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Erstes Blatt

Lehrlinge.

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Zeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckämter Frankfurt a. M.

Der Handelsminister hat anläßlich einer strafrechtlichen Entschei­dung ausführlich« Erläuterungen über die Fortbildungsschulpflicht der Lehrlinge und ihre strafrechtliche Berantwortlichkeit in einem Erlaß veröffentlicht. Der Erlaß führt aus: Nach der Gewerbeordnung können jugendliche Arbeiter durch statutarische Anordnung nur bis zum vollende­ten 18. Lebensjahr zum Besuch einer Fortbildungsschule verpflichtet wer­den. Die angezogene Entscheidung führt demzufolge richtig aus, daß Lehrling« die da» festgesetzte Alter erreicht haben, wegen Versäumnis der Fortbildungsschule nicht bestraft werden können. Die erwähnt« Altersgrenze gilt dagegen nicht für die Vorschrift, die den Lehrherrn verpflichtet, den Lehrling zum Besuch der Fortbildungs- oder Fachschule anzuhalten und den Schulbesuch zu überwachen. Diese Lerpflichrung besteht, ohne Rücksicht auf das Alter des Lehrlings, für die ganze Dauer des Lehrverhältnisses. Durch ihre Verletzung macht sich der Lehrherr strafbar. Nur für die Inhaber offener Verkaufsstellen ist die Ver­pflichtung einerseits aus Lehrlinge unter 18 Jahren beschränkt, anderseits auf Gehilfen unterhalb dieser Altersgrenze ausgedehnt. Eine straf­rechtlich« Verantwortlichkeit der über 18 Jahre alten Lehrlinge ergibt sich nicht. Wohl aber find die Handelskammern in der Lage, auch des über 18 Jahre alten Handwerkslerhlingen eine Verpflichtung zum Besuch« einer Fortbildungs- oder Fachschule aufzuerlegen und Verstöße gegen ihre Anordnung durch Vermittlung der unteren Verwaltungsbehörde« zu ahnden. Di« Sitte, in einzelnen Handwerken die jungen Leute erst einige Jahre nach Entlastung aus der Volksschule in dir Lehr« trete« zu lasten, findet sich in mehreren Landesteilen. Die Lehre endet dann »ielfach erst, wen» der Lehrling 80 und »ehr Jahre alte gevorden ist, '

Achmed Mukhtar Paschas vor. Schließlich mutzte jedoch der Sultan den Vorschlägen Enver Beys nachgeben.

Von den Zeitungen erscheint nur dieSabah". Das Blatt schreibt: Die Manifestationen auf der Pforte richteten sich keines­wegs gegen Europa. Es wohnte ihnen ein lediglich innerpolitischer Eharakter inne. Eines aber sei vielleicht wichtig, festzustellen: Während die alte Regierung bei den Beratungen über die Ant­wort an die Großmächte stch von dem Grundsatz der Nichtwieder­aufnahme des Krieges leiten ließ, stehen dem Kabinett Mahmud Schefket die Möglichkeiten einer kriegerischen oder friedlichen Lö­sung gleichmäßig offen.

Auffassung der Rächte adwarten!

London, 25. Jan. Die Botschafter sind heute vormittag zu einer Beratung zusammengetreten.

Köln, 25. Jan. DieKöln. Ztg." meldet aus Berlin: Auch ohne eine förmliche Abrede zwischen den Großmächten anzunehmen sie werden sich zunächst zu den Ereignissen in Konstantinopel abwartend verhalten und der neuen Regierung eine gewisse Frist zu der Beantwortung der Kollektivnote lassen glauben wir nicht, daß die französischen Meldungen über eine Flottenkund­gebung der Großmächte mit der Meinung der französischen Regie­rung übereinstimmen. Für die Flottenkundgebung ist ein ein­stimmiger Beschluß des Mächtekonzerts nicht herbeizuführen. Es ist wenig ersprießlich, daß derTemps" einem arabischen Schrift, steller seine Spalten öffnet, der die kleinasiatische Frage aufwirst. Di« Meldungen über ein Sondervorgehen Rußlands in Armenien werden durch das bisherige Verhalten Rußlands nicht bestätigt. Für eine Aenderung in dieser Haltung liegen bis jetzt keine Be­weise vor. Die Meldungen derWiener Allgemeinen Zeitung" über Abmachungen Englands, Rußlands und Frankreichs über die Teilung der asiatischen Türkei im Interessengebiete möchten wir mit mehr als einem Fragezeichen versehen.

London, 25. Jan. DieTimes" betont, daß die verant­wortliche Presse von London, Paris, Berlin, Rom und Wien ein­stimmig gegen die türkische Regierung Stellung genommen habe. Die türkisch« Regierung werde gut tun, die einstimmige Forderung der europäischen Hauptstädte zu berstücksichtigen, daßderFriede Europas dem Ehrgeiz des Komitees für Einheit und Fortschritt nicht geopfert werden dürfe.

Paris, 25. Jan. Hier werden lebhafte Zweifel in die Fähigkeit der Jungtürken gesetzt. Die Parole lautet: Abwarten, keine Einmischung, aber größte Wachsamkeit im Hinblick auf alle möglichen Ereignisse, namentlich die Adrianopeler Frage und den Wiederbeginn des Krieges, die die Einigkeit Europes auf eine harte Probe stellen.

lleber die Auffassung in Petersburg wird derFranks. Ztg." geschrieben: Mangels zuverlässiger Nachrichten ergeht sich die Presse in haltlosen Vermutungen. Ueberall kehrt die Beschuldi­gung wieder, Deutschland habe den Umsturz in der Türkei durch seine Weigerung, an einer Flottenkundgebung teilzunehmen, ver­ursacht. Die .Börsenzeitung" versichert, von einer Besetzung Ar­meniens sei niemals die Rede gewesen; Rutzland werde eine ab­wartende Haltung beibebalten.

Alle Informationen in bulgarischen Regierungskreisen bestä­tigen, daß die Regierung entschlossen ist, die weitere Entwicklung der Ereignisse in Konstantinopel ruhig abzuwarten und den Großmächten eventuelle weitere Schritte zur Förderung des Frie­densschlusses zu überlassen. Erst wenn das neue türkische Kabinett die Abtretung Adrianopels verweigern sollte, würden die Ver­handlungen abgebrochen und der Waffenstillstand gekündigt werden.

Unterdessen kommt aus London eine Meldung des Reuter­büros, die geeignet ist, die Lage noch weiter zu verwirren. Sie lautet: Soeben, 28. Jan. Die Delegierten der Balkanstaate« habe« beschlösse«, die Verhandlungen abzubrechen. Man wird die Bestätigung dieser Meldung abwarten müssen; denn sie so ohne weiteres als glaubhaft hinzunebmen, geht angesichts der so oft ernsthaft betonten Friedensliebe der verbündeten Valkanstaaten nicht an.

Die deutsche Presse steht dem jüngsten türkischen Staats­streich mit Rücksicht auf die möglichen Folgen und Verwickelungen internationaler Natur sehr skeptisch gegenüber. DieKreuzztg." schreibt: In beiden Fallen (des Sieges oder der Niederlage der Türkei bei einem neuen Kampfe) ist es wahrscheinlich, daß die Vorgänge auf dem Balkan auch die Einmischung der Großmächte nach sich ziehen, und daraus müssen sich wieder Komplikationen ergeben, die recht beunruhigenden Ausblick eröffnen. Unser Gefühl plädiert lebhaft für den unerschrockenen Mann, der, wenn auch durch schwere, ungesetzliche Tat, sein Vaterland aus den Händen schwacher Minister retten und nach Möglichkeit vor Schmach und Schande schützen wollte. Aber unser Verstand vermag den revo­lutionären Ast des Staatsstreiches nicht zu billigen, und das um so weniger, als alle Aussicht besteht, daß auch wir auf die eine oder andere Art die Zeche mitbezahlen müssen, die gestern in Konstan­tinopel gemacht wurde. Ein anderes Blatt meint: Es ist aber klar: für die Mächte ist Poincar<f-s Formel der Uneigennützigkeit geschwunden. Es heißt mit offenen Augen und Entschlossenheit den kommenden Ereignissen ins Auge sehen. DieRordd. Allg. Ztg." schreibt in ihrer Wochenrundschau: Soweit die neuen Er­eignisse in Konstantinopel von der europäischen Presse mit Ernst und Einsicht gewürdigt werden, tritt überall der Gedanke hervor, das wichtigste für die weitere Behandlung der Orientwirren sei die Bewahrung der Einigkeit unter den Großmächten zur Fort­setzung ihrer gemeinsamen Arbeit und zur Wiederherstellung des Friedens. Dazu gehört vor allem das Festhalten an der bisher beobachteten Neutralität. Tatsächlich besteht kein Grund zur An­nahme, daß einzelne Mächte das Konzert verlassen wollen, um i«

die Entwicklung der Dinge im Orient nach eigenem Ermessen ehu zugreisen. Für das gemeinsame Auftreten Europa» komme« Zwangsmaßregeln gegen die Türkei nicht in Frage. Eie würde« mit den Grundsätzen der Neutralität nicht im Einklang stehen ui* könnten bedenkliche Folgen haben. Es bleibt im Interesse der Einigkeit unter den Großmächten nur das Weitergehen auf de« Wege gemeinsamer diplomatischer Einwirkung, um neue Feind­seligkeiten zu verhüten oder, falls dieses unmöglich sei, fie örtlich und zeitlich einzuschränken.

Die verbündete«.

S e m l i n, 25. Jan. In der Nacht zum Sonnabend wurde ganz Belgrad von Flugschriften überflutet, worin der Karageorge- witsch,Dynastie für den Fall, daß der Krieg fortgesetzt werde, die Absetzung angedroht wurde. Mehrere angesehene Belgrader P» litiker wurden unter dem Verdacht, die Schriften verbreitet z* haben, verhaftet.

Die rumänischen Forderungen.

Bukarest, 26. Jan. Da die bulgarische Regierung da» Ausmaß der Rumänien zu gewährenden Konzessionen bisber amt­lich in Bukarest noch nicht mitteilte, ist der rumänische Gesandte in London Misch« beauftragt worden, dem bulgarischen Delegierten Danew mitzuteilen, daß die rumänische Regierung diese amt­liche Mittteilung dringend erwarte.

Enver Bey.

lleber Enver Bey, den Helden der jüngsten Erhebung, ver­öffentlichen die ,L. N. N." einen Artikel, dem wir folgendes ent­nehmen: Enver Bey, dessen Name infolge der Konstantinopeler Militärrevolution wieder in aller Munde lebt, ist in der deutschen Reichshauptstadt kein Fremder. Man kennt in Berlin seinen Le­benslauf und seinen Charakter sehr genau. Enver kam noch nicht 4 Jahre alte in die Schule und war vor dem 18. Lebensjahre Offi­zier. Sieben Jahre lang lag er in Albanien im Kampfe mit makedonischen Banden und Nacht für Nacht am Lagerfeuer. An» der albanischen Wildnis heraus trat der junge Enver Bey mitten in die europäische Zivilisation. Er bewegte stch in Berlin al» Militärattache« der türkischen Botschaft und als persönlicher Freund des Eeneralfeldmarschalls v. d. Goltz mit natürlichem Takt und Feingefühl. Enver Bey verriet zwar den modernen auf­geklärten Türken, aber er hielt an alten Bräuchen fest, mehr au» Tradttionsliebe, als aus Ueberzeugung. Er verschmähte den deut­schen Wein und das deutsche Bier und befolgte die Vorschriften de» Korans. Sein Steckenpferd, seine immer wiederkehrende Unter­haltung waren Fälle aus der Kriegsgeschichte. Einer seiner Ber­liner Bekannten erzählte von ihm:Einerlei, ob das Gespräch auf eine Schlacht Moltkes, Fridrichs oder des Connetable von Bourbon kam, Enver wußte genau und richtig bis ins kleinste, wie sie ent* schicen ward!" Die Stärke seines Charakters und sein Selbst- bewußtsein beschrieb Enver Bey selbst gelegentlich mit den Wor­ten:Wenn mir viel daran liegt, bringe ich die Menschen immer auf meine Sette". Ohne blank zu ziehen, begab et sich in der ersten Revolution zu Stambul 1908 in die Kaserne eines meuternden Regiments, gab nur mit Hand und Augen den Befehl zum Ein­stellen des Feuers, und die Soldaten folgten nach kurzem Wort­wechsel seinem Willen. Enver Beys Heldentaten in der Cyrenaika sind bekannt. Der Sultan, dessen Nichte Radijie Enver Bey 1911 vor der Abreise nach dem Kriegsschauplätze in Tripolis zur Frau er­halten hatte, erkannte die aufsteigende Bedeutung des jungen Offiziers durchaus richtig, indem er ihn zum Walt von Benghast einsetzte und ihm im April 1912 den Pascha-Titel verlieh. Enver Bey unterzeichnete seine Briefe, als er vor den Wällen von Derna kämpfte, stolz alsMutessarif von Benghast". Els Enver nach feiner Rückkehr nach Konstantinopel in der Tschataldschalinie er­schien, erhob stch ein einziger Jubelschrei:Heil dir, Enver! Führe du uns zum Siege! Mit dir werden wir siegen!" So brausten die Rufe der Begeisterung aus den Reihen der Soldaten. Die kommandierenden Generale eilten nach Konstantinopel und legten dem Kabinett ganz ernsthaft die Frage vor, ob sie Enver verhafte« sollten. Man wagte es nicht, angesichts der begeisterten Armee.

Politische Umschau.

Der Handelsminister über die strafrechtlich« Berantwortlichkeit der

Die Laae.

Der Putsch.

Konstantinopel. 25. Jan. lleber die Vorgeschichte des Putsches verlautet, daß die Führer der Jungtürken sich am Sonn­abend bei Talaat Bey versammelten, um eine Kundgebung zu be­schließen. Einige Mitglieder des Komitees schwankten, jedoch überwog schließlich die Meinung, daß sofort, nämlich vor der Ueberreichung der Antwortnote der Pforte, gehandelt werden müsse. Den Zeitungen ist der strenge Befehl zugegangen, sich verhetzender Artikel zu enthalten, jedoch zugunsten des Krieges zu schreiben.

Wie erst am Freitag konstatiert werden konnte, sind bei der blutigen Szene vor dem Ministersaal neun Personen getötet wor­den. Freitag vormittag wurden aus der Pforte neun Särge herausgetrageil. Die Opfer sind außer Nazim Pascha seine beiden Adjtttanten Nafis und Salih, der Diener des Justizministers, ein Diener der Pforte, ein Sekretär der Pforte, angeblich auch der Hauptmann Kiais Jsli Tewfik und der Dragoman Nadschib. Das neunte Opfer ist unbekannt. Man erzählt, Enver Bey hätte zuerst durch einen Diener seine Karte in den Ministerratssaal hinein­gesandt und um Zutritt gebeten. Da die Minister ihn nicht empfangen wollten, kam es zu einem Tumult, wobei der Adjutant des Kriegsministers zuerst feuerte. Daraus erschien der Kriegs­minister in der Tür des Saales, um sich nach der Ursache des Tu­multes zu erkundigen. Die Demonstranten drangen hinein; in diesem Augenblick fielen einige Schüsse und Nazim Pascha brach tödlich getroffen zusammen. Die in den Saal gedrungenen Jung­türken wollten in der Erregung des Moments, wie behauptet wird, auch den Eroßwestr töten, der ihnen bittend entgegen­gegangen fei und so fein Leben gerettet haben soll. Die friwere-n Minister des Innern und der Finanzen werden noch immer ge­fangen gehalten.

Konstantinopel, 25. Jan. lleber das Erscheinen Enver Beys im Sultanspalast verlautet, daß infolge des Einschreitens der Hofchargen, die das schlimmste befürchteten, der Sultan ihn Nicht selbst empfangen habe, sondern die Verhandlungen über di« Bildung des neuen Kabinetts nur durch die Vermittlung- der Würdenträger geführt habe. Der Sultan schlug zunächst eine Um- dildung des Kabinetts unter Kiamil Pascha mit Mahmud Schefket «l» Krieg-minister und später die Ernennung Ferid Paschas oder

niU oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

,,h h.n R-iiaaen: ..Nack Feierabend",Siirs Haus" undLandwirtschaftliche Seiht*".

Kleine Karniionen!

Eine große Zahl von kleinen Städten bemüht sich jahraus, jahrein, eine Garnison zu erhalten, und auch im Reichstage werden alljährlich bei Beratung des Militäretats den leitenden Stellen im Heere diese Bemühungen dringend zur Berücksichtigung empfohlen. Die Gründ« hierfür liegen aus der Hand. Eine Garnison trägt eben zum Blühen und Gedeihen des wirtschaftlichen Lebens einer kleinen Stadt sehr viel bei. Rach der Heeresorganisation von 1860 waren die kleinen Earni- |onen sehr viel häufiger als heute. Besonders gab es damals Kavallerie- Regimenter, die für jede ihrer 5 Schwadronen eine besondere Garnison hatten; aber auch die Zahl der allein stehenden Infanterie-Bataillone war viel größer. Militärische Interessen, d. h.. solche der gleichmäßigeren Ausbildung im Frieden und der erleichterten Mobilmachung zwangen dann dazu, die Regimenter möglichst zusammen zu legen, und so manche kleine Stadt sah schweren Herzens ihre Garnison auf Nimmerwiedersehn davon ziehen, mit der fie nicht nur durch materielle Interessen verbunden, sonder« mit der sie auch durch verwandtschaftliche und freundschaftliche Bande verwachsen mar. Die Wiedererlangung einer Garnison ist ja sehr schwierig. Bestehende Truppenteile tauschen höchstens ihre Stand- orte, da die vorhandenen Kasernen und sonstigen Garnisoneinrichtun- gen ausgenutzt werden müssen und nicht leer stehen dürfen. Nur wo besondere militärische Gründe mitsprechen, wie z. B. bei Mörchingen, oder innerpolitische, wie bei Wreschen und Schlimm, werden auch mal größere Garnisonen zugunsten solcher kleinen Städte verkleinert. Da bleibt denn als einzige Hoffnung eine etwaige Heeresvermehrung übrig, da die neu zu formierender^ Truppenteile doch untergebracht werden müssen. So wurde denn auch vor der letzten Heeresvermehrung das Kriegsministerium von allen Seiten um eine Garnison gebeten, aber wie wenige von diesen Gesuchen haben berücksichtigt werden können. Die Militärbehörde verschließt sich selbstverständlich nicht den schwer- wiegenden Gründen, die für kleine Garnisonen sprechen. Abgesehen von den schon oben erwähnten wirtschaftlichen Gründen, sind es auch noch manche andere. Zunächst sittliche und gesundheitliche: in den großen Städten bedrohen den Soldaten viel mehr Gefahren leiblicher und sittlicher Art. In nationaler Beziehung ist zu bedenken, daß eine Garnison in national gefährdeten Landesteilen das stärkste Rückgrat für das Deutschtum bildet, und schließlich neigen die Landbewohner, die ihre Militärzeit in kleinen Städten abgeleistet haben, viel weniger zur Landflucht, als die aus großen Garnisonen. Es herrscht daher auch an maßgebender Stelle unzweifelhaft das Bestreben, den kleineren Städten die etwa vorhandenen Garnisonen zu belassen und möglichst viele andere mit Garnisonen zu belegen. Aber wenn nur die vorstehend angeführten Gründe mitspräcken, dann könnten viele Wünsche erfüllt und viel Zufriedenheit geschaffen werden. Dem stehen aber leider noch wichtigere Gründe militärischer und politischer Natur entgegen. Bis­her hatten von den 1275 Städten Preußens 177 eine Garnison die­jenigen, in denen nur Bezirks-Kommandos, Meldeämter usw. liegen, nicht mitgerechnet und von diesen hatten 109 Städte weniger als 2500 Einwohner. Infolge der letzten Heeresvermehrung werden ja einige wenige kleine und kleinere Städte wie z. B. Deutsch-Krone, El­bing, Euskirchen, Euren, Düren, Eschweiler, Schwetz und Neustettin Garnisonen erhalten. Man sieht aber, wie sehr die Städte, die eine Garnison haben, in der Minderzahl sind, und diejenigen, die jetzt keine bekommen haben und in absehbarer Zeit keine bekommen werden, müssen sich schon mit den ausschlaggebenden Gründen der Militärver­waltung und mit der großen Zahl ihrer Leidensgenossen trösten.

DieOberhesfische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <«. (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2 frei ins Haus. Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch lJnh Dr. C. Hitzerothj. Markt 21. Telephon 55.

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Marburg

Montag, 27. Januar