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nul oem streidblatt für die Kreise Marbmg und KirchhÄN
und den Beilagen: „Nach Feierabend". „Fürs Haus" und »Landwirtschastüche Beilaae".
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Die „Oberhefsisch« Zeitung- erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 Jl (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2,— Jl tret ins Haus. — Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Mittwoch, 22. Januar
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48. Jahrg.
1918.
Erstes Blatt.
Die Entscheidung.
der Pforte über Krieg oder Frieden ist für letzteren ausgefallen. In den frühen Morgenstunden verkündete der Draht folgende Depesche:
Konstantinopel: Die türkische Regierung hat sich end« gültig zum Frieden entschlossen. Sie stimmt der bedingungslose» Uebergabe Adrianopels zu und wird heute Abend den Mächten «ine diesbezügliche Antwortnote zugehen lasse».
Damit scheint nun der letzte Akt in dem gewaltigen Drama auf dem Balkan beendet. Nach wochenlangem Feilschen hat sich die Türkei zu dem Entschlüsse durchgerungen die hart bedrängte Feste Adrianopel, das schützende Bollwerk gegen ein weiteres Bordringen der christlichen Feinde, aufzugeben und sich mit dem Besitze von Konstantinopel und dem dazugehörigen Vorgelände zufrieden zu geben. Wenn auch diese Entwicklung der Dinge bei der Stellungnahme der Mächte als naheliegend vorausgesehen werden konnte, so ist doch nicht abzustreiten, daß ein anderer Ausfall der Entscheidung möglich war und zwar recht gut möglich war; denn die Türket hat sich in den letzten Wochen des Waffenstillstandes ganz erheblich erholen können. Sie hat die vernachlässigte Ver- pflegungsorganisation ihrer Truppen verbessert, gute und zuverlässig- Soldaten aus Kleinasten und vielleicht auch Arabien und Tripolitanien herangezogen und erfolgreich die tückische Cholera bekänipft. So ganz aussichtslos xvar also die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten für das ottomanische Reich nicht, besonders da — von den Bluffversuchen Rußlands abgesehen — die Mächte einen Zwang auszuüben abgelehnt hatten. Es hätte sich eben für die türkische Regierung lediglich darum gehandelt, alles auf eine Karte zu setzen, entweder das Verlorene wenigstens zum Teil zurückzugewinnen oder gänzlich aus Europa zu verschwinden. Auf dies va banque-Spiel, so verlockend es zu sein schien, haben sich die Türken nun nicht eingelasten. Sie haben den Forderungen der verbündeten Balkanstaten nachgegeben und über kurz oder lang wird der Frieden endgültig abgeschlossen werden. Dadurch haben sie sich den Dank — soweit man in der Politik von Dank sprechen kann — der Großmächte verdient und an diesen ist es, der Türkei wieder aufzuhelfen, sie trotz ihrer Verluste an Geld, Gut und Land kräftig zu erhalten und weiteren Schröpfungsversuchen der vier Balkanstaaten entgegenzutreten. Jedenfalls dürfen fie nicht dulden, daß die Küsten des Marmarameeres und der Dardanellen sowie die vorgelagerten Inseln in anderen Besitz übergehen.
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Bukarest, 21. Jan. Das Blutt „Universul" veröffentlicht ein Interview mit dem Minister des Innern Ta?- Jonescu über die rumänisch-bulgarische Frage. Der Minister v.rwies auf die in London geführten Verhandlungen und bemerkte, es sei nicht zweckmäßig, die vertraulichen Vereinbarungen an das Licht der Oeffent- kichkeik zu bringen. Die Tatsache, daß beide Königreiche rnitein- »Hber dr Unterhandlungen ständen, bezeuge den beiderseitigen Wunsch, auf friedlichem Wege ein vollständiges Einvernehmen zu erreichen.
Konstantinopel, 21. Jan. Wie verlautet, schloß das Finanzministerium mit der Banque Ottomane ein Dorschußgeschäft in Höhe von 250 000 Pfund zur Auszahlung der Beamtengchälter für einen Monat ab. Die Bank stellte unter ihren Bedingungen nachträglich die Forderung auf, daß der Funktionär der Bank darüber zu wachen habe, daß das Geld ausschließlich zur Bezahlung der Gehälter verwendet werde. Die Regierung erteilte ihre Zustimmung. Im letzten Augenblick sei jedoch aus Paris die Weisung gekommen, den Vorschuß nicht auszuzahlen. Das gleiche Veto habe Frankreich jüngst entgegengesetzt, als es sich um einen mit der Verwaltung der Leuchttürme, einer französischen Unternehmung,
(Nachdruck verboten.)
Der fremde Kater.
Roman von Kurt Matutl.
16 (Fortsetzung.)
Der Zug fuhr schneller. Sie muhte den Kopf zurllckziehen und das Fenster schlichen. Nun tat sich vor ihr die wette Welt auf, und vor den Fenstern jagten wie ein Riefenfilm in unablässiger Folge Felder, Dörfer, Bäume, Flüsse, Seen und Städte vorüber.
Wohl achtete sie di« ersten Stunden auf all' die Wunder, die die Welt dort aufgebaut, auf die Menschen, welche noch in letzter Feldarbeit tätig waren, harte Menschen, di« sich nicht durch das unfreundliche, kalte Novemberwetter, das draußen frischte, abhalten ließen.
Ganz allein war sie in dem Coup#. Der Zug war um diese Jahreszeit schwach besetzt. Dann wurde sie müde von dem Hinausstarren und begann, die Zeitung zu lesen. Eine Zeitung I — Noch niemals hatte Anneliese ein« solche in die Hand gemnnmen. Ihre Mutter las selten eine Tageszeitung, sondern nur Frauenzeitungen oder wissenschaftliche Journal« und Bücher, und im Hause ihre» Seiet» kam die Zeitung nicht aus dessen Arbeitszimmer nach unten.
Nun offenbarte ihr das Tageblatt, welches sie zu lesen begann, ein neues großes Wunder, führte sie auf ein Gebiet, von dessen Größe sie bis dahin nichts gewußt. Wie merkwürdig war es für fie, zu sehen, wie auf dem Papier Nachrichten au» der ganzen Welt gedruckt standen, Ereignisse, die erst in der Nacht geschehen. Da standen aus Newyork, aus Paris, ans Ehina und den entlegensten Ortschaften des Nordpols allerlei Berichte, die — Anneliese glaubte zuerst an einen Druckfehler — erst gestern geschehen waren.
Wie war das nur möglich! Und st« «tlnnette sich der Unterrichtsstunden, die fie gehabt, und in denen man ihr mit trockenen Worten über Telegraphie und Wunder der Elektrizität etwas hatte lehren j wollen. Dort draußen vor dem Fenster — fast in greifbarer Nah« — I liefen zu Hunderten die kupfernen Drähte und übermittelten wohl in I
abgeschlossenen Vorschußvertrag handelte, die als Gegenleistung die Verlängerung der Konzesston um 25 Jahre erhalten sollte. Auch die mit der Verlängerung der Konzession der Tabakregie verbundene Anleihe dürfte dasselbe Schicksal haben.
Athen, 21. Jan. Der Kriegsminister veröffentlicht eilte Depesche des Generals Sapundjakis aus Emmagha von 10 Uhr morgens: Wir besetzten die Höhen im Norden von Lozeci und Letschana mit unbedeutenden Verlusten. Der Feind zog sich in großer Unordnung unter schweren Verlusten zurück. Jetzt wird von uns ein Hügel zwischen Fuat Bey und Bezani und den Forts im Norden Letfchanas in der Ebene von Janina und eine zu befestigte Höhenstellung bei Ajosnicola besetzt. Bei den Operationen herrschte starker Sturm und heftiger Regen.
Konstantinopel, 21. Jan. Nach Schilderungen türkischer Blätter und Mitteilungen von Zeugen der Seeschlacht am 18. Januar lief die türkische Flotte aus den Dardanellen aus, um den „Aweroff" in der Bai von Mudhros zu überraschen. Der „Aweroff" war jedoch bereits auf offener See. Wie es heißt, ist die griechische Flotte von dem Auslaufen der türkischen durch einen russischen Warendampfer benachrichtigt worden. Die Panzerschiffe „Barbarossa" und „Torgut Reiß" eröffneten in einer Entfernung von 8 Meilen das Feuer. Ein Geschoß des „Aweroff" traf den „Barbarossa"; das Geschoß flog in den Speisesaal der Offiziere, wo es explodierte. Eine Anzahl Matrosen und einige Offiziere wurden hierbei getötet und verletzt. Die Explosion verursachte einen Brand, der bald gelöscht war. Nach der Explosion unterbrach der „Aweroff" auf 20 Minuten das Feuer. Inzwischen nahm der „Torgut Reiß" neben dem „Barbarossa" Aufstellung. Beide Schiffe eröffneten das Feuer auf den „Aweroff", gegen den sie Breitseiten abgaben. Man bemerkte bald eine große Bresche am Hinterteil des „Aweroff", dessen Hauptmast stürzte. Währenddessen griff der Panzer „Messudije" die griechischen Torpedoboote an, denen er großen Schaden zufügte. Die türkischen Torpedobootszerstörer gingen sodann zu einem allgemeinen Angriff über und schlugen die griechischen Torpedoboote in die Flucht. Die tüt« kischeMPanzerschiffe kehrten hierauf in den Eingang der Dardanellen zurück. Auf türkischer Seite wurden in dem Seekampf 4 Offiziere und 48 Matrosen des „Barbarossa" verwundet, außerdem sind 4 Offiziere und 27 Soldaten tot. Der Sultan ließ den Verwundern Grüße übermitteln und Geschenke überreichen. Alle verfügbaren Werkstättenschiffe wurden in die Dardanellen entsandt, um die Schäden, die der „Barbarossa" erlitt, auszubessern. Diese find übrigens so, daß die Einstellung des Schiffes in ein Dock nicht notwendig ist.
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Deutsches Reich-,
— Staatssekretär a. D. v. Hollman» f. Berlin, 21. Jan. Staatssekretär a. D. a la suite des Seeoffizierkorps und Mitglied des Herrenhauses Fritz v. Hollmann ist in der vergangenen Nacht in seiner Wohnung gestorben. Die Berdigung findet voraussichtlich am 24. Januar auf dem St. Eeorgenkirchhof bei Berlin statt.
— Aus der Budgetkommission. Berlin, 21. Jan. In der Budgetkommission des Reichstages teilte Staatssekretär Dr. Delbrück mit, die Mehrzahl der Bundesstaaten würde sich der reichs- gesetzlichen Regelung der Wohnungsfrage widersetzen, da sie selbst die nötigen Maßnahmen treffen wollten. Die Frage des Erbbaurechts solle jedoch reichsgesetzlich geregelt werden, insbesondere hinsichtlich der Beleihung. Die nötigen Vorarbeiten sind noch nicht erledigt. Auch erklärte der Staatssekretär, wenn nicht in Preußen bis nächsten Herbst ein Wohnungsgesetzentwurf vorgelegt werde, so werde er seinerseits dem Reichstage eine Vorlage machen. Dir Kommunen müßten an der Beschaffung nötiger Wohnungen mehr als bisher beteiligt werden. Das Reich müßte die Kreditgebah- rung regeln.
— Jubiläumsausstellung. Karlsruhe, 21. Jan. Zur Feier ihres 200jährigen Stadt-Jubiläums im Jahre 1915 wird die Stadt
diesem Augenblick, wo sie daraus sah, all' die geheimnisvollen Botschaften der Welt, verkündeten Katastrophen, Krieg und Unglück, übermittelten Reichtum und Armut, und alles das mußte di« Welt bereits in wenigen Stunden überall erfahren.
Und nun las Anneliese. In ihrem Kopf rief sie sich die Geograpbie- vnd Eeschichtskenntnisse, die sie erworben, beim Lesen der verschiedensten Nachrichten zurück und die Stunden zogen wie im Fluge davon. Dann kam fie in der Zeitung auf die Abteilung wo aus der Riesenstadt Berlin, die lokalen Notizen standen. Welche Unsumme von Niedertracht, Verbrechen und Schlechtigkeit enthüllte sich ihr. Anneliese schauderte. Sie mochte das kaum lesen, und ihre Augen glitten die Spalten hinab. — Da blitzten aus all' dem Eroßstadtsumpf und -Schmutz Helle Diamanten — krystallklare Gedanken — über Kunst und Wissenschaft.
Ein neues Wunder, das sie empfing und eine neue Welt offenbarte. Das formte sich vor ihren Augen zu farbenprächtigen Bühnenbildern, Gestalten in schimmernden Mkärchengewändern zogen vorüber, Musik ertönte, und vergessen war all' das Entsetzliche, das da in derselben 3ettung nur durch dünne, schwarze Linien getrennt, verzeichnet war.
Mitten in ihre Gedanken hinein ertönte das Bremsen der Räder — Tageshelle wich, ein Dämmerlicht — der Hauptbahnhof einer fremden Stadt war erreicht.
Haften und Drängen um den Zug entstand, Reisende stiegen aus, andere «in. Und Anneliese fuhr erschrocken zusammen, als tn ihr EoupL ein älterer Herr einstieg, beide Hände voll Handgepäck, Zeitungen unter den Arm gedrückt, eine Zigarre im Mund, und mit einem befreienden „Uff" ließ er verschiedene lederne Handkoffer auf die Sammetpolster gleiten. Dann begann er unter weiteren „Uffs" das Gepäck in die Netze zu verstauen, zog seinen Ueberzieher aus und setzte sich. Anneliese einen prüfenden Blick zuwerfend, gegenüber.
Die betrachtete voll Interesse das ftisch gerötete Gesicht des Fremden, ben grauen, militärisch gestutzten Schnurrbart, die scharfblickenden, graublauen Augen und ebenso Interefiiert beobachtete fie der Fremde.
Jetzt setzt« fich b«r Zug wieder in Bewegung, der Herr nahm ein« I Zeitung vor und rauchte. Rach einer Biertelstunde ram ein Kellner 1
Karlsruhe auch eine Jubiläums-Kunstausstellung veranstalte^ deren Eröffnung auf Anfang Mai 1915 feftgeietz ist. Mit Mtfet Ausstellung, die ein umfassendes Bild zeitgenössischer Kunst geben soll, wird zugleich das ständige Ausstellungsgebäud •, da» die Stabt errichten läßt, eingeweiht werden. Mit der künstlerischen Leitung der Ausstellungsarbeiten ist Professor Rudolf Hellwig in Karls, ruhe betraut.
— Kleine Anfragen. Berlin, 21. Jan. Der Abgeordnete Dr. Müller-Meiningen richtete an den Reichskanzler folgende kurze Anfrage: Ist die öffentlich aufgestellte Behauptung richtig, daß in der letzten Zeit die Werbetätigkeit der französischen Fremdenlegion eine besonders intensive war und daß vor allem die Anwerbung minderjähriger deutscher Staatsangehöriger, sogar angeblich auf deutschem Boden, zunahm? Bejahendenfalls: Was gedenken die Verbündeten Regierungen zu tun, um diesem Unwesen Einhalt zu tun?
— Johannlterorden. Prinz Eitel Friedrich von Preußen wird am Freitag, den 24. Januar, ein Kapitel de, Johanniterorven, tm Schloß Bellevue abhalten. '
— Deutscher Adelstag. Der diesjährige Deutsche Adelstag findet am Sonnabend, den 15. Februar, im Hotel Bristol zu Berlin statt. Auf der Tagesrodnung befinden fich von allgemeinerem Interesse ein Vortrag des Generals der Kavallerie Freiherrn v. Bissing über die Beteiligung des preußischen, vornehmlich des schlesischen Adels an der Erhebung im Jahre 1813, und ein Vortrag des Professor und Studiendirektors Dr. jur. Ritter und Edlen von Hoffmann über die Akademie für kommunale Verwaltung in Düssellwrf.
— Landtagskandidaturen. Berlin, 20. Jan. Nach dem Abkommen der deutschen Patteien in der Provinz Posen sind den Nationalliberalen für di« kommenden Landtagswahlen zwei Kreise, Posen-Obornik und Enesen, überlassen worden. Sie haben dort den Bürgermeister Kuenzer und hier den Generaldirektor Lausch als Kandida!:» aufgestellt. — Im Landtagswahlkreise Harburg ist von den Nationalliberalen der jetzige Abgeordnete Just wieder aufgestellt worden. — Im Kreise Cassel (Land)« Witzenhausen wollen die Nationalliberalen dem Vernehmen nach gemein« didaten aufstellen.
— Gaedk« bleibt. Berlin, 20. Jan. Der bekannte frühere Oberst a.D. Eaedke hatte wegen seines Konfliktes mit dem „Kleinen Journal" beim Verein der Demokratischen Partei in Steglitz ein Schiedsgericht finge« rufen. Das Urteil ging dahin, daß Gaedke seinen prlvatgsschästlicheA Vorteil nicht de» Parteiinteressen vorangestellt habe und daß deshall weder auf den beantragten Ausschluß noch auf «im andere Maßregel p erkennen ist.
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Ausland.
* • Ordensauszeichnungen. Wien, 21. Jan. Der deutsche Kaiser verlieh aus Anlaß der Erneuerung des Dreibundes dem ersten Set tionschef im Ministerium des Aeußern Frhr». v. Macchis den Roten Adlerorden erster Klasse, dem Gesandten Frhrn. v. Biege« leben die Brillanten zum Kal. Kronenorden erster Klasse. Der deutsche Botschafter überreichte die Auszeichnungen persönlich.
* * Des neue französische Kabinett. Paris, 21. Jan. Das neue Kabinett war heute endgiltig gebildet: Vorsitz und Inneres: Vriand, Auswärtiges Jonnart, Arbeit und soziale Fürsorge Renö Besnard, Handel Euisthau, Landwirtschaft Fernand David, Ko« lonte Jean Morel, Marine Baudin, Krieg Etienne, Unterricht Steeg, Justiz Barthou, Finanzen Klotz, öffentliche Arbeiten Jean Dupuy. UnterstaatssekretSre sind für Inneres Paul Morel, für Post und Telegraphen Chaumet, für schöne Künste L6on Berard, für Finanzen Bourrely.
* * Lord Hardiuge. Delhi. 21. Jan. Die Besserung im Befinden des Vizekönigs dauert an. Lord Hatdinge fährt täglich aus. Die groß« Wunde im Rücken ist noch nicht vollständig geheilt.
* • Ein neues englisches Kriegsschiff. London, 21. Jan. Di« „Times" erklärt, daß die Vorbereitungen für den Bau des Panzer« schifte», das die malayischen Schutzstaaten dem Britischen Reich zum Geschenk machen, vollendet sind und daß der Bau-Auftrag in ein paar Tagen vergeben werden würde. Es ist noch nicht bekannt, ob es ein Linien-, oder ein Schlacht-Kreuzer fein werd« .
und fragte, ob die Herrschaften ein Diner wünschten. Anneliese horte et« staunt die Frage an und bejahte. Sie hatte Hunger nnv überlegte schon, ob sie sich nicht auf einer der nächsten Stationen Brötchen oder Sibokolade kaufen sollte. Frau Leuschner hatte in der Auftegung der Abreise ganz vergessen, ihr zu sagen, daß sie ein Keines Paket mit Friihstücksbrotchen und Obst in den einen Handkoffer hineingelegt.
Der Kellner reichte ihr eine kleine Karte mit einer Nummer daraus und sagte, daß fie die Güte haben möge, sich in den Speisewagen zu begeben. Jetzt wandte sich der Kellner an den Herrn, der erwidert«:
„Fällt mir gar nicht ein. Habe mir an euerm Zeug das letzte Mal den Magen verdorben."
Der Kellner entgegnete, daß das feht bedauerlich wäre, aber auf keinen Fall die Schuld der Speisewagen-Gesellschaft. Dann ging et.
Jetzt nahm der Herr, bet bei dem Lesen einen Kneifer aufgesetzt, das Glas von bet Nase, hielt es in bet Hand und sagte:
„Reisen Sie allein, gnädiges Fräulein?"
Die Frage kam so plötzlich, daß Anneliese nicht gleich antwortet«.
Statt dessen sagte der Herr:
„Na — Sie müssen schon entschuldigen, wenn ich danach frage. — Aber Sie sind doch wirklich noch nicht so alt, um eine weite Reise allein zu machen. Wo reisen Sie denn hin?"
„Nach Genf, mein Herr."
„Donnerwetter, das ist eine anständige Fahrt. Schön ist die Gegend da unten, ich wat auch schon mal da. Wissen Sie, mein Name ist Meyer. Ich bin aus Halensee und reife auch mal zu meiner Erholung, ist mir zu schlechtes Wettet zu Hause. — Was soll man denn auch schließlich machen. Man hat sein Leben durch gearbeitet, hat einen Haufen Geld verdient. Jawohl, mein Fräulein, das kann ich Jbnen versichern — was mein Kurfürstenpark, ist, von dem sie damals alle sagten, wissen Sie, vor dreißig Iahten, als ich das Ding kaufte, daß ich mit eine Etbbe« gräbnisstelle gekauft hätte, den habe ich für ein paar Millionen verkauft. — Na — sehen Sie — und da m-st man doch was von dem Geld» habe». Ich reise «ach Mifttchen."
•• - (FortsetzuW folgt.) ;