mit Dem Kreisblatt für die Kreise Marbmg und Kirchhain
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und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und «Landwirtschaftliche Beilage".
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Die „Obrrhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- u«b Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen 2,— <M. frei ins Haus. — Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. T. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonnabend, 18 Januar
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 4. bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4. für Reklamen die Zeile 60 Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. — Zahlungen unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
48. Jahrg.
1913.
Crites Blatt.
Die P äsidenlschaftslvM in Frankreich.
Nachdem auch die dritte Probeabstimmung der Republikaner keine absolute Masorität für einen der beiden Hauptkandidaten Pams und Poincarö ergeben hatte, nominierten eine große Anzahl von Republikanern Pams als einzigen Kandidaten der L'nken und teilten diesem dies mit. Pams reichte daraufhin, wie schon mitgeteilt, seine Demission als Ackerbauminister ein. Kestern tun trat die Nationalversammlung, die den Nachfolger Fallidres zu wählen hat, in Versailles zusammen. Im dortlaen Palais herrschte reges Leben. Dom frühen Morgen an gesellten sich zahlreiche Journalisten der ganzen Welt den Parlamentsberichterstattern zu. Die Bahnhöfe waren militärisch beseht, ebenso die Bahnstrecken und die Kunstdenkmäler sorgfältig bewacht. Die Parlamentarier erschienen in grosier Anzahl und erörterten in ana»reater Stimmung die Wablauslichten. Der Saal und die Valerien im Palais waren bis auf das lehte Plätzchen dicht beseht. Bei der Eröffnungsrede des Senatspräiidenlen der Nationoi»<--i-"nmfnng Dnbost erscholl eine Stimme: „Bive le rot!", die jedoch sofort niedergeschrien wurde. Sodann versuchte der Bonapartist Dijon eine Kundgebung, indem er ausrief, daß der Präsident der Republik durch das Palk gewählt werden sollte. Die Radikalen erhoben stürmische Protestrufe und schrien Düon nieder, wieder
Ruhe eingetreten war, begann die Abstimmung. Es wurden 868 Stimmen abgegeben. Die obsalute Mebrbeit betrug also 435. Es erhielten Poincar<* 429. Dams 327, Daillant 63, De-Hanel 18. Ribot 16. Die übrigen Stimmen waren zerlnlittert. An der Wahl Poinoar<rs fehlten 6 Stimmen. Da somit keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit van 435 Stimmen erlangt batte, war ein zweiter Wa^laanq erforderlich. Nach dem ersten Wahlgange ermähnte Rrioud die Nenublikauer lebbast. stch im »weiten Wahlgange auf den Namen Baincarck zu vereinigen. Theodore Reinach unterstützte ibn dabei und erklärte, die Freunde von Pams würden eine getährliche Balitik treiben, wenn sie nicht für Poincar^ stimmten. Das Publikum, das in Mallen vor dem Palais du Luxembourg stand, nabm das Ergebnis der ersten Abstimmung mit lebhaftester Venuatuunq auf. Zahlreiche «tufe: Es lebe Poincar«? wurden laut. Im Augenblick der V-rkOndigung des Resultats stieg ein Aersvlan über Versailles auf. der mit dem Rufe: Es lebe Frankreich? Es lebe die Revublik? begrüßt wurde. Hm 4 Uhr 24 Min. begann dann der zweite Wahlgang, der um 6 llbr beendet war.
Es erhielten im zweiten Wahlgange Poincarö 483, Pams 296, der Sozialist Vaillant 69 Stimmen. Poinoars ist somit zum Präsidenten der französischen Revublik gewählt. Das Resultat wurde vom Konaresi mit Begeisterung ausgenommen. Im Publikum herrschte lebhafte Befriedigung über den Ausaang der Wahl. Dor dem St. Lazare-Bahnhof. wo Poincar^ eintreffen sollte, war eine graste Menschenmenge versammelt, die schon vorher auf den neugewählten Prästdenten stürmische Hochrufe ausbrachte. In parlamentarischen Kreisen herrscht wohl vielfach aroste Genugtuung über den Ausfall der Wahl, aber auch die Besorgnis, dast der heftige Wahlkampf eine tiefgehende und nachhaltige Spaltung unter den Republikanern Hervorrufen werde und dast man bezüglich der inneren Politik bewegten Zeiten entgegengeh'.
Politische Umschau.
Der „gerate Weg" des Freisinn
„Schallendes Gelächter im ganzen Hause" verzeichnet der Bericht über die Sitzung des Reichstages vom Dienstag an der Stelle, wo der freisinnige Abgeordnete Dr. Müller (Meiningen) den Ausspruch tat: „Wir (b. h. die Freisinnigen) gehen unseren geraden Weg!" Herr Dr. Müller (Meiningen) erzielte ja auch mit anderen Teilen seiner Rede die bei ihm fast stets sich einstellende unfreiwillige Heiterkeit, aber einen derartigen Erfolg auf diesem Gebiete des Humors, wie er ihn als Wegweiser des Freisinns einheimsen konnte, hat er selten gehabt. Man braucht nur auf zwei Fakta hinzuweisen, um den „geraden Weg" des Freisinns zu kennzeichnen: auf das Dämpfungsabkommen, das die Freisinnigen bei den Stichwahlen zum Reichstag im Januar des vorigen Jahres mit den Sozialdemokraten getroffen hatten, und auf den letzten freisinnigen Parteitag. An der Tatsache, daß die gesamte Reichstags- fraktion der Fortschrittlichen Volkspartei mit Ausnahme von sechs Abgeordneten ihre Anwesenheit im Reichstage dem „Dämpfungsabkommen" verdankt, ist nun einmal nicht zu rütteln. Schon dieses Abkommen an sich illustriett den geradlinigen Weg des Freisinns, der nur mit Hilfe der sozialdemokratischen Krücken zurückzulegen war. Roch drastischer geschieht da» aber durch di; Bemühungen, die von Seiten des Freisinns aufgewendet wurden, um das blamable Techtelmechtel mit den „Genossen" nicht nur vor den übrigen bürgerlichen Parteien, sondern auch vor den eigenen Wählern im Lande zu verheimlichen. Diese Bemühungen gingen bekanntlich so weit, daß vor den Wahllokalen in den Dämpfungswahlkreisen am Wahltage freisinnige Stimmzettelverteiler aufgestellt wurden, die aber — keine Stimmzettel ausgaben. Nachdem die „Ge- nosien" in ihrer Schadenfreude über den Hereinfall der Freisinnigen, der diese unrettbar zu Hörigen der Sozialdemokratie machte, das Manöver verraten hatten, suchten die Herren Dr. Wiemer und Genoffen gute Miene zum bösen Spiel zu machen, und der freisinnige Parteitag billigte ihr Vorgehen. Aber nicht, ohne der Parteileitung sein Mißfallen darüber auszudrücken, daß man die — Geheimhaltung nickt besser gesichert habe. Das läßt den Mut des Freisinns, den „geraden Weg" zu wandeln, denn doch in einem bedenklichen Lichte erscheinen. Richt bester steht es im die „geraden Wege", die der freisinnige Parteitag mit seiner sonstigen Politik einschlug. Man erinnert sich wohl noch der Beschwörungen, die die freisinnige Parteileitung vor dem Parteitage löslich. um diejenigen Mitglieder, die daruf ausgingen, die Konsequenzen der freisinnigen Programmforderungen in der Frauenfrage ufw. festzulegen, davon zu überzeugen, daß sie mit ihrem Beginnen auf die Sprengung nnd den
Ruin der Partei losstenerten. In der Tat unterließ es der Parteitag denn auch, in den wichtigsten politischen Angelegenheiten Stellung zu nehmen. Man half sich mit der Einsetzung von Kommissionen Über die unverkennbaren Gelüste der verschiedenen Strömungen in der Partei, ihre eigenen Wege einzuschlagen, hinweg. Heute von dem „geraden Weg" des Freisinns sprechen kann nur derjenige, der die Spiralen eines Irrgartens für den kürzesten Weg von einem Punkte der Peripherie zu einem andern erklärt. Ein Irrgarten der Politik ist es denn auch, in dem sich der heutige Freisinn bewegt, und da pasten allerdings solche Führer wie der Abg. Dr. Müller (Meiningen).
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Deutsches Reich.
— Herr Wetters klagt? Strahburg, 17. Jan. Der Abgeordnete Wetters soll gegen die „Straßburger Post" die Beleidigungsklage anstrengen wollen, weil sie ihm in ihrer Kritik seiner bekannten Rede den Vorwurf der „Feigheit" gemacht hat. — Wenn der Abgeordnete Wetterlä seinerseits sein Auftreten mutig finden sollte, so würde es sich jedenfalls um einen überaus traurigen „Mui" handeln!
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Koloniales.
Ermordeter Deutscher. Berlin, 17. Jan. Aus Same» ist nach einer telegraphischen Meldung des Kaiserlichen Gouverneurs der Händler Lehners ermordet worden. Es liegt Raubmord vor. Die ErmiGelungen waren bis jetzt ergebnislos.
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Marburg und Umgegend.
Nachdruck aller Orginalorttkel ist gemäß 8 18 de« Urheberrecht« nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberbest Zig." gestattet.)
Marburg, 18. Januar.
* Trauerfeier. In der Aula des Kgl. Gymnasium Philip- pinum fand heute morgen um 10 Uhr eine Trauerfeier für den verstorbenen Direktor der Anstalt, Profestor Dr. Aly, statt, bet neben den Schülern zahlreiche Freunde des Verblichenen beiwohnten. Die erbauliche Ansprache hielt Pfarrer Eisenberg. Im Namen des Lehrerkollegiums des Gymnasium Philippinum sprach Oberlehrer Dr. Klee, für die anderen höheren Schulen legten deren Direktoren und für die Kgl. Wistenschaftliche Prüfungskomm'stion Prof. Dr. Elster Kränze nieder. Unter Vorantritt einer Musikkapelle wurde der Verstorben« dann zum Bahnhöf überführt. Die Beerdianng findet in Magdeburg statt.
* Som Kgl. Gymnasium Philippinum. Dem Profestor Dr. Hermann v. Spindler wurde der Rang der Räte 4. Kl. verliehen, krönt sein mutz.
# Jubiläum des Jägerbataillons. Man schreibt uns: In den Tagen des 9., 10. und 11. August begeht unser Iägerbataillon die Feier seines 100jährigen Bestehens. Die Vorberreitungen zu demselben sind schon längere Zeit im Gange und ist das Programm bereits festgelegt, worüber wir später berichten werden. Mit den Vorarbeiten zu dem mit der Feier verbundenen Volksfest, das auf dem Iuxplatz abgehalten werden wird, ist der hiesige Verein ehem. Jäger und Schützen betraut worden, der über die Bildung der eiyelnen Ausschüsse usw. in feiner Monatsversammlung am Sonnabend bereits Bescklüste gefaßt hat. In den Kreisen der ehemaligen Angehörigen des Bataillons ist das Intereste für die Feier sehr groß und man geht wohl nicht fehl, wenn man an- nimmt, daß einige Tausend alter Jäger in den Augusttagen hier in Marburg einziehen werden. Mit der Unterbringung derselben hofft der Wohnungsausschuß keine Last zu bekommen: die schon so oft bewährte Gastfreundlichkeit der Marburger Bürgerschaft wird sich wohl auch diesmal betätigen, zumal das Fest ja in die Universitätsferten fällt und daher sehr viele Zimmer unbewohnt sind. Bei den mannigfachen guten Beziehungen die zwischen dem Bataillon und den Einwohnern Marburg« seit vielen Jahren bestehen, rechnet man mit der Beteiligung aller Kreise der Stadt. Anfang Februar wird im Freidhof'schen Saale eine Versammlung aller ehem. 11. Jäger aus Marburg und Umgegend stattfinden, in der hauptsächlich über die dem Bataillon zu stiftende Ehrengabe Beschluß gefaßt werden soll. Im März wird dann ein Vertretertag folgen zu dem auch die in weiterer Umgegend bereits bestehenden Vereinigungen ihre Vertreter senden, und zu dem von Seiten des Bataillons die Einladungen noch ergehen werden. Die Jubiläumsfeier im Jahre 1888 wird sicher noch vielen Marburgern in angenehmer Erinnerung sein und das frohe Iägerlebon, das in jenen Tagen ganz Marburg beherrschte, wird wohl auch diesmal wieder Platz greifen.
* Für Steuerpflichtige. Am nächsten Montag läuft der Termin zur Abgabe der Steuer-Erklärnngen ab.
* Der Kreis Marburg und die Elektrizitäsversorgung durch die Edertalsperre. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 16. Januar richtete Abg. Dr. Bredt an den Minister die Anfrage, ob nicht das Stromversorgungsgebiet der Edertalsperre bis an die südliche Grenze des Kreises Marburg ausgedehnt werden könne. Wenn der südlich der Stadt gelegene Teil des Kreises Marburg auch vielleicht — wie bisher beabsichtigt — nach reinen Zweck- miHigkeitsgrünben als zu weit liegend nickt einbegriffen werden würde, liege hier doch eine Ausnahme vor, weil es sich um das Grenzgebiet gegen das Grotzherzogtum handle. Die Stadt Eietzen beabsichtige, die Gegend von dort aus zu versorgen, was den geschäftlichen Schwerpunkt von Marburg auf Eietzen verschieben würde. Deshalb plane die Stadt Marburg den Bau einer eigenen Ueberlandzentrale, die aber natürlich auch nur mit Schwierigkeiten durchzusetzen fein würde. Diese ganzen Schwierigkeiten würden beseitigt sein, wenn der Staat nicht im nördlicheren Kreise Marburg Halt machen, sondern den Süden bis zur Landesgrenze mit einbeziehen würde. VonfeitendesMini st erwürbe Herrn Prof. Brebt sofort bis Antwort erteilt, datz die Staatsregierung bereit fei, auf diese Wünsche einzugehen. Damit bat hoffentlich die Frage, wer den Ebsdorfer Gründ mit Elektrizität versorge« darf, eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung gefunbew.
* Frauenstimmrechtsverein. Man schreibt uns: In der letzten i Mitgliederversammlung des Vereins für Frauenstimmrecht gab Frau Justizrat Goldberg einen interesianten Rückblick über die Geschichte der englischen Frauenstimmrechtsbewegung. Es war besonders interestant zu hören, datz in der englischen Sttmmrechts- bewegung Frauen aller Kreise tätig find und daß ihre Anträge von Abgeordneten bet Rechten unb bet Linken unterstützt werden. Das Eemeindewahlrecht fei den englischen Frauen schon im Jahre 1869 verliehen, und ihre Wählbarkeit in wichtige Kommissionen, wie z. B. in den Erziehungsrat beweise, wie seht ihre Mitarbeit von der Regierung geschätzt wird. Auch bei den Parlamentswahlen entfalten sie schon feit langer Zeit eine außerordentlich rege Tätigkeit. Und doch sei ihnen trotz der politischen Reife, die sie sich erworben hätten, bis heute das politische Stimmrecht vorenthalten, wenn auch die betr. Vorlagen in den letzten vier Jahren in der 1. und 2. Lesung eine Mehrheit erlangten. Wegen vorgeschützten Zeitmangels fei der Antrag auf Gewährung des Frauenstimmrechts bis jetzt von einem liberalen Ministerium noch nicht zur 8. Lesung zugelafien worden, und Parlamentsmitglieder, z. B. die Iren, hatten ihr bett Frauen gegebenes Wort gebrochen und Me Regierung unterstützt, um bie Interessen ihrer Partei nicht zu gefährden. Aber unermüdlich arbeiten bie Frauen in ihren Stimmrechtsvereinen «eiter, die fick einig find in Bezug auf bas Ziel, das sie erstreben, die sich nur von einander unterscheiden durch bie Art und Weise, wie sie den Kampf führen. Von bet besonnenen, stillen Tätigkeit der „Gemäßigten" hören wir im Ausland nur wenig; sie treten hinter den gewalttätigen Suffragetten zurück, beten „militant method" sie ebenso verwerfen wie bie meisten deutschen Stimmrechtlerinnen es tun. Einer bet Minister selbst habe die Suffragetten zu Gewalttaten herausgefordert, indem et sagte, es bestehe kein allgemeines Verlangen nach dem Frauenstimmrecht, da die Bewegung noch keine bet Gewalttaten gezeigt Hobe, bie bek den politischen Kämpfen bet Männer an bet Tagesorbnung gewesen seien. Dieser Hinweis unb mehr vielleicht noch bie unnatürliche Spannung, bie burch wiederholte Versprechungen von selten der Regierung, scheinbares Eingehen auf die Frauenforderungen und bann «lebet bie erneute Verzögerung bet Erfüllung ihrer Wünsche entstehen mußte, unb schließlich die „Mörtvretinnen- zücktiaung" burch gesetzwidrige Behandlung der Suffragetten in den Gefängnlsien, in denen man ihnen bie politischen Gefangenen zustehenbe mildere Behandlung versagte, sind für die Ausschreitungen der Suffragetten verantworttick zu macke». Heute läßt sich noch nickt Übersehen, wodurch den englischen Frauen das Stimmrecht verschafft wird, doch ist es unausbleiblich, daß so viel ziel» bewußte Arbeit, wie sie in England geleistet wird, von oe-
* Grigri. In der am Donnerstag hier von dem Wiesbadener Over eiten enfemble aufgefsibrten Operette „Grigri" haben sich die beiden bekannten und beliebten Berliner Schlagerfabrikanten, bet Theaterdirektor unb Dramaturg Bolten-Baeckers und der Komponist Paul Lincke wieder einmal zu gemeinsamer Arbeit zusammengefunden. die allerdings nicht mit solchem Erfolge gekrönt wird, wie es früheren Etzeugniffen derselben Firma geschehen ist. Trotz ihrer Neuheit — sie ist vor ca. 2 Jahren erschienen — „zieht" sie lange nicht so, wie z. B. „Lvfistrata", „Frau Luna" und ähnliche Kafienstücke bet früheren Jahre. Ihr fehlt zunächst bas Charakteristische der Linckeschen Kompositionen, einschmeichelnde, leicht faßbare Melodien, die das Publikum sofort aufgrelft und die einem innerhalb kurzer Zeit aus jedem Konze'-t-'arten. jedem Cafä und — jedem Grammophontrichter entgegentönen unb die schließlich bet geschäftstüchtige Berliner Straßenmusikant auf den Höfen der Mietskasernen seiner Drehorgel entlockt. Das Fehlen solcher Schlagermelobien wäre ja an sich kein Mißstand, wenn man sie von Lincke nicht erwarten würde ober w?nn sie durch gute gehaltvolle Walzer- und Matschweisen ersetzt worden wären. Das ist aber in der Operette „Grigri" nicht der Fall. Es fehlt das, was bie früheren Schöpfungen bcs Komponisten auszeichnete, unb es ist nickts neues hinzugekommen. Der Text Bolren-Baeckers läßt hie unb btt ben Witz nicht vermissen, bewegt stck aber zum großen Teile auch auf recht schlüpfrigem Boben. Es sei hier nicht nähet darauf eingegangen. Die Aufführung durch das Wiesbadener Operettentheater wat im allgemeinen gut, wenn man auch, bet sonstigen Wirkungsstätte des Ensembles entsprechenb, noch besseres erwartet hätte. Das Publikum, bas Ziemlich zahlreich vertreten wat, applaubierte recht fleißig, teilweise bei offener Bühne. Einige Couplets unb Gesänge mußten deshalb wiederholt werden. Das Duett „Wenn im Lenz bie Knospen sprießen" brachte es sogar zu zwei Hervorrufen.
/ Die Motgenbrötchen kommen morgen früh, wie bie Bäckermeister bekanntgeben, in Wegfall und zwar deshalb, weil die Bäckergehilfen, bie sich sonst tüchtig mit den Armen bewegen müffen, zur Abwechslung auch einmal durch einen Ball die Gelenkigkeit ihrer Beine erproben wollen. Die Brötchen werden bereits heute gebacken.
* Dee Tauwind kam vom Mittagsmeer — Des Winters Herrlichkeit hat ein rasches Ende gefunden. Schon gestern früh be- bemerkte man im frischgefallenen Schnee unter den Bäumen unb Dächern verdächtige kleine Löcher, die von Wasiertropsen herrühr- ten. Im Laufe des Tages trat dann richtiges Tauwetter ein unb gestern nachmittag folgte sogar noch Regen. In bet Stobt sinb bie Schneemafien schon zum Teil beseitigt, auf ben Lanbstraßen muß man jeboch eine weiche schlüpfrige Maste burchwaten. In Felb unb Wald liegt natürlich noch tüchtig S^nec. In Thüringen, auf dem Eichsfeld, im Harz und im Sauerland ist zwar gestern nachmittag, wie die Wetterberichte sagen, noch Schnee gefallen, jedenfalls damit die verschiedenen,für morgen vorgesehenen Wi niersportfeste abgehalten werden können. So finden morgen in Winterberg unb in Langewiese solche Sportfeste statt.