholischen Orden«- Personen vor Mißbrauch ein.

Das Wassergesetz. Berlin, 4. Febr. Das Herrenhaus hat mit großer Mehrheit das Wassergesetz wesentlich nach den Be­schlüssen der Kommission angenommen.

Strafanttag in der Wetteryaffäre. Straßburg k.

4. Febr. Gegen den WetterlöschenNouvellist" in Colmar bat, rote derElsässer Kurier" mitteilt. Staatssekretär Zorn v. Bulach Strafantrag erhoben und zwar wegen eines Artikels in dex Num­mer vom 13 vor. Monats, in welchem mit Bezug auf den tn der Täglichen Rundschau" dem Abgeordneten Wetterl6 gegebenen Rat.et möge lieber in Frankreich bleiben", derNouvellist" ant­wortete,man könne gerade so gut gewissen anderen Leuten sagen, sie möchten in Deutschland bleiben" und hinzufügte:Sie kehren dorthin zurück, aber erst dann kehren sie zurück, die Schlaumeier, wenn sie mit einer guten, fetten Pension ausgerüstet sind, die ihnen der elsaß-lothringische Steuerzahler berappt, bietet guter Kerl".

Die Fortführung der Mainkanalifierung. Die Budget­kommission des preußischen Abgeordnetenhauses bewilligte am Montag abend für die Fortführung der Mainkanalifierung ober- halb Offenbach 100 000 <M. als erste Rate. Zu diesem Titel heißt es in der Begründung u. a.:Im Jahre 1906 hat der preußisch« Landtag der Uebereinstimmung zwischen Preußen, Bayern, Baden und Hessen wegen Kanalisierung des Mains von Offenbach bis Aschaffenburg zugestimmt. Der Beginn der Arbeiten sollte so lange ausgesetzt bleiben, bis die Einführung der Schifsahrts- abgaben auf dem Main und Rhein geregelt ist. Wenn in Anbe­tracht bet großen wirtschaftlichen Bedeutung bet Mainkanalifie» tung bis Aschaffenburg die bayrische Regierung den Wunsch ge­äußert hat, die Bauausführung nicht noch länger hinauszuschieben, so erscheint es nach den ganzen Verhältnissen als geboten, in bundesfreundlicher Weife diesem Verlangen entgegenzukommen. Auch sprechen Erhebliche preußische Interessen für die baldige Fort­setzung der Mainkanalifierung. Es soll dlcher im Etatsjahre 1913 mit den Vorarbeiten begonnen werden." Die Kommission schloß sich den Ausführungen der Regierung an, nach denen es unberück­sichtigt bleiben soll, daß die Schiffahrtsabgaben auf dem Rhein noch nicht durchgeführt find.

Die Balkanwirr« vor einem deutschen Gericht. Vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte fand am Dienstag die Verhandlung in einer Privatklage statt, die der Herausgeber derNeuen Gesell­schaftlichen Horrespondenz" a. v. Wilke gegen den Chefredakteur der offiziösenNorddeutschen Allgemeinen Zeitung", Otto Runge, angestrengt hatte. Der Klage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Ende November, als die Lage ziemlich zugespitzt wat, erschien in bet genannten Korrespondenz ein Artikel angeblich von seht gut unterrichtetet Seite, wonach Rußland seinen Standpunkt in der Hafenfrage geändert und daß Oesterreich fünf Armeekorps mobili­siere sowie beabsichtige, in einigen Tagen ^in Ultimatum in Bel­grad zu überreichen. Dieser Artikel beunruhigte die Börse in hohem Maße. Es erschien sofort ein Dementi in betNordd. Allg. Ztg.", in welchem die behaupteten Tatsachen als unrichtig

Rester mit den Meiningern auf der Reise.

Am 2. Februar hat dir Meininger Hoikapelle ihre zweite groß« Konzertreise in dieser Wintersaison angetreten. Die erst« im November .jjatte nach Süddeutschland geführt. Die zweite dreht sich um Marburg und dauert vom 2. bis 17. Februar. Die Hofkapelle konzertiert jeden 'Abend u. z. auf Einladung der Städte Siegen, Dortmund, Bielefeld, Göttingen, Cassel, Eschwege. Marburg, Darmstadt, Worms, Pirmasens, Zweibrücken. Mannheim, Gießen. Marburg bildet seit Einführung der Meininger Mustkiage am zweiten Sonnabend und Sonntag jedes Fe- .uars einen festen Termin, um den sich die anderen Konzerte grup­pieren. Die Hofkapelle fühlt sich hier heimisch, und nach Marburg kom­men alle Mitglieder besonders gern. Hier hat die Hofkapelle int Laufe der Jahre unter Steinbach, Berget gespielt, nach Bergers Tod konnte sie ebenfalls hier nochmals spielen und nun reiht sich unter Reger von 'neuem Erfolg an Erfolg. Die technischen Anforderungen sind feine geringen, die Reger an seine Kapelle stellt. Aber wie sich unter Regers Händen am Flügel alle die Augengespenster auf den Notenblättern tn Gebilde auflösen, über denen als höchstes Gesetz der Adel des Klanges steht, so meistert auch Reger die für andere Orchester schier unüberwtnd- lichen technischen Schwierigkeiten mit seinen Meiningern und man hött die Kompositionen, um die vielfach bet Streit der Meinungen tobt, jedenfalls in einer, den Absichten des Komponisten absolut gerecht wer­denden, einwandfreien Wiedergabe. Reger ist kein Schoßkind des Glücks gewesen. Wie bisher sein Leben Arbeit war. so steht auch jetzt, wo er< | als Großer anerkannt ist, als erstes vor ihm die Pflicht gegen das ihm verliehene Pfund. Eiserne Sttenge gegen sich selbst hat ihn groß ge­macht, ihn aus kleinsten Anfängen zur Höhe geführt. Nicht die äußeren Ehrentitel Hofrat, Professor, Ehrendoktor zweier Universitäten find damit gemeint: sie bedeuten nur die äußere Anerkennung seiner Leistungen und Reger selbst liebt es nicht, daß mit diesen Titeln para- biett wird. Aber insofern hat Reger sich durchgesetzt, als heute keiner mehr sich ohne weiteres über Regers Musik hinwegsetzen oder ihn noch als musikalisches Kuriosum betrachten kann. Aus der deutschen Musik kann Reger heute nicht mehr ausgeschaltet werden.

1 Es dürfte hier interessieren. Einiges über die Aufnahme Regerscher Kompositionen zu erfahren. Max Hehemann berichtet in seiner Reger- Vanographie darüber folgend«:Auf der Frankfutter Tonkünstlerver-

sammlung im Jahre 1994 spielte Reger mit Marteau seine berühmte S-ckur-Sonate, zum Entsetzen vieler, die solch bösartige Musik nicht wohl­getan fanden. Als die Sonate zu Ende war ging ich zu Reger hin, und bot ihm zu seinem größten Erstaunen ein Konzert in der damals zu Essen bestehenden und von mir geleiteten Musikalischen Gesellschaft an. Am 6. Januar 1905 fand dieser Abend »ntt, und brachte zunächst die S-ckno-Sonate op. 72, das A-mo!Mrio op. 77, das V moll-Quartett op. 74 mit dem Waldemar-Meyer-Ouartett aus Berlin und schließlich die Beethoven-Bariattonen für zwei Klaviere. Ein Musikfest bringt nun nicht mehr Musiker und Dirigenten auf die Beine als dieser Kammer- musikabend, wo alles auf einen kolossalen Hereinfall lauerte und zum Schlüsse das Publikum es waren etwa i?00 Personen wie eine Mauer stand und vor Enthusiasmus sich die Hände wund schlug. Es gab Leute, die vorher an meinem Verstände zweifelten, daß ich so etwas unternommen hatte. Man erzählte sich von den sechzig Proben, die das Quartett gehalten, wie von den Stimmen, die vor Wut ob solchen Stu­dierens in die Ecke geflogen waren, und drückte uns vor'm Konzert die Hand wie Menlchen, von denen man in der nächsten Stunde Hals- und Beinbruch erwartet. Diese Abschiedsstimmung schlug allerdinqs gründ­lich um. und die Folge war eine ganze Reihe von Regerabenden in Rheinland und Westfalen, wo sich denn auch schon einmal Zischen in die musikalischen Klänge mischte. Dann kam anfang Oktober 1905 die Ur­aufführung der Sinfonietta unter Felix Mottl in Essen, der. als et fie in München schließlich herausbrachte, ein ganzes Konzert auf Haus­schlüsseln und Hundepfeifen beraufbeschwor. Aber der Bann war ge­brochen und Reget in aller Munde. Um die Sinfonietta gehen aller­dings noch heute die Dirigenten herum wie um einen bissigen Hund, und halten sich lieber an die im Iahte darauf erschienene freundlich schwär­merische Serenade oder die genialen Hillervariationen, das poetisch-ver- klätte Bild froh bewegten Lebens lauf dem vorjähr. Marburger Pro­gramms. Die haben dem Komponisten gar viele Freunde gewonnen, und doch find manche gerade durch den furchtbar ernsten, rücksichtslosen Prolog zu einer Tragödie" firn diesjäbr. 1. Symphonie-Konzerts auf den Weg zu Reger geführt worden. Zwischen eifig ablehnendem Schwei­gen und ergriffener Zustimmung wechselt hier die Haltung der Höret, die oft ratlos vor diesem Koloß stehen, der die Tragödie selbst, und daher alles andere wie ein Vorspiel ist."

Weiter schreibt Hehemann übet Regers Werke:Alter Meister Kunst lebt mtt neuem Inhalt auf tn Regers Konzert tut alten Stile op. 125

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(ebenfalls im diesjähr. 1. Konzerts. Dieser Mann ist eine so kompli» zierte Natur, daß er die größten Gegensätze in sich vereinigt, und Werke der verschiedensten, ja widersprechendsten Art hervorbringt. Die schrof­fen Stimmungswechsel seiner Werke sind nichts wie ein Spiegel seine« . Innern. Et ist wie ein Januskopf: fein eines Antlitz schaut zurück in die Vergangenheit, das andere in eine ferne Zukunft, und so kommt es. daß seine Werke manchmal etwas Zwiespältiges haben, und die alte Form festhalten möchte, was in wildem Drange vorwärts stürmt. Such in Regers Suchen und Wollen, im Gelingen wie Mißlingen sehen wir das Ringen der Gegenwatt.

Regers Weg kennt fein Stillstehen. Schon jetzt laßt sich erkennen, und spätere Werke werden es erweisen, daß dieser Individualist von dem Sehen ins Kleine und Kleinste der Seele hinein nach dem großen Schauen strebt, wo der Tondichter zum Kündet dessen roijb, was uns alle bewegt.

Die Musik hat die Entwicklung vom Ausdruck des Allgemeinen zu dem des Vesondeten bis in die feinsten Verästelungen durchmessen, nicht zuletzt gerade durch Regers Kunst. Was sie dabei gewonnen, wird ihr von höchstem Nutzen fein auf dem Pfade, den fie jetzt wohl beschreiten will. Am Anfang unsrer lebenden Musik steht die jeden Vergleiche« bare Gestalt eines Johann Sebastian Bach, bet wie fein andrer da« Schauen ins Kleinste hinein mit dem Blick ins Große verband und beides in unerhörte musikalische Taten umsetzte. Sein Vorbild steht al« leuchtendes Fanal am Ende des Weges, den die Musik nun wieder vor sich sieht. Daß er uns dorthin führen möge, ist der Wunsch, mit dem wir Reger auf seinen Pfaden begleiten."

Nächsten Sonnabend und Sonntag find die Meininger wieder tu, Marburg. Daß auch hier die Nachftage, wie alle Jahre sehr groß ist, braucht b besonders erwähnt zu werden. Immerhin wir haben hier 3 Kon-ette, während andere Städte sich mit einem Abend begnü­gen müssen ist noch in allen 3 Konzerten genügend Platz vorhanden, sodaß fich Niemand den Besuch entgehen zu lassen braucht. Regelmäßig haben es nachher viele bereut die Konzerte versäumt zu haben, deshalb sei diesmal zeitig an den Besuch erinnert. Das Programm weift u. «, noch die selten gehörte 4. Snmphonie von Beethoven, die 2. von Brahm« auf. Die Oberon- und Tannhäuser-Ouverttre sowie Schuberts Saßet» mustk. also auch gute alte Bekannte, sodaß jeder Besucher durchaus be» friedigt sein wird, . G,Vr»N«, i