und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und ^Landwirtschaftliche Beilage".
1
—-vT
4
■
IU
1 1 V i< ■ r
M 28
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <4 (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2,— M frei ins Haus. — Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. E. Hitzeroths, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Montag 3 Februar
Der Anzeigenpreis beträgt für bte 7gespalt«ne Zeile oder deren Raum 15 L, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 A für Reklamen die Zeile 60 j. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt al« Bartabatt. — Zahlungen unter Rr. 5015 des | Postscheckamtes Frankfurt a. M.
48. Jahrz
1918.
strttes Blatt.
Konfliktsluft.
Der Borstotz des Reichstages gegen ein pr<”'&;wes Landesgesetz hält noch immer die Gemüter in Spannung, nicht sowohl wegen seiner ihm innewohnenden Bedeutung altz vielmehr wegen mancher Begleitumstände. Der Minister v. Dallwitz hat am Samstag energisch Verwahrung eingekagt gegen die llebergriffe des Reichstages, die der Verfassung widersprechen svgl. den Bericht), und die „Rordd. Allg. Ztg." ergreift gleichfalls in diesem Einnne das Wort. Das Echo der scharfen Worte des freikonservativen Sprechers v. Kardorff zittert überall nach. Mas ist die wirkliche Bedeutung der Demonstration? Kein Zweifel, die Opposition sieht in der Jnterpellutionseinrichtung ein Mittel, in die Politik der Einzelstaaten einzugreifen. Ob es gelingt? Die „Berl. Börfenztg." schreibt: „Preußen ist der deutsche Staat, weil er die deutsche Macht ist. Wenn es die siegreiche Durchführung seine« polnischen Streites, der ihm nach seiner Behauptung «vf- gedrangen ist, für eine Lebensfrage erklärt und danach handelt — wer will es daran hindern? Rein, dieses Mihtrauensvotum bleibt eine leere Demonstration, nicht mehr wert als das Stück Papier, auf dem sie gedruckt in die Welt hinausgeht. Wir fürchten krhr, daß sich der Reichstag damit keinen Gefallen getan hat." — tlnd die „Franks. Ztg." meint: „Herr v. Bethmann-Hollweg wird nicht zurücktreten (wie es in parlamentarisch regierten Ländern nötig wäre), weder als Reichskanzler noch als preußischer Mi- stisterpräsident. Und — er hat es auch nicht nötig. Denn die Mehrheit, die heute gegen ihn steht, will seinen Rücktritt gar nicht, sie will nicht regieren, sie will lediglich demonstrieren. Es ist keine Mehrheit, die gemeinsame politische Ziele verfolgt und durchsetzen will! Ein solches Mißtrauensvotum, hinter dem kein Wille und keine Konsequenz stehen, ist eine Farce." — Aber selbst wenn das wäre, vorläufig ist der Versuch, der Regierung den Parlamentswillen aufzudrängen, noch aussichtslos?
Jedoch der Vorstoß ist mehr als eine Farce. Man hört, daß der Reichstagsabgeordnete Spahn die Negierung interpellieren will, weil nach seiner Ansicht der Reichstag bei der Polenanfrage seine Kompetenz nicht überschritren habe, wie Herr v. Dallwitz im Abgeordnetenhause sagte. Das heißt ganz einfach, daß das Zentrum mit seiner Kampfansage gegen Herr« v. Bethmann ernst machen will. Zugleich erörtert die „Germania" die Frage einer Reichs- tagsauflösung und zwar bei Einbringung der zu erwartenden Heeresoorlage. Bei der Deckungsfrage könnten sich Schwierigkeiten ergeben, die zur Auflösung führen könnten. Von der Presie werden diese Andeutungen dahin verstanden, daß das Zentrum den Kanzler stürzen wolle oder ihm doch feine Macht so empfindlich zu zeigen gedenke, daß er nachgebe. Es mußte natürlich auffallen, daß die „Germania" nach dem Mißtrauensvotum des Reichstages schrieb, nun könne sich der Reichskanzler nicht mehr halten. Rach einer Fortsetzung der Fehde, so nimmt man an, soll dann bei der Wehrvorlage mit der Deckungsfrage der Konflikt auf die Spitze getrieben werden. Ja, die „Franks. Ztg." weiß schon von Besprechungen zu berichten, die ein bekannter Zentrumsführer mit einer führenden Persönlichkeit der Sozialdemokratie angeknüpft habe zwecks eines gemeinsamen Vorgehens bei Rsichstagswahlen. Es sei bereits ein Plan entwickelt, die Eenosien ständen dem Anerbieten aber sehr kühl gegenüber. So schwirren die Nachrichten durch die Luft, ob sie wahr sind, weiß man nicht' sie sind aber ein Zeichen dafür, daß die Luft mit Konfliktsstoffen reichlich durchsetzt ist. Daß auch andere Parteien mit der Politik des Herrn von Bethmann nicht einverstanden sind, ist kein Geheimnis, man vermißt die „starke Hand" — „Mark, Mut und Entschlossenheit", wie die „D. Tagesztg." meint — nicht nur den Elsässern und Polen gegenüber. Es scheinen erregte Tage bevorzustehen, in denen wir uns in der tat eine starke und entschlossene Regierung wünschen müsien.
B e r l'M , 1. Febr. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Auf der ®* tndlage einer von den Polen und einem Teil des Zentrums eingebrochten Interpellation wurde die preußische Ostmarkenvolitik bezüglich der Anwendung des Enteignungsgesehes zum Gegenstand der Kritik des Reichstages gemacht. Hierin liegt der Versuch einer Verschiebung der verfasiungsrechtlichen Zuständigkeiten, Heute noch gilt, was die von dem Fürsten Bismarck am 1. Dezember 1885 im Reichstage verlesene allerhöchste Botschaft ausführt: „Es gibt keine Reichsregierung, welche berufen ist, unter der Kontrolle des Reichstags die Aufsicht über die Handhabung der Landeshoheitsrechte der einzelnen Bundesstaaten zu führen, soweit das Recht dazu nicht ausdrücklich dem Reichte übertragen worden ist." Der Reichskanzler war daher verpflichtet, jenen mit dem deutschen Verfasiungsrecht in Widerspruch stehenden Versuch zurückzuweisen. Trotzdem ist im Reichstag mit Hilfe des Zentrums und der Sozialdemokraten der polnische Antrag angenommen worben, daß die Zulassung der Enteignung für die Zwecke der preußische!» Ansiedlungs- kommisiion durch den Reichskanzler nicht der Auffasiung des Reichstags entspreche. Einem solchen im Anschluß an eine Interpellation von einer Mehrheit des Reichstags beschlossenen Votum kommt um so weniger staatsrechtliche Bedeutung zu, als sein Gegenstand überhaupt der Zuständigkeit im Reiche entzogen ist. Die politische Folge dieses Eingriffs ht einzelstaatliche Rechte wird aber sein, daß sich die Polen in ihrer Agitation gegen das deutsche Ansiedlungswerk in den Ostmarken gestärkt sthlen. Das kann jeder deutsche Monn, sei er Preuße oder Nichtpreuße, Anhänger oder Gegner der Enteignung, nur lebhaft bedauern.
-----♦-----
Die Lage.
Die Bemühungen der Großmächte.
8 e t H n, 2. Febr. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" in ihrer Wochenrundschau: In dem Augenblick, da diese
| Zeilen erscheinen, ist die Hoffnung noch nicht geschwunden, es könnte nach den letzten Erklärungen der Pforte dem einhelligen Bemüben der Großmächte gelingen, ein erneutes Blutvergießen zu vermeiden. Ueber den Ernst der europäischen Friedensbestrebungen können die der Türkei und den Balkanstaaten nach beiden Teilen zugehenden wohlgemeinten Ratschläge nicht zweifelhaft sein. Mit dieser Einwirkung werde'- Mächte nicht Nachlassen. Sollten wider Verhoffen die Fei . 'leiten abermals beginnen, so steht schon jetzt fest, daß in diesem Falle die Mächte auch für den zweiten, voraussichtlich nur kurzen Teil des Balkankrieges, neutrale Zurückhaltung beobachten und jede Sonderunternehmung vermeiden werden durch die eine Beschränkung des Kampfes auf seinen Herd erschwert würde.
London, 2. Febr. Rach der gestrigen Botschafterkonferenz richteten die Botschafter an ihre Regierungen Telegramme, welche die Ansichten der Konferenz über die türkische Antwort wiedergeben. Es herrscht allgemein die Anschauung, daß die türkische Antwort die Möglichkeit einer Grundlage gewährt, auf der di« Friedensverhandlungen wiederaufgenommen werden können. Die Botschafter bringen in Vorschlag, diese Anst-^t d-r finTnariWten Regierung zur Kenntnis zu geben. Es scheint also, daß die Mächte versuchen wollten, der Wiederaufnahme der Feindseligkeiten vorzubeugen, obwohl es ernsthaftem Zweifel unterliegt, ob die Bemühungen sich als erfolgreich erweisen werden.
W i e n, 2. Febr. Das „Fremdenblatt" schreibt: Im Interesse des Friedens und der auf die Beendigung des Kriegszustandes gerichteten Bemühungen Europas ist es unbedingt notwendig, daß die Türkei, die sich in ihrer Antwort auf die Kollektivnote der Mächte entgegenkomend gezeigt hat, sich auch dem Rate der Mächte vollkommen anschlietzt, da die Mächte nicht von ihrer Auffassung abgehen werden, die in der Kollektivnote niedergelegt ist. Andererseits werden die Mächte keinen Druck auf die Balkanstaaten ausüben, um sie zur Annahme der türkischen Vorschläge zu veranlassen, die ja bisher den Wünschen der Großmächte nicht vollständig entsprechen.
Die Türke« find bereit weiter zu verhandel«.
So fi a , 2. Febr. Rach Mitteilungen aus bester Quelle, haben die türkischen Delegierten itr London den Balkandelegierten zu verstehen gegeben, daß sie zur Fortsetzuny der Verhandlungen bereit seien. Die Balkandelegierten erwiderten darauf, daß sie den Vorschlag unter der Bedingung annähmen, daß die Türkei vorher den Bedingungen des Balkanbundes zustimme. Die Antwort der Türken hierauf ist noch unbekannt.
London, 2. Febr. Bei seiner Abreise erklärte Venizelos einem Vertreter des Reuierschen Büros: Ich sage Ihnen nicht Lebewohl, sondern auf Wiedersehen. Ich bin überzeugt, daß wir in einiger Zeit wieder zusammen kommen werden, um den Frieden abzuschließen. Vorher müssen jedoch die Türken die Friedenspräliminarien auf dem Schlachtfelde unterzeichnen.
Und Danew sprach . . .
London, 1. Febr. Danew sagte vor seiner Abreise einem Vertreter des Reuterschen Büros, das Bemerkenswerteste an der Lage fei die Einigkeit der Mächte und die Tatsache, daß niemand den Wunsch hege, sich die schwierige Lage der Dinge int nahen Osten zunutze zu machen. Er sei Überzeugt, daß alle Mächte ohne Ausnahme Frieden wünschten und schätze ihre Bemühungen, den Ausgleich zu fördern. Danew wiederholte, daß die in der Antwortnote der Pforte aufgestellten Bedingungen unannehmbar seien.
Paris, 1. Febr. Rach einer offiziösen Meldung hat der französische Botschafter in London Cambon gestern in mehrfachen Unterredungen mit Dr. Danew unter Hinweis auf den versöhnlichen Grundton der türkischen Antwort eindringlich betont, daß die Valkanverbündeten die Dinge nicht überstürzen mögen. Dr. Danew habe erwidert, daß er ebenso lebhaft eineck möglichst baldigen Abschluß des Friedens herbeiwünsche, aber er glaube nicht, daß die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten diesen Friedensschluß gefährden könnten. Sei doch der italienisch-türkische Krieg gleichfalls gleichzeitig mit den Verhandlungen in Ouchy fortgesetzt und der Friede trotzdem abgeschlossen worden. Dasselbe würde auch jetzt der Fall sein.
Die Haltung Adrianopels.
Konstantinopel, 2. Febr. Das Preßbüro veröffentlicht ein Telegramm, das der Minister des Innern gestern von dem Mali von Adrianopel erhalten hat, welches besagt: Die Gerüchte, die seit Abschluß des Waffenstillstandes in Adrianopel verbreitet worden sind, entmutigen die ganze Bevölkerung. Das neue Kabinett gab den Belagerten neues Leben und es gibt in Adrianopel niemand, der nicht fein Leben opfern wird, um Adrianopel zu verteidigen, das ein sehr wichtiger Bestandteil des Reiches ist. In der Festung find Lebensmittel und Munition, die noch sehr lange aus- reichen. Verteidiger und Bevölkerung hoffen sicher auf den Sieg. Die Truppen und die Bevölkerung Adrianopels erneuerten heute gemeinsam den Eid, die Stadt zu verteidigen. Es beginnt ein neue» Leben in Adrianopel.
Rumänien »eb Bulgarien.
Pari», 2. Febr. Der Bukarester „Temps"-Korrefpondent will aus guter Quelle erfahren haben, daß im bulgarisch-rumänischen Zwist eine Entspannung eingetreten und eine Verständigung als gewiß anzusehen sei. Die Verständigung werde auf folgender Grundlage erfolgen: Rmänien wird auf die Abtretung mehrerer Punkte verzichten, betreffs welcher das bulgarische Rationalgefühl sich unnachgiebig zeigen würde, dagegen werde Bulgarien über di« von Dr. Danew in London vorgeschlagenen Zugeständnisse hinaus- gehen und wahrscheinlich größere Gebietsabtretungen an der Küste* des Schwarzen Meeres bewilligen. Die Festung Silistria würde geschleift werden, aber bulgarisch bleiben. Die beiden Regierungen
wünschen, daß das angestrebte Abkommen die Grundlage einer dauernden Freundschaft bildet.
Ei« Ha«dkchreibe« Reifer Franz Josef» an den Zaren.
Wien, 2. Febr. Das „Fremdenblatt" schreibt: Oberstleutnant Gottfried Prinz Hohenlohe begibt sich in den nächsten Tage« als Träger eine» Handschreibens des Kaisers an den Zaren nach Petersburg. Der direkte Verkehr zwischen den beiden Monarchen entspricht den fteundschaftlichen Beziehungen, welche zwischen bew Hofen von Wien und Petersburg bestehen. — Das Handschreiben nimmt, der „Reuen Freien Presse" zufolge, ausdrücklich Bezug auf die zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland schwebenden Differenzen und ist als ein bedeutsamer Akt der auswärtigen Politik aufzufassen. Es geht daraus hervor, daß von der Absendung die österreichisch-ungarischen diplomatischen Vertretungen im Ausland« verständigt worden sind. Die Absendung eines Spezialgesandten hat möglicherweise auch darin ihren Grund, daß der österreichisch-ungarische Botschafter in Petersburg in den letzten Tage« bettlägerig gewesen ist. — In einer Zuschrift aus politischen Kreisen an das „Reue Wiener Tageblatt" heißt es bezüglich des Handschreibens: Es müssen nicht gerade Differenzen sein, welch» auf der Londoner Botschafter-Reunion inbezug auf die Abgrenzung Albanien» zwischen den beiden Mächten sich ergeben Ijaben, und welche das Handschreiben veranlassen. Man darf nicht übersetzen, daß noch ein anderer, sehr bedeutsamer, allgemeiner GruÄf zu solchem Briefwechsel vorliegt: Rußland häufte im Herbst uitte# dem Titel Probemobilisierung Hunderttausend« von Truppen an unserer Grenze an und verstärkte die Konzentration noch so, daß jetzt eine große russisch« Armee an der galizischen Grenze angesammelt ist. Die Monarchie ist dadurch gezwungen worden, gleichfalls gewisse militärische Borsichtsmaß- re g e l n zu treffen, welche nun schon seit Monaten andauern mV große Kosten verursachen. Liegt es nun unter solchen Umständen nicht nahe, den Versuch zu unternehmen, ob durch eilte wechsel« seitigeAussprach« zwischen den obersten Lenkern die beiden Reiche diesem unleidlichen Zustande ein End« gemacht werden könnt«? In politischen Kreisen meint man demnach, daß au» der derzeitigen Situation heraus in diesen bewegten Zetten es wirklich als nichts Außergewöhnliches, sondern al» «ine Selbstverständlichkeit anzusehen wäre, wenn kaiserliche Handschreiben über die betreffenden Umstände gewechselt würden. Bismarck erklätte in den achtziger Jahren anläßlich eines ähnlichen Falle» im Reichstag«, es fei eine mißliche Sache, über Mobilisierungen und Truppenkonzentrierungen auf diplomatischem Wege Aufklärung zu verlangen. Er habe es darum Rußland gegenüber unterlassen. Was jedoch dem Diplomaten als mißlich und peinlich erscheinen mag, verliert feinen odiosen Charakter, wenn ein Souverän sich an den andere« wendet, um zu versuchen, durch eine offene Aussprache die Situation zu klären. Darum begrüßt man in politischen Kreisen diese Initiative unseres Kaisers, der bisher mit seiner ganzen, uiwer«. gleichlichen Autorität und Energie sich für den Frieden eingesetzt hat und ihn auch weiterhin erhalten will.
* * e
Belgrad, 2. Febr. Die „Stampa" fordert die Regierung auf, noch vor der Fortsetzung des Krieges ein Einvernehmen mit Bulgarien anzustteben derart, daß dieses als eine Gegenleistung für die Teilnahme der serbischen Armee an dem Kampfe um Adrianopel und an der Tschataldschalini« bis nach Saloniki einwillige.
Saloniki, 1. Febr. Die bulgarische Regierung ließ im Bezirke Serres über 200 bulgarische Komitatschis verhaften, welche an den Plünderungen und Metzeleien während des letzten Krieges beteiligt gewesen fein sollen. Unter den Verhafteten befindet sich der von den Bulgaren zum Präfekten von Langasa ernannte Bandenführer Dumbalakoff, dem die schwersten Ausfck-eitnnqen nachgesagt wurden.
----♦----
PoMsche Umschau.
eine Rebe be« Fürsten Lichnowsky.
Die deutsche Kolonie in London vereinigte fich am Freitag abend zur Feier des Geburtstages des Kaisers. Während des Festes hielt bet deutsche Botschafter, Fürst Lichnowsky, eine Rede, in der er u. a. sagte: Das deutsche Volk ist trotz feiner glorreichen Vergangenheit ein Friedensvolk. Die innigen Beziehungen, die Sie zu England anknüpfen konnten, wo Sie ihre zweite Heimat fanden, find der Ausdruck der friedliche« Politik, die Deutschland unter der Regierung des Kaisers vertrat, bet es als feine vornehme Aufgabe betrachtet, Freundschaft gerade zu dem mächtigen, blutverwandten englischen Volk zu pflegen. Sie werden ganz besonders im Verlauf der letzten Monate gesehen haben, daß die Regierung des Kaisers es als ihre vornehmste Pflicht betrachtet, in Ueberein- fttmmung mit unseren Verbündeten und in Gemeinschaft mit der eng befreundeten großbritannischen Regierung im Sinne der Erhaltung be» europäischen Friedens wirken und die Gegensätze durch vermittelnde» Entgegenkommen beseitigen zu helfen. In diesem Sinne erreichten die Großmächte auf der Grundlage gegenseitigen Vertrauens, daß der Weg zur Verständigung immer wieder offenblieb und fie sind auch weiterhin bestrebt, im innigsten Einvernehmen an die Lösung etwa aussteigendet Probleme heranzutreten. Wir dürfen daher die Hoffnung aussprechen, daß die auf Anregung Sir Edmund Creys zusammengetretene Versammlung der Botschafter sich auch fernerhin bewähren und zu dem gewünsch- ten Ziel der Erhaltung des europäischen Friedens führen wird. Auch sonst haben die Mächte den beteiligten Staaten zur Mäßigung gerate« in bet Annahme, daß sich dadurch vielleicht weiteres Blutvergießen vermeiden ließe. Wenn Deutschland und Großbritannien stch verstehen unb sich vettragen und wenn sie entschlossen find, die ungestötte Arbeit bürge» licher Entwicklung zu erhalten, so meine ich, daß wir mit Vertrauen alle« Wechselfällen bet Zukunft entgegensehen könne«.