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nnl Dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend". „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilooe*.
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Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M föhne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen 2,— M frei ins Haus. — Druck der Univ.-Duchdruckerei I. A. Koch Hnfi.: Dr. E. Hiherothi, Markt 21. — Telephon 55.
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Montag, 20 Januar
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48. Jahrg.
1913.
irrstes Blatt.
Die Wahl Poinc<n6s
tzum Präsidenten der französischen Republik findet im allgemeinen eine gute Presse. Die Pariser Blätter erörtern die Wahl fast einmütig mit lebhafter Befriedigung. Selbst der „Radical", das offizielle Blatt der sozialistisch-radikalen Partei, die die Wahl auf das schärffte bekämpft hat, erklärt, daß die öffentliche Meinung das Botum der Nationalversammlung mit Freuden aufnehmen und mit Vertrauen den hervorragenden Staatsmann begrüßen werde, der nunmehr nur von dem einen edlen Gedanken erfüllt sein werde, die ihm zugemiesene rühmliche Rolle sorgfältig zu erfüllen. Der „Rappel" erklärt: Wer Poincare kennt, weiß, daß er unfähig ist, Ränke und Vergeltungsmaßregeln auszuvben. Als Präsident der Republik wird Poincare nicht daran denken, sich für die Beleidigungen zu rächen, die ihm als Ministerpräsident onaetan wurden. Der konservative Deputierte Graf be Mun schreibt begeistert im „Echo de Paris" über die Wahl Poincares. die er als einen Sieg des $Slz:ott$mii» bezeichnet. Der „Eaulois" meint, Poincare möge Vertrauen zu dem Lande haben, dann toi tue tt ünj um vCr. wütenden Ansturm. den seine wütenden Feinde bereits jetzt gegen ihn vorbereiteten, nicht zu kümmern brauchen. Der „Figaro" sagt, das Land werde sich um den Groll der Besiegten nicht weiter scheren. Die Gegner Poincares sollten es Unterlasten, für einen Kampf, der bei dem ganzen Volk Ent- riistung Hervorrufen würde, nach zweideutigen Waffen zu greifen. Die Republik sei in guten Händen und wenn das Parlament im Einvernehmen mit dem Lande bleiben wolle, dann müste es vertrauensvoll mit dem Präsidenten Poincare zusammengehen.
Die englische Preste ist ebenfalls über die Wahl Poincares befriedigt. In fpaltenlangeii Artikeln wird der Ausgang der Wahl als die glücklichste Lösung erklärt. In dem Freudenbecher mischt sich ein Tropfen des Bedauerns darüber, daß Frankreich seines bisherigen tüchtigen Premierministers beraubt werde, der soviel Gutes in seinem Amte geschaffen habe. Eine Beruhigung ist es Indesten, sagt der „Daily Telegraph", daß seine Staatskunst dem kommenden Kabinett zur Verfügung stehen wird. Europa ist Herrn Poincare (?) Dank dafür schuldig, daß er die Großmächte zu gemeinsamer Arbeit in der Frage des Friedens zusammengeführt hat. Auch die anderen Blätter ergehen sich In ähnlichen Ausführungen. So sagt „Daily Ehronlcle": PoincarL ist zwar Mht boF Mann, der einen tiefen Eindruck auf die grofre Maste mochk/ auch ist et nicht eine Persönl-ckst^ic onf nielck-e pcb d-e Blicke der aefamteu Welt lenken, aber et hat seinen Anteil an den Geschicken der Welt gezeigt, und Frankreich im Vordergründe der politischen Szene gehalten.
In Petersburg hat die Wahl Poincares zum Präsidenten der französischen Revubllk lebhafte Befriediqung hervorgerufen, da dieser sich dort ziemlicher Beliebtheit erfreut. Ans Zarskoje Selo richtete der Zar an de» Gewählten folgendes Telegramm: Hocherfreut über die Nachricht von Ihrer Wahl zum Präsidenten lege ich Gewicht darauf, Ihnen aus diesem Anlaste meine aufrichtigen Glückwünsche und den Ausdruck meiner herzlichen Freundschaft zu übermitteln. Ich zweifle nicht daran, daß unter Ihren Auspizien die Bande, welche Frankreich und Rußland verbinden, zum Besten der befreundeien und verbündeten Völker sich noch enger gestalten werden.
In der deutschen Preste wird vor astem die große Befähigung her- oorgehoben, die Poincare für sein Amt mitbringt. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die Wahl des bisherigen französischen Minstterpräsidenten und Ministers des Aeußern Raymond Poincare zum Präsidenten der Republik ist auch in Deutschland mit den achtungsvollen Empfindungen ausgenommen worden, auf die der Vertrauensmann des französischen Volkes Anspruch hat. Herr Poincare ist in der fett dem Beginn seines Ministeriums verflostenen Zeit als ein Staatsmann hervorgetreten, mit besten Namen sich in Europa und darüber hinaus die Vorstellung eifriger patriotischer Wirksamkeit für die innere wie die äußere Politik Frankreichs verbindet. Zugleich hat er seine Befähigung auch in den Dienst der europäischen Friedensarbeit zur Entwirrung der Orientfragen gestellt, und die Sympathien, die er sich hierbei zu erwerben wußte, begleiten ihn in die hohe Stellung, bte er durch das Vertrauen seiner Mitbürger als Staatsoberhaupt der französischen Republik erlangt hat. — Die „Köln. Ztg." führt aus: „Wir müsten auf die Möglichkeit schließen, daß bet neue Präsident sich in dem Maße, wie es ihm die Versastung erlaubt, und ohne Im geringsten ein persönliches Regiment anzustreben, sich an der Führung der Geschäfte beteiligen wird, und es liegt nahe, das er wie jedes Staatsoberhaupt, ob Monarch oder Präsident, den auswärtigen Angelegenheiten in erster Linie seine Aufmerksamkeit widmen wird. Und da wir seine Gesinnung gegenüber Deutschland und dem Dreibund zur Genüge kennen, heißt es, unter der neuen Präsidentschaft die Augen um so mehr offen zu halten, als das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich kaum je so gespannt gewesen ist wie jetzt, wenn auch die diplomatischen Beziehungen durchaus korekt sind." — Die .Tägliche Rundschau" schreibt: „Die deutsch- französischen Beziehungen werden schwerlich eine Vesterung erfahren, ober auch wohl keine Verschlechterung. Poincare wird eine korrekte Haltung Deutschland gegenüber bewahren und damit dürfte beiden Ländern am besten gedient fein.“ — Die „Bossische Zeitung" meint: „Zum erstenmal ist wieder eine kräftige und ausdrucksvolle Persönlichkeit Prä- fident geworden und da ist zu erwarten, baß Poincare seinem Amte erhöhte politische Bedeutung verschaffen wird. Da er nickst ohne die Stimmen der Rechten gewählt werden konnte, so kann et nicht mehr als der Erkorene der Republik gelten. In Deutschland kann man die Wahl dieses besonnenen und maßvollen Politikers, der wohl zur radikalen Partei gehört aber nie radikal gehandelt hat, ohne Bedenken und Hintergedanken begrüßen.
Paris, 18. Jan. Die Demission be» gesamten Kabinetts wurde dem Präsidenten Fallieeres beim Schluß des heutigen Ministertats überreicht. Der Präsident nahm die Demission an und bat die Minister, die laufenden Geschäfte vorläufig noch zu erledigen. Kurz darauf empfing Fallieres den Senatspräsidenten Dubosz, den Kammerpräsidenten Dechanei und hierauf Briand, den er aufforderte, das Kabinett zu bilden. Briand wird morgen antworten.
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Die Lage
Die Rote.
Die lange angekündigte gemeinsame Rote der Großmächte an vte Türket ist nun Überreicht worden. Sie hat folgenden Wortlaut:
Die unterzeichnete". Botschafter von Oesterreich-Ungarn, England, Rußland, Deutschland und Italien sind von ihren Regierungen beauftragt roordn, Seiner Exzellenz dem Minister der Auswärtigen. Angelegenheiten Sr. Majestät des Sultans die folgende Mittei-f lung zu machen. In dem Wunsche, der Wiederaufnahme bet Feindseligkeiten vorzubeugen, glauben die genannten Mächte die Aufmerksamkeit der ottomanischen Regierung auf die schwere Verantwortung lenken zu sollen, die sie auf sich nehmen würde, wenn sie entgegen den Ratschlägen der Mächte, die Wiederherstellung des Friedens verhindern würde. Sie würde es nicht nur sich selbst zu- zuschreiben haben, wenn die Fortsetzung des Krieges zur Folge haben würde, das Schicksal der Hauptstadt in Frage zu stellen und vielleicht die Feindseligkeiten auf die asiatischen Provinzen des Reiches auszudehnen. In diesem Falle wird sie nicht auf den Erfolg bet Bemühungen bei Mächte rechnen können, sie vor ben Gefahren zu bewahren, benen auszusetzen, sie ihr bereits widerraten haben und auch weiter widerraten. Wie die Dinge liegen, wirb die kaiserlich ottomanische Regierung nach dem Friedensschluß den moralischen und materiellen Beistand bet Großmächte bedürfen, um sie Schäden des Krieges wieder gut zu machen, ihre Stellung in Konstantinopel zu befestigen und die weltSit asiatischen Mvivie ist guten Stand zu setzen, deren Gedeihen ihre wirksamste Stärke sein wird. Um dieses notwendige Werk zu unternehmen und durchzu- führen, wird die Regierung Sr. kaiserlichen- Majestät des Sultans auf die Wirksamkeit der wohlwollenden Unterstützung der Mächte nur rechnen können, wenn sic ihren Ratschlägen folgen wird, die von den allgemeinen Interessen Europas und denen der Türkei eingegeben sind. Unter diesen Umständen glauben die europäischen Großmächte gemeinsam der kaiserlich ottomanischen Regierung erneut den Rat geben zu sollen, der Abtretung Adrianopels an die Balkanverbündeten zuzustimmen und den Großmächten die Sorge zu überlasten, über das Schicksal der Inseln des Aegäischen Meeres zu befinden. Gegenüber dielen Umständen würden die genannten Mächte es sich angelegen sein lasten, den Schutz bet muselmanischen Interesten in Adrianopel unb bte Achtung vor ben in dieser Stabt befindlichen Moscheen, religiösen Gebäuden und Grundstücken zu sichern. Ebenso würden sie dahin wirken, daß bei der Lösung bet Frage der Inseln des Archipels jede Drohung für die Sicherheit bet Türkei ausgeschlossen ist.
Die türkische Preste kommentiert zunächst biese Note bet Mächte sehr zurückhaltend. Sie erblickt in ihr eine Drohung Europas. So schreibt „Ikdam" u. a. Die Pforte müsse in ihrer Antwort die gefährliche Lage des Landes in Rechnung ziehen, denn bei der Wiederaufnahme der Feindseligkeiten würde sich die Türkei nicht nur den Balkanverbündeten, sondern dem verbündeten Europa gegenübersehen. Wenn die Pforte dem Rate der Mächte folgen wolle, müßten die dahingehenden diplomattschen Schritte schnell erfolgen, weil, wenn während einer längeren Korrespondenz Adrianopel kapituliere, die Mächte von jedem Engagement zu gun- sten der Türkei entbunden seien. Sie müste ein Arrangement zu treffe« suchen, solange die Mächte noch an die übernommenen Verpflichtungen gebunden seien. Man müsse nicht dem Zug- des Herzens, sondern dem Verstand gehorchen." Entgegen der Auffassung, daß die Rote der Mächte eine Bedrohung der Pforte enthalte, schreibt die „Rordd. Allgem. Ztg.": Aus dem bereits veröffentlichten Wortlant der Rote ergibt sich, daß sie n icht auf bte Ausübung einesZwanges gerichtet ist. Maßregeln, durch die ein Heraustreten der Mächte aus ihrer Neutralität eingeleitet werden könnte, sind nicht angekündigt. Insbesondere enthält die Note keinen Hinweis auf eine Demonstration der Großmächte in türkischen Gewässern.
K o n st a n t i n o p e l, 19. Jan. Seit 1 Uhr nachmittags tagt auf der Pforte der Ministerrat, aber man weiß noch nicht, ob er di« Beratung über die Antwort der Pforte auf die Kollektivnote der Mächte heute zu Ende führen wird. Man glaubt, daß die Antwort nicht vor Mitte nächster Woche übergeben werden kann.
Rumänien und Bulgarien.
London, 19. Jan. Wie das Reutersche Büro erfährt, ist der rumänische Minister des Innern Take Jonescu, der gestern London verlassen hat, am Sonntag in Bukarest eingetroffen. Am Montag wird et einem Ministerrat die Ergebnisse seiner Besprechungen mit Dr. Danew vorlegen. Die bulgarische Antwort entspricht nicht der Auffassung der rumänischen Regierung, aber man glaubt nicht, daß sie das letzte Wort der bulgarischen Regierung enthält. In rumänischen Kreisen wird erklärt, daß kein Abbruch der Verhandlungen zu befürchten sei, da der rumänische Gesandte Mischu voraussichtlich anfang nächster Woche sie wieder aufnehmen wird.
B u d a p e st, 19. Jan. Der rumänische Minister Jonescu erklärte auf der Durchreise einem Berichterstatter des „Pestet Lloyd": Die Verhandlungen zwischen Rumänien und Bulgarien ergaben kein endgültiges Resultat. Sie würden vielleicht in Sofia oder Bukarest fortgesetzt.
Ein« Seeschlacht.
Athen, 19. Jan. Vom Admiral Kunt Uriotis sind heute Telegramme eingelaufen, die folgendes besagen: Während der ganzen gestrigen Nacht unternahm der türkische Kreuzer „Hamidije" mit einem Torpedobootzerstörer eine Erkundungsfahrt in die Nähe der Insel Tenedos. Am Vormittag lief die türkische Flotte aus den Dardanellen aus. Sie nahm zuerst die Richtung auf Jm- bros, wündte sich dann nach Lemnos und gelangte von dort bis auf 20 Meilen nordwestlich von Tenedos. Die griechische Flotte fuhr ihr sofort entgegen. Um 5.10 Uhr telegraphierte Admiral Kunt Uriotts: Wir haben die feindliche Flotte geschlagen und sie fast bis in die Dardanellen verfolgt, in die sie sich in Unordnung flüchtete. Der Kampf dauerte drei St- ' haben einen einzigen । Leichtverwundeten. Die B->ß ^^aroff" find un- I
I bedeutend, sein Kampfwert bleibt intakt. — Nach telegraphischen | Mitteilungen des Gouverneurs von Tenedos begann der Kampf um 11.25 Uhr, um 12.50 Uhr war et erbittert, dann begann fich bte türkische Flotte langsam nordwestlich von Tenedos zurückzuzieheu. Um 1.10 Uhr wandten sich die türkischen Panzerschiffe in voller Unordnung schleunigst nach den Dardanellen und feuerten nut noch ht Zwischenpausen auf den „Awaroff", bet sie in einer Entfernung von 5000 Metern verfolgte. Um 2.30 Uhr hörte bet Kampf auf, be bie feinblichen Schiffe sich in bte Darbanellen zurückzogen. Die griechische Flotte stellte bie Verfolgung ein, als sie in bie Reichweite bet Kanonen bet Festungen gekommen war.
Ein türkischer Kreuzer in Port Said.
Bonbon, 19. Jan. Das Reutersche Bureau meldet aus Pott Said: Der türkische Kreuzet „Hamadteh" ist heute nacht hier eingetroffen. Nach der Aussage des Kommandanten verließ et die Dardanellen einige Nächte zuvor bei Hellem Mondschein, ohne von den Griechen bemerkt zu werden. In der letzten Nacht traf et auf der Höhe von Port Said zwei kleine griechische Kreuzet an, mit denen et ein Rückzugsgefecht führte. Ein Anker ist dabet verloren gegangen, der andere ist beschädigt worden. Das Schiff ist unbeschädigt. Rn Bord ist -lles wdhl. Ißer Kreuzer übernimmt jetzt Kohlen und Proviant. — Der griechische diplomatische Vertreter verlangt, daß der in Port Said eingelaufene türkische Kreuzet binnen 24 Stunden den Hasen verlasse.
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Breslau, 18. Jan. Einet Meldung der „Breslauer Ztg." zufolge sind nachts wiederholt russische Aetoplane über der galizischen Etenzgarnison Jatoslau gesichtet worden, welche mittels Scheinwerfer das Gelände erforschten. Gestern nacht ist ein Aero- plan abgestützt. Sein Insasse, ein russischer Offizier, wurde getötet.
London, 18. Jan. Die Botschafter der Großmächte haben beschlossen, daß der Berg Athos als eine unabhängige geistliche Republik angesehen werden soll.
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Politische Umschau.
X --.t Die »Norddeutsche Alls- Ztg." über Wetterls.
Berlin, 18. Jan. Die „Rordd. Allg. Ztg." schreibt: Das Auftreten des Reichstagsabgeordneten Wetterls bei feinet französischen Vortragsreise rief in Deutschland überall eine starke Entrüstung hervor. Mit Recht wird in der Presse die verhetzend« Tätigkeit als frevles Spiel mit dem Frieden zweier Nationen be zeichnet, deren Regierungen um die Erhaltung des europäische» Friedens bemüht sind vnd deren überwiegende Mehrheit, wie roh annehmen, auf beiden Seiten von der Aufstachelung chauviniftt scher Leidenschaften nichts wissen will. Wetterl6 erging sich h mehr ober weniger faßbaren Aeußerungen, als warte die unterdrückte Bevölkerung sehnsüchtig aus die Befreier. Daß er f o verstanden worden ist und zwar nicht gegen seine Absicht, ergibt sich klar aus ben Berichten bet französischen Zeitungen. Dem gegenüber würbe es unerheblich sein, wenn Wetterlö nachträglich einen harmlosen Wortlaut seines Vortrages probuzierte. Völlig zu- treffenb wies bet Staatssekretär Zorn von Bulach im elsaß-lothringischen Lanbtag darauf hin, baß es nicht auf den ausgeklügelten Wortlaut, sondern auf ben Einbruch unb bas gesamte Milieu ankommt. Im beutschen Reichstag ist Wetterlck zu verstehen gegeben worben, baß sein Treiben in Frankreich gegen bie Ehre, Mitglied des Reichstages zu sein, gröblich verstößt.
Deutsches Reich.
— Der schwarze Adler-Orden. Berlin, 18. Jan. Im Rittersaal bes königlichen Schlosses vollzog heute bet Kaiser in Anwesenheit der Fürsten unb kapitelfähigen Ritter des Schwarzen Adler- Ordens unb zahlreicher gelabenet Gäste bie feierliche Aufnahme der neuernannten Ritter bes Schwarzen Adler-Ordens.
— Die württembergische Regierung und die Sozialdemokratie. Stuttgart, 18. Jan. Der neue württembergische Minister des Innern v. Fleischhauer nahm heute in der Etatsb"r"tung der Zweiten Kammer zum ersten Male das Wort. Et bekannte sich zu den Grundsätzen eines besonnenen Fortschritts. Ueber seine Stellung zur Sozialdemokratie äußerte der Minister: et habe für das Streben bet Arbeiterschaft nach Besserung ihrer sozialen Lage volles Verstänbnis. Soweit bie Sozialdemokratie sich auf bett Boden der bestehenden Staatsordnung stelle, werde sie bei ihm einem offenen 2ht unb ernsthaften Erwägungen begegnen. Soweit sie aber ben Klassenkampf auf ihre Fahne geschrieben habe, werbe sie bie Regierung entschieden auf ber Gegenseite finben. Hinsichtlich bes Streikpostenstehens eigne er sich ben Standpunft des Staatssekretärs bes Relchsamts des Innern an.
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Ausland.
** Verhafteter Deutscher. Paris, 19. Jan. Nach einer Blättermeldung aus Oran wurde daselbst der Matrose eines deutschen Handelsschiffes Namens Karl Dormert verhaftet, weil er zwei deutschen Fremdenlegionären Zivilkleider verschafft und ihnen hierdurch zur Flucht verhalfen hatte. Nach ben Frembenlegionäten wird gefahndet.
** Marokko. Paris, 19. Jan. Die „Agence Havas" meldet' aus Mekines: Die von Agurai am 16. Januar aufgebrochene Kolonne wurde von ben Aufständischen Beni Guilt und Beni Busann heftig angegriffen. Die Kolonne schlug den Feind nach langem Kampfe zurück. Auf französischer Seite sind ein Unteroffizier und zwei Senegalesen getötet worden, zwei Offiziere unb vier Manu sind schwer, zwölf Mann leicht verletzt. !