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die Post bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen
---- 2,— M frei ins Haus. — Druck der Univ.-Buchdruckerei Z. A. Koch
1913
lInh.: Dr. C. Httzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Erstes Blatt
Zur Priifidrntschaft»wahl in Frankreich
Ackerbauminister Pams.
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Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch
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Ausland.
** Schiehunfall. Lugos (Ungarn), 16. Jan. Bei Uebungett mit Maschinengewehren des 8. Honved-Jnfanterieregiments entluden sich aus unbekannter Ursache mehrere Schüsse. Ein Soldat wurde getötet, zwei wurden tödlich verletzt.
“ Wegen Spionage verurteilt. London, 16. Jan. Das Kri- minalgericht verurteilte den früheren Deckoffizier George Parrot wegen des Verrats militärischer Geheimnisse zu 4 Jahren Zucht» Haus.
Konstantinopel (über Konstantza), 16. Jan. Die Besorgnis der Regierung angesichts der Haltung der Unionisten zeigt sich in den getroffenen Sicherheitsmahregeln. Die hohe Pforte ist mit Infanterie und Kavallerie umzingelt, 40 Geheimpolizisten sind in den Amtsränmen installiert. Das 4. und 5. Armeekorzrs, die aus Kurden und Lahfen bestehen, drohen mit der Meuterei, falls der Kampf nicht fortgesetzt wird. Ein Teil der beiden Armeekorps wurde deshalb von der Tschataldscha-Linie nach den Dardanellen geschickt. Von der türkischen Flotte sind zwei Kreuzer ausgelaufen, aber wieder zurückgekehrt. Das Fort Kumkale am Eingang der Dardanellen wurde von den Griechen bonibardiert.
Wien, 16. Jan. Der Korrespondent des Bukarester Blattes „Adverul" hatte eine Unterredung mit dem Grafen Berchtold, der erklärt haben soll, Oesterreich-Ungarn werde gegebenenfalls nicht zögern, Rumänien seine volle Unterstützung angedeihen zu lassen. Der Minister fügte hinzu, er habe nicht ermangelt, sowohl. in So, fia wie auch anderwärts diesbezüglich keine Zweifel o""-niinen zu lasten.
Abgeordneten WetterlS nicht ausgeschlosten habe und dadurch eine gegensätzliche Stellungnahme wie das Reichszentrum und alle an» deren Parteien bekundete. Wenn auch äuherlich vielleicht die Vorträge des Abgeordneten Wetterlä einwandfrei et|u)ien-'n, fe komme es nicht darauf an, sondern auf den Effekt und auf das Milieu, in dem sie gehalten wurden. Dies aber sei nationalistisch gewesen. Aus dem Vortrag hätte man die Absicht zwischen den Zeilen deutlich lesen können. Ein Ausbau der Verfassung sei aber nicht zu erhoffen, solange solche Reden gehalten würden. Der Staatssekretär verteidigte sodann den Offiziersstand geg^n die Behauptungen des Abgeordneten Haust, daß Eenrra^"-bsoffi;iere zu Denunzianten bei der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung" sich herabwürdigten, und auch von den Beamten glaube er das nicht eher, als bis der Beweis erbracht worden sei. Der Abgeordnete Wetters gab zu seiner Rechtfertigung die Erklärung ab, daß, wenn heute die Maßnahmen wegen der Ausländer beseitigt würden, er selbst morgen seine Ausschließung aus der Zentrrunspartei. beantragen werde, und werde die Verfassung morgen ausgebaut sein, so werde er gerne für immer aus dem politischen Leben Elsaß» Lothringens aussch--'den. In seiner Verurteilung sei man viel zu eifrig gewesen. Er werde sämtliche Vorträge drucken und sie dem Landtage und der Presse zustellen lassen zu seiner Entlastung. Er habe sich in den lebten Tagen viel zu viel um sein Seelenheil gekümmert. (Zuruf Peirothes: Sie kommen doch in die <^tte!) Staatssekretär Zorn v. Bulach erklärte dann nachmals, daß der Abgeordnete Wetterlä doch nicht so unschuldig zu tun brauche. Das unausgesprochene „Au moins que....." hab- oen-i v-rraien.
Herr Wetterl6 verkehre in Paris nur in Krellen, die den Revanchegedanken nährten, und er habe dem Lande zweifellos geschadet. (Lebhaftes Bravo! im ganzen Hauie.) Nächste Sitzung Freitag 10 Uhr. Tagesordnung Eln^,.-hatte.
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Deutsches Reich.
— Der Nachfolger v. Jagows in Rom. Berlin, 16. Jan. Wie die „Nordd. Allg. Zig." erfährt, ist der Gesandte in Darmstadt, Freiherr v. Jenisch, als Nachfolger des Staatssekretärs v. Jagow auf den Botschafterposten in Rom in Aussicht a-"--nmen.
— Ungültige Wahlen. Berlin, 16. Jan. Die Wahlprüfungskommission, des Reichstages beschloß, die Wahl Haupt (Soz.) Wahlkreis Magdeburg 3, für ungültig und die Mahl Haase (Soz.) Wahlkreis Königsberg 3 für gültig zu erklären.
— Spionageprozeß. Leipzig, 16. Jan. Vor dem Reichsgericht findet heute der Spionageprozeß gegen den 17jährigen aus Weißenfels gebürtigen angeblichen Kaufmann Willy Worg statt. Der wegen des versuchten Verrats militärischer Geheimnisse Angeklagte wurde im Mai 1912 in Deulsch-Avricourt verhaftet, als er die Grenze überschreiten wollte. Er wird beschuldigt, versucht zu haben, Kenntnisse über die Lage und äußere Beschaffenheit von Befestigungen und anderen Werken Straßburgs an eine fremde Macht gelangen zu lassen. Worg ist trotz seiner Jugend schon schwer vorbestraft. Vier Sachverständige und zehn Zeugen waren erschienen. Die Oeffentlichkeit wurde ausgeschlossen. Der Angeklagte wurde wegen versuchten Verrats militärischer Geheimnisse zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt. 4 Monate wurden durch die Untersuchungshaft als verbüßt angesehen.
Politische Umschau.
Der Wetterl^-Skandal vor dem elsaß-lothringischen Land-Lag.
Straßburg, 16. Jan. In der heutigen Sitzung der Zweiten Kammer des Landtags von Elsaß-Lothringen nahm die Debatte zum Etat in fünfstündiger Sitzung ihren Fortgang. Bei dieser Gelegenheit nahmen sowohl der Präsident Dr. Ricklin und der Abgeordnete Hauß vom Zentrum wie auch Staatssekretär Zorn von Bulach Veranlassung, die Agitationstätigkeit des Aogeord- neten Wetterlä in Frankreich zur Sprache zu bringen. Präsident Dr. Ricklin erklärte, daß er über den Parteien stehe und daher nicht befugt sei, zu urteilen. Im Namen des Zentrums verurteilte der Abg. Hauß entschieden die Entgleisungen des Abgeordneten Wetterlä. Das Zentrum bedaure, daß dieser sich soweit vergessen konnte. Die Fraktion müsse aber jede Verantwortung für diese Aktion ablehnen. Hauß warf dann noch der Regierung vor, daß Generalstabsoffiziere und hohe Beamte der „Rheinisch-Westfäl. Ztg." Denunziationsdienste leisteten. Staatssekretär Zorn von Bulach bedauert« in scharfer Weise, daß die Zentrumsfraktion den
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Marburg und Umgegend.
Nachdruck aller Orginalartikel ist gemäß 8 18 des Urheberrechts nur mtt der deutlichen Quellenangabe „Oberbrg Ztg/' gestattet.)
Marburg, 17. Januar.
* Zum Tode Direktor Dr. Alys wird uns noch gcf l,rieben: Ein an Arbeit und Erfolgen reiches Leben ist mit dem Hinscheiden Direktor Dr. Alys zu Ende gegangen. Der Verblichene hat sich als Schulmann und durch seine wissenschaftliche Tätigkeit einen in weiten Kreisen geschätzten Namen erworben. Fast 38 Jahre hat er mit unermüdlichem Eifer seine Kraft der Bildung der Jugend gewidmet. Seine erzieherischen Grundsätze bestimmte die Erkenniitis, daß unser in deutschen Volke nur dann seine Stellung in der Geschichte gesichert sei, wenn das künftige Geschlecht zu fester Willensstärke und strengem Pflichtbewußtsein herangebildet werde. In erster Linie suchte er hier durch sein eigenes Vorbild zu wirken. Mit Ernst und hingebender Treue hat er bis zum letzten Augenblick alle Aufgaben seines Berufes erfüllt. Er lebte der Ueberzeugung, daß sich das geistige Leben unseres Vaterlandes immer wieder verjüngen und erfrischen werde am Geiste des Altertums. Begeisterung für das Ideal der klassischen Bildung suchte er deshalb vor allem in den Herzen seiner Schüler zu wecken. Erhaltung des Gymnasiums alten Stils schien ihm unbeding. notwendig. Für diese seine Ansicht trat er als entschloßener und ziel- bewußter Charakter im Kampf um die hokere Schule in Wort und Schrift ein. Dieser Geist spricht aus zahlreichen Aussätz.n, die er in Zeitschriften veröffentlichte, und ebenso aus ^rnen pcwa» qoaischen Werken: 1890. Das Wesen des Eymnanums. 1901. Sa. piens atque eloquens pielas. 1902. Humanismus und Histons« z
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Marburg
Freitag, 17. Januar
Die Lüfte
H im großen und ganzen noch immer unverändert, nur daß nach einigen Meldungen bk Delegierten der verbündeten Balkan- Maaten beschlossen haben, vorläufig davon abzusehen, die geplante Hote an die Pforte zu richten. Sie finden, daß die Diplomaten k der Mächte diesen Schritt einstimmig und entschieden mißbilligen, vnd nach einer Unterredung des Herrn Dr. Danew mit dem französischen Botschafter beschlossen sie, abzuwarten, bis die Note der Dächte in Konstantinopel überreicht sei. Bezüglich der rumänischen Ansprüche gegen Bulgarien sollen die letzten Nachrichten in« Nein günstiger lauten, als der Konflikt an Schärfe verlor und eine ruhigere Phase trat, wodurch gewisse Hoffnungen auf eine gütliche Beilegung gegeben sind. Wie das Reutersche Büro er- lährt, erhielt Dr. Danew aus Sofia auch bereits Instruktionen. Infolgedessen nimmt er die Verhandlungen mit dem rumänischen Minister Jonescu wieder auf.
Eine Aeußerung des türkischen Sultans.
i Interessant ist, was der türkische Sultan, der den Chefredak- 1«ur des Blattes „Sabah" in längerer Audienz empfing, über die tage geäußert hat. Er soll folgendes gesagt haben: Wir leben in ^Ner schweren Zeit und haben mehr als je die Pflicht zu arbeiten, Das erst-. Beispiel hierfür will ich geben. Ich bin ein verfassungs- .^Eißiger Herrscher. Das Glück meiner Nation hängt von der Nutz- siarmachung der Wohltaten der Verfassung ab. Nach Beilegung gegenwärtigen Schwierigkeiten ist unsere erste Pflicht die E r - tt^fnung der Nationalversammlung. In meiner dynastte und meiner Nation gibt es niemand, der gegen die Ver- assung wäre. Der Absolutismus, der notwendigerweise die Form Mr Willkürherrschaft annimmt, kann niemals, insbesondere nicht
Ministerpräsident Poincarä.
, Vorstehend bringen wir die Bilder der beiden aussichtsreichsten Kandidaten für den französischen Präsidentenstuhl: Acker- bauminifter Pams und Ministerpräsident Poincars. Ihre Chancen stehen vorderhand noch so gut wie gleich. Zwei bisher abgehaltene Versammlungen der Republikaner, tn denen durch Probeabstimmungen der offizielle Kandidat für die Präsidentschaft bestimmt werden sollte, zeigte, wie wir bereits mitteilten, daß Vorgenannte zwei Herren eine ziemlich gleich große Anzahl von Stimmen auf sich vereinigten. Gestern traten nun die Republikaner zum dritten Male zusammen. Dabei wurden von 748 Anwesenden 646 Stimmen abgegeben, so daß die Majorität 324 bettug. Es erhielten Pams 823, ^P oi n ca r6 309, Ribot 11, Dekassä 2 Stimmen, Deschanel eine Stimme. Es ist also auch durch diese Wahl der endgiltige Kandidat der Republikaner noch M «licht bestimmt. "*
in dem Jahrhundert, in dem wir leben, für die Bedürfnisse der Ration sorgen und deren Wohl sichern. Die Verfassung bleibt ewig die Regierungsform unserer Nation. Es ist nottvendig, Mißbräuche hintanzuhalten: die Ereignisse bewiesen dies neuerdings. Wir bedürfen Ruh e, damit die Verfassung Früchte trage. Der Mangel an Ruhe während der letzten vier Jahre zeitigte die gegenwärtigen Schäden. Dieser Zustand wird und kann nicht weiter andauern. Die Vaterlandsliebe verlangt gebieterisch eine Einigung zugunsten der allgemeinen Interessen der Nation und des Landes. Die Nation erlitt dadurch großen Schaden, daß wahrend der letzten vier Jahre in Gemäßheit des parlamentarischen Majoritätsprinzips häufige Systemwechsel vorgenommen werden mußten. Der volle Gebrauch der Rechte, welche die Verfassung dem Sultanat verleiht, kann von diesem Belange große Wirkung haben. Ich werde nicht ermangeln, von den Rechten der Krone zugunsten der Interessen und des Glückes der Nation Gebrauch zu machen. Auch die Mitglieder der Nation müssen von ihren Rechten Gebrauch machen. Es ist notwendig, daß aus den nächsten Wahlen eine homogene, fähige und erleuchtete Majorität hervorgehe, welche die Sitten des Landes kennt und die allgemeinen Interessen jedem persönlichen Wunsch voranstellt.
Die Genugtuung für Prohaska.
B e l g r a d, 16. Jan. Wie aus Prizrend gemeldet wird, fand gestern vormittag 10 Uhr die feierliche Hissung der Flagge auf dem österreichisch-ungarischen Konsulat statt. Kurz vor der anberaumten Zeit hatte ein Detachement serbischer Truppen unter dem Kommando eines Offiziers vor dem Konsulat Aufstellung genommen. Konsul Prohaska erschien in Galauniform, umgeben von dem Personale des Konsulats und gab dem Kawassen das Zeichen zur Hissung der Flagge. In dem Augenblick, als diese aufgezogen wurde, leisteten der kommandierende Offizier und das ausgerückte Detachement unter klingendem Spiele die vorqelchriebene Ehrenbezeugung. Hiermit war die Feier beendet. Bald darauf stattete Konsul Prohaska dem serbischen Militärkommandanten einen Besuch ab.
Türkische Beschießung von Sy«.
Athen, 15. Jan. Dem türkischen Kreuzer „Medjidie" gelang es in der letzten Nacht, im Nebel unbemerkt die Linie der vor den Dardanellen kreuzenden griechischen Torpedobootszerstörer zu durchbrechen. Heute erschien der Kreuzer vor Syra und beschoß ohne Resultat das Pulvermagazin und die Kohlenlager, sowie das Elektrizitätswerk, das beschädigt wurde. Der Hafen und die Stadt konnten infolgedessen am Abend nicht beleuchtet werden. Auf den griechischen Hilfskreuzer „Makedonia", der sich feit etwa 8 Tagen im Hafen befand, um Reparaturen an seinem Steuerruder vornehmen zu lassen, wurden von dem „Medjidie" 15 Schüsse abgegeben. Da der Kommandant der „Makedonia" befürchtete, daß die Beschießung großen Schaden anrichten würde, versenkte et provisorisch das Schiff im Hafen von Syra, wo es am Kai vertäut lag. Die Mannschaft war vorher ausgebootet worden. Sie besetzte die Kais, um die Ordnung aufrecht zu erhalten, und verstärkte die Wachmannschaft bei den Gefangenen. Der Kreuzer „Medjidie" verließ hierauf Syra und dampfte in der Richtung nach Kleinasien ab. Bei der Beschießung der Kohlenlager wurden ein Mann und eine Frau, die dort arbeiteten, getötet. — Die Übrige türkische Flotte hat die Dardanellen nicht verlassen.
mit oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
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